Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 5 (17.1.1936)
- Date
- 1936-01-17
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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W^^^^j &SS&£&Sg$. Berlin, den 17. I. *9?6 Beilage der ,,Jüdischen Rundschau" 4. Jahrgang / Nr. 1 Eas Kälbchen Von Mendele Mocher Sforim Vor e tilgen Wochen begingen wir den 100. Geburtstag Mendele Mocher Sforkns (Schalom Jakob Abramowitsch), des Begründers der modernen hebräischen und jiddischen Literatur. Der nachfolgende Abschnitt aus einer größeren Erzählung gibt einen Einblick in das Leben eines Jungen zur Zeit Mendeles, d. h. in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in einem kleinen Städtchen des Ostens. Mensch und Tier lebet unier einem Dach, und alles im Hause ist sehr einfach. Die Schale, der Cheder, wird von einem „Rebben" geleitet und beschränkt sich auf jüdische Fächer. (Red.) An einem Wintermorgen, ganz früh, als ich tief vergraben unter der Decke lag und verschlafen noch gar nicht daran dachte, aufzustehen und in den Cheder zu gehen, spürte kh plötzlich, daß man mich weckt, stößt und mir zuruft: „Steh auf, schnell, schneller, schneller!" Ohne mich zu besinnen, springe ich auf und sehe meine Schwester vor mir, ein zwölfjähriges Mädchen. Ihr Gesicht leuchtet, die Augen funkeln mit einem sonderbaren Glanz, der Mund ist halb offen, auf den Lippen ist ein starres Lächeln, Sie will etwas sagen und kann es nicht, sie ist außer Atem, streckt ihre Hand aus und zeigt auf etwas mitten in der Stube: ein — ein — —. Ich schaue hin und sehe: — Ach, ein Kälbchen! Und wie ich so stehe, barfuß, nur in einem Hemdchen, springe ich geschwind zu dem Kälbchen, und bedecke dabei mit einer Hand meinen Kopf (ich habe keine Zeit, mein Käppchen zu suchen). Mir ist, als ob ich die ganze Welt erobert hätte und alles in ihr meine Freude teilt. Die Sonne scheint anders, der Morgen ist milder, freundlicher als sonst, überall merkt man eine feierliche Stimmung, alles lächelt und sagt: „Frohes Fest, ich gratuliere dir zur Ankunft des Kälbchens!" Ich setze mich auf die Knie, etwas entfernt vom Kälbchen und betrachte es. Ein schönes, rotgelbes Fell, an der Stirn ein weißer Fleck, wie ein silbernes Wappen, ein Wunder Gottes! Und allmählich trete kh näher heran, kh beginne es zu streicheln, zu berühren, zuerst mit einem Finger, indem kh ihm in die Augen schaue, bis ich mich mit ihm ganz befreunde und ihm ein richtiges: „Schalom alejchem", mit der ganzen Hand, mit allen fünf Fingern verabreiche. Dabei weiß das Kälbchen gar nicht, was „Schalom alejchem" bedeutet; es fühlt sich gekränkt, und indem es alle Kräfte wimmelt, versucht es aufzustehen. Zuerst stellt es sich ganz! 3zm auf die hinteren Beine, sich auf die Knie der vord: . .::ine stützend. Dann stellt es sich auf alle vier Füße, die vi i;ie eines wackeligen Tisches schaukeln. So steht es e: 1 ■ Weile, plötzlich aber hebt es den Schwanz und läuft i i fia'opp durch die Stube. Es ersteht ein Lärm, beinahe ein Getöse. Die Bank mit dem zerbrochenen Bein fällt um, die Hühner erschrecken, laufen wie verrückt über Tisch und Bank, zerbrechen ein Glas, werfen eine Schüssel um. Die Mutter, die mit der Kuh im Vorhaus beschäftigt ist, hörtden Lärm und kommt ganz aufgebracht in die Stühe gelaufen. Sie ist zornig über mich. Ich ' •"> hin und sehe:- Ach, ein Kälbchen! — da fliegt eine Ohrfeiget Ach, was für ein Tag für mich, Ohrfeigen und Schläge, zu Hause und auch im Cheder! Mein Kopf war voll mit Gedanken an das Kälbchen, als ich das Haus verließ. Wem ich nur auf dem Weg in de« Cheder begegnete, teilte ich die frohe Nachricht mit: Unsere Kuh hat'ein Kälbchen geboren! Einigen habe ich versprochen, das Kälbchen zu zeigen, und ihnen zu erlauben, daß sie mit mir damit spielen. Von einem habe ich sogar ein paar kupferne Knöpfe bekommen und einen Beutel Bonbons, w»eil ich ihm geschworen habe, „so wahr ich ein Jude bin!", er werde als erster die Ehre haben, auf dem Kälbchen zu reiten. Es versteht sich, daß ich wegen der großen Freude und so vieler Geschäfte zu spät in die Schule kam und schlecht abschnitt. Aber Ohrfeigen bleiben Ohrfeigen, .und ein Kälbchen ist ein Kälbchen. Die Gemara liegt vor mir aufgeschlagen, und dort guckt hervor — es dreht sich vor meinen Augen — das Kälbchen. Es geht mir nicht aus dem Kopf: das Kinn, die kleinen, aufrechtstehenden Ohren, der Kopf, der Hals. Der Lehrer brummt in seinem Gemaraton, und ich höre, wie die Kuh nach dem Kälbchen brüllt. Der Lehrer springt von seiner Bank, und ich sehe, wie das Kälbchen sich auf die Füße stellt. Der Lehrer streckt die Hand aus, mir kommt es vor, als ob das Kälbchen seinen Schwanz hebt: hopp, hopp — da fliegt eine Ohrfeige! Der Lehrer ist böse, fragt, wo wir stehen geblieben sind. Ich aber halte meine Wange . . . Aus dem Jiddischen übersetzt von F. R« Achtung! Preisträger im Chanukkah -Wettbewerb Eine Reihe von Preisträgern haben bis jetzt noch nicht mitgeteilt, welchen Preis sie aus der ihnen zustehenden Gruppe zu erhalten wünschen. Wir bitten die nachstehend aufgeführten Preisträger, sogleich unter genauer Angabe ihrer Adresse dem Keren Kajemeth Lejisrael, Berlin W15, Meinekestraße 10, die erforderliche Mitteilung zu machen: Berlin: Eveline Alkan, Berthold Arnoldi, Frank Boschwitz, Lilly Cassel, Ursula Ebertsf ein. Gerda Flatow, Heinz Glaser, Helga Margot Goldstein, Rosemarie Uerzfeld, Walter Ilirschberg, Robert Hirschfelcl, Rafael Jurovicz, Peter Landsberg, Eveline Lieburth, Werner Rosenthal, Bilde Salz, Gerda und Jenny Schi![mann, Ruth Stillschweig, Rita Woltf, Ester Zuntz, ohne Namen, Linienstr. 241. — Bamberg: Altred Adler. — Brühl: Margot Schweizer. — Caputh} Hanni Strauß. — Czamkow (Polen): Paul Adler. — Frankfurt (Oder): Lutz Cohn. — Frankfurt a. Main: Heinz Leibsohn, Peter Heyen, Julius Neugebauer, Aenne Sachs, Rolf Strauß, Rose Tachauer. — Freiburg (Breisgau): Ilse Friedmann. — Glogauj Charlotte Sattler. — Haifa: Jehudilh Adler. — Hamburg: Lilly Cohen, Günler Eichholz, Cäcilie Landau, Boas und Kati Popper, Ruth Reimann. — Hannover: Eva Bach räch, Rosemarie Lichtenstein, Hannekläre Graetz, Vera Haas, Margot Hamberg. — Köln: Abrah. Steinweg. — Konstanz: Ellen Mayer, Ruth Mayer. — Kunzendorh Steffi Löwenstein., — Leipzig: Edith u. Ilse Kroch, Regina Sarbach. — Mainz: Margo Vogel. — Mayen: Ernst Cohen. — Memel: Leonie Kahn. — Michendorf: Ilse Grebler. — München: Hilde Schaller, N. Tuchmann. — Ratibor: Rita Schaub, Fritz Weißkopf. — Siegburg! Ilse Falketistein. — Spandau: Rüben Laer. — Stargard: Hildegard Klein. — Stettin: Otto Lindner. — Stolp (Pomm.): Vera Frankel.— Tel-Awiw: Eva Brauer, U.Mannheim, — Wien: .Marianne Beniami« nowna, Eva Drachsler, Eva Hoffmann, Edith Nachod, Alice Ulmer. —< Wittlich: Oberstufe. — Würzburg: Heinrich Kranzler.