Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 5 (17.1.1936)
- Date
- 1936-01-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2653922-2653928--28084-2689550- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JÜDISCHE RUNDSCHAU PALÄSTINA-BLATT NR. 5, 17. JANUAR 1936 Ben Zwi 50 Jahre Weser Tage wurde in Paliistina der 50. Geburtstag von Jizchak Ben Zwi, dem jetzigen Präsidenten des Waad Leumi, gefeiert. Ben Zwi ist eine bekannte Figur des öffentlichen Lebens Palästinas. In allen politischen Kämpfen tritt er seit Jahren als ein Repräsentant eines Teiles des Jischuw und in der letzten Zeit als Repräsentant des gesamten Jischuw hervor. Aber wenige Menschen wissen, daß dieser Mann seinem eigentlichen Wesen nach eine stille Forscher- und (klehrtennatur ist, der sich insbesondere mit Hingabe seinen Forschungen der Ethnologie Palästinas widmet. Ben Zwi ist ein Führer der ehemaligen l'oale Zion in Palästina, die späti r in der „Achduth Awod'nh" und schließlich in der „Mapai" (Palästinensische Arbeiterpartei) aufgegangen sind. Während des Krieges war er Mitglied der palästinensischjüdischen Legion und später führend beteiligt an den Bemühungen der Schaffung einer autonomen Organisation des Jischuw. Er ist stets als unerschrockener Vorkämpfer für die nationalen Rechte des jüdischen Volkes hervorgetreten, in kritischen Momenten fiel ihm oft die Führung zu, und heule ist er als Vorsitzender des Waad Leumi der Wortführer des Jischuw gegenüber der Regierung in allen nationalen Angelegenheiten. Wenn ihm auch oft genug das Los zuteil wurde, bei der Regierung mit Protesten und Forderungen aufzutreten, so ist er doch nicht nur wegen seiner Stellung, sondern auch wegen seiner charakterlichen und seiner persönlichen Eigenschaften überall und auch in Regiertmgskreisen hoch geschätzt. Ben Zwi hat eine Reihe von Werken verfaßt, insbesondere über die verschiedenen jüdischen Volkssplitter Palästinas, zuletzt ein umfassendes Buch über die Samariianer. Er ist auch ein guter Kenner des Arabischen und der arabischen Kultur. Mögen dem Jubilar, zusammen mit seiner Gattin, die sich um die landwirtschaftliche Ausbildung der Mädchen in Palästina besonders verdient gemacht hat und in den letzten Jahren eine ganze Reihe jüdischer Mädchen aus Deutschland betreut, noch viele Jahre fruchtbarer Arbeit zum Wohle des jüdischen Volkes besehieden sein. Wie aus Jerusalem gemeldet wird, fand anläßlich des 50. Geburtstag Ben Zwis in Jerusalem eine Feier im Kreise der Mapai-Führer aus dem ganzen Lande statt. Die Bedeutung der Levante-Messe I'ötn : Sonnctifekl Um die Befriedung des Jischuw Welzmanns Verhandlungen Im Sieff-Institut in Rechoboth fand eine Besprechung i wischen Dr. Weumann und Vertretern der Jüdischen Bauern- Vereinigung statt. Nach einem Communiquö, das von der Vereinigung ausgegeben wurde, sind die Bauern bereit, Weizmanns Bemühungen, den Jischuw zu einigen, zu unterstützen. Eine weitere Zusammenkunft wurde bereits vereinbart. (Palcor.) * Die Vereinigung der jüdischen Journalisten Palästinas veranstaltete am 12. Januar einen Empfang zu Ehren der Exekutive der Jewish Agency. Der Präsident der Jewish Agency, Dr. Chaim W e i z m a n n, der Vorsitzende der Palästina-Exekutive, David Ben Gurion und J. Grünbaum, hielten Ansprachen, in denen sie auf die Einigkeit innerhalb der jewish Agency hinwiesen und die Notwendigkeit betonten, daß derselbe Geist der Einigkeit auch im palästinensischen Jischuw herrsche. Von Elieser Kaplan, Mitglied der Exekutive der J. A. Die wachsende Aufnahmefähigkeit des Landes hängt von einer harmonischen Entwicklung seiner verschiedenen Wirtschaftszweige, von der richtigen Proportion in der Entwickeceige, von der richtige hing von Landwirtschaft, Industrie und Handel ab. Von diesem Gesichtspunkt aus soll die große Bedeutung der Levantc-Messe hervorgehoben werden, die den verschiedenen Wirtschaftszweigen des Landes neue Impulse für deren Weiterentwicklung gibt. Schon die erste Palästina-Ausstellung, die K)2-l in den engen Räumen der Tcl-Awiwer Knabenschule abgehalten wurde, hat es s. Zt. vermocht, einen Anstoß für die lintwickelung gewisser Industriezweige des Landes zu geben, und jede der darauffolgenden Ausstellungen hat in dieser Beziehung an Bedeutung gewonnen. Die Messe ist zu einem wichtigen Faktor in der wirtschaftlichen Entwickclung des Landes geworden. Sie hat zur Herstellung engerer Beziehungen sowohl zwischen Palästina und dem Judentum der Welt als auch zwischen Palästina und den anderen Ländern beigetragen. Es ist ihre Aufgabe, einen Ueberblick über die wirtschaltiehe Entwickclung Palästinas zu geben, als Antrieb für die Tozereth Haarez-Propaganda zu dienen und die Beziehungen Palästinas zu anderen Ländern weiterzuentwickeln. Palästina befindet sich in einer Phase schnellen Aufbaus und es ist selbstverständlich, daß sich dadurch dem Einfuhrh a n d e I große Möglichkeiten eröffnen, und doch soll es unser Bestreben sein, so weit als möglich, eine richtige Proportion zwischen Import und Eigenproduktion herzustellen. Hierfih genießen wir keinen gesetzlichen Schutz. Die Schwierigkeiten, die in Bezug auf die Einführung von Schutzzöllen und den Abschlu'l von Handelsverträgen bestehen, sind wohlbekannt. Doch sollten wir durch eigene Organisation und freie Handclsverhandlungen mit verschiedenen Ländern diese Mängel so weit als möglich zu kompensieren versuchen. Der Export der landwirtschaftlichen und industriellen Produkte Paliistinas begegnet großen Schwierigkeiten und erfährt in verschiedenen Ländern Begrenzungen. Jene Rechte, die diese Länder ihren anderen Kunden zuerkennen, genießen wir nicht. Auf der Levante -Messe werden wir mit Vertretern dieser Länder zusammentreffen. Diese Gelegenheit können und sollen wir zu einer Klärung der Sachlage wahrnehmen. An uns ist es, zu erklären, daß Länder, die von Palästina etwas erhalten wollen, ihm auch etwas geben müssen. Sie sollen zur Erweiterung unseres Marktes beitragen. Ferner soll uns die Levante-Messe durch die durch sie geschaffenen weltwirtschaftlichen Beziehungen ermöglichen, die Regierung Palästinas zu bewegen, ein System aktiver Förderungsmaßnahmen für die Entwickclung unserer Industrie und unseres Handels einzuführen. Groß ist auch die Bedeutung der Levante-Messe für die Intensivierung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Palästina und dem Judentum in der Diaspora. Die Verbreitung palästinensischer Produkte unter den judischen Massen der Welt kann zu einem wichtigen Faktor für den Aufbau Palästinas werden. Arabische Ueberfälle geplant? Das „D c u t s c h e Nachrichtenbüro" veröffentlicht einen längeren Bericht aus Beirut, worin es heißt: „Es liegen sehr greifbare Anzeichen dafür vor, daß Moskau unter Benutzung der internationalen Spannung, der Unruhe am Mittelmeer und der Erregung der Araber von Aegypten bis Syrien bestrebt ist, die in Palästina herrschende jüdischarabische Spannung nach Kräften zu schüren. Moskau will offenbar auf diese Weise über den Umweg einer nationalen Revolution im Vorderen Orient die bolschewistische Revolution vorbereiten. Sowjetrussische Gelder fließen in der letzten Zeit immer reichlicher in die arabischen Kampforganisationen. Allein in den letzten beiden Monaten sind an gewisse arabische Vermittler 12 000 Pfund gezahlt worden. Mit diesen Geldern wird eine umfangreiche Einfuhr von Waffen durchgeführt, die teilweise japanischer Herkunft sind und ihren Weg über Transjordanien und die Sinai-Halbinsel nehmen. Die arabische nationale Bewegung und ihre Presse, die in der letzten Zeit sich gegenüber E n g I a n (j^noch angriffslustiger zeigt als gegen die Jude n, bleibt offenbar zumeist in Unkenntnis der wirklichen Drahtzieher. ... Auf Moskauer Anweisung hin, die über Damaskus kommt, sollen die arabischen Unruhen in dem Zeitraum bis Ende Februar ausbrechen, und zwar beginnend mit Ueberfallen nicht nur auf die Städte, sondern auch auf die jüdischen Landsiedlungen in Nordpalästina. Mit diesen Landsiedlungen ist die untcrgaliläische Ebene Israel zwischen Haifa und dem Jordan gemeint.'' Soweit die Meldung des DNB. Die britische Regierung wird sich gewiß ihrer Verpflichtung, Ruhe und Sicherheit zu gewährleisten, bewußt sein, und bei drohender Gefahr die nötigen Vorkehrungen in Palästina treffen. Im übrigen beleuchtet diese Meldung die tragische Lage der Juden in der Welt, da hier die kommunistische Zentrale als Anstifterin geplanter antijüdischer Ueberfälle dargestellt wird, während man gleichzeitig auch in scharf antikommunistischen Kreisen häufig Sympathien für die antijüdischc Einstellung der Araber hören kann. * Ueber die schon in Nr. 3 berichtete arabische iugendvcrsammlung in Haifa zu Ehren des bei Dschenin im Kampfe mit der Polizei zusammen mit mehreren seiner Genossen getöteten Izz ed Dhin el Kassam, schreibt unser palästinensischer gi-Korrcspondent u. a. noch: Die Redner in den Meetings beschäftigten sich auch mit der Frage des Legislative Council, so wie sich auch die ganze arabische Presse fortdauernd damit befaßt. Im Mittelpunkt aller Reden stand jedoch die Ligur von Scheich el Kassam. Sämtliche Redner feierten ihn als nationalen Helden, der in der Verteidigung seines Landes gefallen sei und stellten ihn als Vorbild für die nationalen Kämpfer hin. In dieser Hinsicht decken sich die Reden mit den Aeußerungen der arabischen Presse, die in allen ihren Richtungen vom ersten Moment an mit ihrer Sympathie für die Terroristengnippe nicht zurückgehalten hatte. Von besonderem Interesse ist, daß die Redner iii Versammlungen auch dagegen protestierten, daß in der jüdischen Presse El Kassam als ein „Mörder" bezeichnet worden war und immer wieder die besonderen Ziele der Terroristen und ihre Aktion im Dienste der Unabhängigkeit des Landes betonten. Zerfall der arabischen Einheitsfront? J e r u s a 1 e m. (Palcor.) Die Antwort der Araber an die Regierung in der Frage des Legislative Council, die am 7. Januar überreicht werden sollte, steht noch immer aus. Es heißt, daß die arabischen Parteien sich über ein gemeinsames Memorandum nicht einigen Können. In einer Sitzung von Vertretern aller Parteien soll D s c h e m a 1 Hussein!, der Vertrauensmann des Mufti, vorgeschlagen haben, daß die Hauptforderung der Araber die Errichtung einer nationalen Regierung sein müsse. Dem widersprachen jedoch zwei andere arabische Führer, während Naschaschibi keine Stellung nahm. Zum Schluß kam man überein, daß jede der arabischen Parteien ihre eigenen Vorschläge bezüglich der Abänderung des Projektes des Legislative Council aufsetzen solle und daß die Vertreter der Parteien wieder zu einer Sitzung zusammentreten, nachdem sie die Antworten der Regierung erhalten haben. Inzwischen wurde weiter beschlossen, die ursprünglich für den 15. Januar nach Nablus einberufene Versammlung, die sich mit Protestaktionen gegen die Einwanderung und die Bodenverkäufe befassen sollte, zu verschieben. Im Gefolge dieses Zerfalls der einheitlichen arabischen Front erklärt das Organ des Mufti, „AI Liwa", daß die Mufti-Partei ihr Memorandum auf der Forderung einer nationalen Regierung, die durch ein freigewähltes Parlament eingesetzt wird, basieren wird. HAIFA 1936 / Zwei neue Aufnahmen der Stadt Haifa T BBE •- * i^'J^'SSE? •< A >>°. . . * -.,.-0.^. -> . -ffurt r-Tm >>!-« Wxm'v Dos Bild Units dm Blick vom Kar riet aui den lla'en, Links die deutsche Kolonie, rechts im Vordergründe das jüdische Wohnviertel Herzliah. — Das Bild rechts zeigt die Entwicklung des aui dem Abhang des Karmel gelegenen jüdischen Stadtteils Iladur Ilakarmel, mit den modernen Wohngebäuden, die immer höher den Bi-rgukhung erklilwnen. Das Technikum (das breite Gebäude in der Mi'tej, das v'„r zehn Jelven Hndar Ilakarmel abschloß, liegt heute längst in der Mitte einer sich immer weiter ausdehnenden Stadl, An der E .cht sind die Oeltanks der Irak Petroleum Comp, sichtbar. Der eigentliche Hafen liegt weiter links Photo.- Or..»t Pr«. Pfcoi. Como