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Jüdische Rundschau · 1936-01-14 · Heft 4 (14.1.1936) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 4 (14.1.1936)
Date
1936-01-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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jüdische Rundschau P A L Ä S TI W A - B L A T T NR. 4, 14. JANUAR 1936 Hoofien über die Wirtschaftslage Wie schon kurz gemeldet, fand Ende Dezember in Tel- Awiw eine große Versammlung der Kaufleutc, Industriellen und Vertreter der Wirtschaftsorgane des Landes statt, in weicher Herr S. Hoofien, der "Generaldirektor der Anglo- Palestine-Bank, über die Wirtschaftslage Palastinas sprach. Hoofien erklärte, man könne nicht leugnen, daß Palästina 'in das neue bürgerliche Jahr mit einem Gefühl der Unsicherheit über die Wirtschaftslage eintrete. Dem von „Palcor" wiedergegebenen Text der Rede entnehmen wir folgenden charakteristischen Abschnitt: Als die Tage der ersten Panik im September vorüber waren, hatten wir berechtigten Grund zu glauben, daß wir furchtlos in die Zukunft schauen können. Heute spüren wir jedoch wieder, daß man nicht prophezeien kann und daß noch ernste Verwicklungen möglich sind, die noch nicht vorauszusehen sind. Ich will jedoch vor allem die Tatsache konstatieren, daß unser Land heute viel reicher ist als vor fünf Jahren, reicher an Materialien, an Vermögen, an Baulichkeiten, an Plantagen, Fabriken, Elektrizitätsanlagcn, Transporteinrichtungen und finanziellen Mitteln. Palästina ist heute' auch reicher an Menschen und organisatorischer Erfahrung. Hierin hat sich die Situation seit dem letzten Sommer nicht geändert. Man braucht nur durch die Straßen von Tel-Awiw, Haifa und Jerusalem zu gehen und die Tausende von neuen Gebäuden und die Hunderte von neuen Fabriken, die errichtet werden, zu sehen. Man braucht nur durch unsere Kolonien zu gehen und die neuen Siedlungen sowie die neuen Plantagen zu sehen, die angelegt werden. Bemerkenswert ist ferner, daß im letzten Jahre die Milchproduktion unserer landwirtschaftlichen Siedlungen um oO °/o gestiegen ist. Wir wissen ferner, daß viele von unseren Kaufleutcn große Verdienste gehabt und daß die letzten wirtschaftlichen Erschütterungen zu keinem ernsten Zusammenbruch geführt haben, abgesehen von einer ganz geringen Zahl bedeutungsloser Konkurse, Wie wir von der palästinensischen Hypothekenbank hören, traten bei einem Gesamtbetrage von £P 2000000 bis Ende 1935 gewährten Darlehen bei der Zurückzahlung des Kapitals und der Zinsen Verzögerungen nur im Verhältnis von 1:1000 ein; das ist der niedrigste Prozentsatz von Verzögerungen bei der Rückzahlung von Hypotheken- Darlehen in der ganzen Welt. Auch die Abhebung von Depositen in den Banken im Monat September 1935 führte nicht zu einem Zusammenbruch unseres Finanzwesens. Was haben wir zu tun, um unsere Situation zu festigen? Wir sehen, daß es von Jahr zu Jahr schwerer wird, Absatzmärkte für die Früchte Palästinas zu finden. Wir müssen jedoch diese Märkte erobern. Zu diesem Zwecke müssen wir gegen die Tendenz, den Import zu verringern, der heute fast in allen Ländern herrscht, kämpfen. Wir müssen ferner die Schwierigkeiten berücksichtigen, die heute infolge der in verschiedenen Ländern eingeführten Devisenbeschränkungen vorhanden sind. Von der Palästina-Regierung können wir in dieser Hinsicht nur eine minimale Hüte erwarten, weil sie kein Recht hat, in dieser Frage zu verhandeln; nach dem Mandat stehen nämlich die Tore Palästinas für jeden Import offen. Es gibt ferner Schwierigkeiten beim Transport der Früchte Palästinas, weil die Häfen und Bahnverbindungen diesem Zwecke nicht gewachsen sind. Unsere Industrie hat sich bisher i m Lande entwickelt, ist jedoch bei ihren Bemühungen, den Außenhandel zu entwickeln, überall auf Schutzzölle und andere Schwierigkeiten gestoßen. Wir können jedoch feststellen, daß unsere Wirtschaftskräfte heute unvergleichlich viel stärker sind als im Jahre 1926 (dem Jahr der letzten großen Krise). Wir konnten dies in den letzten Monaten beweisen, und das gibt uns das Recht, zu hoffen, daß das Land alle in der letzten Zeit entstandenen Schwierigkeiten überwinden wird. Wenn wir die Zukunftsaussichten betrachten, dürfen wir eine Tatsache nicht vergessen: nach meiner Meinung war der Wohlstand im Lande nicht nur das Ergebnis der Einwanderung der letzten Jahre, sondern der Einwanderung in den früheren Perioden. Hieraus können wir den Schluß ziehen, daß die positiven Ergebnisse der heutigen Einwanderung gleichfalls erst nach einigen Jahren in die Erscheinung treten werden. In den letzten Jahren haben die im Lande erfolgten tinan zielten Investitionen einen bedeutsamen Platz innerhalb unserer Wirtschaftstätigkeit eingenommen, und auch für die Arheitercinwandcrung waren Beschäftigungsmöglichkeiten gegeben. Bis wir jedoch die Erfolge dieser Investitionen sehen werden, werden wir das Einströmen weiterer Geldmittel und neue finanzielle Investitionen brauchen, um unsere Arbeiter im Lande beschäftigen zu können. Wir sehen heute unter den Juden der ganzen Welt eine verstärkte Tätigkeit für Palästina, obwohl wir auch damit rechnen müssen, daß auch diese Tätigkeit dadurch auf Schwierigkeiten stoßen kann, daß in immer mehr Ländern Devisenbeschränkungen eingeführt werden. Ich habe die Pflicht, so schloß Herr Hoofien seine Ausführungen, alle Richtungen des Landes zur Einheit aufzurufen, weil wir nur durch diese Einheit alle die Schwierigkeiten überwinden können, die auf unserem Wege liegen. Wo soll Herzl bestattet werden? Die Frage der letzten Ruhestätte für die Gebeine Theodor Herzls, die von Wien nach Palästina überführt werden sollen, hat bereits eine Kommission des letzten Zionistenkongresses beschäftigt. Nunmehr ist über diese Frage neuerlich eine Denkschrift ausgearbeitet Worden. Auf Grund zahlreicher Dokumente, Aeußerungen und Hinweise wird die These aufgestellt, daß es Herzls Wunsch war. auf dem Karmel bei Haifa bestattet zu werden. Die von anderer Seite vertretene Meinung, daß mir Jerusalem hierfür in Betracht käme, erweist sich nicht als haltbar. Herzl hat, wie in dem Protokoll dargetan wird, niemals eine Vorliebe für Jerusalem gehabt, dessen vorwiegend mittelalterlicher Charakter ihm fremd war, sondern seine Zukmiftsvision war auf die Stadt ll\ a " i'ef, d': er auch in seinem Roman „Altneuland" verherrlicht hat. Es ist auch nicht richtig, daß Jerusalem als Ruhestätte aller führenden Zionisten gedacht ist, denn nicht nur Achad Haam und Bialik, sondern auch Nordau sind in Tel Awiw begraben. Kein Leser des Protokolls wird sich der zwingenden Argumentation entziehen können. Es sollte daher der begonnene Streit nicht weiter fortgeführt und die Vorbereitungen für die Beisetzung aut dem K a r m e f in Angriff genommen werden. Diskussion um den Amery In der „Times" Die gegen die Einsetzung eines Legislative Council in Palästina im gegenwärtigen Augenblick sprechenden Argumente werden vom früheren Kolonienminister L. S. A ni e r y in einer Zuschrift an die „Times" dahin zusammengefaßt, dali die endgültige Lösung des Palästina-Problems -- das Entstehen eines allgemeinen Gefühls von palästinensischem Patriotismus — durch die Schaffung des Legislative Council verhindert werden könnte. Wer mit den Verhältnissen in Palästina vertraut ist — schreibt Amery — kann die Bedenken nur teilen, die Colone! Wedgwood dagegen vorgebracht hat, daß wir versuchen wollen, in einein Lande mit noch so tiefgehenden Spaltungen seiner Bevölkerung quasi parlamentarische Einrichtungen herkömmlicher Art zu schaffen. In Indien gibt es schließlich ein gewisses Maß von Nationalgefühl, das über das Zusammengehörigkeitsbenvußtscin der einzelnen Gemeinschaften hinausgeht und auf dem aufzuhauen wir hoffen können: weder die Mehrheit der Hindu noch die mohammedanische Minderheit stellen grundsätzlich das Recht der anderen, an dem nationalen Leben teilzunehmen, in Abrede. In Palästina sinn wir von diesem Zustand noch weit entfernt. Und welche Genugtuung immer überlegurigsfähige Araber über die Vorteile empfinden mögen, die die jüdische Einwanderung dem Lande und seiner arabischen Bevölkerung gebracht hat, so werden doch aus Wahlrücksichten alle arabischen Kandidaten zu einer Politik der Niederwerfung der Politik des Jüdischen N a t i o n a I h e i m s in Palästina genötigt sein. Zu dieser Politik — heißt es in dem Brief weiter — sind wir dadurch, daß wir das Mandat übernommen haben und durch die Erklärungen aller unserer führenden Staatsmänner seit der Erklärung Lord Balfours vor fast zwanzig Jahren verpflichtet. Jetzt von ihr abzugehen oder durch absichtliche Schaffung von Schwierigkeiten bei ihrer Durchführung sie abzuschwächen, angesichts der Tatsache, daß Juden einen Ausweg zur Rettung nicht nur ihrer Würde, sondern ihrer nackten Existenz suchen, die einzige Tür ins Freie zu verrammeln, wäre ein Verrat an denjenigen, die uns ihr Vertrauen geschenkt haben. Es ist richtig, fährt Amery fort, daß wir durch das Mandat in nicht geringerem Maße verpflichtet sind, die Interessen der arabischen Bevölkerung zu wahren und das Entstehen von Selbstverwaltungseinrichfuiigen in Palästina zu ermutigen. Aber selbstverständlich müssen wir beurteilen, welches die besten Mittel für die Erfüllung der ersten Verpflichtung und für die richtige Linie und Methode zur Erfüllung der zweiten sind. Wenn wir frühzeitig an die Einsetzung einer gewählten gesetzgebenden Körperschaft herangehen wollen, gibt es dann keine Methode, durch die wir den Zustand vermeiden können, daß die Juden tatsächlich oder statutengemäß für die Dauer eine Minderheit werden, die stets überstimmt wird und die vor Unheil nur durch das fortwährende Eingreifen der Beamtenstimmen bewahrt werden kann? Ich glaube, es gibt eine solche, aber ich glaube, sie kann nur gefunden werden, wenn man die Kluft zwischen den beiden Gemeinschaften nicht außer acht läßt, sondern beiden vollständige und gleiche Anerkennung gewährt. Es gehört zum Wesen des Mandats, daß. die, jüdische Bevölkerung Palästinas auf Grund international anerkannten und bekräftigten Rechfes dort lebt und Anspruch hat, sich zu entwickeln, nicht aber auf Grund von Duldung durch die arabische Bevölkerung. Genau so wie auch die arabische Bevölkerung von Rechts wegen dort lebt. Die b e i - den Gemeinschaften sind rechtsgleich und unter den bestehenden Verhältnissen ist kein Vertretungssystem, das der einen Gemeinschaft mehr Stimmrecht gibt als der anderen, mit dem Geist und Ziel des Mandats zu vereinbaren. Um diese Gleichstellung in einer gewählten Versammlung oder einem Rate Wirkung zu verschaffen, ist es nur notwendig, die Bestimmung zu treffen, daß keine Abstimmung über irgendeinen Gegenstand oder in irgendeinem Stadium der Gesetzgebung gültig ist, sofern sie nicht bei den Vertretern jeder Gemeinschaft eine Mehrheit ergeben hat. Durch dieses einfache Mittel würde jegliche Aktion einer Gemeinschaft gegen die andere von Anfang an unmöglich gemacht werden, während es andererseits ein unbegrenztes Feld der Zusammenarbeit zwischen den Vertrete™ der beiden Gemeinschaften in bezug auf nicht strittige Gegenstände gäbe. Das Recht des High Commissioner, durch eigene Initiative oder entscheidende Autorität tote Punkte zu überwinden, müßte selbstverständlich aufrechterhalten werden. Für ein „einheitliches palästinensisches Volk" Ein Aufsatz in der Zeitschrift ,,G r e a t Britain and the Fast" befaßt sich mit der Verlängerung der Amtszeit des High Cotnmissioncrs Sir Arthur Wauchopc und weist in diesem Zusammenhang auf die Bemühungen der Palästina-Verwaltung hin, „die verschiedenen Gemeinschaften zu eirem einheitlichen Volk zu vereinigen". Die Genugtuung über den Erfolg des High Commissioner — schreibt das Blatt — sollte den Beobachter nicht blind machen für die Tatsache, daß wirkliche Freude nur über den kommerziellen Aspekt des Heiligen f and es empfunden werden kann. Im ganzen ist das Land kaum mehr zufriedengestellt, als es jemals unter dem Mandat war, und es gibt sowohl in der arabischen als in der jüdischen Gemeinschaft Menschen genug, die geneigt sind, vor dem Oesetz ein Auge zuzudrücken, wenn die Gelegenheit günstigist; das beweist, daß moralischer Zuspruch auch weiterhin durch eine physische Kraftreserve unterstützt werden muß. Diese fortgesetzte Gesetzlosigkeit oder M i ß a c h tu n g d e r Landesgesetze ist ein beunruhigendes Symptom, komme sie nun in einem gemeinen Banditentum zum Ausdruck, dessen Träger als Märtyrer gepriesen werden, oder durch jugendliche Gangster in Tel-Awiw, durch Waffenschmuggel oder illegale Einwanderung. Keiner aber kennt die noch zu lösenden Probleme besser als der High Commissioner. Ohne Illusionen, ohne falschen Optimismus geht er an die Vollendung der in Angriff genommenen Aufgaben heran. Wenn auch nicht fröhlichen Herzens, so doch keinesfalls mutlos, führen Sir Arthur Wauchope und seine Verwaltung einen Kampf mit dem Ziele, die verschiedenen Gemeinschaften zu einem einheitlichen Volk zu vereinigen. Dieses ideal wird vielleicht nicht verwirklicht weiden, jedoch nicht darum, weil es an Versuchen fehlt, es zu erreichen. Für die kommenden Jahre wird Palästina, das vor dem Kriege von der Welt im allgemeinen vor allem als religiöses Zentrum angesehen wurde, voraussichtlich im Scheinwerferlicht stärkster Publizität stehen. Seine Stellung hat sich infolge des Krieges, zum Guten oder Schlechten, grundlegend geändert. Es ist jetzt unlöslich mit strategischen und kommerziellen Erwägungen verknüpft, die für einen weit größeren Teil der Welt als das östliche Mittelmeergebiet von Interesse sind. Es hat seinen Platz im System des Legislative Council britischen Reiches; es hat seinen Platz in einem größeren arabischen System; es hat seinen Platz in dem jüdischen System: und'es hat seinen Platz, in dem internationalen Handelssystem. Unter diesen Umständen nehmen gelegentlich Entwicklungen in dem Heiligen Land eine Bedeutung an, wie sie ihrer eigentlichen Wichtigkeit nicht entspricht. Man nehme z. B. den geplanten 1. e g i s 1 a t i v e C o u n c i I, der von gewissen Kreisen angegriffen wird. Die Kritik von zionistischer Seite rührt zum großen Teil von der Behauptung her, daß der Council Menschen außerhalb von Palästina selbst berühre. Dennoch ist der Council, wie die Geschichte der englischen Ueberseebesitzungen zeigt, eine durchaus natürliche Entwicklung. Arabische Befürchtungen Der J e r u s a I e in e r Korrcspon d e n t der Zeitschrift „G r c a t Britain a n d t h e E a st " erklärt, die Araber fürchteten, dem Vorschlag eines Legislative Council ihre Zustimmung zu geben, weil sie in ihm eine zionistische Falle vermuten. Er schreibt^ Den Informationen zufolge, die Ihr Korrespondent von vertrauenswürdiger Seite erhält, *h.i \ivle ihrer Führer gegenüber dem Council freundlich C .-d.'.lt, aber sie sind mißtrauisch und zögernd, erstens i.ti< der unbewegten Haltung der radikalen Elemente und z.vcg.en-., weil sie fürchten, der Widerstand der Juden sei in Wirklichkeit ein Manöver, um sie in politische Komplikationen zu locken. Man muß diese orientalische Mentalität, auf die die westliche neu aufgepfropft wurde, berücksichtigen, um den ganzen Sinn ihrer Argumentation zu erfassen, die ungefähr die folgende ist: Die Juden lehnen ah, um die Araber zu einem (iefuhl falscher politischer Sicherheit und zur Annahme des Councils zu verleiten; denn die Araber würden, wenn die Juden hart wie Stein bleiben, annehmen auf Grund der Erwägung, daß alles, was für sie von Vorteil ist. für die Juden zugcgcbcnei'maßen nachteilig ist; .sobald aller die Araber sieh beteiterklären, als gewählte und ernannte Mitglieder teilzunehmen, und nicht mehr imstande sein werden, ihre Zusage zurückzuziehen, dann wurden die Juden ihre Haltung ändern und ihre Bereitschaft, sich zu fügen, bekanntgeben. Auf diese Weise hoffen sie, eine arabisch-jüdische Zusammenarbeit und Harmonie unter dem gleichen Dach zu sichern und dies der Weit zu verkünden. Um die Wahrheit zu sagen, tahrt der Kol i epomlent fort, hat die hebräisch und englisch geschrieben.- j ü d i s c h e Presse einen Kurs eingeschlagen, der dciardgc arabische Befürchtungen nicht vollkommen zerstreut. Die klatschen Bemerkungen zu dem Plan in den arabischen Zeitungen, die jedoch, keine Aussicht über Annahme ouVr Ablehnung des Plans vor der Entscheidung der inlner /um Ausblick bringen, werden in der jüdischen Presse mit grollen Ueherschriften wiedergegeben, um so den allgemeinen Eindruck zu verstärken, daß die Araber grundsätzlich gegen eine gesetzgebende Körperschaft seien, was nicht der Fall ist. Diese übertriebene Publizistik führt bei den Arabern dazu, daß ihr Verdacht, die Führer der jüdischen öffentlichen Meinung, spielten ein Doppelspiel in dem oben dargelegten Sinn, sich verstärkt. Zweifellos — heißt es am Schluß dieser Betrachtung — ist die jüdische Opposition aufrichtig, und die" Aufmerksamkeit gegenüber den in der arabischen Presse auftauchenden verschiedenen Ansichten vermutlich ein aufrichtiger Versuch, die Entwicklung der arabischen Stimmung wiederzugeben. Konferenz der englischen Juden London, 10. Januar. (JTA.) In einer außerordentlichen Sitzung der englischen Abteilung der J c w i s h Agency wurde beschlossen, eine Konferenz der englischen Juden zwecks Stellungnahme zu der Ankündigung des High Commissioner für Palästina betreffend die geplante Einsetzung eines Legislative Council einzuberufen. Die Konferenz wird am 19. Januar stattfinden. Unter dem Vorsitz l.ord M e I c h e t t s werden an ihr Mitglieder des Board of Deputies und Delegierte der English Zionist Föderation und der zionistischen Parteien Englands teilnehmen. Nach einer Eröffnungsansprache von l.ord Mclehett werden Prof. Selig Brodel sky, Neville l. a s k i und Ree. J. K. G o I d b I o o in das Problem des Legislative Council behandeln. Das Schlußwort hält Nahnm Sokolow. Christliche Araber für den Council Jerusalem, 10. Januar. (J I'A.) Die christlichen Araber haben beschlossen, dem High Commissioner ein eigenes Memorandum zu üben eichen, in dem sie die Annahme des Vorschlags, einen Legislativ e Council lur Palästina zu errichten, zum Ausdruck biingcn. Dieses Vorgehen der christliehen Araber i-\ darauf /unickznfiihren, daß in de am Donnerstag abgehaltener! Beratung der sechs arabischen Parteien ein einstimmiger BeschhilS zur Frage des Legislative Council nicht zustande kam. Wadi Hawarit Die Tageszeitung „LI I.iwaa" teilt mit, der Vizekommissar des Norddistrikts habe die Scheichs des Hawarit- Gcbietcs zu sich berufen und ihnen bekanntgegeben, daß die Ländereien von AI Churdiat (ein Teil von Wadi Hawarit) ihnen übergeben werden. (Um diese Ländereien haben die Beduinen von Wadi Hawarit jahrelang einen hartnäckigen Kampf mit der Regierung geführt. Sie wollten das Gebiet auf keinen I all räumen, obwohl ihnen anderer Boden in der Bet Schaan-Ebene angeboten worden war. Eine Bestätigung der Meldung von ..El Liwaa" liegt noch nicht vor. -- A. d. R.) Die Jerusalemer Wasserleitung Jerusalem, 8. Januar. (JTA.) Die endgültige Aufnahme des Betriebes der neuen Jerusalemer Wasserleitung steht immittelbar bevor. Die Röhreiileitung aus Ras el Ajin wurde bereits an die R o m e m a - R e s e r v o i r s in Jerusalem, die eine Fassungskraft von 21 Millionen Litern haben, angeschlossen. Das Gesundheitsdepartmcut der Regierung hat die seit langem erwartete Zustimmung für die Benutzung der Kläranlagen, in denen das Wasser durch Chlor gereinigt wird, gegeben. Der Stadtrat von Jerusalem wird den Wasserpreis festsetzen. Meldungen der arabischen Presse zufolge, soll der 1 eiter der Kriminal-Abteilung der Palästina-Polizei, Hauptmann Rice, an Stelle von Major Saunders, der auf einen hohen Posten in einer afrikanischen Kolonie berufen wurde, zum stellvertretenden Kommandanten der Palästina-Polizei ernannt worden.

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