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Jüdische Rundschau · 1936-01-10 · Heft 3 (10.1.1936) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 3 (10.1.1936)
Date
1936-01-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ffr. 3 / Jahrgang 41 Preis 25 Rpf. JUDISCHE RUNDSCHAU SchriftUltang.Varlag «. Anzeigenverwaltongl BerllnWlS, Melaekertr.lt F«mrul: S»mm<.l-Nr. 11 Bi»m«tck 5181/82, 7165/70, 7240/42. - Bazuesprein eiraehl Bett«ll(«ld je Mon«i RM 2,-, je Vierteljahr RM 5,75, b»i Abholung BM 1,88 biw. RM 5,39. — Po«rech*ck - Konten der Vertriebt - Abtrilunn: Berlin 715 71 (lür GroS. Berlin), Berlin 17392 (lür ■<■■ übrige Reich). In Füllen höherer Gewalt besteht kein Anspruch »ul Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezogagehuhren. — Erscheint jeden Dienstag und Freitag. BERLIN rsnn nsD rto FREITAG, 10. JANUAR 1936 GUtlgi Anz«lgenpr*UIUU Nr. 4, Di« 12 grapatten« rnm - Zeil» 20 Rpf, für frettiilwmnachncluen 15 Rpi. Aufnahme von Anreißen an bestimmten Tagen oder Stellen und in bestimmte Ausgaben kann nicbi gewährleistet werden. Gekpcnheit*. «n-teigen nur hei Vorauswahlung aul Postscheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Donnerst** 9— 18 Uhr, Freit »k 9 — 16 Uhr. AnnihmwchluÄ für die D i e n s t « e - A u k g a h e Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familienanzeigen am Tag vor Frsrheinen 12 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Herbert Samuels Mission foMüsch? wfltfrasc Englisch-jüdische Delegation nach Amerika Auswanderungfshilfe für Juden Deutschlands Wie die JTA. aus London meldet, soll ein großzügiges Projekt für die Auswanderung von Juden aus Deutschland und ihre Ansiedlung in Palästina und anderen Ländern in diesem Monat von englischen und amerikanischen jüdischen Führern besprochen werden. Am 15. Januar reisen Sir Herbert Samuel, Viscount Bearstead und Simon Marks an Bord des Dampfers „Majestic" nach New York, wo sie mit den amerikanisch-jüdischen Führern Besprechungen abhalten werden. Auf eine Anfrage bestätigte Sir Herbert die Tatsache der bevorstehenden Abreise, lehnte es aber ab, Einzelheiten über den Plan mitzuteilen. Es verlautet, daß u. a. die Aufbringung von drei Millionen Pfund in vier Jahren vorgesehen ist. Zweck der Besprechungen in New York soll es sein, die einheitliche Durchführung der Aktion in England und Amerika zu sichern. Die drei Mitglieder der Delegation sind führende englische Juden. Sir Herbert Samuel war Führer der liberalen Parlamentsfraktion des Unterhauses, mehrmals Minister (zuletzt Innenminister der Nationalregierung von 1931) und 1920 bis 1925 High Commissioner von Palastina. Lord Bearstead ist ein bekannter Oelindustrieiler und Finanzier. Simon Marks, einer der führenden Zionisten Englands und Direktor des Kcren Hajessod, ist als Mitchef einer großen Warenhausfirma auch ein bedeutender englischer Wirtschaftler. — Wie aus Jerusalem telegraphiert wird, soll Dr. W e i z - mann bereit sein, der Delegation beizutreten, falls die auf die Siedlung in Palästina gerichteten Pläne der Jewish Agency voll berücksichtigt werden. Auch einige deutsche Zeitungen haben diese Nachricht, die in/wischen von der englischen Presse (in mehr oder weniger zutreffender Fassung) abgedruckt worden war, verzeichnet und dazu teilweise auch Stellung genommen. Die umfassendste Aeußcrung finden wir in der „N a t i o n a I z e i t u n g" Esse n. Wir geben deren Mitteilung, die unseres Wissens nicht in allen Teilen genau ist, nebst dem daran geknüpften Kommentar wieder. Einer eigenen Meinungsäußerung müssen wir uns enthalten, bevor eine offizielle Bekanntgabe der Absichten oder Pläne erfolgt ist. Die „Essener Nalionalzeitung" erwähnt die Reise der englisch-jüdischen Delegation und fügt hinzu: „Sir Herbert Samuel hat, wie verlautet, die Absicht, gemeinsam mit den ameiikanischen Juden aut gewisse Kreide des imina!iunalcn Großkapitals, zu denen er Beziehungen unterhalt, dahingehend einzuwirken, durch gemeinsame Maßnahmen die Emigration der Juden aus Deutschland zu lordern. K» soll dies so goschelieii, da 15 man Deutsehland Gelegenheit gibt, seinen E x p o r t wesentlich zu erhöhen, um dun Ii eint n dadurch entsteh'uden zusätzlichen Dcvi-enanfall nach Deut >ch!and gewi-se Schwierigkeiten hei der Vermögens! ransferierung derjenigen Juden, die die Abzieht hallen, auszuwandern, zu beseitigen. lickanntlieh besteh! Mir die Juden, die nach Palästina auswandern, bereits eine Ki leiHccomg dmeh ein Handelsabkommen mit Palästina, Sir Hcrl"'t! ^.cnu.l. Absieht ist es jedoch, diese Au;w anderungserlcichte!ungen am alle 1 eile der Weit auszudehnen. Wir müssen der cngli-chcn Presse die Verantwortung lür die Richtigkeit dieser Meldung überlassen. Ganz so einlach, wie der i'hm nach dieser Meldung erscheint, durfte jedoch seine Veiv/iiklchung nicht sein, denn es Ware ein nicht unbedeutender X a t h! e \ 1 t n r den d e u I s c h e n Kapitalmarkt, wenn dir iv.'ch üos hcileufenden Kapitalabwanderungen nur dinch einen gleich hohen Devisenanfall aus einer durch die geplanten Maßnahmen hervorgerufenen Expcrierhblmng ausgeglichen würden. Ueberdk's I.1C1 es sich in der Praxis gar nicht feststellen, ob ein elwa erhöhter Kspori nun tatsächlich auf tlie.-e Malmahmen zunc kzulühten i-t. Ks n.üf.ie dann schon von Sir Herbei! Samuel der KinllulS des jinh-ehcn t,rni'>- kapitals ganz allgemein dahin geltend gemacht wenbn, daii die jüdische n B o y k o t t m u ü n a h ni e 11 in allen Teilen der Welt gegen Deutschland a h g e s t o p p t werden! Ebenso w ie nach Erlatl der Nürnberger Gesetze in Deutschland die Judenfrage liquidiert worden und jede in der Revolutionszeit hin und wich r voigekomniene. Kinzelaklion ausgeschaltet worden ist, sollte auch hier eine Kürung neibeigefülut werden." Dfe englische Presse wröffcntlicht allerhand Mutmaßungen über die Aufgaben der Abordnung. Der anscheinend gut informierte „Manchester Guardian" erklärt, es handle sich um den Anfangsschritt in einer bedeutsamen Bewegung. Ein endgültiger Plan liege noch nicht vor. Die Aufgabe der Abordnung, die etwa einen Monat lang in den Vereinigten Staaten bleiben werde, sei informativer Art. Es sollen Besprechungen mit den Führern der amerikanischen Judenheit, der größten jüdischen Gemeinschaft der westlichen Länder, abgehalten werden. Erwogen werde die Aufstellung eines allgemeinen Auswandcruiigsplan für die jüdische Jugend Deutschlands und die Aufbringung eines großen Fonds für Zwecke der Umschulung und der Erleichterung ihrer Niederlassung im Ausland. Es handele sich also darum, dasselbe zu tun wie in den letzten Jahren, jedoch in größerem Maßstab. Sir Artur Salter Auswanderer -Kommissar? In ü e n f verlautet, daß die zuständigen Völkerbundskreise wegen der Besetzung des Hochkommissariats für die Emigranten aus Deutschland an Stelle des zurückgetretenen Amerikaners (i. MacDonald mit Sir Arthur Sa Her (dem englischen Wirtsehaftspolitiker und früheren Leiter der Wirtschaftssektion des Völkerbundes) verhandeln. James Arthur Salter spielte während des Krieges eine führende Rolle bei der Regelung der Nahrungsmittelversorgung in England. Nach dem Kriege wurde er Direktor der Wirtschaft«- und Finanzabteilung des Völkerbundes und war von 192b bis 1922 Generalsekretär der Reparationskommission. In Anerkennung seiner Tätigkeit wurde er 1922 geadelt. 1927 war er leitender Experte des Völkerbundes auf der Weltwirtschaftskonfereriz in Lausanne. Am 18. und 21. September 1931 gab er als englischer Delegierter bei der Finanzdebatte in der Völkerhiimlsvcrsammlung bedeutsame Erklärungen über die Weltwirtschaftslage ab. Hebräisch als geistiges Band Eine Kundgebung in London London, 7. Januar. (JTA.) Bei einer Tarbirth-Kimdfebung in London sprachen Nahum Sokolow, Prof. . B rodet sky, Dr. S. Rawidowicz und andere Redner über die Bedeutung des lebendigen gesprochenen Hebräisch für die Diaspora. Sokolow warnte vor der Gefahr des Entstehens einer kulturell isolierten deutsch-jüdischen Gruppe in Palästina und wies darauf hin, daß es auch noch nicht genügend sei, wenn in Palästina alle Juden hebräisch sprechen. Die Lebensfäden, die Palästina mit den Juden in der Welt verknüpfen, dürfen nicht dadurch abgeschnitten werden, daß die Judenheit der Diaspora an der Entwicklung einer neuen hebräischen Kultur nicht teilnimmt. Hebräisch müsse das geistige Band zwischen Palästina und cl e r Diaspora bilden. An die Versammlung richtete Sokolow den Appell, sich der vom letzten Kongreß beschlossenen K u 11 ü r a k t i o n für die Diaspora, deren Leitung Sokolow übernommen hat, anzuschließen. Die Bedeutung des Anschlusses der Juden Englands an die hebräische Kulturbewcguug könne gar nicht hoch genug eingeschätzt weiden. I. Wartski gab eine Uebersicht über die in London bestehenden Möglichkeiten zur Erlernung des Hebräischen und wies darauf hin, daß London vielleicht die einzige Stadt sei, in der das Hebräisch-Studium öffentlich gefördert wird. Der Londoner Grafschaftsrat (= Stadtverwaltung — A. d. R.) werde Gruppen von mindestens 15 jungen Leuten, die sich für Palästina vorbereiten und Hebräisch lernen wollen, einen Lehrer zur Verfügung stellen. Prof. Brodetsky ergänzte diese Ausführungen durch die Mitteilung, daß der Londoner Grafschaftsrat nicht die einzige städtische Behörde sei, die derartige Vergünstigungen gewährt. Auch in anderen Städten werde vom Stadtrat dasselbe angeboten, aber es bestehe die Gefahr, daß diese Vergünstigungen widerrufen werden, nicht etwa, weil die Mittel hierfür fehlen oder die Steuerzahler sieh weigern, sie zur Verfügung zu stellen, sondern weil häufig die erforderliche Gruppe von mindestens zwölf Schülern nicht zusammengestellt werden kann. Es sprachen noch Paul Goodmann, ein Vertreter der Jüdisch-historischen Gesellschaft und Dr. Simon Rawidowicz. _ Um die „Offene Tür" Genf, 7. Januar. (JTA.) Der Bericht über die letzte Tagung der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes ist jetzt veröffentlicht worden. Aus ihm geht hervor, daß die Kommission den Völkerbundsrat aufgefordert hat, eine Entscheidung darüber zu treffen, ob die Bestimmung über die w i r t s c h a f 11 i c'h e Gleichberechtigung in Mandatsgebieten auch für die aus dem Völkerbund ausgetretenen Staaten weiterhin in Kraft bleiben soll. In ihrem vorangegangenen Bericht an den Völkerbundsrat hatte die Mandatskommission angefragt, warum Waren eines Staates, der dem Völkerbund nicht mehr angehört, bei der Einfuhr nach Palästina Waren von Völkerbundsstaaten gleichgestellt sein sollen. Zu dieser Bemerkung erklärte der Vertreter Japans, Nobunii Ito, der Mandatskommission, daß Japan auch als Nichtmitglied des Völkerbundes auf wirtschaftliche Gleichstellung in den Mandatsgebieten bestehe. Der soeben veröffentlichte Berieht der Mandatskommission gibt diese Erklärung des japanischen Vertreters ohne Kommentar wieder. In ihren Bemerkungen über P a I ä s t i n a stellt die Mandatskommission fest, daß sie die neue Petition der Revisionisten geprüft, jedoch beschlossen habe, sie zurückzuweisen, da ihre Forderungen mit dem Mandat unvereinbar seien. (Die Frage der „Offenen T ü r" ist eine der wichtigsten und aktuellsten Palästinas: denn durch diesen Paragraphen des Mandats wird eine aktive Handelspolitik Palästinas unmöglich gemacht, was sich besonders für die O r a n g e n i n d u s t r i e, Palastinas w ichtigsten Wirtschaftszweig, verhängnisvoll auswirkt. — Siehe hier/u den Artikel über Zitrusexport im Palästina-Blatt unserer heutigen Ausgabe. — Red.) Judenfrage eine jüdische Frage — Leiden und Streiten — Weltpolitisches Gespräch und Juden — Motive der englischen Palästina- Politik - Nationale Triebkräfte Die Zeit ist noch nicht allzu fern, als viele Juden in Deutschland die judenfragc nicht empfanden. Das ist heute anders geworden, nachdem die Umwelt jedem von uns mit nicht zu überbietender Eindringlichkeit zum Bewußtsein gebracht hat, wie sehr das Schicksal jedes Einzelnen von dieser Frage abhängt. Allerdings gibt es auch heute noch erhebliche (iruppeu im jüdischen Volk, die solche Erkenntnisse nicht (uler nur unvollkommen besitzen; es scheint, als ob vieles im menschlichen Leben und auch im Leben sozialer Gruppen sich nur dann im Bewußtsein durchsetzt, wenn die eigene Erfahrung da/u zwingt. So können wir heute, fast drei Jahre nach der nationalen Revolution in Deutschland, in den Ländern des Westens jüdische Stimmen hören, die glauben, daß die Errungenschaften der Emanzipation allen Angriffen zum Trotz gesichert sind. W'ir Jurien in Deutschland können solchen Irrtümern nicht mehr anheimfallen. Die Umweit beschäftigt sich mit uns Tag für Tag, und es gibt in ihr Stimmen, die die Judenfrage als ihre e i g e n e Angelegenheit betrachten. So finden wir im letzten Heft der Zeitschrift ,,Deutsches Volkstum" eine Aeufierung des Herausgebers Wilhelm Stapel, die hierfür charakteristisch ist; in einer Polemik gegen Professor Hauer heißt es dort u.a.: ,.....\ußcrdcm halten wir es für einen Irrtum, dal! die Judenfragc in Deutschland eine jüdische Frage war, sie war eine deutsche Frage." Diese Antithese scheint uns etwas allzu schroff zu sein und geeignet, die Behandlung der Frage und den Versuch ihrer Lösung zu verwirren. Es gibt ein die Dinge aufhellendes Wort Hcrzls hierzu, das seinem Aufsatz „Leroy. Beaulteu über den Antisemitismus" entstammt. Herzi schrieb dort: „Die Judenfragc hat zwei Aspekie, einen geschichtlichen und einen aktuellen. Der hisioiischr laüt sich mit kühler Kühe betrachten, ja, die akademische f;el.is>enhrit ist dabei sehr verdienstlich. Aber die aktuelle judenfrage verträgt diese kühle Art. der Behandlung nicht. Hüben, und drüben leidet und kämpft man, hüben ist mehr Leiden, drüben mehr Streiten." Die Judenfrage ist gewiß zugleich eine jüdische Frage und ein Problem der Volker, in (leren Mitte die Juden leben. Gerade auf die Erkenntnis, daß auf beiden Seiten ein Interesse an einer konstruktiven Lösung bestehen müßte, setzte Herzi seine Hoffnungen, Aber das Verhältnis der Partner zu dieser Frage ist ein durchaus gegensätzliches: Das Juden leid trifft die Juden, und es trifft sie in dem Maße gesteigert, als der Streit gegen und um die Juden, "der von den Volkern als Judenfrage empfunden wird, zunimmt! Aber einer Lösung der Judenfragc wird man nur näherkommen, wenn man erkennt, daß im Zentrum der Judenfrage die mehr oder weniger starke Bejahung des Judentums durch die Juden selbst steht. Hur liegt das Schwergewicht ans in o r a 1 i s c h e n und aus praktischen Erwägungen. Wohl werden die Völker in ihrem Lcbensbercich von der Problematik ihres Zusammenlebens mit den Juden betroffen, aber diese Beeinflussung erstreckt sich doch nur auf gewisse Lebens bezirk f, ohne daß die Existenzfrage der Völker dadurch aufgerollt wird. Wie amiers bei den Juden! Hier Hegt ein quantitativer Unterschied vor, der mehr ist als Quantität, weil er bis ans Mark unseres Lebens vordringt. Für die Juden geht es um Sein oder Nichtsein ihres Volkes, um Bestand oder Auflösung seiner materiellen Lebensgrundlagen, um Erhaltung oder Vernichtung seiner nationalen Eigenart, deren Träger es durch die Jahrtausende gewesen ist. Und wir glauben, daß schon aus diesem Gesichtspunkt atl das, was zur Lösung der judenfragc unternommen wird, dahin zielen muß, die Existenz, des jüdischen Volkes unter Befreiung von den Sorgen und Nöten der Judenfragc auf neue Grundlagen zu stellen. Aber auch aus praktischen Gründe n, die sich aus ihrer Struktur selbst ergeben, meinen wir, daß man die Judenfrage zunächst als eine jüdische Angelegenheit zu betrachten hat. Ein großer Teil des Mißvergnügens der Anderen au uns beruht auf der besonderen Art des Zusammenlebens der Juden und der Völker. Gerade d i e Teile des jüdischen Volkes, die an das Bestehen eines zukunftskräftigen jüdischen Lebens nicht mehr glauben und die der Judenfrage mit Augenverschließen und Indolenz begegnen, tragen dazu bei, daß eine Verschärfung der Beziehungen zur Uniwelt erfolgt. Erst wenn es gelingt, der Gesamtheit unseres Volkes die Gefahr jüdischer Auflösung vor Augen zu stellen, und wenn hieraus die Energien zur Umkehr, zur Hinwendung zum Judentum entstehen, kann eine Entspannung des Verhältnisses zur Umwelt eintreten. Nur wenn die Juden die Unhaltbarkeit ihrer Situation, die Gefahr der inneren Auflösung empfinden und aus sich heraus die Kräfte der jüdischen Renaissance entwickeln, vermag sich ein Verhältnis zur Umwelt durchzusetzen, das auf gegenseitiger Respektierung beruht. Auf der anderen Seite kann allerdings niemand daran vorbeigehen, daß ganze Völker heute die Judenfrage als etwas sie selbst Beunruhigendes empfinden und den Versuch machen, diese Unruhe loszuwerden und die Frage

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