Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1936)
- Date
- 1936-01-07
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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S«if« 14 JODISCHE rttNDSCHAÖ Nr. 2, 7.1.193« Kot!l.u ~cr Gfer. — 9. l.muai, li.rkovitz: „Probleme der jüdischen Lebctr-gestalsung", S>n. Rykotr, 53. Hebräische Lehranstalt der Jüd. Gemeinde zu Berlin. Wiederbeginn dos Emen ich'* in der Schule Klopstockttr. 58 am 7. Januar, in der Großen I lam'.uigcr Str. 27 am 8. Januar. Die Bühne des Berliner Kulturbundes bereitet eine Aufführung Ton Perez I Iii-. hbeins „Cn'ine Felder" vor. Diese Komödie aus ostjüdisehem H.suei i.'um. die von der Wilnaer Truppe auf jiddisch, später von der ll.tbimti auf hcbrUirt'b mit großem Krfiilg gespielt wurde, wird tnr Zeit von Leo llir-di für den Jüdischen Kulturbund ins Deutsche übero-izt und t^eat;-' i* rt. Seelische Winterhilfe. Am 10. Januar. 10.30 Ehr, Kindcmaehmit lag, und um 20 t Thr Bunter Abend, in den BeroHna-Fcstsälen, Schönh:m»er Allee 2,9. — Karen beim Wintcriiillswrrk Norden, Schönhauser e I, 7. Die Jüdische Chorvercinißung bring! in ihren nächsten Konzerten ein Werk von l!a\dn und den Jo~na von Handel zur Aufführung. Stimmbeg.ibte P.imen lind Herren, welche dem Chor beitreten wollen, wenten gebe'e:-., -.l Ii bei dem!):: Igen'en. Fco Kopf, Wilmersdorf, Lamlhuu-str. 41 ((hoteidiaus, 2 Tr.l, Tel. 11 6 2068, oder vor der Chorprobe in der Sei.,g.ige Pi iiiz.rcgcnien.str. (19.70 zu melden, und zwar Danen 1 >>oioa i .igs adeud; 8 (dir, Herren Dienstags 8 Ehr. Kunstausstellung im Klubheim des Jüdischen Frauenbundes. Das im Reit, ii^vcd und der Judi.ehen Kulturbünde neubegründete Sehie'anaf. für Bildend-- Kuns' wird fnc.m regeDütSig Ausstellungen von Werken eidt-ei ri Bei beer Kun-d-r im Klubheim. Betlin W 50. M.irbuiger Str. 5, 1, ».•ratts'ahen. Die erste dieser Ausstellungen, die alimona'lMi wechseln „oll.;n»t Arbeiten von Paula Neu (cid und Die Ausstellung findet »om 5. -19. lanttar und i-J geoduot von 11—2 V tir. ausschlicIS- ■-. Eintritt frei gegen Vorzeigung der Kulturdes K-Au, welkes. BRIEFE AN DIE REDAKTION lbubeii (-.hn (ilerUel 1<!3(> ein. Ida :d;eh s' c lieh S.umabi nd vorteil' bund-Miodiedskarte -«!. Licbermann-Ausstellum! der Jüdiichen Gemeinde. Zur er,'en Wiederkehr de4 'Cicug. . idede: ii .u;i■. im Februar bereitet die Jüd'uche Gemeinde im Mn -uvi eine Au-.oelhing vor. — Die Aus-tcihing „Altes Kul'eeta' I': o.e: , -vi" -ouie due t-nippe Hredauer Ktim-tlcr sind nur i: 'eh w - ■ W . ' m zu '-ehrn c .gb-h —■ außer Sonnabend —- t,.;, ic 2! > .,. Vereine Beth-Hammrasch ■ \ \ V I i Gmppi \ei t S\ 11 sgo , 'r. 2... ralrnudl-ibliothek täglich gc- ' 'v.e'.S,.muhend, 12.30 Dir, Lehr- Df A. '.enclu;: ./labiind K-aiwinis". .. I d .:•*•> Is>., lein-". Diene 2n.30 l-hr, ■ ■ .'dt tu, l)r. <.,!,«i: „I almud Bab.a : ■ '. in. '". 'erde;;: ,.d diaeh Hieb . I -! 1 1". b' dtvi".,.. D,. Cohn. -- i!! ' .■; i ■. al.ei.d 8 bi„. j,„ ddau-aal, ■ . x e, K bbiuer l>r. S w.n seiiskv: ..Aus : ■ : i 'aii.diueei;»: Oh.ukantur < dui. .'■ -ti i e. l d\r, im dd.enaal. t rranien- .■• :i |..":'. 'i j,.esj,: ,.krb;oe>e (iel)iaU(dte .im ee t na.danuee,: ( )i.erkan'or (iollanin. ■ V:> n. bi::>l..t, 1 ..e, l,!..lie.. Kleidstr. 10. " 1 1 K I ■ II V \ , 1. < < r 1 1 I > 1 , 1 | S)naR"(.'<-tn i rti ind läubn. (iruppe Kost. sl'.iRe x i i Ii zne n en .Va »ir K.vhki Miki di \ \u Ii i 1 I der \\d s[ I i i k 1 in r , is\ K 1,1 und an der .V t V, . Svn. Kai .ersi t at.ie. An- I i Kl") Dt I'lotke, '•in ( bor. Karten bei den •t r Mr 29, Ro mir,? 4 Kleine Nachrichten Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Arbeitsnachweise. Sprechstunden: a) für kaubn. mannl. Abteilung und märml. Abteilung für freie Berufe; h) für kaufm. weihl. Aliieilung und weil)!. Abteilung für freie Berufe: außer Sonnabends und Sonntags täglich »ein 10 bi.s 1 Uhr ▼ormiitags; c) Verb:«id jiidi-a'her Inger.ü-ure und Chemiker in Deutschland K. V., Momaj naehm. »011 5 bis 7 Dhr; d) Hau «personal: 1. ftir feste Stellen: Montag. Dien4ag. Mittwoch von 2 bis 4 I'hr nachm.. 2. für AtifwjrMr......n, Reiueniaehrfrauen, Wavlifratren. Tage,, teüen uv. .: T.m M......ig bis Freitag riti-rlilii ßli- Ii, präzise 12 I hr mittag,: Abteilung für gewerlil. Personal (Manner und Frauen), Berlin C 2. R.»«-nsir. 2 4, dddepimn: I) I (Korden 6711 (Sammelnumtner). - - M ,nnl. Abie-dung (dr i'achkrdde und enge lernte Arbeiter: atlf'er ^oniiabeud.s und 1 Chr »orm. Weibi. Abteilung dir l beiterinnen: M.ui'a:». Dien-'a". D..nnei. mittags. Bern: beia'nug un : l.r'.r t.dl sirnii: tag. Donner -ag, Fr.-mtg »..n t.m 12 3 Scfiüler; i)i/'c.s'ag imchtn. nm 3 bi» 5 Chr Madelien: I ).,ciner,tag tili,!/ii von 4 d, 7 Cd für Kitaben: Donners'ag natun. von 4 7 bdr. F täglich Ton 10 bis unds ungelernte Ar-; von 1.30 bis 1 Chr g: Montag. Di.n-- I hr mittag.. Für III. deren,tr. 2: dir Holst. „,i-,l,e Sir. 57: Erste Bekanntmachung der Berliner Ortswahlkommission lür die Wahlen zum XXV. Delegiertentag der ZVIO. 1. Die Berliner <X«\vahlkommi«sion liat sich am 2, (antiar kotisiifuiert iiir Rchörf-n an: Kurt l.cinsnhn (\dif,it/nuler),!. i'.isncr, Dr. Alfred Kupferbcrc;, Aduif Michaelis, Dr. Michael Traub. 2. Die Wahlen zum XXV. Dcleg'icrieniap; iler ZVfD. finden in Herlin am Mtttuoth, 22. Janttar, und Donner»«is;, 23. Januar, in der Zeit von 1« bis 22 Uhr statt. Genaue Einzelheiten werden in einer weiteren Bekanntmachung mitgeteilt werden. 3. Wahlberechtigt M, wer a) am Wahltag drei Monate der BZV. angehört; b) das 18. Lebensjahr erreicht hat; c) den Srheke! und d) Ziontstenstener (wenigstens iti Höhe des Lamlesbeitrags) an die ZVfD. abgeführt hat. 4. Die Wahl findet gemäß der Wahlordnung der ZVfD. nach den Grundsätzen des l'roporlioiialwahlreehts statt. Wahlvorschläge (Listen) sind bei der Ortswahlkomiinssion bis zilm 15. Januar mittags 12 Uli-, einzureichen. Die Wahlvorschläge müssen Namen und Adressen der vorges. hlagenen Delegierten enthalten und außerdem von mindestens' zehn Wahlberechtigten unterschrieben sein. Die Zahl der zu wählenden Delegierten wird noch bekanntgegeben werden. Berliner Ortswahlkommission für den XXV. Delefiiertentaß der ZVfü. Kurt Levinsohn, Vorsitzender Hans Wilhelm Steinberg dirigierte auf Umladung der Königlich flämischen Oper in Antwerpen die „hntfiihrung aus dem'Serail" von Mo/art, und hatte bei Preise und Publikum einen großen firfolg. Alle Ihre Bücher von der Buchhandlung am Zoo Fritz Ring Charlottenburg, loachimsthaler Straße 43-44 Mitglied der jüdischen Gemeinde Telefon tiumarck 6506 Zuieodaaf aach «Um Stadtteil» £sra und die heidnischen Frauen Allcnstein, 2. Januar Sehr geehrte Redaktioni In folgenden Zeilen soll eine Frage zur Diskussion gestellt werden, die nicht ohne allgemeines Interesse sein dürfte. Es handelt sich um die Frage: Hat I'isra die Mischehen zwischen den heidnischen Satnaritanern und den Juden aus r a s s e n - politischen oder aus religiösen Cründrn aufgelöst? Ich bin der Meinung, daß es aus religiösen Gründen geschah, daß er nur die Ehen auflöste, durch, die der Religion Schaden erwuchs. Das war aber nur dann der Fall, wenn die Frauen nicht z.trm Judentum tiliergetrc'en waren, sondern im Heidentum »erblichen waren. Kinder aus solchen Ehen unterlagen dem heidnischen Einfluß der Mutter. Ehen aber, in denen die Frauen «um Judentum übertraten, wurden im Judentum geduldet. So hatte selbst Mose die Zippota. eine Midjanitin, geheirate', die Jüdin geworden war und tiie religiösen Gesetze befolgte. War sia es doch, die an ihrem Sohne die Milah »ollzog (II. M. 4, 25). Auch Ruth, die Moabit in, die Stammutter Pari Is, v/ar Jüdin geworden und ihrer Khe mit dem Frblöser, dem frommen Boas, stand nichts im W ege. P h. Silberpfenn tg, Allcnstein Zur Arztfrage in Palästina Tel Awiw, 26. Dezember 1835 Sehr geeinte Redaktion! Aerzte sind jetzt in sehr großer Zahl ins Fand gekommen und es besteht das Problem, sie rieh'ig einzuordnen. Wenn die Aerzte an die Pforten der Krankenhäuser klopfen, um irgendeine Arbeit zu bekommen, z.!!. als Krankenwärter, Diätkoch, Faboratoriuinsdiener, werden sie mit den Worten: „Das kann ich Ihnen nicht zumu'en, l.err Kollege" abgewiesen. Vielen Aerzten ist es unangenehm, Kollegen als I de ergebene zu bcsohabigen und ihnen Befehle zu ei teilen, und sie nehmen sich dann lieber Mcn.schen. die nicht dieselbe Vorbildung haben wie sie -elbsi. Den AerzU'i] weiden -o die Türen der Krankerihäusc-r verscblo.s-en. und sie werden gezwungen, in Hernie zu gehen, wo ihnen die Fitahtung fehlt und sie nur Mittelmadigcs leisten können. In normalen Zeiten könnte man den Standpunkt ihr lebenden Aerzte »erstehen, doch heute n >u Li man dies Problem ganz anders bei rächten. Man sollte das medizinische (Jeberangebot tut das Land zunutze machen und den Aerztcn auf allen C.ebieten, die irgendwie im medizinischen Zusammenhang stehen, Arbeit .geh g. nb.eit geben. Fs käme dort die soziale Fürsorge, die Bcrufdieratung. die wdsscnschal! liehen \"er,uchsstationen für Malaria, Typhus usw. in Betracht. In den verschiedenen Büros für .Neueinwanderer sollte es einen medizinischen Bender geben. In den Malaiiagcbicten sollte manch Arbeiter durch einen Mediziner ersetzt werden. In den größeren Kibbuzzim könnte man je einen Arzt aufnehmen, der den halben Tag als Arzt arbeiten könnte, und die andere Zeit in der Wirt-chaft; dann brauchte auch die Ktipat Chobm mir einen kleinen Zuw huii dafür zu bewilligen, und cier bessere Gesundheitszusland der Kwuzah käme wieder der Wirtschaft zugute. Die überti!>criaste:en Aerzte, die außer ihrer Privatpraxis noch als Schulärzte, in Beratung,stellen, Krankenka--eu atbeiten. sollten einen Teil der öffentlichen Arbeiten abgelx-n, um Platz für die neuen l.mwanderer zu schaffen. Rein wissen-ebaft!i< h harren in Palästina viele medizinische Probleme der Lösung, so daß mancher Arzt in seiner Freizeit sie studieren könnte; es sind die Fragen der richtigen Ernährung während der heißen Zeit, man müßte herausfinden, welche Tageseinteilung die richtigste ist, damit man nicht seine Kräfte übermäßig »erbraucht usw. So kann das Acrztcübcrangeliot nicht eine Last, sondern ein Segen für das Land werden. I lochachtungsvoll Lotte Borchardt Wir Einwanderer aus Deutschland sollten uns nicht mit der bloßen „Einordnung" in das vorläufige Chaos auf kulturellem Gebiete begnügen. Die Aufgabe, an der inneren Erneuerung unseres Volkes entscheidend mi'zuhelfcn, muß unseren ganzen Ein. salz wert sein. Hier könnten wir bald durch Beispiel und Tat da, Vorurteil vom „mangelhaften deutschen Judentum" zerstreuen. Wahrend der letzten h Feiertage konnte man in Farne! ichulc zu Jerusalem dem von Herrn Rabbiner P o s n e r (früher Kiel) veranstalteten Gote,dienst zahlreiche Besucher bemerken, die nicht wegen, sondern trotz des angekündigten „deutschen Ritus'' gekommen waren. Viele steckten die Köpfe herein, wahrscluunlich, um irgendeine „Sensation" zu erleben. Wie gebannt blieben sie aber stehen, ak sie die melodiösen Gesänge nach >hen der bei Dr. „deutschem Ritus" hörten, sowie die nur hebräischen Ansprachen des Rabbiners, die ihnen einiges auf ihren Weg zu geben schienen. Hier lieg! eine große Aufgabe »or unseren Rabbinern au« Deutschland. Mit dem ihnen sicheren Vertrauen der Juden aus Deutschland gilt es. die Initiative zu ergreifen und zusammen mit einem siimmgeschuhen Vorlic'er regehn.ä dige Co'tesdienste einzurichten. Durch Schaffung von Knaben- oder gemischten Chören würde der künstlerische Kei. litum unserer Liturgien auch auf andere Teile des Jisehuw seine Anziehung ausüben. Gelänge es auf diese Weise, der heu e areli'o ',ea Arbeiterschaft etwas zu geben, dann wäre das Problem der kulturellen Wiedergeburl, auf einen verheißungsvollen Weg geführt. Schalom! Harry Levy Die Not der Kleingcmeinden Freiburg (Schles.), 1. 1. 36 ... Unter den jetzt unbeschäftigten Geschäftsinhabern werden viele noch eine Tätigkeit aufnehmen wollen, um nicht der öffentlichen Wohlfahrt zur Last zu fallen; aber für altere Personen ist für eine Betätigung jetzt kein Platz. Auch ich bemühe mich, wenn auch 60;ährig, tun eine Betätigung — nur bisher ohne Erfolg, und von meinem Provinzort wird es mir wohl kaum gelingen, eine Vcrdienstmöglichkcit zu erlangen, um meine Arbeitskraft nutzbar zu machen. Derartige Fade dürften auch noch mehr aufzuweisen sein. So wie für die heranwachsende Jugend in weitgehender Weise gesorgt wird, so sollten auch die alteren Jahrgänge nicht vergessen werden, die doch ebenfalls eine I.ebenslx-reohtigung haben. Nach meiner Ansicht sollte es wohl möglich sein, bei den großen jü.li-.hen. Finnen durch die Bezirk sstellen darauf hinzuwirken, auch ältere Personen entsprechend der Fähigkeit unterzubringen, um jedem eine Virdioiisiinögliohkcit zu schaffen und in vielen Familien den seelischen (•neu um die Finahrung-möglichkeit zu be ei igen. Philipp Wollf %* Diese {von uns gekürzte) Zuschrift ist gewiß charakteristisch für die Lage vieler Juden in den Kleingcmeinden, denen die jüdischen Instanzen ihr Augenmerk zuwenden sollten. (Red.) Gesdiniadisfragen Das religiöse Leben in Palästina Jerusalem, 29. Dez. 1935 Sehr geehrte Redaktion! Ges'ai f.-n Sie mir, den treifenden Ausführungen des Herrn Dr. Heinz M. Graupe, Ilaifa, zum Thema der „kulturellen Sorgen der Einwanderer aus Deutschland" in Nr. 102 Ihrer .Ausgabe vom 20. Dezember 1935. noch einige Bemerkungen anzuknüpfen. Berlin-Chubg., 90. 12. 1935 An die Redaktion der „Jüdischen Rundschau" Das Wort „Kultui" verpflichtet. Es bedeutet nicht nur Bildung und Wissen, sondern viel mehr noch Stil- und Taktgefühl. Es ist zu bedauern, wenn unser Kulturbund dieses manchmal vermissen läßt. Die Geschmacklosigkeit, zum 31. Dezember in Klammern ..Silvester" hinzuzufügen, wird hoffentlich viele Juden unangenehm berühren. Noch ein kh ines, mir wichtig scheinendes Erlebnis. Beim Kindernachmittag in der Chanukkahzeit ließ ich me ine Jungens die Minzen mit in den Zuschauerraum nehmen, in der selbstverständlichen Annahme, daß die Lichter in gewohnter Weise mit den Segens,prü. heu angezündet werden würden. Statt dessen teilt sich der Vorhang, eine selrr hübsche Menorah mit eingeschalteten elektrischen Birnen sieht auf einem Tisch, dahinter singt eine Frau sehr schön zwei Strophen des Moans Zur. Will man unsere jüdischen Kin,ler mit Kinoeffekten zu Juden erziehen? Hat man bei der Regte der Veranstaltung nicht gespürt, wie peinlich so etwas ist t Anna Kargec „Jugendverband"wird zionistisch Beschlüsse des „Verbandes der Judischen Jugendvereine Deutschlands" Am 29. Dezember 1935 fand in Berlin eine Sitzung des V e r b a ntlcs der J ii d i s c h e n Jugendvereinc Deutschlands (Brüh Jehudim Zeirini) statt, an der die Verbaudsleituug, die Vorsitzenden der Landesverbände, Vertreter der Bunde und Mitglieder des Beirats teilnahmen. Die Sitzung war für die Entwicklung und künftige Arbeit des Jugemive!bandes von grundsätzlicher Bedeutung, da sie über die Frage: „( iesamtjiidische Haltung und zionistische Entscheidung" zu besehlielien hatte. Bereits auf den letzten Tagungen der süddeutschen Landesverbände war die E n t s c Ii e id ti n g z ii m Z i o n i s m u s für diese vollzogen und für den gesamten Jugendverband gefordert worden. Dm über diese Forderung zu entscheiden, mußte die Grundhaltung des Verbandes und seiner Arbeit überprüft werden. Paul Eppstein, Berlin, behandelte einleitend die Existenzfrage des Jtigendverbaiides und begründete die .Stellung der Vtrbandsleitung, die in der Einordnung des Verbandes als eines selbständigen Bundes in die zionistische Bewegung die geschichtliche Lriülhmg seiner gesamtjüdischen Haltung gewährleistet sehe. Martin Seliger, Berlin, ging in seinem Referat davon aus, dafi die Entwicklung der Verbandsarbeit eine Uebereinstimmung seiner gesamtjüdischen Wertungen mit denen des Zionismus ergeben habe. Der Zionismus sei keine jüdische Partei neben anderen jüdischen Parteien. Er bestimme vielmehr das Schicksal des jüdischen Volkes in Palästina und in der Golah. In seiner einheitlichen und umfassenden Sicht entspreche er dem Sinn der gesamtjüdischen Haltung, die die jüdische Lebenswirklichkeit in Palästina und in der Golah geschichtlich sinnvoll gestalten wolle. Da der Palästina-Aufbau das Werk der zionistischen Bewegung ist, die als legitimer Willensträger des jüdischen Volkes betrachtet werden müsse, könne die gesamtjüdische Idee nur im Zionismus ihre geschichtliche Erfüllung finden. Kurt S t e i n h e r g, Essen, führte in seinem Korreferat aus, dal! die gesamt jüdische Haltung die Golah als jüdische Gcschichtswirklichkeit bejahe, zumal in den letzten Jahrhunderten die Golah der Ort der Erfüllung jüdischer Geschichte gewesen sei. Bei aller Sehnsucht nach Ziem sei das Judentum nicht mir volklich und territorial m sehen. Daher sei der Zionismus nur eine Richtung im Judentum, während die gesamtiiidische Haltung das ganze jüdische Dasein umfasse. Der Verband dürfe sich mit Recht als die Jugend der Jewish Agency in Deutschland betrachten. Er könne fordern, daß die Jewish Agency ihm unmittelbar die Anteilnahme am Palästina-Aufbau und seinen Maischen eine Ali>ai> ermögliche, ohne daß er der Zionistischen Organisation anzugehören brauche. In der Aussprache wurde die zionistische Entscheidung von der überwiegenden Mehrheit der vertretenen Bünde gefordert, da sie ideologisch und praktisch die Grundlage für eine in sieh geschlossene und selbständige Erziehungsarbeit des Jugendverbandes und seiner Bünde bilde. Demgegenüber wurde besonders von den Vertretern der Bünde in Westdeutschland auf die erzieherische Stärke der gesamtjüdischen Idee hingewiesen. Namentlich David Krombach, Essen, einer der Begründer des Verbandes, und Fritz S c h w a r z s c h i Id, Berlin, betonten, daß der Struktur des Verbandes die Aufgabe entspreche, seine Bünde zu Trägern des Gedankens der Jewish Agency als der Zusammenfassung von Zionisteii und Nichtziouisten zu erziehen, einer Aufgabe, die mit einer zionistischen Entscheidung nicht zu erfüllen sei. Gegen diese Meinung war der Wille der Träger der praktischen Bundesarbeit von entscheidendem Gewicht, der sich nicht nur in einer pädagogischen Zusammenführung aller Kräfte des Judentums erschöpft sehen will. Die Struktur des Verbandes und seine bisherige jüdische Erziehungsarbeit werden seinen irmerzionistischen Weg bestimmen, auf dem sich sehe Eigenart und Selbständigkeit erweisen wird. In der entscheidenden Abstimmung wurden mit der satzimgsgemäß erforderlichen Zweidrittelmehrheit (mit 35 gegen 15 Stimmen der Sitzungsteilnehmer) folgende Thesen der Verbandsleitung beschlossen: 1. Der Verband bekennt sich zum Zionismus als der verpflichtenden Bindung an Gestalt und Geist des jüdischen Volkes. Er sieht in der Verwirklichung des zionistischen Aufbaues in Palästina das entscheidende Werk jüdischer Erneuerung, dem sich seine Menschen verpflichten. Die gesatntjüdische Haltung des Verbandes findet im Zionismus Ihre Erfüllung und ihre geschichtlich begründete Gestaltung, da er das Leben des jüdischen Volkes In Palästina und in der Galuth bestimmt. 2. Der Verband leistet zionistische Erziehungsarbeit, die nach seiner Struktur chaluzische und nicht chalu/.ische Chawerim erfaßt. Ziel seiner Erziehungsarbeit ist Chaluziuth. Von seinen Chawerim in der Galuth fordert der Verband ein jüdisches Leben In sozialer Verantwortlichkeit und Einsatz für alle Aufgaben jüdischer Gemeinschaftsfestaltung. >er Verband bekennt sich zur Zionistischen Organisation, die er als die berufene Vertretung des jüdischen Volkes anerkennt und ordnet sich dem Hechaluz. ein. Mit der gleichen Mehrheit wurde der § 1 der Verbandssatzungen wie folgt geändert: „Der Verband der jüdischen Jugendvereinc Deutschlands (Brith Jehudim Zcirim) ist eine zionistische Erziehungsgemeinschaft"