Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1936)
- Date
- 1936-01-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 1, 3. I. 1936 JÜDISCH? RUNDSCHAU Seite 7 An-skis „Dybuk" als Oper FunkübiriragunK der Oper von Lodovico Rocca aus der Königlichen Oper in Rom am 1. Januar L Qtl o v i co Rocca, ein junger italienischer Komponist, hat a4s An-skis bekannter „dramatischer Legende" eine Oper gen>acht. Es war ein gefährliches Beginnen, ein Werk, das dtitch den unvergeßlichen Aufführungsstil der Habimah erschöpfend dargestellt und eindeutig fixiert wurde, mit musikalischen Mitteln neu zu deuten. Von rein jüdischem Aspekt werden wir seinem Wert schwerlich gerecht werden können. Denn Rocca, der Nichtjude, war gewiß weit davon entfernt, eine „jüdische" Oper zu schaffen. Dazu fehlten ihm alle Voraussetzungen. Er wollte Eigenes geben, ohne sich einer fremden Mentalität unterordnen zu wollen. Es hat ihn sicher gereizt, gerade die Kontraste dieses Textes zu schärfen, dem Aufeinanderprallen und Ineinanderfallen greller, unheimlicher Gebärden, der Intensität dieser eigenartigen Welt nachzuspüren. Einen besseren Operntext als Anskis „Dybuk" konnte er sich nicht wünschen, — vom Standpunkt der Einsatzmöglichkeiten der Musik, des „Effetto", den ein Italiener nicht vernachlässigen darf. Rocca ließ sich von Renato S i m o n i Anskis Stück herrichten. Eine grundlegende Aenderung des Originals war nicht nötig: es gibt schon so einen vorzüglichen Operntext her. Sinioni kürzte die vier Akte auf dref zusammen, wodurch die Handlung straffer wurde und nicht an demselben Punkt zweimal anzusetzen braucht. Das Verhör, der Gerichtsspruch, die Austreibung des Dybuk folgen kurz aufeinander. Alles Anekdotische, das der "dritte Akt in reichem Maße besaß, hat wenig Berechtigung in einem Libretto und konnte fortfallen. Ein Prolog kommt hinzu, wo bisher nur eine chassidische Weise die Handlung einleitete; er gibt die Vorgeschichte, aber nicht als Erzählung, sondern als Begegnung von Stimmen, deren Träger nur schemenhaft angedeutet sind, in einem Klangmeer von Fernchören und die Szene verschließenden bleichen Schleiern, Nebel- und Wolkenmassen. Sonst sind nur Kürzungen zu verzeichnen, keine einschneidenden Veränderungen und Zusätze. Da jedoch, wo Anski in genialer Weise, durch ein paar Andeutungen, durch einzelne üesprächsbrocketi, durch ein ruckartiges und sofort erstarrendes VorwärtsstoiSen der Handlung und des drohenden Geschicks, eine vibrierende Atmosphäre schafft, läßt Simon! kompaktere Szenen entstehen. Die Uebcrsetzung ist an sich wortgetreu. Die eine Stelle fiel uns auf, die im Original heißt: „Der Bräutigam wird zur rechten Zeit kommen." Bei Simoni stellt: „Er wird zu früh kommen." Das ist zu deutlich. — Das Libretto gibt den Boden her, auf dem Rocca seine Musik ausbreiten kann. Er hat mit den Ausmaßen einer R i e s e n b ü Ii n e gerechnet, wie sie das Uraufführimgstheater der Mailänder Scala besitzt. Er schiebt Massenchöre in den Vordergrund, verleiht den Massenszenen ein ungeheures Ausmaß. So steigern sich etwa die Bettlertänzc im zweiten Akt bis zur Raserei, bis /um Phaiitomhaften: die Stimmen gehen in ein Heulen über, die Realität der Szene wird zur Vision. „Es ist ein unkörperlicher und schrecklicher Tanz" heißt eine Bemerkung des Komponisten. Es folgt ein albdruckhafter Tanz der Blinden mit Lea, dessen Wahnsinn schon die Grenze des Grotesken erreicht, was beabsichtigt ist. Roccas vielfältiges, umfangreiches Orchester, das etwa dasjenige der letzten Werke Puccinis ist, seine Chöre sind ihm die Mittel zur großdimensionalen Anlage. Während Anski das Leben selbst gibt und fern jedem Artistentum steht, so liefert Rocca meist „große Oper" mit allem Pomp, der psychologisch vertieft ist. Alles wird zu einem wirkungsvollen und strahlenden Werk zusammengeschweißt, das einem schau- und höriustigen Publikum wie dem italienischen Greifbares bieten kann. Die Austreibung des Dybuk durch Reb Asriel, mit fanatischen Anrufungen, mit Schofarklängen, mit hysterischen Schreien des Dybuk, der aus Lea spricht, wird zu einem aufregenden dramatischen Widerspiel; die mystische Vereinigung von Lea und Chanan verwandelt sich iii ein lyrisches Opernduo, dessen große Vorbilder uns aus Aida, Tristan, Ariadne usw. bekannt sind. In diesem Monumcntalwerk, in dem einzelne ekstatische Worte und Gespräche zu solistischen „Partien" werden, in dem die Mystik personifiziert wird und Lichteffekte der Partitur assistieren, wird das chassidische Leben vielleicht etwas zu sehr vergrößert und verdeutlicht, wo doch seine einzige Extensität darin besteht, mit seelischer Weite über die Enge seines Alltags hinauszudringen. Aber damit ist nichts gegen den Wert der Oper gesagt; Rocca hatte das Recht, sein Libretto nur als Vorwurf zu benutzen. Er ist ein begabter Komponist, dem differenzierte, harmonische und orchestrale Mittel zur Verfügung stehen; er setzt sie bewußt und klug ein. Ihm liegt nichts daran, in Neuland vorzustoßen; er läßt sich von Puceini und von der ganzen nachromantischen, „dekadenten", Sinfonik, deren Repräsentant Schreker war, anregen, aber er führt auch über sie hinaus. Der „Dybuk" ist eine durchkomponierte Oper, jedoch mit geschlossenen Teilen, Chören, Aufzügen, Ariosi und richtigen Rezitativen; die Linie der italienischen Opernentwicklung, die vom späten Verdi ausgeht, wird fortgesetzt. Große Sorgfalt widmet Rocca dem Klang; mit charakteristischen Farben und Rhythmen folgt er der Handlung. Das ganze Werk ist von außerordentlicher Schlagkraft; es hat ein ansehnliches Niveau, es ist brauchbar, ohne „Ewigkeitswert" zu besitzen, — aber bedeutsam eben dadurch, daß mit ihm ein Stoff der jüdischen Geschichte in unserer Zeit eine musikalische Dramatisierung erfahren hat. Es ist hier nicht der Raum, um die Musik von Rocca mit der Bühnenmusik, die 'ocl Enge! für die Habimah geschrieben hat, im einzelnen zu vergleichen. Engel war kein so ausgebildeter Musiker, aber er war Ostjude, und er traf mit Sicherheit den Ton, Rocca bleibt Italiener, wenn er auch jüdische Melodien, Nigunim und synagogale Weisen zum Lokalkolorit verwendet. Es ist interessant, wie das chassidische Milieu ins Italienische übersetzt wird. Der Italiener verlangt schönen Gesang, Sinnenfreudigkeit selbst in dunkelsten Momenten. Für die „Kawana", die ostj.idischc Schau, ist wenig Raum bei Rocca. So wird die Lvrik ganz hell und süß, die Dramatik michclangelesk, Feierlichkeit und Mystik (durch Palästinastil und Choralrhythnius) zu römischer Sakralhcit und byzantinischer Weihe. Aber die chassidische Motorik trifft Rocca: die Besessenheit, die Raserei, die fast ganz orientalischen Beniuschungstänze. Uebcr die Aufführung der durch Rundfunk vermittelten Oper laßt sich nur allgemein etwas sagen. Alles Vokale war — wie man es nicht anders erwarten konnte — von höchster Vollendung. Welcher Schmelz der Stimmen, welche Pracht des Chorklanges! Seihst die kleinste Rolle war mit vorzüglichen Sängern besetzt. Auch das Orchester ist nicht genug zu rühmen. Der Beifall des Publikums der Königlichen Oper in Rom war geradezu frenetisch und war, ebenso wie die ganze vom Sender Rom (wie in der „Jüdischen Rundschau" angekündigt) ausgehende Rundfunkübertragung in Berlin ausgezeichnet zu hören. Dr. Hans Nathan Großer Erfolg der Aufführung Rom, 2. Januar. (JTA.) Die Aufführung am kgl. Opernhaus Rom hatte außerordentlichen Erfolg. Der Vorstellung wohnten Mitglieder der Regierung, hohe Funktionäre der faschistischen Partei und Vertreter der Stadt Rom bei. Die italienische Presse würdigt in ausführlichen Aufsätzen die Aufführung sowie das der Oper zugrundeliegende Drama von An-ski. Die weibliche Hauptpartie wurde von der russischjüdischen Sängerin Julia Charol gesungen. ■ ■* wAwm.mi m m MMMM« ^A^^ML2R ■ DER JÜDISCHEN RUNDSCHAU Chassidisdier Tanz Sehr populär bei den polnisdicn Chassidim Ch. Winawer Nachdruck verboten Alle Rechte vorbehalten SsAr rJ)yt)m!ifb.m'afr? J» stf/nrll. ■f. mvm:m f-rr i it I W-—^-^|^^Äffil-""'^ T» jedr, raduhr'Mf, T*k4t r»d*dl,Tided»,T)dtd», ra rWf, r»m lit bmiimbi bim ttmkminnbvnbtm, oj ■ t3 bim Wm b3m b9 ■? Pz^m oj!-oj.j<>j\ oj'— v,y°ji0jw°j*j,ysoj.<>j jf^W^^ß^^^} YM*!^. oj we y umt* ( / t(ijederNate^ bamkam,bs'mtetr — — — — — — — — - — ^L~fl—t. [V . 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Viele der längeren Vorträge wurden allerdings in französischer, zwei auch in deutscher Sprache abgehalten. Sie hatten zumeist ein weltanschauliches Thema. Ein Vortrag handelte von der Toleranzidee des Islam, ein anderer begründete die Abwehr der Christianisierung durch die Araber. In seiner Eröffnungsrede über die allgemeine Lage des Islam bezeichnete Schekib Arslan die Wiederherstellung des 1021 von der türkischen Nationalversammlung abgeschafften Kalifats als eine heilige Pflicht. Obgleich alles Politische als nicht zum Programm des Kongresses gehörend ausgeschaltet werden sollte, und auch keine politischen Beschlüsse gefaßt wurden, bewegte sich manches doch in dieser Richtung. So wurden Klagen über das ra de de, ra dede ra dsde, ra }o </e ram b», bar» bim 63 bim ^EjE^^E^fe^*Y"f 6am_ bim bim bim 69m, ojt ba btm bambam. b» .m triltllllllllllirttili IIIttltIII lril(llltllllllt(tlllllliltlllti ■ irltillltlillf t!l 11 ■ III I Ml HT(II 1411(11 II )l :UI Mltlll llltlllllltllllitillllliillll Itll Itllltk Palästina-Problem vorgebracht, allerdings in ziemlich maßvoller Form. In den Schlußsitzungen wurden zwei Beschlüsse gefaßt, die das Streben des Kongresses charakterisieren, das kulturelle Eigenleben der Mohammedaner in Europa weiter zu sichern: den Rechten der Moslems in allen europäischen Staaten zur Anerkennung zu verhelfen und in G e 11 f ein dauerndes Islam- Institut zu errichten. Vor einigen Wochen wurde vom polnischen Rundfunk ein Wettbewerb zur Besetzung der Stelle eines Ansagers ausgeschrieben. Zu der Prüfung haben sich mehrere hundert Kandidaten gestellt. Der Wettbewerb wurde von einem jüdischen jungen Mann namens Schenker gewonnen. Scheriker wurde als Ansager für den polnischen Rundfunk engagiert. wirklich nicht unangenehm, wenn ich Ihrer Frau diese Episode erzähle?" „Wenn es Ihnen nicht, unangenehm ist —", zwang sich Erwin zu antworten, um im Bereich der gleichgültigen Höflichkeiten zu bleiben und zugleich die Spitze des Angriffs auf Taczanowski /.tiriickzubicgen. Sie kamen auf den großen „Ring", den viereckigen Marktplatz, in dessen Mitte turmlos, breit und niedrig, nüchtern und trotzig wie ein Gefängnis oder Pulvermagazin das Rathaus stand. Diesem steinernen Kasten und seiner allen ein- und zweistöckigen Umgebung gegenüber halle nun Erwin {rar nicht mehr das kühle Gefühl rles fremden oder frühere Eindrücke nachprüfenden, wiedergekehrten Beobachters, sondern er sah den Kinn schon ganz mit den Augen seiner Kindheit, als müßte er eilends quer über den Platz laufen und links in die Warschauer Straße einbiegen, dort beim Kaufhaus „Elite", und dann 114 Schrille — wie oft hatte er sie geziihl, wenn er übers Troltoir von Stein zu Stein lief, um nur ja die schmalen schwarzen Zwischenräume nicht zu befreien —. dann durch das große Iloftor, über das holperige Ilofpflasler. drei Stufen herauf, durch die Küche — gerade würden die Eltern sich zum .Mitlag setzen . . . ja, der Ring kam ihm vor, als müßte man rasch „heimgehen", und alles wäre gul. „Merkwürdigerweise habe ich die Affäre —" begann Taczanowski und illustrierte das Wort Affäre mit, einer Handbewcgim?, die ihm den ominösen Sinn gleich wieder nahm — „habe ich die Affäre nicht vergessen, ich meine, ich erinnerte mich sofort daran, als ich Sie im Aulobus sah, obwohl ich die ganzen dreizehn Jahre —" „Funfzehn Jahre!" unterbrach Erwin ihn, in schroffem, gepeinigtem Tone berichtigend. „Ja, Sie müssen es wissen. Also ich hatte die ganze Zeit nicht daran gedacht. Auch damals nicht, obwohl die junge Dante, die Sie - betreuten, ganz seltsam hübsch und anmutig war. Ihr Herr Gemahl —" wandle sich Torzanowski mit. einem besonderen Kompliment, au Ilse, die es eisig zu überhören schien, während Erwin die Zähne zusammenbiß, um den Schauder, der ihn schüttelte, zu verbergen — „Ihr Herr Geniahl hat schon damals begonnen, seinen außerordentlichen Geschmack zu beweisen. Die junge Dame sah so bezaubernd ans, wie irh noch nie eine Jüdin gesehen halle, und «de war höchsten«! fünfzehn Jahre all. Und als ich vorbeikam, — oder, Herr .Inda, ist es Ihnen angenehmer, ich erzähle es nicht?" „Erzählen Sie, was Sie wollen." „Keineswegs, nur was Sie wollen." „Aber bitte —!" Mehr brachte Erwin nicht über die Lippen. Und doch hatte er die Gewißheit, es wäre besser, den Polen schlechthin zu bitten, daß er aufhörte. Es war immer noch nicht zu spät dazu, und sein körperlicher Zustand gab ihm wohl ein Recht auf Schonung, aber Erwin brachte es nicht über sich, zu bitten. Sie hatten eine Breitseite des Platzes überschritten und schlenderten die einstige Bismairkslraße hinauf, dem Park zu, in dem sich vor fünfzehn Jahren abgespielt hatte, was Taczanowski jetzt erzählen würde. Vor dem Hause des Staroslen stand, als sie sich näherten, der Wachtposten stramm, bis Taczanowski abwinkte, und Ilse markierte die Gleichgültige, indem si<* die Wände der Häuser, die Fensler mit den Blumen in den Töpfen und den in die Gardinen eingestickten Engeln, die Binnen und das Troltoir beäugte. „Ich war ein junger Offizier und ein sehr abenteuerlustiger, und Herr Juda, damals noch längst kein Herr, saß auf einer Rank im Park und küßte das entzückendste aller Mädchen, und es war ein w armer Märznhend, und sie hörten knapp auf, als ich vorbeikam. Natürlich blieb ich stehen, und wenn ich auch das Pärchen ein wenig geängstigt haben sollte, so kann ich mir das auch heute noch nicht verdenken und verargen. In den ersten Jahren nach dem Kriege war es zwar gang und gäbe, aber ich hatte selbst damals nichts gegen die Juden und vollends nichts gegen Jüdinnen. Nur als ich ein so entzückend junges und anmutiges Mädchen in den Armen eines — verzeihen Sie —" „Sagen Sie nur: eines Judenjungen*" half ihm Erwin ans; es klang bitter und, trotzdem er nicht laut gesprochen hatte, schrill. ,,— in den Armen eines jüdischen unausgewachsenen Mensrhen sah, dachte irh: der weiß nicht einmal zu würdigen, was er hat, und ich trat mit irgendeiner Begründung an die Bank heran, worauf das Pärchen aufstand und weilergehen wollte. Aha, dachte ich, der Junge — verzeihen Sie, Herr Juda — hat Angst —" „Vielleicht ein Grauen?" fragte Erwin mit trostlosem Ernst, aber Taczanowski, von seiner einstigen Rolle offenbar auch in der Erinnerung noch eingenommen, schien den Einwurf zu überhören und fuhr fort: „Und irh erklärte kategorisch, da« Pärchen müßte zur nächsten Polizcistellc mitkommen. Uebrigens m«Ven Sie recht haben, daß meine Wahrnehmung von Angcl bei Ihnen ein Irrtum war. denn mir fällt ein, daß Sie damals sehr tapfer in einem zum Holzhacken feinen Polnisch fragten, warum Sie denn mitkommen müßten, und protestierten. "Nun mochte solcher \\ iderstaml mich erst, recht reizen, jedenfalls nahm ich den Ann der jungen Dam" und führte sie, die sich nicht «Urauhte oder vielleicht nicht wehren konnte, nicht zur Stadl, wo die Polizei war. sondern dem Walde zu. und der junge Herr kam nebenher.!<"h weiß nicht, mehr, ob mein Feuer fur die jim^e Srhoniieit oder ob diese Schönheit seihst von Ealeriic zu f.alcnie abnahm. Ich betrachtete sie jedomal, wenn wir in einen Lichtkreis kamen, sie war wohl gar zu blaß geworden, und ich spürte an meinem Arm, wie sie. zitierte. Wae «.ein. da 14 mir dies Zittern den Spaß am Abenlfcr verdarb, \ielleicht war mir « auch uncremiillieh. denn als ich mich zur Seite wandte, weil der jumre Herr ein wenig zunickblieb, elaubte ich zu sehen, wie er einen großen Stein aufhob. Aber mochten Sie sieh auch nicht aus solchen Gründen gebückt haben, so war ich der Geschichte doch schon überdrüs-ic, und ich habe Ihnen wohl mit einer abgeschmackten Bemerkung Ihr Mädchen zugeworfen und plötzlich einen Seiten^fir eingeschlagen . . . soviel ich mich entsinne. I ehrii:ens muß ich Ihnen gestehen, daß die ganze Geschichte mir erst jetzt etwas bedenklich vorkommt, zumal ich sie Ihnen erzähle. Bedenklich nun nicht gerade, weil ich vielleicht ein Unrecht getan habe oder getan hätte, ich bin ja kein Moralist, sondern weil irh nicht das Zeug hatte, das einmal angefangene Spiel zu irgendeinem entsprechenden Ende zu bringen. Aber was trieb mich eigentlich, diese für mich doch nicht einmal schmeichelhafte Geschichte, zu erzählen? Ich versichere Ihnen, gnädige Frau, daß ich auch Ihren Mann in Ihren Augen damit nicht herabsetzen wollte, wozu ja auch meine Erzählung der falscheste W eg gewesen wäre: oder wollte ich es und mißlang es mir nur? Anderseits kann es mich doch nicht getrieben hahe-n, mich zu rpchllVrliireit, zu entschuldigen, anzuklagen? Eine vor fünfzehn Jahren im schlechten Gewissen deponierte halbfertige Untat ahzuhrlxm und durch Beichte vor dem Betroffenen zu liquidieren? Verzeihen Sie, daß ich Sie mit meinen Monologen gelangweilt habe: ich werde, wenn Sie es gestatten, morgen nach Ihrem Befinden fragen und Sie jetzt, da ich Sie bis zum Park begleitet habe, endlich verlassen." Und schon hatte Taczanow?ki seinen eleganten, leichten Salonton wieder, drückte Erwin und küßte Ilse die Hand und bog beim Lyzeum rechts ab, während Ilse und Erwin links in den Park gincen. an der allen Friedhofsmauer entlang, über der in den Holunderbüs hen und Akazienwipfein, wenn es Frühling wurde, Naehtigallenrhöre sangen. (Fortsetzung tolgt)