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Jüdische Rundschau · 1935-12-31 · Heft 105 (31.12.1935) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 105 (31.12.1935)
Date
1935-12-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Dezember Wauchope in Akaba IVir haben die Berichte Ober die Wahlen and das Be- Jittltat bereits auf Grund der telegraphischen Nachrichten veröffentlicht und uns zu dem Ergebnis in Nr. 102 geäußert. Einem durch Briefpost angelangtcn Berichte unseres gl.- Korrespondenten entnehmen wir noch nachstehende Schilderungen des Treibens am Wahltage. gl. Tel-Awiw, IQ. Dezember Das Wahlgetriebe begann bereits am Vorabend. Die trerschiedenen Parteien nutzten den Samstag-Abend aus, dei immer große Massen aut die Straßen bringt, um die Wähle! in die rechte Stimmung zu versetzen und ihre Aufmerksamkeit anzuspannen. Lichtreklamen in verschiedenen Teilen der Stadt verkündeten die verschiedenen Listen. Die Straßen begannen unter einer Flut von Listenzetteln und Proklamationen zu verschwinden, die nach und nach Gehsteige und Fahrdämme überdeckten. Ein großes Lastauto, auf dein ein Radioapparat montiert war, außen mit einem großen Bild versehen: Dizengoff vor dem wachsenden Tel-Awiw, wiederholte mit weit schallender Stimme die Proklamationen Dizengoffs, Das Bild Dizengoffs kehrte in verschiedensten! Format an Anschlagsäulen, Wänden und Schaufenstern wieder. Der Mittelpunkt der Propaganda der Arbeiterschaft war das ״Beth Brenner“, das neue Gewerkschaftshaus, das auf dem Turm eine elektrische Wahlinschrift trug. Am Samstag- Abend wurden hier durch Lautsprecher Wahlreden verbreitet, die von musikalischen Vorträgen abgelöst wurden. Am Wahltag selbst war das Bedh Brenner das Zentrum der Wahlagitation. Die Hitachduth Oie Germania hatte ein gutes Plakat mit einem Wort von Herzl herausgebracht, das Tel-Awiw־ als die ״Stadt der Einwanderung“ charakterisierte. Die Parteien des bürgerlichen rechten Blocks zeigten ebenfalls schon am Vorabend eine starke Aktivität. Der Andrang zu den Wahllokalen begann am Sonntag bereits am frühen Morgen. An vielen Urnen zogen sich schon in den Vormittagsstunden die langen Schlangen der Wähler entlang, die auf ihre Reihe zum Anstimmen warteten. Das Publikum war stark gemischt und bot zum Teil einen sehr farbigen und unterhaltsamen Anblick. Neben Arbeitern und Angestellten sah man langbärtige Jemeniten, die in ganzen Knäueln vor den Wahllokalen auftau eilten, in ihrer charakteristischen Tracht, Von ihren Frauen in Kopftüchern begleitet und nicht selten in großer Aufregung. Gerade mit diesen Wählern, wie überhaupt mit den Mitgliedern der orientalischen Gemeinden und politisch w׳eniger Orientierten entspannen sich gelegentlich noch vor dem Wahllokal lebhafte Debatten zwischen den Zettelverteilern der einzelnen Listen, Und manche dieser Diskussionen in zwölfter Stunde mag noch ihren Einfluß erwirkt haben. Ucberhaupt lieferte die Beobachtung der Wähler an den Urnen von neuem den Beweis von der Macht der Propaganda. Man sah bei vielen noch im letzten Moment ein Zögern, das dann durch das rasche und geschickte Eingreifen eines Propagandisten, ein kluges Wort oder einen Witz ausgenutzt wurde. Gegen den Nachmittag wuchs der Wahlbetrieb stark an. Die Schlangen vor den Wahllokalen verlängerten sich, die Propaganda wurde heftiger, ln dem Bezirk,., in dem . ,die meisten Sephardim konzentriert sind, versuchten sich die beiden konkurrierenden scphardischen Listen durch möglichst großen Lärm zu überbieten, was durch Anstellung von Grammophonen, möglichst lautes Singen und Schreien erreicht wurde. Die Autos, die Wähler an die Urnen brachten, arbeiteten bis in den späten Abend, es war den ganzen Tag so gut wie unmöglich, ein privates Taxi zu bekommen, weil alle Wagen in den Wahldicnst gestellt waren. Die Wahlbeteiligung war ganz ungewöhnlich hoch, üher 90 0/״, Es ist noch niemals in Tel-Awiw und vielleicht überhaupt selten ein so hoher Prozentsatz registriert worden. ... Alles in allem verliefen die Wahlkämpfe ohne Zwischenfälle. Wo sie aber vorkamen, sind sie ausnahmslos aut <iic Unzivilisierten Methoden der Revisionisten zurüekzuführtn. Diese organisierten am Vorabend der Wahlen einen rege!־ rechten Ueberfall auf die Versammlung der Hitachduth Aegypten und Transjordanien Sir Arthur Wauchope verbrachte einen Teil seines Weihnachtsurlaubes im Golf von Akaba an Bord der Yacht des Col. Claude Beddington aus Lcndon. Es fanden auch kurze Fahrten im Roten Meer statt. Diese Tatsache deutet auf die gesteigerte Bedeutung Akabas und des Roten Meeres. Immer wieder wird man an Ben Gurions Luzerner Kongreßrede über ״Palästina als das Land zweier Meere“ erinnert. (Das Gebiet von Akaba wurde dabei als aussichtsreiches jüdisches Sicdlungsgebiet der Zukunft bezeichnet.) Deutsche Zeitungen teilen über Waucbopes Weihnachtsreise noch mit: Zeitungsmeklungen zufolge ist der Zweck dieser Reise, in Akaba mit dem Chef des ägyptischen Geheimdienstes Stuart Besprechungen über die politische Lage in Aegypten und über die Einsetzung des palästinensischen Oie Germania, in der Rosenbliith und Blumenfeld sprechen sollten und verursachten schweren Sachschaden und etliche Wunden der Teilnehmer. Am Sonntag legte siel! die Wahlaufregung erst spät in der Nacht, nachdem die Urnen geschlossen und unter Polizeiaufsicht gestellt werden waren. Das Auszählen sollte am nächsten Morgen beginnen, und man hoffte, bereits am Montag-Abend im Besitz der Resultate 211 sein. Aber das Publikum lernte es bald anders, weil es sich herausstelltc, daß 24 Stunden nach Abschluß der Wahl erst die Resultate der ersten sechs Urnen Vorlagen. Der vom Distriktskommissariat der Wahlkonimission gestellte Beamte nahm es nämlich mit der Kontrolle sehr genau (vermutlich auf die verschiedenen Gerüchte von Fälschungen hin, die in der Stadt kursierten), war bei allen Zählungen selbst dabei, und so hatte inan mit der Tatsache 2u rechnen, daß die endgültigen Resultate erst am dritten Tag bekannt wurden. Di« Tel- Awiwer hatten wieder einmal Gelegenheit für verseniedene witzig« Bemerkungen und vertrieben sich die Zeit damit, auszurechnen, wie lange wohl die bisherige Stadtverwaltung noch im Amte bleiben könne, wenn es sich erst einmal darum handeln würde, 200 TOO Stimmen und nicht 20 000 auszuzählen... Jedenfalls hatte man das Vergnügen am Prophezeien und Kombinieren nicht während eines, sondern während dreier Tage, und die allgemeine Spannung wurde damit noch erhöht. ... Drei Tage vor den Wahlen mußten der Wahlkommission die verschiedenen Verbindungen!11itgetci]t werden, die die einzelnen Listen miteinander eingegangen waren. Und dabei schlossen sich die 24 Gruppen sehr rasch 7u drei großen Blocks zusammen, die eine klare politische Gruppierung ergaben. Der bisherige Vizebürgeririeister der Stadt Rokacli, der wegen der Mängel der bisherigen Verwaltung besonders schart angegriffen wird, hatte einen taktischen Erfolg zu verzeichnen, indem er alle rcchtsstehenden Elemente, von den Revisionisten an bis zu den Hausbesitzern und einem Teil der Händler, um sich konzentrierte und durch Lislenverbindurtg einen soliden ״Rechtsblock“ schuf, der (irreführenderweise) den alten Namen ״Merkas“ (Zentrum) bcihchiclt. Rokach hatte aber andererseits die Stütze von Dizengoff im Wahlkampfe vtrlorcn. Aul der Gegenseite stand die Arbeiterorganisation, die nur mit den Poale Zion, die mit einer eigenen Liste auftraten, und dem Hapocl Hamisraclii, den religiösen Arheitern, verbunden war und damit "den! Publikum eine klare Arbeiterliste bot. In der Mitlc zwischen diesen beiden Riehtungen stand eine Reihe von ,,progressiven“ Listen, unter denen die H i t a c!1 cl u t h O 1 e Germania unter der Führung von Felix Rosenbiüth als die stärkste zu nennen ist. Gesetzgebenden Rates zu pflegen. Gleichfalls sollen in Akaba Besprechungen mit dem Kommandanten der arabischen Legion in Transjordanien, Peakc Pascha, und dem Chef des Wüstenheeres, Hauptmann Calf, stattfinden. Diese Besprcchungen sollen sich auf die Frage der Befestigung von Akaba beziehen. Der frühere fransjordanische Ministerpräsident Hassan Khaled Pascha, der sich gegenwärtig in London aufhält, und Riza Pascha a! Rikalii, der augenblicklich in Damaskus ist, sind plötzlich nach Amman zurückgerufen worden. ln den arabischen Blättern wird die Vermutung ausgesprochen, daß der Rückruf dieser beiden Persönlichkeiten mit dem Plan einer Umbildung der transjordanischen Regierung zusammenhängt. Die arabischen Zeitungen veröffentlichen auch eine_ Meldüng, derzufolge der ägyptische V c r k e h r s in i nist er diesmal die mohammedanischen Feiertage in Palästina und in Syrien verbringen wird, um eine Verbesserung der Verkehrsverbindungen dieser Länder mit Aegypten zu studieren. Um die Resultate der Wahlen voll würdigen zu können, muß in Befracht gezogen werden, daß das Eicktorat ungebührlich klein gehalten wurde. Neben den geset/iieher! Beschränkungen (der Wähler muß ein Jahr lang in Tel-Awiw ansässig sein und in dieser Zeit Minimum 500 Mil Stenern an die Munizipalität gezahlt haben) war die Wählerschaft durch die Verweigerung der Wahlkonmiission, Untermietern ohne weiteres Wahlrecht zu geben, verringert worden. Darüber hinaus aber ist seit der Einsetzung der Wahlkommission (im vorigen Januar) l!is zu den jetzigen Wahlen fast ein Jahr vergangen ,und cs ist klar, daß in dieser Zeit Tausende von Mahlern dazugekommen waren, wenn man den Stichtag nicht so früh gelegt hatte. Durch den Beginn der Vorbereitung im vorigen Januar i.-t es de facto dahin gekommen, daß ein Wähler^ zwei Jahre und nicht ein Jahr, wie fesfgclcgt, in der Stadt sein mußte, um seine Rechte ausztiüben. Einer der Beweise fiir diese Situation ist die Tatsache, daß die Hitachduth Oie Germania nur imstande war, gegen 700 Wähler auf/tibringcn, nicht wegen Interesselosigkeit des Publikums, sondern weil eben ein großer Teil der Juden aus Deutschland, obwohl er fast zwei Jahre im Lande ist, kein Wahlrecht mehr erhielt. Der künftige Stadtrat Im Hause des Bürgermeisters Dizengoff hat eine Besprechung der im Tcl-Awiwcr Stadtrat vertretenen Parteien zwecks Schaffung einer aus sämtlichen Gruppen bestehenden Großen Koalition stattgefnnden. Die Arbeiterpartei hat, laut einem in der palästincns!sehen Presse veröffentlichten Briefwechsel, an <len bisherigen Bürgermeister Dizengoff einen Brief gerichtet, worin das Wahlresullat analysiert wird und aus dem hervorgeht, daß die oppositionell zur bisherigen Administration eingestellten Gruppen 51 «,0 der Stimmen erhalten haben. Die Arbeiterpartei verlangt die Zusammensetzung der neuen Stadtverwaltung nach völliger Gleichberechtigung unter Zugrundelegung bestimmter allgemeiner Prinzipien, worin an erster Stelle die Anerkennung der Autorität der zionistischen Institutionen stellt. Dizengoff lohnte diesen Vorschlag ab und erklärte, er halte es für richtiger, in Verhandlungen über die Zusammensetzung und die Personaibesetzung der ein-?einen Verwaltungskörper cin/utrcten und prinzipielle Streitfragen zunächst beiseite hi lassen. Die Tel-Awiwer hebräische Tageszeitung ״II a a ז e 7“ vor־ öffenflicht anläßlich der Herausgabe ihrer 5000. Nummer eine Festnummer im Umfang von 50 Seiten. Die Pflanzung des King George -Waldes bei Nahalal l)r. Weizmann pflanzt einen vom englischen E inig gesptut- Die■ Gäste verlassen nach der Einweihungszcreinvnie das deten Baum toto: L״*r Uinm Waldareal tot«: Lu•■ bunner uam!mt ' ** <**^'וווווו BBBBWll^HMinh 3י* י*® ה# nu י•**׳® <ן», ״!' 'י«i; Sir Art'.ur Wanchopc bei seiner Ansprache, ihm l’ssischliin, rechts I)r. Weizmann!01״ u < Units Die '/.p presse aus dein Schloß park cm it'mdsur, die 1011־ Sir Arthur Wauchope gepflanzt wurde 1-v<0. 11. u.uihk״. ■w X

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