Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 103-104 (24.12.1935)
- Date
- 1935-12-24
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 103/104. 24. XII 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 19 Chanukkah im Kulturbund Ein hebräischer Dichter liest Meir Mohr, einer unserer hebräischen Dichter, der *eit manchem Jahr hier als Lehrer der hebräischen Sprache lebt, las auf Wunsch der Hebräischen Lehranstalt der J»idischen Gemeinde iin Rahmen ihrer Hebräischen Abende aus seinen Gedichten vor einem leider noch allzukleinen Kreise. Der Leiter der Hebräischen Sprachschule, Nissan B er ß g r ii n, führte in das Wesen und die Gedankenwelt dieses Dichters in hebräischen Worten ein. Dann erschien der Dichter selbst und begann zu lesen. Mit offenen Augen sieht er in die Natur und weiß, daß im stillen Hause in den Bergen, wo die einfachen Bauersleute wohnen, vielleicht ein Funken von der Tugend der ״Sechsunddreißig“ lebt, um derentwillen die Welt noch aufrechtcrhaltcn wird. Das eigene Schicksal, das alte Dichterlos, betrachtet er mit Lächeln und Trauer: ״War ich gestorben vor tausend Jahren, So hält ich der Ehren viel erfahren... Mai» hatt midi gelesen, man hält mich erklärt, Wohl hielt man des Lorbeer);ronzes mich wert..,,“ Dennoch bejaht er dies beschwerliche Doppelleben eines Dichters, der zugleich ein LeliTer ist, aus vollem Herzen. Kraft zu dieser Lebensbejahung nimmt Mohr aus der tiefen Einsicht in die Geschichte der jüdischen Seele. Da sieht er den alten Juden, traurig und gebückt, im fadenscheinigen Rocke durch die Straßen gehen: woran denkt er? an Handel und Wandel? Not und Leid? Nein: ein leises Lächeln spielt um seine bärtigen Lippen: er gebt in den Laden, um sich einen Ethrog atiszuvrählcn ... zum Sukkothtestc braucht er ihn. Und nun ist’s, als ob es für ihn nichts anderes und nichts Wichtigeres in der Welt gäbe als die goldgelbe Frucht, und den ״Pitum“ und die glatte Schale ... und plötzlich weht ein Duft vom Lande der Heiligkeit durch die graue Straße.... Mohr hat in einer großen Anzahl von Liedern das Lehen des Judentums festgehalten (״Der Jude geht“, ״Im Gestrüpp“ u. a.). Es wäre zu begrüßen, wenn uns diese Lieder bald einmal in einer Sammlung zugänglich gemacht würden. Und es ist ein Verdienst der hiesigen Hebräischen Lehranstalt, daß sie uns mit diesem ursprünglichen jüdischen Talent bekanntgemacht hat. Die Hörer folgten den hebräischen Gedichten mit Verständnis und herzlichem Beifall. -ss. Feierstunden des Habonim. Eine Veranstaltung des H a ־ bonini Noar Chaluzi führte so recht in das Wesen und die Haltung dieses Bundes hinein. Sing- und Sprcchchörc, Spiele — all dies war getragen von der Begeisterung dieser Jugend für ihr Werk. Im Mittelpunkt der Feier stand eine Ansprache Hans Gärtners, in der er den Weg des Bundes charakterisierte, der ein Leben der Arbeit und der Chaluziuth führen wolle und seine Menscher: dazu erziehe, sich mit dem Lande zu verwurzeln. Den Abschluß bildete ein Stück in sechs Szenen ״Wir halten die Wacht in Kfar Saba“ (Text und Musik: Lothar Wellner), in dem in eindrucksvoller Weise der Kampf um die jüdische Arbeit durch wohldisziplinierte Sprechchöre vorgeführt wird. Die Darbietungen fanden bei dem vollbesetzten Saale großen Anklang, der Beifall wollte kein Ende nehmen, bis die Lichter gelöscht wurden. — Der Gdud Tel Chaj des ״Habonim Noar Chaluzi“ veranstaltete in der Schulaula in der Großen Hamburger Straße einen Elternabend, um einen Einblick in die Arbeit zu geben. Man hörte eine sehr gute;Darbietung des Sprechchors, schöne hebräische Lieder, ein Trio für zwei Violinen und Klavier und andere Vorführungen. Naftali U n g e r uinriß die Entwicklung und die Aufgabe des Habonim. M־z. ״Neuer Östlicher und Palästina- Bilderbogen“ Der junge Regisseur Nicolai El ja sch off stellt im guten Gedächtnis seit seinem ersten Bilderbogen, der einen, Kenner ostjüdischen Volkslebens und einen zugleich mit Beherztheit und Zartheit zugreitenden Könner des Theaters verriet. Der neue Abend, der sich im Bach-Saal vollzog, bestätigt diese Vorzüge auch in der Wiederholung. Alle Leistungen — die beiden ersten feierlich anrufenden wurden nicht verstanden — waren eigenartig geprägt, meistens auf den jüdischen Humor, der über aller Pathctik des Leidens mit seinen Narrenglöckchen klingelt und uns zu sagen scheint: Wenn wir gar nichts mehr haben, haben wir wenigstens uns selbst. Zwischen Singen und Sagen, und was sich auf der Mitte Aus der Szene: ״Es is gekümmert a Chosen". Eon links nach rechts: Chosen: Max Kom'nski. Der Chor: Heinz Kahne■ mann, Alfred Lichtenstein, Leo Rohrslock, Rolf liado Foto: J. Abrah a 1a des Psalmodierens ergibt, ist auf diesem alten Oemütsgebiet kein Unterschied. Erwin Jospe sali den ganzen Abend am Flügel und beflügelte das gesprochene Wort, das es in diesem akustisch widerspenstigen Saal allerdings auch nötig hat. Ein großer Teil des starken Beifalls kam mit Recht auf seine ebenso erfinderische wie zurückhaltende Führung, und auch die Bühnenbilder von Heinz. Cond eil haben mit ihrer improvisatorischen Leichtigkeit hübsch mitgespielt. Der Franzose sagt: C’est toujours le premier pas qu» coute. Aber auch Sprichwörter irren, wenigstens wenn m:»11 sie auf alle Fälle anvvenden will. An dem ersten Abend griif Eljaschoff in einen noch imausgeniitzten Vorrat hinein; mit diesem zweiten schien er doch schon auf dem Boden und bei einem Restbestand angekonmien. Was wird für den dritten Schritt iibrigbleiben? Gewiß haben wir die melancholische Afcschiedssreue ״L)ie letzten Musikanten“ gern wieder erlebt, wenn sie ihre gedachten oder in die Kehlen von Baß und Tenor verlegten Instrumente weglegen und jeder in eine trübe Einsamkeit schleicht. Eine hübsche Bekanntschaft war der Dialog im ״Cheder“ zwischen einem gütigen Lehrer von Max Kon in skr und dem Talmtidsehiiler von Ruth Co nd e 11 (Anselm), die reizend aufmerksame und schelmische Jungensaugen machte; Koninski schliff ebenso fein den neu ins Städtchen versetzten Chasen, der durch sein« Neuerungen bei dem ücmeindechor einen unfreiwillig komischen Erfolg findet. Recht witzig ein Vortrag von dem vielgewandten Rolph Radö (Rav) ״Wie trinkt der Kaiser Tee?“ Dann ein anmutigen ״Tänzele״ von Nellv Hirsch (Hirt 11) als Judenknabe, zugleich zart und keck. Was sonst mit Singen, Sagen, Tanzen vorfiel, schien niclit gerade unentbehrlich. Knapp und karg war der P a 1 ä s t i n a - T « i 1. Die Botschalt aus dem Lande unserer Kinder und unserer Hoff mm• gen hätte gerade bei einer Chanukkah-Bescherung reichlicher ausfallcn sollen. Eine symbolische Szene, die den Propheten Elias und den Knaben Messias an den See von Kincrcth bemüht, ging etwas unbemerkt vorüber, und ein ״Jcmenitischer Tanz" von derselben Landschaft von Dorothea Krause war trotz, orientalischem Hätideringen etwas angeblich. Den ganz großen Erfolg, der das Publikum zum ,Mitsingen, die Darsteller zu mehreren Wiederholungen brachte, hatte das durch den Palästina-Film verbreitete, gewiß imitier gern ge• hörte, zugleich innige und schön männliche Emck-Licd. Edgar Alexander als Wächter, Gewehr im Arm, hat es ergreifend gesungen, und es fand auch einmal bei einem Kameraden leise naclisuinineiides Echo. Das Lied wäre mit einer anderen Durchführung wahrscheinlich noch öfter verlangt worden, wenn man es chorisch aiifgcnoinmiii hätte. Schir Haemck ist doch ein Wächferlicd. Wächter stehen nicht zusammen, sondern verteilen sich, geben ein Lied «eitel, so wie die Posten nach einer alten schönen Sitte sich das Habt Acht! zurufen. Ein Chorgesang ״Von der Apfelsine“ erwies sich als unbeträchtlich. 111111 zum Schluß wurde die florra getanzt, die sehr eigen und überzeugend ist. wenn sie unversehens aus einem Ueherseliul) von jtigcud und Kraft ausbricht, und die sich gerade darum der Absichtlichkeit des Theaters widersetzt. Alle die angenehmen Darsteller mit den gelernten Tönzern waren daran beteiligt, aber die I)ilettanten sind stärker, wenn sie auf den auch von ihnen!)(1arbeiteten Erdboden von Ere/ Israel stampfen. Gab es sonst nichts van Pa’astina 11er* einzubringen? Und wenn man tine Anleihe beim ״Matate“ gemacht hätte, irgendeinen charakteristischen (»ruß aus einer Gemeinschaft, die sich erst aus der Zersplitterung wieder neu bildet, die ihre vor einem hohen .Ziel noch vorhandenen Mängel mit witziger Selbsterkenntnis, mit der Heilkraft der Ironie behandelt — mit der alten Begabung des Judentums, die es aus so vielen l:\ilen der Diaspora in die neue alte Heimat gerettet hat. Arthur El o ess er Operette. Jetzt (iahen wir also auch ein ״Kollektiv jüdischer Bühnensänger״. Das klingt vielversprechend. Es scheint jedoch, daß sich hinter (!ein pompösen Namen eine (mit Recht) ganz praktisch eingestellte Vereinigung jüdischer Opcrcttcmnusikcr verbirgt. Man startete mit der ״Geisha* von Jones, die schon' manchen Triumph erlebt hat. Eine erfinderische Regie hätte uns dieses unechte japanische Milieu, diese banalen Reimereien etwas näherbringe״ können. Von der Musik ist vieles verblichen; dagegen bewahrten einige gefällige, schon längst populär gewordene Melodien ihre Kraft als Reißer. — Orchester und Chor musizierten redlich. Aber der gute Wille allein genügt nicht. Eine Auseinandersetzung mit jeder einzelnen sängerisehen Leistung ist nicht am Platz. Wir erwähnen Edith Bock, zu deren reizender Erscheinung ein zartes (noch zu kräftigendes) Sümmchen paßt, den gewiegten Operettentenor Max Kuttner als Fairfax, den witzigen Fritz Salomenski als Marquis Imari, ferner die Herren Lissncr, Tuchler und Meyers 011 n. Dr. H.N. Bunte*■ Abend Chanukkah-Feier dar Mlarachl-Frauon- und Mlsrachi-Grupp• Berlin U. Szenen aus dem östlichen Bilderbogen Regie: Nikolai Eljaschoff Mitglied des Kulturbundes Sonntag, dsn 29. Dezambtr 1935 abends 8 V• Uhr, Logonhaus, KleiststraBe 10 Kartenverkauf im Nisrachi-BUro, Kantstr. 6, Tel. «J 1 Bismarck 3904 und an der Abendkasse, RM 1.—, 2.— , 3.־— Allstrom ■ in allen innen der Ente verwendbar! ף» Ohne Umschaltung suf Gleich- oder Wechselstrom spielend. Für 110, 125, 150, 220 und 250 Volt verwendbar. Dl« Radloflerlte für Auswandererin Lieferung euch in Gelegenheiten in gebrauchten GeiSten. Vorführung unverbindlich in ihrem Heim! Groß« Auswahl aller Typen und Markte. Teilzahlung, die Provinz mit eigenen Auto• odet per Nacbnabm G ln Wilmersdorf: lugen fiottlfeb Pfalzburgar Straße 58 Ttleloa: H7 W’ilmmdorl 2811 In SchSnib erg: Ernst fiottlieb Hauptstraße 134 Telefon: G? Schoneberg 2854 Großer Kata’og kostenlos! DIPPE. Conditorei u. CaW Charlbg., Mommsenstr. 36, j $ Bleibtreu 0739 Angenehme* Aufenthalt» redchh. 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Ca/e Irianon Neue Köntgstr. 4 (am Köntpstor) E3 ZOOS J S glich ab 6 Uhr, an8er l'triituh Kontert I J AN t 1 Sonnabend and Sonntag nachm■ 4.4sr Tee / T>Uh nachm. Skatztrkei I Ein tritt f re 1 Nur für Mitglieder derfttd. Gemetnsdia/t gegen Autamia li.! Klnvlerstlistmer PEREI, Q 2 Sttgl.mil |!(x Damen- Mäntel MaBa.f., nau« Modelle, Urner#,, #111. *totfann. Alta SekOtimttr. 1011 Alexaad» platt mmm pi. Unter!־. (Cutbvrtsou) Spielfftlenenheit B 4 Bav. 4620 Vegetar. Mittagstisch und Lahvkttdi• Pf.UbwrMritr.59 •* Hob«nt<msrnd*Bm H6 3392 (bau 1114141111 -Wettbe werb der Kinder - Kiindscliau Ausstellung und Verkauf der Arbeiten zugunsten des Keren Kajemeth Lejisrael Monnlag, 1ff.J1111.1fl.KS, 1 t I hr Ms Freiing, 21. Januar, 16 IJlir Logen liaus, Kleiststr, 10, Vestibül Der Besudi dieser Ausstellung wird für Jeden, der an der |Q. disdien Jugend interessiert ist, außerordentlich lohnend sein. — Buchverleih MODERN — Kids Oppenheimer Bngwitsf StV» 9« k<kc O'ivser Platz * J 2 Oliva 5444 AH« Neuerscheinungen / Kundendienst R׳»lse- Abonnements Kurltlnleodamm 72, Ecke Wnlizau. J e Blelblreu >«7S In den Festtagen, «glich millag 5 und abends Große Fesltagsmenm rUr den 3t. Dezember 1 ischbesteuun-gen reetvizeilig erbeten Berliner Interessenten verlange» unverbindlichen Vertreterbesuch Zugunsten der Jüdischen Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Montag, 6. Januar 1431, 20 Uhr BACH-SAAL, W35, Mizowstr.76 de• Orchester« de* Jüdischen Kulturbundes Josel Rosenstock Laltaaii Generalmusikdirektor PROGRAMM! Schubert: Sinfonie H-moll (Unvollendete) Mahler: Lieder eines fahrenden Gesellen (W. Guttmann) Palr.trin», Händel, Haydn: Biblische Gesänge Die jüdischen Sängerknaben (Dirigent; Erwin Jospe) Brahms: Violin-Koniert ....... . (W. Frey) Borodin: Polowetzer Tänze (aus der Oper ״Fürst Igor ) Ka rtpn *um Pr.!«• von 1,- S, - und S,- Mark b0! <W Pr0M*»(1d■• Abteilung der Jüdischen Winterhilfe, C2, Rosenstr.2-4 (Tel- D1 Norden 6711, Apparat 19); beim Pförtner der JüdisHien Gemeinde, Or*»ni»״nHur£*r Str, 29; bei den Buchhandlungen Kedem. Dahlmanwstr. 8; Philo-Ve-rU* Pariser Str. 44 und Emst Wolff, Pr»?er Platz 4, sowie bei den Kastellanen der Synagogen Fasanenstra&e 79-80 und Uvetzowsiraß« 7-8 Elnlafi bist gM«a MttglUdak«rt• &vm Kulturbsinde■ oder R. •Aaswelskarte. — R.-Aaiwilsksrteo «!*■4 an der Abendkasse •riafiltllch ieAntennen Reparaturen Radio jjsrjrenübei d. Syftttgot« Walter schon Blinuxk J1 MU anken Sie schon hei IPPIER N , M9ue KOnlgstraBo ■ K C 51R R 1• ■ Btrllnt •Hm*• IBdlMh» TinlMWII•