Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 103-104 (24.12.1935)
- Date
- 1935-12-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 103/104, 24. XII. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seile 9 Bialik über Mendele Jedesmal, wenn ich die drei ersten Bände betrachte, diese Schatzkammer, weiche alle Lebensformen der Juden während vieler Geschlechter und die Auslese des hebräischen Stils aller Geschlechter enthält, offenbart sich mir ihr Schöpfer Mendele in einer eigenartigen Gestalt. Ich sehe ihn, den alten Künstler, wie er dasitzt, einem antiken Bildhauer gleich, der, festgebannt bei einem der öden Felsen, in Stille und Einsamkeit mit seinem Werk sich müht. Hacke und Beil haben schon ihr Werk getan und liegen beiseite; der Künstler wählt sich von einem Male zum andern aus dem Vorrat vor ihm einen MeiBel oder einen Diamantgriffei von seinem Besitz, ein Gebilde seiner Hände, von vornherein mit feinster Geberlegung zu besonderem Zwecke vorbereitet; er bohrt mit ihm im Schoß des Felsblocks wie jener Adler, bohrt und bohrt. Sein Rücken ist ein wenig gebeugt, die Stirne legt sich in feine Falten, das Auge schärft sich, er ist ganz Andacht und Hingabe. Jegliches Bohren bedeutet ein Fortschreiten der Schöpfung, einen Zuwachs an Schönheit, ein feines Erzittern des Starren unter dem Diamantgriffcl, der es zerschneidet und ihm zuflüstert: j,Lebe!“ Es vergehen Tage, Jahre, Jahrzehnte — und noch immer sitzt der alte Künstler und bohrt, sitzt und glättet, sitzt und hobelt. Handbreit nach Handbreit bewältigt er den Felsen und führt ihn aus der Welt des Starren in die Welt der Schöpfung. Immer beginnt er mit einem Klumpen und endet mit einer lebenden Seele. Aus dem Schoß des Felsens wächst Bildwerk um Bildwerk, Gestalt um Gestalt hervor — ein ganzer Wald von Statuen im Rücken des Künstlers! Aber alle stehen noch wie die Bäume mit dem Erdreiche verbunden und fühlen noch mit ihren festgewurzelten Füßen das Element, dem sie entstammen. Niemand würde sagen, daß sie aus dein Felsen gehauen worden sind; sie wachsen aus ihm heraus. Nur da und dort wird ein Scharfsichtiger auch die Spuren des Hiebs der ersten Axt erkennen, die zuletzt durch die feinen Zeichen des Meißels verwischt wurden. Und nun ist die Arbeit des Schaffens an ihr Ende gelangt. Ein letzter Hammerschlag, und Bildwerk um Bildwerk reißt sich los — und wandelt dahin. Völker von Lebenden und Wandelnden. Wenn ihr die Fußsohlen untersuchet und Spuren des Losreißens erkennet, wisset: Das ist die Marke der Werkstatt Mendeles, das Siegel des ״Ersten•‘‘ und der ersten Quelle. Und es ist dies nicht innere Schau und Gleichnis allein. Der Einzelgänger ln der Hauptsache wurden (im Odcssaer Verein ״Mefize Haskalah“ in den Jahren 1897—1901) aktuelle Probleme behandelt: Der politische und geistige Zionismus, National!«- mus und Autonom ismus, die kulturelle Renaissance, das Problem der Jüdischkeit. Jeder entwickelte sein System und beleuchtete die behandelten Fragen von seinem Standpunkt. Margulis entwickelte seine nebelhafte Theorie über die kosmopolitische Natur der jüdischen nationalen Idee, über unsere judaistische oder ethische Mission, und Saker übertrug seine Worte in die klarere Sprache europäischer Philosophie und Soziologie; ich behandelte die Grundlagen des damals noch neuen Systems des Autonomismus and ״nationalen Rechts“, die ich in jenen Jahren in meinen ״Briefen über ein Judentum“ zu bearbeiten begann; Aehad Haam beschäftigte sich damals mehr mit der Kritik fremder Anschauungen, ehe er eigene mittcilte, und zwang durch strenge Analyse den Gegner näher zur Idee des geistigen Zionismus, Nur Mendele verwarf alle Meinungen, die auf der Sitzung ausgcsprachen wurden, und rückte jedesmal mit einer neuen, ad hoc gerichteten Theorie heraus. Da sitzt er so, den Kopf auf die Hand gestützt, als wollte er den Auseinandersetzungen aufmerksam zuhören, doch wir wissen, daß er sehr wenig 1datauf achtet, was ringsherum geredet wird; in seinem Kopf kommt irgendeine neue Theorie oder ein schönes Paradox aüt. Jetzt ist die Reihe an ihm. Er greift irgendeinen Punkt, einen Gedanken aus dem Gesagten heraus, oft nur einen nebensächlichen, und behandelt ihn, holt tief aus, deckt neue Seiten daran auf, vertieft ihn, und wenn er schließt, zeigt sich, daß er uns weit, weit von der behandelten Sache weggeführt hat. Man macht eine bezügliche Bemerkung, aber er versteht den Vorwurf nicht: er kann nicht anders, er kann nicht im Gespann gehen; er geht den Weg des Dichters, ״wohin sein freier Sinn ihn führt“. Es gab auch Kuriosa. Die Sitzung wird eröffnet, der Sekretär verliest das Protokoll der vorigen, worin unsere Ausführungen ausführlich und treu wiedergegeben sind, jeder bestätigt es oder veranlaßt kleine Zusätze. Abramowitsch aber erklärt, daß er gar nicht gesagt hätte, was da protokolliert ist. Der Sekretär protestiert, die anderen bestätigen die Treue des Protokolls, und er, an die Wand gedrückt, ruft aus: ״Bin ich denn verpflichtet, alles zu behalten, was ich aut der vorigen Sitzung gesagt habe?“ Und tatsächlich, kann man denn eine Improvisation behalten, wenn an ihre Stelle nun schon eine neue tritt? Es kam oft zu heftigen Auseinandersetzungen. Mit seinen Paradoxen hielt Mendele den Gang der Diskussion auf. Dann klagte er mir: ״Was taugt uns die ganze Kommission mit den Debatten und Protokollen? Wieviel besser war es, wenn wir uns Schabbat zur Nacht in einem häuslichen Kreise zusaminenfanden und redeten, was uns nur gefiel.“ ״Man macht uns ein böses Leben“, fügte er, sich an meine Frau wendend, hinzu und wies aut mich wie auf einen Komplizen des Verbrechens. S. Dubnow im ״Mendcle-Turem“ Ueber Moses und Bibelkritik Die Bibel war für Mendele ein Heiligtum. Einige gemäßigte Hypothesen der Bibelkritik ließ er zu, und er selbst hat mir öfters seine originellen Deutungen einiger biblischer Texte initgetcilt, die den Anschauungen der Bibelkritiker ganz nahe standen. Aber wenn er auch Kritik solcher Art als eine Quelle für scharfsinnige Spitzfindigkeit gelten ließ, worüber privatim zu sprechen wohl erlaubt wäre, so warf ihn doch der Schreck vor der Dreistigkeit ihrer Ausführungen zurück, wenn sie öffentlich gemacht wurden. Besonders aufgebracht hat ihn die Theorie über das legendäre Element in der Persönlichkeit des Moses. Die Sache war so: Im Frühling 1903 hielt Achad Haam im jüdischen Klub ,,Beßjeda“ einen Vortrag über Moses. Achad Haam entwickelte klar den Gedanken, daß es für uns nicht wichtig ist zu wissen, ob Moses wirklich gelebt hat oder nicht; der reale Moses ist eigentlich der, der in der Volkslegende, in den Gehirnen der Hunderte von Generationen als eine wirksame historische Kraft lebt; jener Moses aber, der in den Laboratorien der kritischen Wissenschaft geschaffen wird, ist nur für die kleine Gruppe der Archäologen, der Forscher eine Realität, und ist nicht real, ist kein Volksheld, keine bewegende Kraft der Nation. Während der Pause nach dem Vortrag ging ich zu Mendele, fand ihn versponnen in einem Winkel des großen Saales sitzen, wo das Publikum hin und her spazierte. Ich fragte ihn, was er zu dem Vortrag sagte. Da warf er mir einen bösen Blick zu und sagte: ״In der Thora steht geschrieben: Und keiner weiß, wo Moses begraben liegt, ich aber habe jetzt Moses' Grab gefunden. Moses ist erst im Klub Beßjeda durch Achad Haam begraben worden.“ Nur das beleidigte religiöse Gefühl konnte solche herben Worte diktiert haben. Ich bemühte mich zu beweisen, daß er in den Sinn des Vortrags nicht eingedrungen wäre daß der Referent im Gegenteil den traditionellen Moses als den realen, als lebende Gestalt proklamiert hätte, als Schöpfung des Volksgeistes, und daß das jedenfalls eine wichtige Zugabe zu den extremen Behauptungen der Bibelkritik wäre. Mendele aber wollte nichts davon hören, er w-ollte keinen Zweifel an der Realität des biblischem Moses als Person, die in der wirklichen Welt gelebt hat; zulassen, und nicht bloß an der Volksvörstellung, an Aufklärungen dieser Art sah er, wie sein Heiligtum untergraben wurde. S. Dubnow im ״Mendele-Turem“ Ein Budh über die Makkabäer Die Makkabäer. Eine Darstellung ihrer Geschichte von den Anfängen bis zum Untergang des Hasmonäerhauses. Von Elias Bickermann. Schockcn-Verlag, Berlin. Dieses zu Chanukkah erschienene Schocken-Buch füllt wirklich eine empfindliche Lücke aus. An Makkabäer-Literatur sind wir ja ärmer als an sonstigen Bearbeitungen unserer Geschichte, seihst die ursprünglichen Makkabäer-Bücher finden wir eigentlich nur in der Luther-Bibel. Der Gottesstaat des Talmud hat mit dem üewaltreich besonders der späteren makkabäischcn Generationen gewiß wenig gemein, und doch ist dieses ein Stück unserer Geschichte, auf das wir nicht verzichten können, sei es auch nur, um uns von diesem Geiste zu distanzieren. Hinzu kommt, wie obligatorisch und populär das Chanukkahfcst in der gesamten jüdischen Welt _ geworden ist, wobei der eigentliche religiöse Anlaß, das Lichtwunder, in den Gemütern durchaus nicht den einzigen Grund abgegeben haben und noch abgeben dürfte: das makkabäische Heldentum wirkt gleichfalls mächtig weiter. Dank der Apokryphierung der Makkabäer-Bücher aber ist das Wissen um die Vorgeschichte des Festes unverhältnismäßig gering, und so findet man etwa in älteren Büchern als Grundlage der Feier außer dem Lichtwunder noch die Geschichte der Judith, die liier quasi als Mnkkabäerin statt Holofernes den Antiochus Epipbanes getötet hätte. Also war es schon ein Verdienst, daß kürzlich Felix Grajew in einem ״Lesehcft“ wenigstens die wichtigsten Partien Irus dem ersten Makkabäerbuch zusammengestellt und übertragen hat, und Bickermanns nun folgende, nur 75 Seiten starke, aber doch runde und historisch fundierte Darstellung ist erst recht verdienstlich. Bickermann schildert das Jahrhundert von Mattatias׳ Rebellion 167 V.Chr. bis zur römischen Invasion 63 v. Chr., die fünf in jeder Weise verschiedenen hasmonäischen Generationen, ihre Kämpfe, Siege und ihren Untergang, gelegentlich mit klugen weltgeschichtliehen Seitenblicken und nie im bloßen Bericht verbleibend; man spürt, diese historische Fixierung der Epoche ist nur ein Vorwerk; die £roße Darlegung und Deutung ״Der Gott der Makkabäer“, die er ankündigt und aus der ein wichtiges und vielversprechendes Stück im letzten Almanach des Schocken-Veriages stand, darf man mit Spannung erwarten. H. Kunstausstellung Im Haag. Uns wird geschrieben: Im Haag war Gelegenheit, das werk des Zeichners Leon Holm a n zu sehen. Die Arbeiten Holmans, eines jungen jüdischen Künstlers aus Deutschland, lassen nicht nur die solide Grundläge Berliner Akademieschulung, sondern zugleich eine ausgeprägte eigene Gestaltungskraft erkennen. Seine Porträtköpfe von Männern und Kindern zeigen ein starkes Einfühlungsvermögen, verbunden mit technischer Vollendung in der Ausdrucksfähigkeit. Einige Gruppendarstellungen, wie ״Der Quacksalber“, ״Tanzende Bauern“ und ״Singende Kinder“, vereinigen Strenge der Komposition mit Intensität des Gefühlsausdrucks. R. L. Emigrantenschuksal in Paris Etlenne Gril et Arthur Fleischer, La solitude ä Paris, Editions Pierre Gara, 18 Rue Notre Dame de Lorette, Paris 1935. Ein literarisch anspruchsloses Buch, das in oft gut beobachteten Szenen die Schwierigkeiten zeigt, die sich der Einordnung des Ausländers — in diesem Falle einer jungen Deutschen — in das Pariser Leben entgcgenstollen. Diese Schwierigkeiten werden oft von den Touristen, denen Paris nur als die Stadt des Vergnügens, als Kunststadt, als Stadt einer großen historischen Tradition erscheint, nicht erkannt. Tausende von Emigranten, die in den letzten Jahren nach Paris kamen, das sie vielleicht aus einer glücklicheren Zeit kannten, haben diese Kämpfe um den Aufbau einer neuen wirtschaftlichen Existenz durchwachen müssen und haben begriffen, daß man vielleicht in keiner anderen Groß- Stadt einsamer ist als in Paris. Die Heldin des Romans findet nach vielen Irrwegen den Weg in ihre Heimat zurück, sie geht gefestigt und geweitet aus diesem Kampf mit Paris hervor. K. Die ״Hachscharah-Korrespondenzschule“ (Leiter Prof. Dr, Salomon Goldelman) in Prag, über die wir kürzlich in der ״J. R.“ ' berichtet haben, stellt sich aus zehn Kursen, die 30 Vorlesungen umfassen, zusammen. Jeder Fernkursant, der selbständig die Kurse abonniert oder in einer Gruppe mitstudiert, die Kontrollfragen, die den Vorlesungen beigegeben werden, systematisch schriftlich beantwortet und sich am Schluß des Schuljahres einer Prüfung unterzieht, erhält ein Zeugnis über die erfolgte Absolvierung der Zionistischen Volkshochschule, welches als Beweis seiner zionistischen cisfigen Hachscharah gelten soll. Aus dem Programm: . Grundlagen des Nationalproblems — Olgerd Boczkowski; 2. Die Judenfrage in ihren sozialökonomischen und nationalen Grundlagen — Goldelman; 3. Was ist Zionismus? Geschiehtliehe Etappen der zionistischen Bewegung — Max Brod, Goldelman, N. Oelber; 4. Strömungen im Zionismus (Sammelkurstis); 5. Die zionistischen Fonds — A. Bergmann, Adolf Pollak; 6. Die Verfassung der Zionistischen Organisation — Leo Lauterbach; 7. Palästina-Geographie — Dr. Kamill Kohn; 8. Jüdische Wirtschaft in Palästina — Goldeiman; 9. Das zionistische Kolonisationswerk — Dr. L. Goldhammer, Dr. J. Ruf eisen; 10. Die Arbeiterschaft und ihre Stellung im Aufbau — Jizchak Ben-Aharan. — Bezugs- Bedingungen: Die Abonnementsgebühr für die Kurse beträgt für sämtliche 30 Vorlesungen, die gedruckt erscheinen, und von welchen den Abnehmern jeden Monat drei bis vier zugehen werden, 60 Kc. Bei der Bestellung muß ein Dritte! dieses Betrages, also 20 Kc., eingezahlt werden. Der Rest kann in vier Monatsraten zu 10 Kc. bezahlt werden. Adresse für Briefe und Geldsendungen: Prof. Dr. Salomon Goldelman, Zionistische Propagandastelle, Praha I, Dlouhä 41/11. Erich Werner, der Verfasser des io der vorigen Nummer veröffentlichten Aufsatzes ״Volksmusik zu Cnanukkah“, ist gegenwärtig als akademischer Musiklehrer am jüdischen Gymnasium in Breslau tätig. Jüdische Musiker in London London, Mitte Dezember Ein Ueberblick über die Konzerte der letzten Zeit läßt den erheblichen Prozentsatz erkennen, mit dein jüdische Künstler an dem Londoner Musikleben beteiligt sind. Ueber die Kunst eines H e i f c t z oder M c n u 11 i n noch Neues zu sagen, fällt schwer. Aus dem Wunderkind und -knaben Menuhin ist jetzt ein Mann geworden. Wenn sein Spiel im Laufe dieser Entwicklung an Unmittelbarkeit und fast schlafwandlerischer Sicherheit etwas verloren hat, so tritt nun der bewußt gestaltende Künstler Menuhin immer mehr in den Vordergrund. Sein Bach im letzten Konzert war ein beredtes Zeugnis dafür. Der Entschluß, sich nach einer Kette vom sensationellen Welterfolgen für zwei Jahre vom öffentlichen Konzcrtleben zurückzuziehen, um in der Stille noch intensiver als bisher zu arbeiten, spricht für den künstlerischen Ernst dieses jungen Meisters. — In dem Geiger Efrem Zymbalist begegnete man einer merkwürdigen Mischung von äußerlichem Virtuosentum und ernst gestaltendem Künstler. Nach dem mit eigenwilligen Mannicrismen gebrachten Mozartkonzert in A-Dur überraschte das roße, fast klassische Format, in dem Zymbalist die D-Mollonate von Brahms auf baute. Iso Elinson widmete seinen ersten diesjährigen Klavierabend ausschließlich Bach und Beethoven. Der in vielen Stilen versierte Künstler — wir kennen ihn auch als ausgezeichneten Chopin-Spieler — zeigte sich besonders in der ״Les Adieux“-Sonate als phantasicvoller, lebendiger luterpref, — Ein Pianist von vielen Graden ist Franz Osliorn, Was seinem technisch stets überlegenen Spiel die charakteristische Note gibt, ist ein bei aller Spielfreudigkcit ordnender, prüfender Intellekt, dem manchmal allerdings die Unmittelbarkeit der Wirkung zum Opfer fällt. Ein interessantes Beispiel dafür war der ״Carnaval“ von Schumann, Romantik in moderner, sachlicher Auffassung. - Ausgeprägten Sinn für rhythmische Subtilifäten, gepaart mit sauberer, ausgefeilter Technik, zeigte die Pianistin Shula Don i;ich. Sie brachte u. a. als englische Erstaufführung LopatnikofD romantisierende ״Variationen‘‘ und die ganz auf Rhvthmus gestellte Sonate I. von Erwin Schtilhoff, in denen sie sich als sehr geschmackvolle und sichere Interpretin moderner Musik erwies. — Bemerkenswert ein Abend des jungen Meyer Rosenstein, eine aufstrebende Begabung, die zu manchen Hoffnungen berechtigt. — Ein Ereignis für das musikalische London war der Liederabend von Alexander k'ipnis, der hier weiten Kreisen hauptsächlich von der Covent (i,irden Season bekannt ist. Mit einem auserlesenen Programm im Mittelpunkt standen die ״Vier ernsten Gesänge“ von Brahms und selten zu hörende Wolf-Lieder — entfesselte Kiptiis waiirc Begeisterungsstürme. — Musizieren im wahrsten Sinne des Wortes bot der Kammermusikabend mit Werken altkkmoselier Meister, den die Cembalistin Alice Ehlers im Vervin mit Hermann Schcy (vorzüglich in der Bachkantate') und dem Meisteroboisten Leon Ooossens veranstaltete. I ran Ehlers dürfte neben Wnnda Landosvska wohl die bedeutendste Cembalospielerin der Gegenwart sein. Mit Fanatismus und Besessenheit spielt sie sich in die so fern liegende Klangweit früherer Jahrhunderte ein. Das Geheimnis ihrer Kirnst liegt in der absoluten Werktreue, der Stilreinheit ihrer Auffassung und in der ״gehörten“ Registrierung, mit der sie alte Musik einem modernen Publikum nahe/ubringen versteht. — Rose Walter (Sopran) lind das Moskowsky- Quartett aus Holland taten sich zu einem musikalisch sehr interessanten Programm zusammen, das u. a. eine englische Uraufführung (Quartettlicder von E. Rubbra) brachte. Das schwierige englische Werk bot der Sängerin Gelegenheit, sich als verständige, einfühlende Interpretin und verantwortungsvoile Künstlerin zu zeigen. Die Moskowsky-1 .eufe, wohl noch nicht einheitlich als Klangkörper, boten ihr Bestes in einer niiancierten und lebendigen Wiedergabe von Prokofieffs ziemlich einfallslosem Streichquartett op. 50. — Ein Konzert des Kolisch-Quartetts stellte die schon Sprichwortlieh gewordenen Qualitäten ihres Spiels unter neuerlichen Beweis: unheimliche Präzision, homogenen zur Einheit verschmolzcnen Klang der vier Instrumente, geistige Durchdringung, die jedes Detail erfaßt. Einzigartig die Gedachtnisleistung — cs wird durchwegs auswendig gespielt -.- in Werken wie Ravel und Beethoven op. 131. I )r, M. C a rncr Die hebräische Budiproduktion im .Jahre 5005 Die italienisch-jüdische Zeitschrift ״Israel 1“ bracht! kurzem eine interessante Zusammen!- tellung dt :r hebrai. Literatur, die im vergangenen jüdischen Ja Iirc publ worden ist. Es erscheinen: Eren Israel CUhrfh Originalerscheinungen 59 2! ן LJebersetzungen 36 Jugend- und Kinderbücher m 51 Wissenschaftliche Bücher 13 20 Schulbücher 125 (:5 Erzählungen IS 13 Religiöse Literatur 20 123 Biographien 9 Diverses M 4 Gesamtpublikation 500 209 Die Zeitschrift knüpft an diese Tabelle drei Bernerkungen: 1״. E>ie Produktion von Schulbüchern ist in Erez Israel sehr ausgedehnt und befriedigt nicht nur den palästinensischen Bedarf, sondern dient auch dein Export in die Galuth. — 2. Die Produktion von religiöser Literatur ist in Erez Israel nur spärlich, da Siduriin und Machsorim usw. aus der Galuth noch importiert werden, wo eine typographische Form besteht, die auf diesem Felde eine jalirnundcrtaltc Tradition besitzt. — 3. In der Originalliteratur hat die Galuth den Primat verloren und alle Kräfte haben sich in Erez Israel konzentriert.“ Die Zeitschrift fügt auch hinzu, daß in Deutschland die zionistische Bewegung und die Wiederhinwendung zur hebräischen Sprache und Kultur ihren Ausdruck gefunden haben in vielen hebräischen Grammatiken und hebräisch-deutschen Wörterbüchern, die die Erlernung des Hebräischen in kurzer Zeit ermöglichen sollen. Literarische Notizen Mosche Kulbak fiat ein neues Drama geschrieben, dessen Titelrolle ein jüdischer Scliinderhanncs spielt, der vor etwa hundert Jahren in der Gegend von Minsk lebte. In Nancy entsteht ein jüdisches Archiv zur Sammlung alles dokumentarischen und statistischen Materials über das Leben der in den letzten fünfzig Jahren nach Frankreich eingewauderten Ostjuden. Das weißrussische jüdische Staatstheater gibt mit großem Erfolg ein Drama ״Untergang“ von I. Babel. Haaptgsschlft: Stadtbahnhof BOraa Zweiggeschäft: Begr. Wllmersdorfer Str. 83 1828 Bettfadsm, Daunen, inlatts, Battwisch•, Oaunanstappdacäen, BattsteKin, Matratzen usw. I Füll AUSWAHDEREB