Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 103-104 (24.12.1935)
- Date
- 1935-12-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Vfr. 103/104 y Jahrgang 40 Preis 25 RpL JÜDISCHE RUNDSCHAU UuUIWhu(,V«r)t( u. Amelg»nvorwaltnn* 1 Bartln WlStii«la«k*atr.lO Ftmrul: S.mro*l-Nr. |Ißi*m»rek 31B1/82,7165/70, 7240/•«. - «•rag^prei* •imchl. ßemcllgeld je Monat RM 2,-, 1• Vierteljahr RM 5,75. bei Abholung RM 1,88 biw. RM 5,39. — Poatachecit - Konten der Vertriebe - Abteilung: Berlin 71573 (Mir Grot - Berlin). Berlin 17392 (für da• übrige Reich). Io Fallen höherer Gewalt beeteht kein Anspruch aul NachlielerunJ oder Erstattung etwa *chon ger.ahlter Bexugegebühren. — Eraeholnt joden Dlena«•! nnd Freit■!. BERLIN כ״ח כם<ו תרצ״ו DIENSTAG, 24. DEZEMBER 1935 G<igt Anzolgcsnpresialtsta Nr* 4* Oie 12 gespaltene mm - Z.<h1b 20 Rpt, fiftr F »niüietmachrichten 15 Hpi. Atilnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen oder Stellen and in bestimmte Ausgaben kann nicht gewährleistet werden. Gelegenheit»■ aitzetgen nur bei Vorauszahlung aul Postscheck - Konto Berlin 716 lö oder bar Montag bis Donnerstag 9— 1Ö CJhr, Freitag 9 — 16 (.ihr. Aimahmeachiuß Mv die Dienstag •Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag - An» gäbe Mittwoch 13 Uhr (Für Facnüienanzeigen am lag vor Erscheinen 12 Uhr) Der Zionismus erstrebt I0r das lOdische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. «Baseler Programm) Um den Legislative Council Wauchopes Projekt ־־־־ Die Juden lehnen ab — Bedenkzeit für die Araber Jerusalem, 22. Dezember (J. T. A.). High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat am 21, Dezember die arabischen und am 22. Dezember die jüdischen Führer empfangen, um ihnen den Plan der Schaffung eines Legislative Council (gesetzgebenden Rates) für Palästina vorzulegen. Der High Commissioner erklärte, die Regierung sei, nachdem sie das Funktionieren der Munizipal- Verwaltung überprüfen konnte, zu der Ansicht gelangt, daß die Zeit für die Einführung des Legislative Council reif sei. Deshalb lege die Regierung den Plan iür die Schaffung eines solchen Councils vor. Er soll aus 28 Mitgliedern bestehen, davon sieben Juden, fünf Vertretern der Regierang, drei christlichen Arabern, elf Mohammedanern und zwei Vertretern der Wirtschaft. Von diesen wird wahrscheinlich einer ein Jude sein. Die jüdische Delegation, der Vertreter der Jewish A gency, der Agudas Jisrael, des Waad Leumi und der sephardischen Juden angehören, hat die Vorschläge der Regierung einmütig zurückgewiesen. Die Vertreter der Araber erklärten, sie könnten jetzt zu den Vorschlägen noch nicht Stellung nehmen. Ihre Antwort werde am 7. Januar erfolgen, nachdem eine zu diesem Zweck einberufene Konferenz der arabischen Parteien sich mit der Frage befaßt haben wird. Dem Empfang beim High Commissioner gingen in Paiästina erregte Tage voraus, die mit allerlei Mutmaßungen darüber, wie der künftige Gesetzgebende Rat aussehen wird, erfüllt waren. Diese Vermutungen sind durch die endgültige Mitteilung der Plane der Regierung nunmehr überholt. Es scheint in beiden Lagern, sowohl iin jüdischen als auch im arabischen, eine ziemlich große Verav Irrung zu herrsehen. Die jüdischen Instanzen sind zwar durch die Beschlüsse des Kongresses und andere Körperschaften auf ein negatives Votum festgelegt, aber wahrscheinlieh ist es vielen klar, daß damit die Frage nicht einfach aus der Welt geschafft ist und sich eine ganze Reihe von politischen Problemen ergeben werden, für die die Haltung nicht in einer starren Formel im vorhinein festgelegt werden kann. Bei den Arabern scheint noch keineswegs Klarheit zu bestehen. Der Korrespondent der Londoner ״Time s“ in Jerusalem charakterisiert die Lage in einer vor den Oesprächen des High Commissioner abgesandten Darstellung wie folgt: ״Die Haltung der Juden bleibt weiterhin hartnäckig; alle Teile der Gemeinschaft haben sich verpflichtet, einem Legislative Council fcrnzubleiben, obwohl sie im übrigen die volle Kooperation mit der Regierung aufrecht erhalten. Die Haltung Englische Stimmen über den Zionismus Palästinaaufbau and Englands Stellung; im Mittelmeer Anläßlich der Eröffnung der ersten höheren jüdischen Schule für Mädchen in London hielt Lord Strabolgi {früher Commander Kenworthy) eine Ansprache, in der er darauf aufmerksam machte, daß England es der Errichtung des Jüdischen National'heims 'in Palästina zu verdanken habe, wenn es heute in Haifa einen sicheren Stützpunkt für seine Flotte besitze. Der Redner wies auf die Angriffe hin, die in früherer Zeit von sehr einflußreicher Seite gegen das Palästinamandat gerichtet worden waren. Diese Angriffe, erklärte er, wurden abgewehrt, und das Aufbauwerk in Palästina ging ununterbrochen weiter. Jeder Jude kann angesichts der dort vollbrachten großartigen Leistung stolz sein Haupt erheben. Lord Strabolgi wies sodann auf die kritische S i - tuation im Mittelmeer hin. Die Hauptkräfte der englischen Kriegsflotte seien nach dem östlichen Mittelmeer abgegangen. Haifa sei die wichtigste Flottenbasis in! Mittelmeer geworden. Palästina sei nunmehr der Schlüssel des Mittelmecres, und wenn es zu Wirren käme, würden e; die Erbauer Hailas sein, die treu an der Seite Englands ständen. Diejenigen, die einst blind genug waren, das Mandat anzugreifen, dürften jetzt anders denken. Hilaire Bellocs Befürchtungen In dem Londoner katholischen Wochenblatt ״Uni verse‘* hebt der bekannte englische katholische Schriftsteller Hilaire B e 11 o c die Leistungen des Zionismus in Palästina hervor, äußert jedoch gleichzeitig die Ansicht, daß der Islam sich niemals mit einer Vorherrschaft der Juden im Heiligen Land abfinden werde. Die Juden, meint Belloc, haben ein weiteres Aktivum für sich: Sie sind die Ursache, daß die englische Verwaltung in Palästina finanziell so außerordentlich gut sfeht. Dieser kleine Staat hat einen Ucberschuß, der pro Kopf der Bevölkerung ungefähr 5 Pfund oder vielleicht noch mehr beträgt. Dieser ununterbrochen hereinkommende Strom jiidisehen Oeldes hat es England z. B. möglich gemacht, den schönen neuen Hafen von Haifa zu bauen, den einzigen modernen und sicheren Hafen an der ganzen levantinisenen ־ Küste von der Grenze der Türkei bis Alexandrien; den einzigen großen und gut ausgestatteten Hafen, der befestigt der Araber hat sich in den letzten Monaten geändert; cs ist weniger wahrscheinlich als int vergangenen Sommer, daß die Araber den Council akzeptieren. In jüngster Zeit ist die Führung der Araber in die Hand der jungen Extremisten geglitten, die einen vor kurzem unternommenen Versuch von organisiertem Terrorismus mit lautem Beifall begrüßen und ausgesprochen für anti-englische Methoden der Non-Cooperation cintrctcn. Offensichtlich würden daher die älteren Führer den Einfluß, den sie etwa noch haben, aufs Spiel setzen, wenn sie der Versuchung nachgäben, der englischen Einladung folgend, den geplanten Council oder irgend etwas was weniger ist als volles parlamentarisches Regime zu unterstützen.“ Die Vertreter der Jewish Agency in der jüdischen Delegation beim High Commissioner waren; Weizmann, Ben O u r i o n, Schertok; vom Waad Leumi; Jizchak Ben Zwi; von der Aguda: Rabbi Blau. London, 20. Dezember. (JTA) Der politische Derernent der Exekutive der Jewish Agency, Prof. Dr. Selig Brodetsky, ist von dein Minister für die Kolonien, J. H. Thomas, empfangen worden. Es verlautet, daß in dieser Unterredung die angekündigte Proklamierung des Legislati ve Council für Palästina besprochen wurde. und von modernen Kriegsschiffen benutzt werden kann, im ganzen östlichen Mittelmeer mit Ausnahme von Alexandrien. Aus all diesen Gründen, heißt es in dem Artikel weiter, ist nicht nur die Anwesenheit des jüdischen Einwandererclcnicnts in Palästina, sondern auch seine zahlenmäßige Vergrößerung für unser Land unentbehrlich; möge auch ein Einzelner oder eine Gruppe von Einzelnen unter der lokalen Beamtenschaft einer weiteren Veränderung zögernd gegenüherstehen, so muß doch diese Veränderung unter den gegenwärtigen Verhältnissen weiter vor sich gehen, solange das Schicksal des Landes in der Hand Englands liegt. Die Hauptstadt Jerusalem sei bereits so gut wie jüdisch. Die ausgezeichnete englische Verwaltung bestärkt die Tendenz, die Palästina rapid in einen jüdischen Staat verwandelt. Demgegenüber steht die ernste Tatsache, daß diese ganze Position unstabil ist; sie ist künstlich, sie ist wie eine auf die Spitze gestellte Pyramide, die nur dadurch vor dem Umfallen nach dem natürlichen Paßgesetz bewahrt wird, daß jemand sic an den Seifen stützt. Die Ursache dieser Situation ist vor allem die Haltung des gesamten Islam gegenüber dem zionistischen E x p e r i - ment. Die Grenze zwischen Palästina und dem französischen Mandatsgebiet Syrien ist rein willkürlich. Weder im Süden und noch weniger im Osten gegen die Wüste gibt es eine natürliche Grcti/.e. Auch wenn morgen ganz Palästina jüdisch gemacht und die eingeborene Bevölkerung deportiert werden würde, wäre der neue Staat immer noch eine kleine Insel im Meer des Islam. Denn Hunderte von Meilen nach jeder Richtung hin erstreckt sich eine mohammedanische Welt, die das zionistische Experiment als vorübergehend ansieht und entschlossen ist, es zu vernichten. Dieser Streit, schreibt Belloc zum Schluß, kann nicht geschlichtet werden, er ist ein dauernder; darum wird das zionistische Experiment mit seinem weiteren Fortschritt ein Gegenstand wachsender Sorge für unser Land sein. Das neue Schedule Jerusalem, den 24. Dezember. (JTA.) Die Palästina- Regierung hat als Arbeifer-Einwanderer-Schedule für das laufende Halbjahr 4350 Zertifikate bewilligt. Davon gehen die bereits vorschußweise ausgegebenen 1000, sowie 1200 ab, die als Reserve für die Legalisierung des Aufenthaltes Illegaler Einwanderer zurückbehalten werden. 1900 Zertifikate sind für Angehörige in Palästina ansässiger Juden bestimmt. Wochenschau Die Verfassungsfrage in Palästina - Arabische Welt in Gärung — Zu Mendeles 100. Geburtstag Die oft aufgetauchten Meldungen, wonach die defi* nitive Einsetzung eines Gesetzgebenden Rates in Palästina unmittelbar bevorsteht, scheinen jetzt doch ihre Bestätigung zu finden. Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat am letzten Wochenende die Araber und die Juden in möglichst repräsentativen Delegationen empfangen und ihnen das Projekt der Regierung für den Gesetzgebenden Rat eröffnet. Die Einzelheiten stimmen nicht mit den Voraussagen überein und bilden eine gewisse Ueberraxchung. Wesentlich ist die Tatsache, daß die Araber von 28 Sitzen die Hälfte erhalten, während sie nach früheren Projekten etwas weniger als 50 G! bekommen hätten. Die andere Hälfte des Rates wird gegenüber den früheren Entwürfen dadurch modi• fiziert, daß neben den Vertretern der Juden und der Regierung noch zwei Verteter der ,,Wirtschaft.“ vorgesehen sind, von denen, wie es heißt, einer ein Jude sein soll. Wenn der andere ein Araber ist, so würdet! die Araber dadurch die Mehrheit im Rate erhalten; da dies wohl kaum beabsichtigt ist, dürfte der andere Vertreter der Wirtschaft ein Engländer sein; man kann sich vorstellen, daß die Regierung dabei von dem Oe• sichtspunkt ausging, daß Juden und Engländer spezifische Wirtschaftsinteressen zu vertreten haben, über das hinaus, was die Vertreter der Bevölkerung auch sonst an wirtschaftlichen Belangen zu wahren haben. Dieser Punkt ist aber noch unklar. Ebenso unklar ist nach den bisher vorliegenden Meldungen die Frage der Koni•* pctcnz des Councils, eine der wichtigsten Fragen für alle Beteiligten. Man darf erwarten, daß deutlich ausgespro• chen wird, daß der Council sich mit seinen Beschluss« nicht in Widerspruch mit dem Mandat setzen darf, das die oberste Verfassungsurkunde des Landes ist. Bei früheren Gelegenheiten wurde stets betont, daß die Fragen der Einwanderung und des Bodenkaufs dem Legislative Council entzogen sein sollen. Es ist noch nicht bekannt, ob dies auch jetzt so gedacht ist. Es ist müßig, über die vorgeschlagene Zusammen• Setzung des Rates Betrachtungen anzustellen, wenn von vornherein feststeht, daß die den Juden angebotenen sieben Sitze leer bleiben werden, so daß auf alle Fälle die Araher eine absolute Mehrheit im Rate hätten, falls die Regierung nicht wegen der Ablehnung dec Juden die ganze Reform zurückstellt. Im Lande des jüdisehen Nationalheims eine gesetzgebende Körperschaft ohne Juden zu haben, wäre widersinnig. Der High Comntissioner hat aber bei früheren Gelegenheiten betont, er werde sich durch Ablehnung eines Teiles nicht zurückschrecken lassen, sondern die Sitze sollten dann den Abstinenten reserviert bleiben. Das große Frage• z.eic heu ist die Haltung der Araber. Die gemäßigten Parteien, die bis vor kurzen! den entscheidenden Einfluß haften, würden wohl für den Eintritt in den Council sein, weil sie davon eine Vermehrung ihres Einflusses erwarten und auf dem Wege einer Kooperation mit der Regierung eine allmähliche Erweiterung ihrer Macht erhoffen. Ganz anders aber stehen die jüngeren und radikalen Gruppen zu der Frage. Diese verlangen volle Unabhängigkeit des Landes Palästina, bzw. seine Vereinigung mit Syrien, sie erkennen das Mandat nicht an, bestreifen den Engländern das Recht auf die Verwaltung und wollen in nichts anderes einwilligen als in ein parlamentarisches Regime, bei dem die Regierung des Landes von der Bevölkerungsvertretung eingesetzt wird. Es wird gewiß im Lager der Araber einen schweren Kampf geben, und es ist noch nicht sicher, wer die Oberhand behalten wird, ln jüdischen Kreisen gibt es viele Leute, die darauf hoffen, daß die Araber den Plan ablehnen werden und daß er dadurch von der Bildfläche verschwinden wird. Uns scheint diese Hoffnung etwas kurzsichtig, denn man darf sich nicht darüber täuschen, daß die Araber das Projekt aus den gerade entgegengesetzten Gründen ablehnen würden als die Juden. Ein Eingehen auf die Vorschläge der Regierung seitens der Araber dagegen würde zeigen, daß überhaupt noch gewisse Gruppen da sind, die unter Umständen zu Kompromissen irgendwelcher Art neigen. Siegt die ablehnende Richtung, so bedeutet das einen Sieg des Wegen der Feiertage nächste Ausgabe erst Dienstag, 31. Dezember