Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 102 (20.12.1935)
- Date
- 1935-12-20
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 102 20 XI!. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU DER BUND/ Eine Erzählung von Yehuda Yaari Aus dem Hebräischen übersetzt von Escha Scholem .ז Auf dem Kamm dos Hügels gegenüber dem Lager bcwogten sieh langsam zwei Gestalten und warfen ihre dunklen Schatten au£ das Lager, das sieh zu Fülk-n des Hügels hinbreilele. Ks war am Schahbat. zur Zell der Abenddämmerung. Ein Strom von Gold war über das Linek ausgegossen. Die beiden Gestillten waren überschwemmt vom Glanze des Sonnenunterganges, und ihre Schatten fielen über den Hof wie die Schulten einer kleinen Wolke!. Im Eßr<<11111 hatte man soeben die Arbeilsverleilnng heendet. Die ganze Schar der Versammelten schwirrte lärmend aus der 'lür, wie Vogel bei Sonnenaufgang aus dem Nest. Ohne daß sie darum wußten, sehnten sich ihre Augen nach dem Gold des Abends. Als sie den Schatten im lloi’e wahrnahmen, blickten sie nach oben zum Hügel und prüften die beiden Gestalten. ״Wer geht da oben auf dein Hügel?“ ״Araber?“ ״!Sein, das sind keine Araherl“ ״W er sonst könnte es sein?“ ״Mir scheint, Mendel war heute nicht bei der Arbeite- Verteilung ,,nichtig, er war nicht da! Audi ich habe ihn nicht gesehen.“ ״Dort geben alter zwei, wer ist der Zweite?“ ״Der Zweite? Du meinst die /weite.“ ״Sicher s i e, die ,Glialuza‘.“ ״Ach ... so ... ein neues Opfer.“ ״Nein! Das ist unmöglich! .Mendel mit der?!“ .,Mas ist dabei? Warum unmöglich? Warum bist du rnit ihr spazieren gegangen?“ ,,Das macht gar nichts! Auch er wird einmal mit ihr gehen und nie wieder. — Das niaebl nichts!“ ״Du irrst, mein Lieber, Mendel ist anders.“ ״Anders ... anders — und dodi ...“ AVer war sie? AVer war die ,,Ch.ilitza“, mit der Mendel auf dem Hügel spazieren ging? Ls war das!Mädchen aus Deutschland, das an einem Pcßarhtage im Kibbuz, aufgctaucht war, als es dort, mehr Uesuclier als Einwohner gab. Aber obgleich sie zusammen mit Hunderten von Gästen, Äludehen und Jungen, ans allen. Teilen des Landes kam, ging sie nicht in der Meng(! unter. Ihr Erscheinen machte im Kibbuz einen starken Eindruck. Sie unterschied sieh von de« anderen Besuchern und fiel unter ihnen durch ihre seltsame städtische Kleidung und durch die ungewöhnliche Schönheit ihrer Erscheinung auf. Zwei Wogen schwarzen Haares ergossen sich auf ihre Schultern, und ihre blauen Augen drückten zugleich Fröhlichkeit und Wehmut aus. Ihr Gesicht war von einem malten AA'eiß und mahnte in seiner Ebenmiiliigkcit an eine Elfenbeinschnitzerei. Ihr Mund war Immer ein wenig offen, und in ihm schimmerten Zähne wie Perlen. Auf ihren Lippen leuehtele manchmal «in verstehlenes Lachen, das zu sagen schien, sie verberge mehr als sie zeige. Wirklich, sie war sehr schön, «nd ihre Schönheit war von seltsamer Art, ungewöhnlich unter den Mädchen des Iirnek. Ihre Augen strahlten Sanftheit ans, ihre ganze Gestalt atmete Jugend. Das weckte besonders die Gefühle der jungen Männer. I rotz all dem machten die Jungen im Anfang nicht viel Aulhe!11״:s von ihr. An den Festtage!» war jeder einzelne mit «lein Emplaiig der Gäste und ihrer Unterbringung hesehäfti-l. mul es gab auch damals viel ״brennend(!“ Arbeit in der AA irlsehall, die man unmöglich vernachlässigen konnte. Sie hallen cinlaeh keine Zeit, sieh mit ihr zu befassen. An den Festtagen ging sie allein im Lager herum, sie bemerkte alles, und alle bemerkten sie. ln mütterlicher Liebe spielte sie mit den Kindern und auch mit den Zicklein und Kälbern, die den ganzen lag iin Hole liemmspi ingen, Sie half den Leuten hei der Arbeit iin Hofe und führte alles leicht und mit Verständnis aus. Erst als die Festtage vorbei waren und die Gäste sieh mehr und mehr verliefen, wandten sieh die Jungen etwas von ihrer Arbeit ah und heg,innen sieh ihr zu nähern. ,'Me woliten wissen: Wer sie war? Woher sie kam? Wann sie ins Land gekommen sei? Oh sie schon Arbeit ge- [linden habe? Wo? Sic aber lächle verstohlen. Sie sei eine K11aluz.il, Sagte sie, erst vor kurzem sei sie aus Deutschland gekommen, Sie wolle im Kibbuz bleiben. Sie habe schon iiri Ausland vom Kibbuz gehört und viel filier seine Lehenshmn gelesen. Der Kibbuz sei ihr einziges Ideal! Der Kibbuz sid ihr Palästina! Sie könne an keinem andern Orte leben. — Wie edel war der Klang ihrer Stimme und wir: angenehm! Alan :mißte ihr glauben! G11 a j a 1 e blieb (sie hieß eigentlich Helene, aber im Kibbuz änderte man ihren Namen in Chajale), und di« Jungen begannen ihr rmelizulaufen. Was sie' im Getümmel der l’eßachtilge versäumt hatten, taten sie jetzt, Etwas wie ein lieimlielier Ivanipl entbrannte unter den Jungen um iliretwillen. Jeden lag (ühile sie ein anderer durcli die Wirtschall. Jeden lag zeigte ihr ein anderer die Lnigcgeml. Der nahm sie zum Weinberg mul der zum Garten, der zum Kuhslall und der zum llühnerstall, der ging mit ihr im Wäldchen spazieren und der an der Quelle, der zeigte ihr die Höhle und der die Ruinen. Und jeder tat so, als ob das nur geschähe, weil sie ein neues Mitglied im Kibbuz vvaj mul nicht die schöne Cliaja, deren Augen S.inf'lheil ausstrahlten und deren Liicheln die Herzen jubeln ließ. Man muß sie doch in die Arbeit cinfiilirrn! Man iimß ihr doch das Leben des Kibbuz nalielirliigen! Alan kann sic doch nicht liir die Dauer einen (!.ist sein lassen! Alan kann sie doch nicht immer eine Freu ule. eine ״Chaluza“ sein lassen! Und Mendel? Mendel war wahrhaft von ihr vorzaubert. Vom Augenblick an, da er sie zum ersten Male gesehen hatte, hörte er nicht auf, über sie!1 u I1/u-im1111׳. Ihr Gesicht weckte in jlim schlummernde Sehnsüchte, ihr« Augen breiteten über ihn eine stille Traurigkeit und ihr Lächeln machte ihn trunken. Aber Mendel war schüchtern wie ein kleiner Junge und bedächtig wie ein Hauer. Jeden lag träumte er davon, auf sie zuzugclion und sie anzuredeit, «eine Seele verging iin Verlangen, mit ihr spaziere״ zu gehen und mit ihr zu sprechen. Aber er kam immer z«1 spül. Immer kam ein anderer eher. So begnügte sich Mendel damit, ihr Gesiebt rnir von fern« zu sehen und dem Klang ihrer Stimme zu lauschen. Iin Lßraum setzte er siel» in einen Winkel, um keinen Verdacht zu erregen, und sättigte an ihr seine Augen. Wenn er dann die Suppe auf seine Binse schüttele, sagten sie: ..Mendel ist wirklich ganz wie ein Lrllacfi. er kann noch nicht einmal mit dem Löffel umgehen.“ Und sie kamen nicht darauf, (laß er die Suppe verschüttet halte, weil sein Blick dem ihrer! begegnet war. Lud an jenem Schabbntnachiniltag, als sich alle im Eßramu zur Arbeitsverteilung versammelten, sah Mendel, daß (!ha jale allein im Zelte blieb. Da konnte er nicht an sich halten und trat hei ihr ein. ״dinjale, kommst du mit mir zum ücihiineiilagor? Oder vielleicht auf den Hügel, wie?“ Er zitterte am ganzen Körper. Gliajale schaute ihn an mit jenem Blick, der so gut Wehmut und Fröhlichkeit zu vereinen wußte. ..Gut. ich komm(!“, antwortete sie, ohne irgendein Zögern, als oh sie auf die Einladung vorhereilet wäre, als ob sie auf ilm gewartet h'tte, als oh sie gewußt hätte, daß er kommen würde. Und vielleicht hatte sie wirklich darum gewußt, vielleicht hatte sie etwas gespürt, was die andern nicht gespürt hatten; vielleicht hatte sie im Lßraum die Liebkosung seines Blickes auf ihrem Gesiebt gefühlt, vielleicht halte sie (las Schlagen seines Herzens von weitem gehört? Wer weiß? ... Gliajale, in ihr seltsames Seidenturh gehüllt, ergriff seine Hand, als wäre sie seine Freundin von Kindheit an, und sie stiegen auf den Hügel. Und als die Arbeiter nach Schluß der Versammlung aus dem Lßraum kamen und sie oben auf dem Hügel sahen, standen sie und stnunten: und als sie dann sahen, daß Mendels Gestalt die Gestalt Chajalos umfing, lachten sie spöttisch und mitleidig. Hätten «in ihn da hei vor zwei Wochen betroffen, sie hätten ihre Blicke vor Lil'crsiielit gesenkt: vor zwei Wochen hätte jeder gewünscht, an seiner Stelle zu sein. — — AVas war inzwischen gescheiten? AA'aruni verspotteten sie jetzt Mendel, warum bemitleideten sie ihn? Nichts AiilAergewöhnliches war geschehen. Nur daß sie in diesen beiden AAWehen Cha jale ausreichend kennengeleml und sieh überzeugt, hatten, daß die Schönheit ihres Gesichts ihr 1!teil getrübt halte: sie entsprach ganz und gar nicht dem Hilde, das sie sich von ihr gemacht hatten. ,,Ihre Schönheit i't nur äußerlich, oberflächlich, sie schwindet, wenn sie den Mund zum Gespräch auftut.“ Sie erkannten, daß sie sehr albern sei, einfach .,albern“. Lud dazu war sie mich eine tvpisrhe Städterin, eitel, und dem Geiste des Kibbuz völlig fremd. ״Ihr Ideal ist nicht der Kibbuz, sondern die Jungen des Kibbuz sind ihr Ideal. Alan muß sich schlüssig werden, wie man sie los wird, sonst. ...“ Und Mendel? AVas war Mendels Meinung über sie? Niemand wußte es. Aber es war klar, daß er die Meinung all der andern nicht teilte, denn als sie in jener Nacht vom Hügel heruntergekommen waren, trat Mendel in Mosches, des Kassen Verwalters, Zelt und erbat von ihm Reisegeld nach Haifa für sich und Chajale. ,.Ein Ausflug zur Erntezeit?!“ schalt ihn Atosclie verwundert — ..hist du verrückt geworden?'“ Und er konnte siel! nicht enthalten, liinziiziifiigen: ,,Sie magst du schicken, wohin du willst, du aller sei so gut mul bleibe liier bis nach dem Drrsi'hen, verstehst du.“ ,,AAir fahren nach Haifa, wir wollen uns trauen lassen“, erklärte Mendel ruhig und beherrscht. * Die Nachricht verbreitet(' sieh mit der Gesehvv mdigkrit eines Schusses im Lager. Im Hof lärmte man wie in einem Bieneiisto( k, in den eine glühende Kohle gefallen i-t. Ahm war 11■ -!ווי/! und erstaunt. Alan war nicht nur über die Nachricht seihst bestürzt, sondern über das Nene und \bsonderliche daran: ,,Sie fahren nach Haifa, um sieh trauen zu lassen" ... AA'er hatte gehört, daß man für so etwas nach llaila fährt'? Alaiielimal gab man wohl dem Ereignis zu Ehren ein Lest, und manchmal gal! man kein Lest je nachdem das Paar es wünschte. Niemals aber halte mau gehört, daß ein Paar aus einem Kibbuz sieli in Haifa trauen ließ. In jener Nacht war die Angelegenlieit allgemeines Gesprächst liema. Die Menschen in den Zelten, die AViicliler hinter der I m/äminmg, die Diensthabendrii in der Küche, die Melker in den Ställen, alle, alle sprachen nur über dies״ Neuigkeit. Durch das viele Beden und vor Erregung ließen di׳‘ Mädchen das Essen in den Kesseln ,•inbrennen, und die Melker merkten nicht, daß die Milch auf sie selbst iiiederfhiß und nicht in den Eimer. ,.Groß('!■ Gott! Mendel und Chajale! Was haben die denn Gemeinsames?“ ..Er ist so emfncli, ein Arheilsmenseh durch und durch, ein Lei lach. Und sie — eine (Iroßstädlerin!“ ,,Sie hat ihm den Kopf verdreht.“ ,.I ml überhaii!11, wer hat je so etwas gehört? Lin Junge geht mit einem Mädchen ein einziges Mal spazieren, und schon will er mit ihr leben!“ .,Nicht so, er fährt nach Haifa, um sieh trauen zu lassen ...“ ״I nerliört!“ ..Ach. Meiulel, Mendel!“ Natürlich erfuhren Alendel und Chajale nichts von dem, was man flüsterte, denn noch in derselben Nacht fuhren sie mit dem AIilchziige nach Haifa. Sie hielten sich nicht in Haifa auf. .Mendel gehörte zu denen, die sieh der Last des Betriebes ganz hingcbeii und sich für ihn verantwortlich fühlen. Er wußte, wie kostbar jede schaffende Hand zur Zeit der Ernte ist. Ls verlang(׳■ ihn freilich sehr danach, mit Chajale durch das Land zu reisen, ihr Galiläa zu zeigen und Jerusalem und all die Orte, wo er vor der Gründung des Kibbuz gearbeitet halle, aber sein Gewissen erlaubt(' ihm nicht, jetzt so etwas zu tun. ..Ls ist «mstiitlliaft, zur Erntezeit eine Heise zu macben, nicht wahr, Gliajale? Nach der Ernte werden wir reisen: wir werden das Land nach jeder Hiclitmig durchstreifen. Zu Fuß werden wir es durchstreifen. Gut Gliajale'?'' Sie kehrten sofort nach der Trauung in den Kibbuz zurück. Sie kamen zur Abendzeit ,111s Haifa an. als die andern im Kßraum beim Abendessen saßen. Monde! trat geradewegs in den Lßraum, stellte sieh neben den Tisch und teilte!1! Vorhalten(•!■ Freud« die vollzogene Heirat mit Chajale mit. In s ■iiier Einfalt hat er, kein Fes( für sie zu geben. Er wolle kein fest. Er sei glücklich und froh, und wer ihn wahrhalt liebe, werde seine Freude milrmpl'indcn. AVas solle ihm* da noch ein Fest? ... Ein naiver Mensch! Als oh es irgend jemand eingefallen wäre, für die beiden ein Fest zu ״eben. Alle laelilen verstohlen. ,.Alendel. Alendel, bist du so dumm geworden?'' I ml es gab auch welche, die laut spotletcn. ,,Also werde ich nicht auf der Hochzeit fiedeln“ brach einer aus mit dröhnendem Gelächter. Alendel wurde plötzlich verwirrt, seine Augen wurden dunkel und sein Körper begann zu zittern, als ob man ihn mit Nadeln ins Fleisch gosl!!elien hätte. Lachten sie? War das Fein Traum? Er blickte ringsum, um sich zu überzeugen, daß! er nicht an einen andern Ort versetzt sei. Er Stand da und schaute um sieh, verwirrt wie ein Hirte, dessen Herda davoiigelaufeii ist. Warum verspotteter! sic ihn? Warum? Er wußte, daß Chajale hei ihnen nicht mehr in Gunst Stand, er halte gehört, daß man über sic zu klagen Begann, aber er halle doch gar nicht verlangt, daß sie Gliajale liehen sollten! Hatte er überhaupt etwas verlangt? Seine Seele dursiete nach ein wenig I ci!nähme. Sein Gluck lastete auf ihm, und er wollte cs mit :mdrien teilen. End sie verspot leien ilm ... Er stand da und blickt(' kurze Zeit in das Gcsirlil jedes einzelnen, und die (le-iehler verwandelten sich' und sic schienen andere zu verden. Die geliebten Ge-iehter, die er so gern ge-elii'o halte. '(•bienen ihm plotzhrli verzerrt, sie wurden ihm verächtlich und verhaßt. Lin fremdes fciNT, das er nie geh,•um! halte, cm schwär/.(•' teuer des Hasse- und des Zornes eni/undclc sich in ihm. Kr hal'ite sie all(', sie alle! Sogar seine näc'li-tcn Lreuiule. Sie alle lachten über ilm. Sn• all« vrrsp!,1 lelcri ihn und sein duck. Fr konnte sie nicht mehr scheu. Fr floh am dein Lßraum, AVare er noch einen Augenblick dagrhlieben, er hätte Seinen vollen ’)cller gegen (he brennende 1 ,ampe gevva irferi, die die verbaßilen Gesichter wie zmn I lohne helei icliletc. Er sprang (lunch das olTene Fcii'tei׳, er lief in sein Zell, Die Dunkelheit d׳׳s Zeltes verschlang' ihn. In brennendem Zorn fiel er ,'1111 sein Bett, als ob er!! 1 m• 1 ein Irhemh" \\e-en herl'iele. Aon diesem läge an wurde Alendel ein anderer. Seine Lebensgew olmhei len änderten sich von einem lag auf den andern. Er, der Arbeitsame, der vorn Morgen bis zur Abenddämmerung zu a 1 ׳heit «n pflegte, ohne des Läutens der Gluck« zu achten. begann jetzt trag'« in der Arbeit zu werden und verließ das Feld beim ersten Läuten. Er, der die Hube gehn lat. hatte, d«r während seiner Kiiliepaiisen in der Küche oder im Kuhstall geholfen hatte, begann jetzt sogar hei der Feldarbeit lau ge Hube pausen zu machen. Er, der sieh für die Gemeinsclial I verantwortlich gefühlt halte, der niemals eine ATrsamnilimg ver-äuriit hatte, wie ein frommer Jude nie das Morgrneebet versäumt, hörte jetzt ganz auf, an Versammlungen teilziinehmen, und selbst zu Festen kam er nicht mehr. Und wie sieh Alendel immer mehr verwandelte, so wan- (leite siel! auch das Aeihällnis der Men'clien zu ihm. Sein Zorn zeugte Zorn, seine liil terkeit .-öle I iil terkeit. sein Haß ließ Haß wachsen. Alan vergaß! ihm sein A erdien-t aus früheren Zeilen, den Tagen, wo man ihm liebevoll den Beinamen ..der Knecht des Kibbuz“ gegeben hatte. Man hörte auf. mit ihm um] auch mit Chajale in Berührung zu kommen. Alan sprach nichl mit ihnen und mar! sagte ihnen nicht mehr ..I ■Uten .Morgen“, Man hörte sogar auf, iil!11 ׳' sie zu laehoti, denn man lacht nicht über |cmand, den min haß!t. Alle Zog-m 'ich von ihnen zurück. Ihr Zelt stand i 111 Lager wie cm fremde' Glied In einem lehemlen Körper, eine iinsiclil ha rc Mauer w liehum di.. Zell hoch. Niemand!!11:׳ hei ihnen ein. Seih.'! der Wächter kam nicht am Morgen hinein, um s> zur Arbeit zu wecken, wie es üblich war, sondern er w :11' I einen Stein auf 1:1׳' Dach ries /,elfes und rief v < 1:1 ferne ..Zur \ r I >1 •11' ". wie p'inaml, der eine 1 e 111׳! e-:mn• IM ie'il , 1 j j I! I. I ml d״r Haß vertiefte sich von lag׳ zu l’.ig und vei w ur/ell״ sich nnni'T mehr, ln A\ orten Ireilirh laud er keinen Aiedcuck. Ls war eine slunimc Art des II:>--cs, cm innerer!laß, der mehr zer-lört a!s ein heredler Haß!. I nd aß im Laute der Zeit Mendel 1111(1 C11aj,1!e au I horten. in ihn Fßrainn zu kommen, und 111•!'a 111!!*! 1. ihre MaliIz1,׳te11 im Zelt zu rs-.'i!. da brach rn Haß! und Zorn aus allei ll״r/0|! he. wie eine Bomb!• 1'\ןalodiert. Als sie!101-11 in den Lßrauin gekommen waren, hatte man sieli von ihnen i'erngehalten. aber als sie ,111 l'liörleii. dorthin zu kommen, begann man laut zu zetern, Haß kennt keine billigen Erwägungen. Alle beschwerten sieli, alle zürnten. ,,Alan darf so etwas nirlit znla-sen!“ ״Was soll 1 la'' I-t der Kililmz ein llolel?!“ ״Sie gründen eine Familie innerhalb des Kibbuz ..." ,,Bald werden sie sieli einen Prinnis zum Kochen ins Zelt holen ..." ..Das ist ein«׳ Beleidigung für den ganzen Kibbuz!“ ״Man muß die Sach« vor die Versammlung des Kibbuz bringen,“ Man wollte sie w irklich vor die nächste \ ersanimlung bringen, aber bis es dazu kam. daß! iiiari die Versammlung einliiuief, halle mau an Gliajale Zeichen der Schwangerschalt bemerkt. Als man 'ich dann endlich versammelte, verband(׳!(!• man über alle möglichen Ding«, an das Problem: Alendel und Clmjale. aber rührte man iillerhaupl nicht. Die Klagen hörten auf. und der Zorn legte sieh. Man sah sich vor und erwähnt« di« Sache nichl mehr laut, um Chajale keinen Kummer zu maelien. Sie war schwanger, und mit Schwanger«״ pflegte inan behutsam und nachsichtig iinw.ugehen. Alan hörte auf. sich zu erhiltern. und es war aurli kein Grund zur Erbitterung mehr da, denn von Beginn der Schwangerschaft an aßen Chajale und Mendel wieder im Lßraum. Der Zorn und die Anklagen ruhten, aber der Haß war nicht (,!•]eschen. Der liaß war schon blind mit I lief verwurzelt. Lin nivsliseher Haß. der keiner Ursache liediirIte. Seihst Neuanfgcnomini'n« im Kibbuz lernten SOfort ,,das Paar " hassen, als ob es Pflicht eines jeden Genassen im Kibbuz sei, sie zu hassen. Der Haß war nur von