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Jüdische Rundschau · 1935-12-20 · Heft 102 (20.12.1935) · page 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 102 (20.12.1935)
Date
1935-12-20
Page
– (sequence 25)
Language
German
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Majim-Chajim/Wasser In Palästina ie Eroberung des Wassers ist genau so wichtig wie die Eroberung von Arbeit und Macht. Sie hat auch nicht weniger Opfer gekostet. Die Arbeit des Brunnengrabens und Brunnenbohrens gilt als die schwerste und gefährlichste. Ich will versuchen, sie zu schildern: ln Jehuda, wo das meiste Wasser ge« braucht und gefunden wird, sieht die Arbeit ungefähr so aus: Zuerst wird der Ort bestimmt, wo der Brunnen stehen wird (ich spreche immer von Brunnen, weil man es hebräisch so nennt, man müßte es aber eigentlich Wasserwerk nennen). Man wählt meistens eine sehr tiefe Stelle, weil man dann, weniger zu graben hat. Der Unterschied zwischen dem Bau eines Brunnens und einem anderen Bau besteht darin, daß man gewöhnlich Bauten von unten nach oben baut, während ein Brunnen von oben nach unten gebaut wird. Der ganze Bau schwebt gewissermaßen in der Luft. Man schachtet ungefähr 3 Meier aus, errichtet die kreisrunde Brunnenmauer, stellt eine Winde auf, und dann geht es erst richtig los. Die Erde wird herausgeholt, und zwar so, daß ein Loch entsteht, das aber nicht so breit ist wie die Umgebungsmauer. Zwischen Mauer und Brunnenloch bleibt ein Erdrand von 15—20 cm. Dann schlägt man auch diesen Rand von 15 bis 20 cm ab, untergräbt die Mauer, natürlich immer nur stückweise, und vermauert die freiwerdenden Stellen mit Zementblocken. Diese Zementblocke, die meist an Ort und Stelle gemacht werden, um Transportkosten zu ersparen, wiegen einen Zentner das Stück. Auf einen Meter werden hundert solcher Blöcke gebraucht, d. h., daß jeder Meter Brunnen hundert Zentner wiegt! Die Brunnen werden 30, 40, mitunter sogar 50 Meter tief. Es ist ein ungeheures Gewicht, das auf den schmalen Bodenrand drückt bzw. in der Luft schwebt. Und es ist schon oft vorgekommen, daß dieses Gewicht den Untergrund weggedrückt hat. Dann ist der Brunnenbau eingestürzt. Die Arbeiter wurden verschüttet und konnten manchmal nicht mehr reo * geborgen werden. Oft ist es schon passiert, daß das Stahl-, seil, das die Zementblöcke ,hinab und das Erdreich heraufbefördert, riß und dadurch Arbeiter erschlagen wurden. In einer bestimmten Tiefe kommt man zum Grundwasser, und dann beginnt die Arbeit des Bohrens. Große Rohre werden herabgelassen, Pressen, ״:den, Pumpen, Träger usw. Es arbeiten dann sehr viele Menschen unten. In einem Loch, aas nur drei Meter im Durchmesser breit ist, arbeiten acht Menschen. Wer nicht genau seinen Platz kennt und nicht weiß, wo er seinen rechten und wo seinen linken Fuß hinzustellen hat, gefährdet sich und andere. Es werden dann weitere Rohre hineingepreßt; ein senr komplizierter Vorgang, der sehr schwer kurz zu erklären ist, bis man schließlich aut eine Wasserader stößt, die soviel Wasser geben muß, daß es für die Wirtschaft genügt. Gibt die Wasserader nicht soviel her, dann bohrt man so tief, bis man eine bessere findet, und wenn es dreihundert Meter tief wäre. Noch harren unser große Aufgaben auf diesem Gebiet. Noch lechzt man nach einem -Tropfen Wasser in Chulda, und noch ist Beer Schewa eine Wüste. Viel bleibt noch zu tun. Wir werden es tun. Wir sollen aber nicht vergessen, daß jeder Beer Majim im Lande ein Denkmal für die ist, die ihr Leben dafür einsetzten. NaftaliUnger ר Im Brunnenjoch arbeiten acht Menschen * * * Wasserturm-Aktion des KKL Naftali hat euch eben erzählt, wie schwer es ist, ein Wasserwerk zu bauen. Genau so ein Brunnen mit Wassertürm muß jetzt auch für die neue Siedlung der jüdischen Kinder aus Deutschland errichtet werden, denn sonst werden unsere Chawerim verdursten und werden auch ihre Felder nicht bewässern können. Ihr wißt, daß man auch viel Baumaterial braucht, um ein Wasserwerk zu bauen, z. B. die Zementblöcke, von denen Naftali erzählt hat; und dann die Eisenstangen für den Wasserturm und noch vieles andere. Nun wollten wir eigentlich, daß jeder von euch sich an dem Bau des Wasserturms beteiligt. Das ist natürlich nicht so einfach. Wer weiß, ob alle Eltern das erlauben würden; Naftali hat ja gesagt, daß die Arbeit sehr gefährlich ist, und außerdem gibt es gar nicht ein so großes Schiff, auf dem die ganze jüdische Jugend aus Deutschland hinfahren könnte. Und dann kostet eine Schiffsreise auch soviel, und jetzt im Winter kriegt man die Seekrankheit ... also ihr seht, es war einfach nicht möglich, daß wir alle nach Palästina fahren, um dort den Brunnen und den Wasserturm zu bauen. Ihr werdet eben bei anderer Gelegenheit fahren müssen. Aber Naftali hat einen glänzenden Rat gegeben: Er meint, es könnten sich doch alle an dem Bau beteiligen. Sie brauchen ja nicht selbst mitzubauen, aber es könnte jeder einen Baustein(, hinschicken. Wie er sich das wohl vorstellt? Er hat doch selbst gesagt, daß jeder Zementblock ein Zentner schwer ist! So geht das natürlich nicht. Aber etwas anderes geht. Es könnte nämlieh jeder hier Geld geben, dann schickt der KKL das Geld zusammen hin, und die Chawerim, die in der Siedlung leben werden, können sich dann mit dem Geld und mit ihrer eigenen Arbeit den Brunnen und den Wasserturm bauen. Darum haben wir eine Karte geschaffen, die mit ״Baustein- Marken“ vollgeklebt werden soll. Wenn ihr die Karte mit 12 Marken vollklebt, so daß das Bild des Wasserturms fertig ist, dann hat der KKL dadurch 1,20 RM., denn jede Marke kostet 10 Pfennig. Ihr müßt euch die Marken von eurem Taschengeld kaufen, oder von Eltern und Freunden einkleben lassen; *L ׳N V־CN <י׳\: :ö»r*.ltLv . fte&tkrfcttHmo• *ifw ׳ *,*.*..*Wm? & f ' Vv §§!§§§ ־;■!- ■ FSs-c.« . Karten der Wasserturm-Aktion i

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