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Jüdische Rundschau · 1935-12-20 · Heft 102 (20.12.1935) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 102 (20.12.1935)
Date
1935-12-20
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Iavul SkJ - Qu Juck l&jSA mmm Von Claire Meisner, Berlin (15 Jahre) Nach langem Ueberlegen, wohin in den Winterferien, hatten sich die beiden Brüder, der 13jährige H«ns und der 16jährige Josef, entschlossen, nach dem Keilberg zu fahren und dort im Jüdischen Jugend- und Sportheim zu wohnen. Als sie am ersten Ferientag glücklich im Heim landeten, waren sie, obwohl es ihnen sonst in jeder Beziehung ausgezeichnet gefiel, enttäuscht, noch keinen Schnee vorzufinden. Aber alle, die oben wohnten, behaupteten, daß es bald schneien müsse, denn es ״röche“ schon regelrecht nach Schnee. Auch Joset sog die Luft ein, und es schien ihm so, als ob Schnee im Anzuge sei. Hans konnte noch gar nicht mitreden, weil er keine Erfahrung hatte, denn er wollte dieses Jahr das erstemal Ski laufen. Als Hans am ersten Abend gleich einen Teller zerschlug, weil er mit ihm in der Hand gegen seinen Bruder lief, prophezeite ihm dieser, daß er, wenn er weiter so ungeschickt wäre, von seinen Skiern nur Brennholz nach Hause bringen würde. ״Da hab mal keine Angst״, entgegnete Hans, ״ich bringe meine Bretter bestimmt genau so heil nach Hause wie du. Die einzige Sorge, die ich jetzt habe, ist, daß es bald Schnee gibt.‘* Die erste Skilektion Gleich nach dem Aufwachen am nächsten Tag sprang Hans aus dem Bett, um aus dem Fenster zu sehen. — ״Mensch, Josef, Schnee!!!״, schrie er. ״Laß mich doch schlafen!״ murmelte Josef verschlafen ״und geh selbst wieder in die Klappe. —״ .... ״Es hat doch geschneit״, rief Hans schon etwas böse, weil sein Bruder dieses Ereignis nicht gebührend beachtete. ״Es hat doch geschneit!״ .... ״Ach so, es hat geschneit. Na Mensch, das hättest du ja gleich sagen können. Mach jetzt schnell, wir wollen uns anziehen — aber hopp!״.... Nach dem Frühstück gingen die Jungen vor das Haus, um ihre Bretter zu wachsen. ״Wachsen muß gelernt sein“, sagte Josef-«Ja!“ gaben zwei andere sachverständig zu. Und jeder schwor auf seine Art, die Skier zu wachsen. — — ״Die Wiese ist für’s erstemal noch etwas zu steil für dich, Hans —״, meinte Josef. — ״Ich werde Vorfahren, und du nimm lieber deine Bretter über den Buckel und trag sie runter zur Chaussee. Sonst bürge ich nicht dafür, daß du deine Knochen ganz herunterbringst, und i c h hab ja schließlich die Verantwortung.“ Damit stieß sich Josef ab und fuhr los. Als Hans sich die Wiese herunter durch den tiefen Schnee, in dem er bei jedem Schritt bis zum Knie einsank, durchgearbeitet hatte, kam er ziemlich abgejapst unten an. Sein Bruder zeigte ihm, wie man die Bindung an den Schuhen befestigt, und nachdem sie Hans mit vieler Mühe festgemacht hatte, ging Josef auf der Chaussee vor ihm her, glitt vorwärts, immer ein Bein tief in der Hocke und zog mit beiden Skiern gerade Linien in den Schnee, auf denen ihm Hans, so gut er konnte, folgen sollte. ״Jetzt läufst du solange immer hin und her, bis deine Linien im Schnee genau so gerade nebeneinanderlaufen wie meine. Wenn du das kannst, so rufst du mich; dann bin ich in ein paar Minuten wieder hier.“ ־ Damit fuhr er die Wiese rechts von der Chaussee hinab und überließ den armen Hans sich selbst. Dieser ging an seine ״Arbeit״, doch kaum hatte er zaghaft einen kleinen Schritt versucht, als es hinter ihm bimmelte und ein Pferdeschlitten vorbeisauste. Dann hupte es, und ein Auto mit Schneeketten um die Reifen raste vorüber. Josef hatte kaum Zeit gehabt, einmal die Wiese rauf und runter zu fahren, als er Rufe hörte, die ihm sehr bekannt vorkamen: ״Hallo Josef, Joseeef Haallooooo!״ — — ״Einen Augenblick״, schrie Josef zurück und eilte auf die Chaussee zu. Als er sich ljmsah, bemerkte er eine rote Nase, die aus einem Schneehaufen heraussah. ״Ach, Josef״, sagte der Schneehäufen, ״hilf mir doch bitte mal aufstehen״. Und bei näherem Hinsehen stellte sich der zappelnde Haufen als Hans heraus, der sich im Schnee wälzte und nicht aufstehen konnte. ״Ja, siehst du, da habe ich ja ganz vergessen, dir als erstes beizubringen, wie man richtig hinfallen und richtig wieder aufstehen muß״, sagte Josef und gab Hans einige gute Rat- Schläge: ״Immer gegen den Hang aufstehen, immer gegen den Hang, verstehst du! Das mußt du dir merken.״ Und dann fuhr Hans seine erste, etwas steilere Stelle und war sehr stolz, daß er nur zweimal hinfiel bei diesem ״Berg“, der aber — unter uns gesagt — nur ein winziger Hügel war. ״Morgen fangen wir mit Stemmbogen an und übermorgen mit Christiania und danp mit Telemark״, entwarf Josef einen Plan. ״Ach, du mit deinem Zeugs, sage mir lieber, wie ich hier wieder raufkommen soll, wenn ich zwei Schritte gemacht habe, rutsche ich ja drei wieder herunter“, rief Hans. ״Fest trampeln, immer fest trampeln, und dann die Stöcke seitwärts einstecken! Nicht doch, du machst es ja ganz falsch, du stolperst ja über deine eigenen Beine“, gab ihm Josef Unterricht. ״Aber jetzt Schluß für heute, du bist ja schon ganz müde. Versuch mal, ob du die Wiese zum Heim heraufkommst. Wenn nicht, schnall lieber ab.״ Hans trollte sich, so gut er konnte, von dannen. Plötzlich hörte Josef eine ihm bekannte Stimme: ״Hilfe, Josef, mein Ski!“ Und Josef sah, wie ein herrenloser einsamer Ski den Abhang herunterrutschte, während Hans oben verdattert im Schnee kniete. ״Ich wollte ihn doch nur abschnallen...“, verteidigte er sich, als losef ihm seinen Ski wiederbrachte. ״Du hast ihn 5estimmt zu hart gewachst. So’n Brett würde doch sonst nicht von alleine runterrutschen und mit mir machen, was es will.“ Hans schreibt an se'ne Gruppe Liebe Chawerim! Es gefällt mir hier sehr gut, und es tut mir leid, daß wir nicht alle zusammen eine Fahrt hierher machen konnten. י- - Mit dem Skilaufen geht es schon ausgezeichnet, und sogar Josef muß zugeben, daß ich genau so gut laufe wie er und manches schon fast besser kann. Gleich am ersten Tag behaupteten alle, die mich laufen sahen, ich wäre ein unentdecktes ״Skiläufer-Talent“, denn ich fiel nicht einmal hin, während ein anderer Junge immerzu am Boden lag und nicht aufstehen konnte, bis ihm Josef half. Im übrigen ist dieser Junge aber sehr nett, und auch die anderen Leute sind es. Abends machen wir immer allerhand Aufführungen und Spiele, aber neulich war etwas noch viel Schöneres. Sonnabend abend machten wir eine Havvdalah, die ich nicht so schnell vergessen werde. Auf die Terrasse, die vor dem Heim liegt, stellten wir einen Tisch und darauf ein Glas Wein, und einer, der schon etwas älter ist als wir, sprach die B’rachah. Einige Jungen und Mädel hielten statt einer Kerze mehrere Pechfackeln so zusammen, daß sie in einer großen Flamme brannten. Und die übrigen hatten einen Kreis gebildet und hielten sich während der Hawdalah an den Schultern, um Horrah zu tanzen. Es traf sich so, daß es eine helle Nacht war — es war fast Vollmond — und wir sahen ganz deutlich weiter unten die Dörfer liegen. Hinter und neben dem Haus standen große schneebedeckte Tannen, und vor uns auf der weißen Fläche spiegelte sich der Schein der Pechfackeln wider. Es ist schade, liebe Chawerim, daß Ihr nicht dabei sein konntet. Erstens wegen der Hawdalah, na, und dann ist ja zweitens das Skilaufen eine ״prima“ Sache. Und wißt Ihr, wenn wir nicht nächstes Jahr schon in Erez Israel sind, dann müssen wir ganz bestimmt eine Winterfahrt zusammen machen. Wenn ich wieder zu Hause bin, erzähle ich Euch noch mehr von hier, bis dahin. Schalom 1 Euer Hans.

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