Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 101 (17.12.1935)
- Date
- 1935-12-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2653827-2653918--27896-2689355- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seit® 6 jüdische Rundschau Nr. 101, 17. XU. 1 WS Stifters, des Banlsclu.n, an Spinoza und Sabbatai Zwi, also an den nach an!Sen führenden Wegen des Judentums überf>rüft und geklart. Die dritte, neue, Abhandlung ״Sinnbildiche und sakramentale Existenz im Judentum“ rundet und weitet das Bild bis über den Horizont philosophischer und theologischer Erfassung aus und findet und deutet eine ewige jüdische Tendenz zu sakramentalem Leben, deren Höhepunkt dann der chassidische Pansakramentalismus ist. Nicht nur historisch wertvoll ist Phi Io ns Darstellung der Judenvertol”un״en unter Caligula (״Von den Machterweisen Gottes", übersetzt, bearbeitet und eingeleitet von Hans Lcwy). Piiilon von Alexandrien erzählt in eigenartig schöner und reicher Weise, die auch im Deutschen zu glanzvollem Ausdruck kommt, sein klassisches Beispiel jüdischer Not. N. N. (ilatzers ״Gespräche der Weisen“ und Dienemanns ״Midraschim der Klage und des Zuspruchs“ beginnen auf kargem Raum ein grollartiges Werk: die deutschsprachige Erst:!1 ließung des talmudischcn Schrifttums für jedermann. Die knappen Einführungen und die Ucbertragungen sind stilgerecht, klar, meisterhaft, die Auswahl gibt mikroskopisch das große Ganze. Hier ist also fürs jüdische Wissen und Erleben ein großer Anfang. Die Jüdischen Lese hefte, die Adolf Le schn i t z e r, unter Mitwirkung der Reichsvertretung, im Schocken- Verlag herausgibt, sind ganz und gar auf die pädagogische Wirkung ztigesc!mitten. Auch hier findet sich eine kleine Sammlung bin (i or i on scher Legenden ״Aus Midrasch und Agudah" und ein ebenso knappes wie instruktives Heft ,.Das Leben des Habt»! Mosche ben Maimon“, vor allem aus Sclbst/.cugnissen zii'cimnumgeslcllt, von Isrruir I: 1 b o g c n. ״Der Freiheitskampf der Makkabäer“ enthält die wesentliehen Abschnitte aus dem ersten Makkabäerbuch, zum erstenmal in einer zeitgemäßen jüdischen Uebersetzung und Dar- Stellung (von Felix Orajew). L. Guts Auerbach-Heft bringt so ziemlich alles, was heute noch aus dem umfangreichen Werk Berthol-d Auerbachs jüdisch wesentlich geblieben ist. Ein englische* Zangwill-Heft ״Pictures of Jewish Life“, eine Auswahl aus den ״Kindern des Ghetto“ mit Erläutenmgera von Philipp Aronstein, bereichert das sicherlieh spärliche jüdische Material für fremdsprachlichen Unterrieht. Auf einige neuere Hefte darf besonders liingewiesen werden, so aui Max Dienemanns ״Liberales liiueutum", dessen Idee und Ausdrucksform, Geschichte und Organisation kurz, prägnant und eindringlich geschildert werden. Adolf 1. eschnitzer eröffnet eine Serie ״Das Judentum im Wiltbild Europas“ mit einem eigenartigen Heft über das Mittelalter, in dessen Weltgefüge der Jude, wenngleich als Paria, dennoch eingeordnet war, gehaßt, verflucht, unterdrückt und doch kein Rätsel, sondern eine notwendige Existenz, der dunkle Hintergrund kirchlichen Glanzes. Eine andere Reihe, ״Zur Kunde der jüdischen Gegenwart“, wird mit Jenny Radts ״Juden in Polen“, einer sachlichen Dar- Stellung der wirtschaftlichen, sozialen, historischen, statistisehen, kulturellen und pädagogischen Verhältnisse der polirischen Juden, vortrefflich eingeleitet. ״Das jüdische Jahr“ endlich, Übersetzungen alter und neuer, hebräischer und jiddischer Legenden, Skizzen, Kindergeschichten von der Agadah und dem Midrasch bis Perez und Schalom Asch, ist seinen Sammlern Gertie und Julius Stern besonders hübsch gelungen; der Kreis der Fest- und Trauertage des jüdischen Jahres, dessen Sinn man sonst mühselig sachlich darstellt, rundet sich hier wie im Spiel und ließ sich nicht feiner und respektvoll heiterer illustrieren. 1• h. Christlicher Altar Be such in Königs wart Von Al a x W o 11 s 1 e i 11 e r (Karlsbad) _ Das Schick'-ai der kleinen Judengemeindcn Böhmens gleicht aufs Haar jenen in Deut-chlaml, nur mit dem Unterschied, daß di«: kleinen (iemfinden in Böhmen viel zahlreicher sind oder waren und fa-t in jedem größeren Dorf eine K1dtU'.L׳׳׳!m iudr evi-tierte. Durch Wegzug der Jugend und 10 heraliei ung der (iemeindeiniIglieder ist eine große Anzahl diiscr (1e1m iinfeii dem Untergang geweiht, t ehrig bleibt immer mir 11:0 Gutie-haus und der alte ehrwürdige Eric'dhoL Von einer solciich Gemeinde soll hier die Rede sein. Kein wCö ׳ä Ire ׳xMfG - ’״״ v Za. linhs: (’eher dem 'Flmrasehrein ist der alle christliche Altar mit der Krone sichtbar Rechts: T horavarhang, Spende der Familie Königswarter Foto! : iiübaer liidirdier Kurgast der böhmischen Räder soll versäumen, den Kurort Königs wart, nur einige Kilometer von Marienbad entfernt, zu besuchen. Eine Sehenswürdigkeit des Ortes ist das Schloß des Pursten ,Metternich, des bekannten großen Staatsmannes rum der ersten 11 affte des IQ. Jahrhunderts. In Königswart hat auch die f 11 ־,־ n i! i c des jüdischen Barons Konigswarter ihrer, Ursprung. Eine mit Ge-'trupp bewachsene Atarur eines llau-es im ehemaligen Ghetto wird noch als Geburtshaus des Ahnen dieser Pamilie gezeigt. Die jüdische Gemeind״ in diesem Ort war im Mitten!.irr nächst Prag die größte, sowohl an 7,11111 der ,Mitglieder als auch an geistiger Bedeutung. Im in. Jahrhundert hat der Ort Königswart an Regsamkeit verloren und ein •Mitglied der Gemeinde nach dem anderen hat deri Weg nach de!! großen jüdischen Zentren Wien und Prag gefunden, so daß die Gemeinde bald vollkommen entvölkert war. Zu .Anfang des 20. Jahrhunderts gab es noch etwa 20 Familien, jetzt nur noch vier. Eine dieser Familien trägt den Namen Pfefferkorn, des bekannten Juden-Apostaten aus dem 11. Jahrhundert, der eine so unneilvolle Rolle in der Geschichte der luden in Deutschland gespielt hat. ich habe den vermeintlichen Nachfahren aufgesucht, konnte aber von ihm keinerlei*Auskunft erhalten. Als größte Sehenswürdigkeit des Ortes gilt der altersgraue T empel, der etwa 600 Jahre alt ist und in dem ehemaligen Ghetto frei dasteht. Eia sogenanntes ״Pinkes“-Bueh, wie es in Böhmen die Gemeinden fast sämtlich führen, ist aus jener Zeit nicht mehr vorhanden, so dab man über die ersten Jahrhunderte nichts weiß. Im Jahre IMS hat die erste Renovation des Gotteshauses stattgefunden, die zweite und letzte im Jahre 1848. Der Tempel beherbergt eine Reihe in der Synagoge Refiquier die äußerst bemerkenswert sind. Der Altar mutet auf den ersten Blick fremdartig an. Wir hören vom Rabbiner, der die Führung hat, daß es sich um den Altar einer katholischen Kirche handelt, der von den Jesuiten zu Anfang des 30jährigen Krieges der Gemeinde zum Dank dafür geschenkt worden ist, daß Mitglieder der jüdischen Gemeinde Jesuiten, die auf der Flucht vor den Hussiten waren, nach dem benachbarten Bayern herübergebracht haben. Am Altar fällt ganz oben eine ziemlich große leere Stelle auf, die von einer Krone überschattet ist. Da befand sielt in der katholischen Zeit des Altars ein Bild der Jungfrau Maria. Die Krone ist an ihrer Stelle belassen worden, während das Bildnis entfernt wurde und darunter in hebräischer Sprache die 10 Gebote gesetzt wurden. Das Ner tomid (die ewige Lampe) ist in ihrem oberen Teil ebenfalls ein Geschenk der Jesuiten, wovon ein Herz aus Metall, darstellend das ״Herz Jesu“, zeug(. Unterhalb desselben ist dann die ״ewige Lampe“ angebracht worden. Der Tempel ist überreich an Thoravorhängen, von welchem der kostbarste an der Ostwand unter Glas angebracht ist. Dieser ist von der Familie Konigswarter vor etwa 200 Jahren der Gemeinde geschenkt worden. 23 Frauen und Mädchen haben monatelang an der Herstellung desselben gearbeitet. Der Wiener Rothschild hat vor etlichen Jahren für den Vorhang dem Gemeiudevorstand eine Million Tschechokrcnen geboten, ohne daß die Gemeinde auf diesen Verkauf ei «gegangen »st. Die Folge davon war, daß der Staat den Vorhang unter Denkmalschutz genommen hat. Von der Decke herab hängt ein wunderschöner Leuchter von ganz großem Format, der über den Lichtgestellen eine menschliche Figur aufweist. Der Leuchter ist von König Wenze! IV von Böhmen im 14. Jahrhundert der Gemeinde geschenkt worden. Die Figur, einen Ritter darstellend, soll Wenzel selbst repräsentieren. Da aber das jüdische Religiensgesefz menschliche Abbildungen im Ootteshause nicht zuläßt, so wurde ein Finger von der rechten Hand der Figur abgefeilt und auch die Nase etwas deformiert, wodurch dem Re.inionsgesetz Genüge getan war. Die Decke des Gotteshattses, zuletzt im Jahre 1848 sehr schön ausgemalt, zeigt 11. a. das Wappen der Fürsten .Metternich, der Schutzherren des Ortes Königswart. Geburtsregister vergangener Jahrhunderte sind in Form von Wimpeln, die zum Teil'sehr schön ausgestickt sind, vorhanden. Anschließend an den Raum seihst hefand sich die siogenannte Weiberschul, welche durch ganz schmale Fenster mit dem eigentlichen Betramn verhunden ist. Jetzt wird die Weiberschtil als Winterbetsaal benützt. Neben dem Vordereinga itg ist auch noch ein Raum vorhanden, in welchen jetzt ein aus früheren Jahrhunderten stammendes Holzgefäß für die Mazzot-Zubereitung stellt. Der Raum war für die Trauernden bestimmt, die atn Freitagabend bei dem Gottesdien! . von dem Rabbiner der Sitte gemäß hereingehoit wurden. Der Vorstand der Gemeinde, ein 8'djähriger Greis, der in Königswart geboren ist, bemüht sich darum, daß am Schabbat Gottesdienst abgehalten werden kann. Es kommen regelmäßig hierzu einige Mitglieder aus benachbarten Dörfern, in welchen kein Gottesdienst mehr stattfindet. Dem jungen Rabbiner liegt die Führung der Fremden durch die Synagoge ob und sein Einkommen stammt zutn größten Teil ans dieser Quelle sowie aus dem Verkauf von Ansichtskarten, die die Synagoge und den Altar sowie den kostbaren Vorhang zeigen. Die Hauptsorge des Vorstehers ist, daß auch nach seinem Tode Gottesdienst abgehalten wird und der Tempel nicht zu profanen Zwecken verwendet wird. Er hat daher eine Stiftung mit großem Kapital gemacht, die den Go־. iienst ermöffichen soll. Auch der Friedhof, der tausend Jahre alt sein soll, ist recht sehenswert. Er liegt außerhalb des Ortes an einer Berglehne und enthält zahlreidte Gräber aus früheren Jahrhunderten, deren Steine allerdings noch unerforscht sind. Es wird die Aufgabe eines Sachverständigen sein, ein« genaue Aufnahme der Steine vorzunehmen. Man wird aus ihnen Kenntnis von früheren Jahrhunderten erhalten. Wenn Mensehen schweigen, werden Steine redet!. Der Besuch der jüdischen Stätten in Königswart ist insbesondere für diejenigen Juden, die sich für Altertümer interessieren, recht lohnenswert. Späte Entdeckung eines Lyrikers. Unser Prager m. g.- Mitarbeiter schreibt uns: Siebentinddreißig Jahre ist Moritz Seel er alt geworden, und viel Zeit hat er mit anderen Dingen als mit Lyrik verbracht. Denn dieser Stammgast des ״Romanischen Cafes“ in Berlin gehörte zu den theaterbesessensten Men selten, die es je gegeben hat. Sein Werk, die ״Junge Bühne“, die mit Bronnens ״Vaterniord“ begann und in einer Jttrtgertroilc eine kleine, fast unbekannte Schau- Spielerin damals au die Spree brachte, Elisabeth B e r g n e r, war eine Zcitiang das Theater der damals modernen expressionistischen Autoren. Heute hat Seclcr die Hände sinken lassen müssen. Und plötzlich hat sieh dieser immer hilfsbereite Herr mit der Melone, der gewöhnlich einen Foxterrier auf der Straße nach sich zieht, in einen — Lyriker verwandelt. Die erste Enthüllung seines lyrischen Werkes erfolgte in der Prager ״Urania“. Interpret war ein alter Waffengefährte Sceiers, Heim ich Fischer, der früher das Berliner ״T heater arn Schitfbauerdtrau!“ zusammen mit Aufricht leitete. Man muß erst einmal alles vergessen, was man von Seeler weiß, um unbefangen seine Lyrik zu werten. Es ist die eines Augenmanschen. Die Visionen — mächtig und blühend im ״Fest der Salamander“, zu einer überlebensgroßen Plastik des Grauens sich hochformcnd in der ״Beschwörung“ oder den ״Herren der Wüste“ — sind von der Gewalt von Innengesichten erfüll», die bisweilen den klassischen Flügelschlag dämonischer Urwellgedanken habe. Ein vollendetes Gedicht, in das keine kritische Sonde mehr dringt, ist der ״Jüngling am Brunnen“. Bild, Sprache und Form sind hier unzersprengbar eins. Vieles liegt fern, ist knabenhaft verträumt, artistisch bunt, eine aus Sehnsucht aufgebaute Landschaft der Worte. Und damit sind wir bei der Frage von Seelers Judentum angelangt. Scheinbar ist davon nichts in ihm zu verspüren. Wo Verbindungen sind, führen sie zu Rilke, Baudelaire, im Bildlichen zu Goya etwa. Und doch: in dem Pathos der Prophetien, in der Düsternis des Schmerzes und dem Suchen nach einem Ziel für das Gefühl, das übermächtig in ihm ist, ist er Beispiel eines Juden, der, wenn er zu seinem Volk (und damit zu seiner Aufgabe) gefunden haben wird, diesem Bedeutendes schenken kann. Orientalisch-jüdische Kunst Von Rahel Wischnitzer-Bcrastein Die gegenwärtige Ausstellung des jemenitischjüdischen Schmuckes im Jüdischen Museum in ßerlitt kann für «üe Pflege der Beziehungen zum Kunstlebetf in t */V», Jemenitische Silberhelle mit Behang (im Besitz von Frl. Iledi Schiff, aus der Ausstellung des Berliner Jüdischen Museums) Palästina eine besondere Bedeutung gewinnen. Vielleicht bedurfte es bloß dieses Anstoßes, damit wir beginnen, uns um die Kunstäußerungen der orientalischen Juden überhaupt zu kümmern. Wir haben aus Privatbesitz unter anderen interessanten Stücken bemerkenswerte Mctallarbeiten mit hebra- »scher Beschriftung nordafrikanischer Herkunft bekommen, die für die Kunsttorschung Neuland bedeuten, Die jemenitischen Kunstgegenstände, die Dr. Paul Nathan seinerzeit aus Palästina mitgebracht hatte, bieten den Vorzug, aus einer ethnographisch und kulturell ziemlich geschlossenen Gemein- Schaft zu stammen. Es ist für die Wertung der jemenitischjüdischen Kleinkunst von Bedeutung, daß sie in einem Lande gepflegt wird, das das Handwerk im allgemeinen stets recht gering achtete. Es war in Jemen hauptsächlich Domäne der Juden. Ihnen ist es auch Vorbehalten geblieben, das edle Handwerk des Gold- und Siiberschmiedes auf erlesene Weise in einem Denkmal des Mittelalters zu verherrlichen. Der verstorbene Baron David von üiinzburg in Lenin- . , retisclien Noten versehen ist. Als Auftraggeber wird in der Vidmungsinschrift Hillel, Sohn des Massud in Aden, genannt. Das Entstellungsdatum 164)3 der sclcuzidischen Aera entspricht dem Jahre 1292 der heutigen Zeitrechnung. In ihrem Dekor weist die Pergatnenthamlschrift Darstellungen von Sclimuckgegenständen auf. Man weiß, daß das Flechtwerk z. B., um ein besonders beliebtes Ziermotiv des Buchschmuckes zu nennen, auf Anregungen aus der Textil- und Alctallarbeitcntcchnik zurüekgreift, aber gewöhnlich erscheint es uns im Ornament bereits stark schematisiert; hier aber, in dem Hagiographenkodex, kennzeichnet die Darstellungen des Zierats die außerordentlich naturgetreue Wiedergabe der Vorbilder. Man erkennt deutlich, daß der Künstler wirkliche Schmuckstücke abzubifden bemüht war. Und das ist wohl besonders aufschlußreich für das Wesen des jemenitischen Juden, dieser stark ausgeprägte Sinn für das Gegenständ- Fiche, für die Faktur des Werkstoffes, für alles, was man greifen und abtasten kann. Zwischen den Ketten und Zierplättcl1e־n, die die jetnenitisehen Juden im 13. Jahrhundert zeichneten und formten, und dein Schmuck, den sie in neuerer Zeit erzeugen, besteht ein augenfälliger Zusammenhang; diese .Menschen sind sich selbst und ihrer tausendjährigen Tradition in zäher Beharrlichkeit treu geblieben. Die Ausstellung im Berliner Jüdischen Museum bietet eine Gelegenheit, hervorragende Schmuckarbeiten jemenitischer Juden zu besichtigen. Wir können es noch nicht beurteilen, Jemenitisches Frauengewand (im Besitz von Frl, Iledi Schiff, aus der Ausstellung des Berliner Jüdischen Museums) Foto«: He*di Schiff / ob die Stücke, die Dr. Nathan vor dem Kriege aus Palästina brachte, auch dort erzeugt worden sind. Möglicherweise stammen sie noch aus der jemenitischen Zeit der Einwanderer. Die Veröffentlichungen auf diesem Gebiete sind recht karg. Wenn wir in dem neuen Bilderband blättern und uns die Bilder anseheti, selten wir auf der Darstellung des Jemenitenviertcls eine Menschenmenge, die einen durchaus städtisehen, nivellierten, nüchternen Eindruck macht. Von den malerischen Gewändern, von den» glitzernden Geschmeide läßt sich keine Spur entdecken. Aber im Jemen selbst geht sogar die jüdische Dienerin, wie es scheint, in ihrer malerischen Nationaltracht. Sigmund Feist hat 1923 in seiner ״Stammeskunde der Juden“ ein jüdisches Mädchen aus Sanaa abgebildet mit ihrem weiten Gewand, den breiten, _ massiven Armbändern, dem Kopfschmuck. Aber auch in Palästina haben die Jemeniten im Jahre 1912 ihre Tracht getragen und wir sehet! auf einer Aufnahme im Besitz von Dr. F. Schiff jemenitische Maurer beim Bau des Technikums in Haifa in ihren charakteristischen Gewändern mit den luchrollen auf dem Kopf, die die Kopftücher festlialten, und ihrem Kettenbehäng, mit dein sie ihre Kinder besonders üppig ausstatten. Es wäre interessant fcstzustcllen, ob die Jemeniten in Palästiria auch heute ihre Kunsttraditionen pflegen oder sich auf die Erzeugung der gewiß sehr reizvollen, aT>er doch eben erfindungsarme-tt Filigranarbeiten beschränken. Sehr wenig dringt zu uns von den Beobachtungen herüber, die unsere Künstler, unsere Kunstinstitute in Palästina, die Schulen und die Museen, sammeln. Es wäre zu begrüßen, wenn wir Mer einmal eine kleine Auslese palästinensischen Kunstschaffens zu sehen bekommen könnten.