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Jüdische Rundschau · 1935-12-10 · Heft 99 (10.12.1935) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 99 (10.12.1935)
Date
1935-12-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 99, 10. DEZEMBER 1935 PALÄSTINA-BLATT Die neue Wasserleitung Jerusalems Ein 4000 Jahre altes Problem — ist es gelöst? Von Fritz Kahn (Jerusalem) Die Geschichte der Wasserversorgung Jerusalems ist so alt wie die Geschichte Jerusalems überhaupt. Und da diese bis in die Zeit Abrahams hinaufreicht, denn der heutige Tempelplatz auf dem Stadtberg Moriah war der Schauplatz der Opferung Isaaks, so dürfte die Wasserversorgung Jerusalems das älteste technische Unternehmen sein, das noch heute die Techniker beschäftigt, ja mehr als das, heute noch als ungelöst bezeichnet werden muß. Die Wasserfrage besitzt für Jerusalem eine besondere Bedeutung, weil Jerusalem auf der Wasserscheide, d, h. auf dem wasserarmen Kamm des palästinensischen Gebirges liegt. Die Stadt wurde aus strategischen Gründen hier auf den fast uneinnehmbaren höchsten Kuppen des Gebirges angelegt, und für diesen Zweck wurde der Nachteil einer relativen Wasserarmut in Kauf genommen. Jerusalem ist nämlich gar nicht im eigentlichen Sinn wasserarm, und in der Geschichte der Stadt lesen wir niemals von Wassernot. Bei Belagerungen litten die Bewohner an Hunger, aber wir lesen kein einziges Mal, daß sie Durst gelitten hätten. Als eines der vielen Paradoxa in der Geschichte Palästinas blieb es der neuesten Zeit Vorbehalten, den Begriff ״Wassernot*‘ in die Historie dieser uralten Stadt einzuführen. Die Wasserversorgung Jerusalems in der Vergangenheit Palästina ist — im Gegensatz zur allgemeinen Meinung s— kein regen armes Land. Es falten dort dieselben Wassermengen wie in Deutschland. Schon die Sammlung dieses Regenwassers deckt, wenn sie richtig organisiert ist, den Normalbedarf. Bis in die Neuzeit wurden die Häuser so gebaut, daß das Regenwasser in einer Höhle unter dem Hof, einer Zisterne, zusainmenlief. Das Wasser des freien Geländes wurde in gemauerten Teichen gesammelt, die durch ein wahrhaft großartiges System von meist unterirdisch laufenden Kanälen mit allen Stadtteilen verbunden waren. Die Mehrzahl dieser Teiche wurde im Lauf des Mittelalters teils während der vielen Kämpfe mutwillig zerstört, teils aber von den Bewohnern selbst vernachlässigt, ihrer Steine beraubt, überbaut und so außer Betrieb gesetzt. Auch an Quellen ist das Stadtgebiet von Jerusalem nicht arm. Aber auch von diesen sind die meisten durch Vernachlässigung versiegt, verschüttet, verbaut. Bekannt sind die beiden in der Bibel genannten Quellen Rogel lind Schiloah. Die Schiloah- (oder Gichon-)Qt1eIlc entspringt außerhalb der Stadt und wurde von dem König Hiskiah durch einen Tunnel in die Stadt geleitet. Dieser Tunnel hat durch eine althebräische Inschrift, die 1SSÜ entdeckt wurde, Berühmtheit erlangt. Ungefähr 15 km südlich von Jerusalem hebt sich das Gebirge um einige Dutzend Meter höher. Dort wurde, wahr- י schcinlich zur Zeit Salomos, eine Talsperre angelegt, die das Regenwasser der umliegenden Muhen und außerdem mehrere Quellen aufnimmt und deren Samm :!hecken die ״Salomonischen Teiche“ genannt werden. Die im Gebirge weit verzweigte kunstvolle Anlage wurde mit Jerusalem durch einen vielfach unterirdisch laufenden Kanal verblinden, der über einen Aquädukt in das Innere der Stadt einmündete und hier jene ausgedehnten Zisternen füllte, die in die Fundamente des Tempels eingebaut sind. Diese Wasserleitung wurde von den Assyrern hei der ersten Zerstörung Jerusalems demoliert und später durch Herodes erneuert (Abb. 1). Außerdem wurde, wahrscheinlich in den Zeiten des Herodes, noch ein weiter entferntes ״Quellental“, das Wadi Arub, durch eine zweite Wasserleitung mit Jerusalem verbunden, so daß die Stadt zur Römerzeit reichlich versorgt war (Abb. 2). In der Gegenwart AID erwähnten Methoden der Wassergewinnung sind noch 11 e u t e in Gebrauch. Wie zu den Zeiten der Kanaaniter sammelt man das Regenwasser der Häuser in Zisternen und schöpft das — übrigens vorzügliche — Wasser in Eimern in die Höhe; wie in den Tagen Rahcls gehen die Frauen abends an die Brunnen und tragen in großen Toiikrügen das Wasser auf. Kopf oder Schulter nach Hause; wie in den Zeiten Hiskias fließt das Wasser durch den Schiloahkanal in das Stadtinnere; die Salomonischen Teiche versorgen Jerusalern während des Sommers mit dem guten, weichen und von der Sonne desinfizierten Wasser der Gebirgstäler, und auch die Quellen des Tales Arub strömen heute wie in den Römertagen der Stadt durch Röhren entgegen. 1111 Frühling liefern die Quellen von Arub 6 Millionen Liter täglich, während im Herbst ihre Wassermenge bis auf 130 000 I absinkt. Die Salomonischen Teiche sammeln in regenreichen Jahren 200 Millionen Liter Wasser; in regenarmen nichts. 1925 blieben die Teiche leer. Neben diesen antiken Methoden hat man in den fetzten Jahrzehnten die Mittel der modernen Technik in den Dienst de- Wasserversorgung gestellt und pumpt aus drei tiefgelegenen Quellen auf der Ostseite des Gebirges zwischen Jerusalem und der Jordansenke Wasser durch mehrere Hub- Stationen auf den Skopus hinauf, von wo es in die Stadt hinabfließt. Die erste Quelle (Ain Farah) liegt 250 m hoch und gibt täglich 1 Million Liter (3), die zweite (Ain Fauar) in 80 m Höhe liefert an regenreichen Frühlingstagen die enorme Menge von 100 Millionen Liter, während sie im September versiegt (4), die dritte Quelle in dem berühmten Felsenkanon Wadi el Kelt liegt, wie die ganze Jordansenke, unter Meercsh&he und ergießt im Frühling bis zu 200 Millionen Liter im Tag. Selbst im Herbst spendet sie noch ein Minimum von '3 Millionen Liter täglich, aber sie ist Privatbesitz eines Arabers, der nur ein Drittel des Wassers an die Stadt Jerusalem abgibt. Die Anlagen zur Hebung des östlichen Quellenwassers sind unmodern, oder besser gesagt: provinziell. Sie sind nicht sehr leistungsfähig (3>/2 Millionen Liter pro Tag) und kostspielig in der Bewirtschaftung. Daher ist das Wasser in Jerusalem exorbitant!euer (1000 I 8 Piaster ungefähr 1 Mark). Bei richtiger Ausnutzung der Quellen mit Hilfe von Talsperren und durch eine moderne Pumpanlage könnte man Jerusalem bequem von hier aus durch Quellwasser bester Qualität jetzt und künftig versorgen. Aber man hat zur ״Lösung“ der Wasserfrage einen anderen Weg eingeschlagen. Die neue Wasserleitung Ras el Ain-Jerusalem Nordöstlich von Tel-Awiw liegt in der Küstenebene des Scharon das Quellengebiet des Jarkon, Ras el Ain genannt, d. h. Kopf der Quelle (Abb. 1). In diesem Gebiet gibt es erstens hervorspmdelnde Quellen, zweitens unterirdisch fließende Grund wasserströme und drittens stehendes Grundwasser, das durch Brunnen abgesogen werden kann. Dieses Quellgebiet ist mit Jerusalem durch eine eiserne Röhrenleitung verbunden worden, die längs der Chaussee Jaffa—Jerusalem erst ungefähr 30 km durch die Ebene und dann 25 km durch das Gebirge aufwärts führt. Das Wasser passiert vier IHimpstationen (Abb.), von denen die erste im Quellgebiet von Ras el Ain (1), die zweite in der Ebene bei Latrun (II), die dritte im Eingang des Gebirges bei Bab el Wad (III) und die vierte unterhalb Jerusalems bei Sarris (IV) liegt. Die Stationen wurden, was ein bemerkenswertes Novum in der Geschichte des Palästina-Aulbaus darstellt, als Auftrag der Regierung von der Histadruth, der Gewerkschaft der jüdisehen Arbeiter, ausgeführt. Jede Pumpstation besitzt ein Reservoir, das von den Druckpumpen der vorhergehenden Station gefüllt wird und der Station als lAimpbccken dient. In jeder Station arbeiten drei Pumpen, die täglich 10 Millionen Liter befördern können — falls sic vorhanden sind. Ueber die Ergiebigkeit des Quelicngcbietes gehen die Ansichten der Gutachter, wie dies gewöhnlich zu sein pflegt, stark auseinander. Die ersten Gutachten, die die Wahl des Queligebietes bestimmten, sind jedenfalls viel zu optimistisch gewesen. Nach den gegenwärtigen Schätzungen ist anzunehmen, daß man täglich im Durchschnitt 8 Millionen Liter Wasser gewinnen kann. Diese Wassermenge ist keinesfalls hantastisch groß. In Europa werden täglich vom Großstadtewohner 80 1 Wasser verbraucht, so daß diese Wassermenge nach europäischem Maßstab gerade ausreicht, eine Stadt von 100 000 Einwohnern zu Versorgen, ln Jerusalem liegen die Verhältnisse anders. Hier ist der Wasserverbrauch bei dem niederen Lebensstandard eines großen Teiles der Bevölkerung, bei der Armut derselben und durch die Selbst- Versorgung mit Zisternenwasscr wesentlich geringer. Ebenso ist der verbrauch durch die — nicht vorhandene — Industrie sehr gering. Die Wasserleitung von Ras el Ain wird voraussichtlich ausreichen, Jerusalem bis zu einem Bevölkerungszuwachs auf 200 000 Bewohner zu versorgen — länger aber nicht. Die neue Wasserleitung weist noch mehrere andere bedenkliche Nachteile auf. Die Röhren sind mit 48 cm Durchmesser zu eng gewählt. Die Reservoire bei Jerusalem sind ungenügend in ihren Ausmaßen. Sie fassen zusammen nur 24 000000 1, d. 11. den Wasserbedarf von noch nicht einer Woche. Wird die Pumpanlage durch irgendwelche Ereignisse stillgelegt,_ so besitzt Jerusalem nur eine Reserve von Tagen! Denn die bisherigen Wasserleitungen von Süden und Osten werden ausgeschaltct, weil der Betrieb dieser verzweigten, unmodernen und kleinen Spezialanlagen sehr teuer ist. Nur den oberster! der drei Salomonischen Teiche will man als ״Reservetank“ offenhalten. Dieser faßt 45 Millionen Liter, d. h. den Wasserbedarf von ungefähr zwei Wochen. Ein weiterer Nachteil der neuen Anlage ist die mindere Qualität des Wassers. Das jetzige Wasser von Jerusalem ist berühmt durch seine Güte. Es ist das reine klare Quellwasser des Kalkgebirges. Das neue Wasser von Jerusalem wird das mindere Wasser von Tel-Awiw sein. Es ist lau in seinem Geschmack und so hart, daß es durch eine besondere Enthärtungsstation künftig enthärtet werden soll. Ein Vorzug des Wassers wird sein billiger Preis sein. Da die zentralisierte moderne Anlage ökonomischer arbeitet, soll der Wasserpreis zunächst auf die Hälfte und dann, wenn die Anlage sich amortisiert hat, auf ein Viertel der jetzigen Höhe herabgesetzt werden. Der Jerusalemer Bürger wird also im kommenden Jahr zwei Vorteile ge-!ließen: er wird seiner Leitung soviel Wasser entnehmen können, wie er mag. Er wird für dieses Wasser nur noch halb soviel zahlen wie bisher, was immer noch reichlich genug ist. Später wird er noch weniger zahlen. Dafür aber wird er mit Bedauern bemerken, daß das Wasser erheblich schlechter geworden ist, und in einigen Jahren, wenn er sich über den billigen Preis zu freuen beginnt, wird es wieder anfangen, knapp zu werden. Denn wenn Jerusalem erst eine Stadt geworden ist, nicht mit 150 090, sondern 250 000 Einwohnern, mit Häusern, in denen, wie in den jetzigen Neubauten, Warmwasser und Badewannen zu den Selbstverständlichkeiten gehören, eine Stadt mit Schwimmanstalten und Brausen in den Schulen, eine Stadt, in der die Bewohner ihre Gärten sprengen und auf bewässertem Boden ihre Gemüse züchten, eine Stadt mit Wasser verbrauchenden Industriebetrieben — dann wird sich die neue Wasserleitung als unzureichend erweisen. Und da in Palästina die Durchführung einer derartigen Anlage, wie wir jetzt erlebt haben, ungefähr zwölf Jahre dauert und wir rechnen können, daß es in Zukunft doch wahrscheinlich wenigstens halbsolange dauern wird, so ist es gerade Zeit, daß am Tage der bevorstehenden Einweihung die Mitglieder des Stadtrats und der Regierung über den Bau einer neuen Wasserleitung zu beraten anfangen. Die Wasserversorgung Jerusalems Schematischer Querschnitt durdi Palästina mit Einzcichnung der Wasserleitung vonJcrusalcm(punkticrt) ׳-''־־ 1*f a*. Weite UanrtütunA 4tr ' Km '׳Ub ^•4 W . \ - ö: N'.'V % \\ * \\; ״ 5 aft« KdcMtrfattmiq**! k 4Uf OitMit« ״ © Ain 1 1 \ 1 *״■in.! Q י״*,*“*• <3> •JH m ,toi.Mu - /•« - (Aus zeichnerischen Gründen wurden auf der Skizze die Salomonischen Teiche im Norden eingezeichnet, während sie in Wahrheit im Süden liege».) Das Problem der palästinensischen Wasserversorgung ist sehr einfach. Schon im Lande selbst ist genug Wasser vor- Händen. Es müßten nur die Quellen ausgenut/t und 1 alsperren zur Sammlung der ungeheuren Mengen winterlichen Regens angelegt werden. Und dann gibt es eine Kardinallösüng: Vom regenreichen Hochgebirge des benachbarten Syrien, das einen unausnutzbaren Wasseriiberfluß besitzt, einen großen offenen Wasserkanal, einen ״zweiten Jordan*‘ mit Schleusen über das Hochplateau des palästinensischen Gebirges hinweglciten und von dieser Zentralader aus die ganze Landschaft, Städte und Kolonien mit Wasser versorgen. Kein ״Traum“, sondern eine technische Aufgabe, zu deren Ausführung nur die Größe und Tatkraft eines Mannes wie Lcsseps oder, was schweifen wir so weit, eines Herzl gehört. Ein solcher Kanal ״von Dan bis Beersheba“, wenn einmal in Angriff genommen, das Werk nur eines Jahrzehnts, würde wirklich verwüstetes Altin blühendes Neuland verwandeln und Lebensmöglichkeiten nicht für Tausende, sondern viele Hunderttausende schaffen. Wasser- Prophetie Von Dr.-Ing. A. Werber, Tel-Awiw In der ״Jüd. Rundschau“ vom 8. Nov. 1935 Nr. 90 erschien ein Artikel ״Wasser im Gnlil‘‘, in welchem einer neuen Wasserprophetie im Lande das Wort geredet wird. Da diese Art von Propaganda für ein System der Wassersuche schon seit langem im Lande um! außer Landes bctrieben wird, kann der Unorieiitierte leicht den Eindruck ge- Winnen, daß durch Anwendung geophysikalischer Methoden der Wasserforschung ״d i c“ Lösung der Wasserfrage im Lande gefunden wurde. Man muß immer wieder darauf Iiinweisen, daß die Heran- Ziehung des Grundwassers zur Bewässerung bloß ein P a 11 i a t i v m i t t e I für eine verein/elte Lösung der Wasserfrage bedeutet. Ich habe in vielen Abhandlungen, die im und außer Landes erschienen sind, iiachgewiescii, daß der jährlieh sich erneuernde (iru 11 d w a sserv o r r a t im Lande ausgedehnte Bewässerungsanlagen nicht zulaßt und daß Menge, Tiefe und Qualität oft eine solche ist, daß eine rentable Verwertung des Wassers für Landcskultur/wccke nicht immer in Frage kommt. Die palästinensische Art der Wasserversorgung steht einzig im ganzen Orient da lind widerspricht allen n a t 11 r g e g e h e n e 11 V e r 11 ä I 111 i s s c n. Denn die Nutzung von Wasser für Bewässcrungszwockc gründet sich in der ganzen Welt, insbesondere^ jedoch in den arider, und semiariden liegenden, auf den Gebrauch von O b c r f 1 ä c h e n - W a s s e r, sei es in ständig fließender Form, oder, wo dies mangelt, in Form von Speicherwasser, gesammelt in künstlichen Reservoiren durch Absperren großer Täler mit besonderen Werken, Talsperren. Die ganze Bewässerungswirtschaft Asiens, Afrikas, Australiens und Amerikas, sowie der semiariden Teile Europas gründet sich seit den gewaltigen Werken aus uralten Tagen bis zu den heutigen modernsten Talsperren in Stahl und Eisenbeton aut die Nutzung von Oberflächen wasser, besonders Sarpmelwasser, welches zur Zeit der■ Niederschläge aufgespeichert und zur Zeit des Bedarfes an die Flächen abgegeben wird. Wir vergessen, daß Wirtschaften nicht für zehn oder zwanzig Jahre eingerichtet werden, sondern für immer. Die Bewässerung mit Bohrbrunnen ist eine Angelegenheit für 10—20 Jahre, je nach der Qualität der Arbeit und den natürlichen Bedingungen, Kanäle und Sperrwerke für Jahrhunderte, ja für Jahrtausende. In derselben Zeit, wo die Länder um uns herum (Syrien, Irak, Saudien) Kanäle lind gewaltige Wasserreservoire errichten, um ihre Bewüsserungs Wirtschaft zu sichern, sch en wir bei uns nur ein Bestreben wachgehaltcn: zu bohren und um jeden Preis zu bohren. Und jeder Vasserfund wird in alle Welt als Freudenbotschaft hinausposaunt. Mein (wnsserwirtschaftlich und jüdisch) fühlendes Herz freut sich gewiß über jeden Tropfen Wasser, der auf jüdischem Boden erschlossen wird. Aber wenn ich gleichzeitig bedenke, daß jede Wassererschließung von 50—100 111' pro Stunde als nationale Tat gefeiert wird, während z. B. die Kiirdaniquellen allein den Wert von 72 solcher Brunnenbohningcii darstellcn, der Jarkon etwa 260-280, der Jordan heim Ausfluß «aus der Htileebcne im Jahresmittel 520 Bohrungen glcir!!kommt und daß in jedem mittleren Wadi in einer Regensaison zehn Millionen Kubikmeter nutzlos zum Abfluß kommen, gleich der Ergiebigkeit von 40 Bninncnbohningcn und daß schließlich im Lande mindestens eine Milliarde Kubikmeter Wasser zu magazinieren möglich wäre, und da nichts geschiebt, so ist meine Freude begreiflicherweise eine gedämpfte. Icli habe nichts gegen eine geophysikalische Frfassung des ganzen Landes, denn je mehr Aufschlüsse wir über mögliches Wasservorkommen ]iahen, desto besser. /Aber meine 25jährige Erfahrung auf dem Gebiete der Wasserwirt- Schaft und die Kenntnis der Bew,:issen!ngswei<e im Orient drängt mich dazu, an das Gewissen der leitenden Faktoren unserer Kolonisation zu appellieren, daß es höchst an der Zeit wäre, an die hydrologische Erforschung unserer jetzigen und künftigen Siedlungsgebiete heranzutreten, wozu in erster Reihe die Erfassung des Vorrates und der technischen Nutzungsmöglichkeiten des Oberflächenwassers gehört, denn ohne Oberflächenwasscr keine Landbewässcrung und folgerichtip׳ keine Siedlung. Die heißen Quellen in Tiberias Der erste Teil der Arbeiten zur Fassung der 11 e i 3 e n Quellen von Tiberias ist jetzt beendet. Es wurden 17 Quellen aufgegraben und gefaßt, die teils Schwefel und teils Eisen enthalten (bisher wurden nur zwei der heißen Quellen benutzt). Es werden jetzt 2000 Kubikmeter Wasser pro Tag zur Verfügung stehen, eine Menge, die jede Ausdehnung des Badebetriebes gestattet. Es beginnt jetzt der Ausbau der Badegebäude, die nach modernen Gesichtspunkten angelegt ■«׳erden und für Bäderbehandlung wie auch für Atembehandlung und Massage eingerichtet werden. F r feierliche Beginn der Pflanzungen für den König- Georg-Jubiläumswald in Palästina wurde für den 15. Dezember festgesct/J. High Commissioner Sir Arthur Wauchope wird die von König Georg V. gespendete Zypresse aus dem königlichen Park in Windsor auf dem für. den Wald bestimmten Terrain südlich von Nazareth pflanzen. Die Ansprache des High Commissioner und voraussichtlich auch die hebräische Ansprache des Präsidenten des Jüdischen Nationalfonds, M. M. Ussischkin, werden im britischen Rundfunk verbreitet werden.

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