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Jüdische Rundschau · 1935-11-29 · Heft 96 (29.11.1935) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 96 (29.11.1935)
Date
1935-11-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU f» 4 f, '4 «Tl\ t .ni, ITT MT im MJ JjL ™ JL I JJi im. ■ MB Mi ÜL M_ JL NR. 96, 29 NOVEMBER 1953 Die Verschärfung der arabisch-jüdischen Beziehungen In der Zeitschrift ״Boustenai“ bespricht Mosche Smi- Jansky die bedaucrliclie Verschärfung des jüdisch-arabischen Verhältnisses in den letzten Wochen. Es sei unverständlich, daß die gesamte jüdische Presse mit diesem Gleichmut über die Tatsachen hinweggeht. Wenn fortgesetzt Maß und Fanatismus gesät wird, wenn die ganze junge Generation in diesem Geist erzogen wird, dann kann der geringste Funke wieder einen Brand entfachen. Zwischen den jetzt Lebenden auf jüdischer und arabischer Seite gibt es noch irgendeine Möglichkeit einer Verständigung; zwisehen den Kindern auf beiden Seiten wird überhaupt keine Brücke mehr vorhanden sein. Verstehen denn unsere Führer in ihren vier Wänden noch immer nicht, was in der ganzen Welt vor sich geht und in welcher Weise die junge Generation aller Völker das Ruder an sich reißt? Smilansky betont, daß er weder für die jüdische Existenz, noch für die Fortsetzung des jüdischen Werkes fürchtet; aber man könne nicht immerfort in einer derartigen Atmosphäre des Hasses leben. Und wir haben die ganzen Jahre hindurch nichts Wirkliches getan, außer gelegentlichen schönen Phrasen, um diese Feindschaft zu beseitigen, eine auf gemeinsamcm Handeln aufgebaute Atmosphäre der Verstand igung zu schaffen. Das Zusammenleben der beiden Völker in Palästina sei eine historische Notwendigkeit, nicht im Sinne irgendwelcher historischer Rechte“ der Juden, die hinfällig wären, wenn Palästina heute von anderen dicht besiedelt wäre, sondern in dem Sinne eines glücklichen Zusammentreffens des Umstandes, daß Palästina Raum genug hat und der Tatsache, daß ein unerbittlicher Zwang einen großen Teil der Juden aus ihren jetzigen Wohuländern nach Palästina treibt. Zugleich erkennen wir an, daß die Araber seit Jahrhunderten in diesem Lande sitzen und mit detn Land durch nationale, religiöse und wirtschaftliche Bande verbunden sind. Es ist also eine gemeinsame Notwendigkeit für beide Völker, das Land gemeinsam aufzuhaucn. Das Schicksal beider hängt davon ab. Im folgenden vveist dann Smilansky, bekanntlieh einer der ersten landwirtschaftlichen Fachleute des Landes, nach, wie nur durch die Höherentwicklung der Landwirtscliaft, die von den Juden ausging, auch für die Araber mehr Platz und ein besserer Lebensstandard geschaffen wurde, während in den Nachbarländern, wo es keine jüdische Einwanderung gab, ein unbeschreibliches Elend herrscht. Es sei nun die Zeit gekommen, nicht auf Grund von Reden, sondern auf Grund von gemeinsamen Taten und Unternehmu n gen eine Annäherung herbeizuführen, die allein imstande ist zu bewirken, daß das Bewußtsein der Verbundenheit der beiden Völker im Lande lebendig bleibt und auch der heran- wachsenden Generation eingepflanzt wird. Wird jemand Srnilanskys Mahnung hören?? Die jüdische Arbeit in den Pflanzungen Jerusalem. (Pakor.) Die Leitung der Histadruth hat kürzlich eine Untersuchung über die Situation der j ü - d i s c h en Arbeit in der Landwirtschaft durchgeführt. Eine Kommission wurde in einen großen Teil der Kolonien in Judäa, Scharon und Samaria entsandt. Sie bemühte sich festzustellen, welche Aenderungen im Bereiche der jüdischen landwirtschaftlichen Arbeit in den letzten zwei Jahren seit der im August 1933 durch die Exekutive der Jewish Agency vorgenommenen Zählung eingetreten sind. Aus den Ergebnissen dieser Untersuchung ist zu ersehen, daß im Laufe dieser zwei Jahre jüdische Pf lau zungen in einem Umfange von mindestens 30000 Dunam von der jüdischen zur arabischen Arbeit übergegangen sind. Fast die Halite der!andwirtschaftlichen Arbeit in den Kolonien Judäas, Scharons und Satnarias ist im Laufe dieser Periode für die jüdische Arbeit verlorengegangen. Die Histadruth beabsichtigt jetzt, Maßnahmen zu ergreifen, um dieser Situation ein Ende zu machen und die jüdische Arbeit im Bereiche der jüdischen Landwirtschaft erneut zu verstärken, fn einer Sondersitzung der Leitung der Histadruth, an der auch die Vertreter der wichtigsten Kolonien tcilnahmcn, wurde über die Maßnahmen gesprochen, die in dieser Richtung ergriffen werden sollen. Zur Tel-Awiwer Stadtratswahl Warum brauchen die Einwanderer aus Deutschland eine eigene Vertretung? Wie wir bereits in unserer vorigen Ausgabe berichteten, ist für die Wahlen zum Tel-Awiwer Stadtrat eine Liste der llitiichdidh Olef Germania auf gestellt worden, an deren Spitze Felix Rosenbitith steht. Geher die Motive, die zu dieser Listenbildung führten, unterrichtet der uns von der UOG. aus Tel-Awiw zugehende nachstehende Artikel. (Red.) Vom ersten Tage ihres Bestehens an hatte die Hit achd u t 11 Olej Germania ein klares Ziel: Die völlige Einordinmg der neuen Olim in das Leben des werdenden Erez Israel mit allen Kräften zu fördern. Niemand wird bestreiten, daß sie diejenige Organisation ist, die hierbei die größte Initiative entfaltet, die im Rahmen des Möglichen die größten Erfolge erzielt hat. Niemand wird ihr vorwerfen können, daß sie bei aller Fürsorge für die neuen Olim jemals die lnteressen der Gesamtheit des Jischuw vernachlässigt oder vergessen hat. Ihre ganze Erziehungsarbeit ist darauf abpresfel't, den Olim klarzumaclieii, daß Einordnung in Erez Israel oft genug auch persönliche Opfer fordert, daß sie unvereinbar ist mit rücksichtsloser Durchsetzung von Gruppen- und Einzelinteressen. Wenn die Hitachduth Olej Germania jetzt die Initiative zur Aufstellung einer eigenen Liste zu den Wahlen für die Stadtverwaltung T e I - A w i w ergriffen hat, so hat sie das nicht aus» Freude an Zersplitterung und nicht aus grundsätzlicher Bejahung landsmamischaftlicher Gruppenbildung im politischen Leben Erez Israels getan, sondern weil sie in diesem Augenblick keinen anderen Weg sieht, um die dringenden und berechtigten Forderungen der großen Gruppe von neuen Bürgern der Stadt Tel-Awiw durch berufene Vertreter zur Geltung zu bringe״, und weil sic glaubt, durch diese Form der Teilnahme die Kräfte der neuen Umwänderung am besten zum Wolde der jüdischen Stadt Tel-Awiw mobilisieren zu können. Dieses Ziel kann nur durch die Aufstellung von Kandidaten erreicht werden, die als Persönlichkeiten, durch zionistischen Aufbauwillen und kommunalpolitischc Fähigkeiten die Gewähr bieten für eine fruchtbare Mitarbeit im Interesse der Einwanderer, die durch die bisherige Stadtverwaltung vernachlässigt worden sind. Viele Einwanderer haben ihre Heimat in Tel-Awiw gefunden. Sie wollen durch Kräfte aus ihren eigenen Reihen verantwortlich daran mitarbeiten, diese Stadt so zu verwalten, daß die Juden der ganzen Welt mit Stolz und Freude auf ihre Leistungen blicken können. Dieser Wille kann seinen realen Ausdruck bei der zur Zeit vielfach herrsehenden Einstellung gegenüber den neuen Einwanderern nur durch die Wahl der Kandidaten einer besonderen Liste der Einwanderer finden. Tel-Awiw ist eine Stadt der Einwanderung und soll es Weihen. Die Aufgabe der Stadtverwaltung ist cs, d e m neuen Einwanderer den Weg zur Einordnung zu erleichtern. Diese Aufgabe bat Tel-Awiw unter der bishcrigen Leitung in keiner Weise erfüllt. Die Stadtverwaltung stand den neuen Olim gleichgültig gegenüber. Wer mit ihren Büros und Amtssteiferi zu tun hatte, iiatte keineswegs das Gefühl eines Entgegenkommens, sondern vielmehr einer völligen Gleichgültigkeit, eines B i'1 r o k r a t i s m u s, der den oft mit den Landesverhältnissen nicht vertrauten Neuein- Wanderern ihre an sich schon schwierige Situation noch mehr erschwerte, statt sic ihnen zu erleichtern. Wir wollen, daß in Zukunft der Einwanderer spürt, daß seine Interessen in der großen jüdischen Stadt gewahrt werden. Die zum mindesten passive Einstellung der bisherigen Stadtverwaltung in Tel-Awiw gegenüber den Einwanderern wirkte sich auf den verschiedensten Gebieten des täglichen Lebens aus. Sofort bei seiner Ankunft spürte der Einwanderer empfindlieh den völligen Mangel an geeigneten Unterkunftsm ö g I i c 11 k c i t e n und die Folge der falschen, durch reine Hausbcsifzerinteressen diktierten Wohmingspolitik der Stadt. Ein paar schlechte Baracken für die hilfloseste Schicht der neuen Einwanderer ist alles, was die Stadt Tel-Awiw bisher auf diesem Gebiete geschaffen hat. Sonst hat sie die Ein- Wanderer der Wohnungslosigkcit, der Einzwängtmg in überfüllte Wohnquartiere oder der Ausbeutung durch hohe Mieten überlassen. Wir fordern eine planmäßige Wohnungsnolit i k der Stadt, die der Grundstücksspekulation und dem Miet- Wucher entgegentritt durch Schaffung neuer Wohnviertel mit billigen Wohnungen. Wir fordern das nicht nur für den neuen Einwanderer, sondern auch weil wir den Kampf gegen die Slums, gegen die elenden Wohnviertel in Baracken und Steinhäusern, die es in Tel- Awiw gibt, für eine dringende soziale und h y g i e - nische Aufgabe der Stadt halten. Wir fordern Er- Schließung neuer Wohnviertel und Sanierung schlechter alter Wohnviertel durch planmäßigen Straßenbau. Nicht nur die repräsentativen Straßen der Stadt, sondern die Straßen in allen Vierteln, In denen Bürger wohnen, müssen in einen Zustand gebracht «׳erden, der auch in der Regenzeit ihre Benutzung ermöglicht und die Wohnungen vor gesundheitsschädlichen Einflüssen bewahrt. Wir fordern, daß die Planung der Stadt dem wachsenden Verkehr Rechnung trägt, und daß nach Möglichkeit dafür gesorgt wird, daß das wachsende Häusermeer von Grünanlagen durchsetzt wird, die Luft und Schatten, Spielplätze für die Kinder und Erholungsstätten für die Erwachsenen sichern. Auch in der Schulfrage hat die bisherige Stadtverwaltung nur in sehr geringem Maße den Anforderungen genügt, die man im sozialen und im zionistischen Interesse an das größte Sammelbecken für Neucinwanderer in Erez Israel stellen muß. Der neue Einwanderer, der mit Kindern ins Land kommt, steht bisher allzu oft vor verschlossenen Türen, wenn er seine Kinder in den Volksschulen der Stadt unterbringen will. Der Ausbau der Schulen hält mit dem Wachsen der Stadt nicht Schritt. Das bedeutet Sorge für die Eltern, die im Kampf um den Aufbau einer neuen Existenz stehen, Gefahr der Verwahrlosung für die Kinder, Verlust an kultureller Kraft für die Allgemeinheit. Wir fordern mehr Schulen, keine überfüllten Klassen, modernen Unterricht! Mit einer großen Ali jah kommen unvermeidlich auch Menschen ins Land, die sieh aus eigener Kraft nicht erhalten können. In jeder Gemeinschaft treten Notfälle auf, die von der Gemeinde durch soziale Ihlfc betreut werden müssen. Was bisher in Tel-Awiw auf diesem Gebiet geschieht, ist völlig unzulänglich. Wir wollen, daß die jüdische Stadt nicht weiter an sozialem Geiste der gegenseitigen Hilfe zurückstehen soll hinter den Städten anderer Länder. Wir fordern Mittel und Menschen für den Auf hau einer gesunden Wohlfahrtspflege ln Tel-Awiw. Die große Ali jah der letzten Jahre war stark mifbestimmt durch die Einwanderung der Juden aus Deutschland. Große .Schichten der Judcnheit Deutschlands können _ aber den Weg der Auswanderung und des Aufbaus einer Existenz in Erez Israel nur dann beschreiten, wenn ihnen das Mitbringen von Vermögen ermöglicht wird. Der Weg des Transfers ist der einzige Weg, der die Ali jah nach Erez Israel erleichtern kann. Der Zionistenkongreß hat die Notwendigkeit dieser Hilfsstellung für die Juden in Deutschland anerkannt. Die Jewish Agcncv hat die aktive Verantwortung für die Haavarah als Hilfsinstrimient der Einwanderung übernommen. Bei dieser Lage muß man auch von der Stadtverwaltung Tel-Awiws verlangen, daß sie auch au! diesem Gebiete ihre erheblichen wirtschaftlichen Potenzen einsetzt, um Juden aus Deutschland die Einwanderung in Palästina und die Gründüng einer Existenz zu ermöglichen. Diese grundsätzlichen Punkte zeigen klar, daß es in der Tat jn diesem Augenblick notwendig ist, daß die neuen Ohm duren eigene Vertreter in der Stadtverwaltung Tel-Awiw repräsentiert werden. Dabei versteht es sich von selbst, daß es Aufgabe dieser Vertretung sein muß, nicht nur die Interessen der neuen Olim zu wahren, sondern sich eiimisctzen für eine fortschrittliche Politik der Stadtverwaltung, die sich als verantwortlicher, untrennbar mit dem Ganzen verbundener Teil des Jischuw und der zionistischen Bewegung überhaupt fühlen muß. Die bisherige Stadtverwaltung hat den zionistischen Instanzen und nationalen Institutionen, wie der lewisli Agcncv und der Kncssoth Israel gegenüber leider oft genug eine ‘separatistische Politik getrieben. Das muß anders werden. Tel-Awiw soll das wichtigste Glied am Körper der neuen jüdischen Gemeinschaft des Landes sein, aber es soll sich als Glied d e m Ganzen ver b u n d e r» f ü hlen und nicht partikularistische Eigenpolitik treiben. Gerade bei der Frage des Wahlrechts hat die bishörige Stadtverwaltung in den letzten Monaten deutlich genug gezeigt, daß es ihr im wesentlichen darauf ankommt, ihre jetzige Mehrheit am Ruder zu halten um! durch Entziehung des Wahlrechts für Untermieter und durch die Erweiterung der Spanne zwischen Wahl und Aufstellung der Wählerlisten möglichst viele der neuen Einwanderer und der fortschrittlieh gerichteten Kreise der Bürgerschaft vom Wahlrecht an-zuschließen. Um so mehr müssen wir *1uf (irund unserer Tradition und unserer zionistischen Erziehung dafür eintreten, daß in Zukunft Tel-Awiw. die einzige jüdische Stadt der Welt, durch eine Stadtverwaltung repräsentiert wird, die den N e 11 e i n w a n d er e r mit offenen Armen empfängt, i h m s eine Einordnung erleichtert, u n d d i e d i v Stadt selbst in fortschrittlichem und sozialem Geiste als Glied des nationalen Aufbaus in Erez Israel a u sbauf. H. Aus der jüdischen Altstadt Jerusalems Der ״Humorist' tut ״t nilosoph‘ Beim Fleischer Der Schuster jüdischen ״Schuk' Mädchen

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