Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 94 (22.11.1935)
- Date
- 1935-11-22
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 94, 22 NOVEMBER 1935 Berliner Rundschau Abschied von Berlin Thema: Auswanderung Ein Gemeindeabend Schon zwei Gemeindeabende hat die Berliner Jüdische Gemeinde zur Frage der Auswanderung veranstaltet; sie galten der Erörterung der Möglichkeiten, die es in der Welt für Juden gibt. Der dritte Abend, der am Montag in der Synagoge Prinzregentenstraße stattfand und der wieder außerordentlich stark besucht war, hatte zum zentralen Thema ״Palästina1‘; Direktor Heinrich Stahl sagte in seiner Ansprache, daß es das eigentliche Ziel in dieser Zeit sei und daß — so notwendig auch gewisse Teile des Judentums aus Deutschland in andere Länder wie Südafrika und Südamerika werden gellen müssen — in Palästina die eigentlich jüdische Leistung vollbracht werde. Wie schon an den früheren Abenden, so warnte Direktor Stahl auch an diesem insbesondere die älteren Menschen vor Besitzverschlcuderung und vor einer überstürzten Auswanderung ins Ungewisse und ermahnte sie zur Geduld. Zum Schluß sagte Dir. Stahl, daß wir der Vorsehung dankbar sein müßten, daß sie uns vor Jahrzehnten die Männer der zionistischen Bewegung geschenkt habe, die in weiser Voraussicht den Grundstein für das jüdische Palästina gelegt haben, das heute der einzige Lichtblick in unserem Leben ist und auf das wir mit Liebe und Bewunderung blicken. Das Hauptreferat hatte Dr. Franz Meyer, der sich zum Thema gesetzt hatte, aus der Praxis des Palästina-Amts das Verständnis für die Palästinawanderung zu vertiefen. Es sei das Besondere des Palästina-Amts, daß es nicht nur eine Auswanderungsals vielmehr in mancher Hinsicht eine Einw a ndcrungsstelic sei. Es hat daher nicht nur beratende Funktionen wie andere derartige Einrichtungen, sondern ihm liegt die 13 n t s c h e i d 11 n g über die Qualifikation der Bewerber um C-Zcrtifikate ob. Der Anteil der Alijah aus Deutschland sei erheblich größer als dein jüdischen Sektor in Deutsch-!and prozentual zukäme: nämlich 20 «v,. Die Struktur des Landes verlange cs, daß vor allem junge Menschen hinkommen, und der Weg für die Aclteren könne nur der der Familien Wanderung sein, bei der sie später von den Jüngeren nachgezogen werden. Das Ansteigen der Verwandtcnzertifikatc in den letzten zwei Jahren ist ein Beweis für die Richtigkeit dieser These. Zu dem Erfolg der Palästina- Wanderung hat die Juden heit Deutschlands vor allem durch ihr entschlossenes Werk der Berufs Umschichtung heigetragen, durch die sie eine einigermaßen gut vorbereitete Masse junger Menschen hinübersenden konnte. Der Ausbau 1 dieses Berufsumschiclitungswerkes werde es uns auch ermögliehen, unter den Empfängern von Q-Zertifikaten den Anteil der Handwerker zu vergrößern. Ausführlich äußerte sich Dr. Meyer zu der Frage, nach welchen Grundsätzen die Palästinaamts-Kommission entscheidet. Der Paliistinawandcrer müsse nicht mir beruflich Gespräch mit Alexander Kipnls Unter den wenigen großen Bassisten unserer Zeit ist Alexander Kipnis mit in vorderster Reihe zu nennen. Ueberall, wo er singt, öffnen sieh die Herzen. Kipnis ist nicht allein ein Mensch aus unserem Stamme, sondern ein bewußter Jude überdies. Darum empfanden wir es als dankenswert, daß er wenige Tage nacli seinem letzten erfolgreichen Berliner Konzert einen Mitarbeiter der ״Jüdischen Rundschau“ zu einer Unterredung empfing, in der er mancherlei Interessantes sagte, was auch weitere Kreise, die diesem Manne für so viele schöne Stunden danken, gern erfahren werden. Kipnis isl ein schlichter, ungekünstelter Mensch; er gibt sicli mit charmanter Natürlichkeit, setzt sich nicht in Pose, sondern erzählt, wie man eben im Gespräch erzählt. Dabei fällt seine anschaulich-bildhafte Sprache auf, in der er sich auszudrücken vermag. Seine Sätze sind so eindrucksvoll geformt, daß man auch hier in jeder Faser den Künstler spürt, der um den letzten Ausdruck ringt. Es ist bekannt, daß Kipnis aus Ft 11 ß I a n d gebürtig ist. Man erfährt bei dieser Gelegenheit, daß er von den Pogronien im Jahre 190t noch eine Narbe am Körper trägt; er hat damals eine Stichvcrletzung davongetragen. 1912 kam er nach Berlin und studierte Musik. Nebenbei erwähnt er, daß er bis 1914 als Chorsänger an der Synagoge Fasanen- Straße seinen Lebensunterhalt verdiente. Er scheint nicht ungern an diese Zeit zurückzudenken. Aber wir bleiben nicht an Erinnerungen hängen, sondern gehen bald zu aktuelleren Dingen über. Der Künstler hat qualifiziert sein, sondern zugleich ein Träger des Aufbau- Werks sein können, so daß notwendigerweise gewisse kulturelle Anforderungen an ihn gestellt werden müssen. Es könne keine Rede davon sein, daß nur Zionisten Anspruch aut ein Zertifikat haben, denn Palästina ist eine Heimstätte für das ganze jüdische Volk. Aber wenn ein Zionist auch kein Zertifikatsmonopol habe, so hat er doch ein begrüneinen mehrjährigen Vertrag mit der Oper in Wien abgeschlossen. Fr bekennt, daß es ihm nicht ganz, leicht wird, Deutschland zu verlassen. Die Kunst sei ihm nicht mir Beruf, sondern ein Teil seines Lebens, und er sei besonders Ber- 1 i 11 mit seinem Herzen verbunden, denn seit 1922 wirkt er im künstlerischen Lehen der Reichsliaiiptstadt. Fr meint, er sei zwar durch seinen Beruf an ein Nomadenleben gewöhnt, dennoch aber ließen sich diese 13 Jahre intensiven Schaffens nicht einfach auslöschen. Warum aber geht er fort? Fr selbst gibt keine eindeutige Antwort, aber man fühlt aus seinen Umschreibungen, daß die jüdische Situation in Deutschland ihn künstlerisch und seelisch irgendwie beengt und hemmt, und er bestätigt, daß er nur aus solchen inneren Gründen seinen Wirkungskreis in Berlin aufgibt. Aber hat er nicht in Berlin und im ganzen Reich auch ein sehr treues jüdisches Publikum, dem er gerade in dieser Zeit seelisch unendlich viel bedeuten kann? Fr freut sicli gleichsam über die Frage und lobt das jüdische Publikum, das zwar anfänglich schwer zu erobern war, das aller dann mit wirklicher Leidenschaft an ihm hing. Er sagte, es bedeute ihm sehr viel, für Juden zu singen, er liebt diese Stimmung des Vertrautscins. des quasi Verwandtseins. In "■״teile Stadt, welches Erdteil auch immer er komme - immer steile sicli dm Kontakt mit den jüdischen Kreisen ein. Für ihn seihst, der aus einem streng religiösen Litern hause kommt, ist es eigentlich selbstverständlich. Er singt auch gern zuweilen j i d d i s e 11 e Volks licder, in deren Atmosphäre er groß geworden ist, und er zeigt mir ein Notonmamiskri״!, eine eigene Bearbeitung des Liedes ״Rosinkes tnul Mandeln״. Fr meint, er wurde gern häufiger jiddische Volkslieder singen, wenn die Bearbeitimgen besser wären, aller die Bearbeiter hätten sich die Sache zu leicht gemacht. Vieles, viel mehr 01s bisher, ließe sicli aus diesen Volksliedern herausholen. Dies eine Quintessenz Unserer Unterhaltung. Daß wir ihn von jetzt ab noch weniger als bisher werden hören können, stimmt uns traurig, /.war bestellt Hoffnung, daß er auch von Wien zuweilen herkommen wird, um uns mit seiner Kunst zu beschenken. Aber wir lassen ihn nur schweren Herzens ziehen. ca. deies Privileg. Denn von ihm müsse angenommen werden, daß er mit besonderer Intensität bereit sein werde, sicli den Aufgaben zu widmen, die das Land an ihn steiit. Zum Problem der K a p i t a i i s t e n w a n d e r 11 11 g führte Dr. Meyer aus, daß dies eine Frage von allgemeinem Interesse sei; denn der Kapital/ustroin sei eine notwendige Bedingung für die Schaffung neuer Arbeitsmöglielikc'iten. in Veranstaltungen der Bezirke und Gruppen der BZV. I, Sonnabend, d. 23. Nov 20.30 Uhr LiesenstraBe 3 Synagoge Zur Einigung in der Berliner Gemeinde Gruppe Wedding Sonnabend, d. 23. Nov. 20.30 Uhr HZV-Hetm, Oranicnfetraße 170 Oncg ScBatbat Sfldost Sonnabend, d. 23• Nov. 20.30 Uhr BZV-Heim. Hoaenthaler Str. 44 Joaef Jacobsohn: «Agnoa bam’isaper Chugtwri Zentrum Sonnabend, d. 23. Nov. 20.30 Uhr BZV-Heim, Kantstraße 54 א<ות ותשובות» Lciiuos: Dr. s. K.Ukn Kulturabteilung Sonnabend, d. 23. Nov. 20.30 Uhr Sonntag, den 24. Nov. Konditorei Hansa, Flensburger Str. 19 Ssicbah klaüth Alle Veraeistaltntigett fallen au« Chug iwri Hanta Montag, dtn 25. Nov. 20.30 Uhr Cafe Wittelsbach Hayer, PI. 2 Dr. Georg Lublnski: 50:50 —Wa« nun? Zur Einigung in der Berliner Gemeind« ßarbarosiaplalz Mittwoch, den 27, Nov. 20.30 Uhr BZV-Heim, Rosenthaler Str. 44 Alltag der Kwuzah Roienthaler Platz und Mitte Mittwoch, den 27. Nov. 20.30 Uhr Konditorei Hansa, Flensburger Str. 19 Rabb. Dr. Harry Levy: Die Bedeutung der Religion für den nationalen Aufbau Bellevue KINO-SPIELPLAN VON F&EITAQ BIS MONTAG IMPERIAL Ro!enth«l«r Str. 40/41 am Hackeschen Markt Oberarzt D r. Honet BIO Hackeachor Markt 2/3 Nur ein KomMM mit Rudolf Förster Kammer- Lichtspiele a. Lehniner PL Wo, 4.45, 7,9.15, So, ab 3 Uhr Rtslna- Licht 8p., Wilmersdorfer Str. 95 Ein idealer Bane 22.28.26.11. Bosamno 24. 11. (TotensomrtafO Das Erbe in Pretoria Sonntag, 1. Dezember, 20,30 Uhr, Singakademie, Festungsgraben 2 Wiederholung KUNDGEBUNG der MISRACHHUGEND Rabbiner Dr. Berkowitz AUSWANDERUNG ODER ALUAH? Chor de Vorführung WIR VON BACHAD Bilder von dem Hachscharah-Werk des religiösen Chaluz-Bundes Brit Chaluzim Datiim Erwachsene 60 RpL, Jugendliche 20 RpL Vorverkauf: Büro, Kantatr. 6111 8 Brit-Hanoar unseres Bildstreifens $ כשר Restaurant Gorodecki FriedrichitrsSe 183 gegenüber Cafe Imperator * Al 3420 Kant- Lichtspiele. Chari., Kantstr. 54 Wo, ab 5 Uhr. Toten* ab 3 Uhr. Liebesleute mit: Ren Müller Gast. 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Rcichsy.-Aus weis (auch an der Abendkasse) | Seht versessen — oft vegetarisch und Fische essen Vegetarischen und Fisch-Restaurant am Zoo Eingang Kantstraße, Ecke Joachimsth-rier Straße, hochptr. I Tanz-Abend or. uioMauer | Sonnabend! 23. Nov.. 9U11r ׳ Logenhaui, Kletststr, 10 L Karten: Nur JO Rpf. Getränke ab 70 Kpi. Sonntaß, 24. Nov. keine Vrransialtiineon! M II IUM RÄUCHERFISCH Inhaber: ERNST N E I M A N N Salat• * Fleck - Konserven WllmnradorfBr Str. 121. Kolonnenstr. 9 b » Br. Frankfurter Str. 146 ARKEN Anu. Virkaiif Preisliste gratia Philipp KosackiCo. Berlin C2, Burjatrid« 13 Saal yAr 70-80 Personen fast., fßr Vereine feind kleine Festlichkeiten. Einige Tage ln der Woche frei• NriMmar s RasiaurML ■*rim c — KiaderwallBtr. 25 AB 1885 —. ד anken sie schon bei KOEPPLER BERLIN, Neue KtmigstraSe S ■ Birlins ältest• jüdisch, T,nkat«lt• | ־<x Damen- £2 Mäntel Madanl., neue Modelle, UnsrB., BMI. 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