Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 90 (8.11.1935)
- Date
- 1935-11-08
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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14 *יז*!יל JÜDISCHE RUNDSCHAÜ Nr. 90, 8. XI. 1935 ,,Vorsicht, Auswanderun gsinteressenten!“ Zu dem unter dieser l?Überschrift in Nr. 88 der ״Jü- Bischen Rundschau“ erschienenen Bericht aus Beuthcn über- «endet uns die ,,Reichsvereinigung nichtarischer Interessenten für die Südamerika-Auswanderung״ mit dem Sitz in Beuthen eine Zuschrift und verlangt deren Abdruck ״unter Bezugnahme auf § 11 des Pressegesetzes“. Obwohl die Zuschrift keineswegs den Erfordernissen des Pressegesetzes entspricht und leider auch zum Teil in unparlainentarischen Ausdrücken gehalfen ist, entnehmen wir ihr die Angabe, daß der Vertrag der Reichsvereinigung mit Ecuador ratifiziert sei und ״daß die Croquis als Anlage zu diesem Vertrag ebenfalls vorliegen und der Beuthener Versammlung genau so wie der Vertrag selbst vorgelegt worden sind“. Demgegenüber verweist unser Beuthener F. T.-Berichterstatter darauf, daß, wie er in seinem Berichte erwähnt hat, in dem Korrespondcnzblatt des Hilfsvereins erklärt worden sei, daß sich der Abschluß eines solchen Vertrages nicht bestätigt!iahe; unser Gewährsmann bcharrt auch auf seiner Darstellung, daß in der Versammlung in Beuthen der Vertrag nicht vorge/eigt oder vorgelesen worden sei. In der Zuschrift der ״Reichsvcrcinigung“ wird ferner u. a. behauptet, der Referent in der Beuthener Versammlung habe nicht gesagt, ״daß Nichtarier aller Altersklassen und aller Vermögcnsklassen in Ecuador sofort Unterkommen könnten, sondern erstens hat der Referent nicht nur von Ecuador, sondern auch von anderen siidamerikanischen Ländern gesprechen, dann aber hat er ausdrücklich und wiederholt auf den langen und dornenvollen Weg hingewiesen, der noch zu beschreiten sein wird“. Demgegenüber bleibt unser Gevvährsmanti dabei, daß über die tatsächlichen Möglichkeiten in anderen südamcrikanischen Staaten nicht gesprochen wurde und daß der Referent gesagt habe, ״daß wir gegenüber den Alten und Gebrechlichen eine Dankesschuld haben und ihnen deswegen auch die Möglichkeit der Auswanderung nach Ecuador erschließen müssen“. Der Passus bezüglich der Fürsorge der Reichen für die Mittellosen hätte, gemäß der Zuschrift der ,,Reichsvereinigung“, so verstanden werden sollen, ״daß die Reichen bei ihrer Existcnzgriindung die Armen derart berücksichtigen müßten, daß den Mittellosen Stellungen geschaffen werden“. Wir haben in einer Loyalität, zu der wir durch das Pressegesetz. keineswegs verpflichtet sind, das Wesentliche aus der Zuschrift der aufgeregten Herren von cler ״Reichsvereinigung“ wiedergegeben. Es wäre noch ein ernstes Wort hin/.umfügen. Die ״Jüdische Rundschau“ ist sich der Schwere und I )ringlichkeit des Auswanderniigsproblenis voll bewußt und würde jedes seriöse Projekt, das eine AuswanderuiigsmöglichUeit erschließt, begrüßen. Wir bedauern außerordentlich, daß manche Leute, die sich mit Auswanderungs-Angel egenheiten befassen, wie 7. B. diese ,,Reichsvercinigung“, es für nötig halten, die Palästina-Wanderung zu attackieren, obwohl doch nachweisbar diese quantitativ und qualitativ am meisten Realität besitzt. Aber kein Zionist will alle Juden nach Palästina bringen und es wäre sogar eine Entlastung für Palästina, wenn auch andere binwanderutigsläruler offen stünden. Auf unserer Seite ist keinerlei Animosität oder Voreingenommenbeir vorhanden, aber es besteht die Verpflichtung, jüdische Aiiswandeninps'-'uchcnde auf die großen üefahren unkontrollierbarer Projekte in ihrem eigenen Interesse hinzuweisen. Erfahrungsgemäß rächt sielt gerade auf diesem Gebiet jeder Dilettantismus besonders tragisch. Es ist bcgrüßenswert, daß durch die oben erwähnte Zuschrift wenigstens klargestellt wurde, daß auch den nach Ecuador Auswandernden ein ,,langer, dornenvoller Weg“ bevorstcht. Wer im vollen Bewußtsein all dieser Schwierigkeiten den Weg der Auswanderung in ferne L.ander gehen will, dem wünschen wir gewiß volles (iclingen bei seinen Bemühungen, sich eine neue Existenz zu erarbeiten. Sofern aber in diese privaten Bestrebungen auch die Oeffentliehkeit einbezogen wird, so wäre es unseres Erachtens notwendig, daß auch eine Kontrolle seitens erfahrener jüdischer Instanzen vorhanden wäre. In den Wintermonaten werden unsere Schalter am Freitag stets etwa 40 Minuten vor dem Beginn des Schabbat geschlossen, am 8. November also 15.45 Uhr. f n I ■I II |M , II IM — ■ ■ 1— ■ ■■ 1 _ Die Burschen des ״Stabs“ stellen mit über der Brust verschränkten Innen: dawar also das Geheimnis das die hohen eisernen ’lr;iger!11 sieli trugen, die ihre llände aufgerichlot liabeii. Die Burschei, richten sich auf, stehet! Schüller an Schulier gedrängt, denn die Ma-rhine und ihre flinken Hände fragen die Well auf dm! Annen. Aa-xni klopft den Burschen freundschal tlicli aut du־ Schultern: hat nicht \rh״il mul 1׳ leifi ihn zu diesem luoilla! geführt? l’inl Millb' sieh unter «len mit atifgekreiiipi 110 11 Aeriiieln Dastehenden nicht auch einer l>e״ finden, de!■ e. dmeli Talent mul Fleiß ebensoweit bringen wird:’ Als «las Aul!» mit Na-son mul seinen Begleitern ahfnhr, versammelten sich die Ünr-chen itn Schatten einer Terrbinihc, die sie mit ihrem Wipfel vor der fkunmcndcii Hitze des Tages schützte. Ein Zolthewolmer trat ebenfalls heran, hockte sich mit der Bewegung eines Bevollmächtigten nieder und rückte mit stillem Seufzen in den Schatten des Baums. In seinen Augen lag eine Frage und er ließ sie argwöhnisch ein fließen: ,,Ihr wißt viel. Niehl wie wir F.sel ... Ihr werdet doch Zitrusgärt! 11 1 > 11;ln/.en, denn so ein Garten ist Gold, während Lupine und Melonenfelder nichts einbringen.“ ״Die Zitrusgürten werden die pflanzen, die Geld haben“ — doziert, Almer, ״und wir Arbeitete ule werden davon Arbeit haben.“ .,Ihr wißt es“ — sagt der Fellitrh, hüllt sieh in Tabaksrauch, und sein Blick erhebt sieh!■inen Augenblick über die ausholenden Arme der Stromnelztriiger mit ihren vielen Drähten, lieber die Zelte hinweg spannt sieh das Drahtnetz, das von nun an alles beherrschen wird; das Untergang bcdeutet oder neues Leiten, je nach Mahl. Zäune werden errichtet werden, alte Pfade versperrt. M ie soll das Zelt kiinflig vom Melonen fehl zur Tenne, von der Tenne an den Fuß der Berge gerückt werden? Win sollen die Kleinvichhcrdcn künftig z.11 den Triinkrinnen gehen und auf welchem Weg den Berg hinan und wieder talwärts ziehen? — —- — ״Die Pumpimsfhirie lassen wir bis zum Abend arbeiten״ — sagt der Rothaarige, Dio Nervosität war von seinem Gesicht gewichen. Er streckte sich auf dem Boden aus, stützte seinen Kopf auf Keren-Hajessod-Feier unterwegs Die unter dem Motto ״Auf dem Wege nach E r e z Israel“ an Bord des Dampfers ״Tel-Aviv“ veranstaltete Keren-Hajessod-Feier war ein einzigartiges Erlebnis. Wir waren, kurz vor Rosch Haschanah, auf dem Wege nach Ercz Israel. Kreta — und damit Europa — lag hinter uns. Vor uns, noch zwei Tagereisen weit, lag die Küste des Landes Israel. Ruhig und stolz zog die ״Tel-Aviv“ ihre im Mondlicht silberleuchtende Wasserstraße. Gewaltsam lösen wir uns aus dem Zauber der südlichen Nacht. Im festlich erleuchteten Speisesaal unseres Schiffes klingt feierlich Musik auf. Dort versammeln wir uns, um gemeinsam eine gerade in ihrer Schlichtheit seltsam ergreifende Jubiläums-Kundgebung für den Keren Hajessod zu veranstalten. Alle, auch die Fernerstehenden, begreifen es, was es bedeutet, aut einem Stück schwimmenden Palästina-Bodens eine jüdische Leistung von weltgeschichtlicher Größe zu feiern, während draußen am Bug die blau-weiße Flagge weht und während unten in den Kcsselräumen jüdische Menschen vor den Feuern stehen. Und ats Leib J a f f e, der Direktor des Keren Hajessod in Jerusalem, sich erhebt, um uns von der Arbeit und den Leistungen des Keren Hajessod in den vergangenen 15 Jahren zu erzählen, wissen wir alle, daß wir diese Stunde nicht vergessen werden. Aus den Worten, die er an uns paar hundert Reisende richtet, klingt soviel innere Erregung auf, als erlebte er heute zum ersten Male in ihrer ganzen Größe die Aufgaben, die dem jüdischen Volke gestellt sind. Nach ihm spricht Dr, Aron Barth, und man merkt es, wie er noch ganz unter dem Eindruck des starken Willens zur Einheit und zur Verantwortung steht, den der Luzerncr Kongreß, von welchem er heimkehrt, soeben vor aller Welt bekundet hat. Leo Herrmann, der Schöpfer des Films ״Land der Verheißung“, erzählt in schlichten Worten von den schweren Stunden des Anfangs der Kcren-Hajcssod-Arbeit. Vertreter des palästinensischen Jischuw sprechen aus ihren Lehenskreisen: Kaplanski, der Direktor des Technikums in Haita, und Zwi Ja hu da, der Bauer aus Nahalal. Auch sie veranschaulichen die Bedeutung des Erreichten und die Größe der noch zu lösenden Aufgabe. Rothenberg, Vorsitzender der Zionistischen Organisation Amerikas, überbringt schließlieh die Grüße und Wünsche der amerikanischen Judenhcit. In hebräischer, in deutscher, in jiddischer und in englischcr Sprache fließen die Reden dahin. Und als das letzte Wort verklungen ist, da braust, zu mitternächtlicher Stunde, die Hatikwah durch das jüdische Schiff, und alle fühlen cs, daß sic ״auf dem Wege“ sind nach Erez Israel. Oben aber, aut Deck, setzt sich diese Kundgebung von der Kraft und dem Lebenswillen der jüdischen Menschen fort in einem hinreißenden Horra-Tanz. Deborah Baratz, eine Bäuerin aus Dcganiah, ein Kind der ältesten Kwuzah aus dem Jordantai, führt ihn an. Und wie dann einer nach dem anderen sich cinroihl in den Reigen der Tanzenden, dienstfreie jüdische Offiziere, der Schiffsarzf, die jungen Palästinenser und Gäste des Schiffes, wissen cs alle — die Tanzenden und die, welche ihrem immer größer werdenden Kreise zuschauen —, daß die Worte des Tanzliedes, das über das Meer klingt, nicht eine Hoffnung mehr sind, sondern Wirklichkeit: ״Am Israel Chaj — das jüdische Volk 1 e b t.“ Rechtsanwalt Dr. Rosenak, Bremen ANTWORTEN DER REDAKTION Erich Sax, Münster. Daß Zionismus mehr ist als bloßes Auswanderungsstreben und als •Beitragszahlung zu einem Verein, ist in der ״Jüdischen Rundschau“ wiederholt nachdrücklieh hervorgehoben worden. Wir stimmen mit Ihnen auch darin überein, daß Menschen ohne Verantwortungsgefühl gegenüber der Gemeinschaft auch dann nicht Zionisten genannt werden können, wenn sie sogar in Palästina wohnen. Erna Fein, Leipzig. Ihre Anregung ist richtig. Selbstverständlich kann es Fälle geben, in denen jüdische Mädchen eine Tätigkeit in frauenlosen Haushalten bevorzugen, in denen sie eine selbständige Stellung haben. Andererseits sollten es besonders die jüngeren Mädchen nicht vergessen, daß sie beruflich beschäftigten Hausfrauen und Müttern zur Seite stellen müssen. An mehrere Einsender. Wir müssen die Aussprache über die Namensgebung nach lebenden Angehörigen und über die Frage der Zeitdauer zwischen Milch- und Fleischgenuß nunmehr schließen. Makkablseminar in Lehnitz Wir erhalten folgenden Bericht: Der Makkabi hielt in Lehnitz ein Seminar ab. Es ■war der erste Versuch dieser Art, und mail konnte ihm von vornherein mit einer gewissen Skepsis gegenüberstehen. Der Makkabi war bisher nur mit sportlichen Veranstaltungen in die (Oeffentliehkeit getreten, und die Zusammenfassung seiner geistigen Kräfte war nur in der Arbeit kleiner, miteinander vertrauter Kreise erfolgt. Dieser neue Versuch der Zusammenfassung von etwa 80 Menschen aus allen Teilen des Reiches, die einander meist fremd waren, zu einer Gemeinschaff Lehrender und Lernender konnte nur Früchte tragen, wenn wirklich eine Bewegung hinter den Einzelnen stand, wenn die Zugehörigkeit zum Makkabi bereits mehr bedeutet als die zufällige Mitgliedschaft in einem Sportverein. Daß der Makkabi schon soweit ist, war das erfreulichste Ergebnis der Tagung. Dr. Friedenthal Warf in seinem einleitenden Referat über den Makkabi als zionistische Bewegung diese Frage auf. Von den Begriffen der Assimilation und Dissimilation ausgehend untersuchte er die einzelnen Lebensräume und gab die Antworten des ״durch die Makkabibrille gesehenen Zionismus“. Im zweiten Referate der Tagung versuchte Dr. Kurt Lew in (״Training und Leistung“) die Rolle des Sports in einer geistigen Wertcschau und im Lebensraum des Makkabi aufzuzeigen. Als außenstehende Freunde und Gäste des Makkabi referierten außerdem Dr. M. Traub, S. Tschertok und Dr. Robert Weltsch. Tschertok und Traub setzten sich beide mit dem Problem des Galuth auseinander. Beide kamen, Tschertok in einer schwungvollen Konzeption, Traub in einer mit Akribie und Dramatik geführten Untersuchung über die als Beispiel genommene wirtschaftliche Lag? der osteuropäischen Juden zu dem gleichen Ergebnis der Unmöglichkeit einer endgültigen Linderung des Judenelcnds in der Galuth. Weltsch untersuchte in seinem Referat über das ״British Empire“ die von äußeren Kräften abhängigen, nicht im Willen der Judenhcit liegenden Voraussetzungen der Errichtung der Heimstätte in Palästina, das schwierige Gebiet aus einer Fülle von Wissen heraus anschaulich meisternd. Daneben gab es Arbeitsgemeinschaften, in denen das Wissen übermittelt werden sollt«, das Voraussetzung für eine wirksame zionistische Arbeit ist. Torry Ford er, Breslau, Dr. Alfred R a b a u und Dr. Hardi Swarsensky arbeiteten über zionistische Geschichte, wobei besonders die von Rabau vorgetragene Geistesgeschichte der großen Wegweiser Achad Haam, Oordon und Brenner als eindrucksvoll hervorgehoben werden muß. Paul Lewinsohn machte den ersten öffentliehen Versuch, die Geschichte der Makkabi-Bewegung im Zusammenhang darzustellen. Dr. Plaut berichtete über den Aufbau und die Aufgaben der Rcichsvertretung, Friedent h a I über erste ärztliche Hilfe und Siddy Golds chmidt, dessen aufopferungsvoller Vorarbeit diese erste Verwirk■- lichung eines alten Planes und cler harmonische Verlauf der Tagung zu danken ist, über die Araberfrage. David Schmetterling widmete schließlich den letzten Tag vor seiner Rückkehr nach Daganiah dem Makkabi für eine Arbcitsgcmeinschaft über die Kwuzah, die er gemeinsam mit Hans Berkowicz-Westerbcck, abhielt. t. n. Das neue Heft der ״Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums“ ist soeben erschienen, das vor allem der Auseinandersetzung mit der neueren Theologie gewidmet ist. Aut die Frage, was das Judentum von ihr lernen kann, antwortet Alexander Altinann in einem grtind« legenden Aufsatz. Ferner findet sich eine Untersuchung über die Frage, ob die Juden in wesentlichem Maße an cler Entstehung und Entwicklung des islamischen Bankwesens beteiligt sind. Der Münchener Professor A. Cohen kommt in einer gründlichen Studie zu einem negativen Ergebnis. Sehr wertvoll ist die in dem gleichen Heft enthaltene liebersicht über neue Forschungen zur Geschichte der Juden in Deutschland. Professor Garstang, der die großen Ausgrabungen in Jericho geleitet hat und darüber ein für die Geschichte des alten Israel überaus wichtiges Buch veröffentlichte, teilte in einem Vortrag an der Universität Liverpool mit, daß er im Begriffe steht, noch vor Weihnachten eine neue Expedition nach Palästina zu fuhren, an der sich auch ö. M. Fitzgerald, der die Ausgrabungen in Beisan geleitet hat, beteiligen wird. die Ellenbogen, und sein Blick war scklauberechnend, lustig und keck: ,,Boden für Zilruspflanzungcn, Wasser in Fülle ... jetzt wird der Duiiain mit Gold aufgewogen'“ — sein Auge sprüht Energie und der hartnäckige Mamsell, selb-! 7.11 diesem Golde zu gehuigen, sleigt in seinem Hirne auf. Er richtete sich im Sitzen auf: ״Geld beantwortet alles; alles andre ist Unsinn. Ihr ,Eeule des Lagers‘ versieht solche Dinge nicht. Dieser Nassem, was hat er uns voraus? Ist er etwas Hess!• res als ich, als ihr? Aller da er Gehl hat, gehört ihm auch der Boden, stellt ihm die elektrische Kraft zur Verfügung, arbeiten die Mascliineii und das M'asser für ihn.“ ״Und wenn d:1s Oedlnml sich erhebt und in einem Sehwnnge all dies in Stücke schlägt?“ — fragte ihn Abner, lialh ernst, halb leicht fertig. ״Wer wird sieh erbeben? Diese Zelte? Der Hof Naifs? Unsinn!“ -- schüttelte der Bothaarige geringschätzig den Kopf. — ״Und wenn sie sich erheben, wird der Hunger sie zum Schweigen bringen. Vor dem Geld weicht alles zurück, Nai'f selbst, bat keine Ursache zur Auflehnung. Wie ich hör«-, baut er sich im Oedland ein Schloß und dir: Leute des Oedlamls arbeiten bei ihm zu Hunderten. Er seihst fährt in einem neuen Auto.“ Sie hatten bereits die Pumpmnscliiuc abgestellt und das Ptiinpliaiis geschlossen. Auf dem Rückweg suchte der Rötlich« iluien noch weitere Beweise z,u geben: ״Unsinn! Ihr Burschen seid von dem Gedanken großer Arbeitslager besessen, und vor lauter Lagern seht ihr euch seiht nicht mehr, ha ■— ha!“ Als sie an die Außenviertel von Tiiura gelangten, kam ihnen ein Reiter eilig entgegen: ״Wohin, zu so später Stunde?“ — fragte ihn der Rothaarige. ״Nach dem ,Hügel der Ruhe‘״ — antwortete der Reiter, ״Was ist los?“ — fragte ihn der Rote weiter aus. ״Große Bewegung im Oedland ist gemeldet. Die Leut« vom ,Hügel der Ruhe‘ müssen noch heute nacht mit Hab und Gut nach Töura kommen ..." Der Reiter spornte sein Pferd und galoppierte davon. 17. KAPITEL Jecliiels Tod - hatten am Eingang der großen Lelitiihülile ihre Tagesarbeiten beendet, da erschien ein Reiter auf dem Weg, der von Tiiura Herauf führt. Als er Iierangekomincn war und abstieg, standen bereits Jechiel, Uri und die anderen bereit, soine Botschaft zu hören: ״Man meldet euch von Tiiura, daß ihr den ,Hügel der Ruhe' verlassen sollt, denn im Oedlrmd ist's nicht ruhig, und jeder Siedlungspunkt hat Ueln-rfall und Rauh zu gewärtigen.“ — So meldete der Rote und kehrte im Galopp, wie er gekomnie!! war, zurück. Die kleine Menschengruppe blieb auf der Höhe des Hügels stehen. Im großen Sec zu ihren Füßen verglomm dio Abenddämmerung, und in den Bergen gegenüber flackerten viele Feuer, Zeichen des anhebenden Sturmes. ״Der Beton, das Eisen und der Trieb nach dem Gelde ziehen schließlich das Schwert hinter sich her“ — donnerte der alte Jechiel. Gedankenverloren aßen die Leute zu Abend, dann nahmen sie ihre Waffen und gingen wieder hinaus. Sic setzten sich in die. Bunde, das Gewehr zwischen den Füßen, und von Zeit zu Zeit ging einer von ihnen an den Band des Hügels und lauschte in die Finsternis, ״Sollen wir wirklich den Hügel verlassen, wie der Bote gesagt hat?“ Keiner von ihnen wollte antworten. Uri umfaßte mit den Händen seine Knie und starrte in die dunkle Nacht hinaus, die so düster und traurig war wie die Trauer in seinem Herzen. Er sprach nichts und hatte auch nichts zu sprechen, denn er lauschte mit offener Seele In die bange Nacht Nur Sara sagte plötzlich mit Nachdruck: ״Wir gehen fort und auch das Vieh treiben wir mit uns. Denn umsonst würden wir hier unser Leben aufs Spiel setzen — im Kampf aus dem Hinterhalt liegt kein Heroismus, sondem nur Beutelust.“ (Fortsetzung folgt)