Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 90 (8.11.1935)
- Date
- 1935-11-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- Hebron 3× ep/1047559
- Haifa 1× ep/1047930
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Nr. 90, 8. XI. 1935 JÖDISCHP RUNDSCHAU Seite 13 HEBRON und die Höhle Machpela Text und Bilder von Nachuni Gidal Da die arabischen Bewohner der Stadt fanatisch und tremdenfeindlicli sind, ist es ratsam, bei der Wanderung durch die Sta-dt einen ortskundigen jüdischen Führer mitzunehmen — so rät das Reisehandbuch beim Kapitel ״Hebron“. Der Weg führt auf einer ausgezeichneten Chaussee zuerst südlich nach Bethlehem. Kurz davor liegt hart am Straßenrand ein grober Spielzeugblock mit einer kleinen Kuppel daraut. Es ist das Grab Rahels, die nicht im Erbbegräbnis zu Hebron begraben liegt, sondern hier, dicht an der Straße, an der Stelle, wo sie bei der Geburt Benjamins starb. Von Bethlehem ab läuft die Straße auf der hügeligen Hochebene zwischen den Bergen Judäas in weiten Schwüngen weiter nach dem Süden. Nach einstündiger Fahrt ist das hochgelegene Hebron erreicht, das sich den Blicken zuerst als eine weite große Stadt darbietet. Wandert man aber kurze Zeit durch die steilen Gassen, so merkt man bald, daß Hebron keine Großstadt ist, sondern eine baufällige Kleinstadt. Nur 18 000 Menschen wohnen heute in Hebron, und diese Zahl verringert sich von Jahr zu Jahr, während überall sonst im Land die Bevölkerungszahl auch ohne Einwanderung steigt. Wie ist dieses seltsame Bevölkerungsphänomen zu erklären? Und wie ist die wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit der Stadt zu erklären, die seit urdenkiiehen Zeiten berühmt ist durch ihre günstige klimatische Lage, durch den fruchtbaren Boden ihrer Un bung und durch ihren Wasserreichtum? Wie endlieh ist diese außergewöhnlich starke Fremdenfeindschaft zu erklären, die iin Jahre 1929 zu dem Judenmassaker in der Jeschiwah der Stadt führte und die die Jerusalemer Polizei immer besondere Vorsichtsmaßregeln ergreifen läßt, sobald die Leute aus Hebron um die Peßachzcit zum Nebi-Musa- Fest zur Omar-Moschee ziehen? Der Grnn-d dieser eigenartigen Rückentwicklung Hebrons ist in wirtschaftlichen Faktoren zu suchen. In friilieren Jahrhunderten war Hebron ein Umschlag- und Stapelplatz auf der großen Karawanenstraße, die von Aegypten nach Syrien und in die Länder am Euphrat und Tigris• hinaufführte. Die Entwicklung der palästinensischen Hafenstädte einerseits und der Bau der Eisenbahnlinie Kairo—Haifa andererseits hat diese Straße als Transportweg überflüssig gemacht, Hebron wurde zu einem bedeutungslosen Landstadtchen, aus dem die Einwohner immer wieder in günstiger gelegene Orte abwandern. Dam kommt, daß die Gegend von Hebron erst jetzt langsam in den realen Interessenkreis des zionistischen Aufbauwerkes zu pt)ckcn beginnt. Während in die meisten anderen Städte jüdisches Kapital floß und jüdische Arbeit ein blühendes Wirtschaftsleben auch der benachbarten Araber hervorrief, hatten die Einwohner von Hebron an diesein Aufschwung des Landes keinen Anteil. Diese ärmliche Stadt demonstriert beredter als jede Statistik, daß Palästina ohne das zionistische Aufbauwerk keinen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt hätte, sondern daß im Gegenteil nur die Teile des Landes emporblühen konnten, die vom zionistischen Aufbau erfaßt wurden. in Hebron war das nicht der Fall. Während Jaffa zu Wohlstand gelangte, während Araber in Jerusalem und Haifa reich wurden, ging das Handelsleben Hebrons immer weiter zurück. Der Handel mit den Erzeugnissen des heimischen Kleingewerbes reicht selten über die nächste Umgebung hinaus — und die Bedürfnisse der Beduinen sind bekanntlich Blick auf Hebron SIlslS «Sill ■ :Si j.Ä•*®** Marktstraße, in Hebron Im Schuk von Hebron werden die palästinensischen Hirtenflöten hergestellt und für ein Piaster das Stück verkauft Die Umfassungsmauer der Höhle Machpela und der Haram Araber aus Hebron weniger als gering. Der Acker- und Weinbau in extensiver Bewirtschaftung ernährt die Bauern kümmerlich. So wuchs allmählich eine Feindschaft gegen die Bringer des Reichtums, die aus einem unbekannten Motiv heraus das ganze Land überfluteten, nur Hebron nicht. Entwicklung von Eisenbahn und Schiffahrt, Werke der Fremden, schienen Grund des eigenen Niederganges. Von der günstigen Entwicklung des Landes profitierten alle Städte■ — nur die eigene Stadt nicht Kann es verwundern, wenn allmählich aus der Verbitterung über diese Entwicklung ein Haß wuchs, der nach Entladung drängte? So wurde Hebron zu einer Stadt, in der es für einen Fremden nicht ratsam ist, allein spazieren zu gehen. Ein Platz in Hebron aber zieht nach wie vor viele Fremde an. Der Haram, auf dessen Grund sich die Höhle Machpela befindet. Diese Hohle auf dem Felde Machpela kaufte Abraham von dem Hethiter Lfron mul bestimmte sie für sich und seine Familie zum Erbbegräbnis. (1. Buch Moses, 23.) Hier begrub er seine Frau Sarah, hier wurdet* später auch Abraham selbst, Isaak und Rebekka, jaakob und Lea beigesetzt. Die Höhle Machpela ist heute im rnuslemisch-arabischen Besitz, Sie ist ein Teil des großen Baukomplexes des Haram, aut dem sich außerdem noch eine Moschee, Minaretts und Wohnungen für die Geistlichen befinden. Der Platz ist van einer Mauer umgeben, die teilweise aus der herodianischen Zeit stammt. Von der Straße aus führen zwei Steintreppen 4 m hoch zur Moschee empor. In der Seitenmauer der östliehen Treppe, ungefähr auf der Höhe der siebenten Stufe, sieht inan schlitzartige Löcher in der Mauer. Das erste dieser Löcher soll bis zur Höhle Machpela hinunterführen. Durch diese Oeffnung nun werfen fromme Juden kleine Zettel, beschrieben mit Wünschen und Gebeten. Die Moham• medaner wachen sorgfältig darüber, daß kein Andersgläubiger die Treppe höher hinaufsteigt als bis zur siebenten Stufe. Ausnahmen von dieser Vorschrift werden nur dann gemacht, wenn man ein halbes Pfund zahlt. Daß den Fremden die Unkenntnis dieser Vorschriften nicht vor Anfeindungen schützt, zeigen die Vorfälle der Rösch-ffaschanah-Wochc, als der Gerer Rebbe von den Wächtern der Moschee grob angetaßt, eine Anzahl seiner Chassidim verhaftet wurde. Touristen auf aer siebenten Stufe zum Eingang der Höhle Machpela, links und rechts von ihnen Wächter, die darauf achten, daß kein Fremder diese Stufe überschreitet