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Jüdische Rundschau · 1935-10-25 · Heft 86 (25.10.1935) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 86 (25.10.1935)
Date
1935-10-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 86, 25.X. 1935 JÜDISCHE RUND SCHAU Seite 7 Juden in Afrika Von Dr. M. Wischnitz«! Mitte November erscheint im Verlag Erich Reiss, Berlin, ein Buch von Mark Whchnitzer: ״Die Jaden in der Welt", Jedem einzelnen Land der Welt ist ein eigenes Kapitel ge• widmet, worin die Geschichte und die heutige Situation der dortigen Juden dargestellt wird, wobei zum Schluß noch jeweils die Frage gestreift wird, ob eine Einwanderung in das betreffende Land möglich sei. Schon aas diesem letzte• ren Grunde, aber auch als spannende und lehrreiche Lektüre ist das von einem Sachkenner, dem Generalsekretär des Jlilfsvereins der Juden in Deutschland, verfaßte Buch für die Juden Deutschlands von besonderem Interesse. Wir geben aus dem letzten Teil des Buches, der die einzelnen Länder Afrikas beschreibt, einige Abschnitte in etwas ge• hürztVr Form wieder, die sich auf einen Teil der Welt be• ziehen, der jetzt durch den Krieg besondere Aufmerksamkeit beansprucht. (Red.f Abessinien Die Falaschas Abessiniens and ein seit vielen Jahrhunderten im Lande lebender jüdischer Stamm. Jemenitische Juden in größerer Zahl wohnen in Addis Abeba. In neuerer Zeit haben sich vereinzelt europäische Juden in Abessinien niedergelassen. Die Bezeichnung Falascha rührt von den christlichen Abessiniern her und bedeutet Exulant. Die Falaschas nennen sich selbst Bieta Israel, das heißt Haus Israels. Einst unabhängig, erlagen sie •den Abessiniern »ach wiederholten Kämpfen. Der letzte Aufstand unter dem Falaschakönig Gideon wurde im Jahre 1615 niedergeschlagen. Seither lebten die Falaschas in Abessinien als unterdrückter Volksstamm. Trotz der zahlreichen Uebertritte zum Christentum hat sich ein Grundstock jüdischer Falaschas erhalten, die augenblicklich auf etwa 50 000 geschätzt werden. Die Falaschas leben in größeren Gruppen nördlich und westlich vom Tana-See und sind vereinzelt über das Land verstreut Sie sprechen verschiedene Dialekte des hami tisch-kuschi tischen Sprachstamm es und haben vor dem Zusammentreffen mit europäischen Juden keine Kenntnis des Hebräischen besessen. Sie wohnen in der Regel in kleinen Dörfern von 50—60 Familien. Ihre Hütten sind wie die abessinischen rund und fensterlos und von einem Strohdach gedeckt. Man rühmt ihnen größere Reinlichkeit nach, die sie von der umgebenden Bevölkerung unterscheiden soll. Sie siedeln in der Nähe der Flüsse mit Rücksicht auf die biblischen Reinigungsgesetze, die sie beobachten. Die Synagoge (Mesgid) befindet sich im höchstgelegenen Teil des Dorfes, der Uebung der Juden im Altertum nicht unähnlieh. Die Falaschas ernähren sich von der Landarbeit, der Vieh- Seicht und allerhand Gewerben. Der Handel spielt bei ihnen keine Rolle. Sie sind kräftig, von großer Statur, dunkler Hautfärbe und haben negroides, krauses Haar. Sie scheren den Bart und tragen keine Kopfbedeckung, mit Ausnahme der Priester, die einen Turban tragen. Man rühmt den Falaschas großen Fleiß nach, ihre Priester üben ebenfalls ein Gewerbe aus, meist die Weberei. Es sind vorwiegend die erstgeborenen Kinder, die dem Priesterdienst geweiht werden. Der Gottesdienst wird in äthiopischer Sprache abgehalten, in der auch die Hymnen und Psalmen vorgetragen werden; Am Schabbat, der sehr streng beobachtet wird, wird kein Feuer angezündet. Montags und Donnerstags wird gefastet. Man beobachtet das Neumondfest. Von den großen Festen werden das Peßach- und Sukkothfest gefeiert, Chanukkah und Purim sind jedoch unbekannt. Das Tieropfer und das Ach renopfer bilden einen Bestandteil des Gottesdienstes. Die Synagogen weisen ein Allerheiligstes auf, das nur die Priester betreten, einen Versammlungsraum für die Gemeinde und einen Vorhof. Im Allerheiligsten wird die äthiopische Bibel, die in Buchform geschrieben ist, gehütet. Sie liegt auf einem Tisch. Links von diesem Tisch stehen zwei irdene Gefäße, eines mit der Asch« der roten Sühnekuh und eines mit Weihwasser. Der Opferaltar befindet sich im Vorhof. Die Falaschas erwarten das Kommen des Messias, der sie nach Jerusalem bringen wird. Sie leben in der Einehe. Die Frau genießt eine gewisse Freiheit. Sie zeigt sich unverschleiert. Außer den kanonischen Büchern sind noch einige apokrynhe Schriften der Bibel erhalten. Andere wichtige Schriften sind das Buch der Gebote für den Schabbat, das Buch Adam, das Buch des Abraham, das Buch Moses und der Josippon. Die Frage der rassischen Abstammung der Faiaschas ist ungeklärt Man hält sie für abessinisene Neger. Sie zeigen durchaus den afrikanischen Rassentypus. Ein« genauere Kenntnis von den Falaschas besitzt man erst seit der Studienreise des Orientalisten Joseph Halevy im Jahre 1868. 1904 unternahm Dr. Jacques Faitlovitch im Aufträge von Baron Edmond Rothschild eine Expedition nach Abessinien, um die Falaschas kennenzulemen und mit dem Judentum in Verbindung zu bringen. Um die gleiche Zeit weilte in Abessinien der Orientalist und Diplomat Dr. F. Rosen als Führer einer deutschen Solidergesandtschaft. Die Falaschas, ihre Bräuche und Sitten interessierten den deutschen Forscher, der es übernahm, ein Schreiben des Stammes dem Hilfsverein der Deutschen Juden in Berlin zu übermitteln. Es war an ״alle Kinder Israels im deutschen Lande“ gerichtet und auf amharisch, der abessinischen Landessprache, abgefaßt. Es lautet in deutscher Uebersetrung: ״Gepriesen sei der Herr, Gott Israels! Heil, Heil, Heil Euch, die Ihr seid im deutschen Lande, die Ihr seid jenseits des Meeres, groß und klein allzumal! Wie geht es Euch? Wir halten das Gesetz der Thora. Bevor wir das Meer überschritten, während dar Regierung Salomons, lebten wir vierzig Jahre unter Gideon. Wir halten aas Gesetz Moses und verrichten den Gottesdienst nach dem Gesetze Aarons. Wir sind die Nachkommen Levis. Wir glauben an ein en Gott. Man sagte uns: ,Glaubet an das Neue (Testament) 1* Doch wir gaben unsere Hälse hin. Der (jetzige) Kaiser von Aethiopien hat uns Trost zugesprochen, Gott schenke Menelik langes Leben! Wir aber sind, seit wir aus Jerusalem kamen, arm. Das Opfer, das wir für den Passahdienst darbringen, ist ein Lamm und Getreide. Das ist das Gesetz der Thora, das an Aaron gegeben wurde. Schenbera, Ahimelek, Daniel Mahari haben dies schreiben lassen. I>ies möge an alle Kinder Israels gelangen, die im deutschen Lande sind. Wir glauben, wie Ihr, au men Gott. Geschrieben am 14. Miazejah (April).״ Der Bericht der Expedition des Dr. Faitlovitch trug dazu bei, das Interesse der Juden für die Falaschas zu wecken. Es wurde «in Pro-Falascha-Komitee gegründet, dem führende jüdische Persönlichkeiten und Organisationen beitraten; der Vorsitz wurde dem Oberrabbiner von Florenz, Dr. Samuel Margulies, übertragen. Der Hilfsverein stellte seinerseits Mittel für die Kulturarbeit unter den Falaschas zur Verfügung und übernahm mehrere Falaschakinder, die in den Schulen des Hilfsvereins in Palästina und späterhin in Deutschland ausgebildet wurden. Faitlovitch unternahm in der Folgezeit mehrere Reisen nach Abessinien. Er errichtete 1913 Wanderschulen und 1923 dne Zentralschule in Addis Abeba mit abessiidsch-jüdiscben Lehrern, die ihre Ausbildung in Europa erhalten hatten. BRIEFE AN DIE REDAKTION Zur Jüdischen Winterhilfe Berlin €25, 19. Okt. 1935 Sehr geehrte Redaktion! Es ist selbstverständlich, daß jeder selbstbewußte Jude an die Winterhilfe der Jiid. Gemeinde seinen Obolus nach bestem Wissen und Gewissen entrichten wird. Ich mochte noch folgenden Vorschlag an sämtliche Berliner Ilumanitäts- und sonstigen Vcreine machen (ausgenommen davon sind jüdisch-politische Organisationen und Sport verbände): Jeder Verein zahlt an die Jiidische Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde in den sechs Monaten Oktober bis März von den einkassierten Beiträgen 20 0,״, sowie 25 °/0 des Reinertrages der im Laufe dieser Zeit veranstaltc'ffi Vergnügungen und sonstigen einbringenden Zusammenkimfte. Ich glaube bestimmt, daß sich dadurch das Inkasso der Vereine bedeutend verbessert, da sich jedes einzelne Mitglied verpilirhtet sehen wird, an diesem Werk mitzuhelfcn. Schalem! Max Srebnik München, Sehr geehrte Redaktion! In Ihrer Nummer vom 18. Oktober veröffentlichen Sie eine Kritik an einer Bilderserie über das Leben der jüdischer! Jugend in Palästina. In Ihrer Nach- Bemerkung sagen Sie: ״Olfensichtlich ist die Bilderserie aus der Welt des palästinensischen Kindes gemeint“. Wie aus der Zuschrift des Einsenders hervorgeht, kt aber offensichtlich die Rösch - Haschanah - Beilage der ״J. R.“ gemeint. Dort, und nicht in den Bildern meiner Serie, finden Sie die beschriebenen Szenen. Im übrigen ist der Einsender in einem prinzipiellen Irrtum befangen, wenn er glaubt, die Dar- Stellung der Lichtseiten des palästinonMsrhen Lebens ablehnen m müssen. Denn die Möglichkeiten solcher ״Lichtseiten“ sind für uns in Deutschland doch sehr wesentlich. Völlig abwegig aber Ist der Vergleich mit den blumengeschmiickt auszichenden Kriegern. Denn der Tanz und das Lachen der Leute in den Kwuzoth und ihre Arbeit kt doch Immerhin mit dem Krieg schlecht m vergleichen. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Nachum Gidalewitscb ,Studentenamüsements' Bilder aus Palästina 20. 10. 35 Genf, 21. Oktober 1935 Sehr geehrte Redaktion! Im Artikel ״Stimmung der Vorhut“ (betr. die Berliner Moeza des Hcchaluz) in Nr. 84 Ihres geschätzten Blattes wird das neue Arbeitsleben des jungen Juden durch Vergleiche mit einem Leben kontrastiert, wie cs sich wahrscheinlich bei einer andeicn Situation des deutschen Judentums für unsere Jungen gestaltet hätte: u. a. ״Arbeitsgemeinschaft statt ... Studcntcnamüsetncnts“. Obwohl es immer ein getährliches und ketzerisches Unterfangen ist, unter irgendeinem Aspekt des Pro domo zu sprechen, möchten wir doch den Verfasser des Artikels erinnern, daß das Leben des jüdischen Studenten auch im Deutschland der ״guten alten Zeit“ fast ausnahmslos eines war, in dem das ״Amüsement“ nur ein Programmpunkt blieb (geschweige denn heute, wo nicht wenige von den wenigen, die ihr Studium im Ausland abschlicßcn, unter romanhaften Bedingimgen arbeiten). Und zur Ehre der Wahrheit muß fco gestellt werden, daß auch der bemittelte jüdische Student früher im allgemeinen einen Typus (larstellte, der das Pläsier wenig schätzte. Gewiß kennt das Studentenleben farbige, unübertragbare Einzelheiten; sic aber in bezug auf den jüdischen Studenten, der, wie In anderen Ländern so aurh in Deutschland, meist ein verflucht armer Schlucker war und ist, Ln Gegensatz zum neuen Arbeitsethos der Chaluziuth zu bringen, erscheint mir hier ebenso deplaziert wie den Tatsachen nicht entsprechend. In ausgezeichneter Hochachtung Euiaaiuel W e i n e r, stud. rer. pol. Der Name .Im re" Berlin, 22. Oktober 1935 Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ Bei dem Namen ״Intue“ (Anfrage in Nr. 85 ״j. R.“) handelt es sich tim die ungarische Form des Namens Emmerich. Die vielfachen Beziehungen zwischen deutschem und ungarischem Judentum erklären das Vorkommen dieses Namens in deutsch-jüdisehen Familien, ebenso wie die Beziehungen zwischen ungarischem und deutschem Adel eine Erklärung für die Verwendung dieses Namens in Adelsfamilicn sind. In vorzüglicher Hochachtung Otto Schick Name der Großeltern Frankfurt a. M., 21.10. 35 An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“. Als aufmerksame Leserin Ihres Blattes finde ich unter den Briefen an die Redaktion in Nr. 84 vom 18. d. M. die Ansicht, daß man den Namen noch lebender Großeltern nicht an die Enkel gibt. In Italien ist das nicht der Fall, Meine selige Großmutter, 1808 in Triest geboren, erhielt den Namen Saia noch zu Lebzeiten ihrer Großmutter. Diese Sitte wurde in unserer Familie weiter geübt, und es sind mir zwei Fälle bekannt, wo die Enkel den Namen der Großmutter erhielten, und die Großmüttcr erreichten beide ein hohes Alter und freuten sich, daß ilir Name weitervererbt war. Hochachtungsvoll Leopoldinc Kahl * Wie uns E. de V r i e s aus Amsterdam mitteUt, besteht in Holland, wo die Orthodoxie vorbet rscht, der Brauch, daß die Enkelkinder absolut den Namen ihrer lebenden Großeltern tragen müssen. ״Kommen Sie, Cohn .. Berlin W 62, den 21. 10. 1935 An die Redaktion der ,,Jüdischen Rundschau“. Zu den in der Nr. 84 veröffentlichten Acußerungen Max Halbes möchte irh am Worte Theodor Fontanes hinweisen, die Werner Soinhan in seinem Buche ״Die Juden und das \\’irts־׳haf1~Irbrn‘< mit fo!־ gender Vorbemerkung zitiert, hat: ״Wie gewiß sehr viel« von uns modernen Menschen, ganz ohne es ru wollen, zu einer Hochhowertiing gaaäc der juden gelangt <ünd, das hat ein für allemal in kla^si-chen Worten uncer gHirbter Lonune ausgesprochen, in meinen Versen: An meinem F ünf und siebzigsten. Aber die zum J übel tag da kamen, Das waren do«־h .־,ehr andre Namen, Auch ,saus pe!1r ef reprorh•:־‘, ohne Furrht und Tadel, Aber fast schon von prähistorischem Anr-1 : Die auf ,borg־ und auf ,heim‘ sind gar nicht za fassen. Sie stürmen ein in ganzen Massen, Meyers kommen in Fata hinnen. Auch Pollacks. und die noch östliche! wohnen; Ahrain, I>ak, BiacI, Alle Patriarchen .sind zur Stell, Steller! mich ireundlüh an ihre Spitze, Was sollen mir da noch die Itzenpiilze! Jedem hin ich was gewesen, Alle haben sie mich gelesen, Alle kannten mich lange schon, Und das ist die Hauptsache ... Kommen Sie, Cohn. Hochachtungsvoll Wilhelm Grzyb Religionsgesetzli&e Anfrage Amsterdam, 21. Oktober 1935 Geehrte Redaktion! In Holland warte! man nach dem Genuß von Fleischspeisen eine Stunde, anstatt sechs oder drei in Deutschland. Woher mag diese Uebcrtrcibung in Deutsch- ]and und Polen herrühren, da es ja eine Halacha darüber nicht gibt? Wer kann mir Bescheid geben? Hochachtungsvoll E. de V r i e 5, Amsterdam, Copemicusstr. 67 L. Lewanda Memel, 21. Oktober 1935 Vereinte Schrift'cifung! Daß Sic meinen Beitrag ,,An?, einem alten Roman“ (L. I.ewanda) in Ihrem Blatte Nr. 84 mit meinem 70. Ceburoiagc in Verbindung brachten, dann! haben Sie mir eine be.'Cindeic Auf־ merksamkcit erwie-t-n, wofür ich Ihnen herzlichen Dank zolle. Hierzu wäre noch zu brmerken, daß die St acLhiblinf hek ״Schaare Zion“ in TcLAwiw׳ (jem unter Leitung von Prof. Hrcnnch Loe־we) 1891 in Jaffa , 1 u t c]en Nomen L. Lewanda begründet worden ist. Damals war sein \aroe. unter unsren ersten Sirdkarn in Er trr, IsrieJ populär. Nach Entgehen und <־! nf!werden Tel-Awiws ist die Bibliothek dorthin überführt worden. Hochachtung־■ voll Leon Scheinhaas In den letzten Jahren sind einzelne jüdische Aus- Wanderer aus Deutschland nach Abessinien gegangen, dessen Klima und Bodenverhältnisse als günstig bczeichnet werden. Es bietet gewisse wirtschaftliche Möglichkeiten. Das Land ist zur Zeit in das Licht der Öffentlichkeit getreten und dürfte eine wachsende politische und wirtschaftliche Bedeutung gewinnen. Kenia-Uganda (Britisdi -Ostafrika) Im Jahre 1903 trug der englische Kolonialminister Joseph Chamberlain der zionistischen Leitung ein Gebiet für eine jüdische Niederlassung in Uganda an, wobei er das Bestreben der englischen Regierung zum Ausdruck brachte, ״an der Verbesserung der Lage der jüdischen Rasse mitzuwirken“. Der VI. Zionistenkongreß (23. bis 28. August 1903) verhandelte über das englische Angebot. Es wurde beschlossen, eine Untersuchungskoniinission nach Uganda zu entsenden, aber infolge starker Widerstände innerhalb der Zionistischen Organisation wurde das Projekt nicht weiter verfolgt. Späterhin gelangten einzelne Juden nach den zwei größten Schutzgebieten im britisch-ostafrikanischen Kolonialbereich Kenia und Uganda. In der Hauptstadt Kenias, Nairobi, die sich in den letzten 39 Jahren zu einer modernen Stadt entwickelt hat, ist heute eine jüdische Gemeinde von über 100 Seelen vorhanden. In der Hafenstadt Mombassa leben ebenfalls Juden, Besitzer großer Exportfirmen. Seit 1933 geht eine Einwanderung von Juden aus Deutschland nach Kenia-Uganda vor sich. Sie werden sowohl in Nairobi und Mombassa als in Kampala, der Hauptstadt Ugandas, freundlich aufgenommen und in verschiedenen wirtschaftlichen Betrieben uutergebracht. Kenia ist ein Land mit reichen Bodenschätzen und gesundem, wenn auch tropischem Klima. In dem Gebiete, das seinerzeit den Juden angeboten wurde, sind von Engländern große Farmen errichtet worden, Kaffeeplantagen, die einen guten Ertrag liefern. Kenia hat sehr guten Kaffee. Da־ Kaffeeanbau erfordert allerdings erhebliche Investierungen. Es gedeihen ferner: Weizen, Gerste, Mais und StsaBianfpflanzen. Belgisch-Kongo Bel gisch-Kongo, das eine Fläche von 2 382 000 qkm bedeckt, bietet grobe wirtschaftliche Vorteile. 1:8 ist reich an Holz, Kautschuk, Kupfer und anderen Erzeugnissen. Ursprunglieh ein unabhängiger .Staat, gehört es seit DOS zu Belgien. Laut einer Zählung von 1923 lebten in Relgisdi-Kongo 177 Juden. 111 Elisahethville besteht eine jüdische Gemeinde, Angola Angola, portugiesische Kolonie in Westafrika, liegt zwischen dem 5. und 18. Grad südlicher Breite, ist Tropenland. Mit seinen 1 255 000 qkm ist es beinahe dreimal so groß wie Deutschland. Die Zahl der Weißen und Mischlinge, vorwiegend Portugiesen, wird auf .30000 geschätzt. Im Norden beherrschen Kaffee und Oelpalmen die Pflanzungswirtschaft. Das Angolaprojekt tauchte Anfang unseres Jahrhunderts auf. Die Jüdische Territorialistische Organisation, die nach dem Zionistenkongreß von 1903 gebildet wurde, trat mit der portugiesischen Regierung in Verbindung und entsandte nach Angola dne Kommission mit einem englischen Naturforscher an der Spitze, um die Siedlungsmögliehkeiten zu prüfen. Im Jahre 1913 waren die Verhandlungen so weit gediehen, daß das Siedlungsprojekt vom portugiesischen Senat gebilligt wurde. Wegen formeller Aenderurigen sollte das Projekt dem Kongreß vorgelegt werden, aber da brach der Weltkrieg aus und die Angelegenheit geriet in Vergessenheit. Neuerdings wird Angola als Riedlungsland wieder in Erwägung gezogen. Kenner der Verhältnisse machen jedoch geltend, daß der Kaffeebau erhebliche Kapitalinvestitionen erfordert. Auch ist angesichts des Sturzes der Weltmarktpreise für Kaffee noch die Frage, ob sich der Anbau der an und für sich billigen Sorten des Angolakaffees rentieren kann. Aussichtsreicher sind andere Kulturen, z. B. die Sisalhanfpflanze. In den letzten zwei Fahren sind Einzelne nach Angola gegangen, um dort ihr Glück zu versuchen. (Schluß folgt.) »»Kaufhaus im Hansaviertel seit SO Jahren im Familienbesitz Max Giesen furmsfraße 42 Ecke Oldenburger «traue

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