Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 84 (18.10.1935)
- Date
- 1935-10-18
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2653827-2653901--27548-2688990- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 84 18.X. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 17 BRIEFE AN DIE REDAKTION Palästina-Bilder Jerusalem, den 10. Oktober 1935 An die Redaktion der ״Jüdisehen Rundschau“! Sic brachten kürzlich eine Ril- Herserie, die das Leben der ״Jüdischen Jugend im jüdischen Land“ illustrieren sollte. Ge• statten Sic mir zu bemerken, dah diese Publikation mir und vielen anderen, Jungen und Ad• teren, denen die Probleme des Landes nahegehen, recht vorfehlt erschien. Die Bilder erinnerten an jene Kricgsbilder, die ausmanchie■ rendc junge Freiwillige mit strahlenden Gesichtern und iilumen am Helm zeigten. Wir wissen, aber sehr wohl, daß der Krieg nicht nur diese heitere Perspektive besitzt, Achnüoh ist cs mit der Arbeit der jüdischen Jugend in Palästina. Der unerfahrene Hetrarhtcr Ihrer Bilder muß zu der Auffassung kommen, daß die bäuerliche jüdischc Jugend hier mit unuutcrbrochcii Strahlen1־™ Gesichtem ihr Pensum erledigt, sozusagen aus dem Vergnügen gar nicht herauskommt. Lachend und sin- Rend gellt sic zur Arbeit in Feld, Garten, Werkstatt. Stall, lachend bringt sie die Früchte nach Haus, dann wird zum dinncr gegongt, gemütlich verbringt man den Abend bei Unterhaltung, Gesang und Tanz, die traulichen Lichter erlöschen in den behagliehen Zelten, und schließlieh scheint auch der Wächter an seinem Feuerchcn einzunicken (obwohl doch seine Funktion wohl im Wachen besteht). Das Ganze eine Idylle — aber leider nur in der Photomontagc. Man kann der ״Jiid. Rundschau“ sonst nicht zum Vorwurf machen, die Wahrheit zu verschweigen. In Ihrem Text teil haben Sic sie oft gesagt, und werden sic hoffentlich immer wieder sagen, nämlich, daß die Landarbeit, hier (wie überall in der Welt) einer der schwersten Berufe ist, der die Menschen vorzeitig altern läßt —• namentlieh, wo es sich darum handelt, unter schwierigen klimatischen Verhältnissen nettes Land urbar zu machen. Krankheit und Tod fordern unau;hör!ich ihre Opfer, und die Trockenlegung der Sümpfe von iluleh wird, trotz der Malaria-Station, die Lebenskraft sehr vieler jungen Menselten kosten. Ich weise auf diese eine Sohatlen-eite hin. Wieviel anderes noch zu sagen wüte, wissen Sie. Die Keclr! lei t igimg dessen, was liier von der Jugend verlangt wird, liegt darin, daß die l'undamentc der Zukunft unseres Volkes gelegt werden. Die Opfer, die da'iir gebracht werden, sind wenigstens nicht, wie sonst überall, vergeblich. Aber man verkleinert die Leistung, wenn man ihr das Aussehen eines heiteren Spiels gibt. Hochachtungsvoll Erich Cohn Diese Zuschrift bezieht sich offenbar auf die Serie ״Aus der Weit des palästinensischen Kindes“ in Kr. 78 der ״Jüd. Rundschau“. Es ist die Eigenart jeder Photoreportage über ein Land im Aufbau, daß den Photographen' in erster Linie ästhetische Momente interessieren, während die Kehrseilen des Lehens schwerer im Hilde einzufangen sind. Jeder Leser der ״Jüd. Rundschau“ weiß wohl darüber Bescheid, daß der Auf hau des Jüdischen Nationalheims keine ״Idylle“ ist. Oft wurde uns vorgeworjen, daß wir zu schwarz malen. Das ist wohl nicht der Fall, aber daß wir die Arbeit wahrheilsgemäß in ihrer ganzen Schwere zu schildern versuchen, räumt auch der Briefschreiber ein; wir sind ihm dankbar, denn er gibt uns Gelegenheil fcsizustelien, daß wir den Eindruck, von dem er spricht, .gewiß nicht erzielen wollen, auch wenn wir einmal Bilder bringen, auf denen die Ecbensfreude einer neuen Generation zu sehen ist. Auch das ist ja eine Seite des palästinensischen Lehens. (Red.) *The seven Pillars of Wigdom” Berlin, 13. Oktober An die ״Jüd. Rundschau“, Berlin. Zum Artikel ,,Politik und Rotnantik“ möchte ich folgendes bemerken: Ich glaube, daß die Angst, das Buch ״The seven Pillars of Wisdom“ von Lawrertee, könnte einen negativen Einfluß auf die englische Politik in Palästina ausüben, stark übertrieben sei und daß das Buch noch lange keine ״Staudarr!.Anschauung des großen englischen Publikums“ wird. Der englische Politiker von gestern und heute, war unrf ist kein Romantiker, er läßt sich von holieren Zielen leiten und die sind entweder irnperialisti-rhc mier religiöse. DieWetke eines Rabindranath Tagorc änderten nichts an seiner Haltung zur indi-.׳hen Politik. Der Weg des T.nglär.ders zum Jaden ist viel näher als /.tun Araber: nicht nur vom poli! iseh-mo! alt-clieu Standpunkte -- der Jude hat große Dienste dem englischen Imperium geleistet f Disraeli) — -, sondern auch vom Itiblisi'h-rei igiösen Gesichtspunkte, und es ist falsch, wenn Herr Kloetzel meint, damit ein ״Element der Unchrlk hkeit in Erscheinung treten zu lassen“. W arum der ,,Unehrlichkeit*‘? Waren die großen Reden der jüdischen und nichtjiidischen Tolitiker vor und nach der Baifour-Deklaration ״unehrlich“? Hat doch schon Ilerzl die große Rolle Englands beim jüdischen Wiederaufleben in Palas*Ina vorausgesehen und niedergeschrie- Iren. Leider wird in dieser Sache sehr wenig getan. Unkluges Verhalten, besonders in cthiseh-rcligiösen Dingen in Erez Israel, hilft der arabischen Politik mehr als die romantischen Bücher eines Lawrence oder Gortrude Bell. Die jüdische Oelfentliehkcit soll aufgertifcn »crrlcn, die besten Kräfte zu sammeln, die notwendig sind, die beiden Völker näherzubringen. L. T e i c h e r Unsere Feiertagstracht Mannheim» im Oktober Die Frage eines Einsenders, in welcher Gemeinde von maßgebeiwier Seite der Wunsch aus- £׳op1־ochen worden is‘, auf die /vlinderbü'e zu verzichten, glaube ich l>e:m‘w׳o: t׳:n zu k■ nnen. Wenn es nicht auch in anderen Geineihdcn je־;•׳'׳ .־,?׳ Fall war, so ist. es bc-'timmt in der Großgemeinde Mannheim, wie ich zu vis rn gkutbc, (1er Fa’l gewesen. DicbC Gemeinde hat sGt Jahr• zehnten prominente Zionisten als Vorstände an ihr *r Spitze und Zu demselben Thema schreibt uns Albert S a 1 o rn o n, 1 lerne, in gegenteiligem Sinne. Seiner Znehriit entnehmen wir fnlgrnd׳' Sätze: ..Wie war das hihi in fier Synagoge? Für mein Emp* linden beschämend: Sporihütchen Führung gehabt, und ich glaube, es ist dies allerdings t.m-er Sentiment, daß man den Zylinder als Requisit einer überlebten Epoche überall in den Gemeinden beim (io׳ tc-d Fnst jetzt verschwinden lassen 501110. Wer e־ w s ׳ n < iottosdien־ s'cii im Oocn un 1 in Krcz Israel weiß, der wird bestätigen, daß ״Weihe**, Andacht und wahre Gebetsshmimmg >chr oft da ist, wo rnan den Zvliirlcihut glücklicherweise nicht kennt. Er hat mit w1>,crcr Gebot-weit nicht י. zu tun. l>r. Otto S i m q n in allen Farben und Formen... Der Zylinder ist und bleibt die Kfoib'1 ־־.!mg l>ci feierlichen Gcdegcnhriten.“ -■■■- Mit diesen beiden Aeußerungen n!ü'S־׳n wir die I )i'-ku-'-ion über ds״-cn Gcgenstand absrhliciicn. (Red.) Für wohltätige Zwecke Berlin W15, 14. Oktober ״Jüdische Rund>־chau‘h Schriftleitung. Die schwere Not, in der sieh viele Menschen befinden, voranlaßt mich, folgende Anregung zu gehen: in der heutigen Zeit vermeiden es die meisten Juden, auszügelten, und au* diesem Grunde wird auch viel in den 1!iiu.slichkeilen Karten, und wohl vorherrschend Btidgegespich. NDin Vorschlag geh! nun dahin, daß gninddit zlieh alle Gewinne der Gemeinde für wohltätige Zucke, i! her wiesen werden sollen. Ein ITnsatz von 23 ־ RM dürfte wohl bei den meiskm Bridgepanien üblich sein. Man kam sich lciHu überschlagen, um welche Summen cs sieh dabei handeln würde. IG ist doch wohl anzunehmen, (hiß bei jMcr Gnipjic von vier IVr-4m»־n Ix'irn Bridge oder drei Personen beim Skat wenig-trns eine dabei sein wird, die die Notwendigkeit der llülcleisumg in der jetzigen Zeit empfindet, und daß Cs dieser gc’ingh die anderen zur Mitwirkung zu veranlassen. Im allgemeinen Irrere•«/’ Jügo es. wenn die-e Anregung in mbgliehst vielen jiid nrhen Zeitungen in verschiedenen Städten ersehen nen würde. Hochachtungsvoll Frau Gertrud Lippmann Abraham Rosenbaum Berlin, den 14. Oktober 1935 Sehr geehrte Redaktion! Ich gestatte mir. darauf auf• merk-am zu machen, daß in <’c: ersten Spalte der feirwinnigen Erzählung Sin-Jicimcrs. .,Der neue Weg** der ftommc Jude Ahraha״! Rn-erb mm seinen Kukel-ohu mit seinem Namen Abraham bencmicn will. Soviel ich weiß, dürfen jüdische Kinder doch nicht dc!1 Namen, d. h. den Vornamen lebender Ange- Ih'M'Wü pi halten, Frau H. Bock- N 0 u m a n n (E!s handelt sich hier in der Tut um ein Versehen. Das Kind snllie den Namen seine-' toten Urgroßvaters erhalten. —־ Redd Berichtigung. Die zwei Bilder vom Orientalistenkongreß in Rom stammen von Mirjam Mainz (nicht Main). Die Jerusalemer Universität war durch Dr. Goitein (nicht Dr. Gotthei!) vertreten. Palastiiu-Ami Berlin l«H 3KW1IH A ft C N C V *Oft. PALf&TINE W15; Meinekestr. 10. Telephon: J t, Bismarck 7165/70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 16708. Im Anschluß an die Notiz betreffend Verwandten-Zertifikate teilen wir mit, daß auch die Rabbiner-Zertifikate sofort dem Palästina-Amt vorgelcgt werden müssen. Um festzusteüen, ob die Erteilung ordnungsgemäß ist, bitten wir nunmehr alle Inhaber der betreffenden Zertifikate, diese vor Einleitung aller sonstigen Schritte beim Palästina-Amt Berlin vorzuiegen. Willy Preiß. Nach einer Tätigkeit von über zehn Jahren zieht sich Herr Willy Preiß aus der Arbeit der Palästina- Amts-Kommission zurück. Preiß gehört zu den ältesten Mitgliedern der Palästina-Amts-Kommission, d. 11. der Kommission, die nach den Richtlinien der Jewish Agency seit Jahren die Verteilung der auf Deutschland entfallenden Zertifikate vorzunehmen hat. Die Verantwortung dieser Kommission, insbesondere der aus ihrer Mitte gebildeten Kleinen Zertifikatskommission, ist im Laufe der Jahre und insbesondere in den letzten Jahren außerordentlieh gestiegen, weil es galt, aus der in viele Tausende gehenden Anzahl von Zertifikats-Bewerbern die Geeignetsten herausziisuchcn. Herr Preiß hat in diese ein hohes Mab von Objektivität und Verantwortungsgefühl verlangende Arbeit seine ganze Kraft und Erfahrung eingesetzt und es ist der Leitung und Kommission des Palästina-Amtes ein Bedürfnis, an dieser Stelle hierfür Herrn Preiß öffentlich ihren Dank auszusprechen. Dr. E. F. A s c h c r, Dr. Franz M eyer Palästinareise des KJV. Wir weisen nochmals darauf hin, daß die nächste KJV.er Reise am 8. November ab I riest mit dem Dampfer ״Tel-Aviv׳• stattfindet. Als Rückreise/eitpunkt ist der 29. November vorgesehen. Die Reise kann aber auch um 2 h/w. I Wochen verlängert werden. Da wir moglicherweise die Teilnelnner/alii beschränken mus-,en, erbitteil wir baldige Anmeldung. Auskünfte erteilt: Das Kartell Jüdischer Verbindungen, Berlin-Charloti enburg _ 2, Bleibtreustraße 50, Tel.: C 1 (Steinplatz) 1730־, in der Zeit /wischen 9 — 1 Uhr. Die Herausgabe eines Kataloges aller jüdischen Mit• sikalicn (Konzertmaterial, Oper, Operette, t '!iterriehts• werke, Studienausgabcn, Bearbeitungen, jedoch keine Lin/el- Schlager) ist beabsichtigt. Da nicht alle derartigen Werke durch Musikhandcl und Kataloge erfaßbar und nachweisbar sind, wird um entsprechende Hinweise und Angaben aus Selbstverlag oder <l״lgebeten an die Buchhandlung Bratideis, Breslau, Karlsstr. 7, ANTWORTEN DER REDAKTION Tatrtar, Basel. Wir geben die Berichte über die Einwandcrungszaliien in der Form wieder, wie sie offiziell veröffentlicht werden. In die offiziellen Zahlen werden offenbar diejenigen Touristen einkalkuliert, die in dem betreffenden Monat die Aufenthaltserlaubnis erhalten haben, auch wenn sie bereits früher eingewandert waren. Unter den gegenwärtigen Bestimmungen dürfte freilich, wie Sie richtig annehme«, deren Zahl sehr gering sein■ Warnung In Hamburg versuchen in den letztlen Wochen zwei Personen unter mißbräuchlicher Benutzung von Formularen unseres Verlages Anzeigen-Aufträge, Abonnemenls und Geldbeträge zu erhalten. F.s handelt sich um einen Herbert Zwang, der sich des öfteren auch als Frank vorgcstcllt hat und um einen Herrn S i m o n Samuel Gers 0 n. Wir machen darauf aufmerksam, daß unsere Reiseiertreter niemals zum F.inz.iehen von Geldern berechtigt sind, und daß Aufträge zur Veröffentlichung von Anzeigen nur nach den Preisen und Bedingungen unserer Anzeigen-Preislinte ton uns angenommen werden. Anzeigen -Verwaltung Unser Weg, der Weg durchs Oedland, ist der nächsle, und wir werden stets die ersten aut diesem Markte sein, liier!«׳findet sich der Knotenpunkt der Wege, die zu großen Weltteilen führen. Alles eilt nach diesem Ziel, aber niemand kann uns überholen. Natürlicherweise werden hier große Induslrieinagazine entstehen, deren Waren von hier aus versandt werden. Kurzum, ein Transitland, liier werden die Preise feslgoset/.t werden. Zur Errirhlung eines!nächtigen Instruments sind freilieh große Geldmittel erforderlich. An diesem Punkle können sich Zehntausend!! lind Millionen konzentrieren. In unsere Hand ist es gegeben, das jüdische Ideal mit, dem Weitblick des Kapitals zu vereinen. Wenn die Kapitalisier! zu uns kommen werden, jeder mit seinem Schwung und seinem Können, so werden von diesem Ort bald Rauchwolken von Fabriken aufslcigcn, die mit ihren Erzeugnissen die Märkte des Nahen und Fernen Orients versorgen werden." Nassons Slimmc wurde immer heiserer, bis sie schließlich *kreischend aus seinem Halse drang. Sein Gesicht wurde noch spilzer. Er richlele sich mehr und mehr auf, so daß es schien, als ob er etwas größer geworden wäre. ״Sie kennen meine prakllselie Art. Ich hin kein Phantast. Aber ich sage, daß es Lüge ist, wenn behauplet wird, daß das Kapital keinen Schwung habe. Ebenso lügt der, der sagt, wir würden das Kapital in unseren Geldsrliränken verslecken. Mögen diejenigen, die solches belinnplcn, kommen und sehen, wie das Geld ins Oedland, in jeden seiner Sümpfe, auf jeden seiner Felsen geschüttet wird. Aber wir haben unser Geld niemals in den Wind gestreut. Zeit meines Lebens habe ich keinen Udler unnütz ausgegeben, und wenn wir unser Geld in diese. Ocdnis fluten lassen, so ist es ein Zeichen, daß wir hundertfähiger Ernte sicher sind.. .. Daher sage ich Ihnen, meine Herren: wir sind zu neuen Talen aufgertifcn. Dies Oedland hat aufgehört, ein dem Auge entzogener Minkel zu sein. Das scharfe Auge der konkurrierenden Well ist bereits auf diesen 01t gerichtet. Laßt uns das Kapital hierlierrufen und laßt es hier *wirken... Die ruhigen Gesichter der Versammelten glühten bei diesen Worten, denn eine große praktische Idee, so wie sie es liebten, war vor ihnen entrollt worden. Nun erhob sich ein älterer, korpulenter Herr mit winzigen Augen, Herr Basch an, der Besitzer der Steinbrüche, und sagte: ״Meine Herren! Ein slarker Geist hat aus dem Munde unseres verehrten Präsidonlen, Herrn Nassem, zu uns gesproclien. Das jüdische kapilal Und der jüdische Scharfsinn können in diesem Oedland eine mächtige Festung der lriduslric und des Handels errichten. Zeugen hierfür sind die großen Hauten, die wir in so kurzer Zeit aufzuführei! vermochten, und die Anwendung moderner Maschinen, wie sie nur in hohen K1111 uriändern zu finden sind. Es fehlt uns, um sie in Betrieb zu selzen, nur noch eines: die billige elektrische Kraft. Hier berühren wir einen empfindlichen Punkt, denn die für uns erforderliche Kraflipicllc wird uns durch eine andere Hand, durch die des Ingenieur Agar geliefert. *Dieser Ingenieur zieht, nie wir gerüehlweise vernehmen, mit einer von unserer Idee unlerseliiedenen ins Oedland. Bei aller Anerkennung der Tatkraft, die er entwickelt, und des hohen Gedaiikenflugs, der darin steckt, ist seine Idee für Praktiker, wie wir es sind, ohne Interesse. Auch die Arbeitsmethoden, die der Ingenieur hierbei anwendet, sind derart, daß ihre guten Seiten von den sclilechlen kompensiert werden. Uns gegenüber lagern Zelle, die vom Gebirge ins OedIand hinabgezogen sind, und wenn wir sie mit starker Hand für unsere Bedürfnisse zu zügeln vorstehen, wird das Kapital in ihnen eine große Gewinrupifdlc besitzen. Mir müssen Ingenieur Agar daher sagen: Wie der Wiistenwander'nr nicht von heule auf morgen vom Kamel‘7.11m Automobil übergeht, so kann auch der M üsteubewoliner nicht plötzlich von der Arbeit des Zeltes zur Maschinenarbeit übergehen. Ein derartiger Sprung kann die Position des Kapitals im Oedland gefährden.“ Den Morten des Herrn Basclian stimmten alle einmütig zu. Mau brachte sie in Form einer klaren Resolution zu Papier, eine Delegation wurde gewählt, die vor Ingenieur Agar erscheinen sollte. Nach Annahme des Beschlusses erhob sieb Nasson ein zweiles M.־»l und sagle: ״Es ist für mich eine Freude feslziislcllen, daß das Kapital, dessen »Stärke in der privaten Initiative liegt, sich zusammenzuschließen, und, entsprechend der Forderung der Stunde, eine einheitliche Stellung einzunehmen versteht,. Mir können aber nicht mit Stillschweigen darüber hinweggehen, wenn wir sehen, daß Energie und Geld nutzlos zugrunde gehen, während wir alle uns bemühen, große einflußreiche Unlernchmungen auf die Beine zu stellen.“ Es trat eine Pause, ein. Die Anwesenden senkten die Köpfe und blätterten in den vor ihnen ausgebreiteten Papieren. Nur der ״alte ,Jechic!“ blickte geradeaus, und seine jnscridlichen Augen lachten still, als A'a-son in seiner Bede forlfulir: ״leb hallo mir diese Morte vor Ihnen ersparen können, wenn ich liälle überzeugt sein können, daß der praktisrho Sinn, der in Ihnen wirkt, anrh den Mann heemilu—rn würde, der in der Einfall seines Herzens befremdende laien unternimmt, die imstande sind, das \ crlmiieii gründlich zu untergraben, das wir van allen Seilen 1ms zu erwerben bemüht sind. Jeder von uns ist natürlich vollkommen frei in seinen Handlungen, aber ich muß ganz elfen sagen, daß das, was durch einer! der hier Anwesenden geschehen ist, nämlich allem ins Oedland hinahzi!ziehen, ein Bubenstreich ist. Mas berleulet dies, dein Unterfangen, .leehiel'J Ist das Kapilal dazu hierher gekommen, um hinter kleinviehlu-nlen, gleich den Oedlandssöhnen herzuzichoti? Oder in Eehuibölilen zu loben, eine llandvoll Körner auszuslreuen und auf ungepflaslerten Megen barfuß cinherzustuinpfen? Bei all unserer Hochachtung vor dem menschlichen Geist, der ruhelos seine Wege sucht, können wir, die Männer der Praxis, solchem Tun nicht, zustimmen. Der Besitzer von Kapital ist in der Mell ein freier Mensch, solange er ein Mann von praktischem Sinne ist, aber sobald er diese Grenze überschreitet, müssen wir ihn streng in seine Sehranken weisen. Als Jecliiel zu mir kam, um sein Geld bei mir zu deponieren, konnte ich ihn nicht davon abbringen, ein Stück Boden im Oedland zu erwerben. Aber jetzt hoffe ich, daß die Versammlung gemeinsam die rcchlcn Morte finden wird, uni Jcchiel von seinem Irrwege zu überzeugen“ ... Nachdem Nasson Platz genommen hatte, saßen die Anwesenden noch immer da, den Blick in die vor ihnen liegenden Papiere vergraben, Erst als .lechiel mit. schneller Bewegung aufstand, sich in die Brust warf, und mit seiner Antwort hegann, richteten die Männer verlegene Blicke auf ihn und unterdrückten das Lächeln auf ihren Lippen, .lechiel aber sagte folgendes: ״Vergehens hast du, Nasson, deine M'orle vorsichtig gewählt, während du doch ganz einfach »sagen wolltest: ,Jechiel, du hist verrückt, und darum wollen wir dich von nun an unter Kuratell stellen‘. Als ich die Nachricht von eurer Vcrsammlung erhielt, wußte ich, was ihr mir zu sagen haben werdet, und auch ich habe beschlossen, euch zu sagen, was ich denke,“ (Fortsetzung folgt)