Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 84 (18.10.1935)
- Date
- 1935-10-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1ä10ji;3s / Nr. 84 / Jahrgang 40 Preis 25 Rpi. JÜDISCHE RUNDSCHAU SchriftleltangiVerlaj a. An zeigen Verwaltung! BerllnWl 5, Melnektitr. 10 Frmrul: Sammel-Nr, I 1 Bismarck 1181/82, 71657240 ,70־M2, - Bezugspreis rinschl* BcateüfceM je Monat HM Z,~, je ViertoijaUr RM 5,75» bei Abholung RM 1,88 brw. RM 5,39. ־־־ Postscheck - Konten der Vertriebs - Abieitunc: Berlin 715 73 (für Groß ־ Berlin\ Berlin!7392 tfiir das übrige Reich), ln Füllen höherer Gewalt besteht kein Anspruch au! Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bemgsgebühren• — Erscheint jeden Dienstag and Freitag, BERLIN כ״א תשרי חרצ״ו FREITAG, 18. OKTOBER 1935 GSlti&! Anzelgenpretillate Nr, 4. Die 12 gespaltene mm-Zeile 20 Rpf, für I-amiUennachrichten 15 Rpt Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen oder Stellen und in bestimmte Ausgaben kann nicht gewährleistet werden. Gelegenheit*- anzeigen nur hei Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder her Montag: hi« Donnerstag 9-18 Uhr, Freitag 9 — 16 Uhr. Annahme«ehlufi für die Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für di# Freitag •Auagäbe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familienanzeigen am Tag vor Erscheine® 12 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Italienische Propaganda Iin Anschluß an tlie auch von uns in der letzten Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ gebrachte Erklärung des High CoiuniLssioiiers \V a 11 c h o p e in Jerusalem im Zusammenhang mit den Kriegsbcsorgni-iscti berichtet der Korrespondent der Londoner ״T i 1*1 e s“ über die Aktivität der italienische 11 Propaganda unter den Arabern in Palästina. Die italieriisehe Bank ״Banco di Roma“ (deren Schwächung durch Abhebung von Depositen den ersten Anstoß zu der letzten Erschütterung des Willst׳hafldeben.s ״ab - A. d. R.), die italienischen Schulen und Spitäler hätten dauernd eine solche Propaganda betrieben. So habe man Schulkinder aus Palästina nach Italien kommen lassen und sie dort überaus warm aufgenommen, um so die freundschaftliche Gesinnung des faschistischen Italien zu den Arabern zum Ausdruck zu bringen. Die ״Times" berichtet dann über die vor einiger Zeit von uns gemeldete Affäre, in die der Mufti von Jerusalem verwickelt war. Lilie arabische Zeitung hat damals einen Brief des Genfer arabischen Agenten, Emir .Schekib Arslau, an den Mutti veröffentlicht, worin dieser zu einer p 1־ o - i t a I i e 11 i s c 11 e 11 I I a 11 u n g ermuntert worden ist. Auch jetzt bringe das Organ des Mufti, ״Dsehamia al Arahie“, pro-italienische Artikel. Zugleich seien in den arabischen Zeitungen allgemein gehaltene Artikel veröffentheilt worden, worin gesagt wurde, die Araber müßten die Met zi ge Situation dazu benützen, um das eng- Mische Man d a t a b zu s c 11 ti 11 e 1 11. Auf jüdischer Seite, so berichtet der Jerusalemer Korrespondent der ״Times“ weiter, sei die revisionisti* Ische Partei auf der Seite Italiens, und deren paliistinensf- |• lies Organ ״Hajarden“ bespreche die Lage in pro-italieni- [scher Färbung. Die Zeitung erinnert daran, daß bei dein hetzten Kevisionisten-Kongreß in Wien die italienische Regie- Innig die einzige war, die den Kongreß begrüßte. Demgemäß veröffentliche auch die italienische Nachrichten-Agentur ״Orienta“ pro-revisionistische Berichte; so z. B. heißt es darin, daß die Revisionisten nicht nur pro-italienisch seien, sondern geeigneter als die jetzige Jewish Agency, eine Vcr-!ständigung mit den palästinensischen Arabern herbeizuführen. Die ״Times“ erinnert auch daran, daß die Revisionisten in Italien eine Marineschule unterhalten. Im Zusammenhang mit dieser italienischen Propaganda ist auch eine Kundgebung zu werten, die — wie uns aus Israel Sieif über Planwirtschaft und gesunde Finanzen London, 15. Oktober. (JTA.) 111 der unter dem Vorsitz von Viscoiuitcss E r 1 e i g 11, der Tochter Lord Melclictts, ahgehaltciieii Jahresversammlung des Zionistischen Frauenverbandes Englands hielt Israel M. Si e f f (ein führender englischer Zionist, der auch im englischen Wirtschaftsleben eine sehr angesehene Position innehat) eine Ansprache, in der er an der' bisherigen ungeregelten Entwicklung der palästinensiechen Fiiiaiiziiistitutionen Kritik übte und bekannt gab, (faß Verhandlungen über die Aufnahme einer großen Anleihe fiir den Palästina-Aufbau im Gange seien. •Sicff, der Stifter des Biochemischen Instituts in Rechobotli, hat auch dem Luzerner ,Zionisteiikongreß ein Memorandum über Planwirtschaft vorfielcgt Bisher, erklärte Sicff, wurden nur sehr wenig Versuche bemacht, die Arbeit der Institutionen auf gesunder wirfpchaftlieher Grundlage zu koordinieren. Solange der Kredit der Jewish Agency noch so gering war, daß es ihr schwer fiel, Geld zu einem vernünftigen Zinsfuß zu leihen, mußte fs unvermeidlich bei diesem Zustand bleiben. Einige von Uns sind jedoch der Ansicht, daß es jetzt an der Zeit ist, [zwei Dinge zu unternehmen: 1. einen Auf bau plan hu schaffen, der die Zusammenarbeit aller dieser Institutionen Vorsicht, und 2. zu untersuchen, ob es nicht möglich wäre, hme jüdische oder nichtjüdisclie Gruppe an der Palästina- Arbeit zu interessieren und mit Hilfe des durch dieses Interh\se geschaffenen Vertrauens zusätzliche Kredite für Nie Jewish Agency zu erlangen. Durch einen glücklichen Zu- Bli haben wir in der City von London eine Gruppe gefun- Nen, deren Mitglieder nicht nur von der Kreditwürdigkeit des jüdischen Volkes durchdrungen sin1, sondern auch von einem gewissen Idealismus, der sie zur Durchführung dieser Finanz- ITransaktion bewog. Das Ergebnis der Anleihe war, daß in hie wichtigsten Finan/iiistitutionen der Jewish Agency Ord- [nung gebracht und es der Agency ermöglicht wurde, stnen Kolonisafionsplan auszuarbeiten und gründlich vorzu• ' weiten, ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, daß jetzt neue Verhandlungen im Gange sind, durch die eine Anleihe h°n beträchtlicher Höhe für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Palästinas erlangt werden soll. | Es ist zu hoffen, fuhr Sicff fort, daß der K e r c 11 haj em et 11 in nächster Zeit eine Anleihe von e i n e i 11 halb Millionen, der Keren Hajessod seine 500WO- 1'fund-AiiIeibe und die Anglo Palestinc-Bank ihre!Anleihe für Aufbauzwecke zustande bringen werden. Dies Budapest berichtet wird — die ungarisch-jüdische Zeitung ״Egycnlöscg“ veröffentlicht. Ein Bild zeigt dort Mussolini i»1 Kreise der in Italien studierenden ungarisch-jüdischen Studentenschaft (wegen des ungarischen Numerus clausus studieren viele ungarische Juden an italienischen Hochschulen — A. d. R,); zugleich wird eine Botschaft des Duce an eine amerikanisch-jüdische Studentenddegation abgedruckt, worin es heißt: ״Der l׳'asehi-mus wünscht nicht, ־laß die Jwlonhcit ihren religiösen '1' rud i! ione n, 1 i! Helle n (Jebrü urlu Tl, V i)lki-.rb(־n J ׳'rinnri u n״rn oder et w;: 1 n 1 S M‘l! 1!alten Li-«. n! udien י ווו¬¬ am•. Dur Lawhi.!IMF' to nieit 1)1013, dal.) di׳ e J1P ieuhe i! die nat ionalt -n! d.ule 1 Ei! it'11 - ata t'i!\ t, ׳ t H lt' und sieb der 1 )ei uns 1 hormU, ende n iiadum 11011 I>i־zi ןdin und K! 11b־i! u n ־ t r - ordne. Di Cs ist a ueli di ■r F all. Rad <11- ■ halb d Bit c.! )׳■׳ i IIIF ke men s!( 11t 1 ■ aren 1 'nlem Dtird, wet Irr in ן )״!l!i -eher. 11• h 1׳ j in . M'Ü•!׳; : a:1 - liehet־ Be; Geh UDO zw i-1'ii( J ״־ u! im um I N ii 11י ju den. Sei! v ielon J: ihren nehmen d ie! i! aliei d-rli(״!» Jud 11 '׳ re״en An t־׳il ai ll |־Mih!i;׳j-tb ׳ In n. k iin ■! ־ )en.-when und \vi>-<Twd 1a ftlir} 1en Leb׳• fi de,-־. La!!des. גי!!! es 1K־m \V ׳•!te: In 11 a i i e n ״ i b t t S 1-; e i n e 1 u«i 1 0 n i r;1 *־׳ e. Ich wen ■'t'ens kenne ke ine solel H‘, \\, O ir h nur d io! )ia»olen Spuren einer antiwmi! jsrhe H 1!letze in! s f aal; i 1 uii Le bell 1)0111( ■rkt habe, 1 labe te! 1 .de sofort aus ״en ■>ttet. Was; Jtirh die Feil!!de i ׳1 -10 a-d וו ruu > tium in! »,’CH t wir sind jerl em j. je^enii! ht tolerant. Wr. der u 'h ihr־}! ir^ endem M;1glicd me inei ־ Re ,qii'riiiifi 11: 1U׳n je eim .1 jud en׳n•“ norm i 1e Mei Mlng vertreten. ln die־ wn *חי oben Tajjen der itali( hkcIx.'h \a־. .! ion er klärt• te!1: Die Ü;dieui M'Sien und judisrh en 1,1001« ' sind voll .kommen in eins verschmolzen.“ Der letzte Satz, in der etwas pathetischen Sprache des Duce ausgedrückt, soll wohl bedeuten, daß cs in politischer Beziehung zwischen den Juden Italiens tmd den anderen italienischen Bürgern keine durch den Rasscnunterschieu bcdingte Meinungsverschiedenheiten gibt. Im übrigen ist es überflüssig zu sagen, daß es — tinabhängig von Sympathien oder Antipathien, die der einzelne Jude in dieser oder jener Frage haben mag - in weitpolitischen Konflikten keine einheitliche jüdische Haltung geben kann, sondern jeder Jude loyal und unbedingt d i e Pflichten erfüllt, die sieh aus seiner Staats zugehörigk e i t ergeben. An der loyalen Haltung der italienischen Juden, die Mussolini richtig charakterisiert, kann kein Zweifel bestellen, ebenso aber ist es selbstverständlich, daß die Judenschaft Palästinas in einer kritischen Zeit zur Mandatar macht steht. würde es den jüdischen Einrichtungen in Palästina ermögliehen, ihre Arbeit mit jenem Maximum an gesunder Wirtschaftlichkeit, Voraussicht und staatsmännischer Kunst durchzufiihren, das der Besitz der entsprechenden Mittel zuläßt. Daß es uns gelungen ist, unsere Einrichtungen zu festigen und unsere künftige Arbeit rechtzeitig zu planen, berechtigt uns zu der Hoffnung, daß die weitere Entwicklung in Palästina weniger dem Zufall überlassen sein, und einen gesünderen Charakter tragen wird als in der Vergangenheit. Der Redner wandte sich sodann dem Problem der Seßhaftinac'nung jüdischer Einwanderer aus Deutschland in Palästina zu. Das tragische Schicksal der Juden in Deutschland habe eine große Zahl von Einwanderern mit und ohne Kapital nach Palästina gebracht, die eine Mentalität zeigen, wie sie Palästina vorher nicht gekannt hat. Er wisse nicht, welches Ergebnis die Absorption dieser Einwanderer zeitigen werde und ob ihre Sinnesart jenen romantiselten Idealis!11 u s, der den früheren Einwanderertyp charakterisierte, beeinträchtigen werde. Andererseits gäbe es zweifellos unter den jugendlichen Einwanderern aus Deutschland einen neuen Typus von Idealisten, die von einem Enthusiasmus besonderer Art beseelt sind. Denn der größte Teil der Judcnlieit in Deutschland habe den assimilierten Schichten angehört, und nun seien die jungen Menschen dieser Familien zu der Erkenntnis ihres jüdischen Erbes und ihrer Ucberlieferung gelangt; dies habe bei ihnen eine Begeisterung erweckt, die ihn überrascht habe und die er bei eien Pionieren, die vor 1933 in das Land kamen, nicht gesehen habe. Zum Schluß wies der Redner auf die tragische Lage der polnischen Juden hin, die unter dem Druck der wirtsehaftlichen Not zur Verzweiflung getrieben werden, im Hinblick auf ihr Schicksal dürfte es sich als notwendig erweisen, von der englischen Regierung zu verlangen, daß die Tore Palästinas für die Einwanderung weiter geöffnet werden. Der Anglo-Paiestinian-Klub in London veranstaltet unter dem Vorsitz des Unterhausmitgliedes James de Roth- Schild am 21. Oktober im Hotel Mayfair ein Bankett zu Ehren des englischen Ministers für die Kolonien, Malcolm Mac Do na Id. Als Redner sind u. a. an gekündigt der Lorderzbischof von _Liver|xx>l Dr. Richard IJowney, der Oberrabbiner des britischen Reiches, Dr. J. H. Hertz, Viscounteß Erleigh, Sir Robert Waley Cohen, Prof. J. B. S. Haldane, Dr. Chaim Weizinanti und Simon Marks. Innerjüdische Wandlungen Zur auO er ordentlichen Hauptversammlung des ״Central - Vereins“ Wo steht das deutsche Judentum, wo sielten seine hergebrachten Organisationen und Verbände? Wie denkeu die einzelnen Juden Deutschlands, gleichviel wie sie von altersher, von der vorrevolutionären Zeit her, organisiert waren, heute über jüdische Dinge, nachdem in den letzten drei Jahren jeder einzelne innerlich um und um geschüttelt worden ist? Diese Frage ist für die Beurteilung der Iristorischen Situation, aber auch für die jüdische Praxi s der Gegen wart von großer Bedentung־. Fs wäre gewiß ungerecht, jede jüdische Gruppe nur nach ihier Vergangenheit beurteilen zu wollen. Eine objektive geschichtliche Konstellation erzeugte im überaleti Zeitalter eine bestimmte jüdische Haltung, und mag dabei auch Kurzsichtigkeit!nilgespielt haben, in der Hauptsache war es eine für den Tag berechnete, nicht vorausblickende Haltung. Diese Epoche ist vorüber. Wo stellen wir heute, nachdem wir an äußeren und inneren Erfahrungen reicher geworden sind? Eine Gelegenheit, diese Frage zu beantworten, ergibt sich für einen dieser aus der Vergangenheit stammenden Verbünde in der kommenden Woche. Am Montag, dem 21. Oktober, findet in Berlin eine außerordentliche Hauptversammlung des Central-Vereins statt, die eine historische Rolle in der Geschichte dieses Vereins spielen wird. Gemäß der An- Kündigung in der ,,C.-V.-Zeitung“ hat die Versammlung folgende Tagesordnung: 1. Satzungsänderung Aendcrungen a) des Namens (Central-Verein der Juden in Deutschland E. V.). b) des Zweckes. c) des Auf bans (der Organe und ihrer Zuständigkeit). d) Ucbertragiing des Rechts, im Zusammenhang mit diesen Aendcrungen weitere Satzungsänder u ngen vorzunclimcn, insbesondere soweit sie die Fassung betreffen, auf den Vorsitzenden des Vereins. 2. Verschiedenes. Wie aus dieser Ankündigung zu ersehen, ist nicht wenig zu ändern: Name, Zweck und Aufbau sollen gelindert werden, und man ist versucht zu fragen, was dann noch übrig bleibt, ist das noch derselbe Verein? Mit Rücksicht auf die Bedeutung, die dem Cenfral-Verein in der abgelaufenen jüdischen Epoche in Deutschland zukam, sind diese Vorgänge keineswegs bloß als interne Veiciiisangelegciilieit zu werten, sondern gehören zugleich der Geschichte d e r J u d e n in D e u t s c h - land an und interessieren daher auch diejenigen Kreise, die, wie wir, außerhalb des Central-Vereins stehen. Name und Statut Der ״Ccntral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ steht zunächst vor der Notwendigkeit, seinen Namen zu ändern. Dies ist eine Folge der allgemeinen Entwicklung in Deutschland, da der Begriff ״Staatsbürger“ in dein Sinne, wie er vom Cemral-Verein a!1gewendet wird, nicht mehr existiert. Seit den Nürnberger Gesetzen gibt es nur ״Staatsangehörige“, während die ״Reichsbürgerschaft“ erst verliehen werden muß und Juden grundsätzlich nicht verliehen werden kann. Eine Aendcrung des Namens in dem Sinne, daß an Stelle des "Wortes ״Staatsbürger“ das Wort ״Staatsangehörige“ tritt, kommt aber wohl nicht in Frage. Denn niemand verkennt, daß in dem Wort Staatsbürger ein über die Tatsache der Angehörigkeit hinaus ideelles Moment mitschwingt; Staatsbürger galt dem auf die französische Revolution folgenden 1Ü. Jahrhundert als ein stolzes Wort und Programm zugleich. Lag doch darin eiligeschlossen der Gedanke der Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetz! Wenn im Jahre ISO) sich eine Anzahl führender deutscher Juden zum Central-Verein zusammenschlossen, so taten sie es, wie der Central-Vereins- Direktor Ludwig Holländer im ״Jüdischen Lexikon“ darlegi, im Anschluß an die Gedanken Gabriel Rießers, der eine Organisation zur praktischen Vollendung der jüdischen Emanzipation ins Lehen zu rufen anregte. Das Wort ״Staatsbürger“ im Namen des Vereins beinhaltete also nicht nur eine Feststellung, sondern eine Forderung. Es kann durch die bloße Staatsangehörigkeit nicht ersetzt werden. Aber auch das Statut des Central-Vereins ist änderungsbedürftig. Sein § 1 lautet: ״Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E. V. bezweckt, die deutschen Staatsbürger Vor einer Anleihe der Jewish Agency?