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Jüdische Rundschau · 1935-10-10 · Heft 81-82 (10.10.1935) · page 23

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 81-82 (10.10.1935)
Date
1935-10-10
Page
– (sequence 23)
Language
German
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Nr. 81/82, 10. X. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 23 Bücher für Palästina! Aus der Arbeit der Berliner Sammelstelle Unter den verschiedenen Institutionell, die unter dem Oesamtbegriff der ״MeinekestraBe“ im Judentum Berlins und ganz Deutschlands bekannt sind, nimmt eine Einrichtung im Bewußtsein der Ocffcntlichkeit nur einen verhältnismäßig kleinen Raum ein, obwohl ihre Leistungen für Palästina Im Berliner Biicherlager 1 ■j und den Aufbau eines neuen jüdischen Geisteslebens von eminenter Bedeutung sind. Wir meinen die Sammclstclle für Bücher, die* im Interesse der National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem arbeitet. In ein paar Kellerräumen des Hauses Meinekcstraßc 10 haben die Saninielstelle und ihr rühriger Leiter ihren Sitz aufgeschlagen. Es wird ihr im Laufe des Jahres 1935 tnöglieh sein, insgesamt etwa 30 IKK) Bücher aus Deutschland nach Palästina zu schicken. Die Möglichkeiten, Sammlungen ru erhalten, sind ja gerade in der heutigen Zeit sehr erheblich. Zahlreiche jüdische Familien, die aus Deutschland auswandern, trennen sich von ihren oft umfangreichen Bücherbeständen, und manche andere, die in kleinere Wohnungen iibersiedelii, müssen ihre Bibliotheken ganz oder teilweise aufgeben. Dazu kommt ein wachsendes Verständnis für die Bedeutung dieser Arbeit, besonders bei Todesfällen, wo die Erben bereit sind, die nun Teil hervorragenden wissenschaffliehen Bibliotheken Verstorbener der Jerusalemer Bibliothek zuzuführen, wenn nicht bereits letztwillige Verfügungen dieser Alt vorliegen. In stiller Arbeit ist es gelungen, einer! immer weiteren Kreis von Freunden dem Werke der Biichersammlun«; für die Bibliothek zuzuführen und zum Teil ganz hervorragendes Material nach Palästina zu bringen. In erster Linie handelt es sich dabei um wissenschaftliche Literatur, und cs ist erstaunlich zu beobachten, welche Belesenheit die wissenschaftlich arbeitenden Kreise im Judentum Deutschlands besitzen, wie zahlreiche Gelehrte und auch Praktiker nicht nur die in deutscher Sprache erschienene Literatur ihres Fachgebietes, sondern auch die internationale Literatur in allen Weltsprachen besaßen. Neben der wissenschaftlicheii Literatur wird aber auch Belletristik, insbesondere aus den Nachkriegsjahreii, nach Palästina gesandt, da auch hiernach ein erhebliches Bedürfnis bes.e.it. Viele Judaica tmd Hebraica füllen allmählich die noch sehr erhebliehen Lücken der Nationalbibliothek. Die Versendung des cingegangenen Biichermafcrials erfolgt erst dann, wenn die in Frage kommenden palästinensischen Bibliotheken mitgeteilt haben, daß die Zusendung der Bücher erwünscht ist. Auf diese Weise wird verhindert, daß sich in Palästina bei den dort herrschenden knappen Raum- Verhältnissen der Bibliotheken eine Unzahl von nicht brauchbaren Dubletten ansammelt. Es gelingt jedoch irr! großen und ganzen, fast alles, was an wertvollem Material bei der Büchersammelstelle eingeht, nach Palästina zu überführen. Die B ii c h e r I i s te n, die von der Berliner Sammelstelle nach Jerusalem gesandt werden, werden dort zunächst von der National- und Universitätsbibliothek durchgesehen, und diese sucht die Bücher aus, welche ihr erwünscht sind. Sodann gehen die Fisten zur S t a d t b i b I i o 111 e k in Tel- Awiw, die aus dem Rest ihre Auswahl trifft, und schließlich zur Haifa er Bibliothek, die den übrigbleibenden Teil daraufhin durchsieht, welche Bücher sie haben will. Die Universitätsbibliothck sucht auch solche Bücher aus, die sie nicht selbst verwerten kann, die sie aber an einzelne Universitätsinstitute, Krankenhäuser, Schulen nsw. weitergibt. Erst dann, wenn die so diirchgeschcnen Listen nach Berlin zurückkommen, wird der Versand der Bücher vorgenommen. Die Bücher werden nicht nach Fachgebieten getrennt versandt, sondern gehen an die drei in Frage kommenden Abnehmerbibliotheken nach Stiftern geordnet, weil sie in Palästina mit einem Exlibris \ ersehen werden, in dem der N a m e des Stifters angegeben ist. Technische Literatur wird für di« Bibliothek des Technikums in Haifa gesammelt. Neben der Berliner Stelle existieren in einigen _ Grollgemeinden des Reiches noch Zweig-Sammelstellen, die teilweise direkt mit den palästinensischen Bibliotheken verkehren, teilweise die Abwicklung ihrer Sammlungen durch die Berliner Zentralstelle leiten. Neben der Sammlung von Büchern beschäftigt sich die Saimnelstelle in geringerem Umfange auch mit derjenigen von K u 11 s t g c g c n s t ä n d e n, wissenschaftlichen S a m 111 111 n g c 11 verschiedener Gebiete, Dokumenten und Museumsstücken. Grundsatz ist hierbei, daß nur wirklieh wertvolles Material angenommen und nach Palästina geschickt wird, das entweder für die Museen (Bezalel-Miiseum in Jerusalem und Museum in Tel-Awiw) oder die Universitäts* institutc gebraucht werden kann. In letzter Zeit war besonders die Ueberfiihrting der Anthropologischen Sammlung von Prot. Frieden tliai bedeutsam, die in der Jerusalemer Universität Aufstellung finden wird. Ferner nennen wir aus den bedeutenderen Sendungen dieser Art die Sammlung von Nasenplastiken eines verstorbenen Berliner Nasenarztes. Wenn man in den Bücherschätzen, die in der Sammelstelle aufgespeichert sind und in der Regel alle drei Monate nach Palästina überfuhrt werden blättert, kann man als Bücherliebhaber anregende Studien 111achen. Dies gilt sowollt für den Inhalt der Bücher wie auch für die Besitzer, die die Bücher gespendet haben, unter denen sich so mancher klangvolle und in der Welt bekannte Name findet. Angefangen von einem alten, auf Palmenblättern geschriebenen Sanskritmanuskript bis zur modernen Unter• haltungsliteratur finden wir hier alles, was für das geistige Palästina Wert haben kann und was insbesondere auch dazu dienen mag, die lernende, Studierende Jugend des Landes zu fördern. Die Arbeit der Sammelsteile, die mit ganz geringen äußeren Mitteln, die ihr die ״Gesellschaft der Freunde der Jerusalem-Bibliothek“ zur Verfügung stellt, eine große Leisliinp vollbringt, die mit jedem einzelnen Spender persönlich verkehrt und die ganze Arbeit bis zum sachgemäßen Vorpacken und Abtransport der Kisten durchführt, ist aller Anerkennung wert und stellt einen wichtigen Dienst für den Aufbau des Landes dar. oc. Warnung! Ein Betrüger versucht in Hamburg, unter Benut/iing 1ms gehöriger Drucksachen Anzeigenaufträge und vor allem Geldbeträge zu erhalten. Wir bitten, ihm keinerlei Aufträge oder Zahlungen ausznhändigcn und dem Verlag der ״Jüdischen Rundschau“ Nachricht zu geben. haika in die Kisten will Fotos: Htrbert Sonnenfeld Die Verpackung gelernt sein '*Vfיי־ §. wa. senkte und seine vom Schmerz verzogenen Lippen suchte. Er sah die .Falschheit in ihrem (icsirlil, faßte sie mit beiden Annen und »ließ sic gewaltsam ins Wasser. Aber H11111 blieb auf dem Kiesbell sieben, mir eine niedrige Wasserst römiing ninspii11«> ihre Beine. Einen Augenblick lang schwieg sie, dann lachte sie: ״Schade, llri, daß das Wasser an dieser Stelle nicht tief isf, es ist lächerlich, daß <־s nur bis;in di 1 ■ Knöchel reicht. . . .“ Mil nassen Sclmbcn nIm‘׳' sie wir '<!*' 1r hinauf und selzle ihr! ■n M eg fori, ohne klarus Re Will' >|s< 'in <l;1111!u ׳r. was gedien war, und ohne susnur M nrfu mehr zu; lebten. Uri blieb im ])irkiclil sitzen, biß ins hohe (i ras am Klußufer und rrsliekle mit ihm sein Stöhnen. Zuweilen führte l.'ri sie auch zu den Pfaden, die mir ihnen allein bekannt waren: ״Ruth, sieb, liier saßen wir einst, liier sagtest du mir jene Worte. Erinnersl du dich? An 1lie-em Ort fühlte ich. daß du mir näher bist als Bruder und Schwester, als Vater und Mutter.“ Sie saß nebelt ihm und horchte in der SliHe auf ״ein,■ Worlc. ״Ruth, bist du jetzt wirklich glücklich?" Huth hliekle ihn erstaun! an. Vi-IIeiclil ist das das Glück. Vielleicht. Aber es isl ein Selbstvergessen. aus dem es kein Entrinnen gibt, ohne das es kein!,eben und kein« Luft mehr zum Almen gibt. . . . Als Uri an einem klaren Winlennurgen nach einer schlaflosen Nacht auf dem Indien Geiiisl stund, das den Bau lies Wasserliirms überzog, wurde ihm plötzlich klar, daß alles verloren sei. Denn Ruth gebürt mit Leih und Seele dem andern. Sie liebt ״ihn“, sie ist seine Frau. Das war eine bohrende, nackte Wahrheit, die jede Hoffnung aus dem Herzen riß. Dann stieg er iniI schweren Sehrilten vom Gerüst herab, stellte sein llandwerkzcug in die Ecke, überblickte nochmals das Areal des Merkes, den M assortnmi, Jen sieh immer höher reckenden Bau der Stalion zu Füßen des M'asserlurms, und?lieg schweren Herzens, aber mit festem Entschluß, die Treppe hinab. Er sammelte seine Sachen in den Hucksack, schnallte ihn auf den Rücken, ging ins Büro und bat um Urlaub: ״Verwandte von mir sind nach Teura gekommen, ich will dort, nach ihnen scheu.“ Ohne sich von jemandem zu verabschieden, verließ Uri das Lager. Er stieg von den Anhöhen hinab, und als das Areal des Werkes hinter ihnen verschwunden war, freute er sieh, mit dem kahlen Oedland allein zu sein. Sein Alpdruck wich allmählich, und die Trauer des Mrmrhen \ereinl« sieh im Winde eines Indien I lei bst tages mit der Trauer dos öden Rodens, l lri ״in״ nielil rasch. Wohin hätte er auch eilen sollen? Er halle keinen Anlaß zur Eile. Er fühlte sieh der einsamen Azerole rerwandl, die über einem kleinen Grab auf einem der Hügel Iranrrle. Es zog ihn in die Meile, naeli den windhewrglen Massel sümpfen zwischen den! Schilf und nach den Sturzliächcn, die die Füße der Felsen ab«asclien. Der Sumpf und das Gestrüpp des Fehles nahmen Anteil an seiner Einsamkeit. Den ganzen Morgen schlendert« Uri den Weg im Tale dahin. Die Manne des Tatze.» stieg auf, und die Sonne brannte auf den weißen Steinen des M eges. ln seinem Munde machte sich die Trockenheit des Durstes fühlbar, und als er Hirten ihre Heiden an einer (Quelle tränken sah, trank auch er davon mul ging weiter. Dann kam er iri einen 11ich101?, schattigen Feigenhain mit einer klar und fröhlich sprudelnden Oiiellc. Hinter den Rilinnen barg sich ein Bau aus nengehanenen Steinen auf einer al len, brt'rkligon Schicht ein Kloster, und liinler dem Klusler ein kleiner 11iigclrücken mit zwei Auslautern. In dem um den Ausläufern eingeschlosscnen Tal standen einige Weinstocklauben, in eieren Schatten einige Greise saßen. Als Uri zwisrlieii ihnen liindtirehging. rührlen *ie sich nielil von der Stelle. Es schien, als seien sie lebendig gestorben, um Ciolt zu sehen. Der Tag neigte sieh liereits. als Uri mit dein Anstieg auf der! Berg begann. Kahl und traurig war der Anblick des schwarzen Basallbeiges, Er sah wie nach einem Brande aus. Uri gelangte au die W assenpiellcu zu Füßen des Gebirges, au die klar blauen Meiher, die liier wie Märchen aus ur- Jüdische Gelehrte auf dem OrientalistenkongreB Hon rechts nach links: Dr. Gailein, Jerusalem, Prof. Cassuto, Rom Rom, 6. Oktober. (JTA.) An dem XIX. interna* t ion a 1 c n O r i e 111 a I i s t c n k o 11 g r e ß, der nach einwöchiger Dauer in Rom geschlossen wurde, haben zahlrc'ictie jüdische Gelehrte teilgenommeii und bemerkenswerte Referate erstattet. In der Lrüffiningssit/iiii״ hielt der trauzäsisch-jüdische Orientalist und Vorsitzende der Alliance Israelite Universelle, Prof. Sv 1 vai 11 1. evi, im Namen sinntlieber ausländischer!)elegierten eine Ansprache. Die offiziehe Delegation der IJebraischcii Universität in Jerusalem bestand aus den Professoren Dr. Gott heil und Fi sc lieh Die Delegation arbeitete besonders aktiv in den Sitzungen der Lslamsektioii mit mul beteiligte sieh außerdem au den Aussprachen über Probleme des Alten Testaments und vier jüdischen Geschichte in vor- und nachhiblischer Zeit. Prof. Fisch el hielt ein Referat über das Thema ״Die Juden im Staats- und Wirtschaftsleben im islamischen Mittelalter“. l)r. Gott heil sprach über die I ditioii des Textes von Bcladhori. Starke Aufmerksamkeit fanden ancli die Reterate von Prof. I) i r i 11 g e r, Prof. S o!1 n e, Prof. 1 o 1 I i und Prot. Umberto Cassuto, der auch Vorsitzender der Stktion ״Judentum und Altes Testament“ war. Au vier Privataudienz, die der Papst den Mitgliedern vies Grientalistcnkongresses gewahrte, nahmen auch die jüdischen Kon• grcßdclcgicrten teil. Fori links nach rechts: Prof. Gottheit, Amerika, Dr, Walter tischet, Jerusalem, Prof. Dr. Jizchak Epstein, Jerusalem l'otos*: Mirjam Main aller Zeit schlummern. Der blaue M eilo'r en Isciule f sein M asser zum Fluß. Das M asser in ihm steigt in durchsichtigen Sl.rudein zwischen den Fehklülien stetig an. Das fremdartige Rätsel des ansteigende! 1 M a-sers verflicht -ich in dein mt'lancholiseben Rauschen <b׳s bevoglen Schills am I 1er. Als Uri die Teicln־ hinter sich ließ, unlersrlrösl er in der Dunkelheit des Abends ibui trüben Anblick des ״roßen Sees. Nu seinem Ufer flackerte ein kleine» Feuer, auf das er zuging. Als er sieh näherte, wuchs das Ficht zu einem I)rennenden Scheiterhau feil an. doswui I.. 1 <• htk 1 <>i•י in der Fi listeriiis sich immer mehr erweitert!'. Am Scheiterhaufen »aß ein Alter, [!essen flatternde Silbe 1-trälinen sein Haupt 11 innilunleii. U1־i erkannte, daß es der ״ulte Jechiel“ war. Der Alte winkte ihm, seinen Rucksack von der Schulter zu nehmen, und sich neben ihn zu setzen. Als der Alte ihn zu einem Fischgerichl rinlud, trocknet« Uri mit seinem Aerniel die Stirne und sagte: ״Ich komme vom Werk. Ich heiße l ri.“ Der Alte aß von den Fischen und rodele auch ihm zum Essen zu. ״Mie stellt es mit Ingenieur Agar? Raut er noch weiter Wege und Häuser?‘‘ — fragte jechiel. ״Dieser Mann kenn!, keine Ermüdung“ — antwortete Uri und tauchte sein Brot in die süße Fisrhbriilie. Als sie ihr Mahl heiuidel, hatten, stand Jechiel auf und sagt« zu Uri: ,,Komm, wir wollen dort hinauf, zum Hügel. Sei mit uns ein Tier des Fehb's und schöpfe Kraft aus 11er Einsamkeil.“ — Seine jugendlichen Augen lachten, während er sprach. Uri stand wortlos auf und folgte dem Alten nach dem Hügel. Als sie oben «;«reu, traten sic in eine groläc l.elmihölile ein. Dort nahm Uri einige Sachen aus seinem Hucksack und legte sic neben das Lager des Allen. Von da an kamen für Uri traurige, aber ruhige Tage. Sie ließen sich auf ihn herab wie die Molken des Winters auf die müde Erde. Die IV inlerstürme versüßten das Schwingen der Tafelrunde auf dem ״Hügel der Ruhe“. Am Abend begegriete man sieh am kahlen llolzliseh: Jediiel, Uri und weitere, drei Männer mit struppigen Bärten. t Fortsetzung folgt)

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