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Jüdische Rundschau · 1935-10-10 · Heft 81-82 (10.10.1935) · page 17

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 81-82 (10.10.1935)
Date
1935-10-10
Page
– (sequence 17)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Palästinensische Umschau NR. 81/82, 10. OKTOBER >935 Die Gefahr eines Lehrerstreiks Von unserem palästinensischen Korrespondenten gi T e 1 - A w i w, 30. September 1935 Morgen soll das neue Schuljahr in den hebräischen Schulen im Lande beginnen. Aber in letzter Stunde erhebt sich ein Hindernis, daß die reguläre Eröffnung der Erziehungsanstalten hinauszuschieben droht. Die Lehrerorganisation kündigt einen Streik an, wenn ihre finanziellen Forderungen von der Leitung des Schulnetzes, die beim Waad Leumi liegt, nicht erfüllt werden. In früheren Jahren waren Lehrerstreiks in Palästina keine seltene Sache. Jahre hintereinander erhoben sich zu Beginn des Herbstes die Differenzen zwischen den Lehrern und dem Lrzieliungsdepartement, und die Lehrer griffen oft genug zur scharfen Waffe des Streiks, um ihre Forderungen durchzusetzen. Das hebräische Schulwerk war zu einem bedeutenden Teil das Werk der frühen Lehrerpioniere, die um die Er- Ziehung in hebräischer Sprache unter grollen Opfern gerungen und es wirklich so weit gebracht hatten, daß aus den ersten schwachen Anfängen ein staatliches Schulwerk vom Kindergarten bis zur höheren Schule erwuchs. Die Zionistische Organisation, die die Gelder für den großen Kulturbau aufbringen sollte, litt chronisch an Geldmangel. Die Lehrer mußten oft monatelang auf ihr Gehalt warten, sie lebten mühselig und schwer rechnend von schmalen Krediten, und die Summe, die die vereinigte Lehrerschaft schließlich vom Er- Ziehungsdepartement der Zionistischen Organisation zu erhalten hatte, belief sich auf viele Tausende von Pfunden. Es war kein Wunder, wenn unter diesen Umständen von Zeit zu Zeit dem geplagten Schulmeister die Geduld riß, er auf eine erträgliche Regelung seiner Bezüge drängte und sich schließlich gelegentlich auch einfach weigerte, weiter zu lehren, wenn man ihn nicht von seiner Last von Wechseln, Verpflichtungen, Bankschulden und jener Fülle kleiner Plackereien befreite, die die damals im ganzen Lande übliche Kreditwirtschaft mit sich brachte. Aber auch damals trafen die Streiks der Lehrer oft auf die Gegnerschaft des grollen Publikums. Es dauerte mitunter Wochen, bis die Schulen eröffnet wurden. Tausende von Kindern blieben in dieser Zeit ohne Aufsicht und Unterricht, entbehrten der Disziplin, waren eine Last für die arbeitenden Familien. Ihre Beziehung zur Schule litt unter den Kämpfen zwischen Lehrern und Erziehungsdepartement, in denen natiirlieh Eltern und Bekannte leidenschaftlich Partei nahmen. Der pädagogische Schaden war sehr groß, und es wurde schon damals, als die Lage der Lehrer vielfach sehr trübe aussah, von vielen bezweifelt, ob der Streik von Lehrern überhaupt berechtigt sein könne. Unterdessen haben sich die Verhältnisse sehr gebessert, und in den letzten Jahren wurden die Schulen nach den Ferien programmäßig eröffnet. Es hatte eine Umorganisier u n g der Administration des Schulwerkes stattgefunden. Während die hebräischen Schulen im Lande früher zu einem großen Teile von den Einnahmen des Keren Hajessod, also von den Beiträgen der Judenheit in der Galuth abhängig waren, hob sich mit der Stärkung des palästinensischcn Judentums seine finanzielle Tragfähigkeit. Der Jischuw steuerte von Jahr zu Jahr einen immer größeren Prozentsatz zur Erhaltung des Schulwerks bei. So wurde es möglich, die Administration der Anstalten von der Zionistischen Organ!- sation fortzunehmen und dem Waad Leumi als der Vertretung der palästinensischen Judenheit zu übertragen. Es gelang nach und nach, eine gewisse Ordnung in die Zahlungen zu bringen und den Lehrern monatlich ihre Gehälter zukommen zu lassen. Für jemanden, der an normale Verhältnisse gewöhnt ist, erscheint eine solche Tatsache so selbstverständlich, daß sie nicht erwähnt zu werden braucht. Für das Palästina der Geldnöte aber war eine pünktliche Bezahlung am Monats• ersten geradezu ein Ereignis. Um der Verwaltung eine bleibende Basis zu verschaffen, wurde vom Waad Leumi eine Kommission eingesetzt, die eine genaue G e h a 11 s s k a I a mit Grundgehältern, Familientmd Kinderzulagen, aufsteigetiden Jahreszuschlägen usw. ausarbeiten sollte. Diese Kommission hat jetzt ihre Resultäte vorgelegt, die Lehrer aber erklären sich mit den Vorschlügen nicht einverstanden und fordern in verschiedenen Punkten eine Erhöhung der Skala. Um diese Frage geht jetzt der Streit, der zu einem Streik zu führen droht Um die Lehrer zu verstehen, muß man berücksichtigen, daß sich in Palästina in den letzten zwei Jahren der Lebens- Standard auf eine ungewöhnliche Weise gehoben hat. Gehälter, die früher als anständige Beamtengehälter galten, werden heute von einem qualifizierten Arbeiter geringschätzig angesehen. Miete ist vielfach unerschwinglich geworden. Die allgemeine Hebung des Standards bedingt eine Beschneidung der gewohnten Bedürfnisse bei dem, der heute nicht mehr verdient als vor drei Jahren. Teuerungszulagen sind also berechtigt und vielfach unumgänglich nötig. Es ist cliaraktcristisch, daß selbst die Palästina-Regierung, die mit Gehaltern für Nichtenglander nicht gerade verschwenderisch umgeht, sich gezwungen gesehen sah, ihren niederen Bcamtenstufen Zulagen zu gewähren, im Zeichen der Prosperity ist also die Forderung der Lehrer nach einer Erhöhung der Skala durchaus verständlich. Der Waad Leumi bewilligte auch eine Teuerungszulage, die jedoch den Lehrern nicht genügt. Die Frage für den Waad Leumi ist nun, woher er die zusätzlichen Gelder, die die Lehrer verlangen und die sich nach seinen Bercchnungen auf Zehntausende von Pfunden belaufen, nehmen soll. Eine Erhöhung des Budgets durch die Jcwish Agency kommt nicht in Betracht, und auch von der Regierung ist im Moment eine Erhöhung der Subvention nicht zu erwarten, Der Jischuw hat zwar beträchtliche Geldquellen, aber sie stehen nicht ohne weiteres zur Verfügung des Waad Leumi, und die einzelne Familie trägt ohnedies an Steuern und Schulgeld eine beträchtliche Last für die Erziehung ihrer Kinder. Dazu muß man nicht vergessen, daß der Zustrom zu den hebräischen Schulen heute fast von Tag zu Tag wächst. Die Einwanderung bringt Hunderte von Kindern im schulpflichtigen Alter, für die Unterricht geschafft werden muß und mit jeder neu eröffneten Klasse wachsen die Ausgaben des Schulwerkes. Audi heute findet eine große Zahl jüdischer Kinder keine Aufnahme in den hebräischen Schulen und bleibt entweder ganz dhne Schulung oder wendet sich an die Missionsschulen, die keine Bezahlung verlangen. Daneben schießen die privaten Anstalten wie die Pilze aus der Erde und die Dezentralisation der Erziehung־, die eine einheitliche Richtung der Erziehung verhindert, macht immer weitere Fortschritte. Audi die Regierung hat in der Gehaltsfrage ein Wort mitzuredc-n. Sic gewährt für das hebräische Schulwerk eine Subvention, die freilich den Bedürfnissen nicht genügt, ihr aber immerhin die Möglichkeit gibt, ihre Stimme in der Ordnung Die Wasserfrage in Jerusalem , Am 1. November soll die neue Wasserleitung in Jerusalem eröffnet werden, die eines der brennendsten Probleme der Stadl lösen wird. In den neuen Stadtteilen ist schon fetzt die Wassernd verhältnismäßig gering. Dagegen ist in den Armenvierteln der Altstadt im Sommer oft ein großer II nsscrmangel. Unser Bild zeigt auf einem Hofe der Altstadt die Menschen, die mit Illechgefaßen auf den Wasserverkäufer warten. Jeden fünften Tag wird Wasser verkauft, und zivar fünf Kannen für einen Gurusch. K״t״: n״■׳ der Angelegenheiten geltend zu machen. Sie stemmt sich gegen eine Erhöhung der Gehälter. Die Behörde sieht die Dinge von einem anderen Gesichtswinkel an, weil sie nicht nur der« jüdischen Sektor, sondern auch den arabischen iihersieht und seinen niedrigen Standard gegen den relativ viel höheren jüdischen setzt. Der Waad Leumi ist also einfach im Moment nicht irrtstände, seine üehaltsskala zu erhöhen. Er wird also, auch wenn die Lehrer ihren Streik verwirklichen, nicht nachgelien können, weil ihm die Mittel dazu fehlen. Das Publikum ist in seinen ganz weiten Schichten rein instinktiv gegen den Streik. Man weiß zwar, daß die Lehrer im Verhältnis zu den ״Prosperitäts-Kreisen“ wenig verdienen und sich emschriinken müssen, daß sie aber dafür eine feste krisensiehere Anstellung haben und daß ihre Gehälter denen mitteleuropäischer Länder entsprechen. Man weiß, daß keine objektive Möglichkeit besteht, jetzt die Skala zu erhöhen, und man wendet sicli vor allem gegen das Druckmittel, 30(100 Kinder aus den Schulen auszusperren, um auf die Administration zu drücken. Morgen ist der entscheidende Tag. Vielleicht besinnt sich die Lelirerorganisation noch eines Besseren. (Inzwischen ist der Ausbruch des Streikes, wrie wir bereits meldeten, zunächst bis nach Sukkoth vertagt worden, und cs besteht die Hoffntfng, doch noch zu einer Verständigung zu gelangen. Red.) Arabische Propaganda Die Londoner englische Zeitschrift ״Great Britain ■und the East“ (früher ״The Near East and India“), berichtet über einen Vortragsabend der Royal Central Asian Society in London, an dem F a k r y B e y N a s c 11 a s c hihi über das Palästina-Problem gesprochen hat. Den Vorsitz führte Sir Ronald Storrs, der vor 15 Jahren Gouverneur von Jerusalem war und spater High Commissioiur von Cypern wurde. Der Vortragende verbreitete sich zunächst über die große Betleutung, die Palästina für das britische Weltreich habe. Schon mit Rücksicht auf die Konzessionen, die England an die ägyptische Unabhängigkeit zu machen bereit ist, müsse man damit rechnen, daß Palästina in Zukunft eine wichtige!11111■ t ä r i s c ft e Operationsbasis für E!1 g 1 a n d sein wird, Um eine freie Entwicklung solcher Operationen zu ermogliehen, tn ü ß t e n di e B e z i c 1111 11 g e n /. w i s c h e!1 G r o fl - b r i t a 11 11 i c 11 11 n d d e 11 Arab e r n f r e 11 11 d s c 11 a f t - liehe sein. Wenn die Araber den Wert der briti chen Freundschaft für sich würdigen, dann werden sie selbst darauf bedacht sein, die britischen Interessen zu schützen. Dagegen müßte jede Politik der Vergewaltigung von Großbritannien, insbesondere durch die Festsetzung der Juden 1111 Lande unter dem Schutz der britischen Bajonette, in Hinkunft alle möglichen Arten von Hindernissen in den Weg der britischen Politik in Palästina und den arabischen Nachbarländern legen. Im weiteren Verlauf seiner Rede wandte sielt dann der Vortragende mit aller Scharfe gegen die Err i c h t u n g des Jüdischen N a t i o 11 a 1 11 c i m s, den n dieses müßte die Araber aus dem Lande verdrängen. F.r bezweifelte auch eien wirtschaftlichen Nutzen der jüdischen Ein- Wanderung. Denn wenn die Baubewegung, was zu erwarten sei, einmal ins Stocken komme, werde eine große Arbeitermasse Zurückbleiben, die keine andere Beschäftigung finden kann. Man müsse auch bedenken, daß die Juden nur wegen des Antisemitismus in Mitteleuropa answanderii, und datier könne jede Aenderung der Politik in Mitteleuropa eine Krise für Palästina zur Folge haben, da dann zahlreiche Juden aus Palästina auswandern dürften und Kapital mitnehmen werden. Nachdem er sich noch ausführlich mit den Bodenverhältnissen auf Grund des Hope-Simpson-ßerichtes beschäftigt hatte, kam Fakry zum Schluß auf die beabsichtigten V ■e r f as s 1m gs - and er u 11 gen zu sprechen. Die Araber, so sagte er, verlangen eine demokratische R e g i e r u 11 g s f o r in. Serif 1922 habe die Regierung aber keine ernsten Schritte auch nur zur schrittweisen Verwirklichung einer gesetzgebenden Körper- Schaft gemacht. Der Redner wies dann auf die Gegnerschaft der Juden gegen die jetzt bestellenden Pläne hin und sagte, die Araber würden niemals an einem Legislative Council teilnehmen, wenn sie nicht die Ueberzeuguiig haben werden, daß ihre legitimen Rechte geschützt werden. Die Araber hätten das Vertrauen zu England verloren, weil sie den Eindruck haben, daß England dem jüdischen Druck nicht widerstehen kann; daher seien sie mehr und mehr bereit, der ausländischen Propaganda in kritischen Zeiten wie den gegenwärtigen ein williges Ohr zu leihen. Aus dem Bericht geht klar hervor, daß der Emissär der palästinensischen Araber die weltpolitische Krise dieses Augenblicks benützt, um die politischen Ziele der Araber in maßgebenden englischen Kreisen zu propagieren und mit der Gegnerschaft der Araber im Falle weiterer politischer Verwicklungen zu drohen. Solche Tatsachen dürfen gewiß nicht der Aufmerksamkeit zionistischer Betrachter, die sich über die richtige zionistische Politik ein Urteil bilden wollen, entgehen. Ein Heim für jemenitische Kinder X'M f :1 .■;Sst fäll ״feg ׳,־®:*laÄsiii fkmm «111 ln der Siedlung Schaarafim bei Rechoboth unterhält Maja Rosenberg einen Kindergarten und Hort für die Kinder dieser jemenitischen Siedlung, der ah pädagogische und menschliche Leistung etwas ganz Einzigartiges darstellt. Raus und Garten dienen den Kindern ah wirkliches Heim, das sie zu Hause sehr oft nicht finden können, und im Spiel und m gemeinsamer Arbeit wachsen sie zu gesunden und mit dem Lande verwurzelten jungen Menschen heran. Das Heim wird jetzt durch eine Handwerhsschule für die jemenitischen Mädchen erweitert, ein Werk von eminenter sozialer Bedeutung. A״ki,

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