Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1935-10-04 · Heft 80 (4.10.1935) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 80 (4.10.1935)
Date
1935-10-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2653827-2653898--27473-2688912
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

JÜDISCHE RUNDSCHAU Palästinensische Umschau NR. 80, 4. OKTOBER 1935 Zwei Mittelstands-Siedlungen Wenn aus den vielen Siedlungsprojekten für Mittelstand, die in der letzten Zeit auftauchten, zwei Siedlungspläne herausgegriffen werden, so ist es deswegen, weil diese beiden Siedlungen in besonderem Malle das öffentliche Interesse verdienen. Itn folgenden haben wir die neue Siedlung auf dem Boden von K a r k u r und die Bergsiedlung, die neben Kiryath-Anavim ihren Platz findet, im Auge. Wer einmal Palästina bereist hat, kennt den ungeheuren Unterschied, der zwischen diesen beiden Landesteilen herrscht. Bei einer näheren Betrachtung wird das erklärlich. Der Karkur-Block — ein Name für die neue Sied- 11mg wird nächstens bestimmt werden — befindet sich auf ungefähr halbem Wege zwischen Tel-Awiw und Haifa, elf Kilometer vom Mittelländischen Meere und fünf Kilometer von der Eisenbahnstation Chedcra entfernt. Die neue Siedlung liegt an der Grenze von einer Reihe jüdischer Siedlungen. Im Norden die Kolonie Karkur, ein Mosehaw Ovdim und der Kibbuz ״Ain-Schemer“ sowie der neue Mosehaw deutscher Juden; im Westen befinden sich die Pica-Siedlung ״Pardess- Ghana“, ״Tel-Elon“ (auch ein Mosehaw deutscher Juden), und die Kolonie Chedera, die sich bis zum Mittelländischen Meere hinstreckt. Das Scharon gebiet ist auf Grund seiner Wasser-, Klima- und Bodenverhältnisse zum Anbau von Zitrusfrüchten und zu gemischter Wirtschaftsführung, wie bekannt, vortrefflich geeignet. Der Boden von Karkur, der vor vielen Jahren von englischen Juden gekauft worden war, konnte aber seiner intensiven kolonisatorischen Bestimmung nur vor etwa drei Jahren übergeben werden, da bis dahin Wasset in nicht genügender Menge vorgefunden war. Vor zweiundeinhalb Jahren kam aus Karkur die Meldüng, die als ein Wunder durch das Land lief: man war mit amerikanischen Tiefbohrmascliinen auf außerordentliche Wassermengen gestoßen. Es gibt dort heute einen Brunnen, der über 200 cbm Wasser in der Stunde liefert, und einen zweiten, der nach einer Schätzung 400 cbm, nach einer anderen Schätzung — bis 700 cbm Wasser in der Stunde zu geben imstande ist. Die ersten Siedler auf diesem Boden, die bereits darüber verzweifelt waren, mit ihm nichts anfangen zu können, haben einen großen Teil desselben (soweit sie ihn nicht an andere Juden verkauft hatten) mit schönen Plantagen bereits bepflanzt. — Vor kurzem ist ein wesentlicher Teil des Bodens von Karkur in die Hände der ״Africa-Palestine Investment Ltd.“ übergegangen. Die neue Siedlung hat, da große Wassermengen zur Verfügamg stehen, mit dem früheren Besitzer einen Vertrag abgeschlossen, nach welchem ein Kubikmeter Wasser zu drei Mils, also recht billig, den Siedlern geliefert werden wird. In Kiryath-Anavim B’ gibt es eine Fläche von über zweitausend Dunam, die dem Jüdischen Nationalfonds gehört und sich an die seit 15 Jahren bestehende und nun blühende Siedlung Kiryath-Anavim anschließt. Ein bloß 600 in langer Weg verbindet •die neue Siedlung mit der Chaussee Jerusalem—Tel-Awiw. Jerusalem, welches 15 km entfernt liegt, ist im Autobus in 25 Minuten, und Tel-Awiw 48 km entfernt — in einst findiger Fahrt zu erreichen. ~Äu(!‘er den ausgezeichneten Konununikationsmitteln besitzt dieser Ort noch einen ganz besonderen Vorzug, und zwar den der Nähe zu der neuen, großartigen Wasserleihing, die durch die Regierung gegenwärtig zur Wasserversorgung lerusalems aus den Quellen der Audja und aus dem Jarkonlluss« zu Ende geführt wird. Die Pflanzungs- und Siedlungsgesellschaft ״J a c 11 i n“, die mit dem Jüdischen Nafionalfonds einen Vertrag zwecks Be- Siedlung von Kirvath-Anavim B’ abgeschlossen hat, berücksichtigt in der Ausführung ihres Planes die Wasserversorgung mit Hilfe der von der Regierung angelegten Wasserleitung und der dazu gehörigen großen Wasserbehälter. Erholungsheim in 4rsa bei Moxa (Jebüude der Kupuih Gholim in lla>ia __ iaMii Die Unterschiede beider Siedlungen liegen vor allem in der verschiedenen Höhenlage und dem damit verbundenem andersartigen Klima. Karkur, am östlichen Rande der Scharon ebene gelegen enießt das typische palästinensisch-mittelländische Seeüstenklima und die damit für einzelne Kulturen bedingten Vorzüge, während Kiryatli-Anavini B׳, das zwischen 700 bis 800 m über dem Meeresspiegel und etwa 150—200 m höher als das bestehende Kirvath-Anavim liegt, alle für die Höhenläge gegebenen Vorteile in sich vereinigt. Ein anderer wesentlicher Unterschied ist, daß der Boden in Kiryath-Anavim dem KKL gehört, der bekanntlich seinen Grund und Boden in Erbpacht vergibt und dafür nur 2 0/0 vom Werte des Bodens als Pachtzins jährlich bekommt, während in Karkur der Boden vom Siedler käuflich erworben werden muß. Bei erstercr Siedlung kann der Siedler das Kapital, das er für Bodenkauf auszugeben hätte, in seine Wirtschaft investieren — ein Moment, der sehr wichtig für Siedler ist, die über verhältnismäßig beschränkte Geldmittel verfügen. Gemeinsam ist beiden der Wirtschaftstyp, der nicht einseitig auf Pflanzungen oder bloßer Geflügelzucht oder nur auf Gemüsebau basiert, wie es bei anderen Siedlung»- Projekten, die für den Mittelstand ausgearbeitet wurden, bisher leider der Fall war. Pflanzungen und gemischte Wirtschaft — ist die Losung der beiden hier besprochenen Wirtschaitspläne. Außer Pflanzungsball wird jeder Siedler Milchwirtschaft, Gefliigelzucht, Gemüsebau evtl, auch Bienenzucht betreiben könmen. Die Pflanzungen selbst werden ihrerseits gleichfalls mannigfaltig sein. Außer Orangen und Grapefruit werden in der neuen Siedlung von Karkur auch sonstige Obstbäume und Tafcitrauben angepflanzt und in Kiryath-Anavim B' — ״nördliche‘‘ Obstbäume, wie Aepfel, Pflaumen, Pfirsiche, als auch Tafel- und Kurtrauhen. Das Interessanteste an dem Plane von Kirvath-Anavim B’ ist die Errichtung einer Gchirgsso in mer frische. Diesein Platze steht, wegen seiner vorzüglichen geographischen Lage und seiner außergewöhnlich günstigen klimatischen Eigenheiten, zweifellos eine glänzende Entwicklung als Bergkurort bevor. Er befindet sich in der nächsten Nähe von den Städten der Seeküste. Aeußerst bequeme Straßenverbindüngen; herrliche Aussischt auf Gebirge, Tal und das Mittelländische Meer; frische Bergluft, die für Mensch wie für Vieh und Kulturpflanzen ausnehmend bekömmlich ist. — Alles das zusammen schafft geradezu ideale Bedingungen zur Entwicklung einer Ruh- und Heilstätte ersten Ranges für Genesungs- und Erholungsbedürftige aus den schwülen Städten der Ebene. Da nach dem prächtig gelungenen, Beispiel der Wald- Pflanzungen itn bestehenden Kirvath-Anavim auch in Kiryath- Anavim B’ ausgedehnte Haine von Pinien angepflanzt werden, so sollte dieser künftige Vorort von Jerusalem den Namen ״Kefar Jearim“ oder ״Walddorf“ von Anfang an bekommen. Es ist mit Berechtigung zu erwarten, ilall hier tatsächlich ein Walddorf sieh schnell entwickeln wird und alle Anziehungen besitzen wird für Leute, die im Gebirge gerne wandeln, Sport betreiben wollen und Luft- und Sonnenbäder genießen werden, die in dieser Höhenlage viel wirkungsvoller sind, als in der Ebene. Dabei werden die hier aufgebauten landwirtschaftlichen Betriebe den hohen Vorteil haben, an Ort und Stelle einen guten Absatz für ihre Produkte (Milch, Eier, Obst, Trauben) zu besitzen, absdion der Transport nach dem so nahen Jerusalem mit geringen Kosten und Zeitverlust verbunden ist. Es wäre noch zu betonen, daß bei allen glänzenden Aussichten für die Entwicklung dieses Ortes die Möglichkeit der Bodenspekulation liier ausgeschlossen ist. Die Ausführung beider!,laue liegt in Händen der Kooperativen Gesellschaft für landwirtschaftliche IJnlerneh- Blick vom Erholungsheim in Arsa auf die Berge Judäas .■m; •\£ ■ 7’4xfe Erholungsheim auf dem Carmel t'otui; 1.״d״ Luit kV ■־: *׳«*WM»»,«׳'‘ Das erste jüdische Fischerboot Die im vorigen Jahr!furch die Herren //. Goldberg und II. Eränkel errichtete Palest ine Iioat Building Ce. I.td, hat sich zum Ziel gesetzt, seetüchtige Boote jür den Fischfang zu hauen und auch Seefischerei za betreiben. Leider fehlt es im Lande bisher an I'latz für das Anlegen einer Bootswerft und so wurde, um nicht noch mehr Zeit :11 verlieren, unter Leitung und Aufsicht, des Herrn Frünhcl in Italien das erste Motor-Fischerboot gebaut, welches am '10. September im Hafen von Haifa cintraf. Das Boot ״Bihhura“ ist mit einem 80-I’S.-Motor ausgerüstet uml wird schon in den nächsten Tagen mit praktischer Fischerei einen Anfang machen. Int11,־) : ״. Sl״׳r, Haifa mimgcn ״Jachin“, deren Name bereits eine (iewälir bcdeutet. ״Jacliiii“ hat bereits andere Projekle für in- und ausländische Mittelstand Irr erfolgreich verwirklicht. Die von ״Jaeliiir1 begonnenen Arbeiten erstrecken sieh vom Jahre 1 DiI bis film Jahre lüiQ. Sie umfassen von den ersten Vorbereitungen alles, was mit der Errichtung der Siedlung Zusammenhang!, bis zum Fruchttragen der Pllanzungeri. Beide Siedlungen schließen sich an schon bestehende jüdische Jisrliuvim nn. Die Siedler werden keine direkten Pionierarbeiten zu leisten haben, da sie auf Grund der Erfahrungeii ihrer Nachbarn und unter Leitung des praktisch geschulten Personals ״Jachins“ ihre Wirtschaften auf bauen können. Abgesehen davon, daß diese Siedlungen jüdischen Arheitern Beschäftigung geben, zeigen sie auch den Weg, wie jüdisches Kapital aus Miltelstandskreisei! für die Erweiterung unseres ländlichen Besitzes produktiv angelegt werden kann. Rubin Robert Horowitz Erweiterungspläne der Universität genehmigt Neue Ordinarien Jerusalem, 3(1. Se(itemher. <JTA.) Die Palästina■!?«• gierung hat die ihr vorgelegten Pläne für die Erweiterung der Hebräischen Universität Jerusalem genehmigt. Diese Pläne umfassen die Errichtung des Rosenh'.ooin-Gebäudes, des Studentenheims, der Institute ftir Klimatologie und Natur- Wissenschaft, der Universitätskan/lei lind anderer Institute und Gebäude. S ä!11 1 1 i c 11 e N e u b a u t e n werden auf dem Skoptishcrg, in der Kälte der vorhandenen l hiiversitiitsgebäude, errichtet. Die für die Ausführung der Pläne erforderlichen Mittel werden /um größten Teil in Amerika aufgebracht werden. Das zur Erinnerung an Dr. Sol Rnsenbloom-Pittsburgh mit einem von seiner Witwe gestifteten Betrag von K 10(1 (KID zu errichtende Gebäude wird 1111־ die Unterbringung der geisteswissenschaftlichen Fakultät verwendet werden. Das Studentenheim wird aus Mitteln errichtet, die von den Studentenorganisationen Palästinas und des Auslands aufgebracht werden. Außer den bereits von uns veröffentlichten Berufungen an die Hebräische Universität, die in der Sitzung des Kuratoriuins in Luzern beschlossen wurden, werden jetzt noch einige andere Ernennungen im Lehrkörper bekannt. Der bishcrige aiiiie rordeniliriie Professor I )r. Iltigo Bergmann wurde zum Ordentlichen Professor der Philosophie ernannt. Ebenso wurden Prof. Feketc und Adolf F r a e 11 k e I zu Ordentlichen Professoren der Mathematik ernannt. I . Keilbein, der verdienstvoile Schöpfer des botanischen Museums an der Hebräischen Universität und gründliche Kenner der hotanisclien Terminologie der Bibel niid des Talmud, wurde zum Lektor für hebräische botanische Terminologie ernannt. Arbeits-Verständigung in Gedera J c r u s a i e in. (Palcor.) In der Kolonie G e d e r a, wo bis vor drei Jahre 11 fast ausschließlich nichtjüdische Arbeit herrsehend war, dringt die jüdische Arbeit jetzt vor. Die kleine Gruppe von zw ölt jüdischen Arbeitern, die vor drei Jahren in diese Kolonie cin/ogen, hat sich mit der Zeit vergrößert; im Laufe der Zeit übergaben einige Kolonisten der jüdischen Arbeitergruppe ein Stück Boden und einen Raum als eine zeitweilige Wolingelcgenlieit. Später stellte der Kokmicrat den Arbeitern ein Grundstück Von 4G Dunam zur Verfügung, wo jetzt das Lager aufgebaut wird, da gegenwärtig bereife 201) jüdische Arbeiter in Gedera beschäftigt sind. Der Kolonierat hat unter Zustimmung der Kolonisten beschlossen, bei den neuen Bauarbeitern ausschließlich jüdische Arbeiter zu verwenden. Es wurde eine Kommission ernannt, um als Schiedsgericht im Ralle von Arbeitsstreitigkeitcn zu tungieren. In der Kommission sitzen zwei Mitglieder des Kolonierats und zwei Milglieder des Arbeiterrates. Falls die Kommission zu keinem Ausgleich gelangt, wird die Sache dem Waad 'I.eumi zur Hntschekhmg übergeben werden. Unter den 200 Arbeitern in Gedera befinden sich 45 Mitglieder der ״Agudat Israel“ und des ״Noar Zioni“, die Vertreter im Arbeitsamt der Histadrutli besitzen. Vor einigen .Monaten hat einer der neuangesiedclten Kolonisten dem KKL eine Bodcnfläche von 10 Dunam zur Errichtung eines Kibbuz zur Verfügung gestellt. Die Zahl der Mitglieder dieses Kibbuz ist bereits auf 100 gestiegen. Anläßlich der Sclicloschim nach dem Tode Oberrabbiner K u k s fand im Gebäude der Jewish Agency in Jerusalem aut Anregung des Waad Leumi eine Gedenkfeier statt. Institute der Kupath Cholim (Vergleiche den Artikel in Nr. 79 der ״Jüd. Rundschau“)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.