Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 80 (4.10.1935)
- Date
- 1935-10-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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•y ü JÜDISCHE RUNDSCHAU mjiimiiunwii SchriftleitunR,V1־rl«jf u. An*elgenw1»maUnog1 BerltnWl 5, Malnekaatr. 10 F«rarul: Sammel-Nr. 1 1 Biamarck 3181/82, 7165/70, 7240/42. - BeziiRipteia ״nachl. Be»tell*eld je Mon«! RM 2,-, je Vierteljahr RM 5,75, Hai Abholunc RM 1,88 bzw. RM 5,39. — Postscheck - Konten der Vertriebs - Abteilung: Berlin 11573 (Hir Grofc - Berlin!, Berlin 173 92 /für (las übrige Reich). In Fällen höherer Gewalt besteht kein Anspruch *ui Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Beragsgebühren. — Erscheint | * den Dienstag und Freitag, BERLIN ז׳ תשרי תרצ״ו FREITAG, 4. OKTOBER 1935 AazaigenpreisIIate Nr. 3 gUlti«. 11!P 12!.^Pal!r־n.■ mm - '/a ,\o 20 Rpl, für F«tniliennachrichtcn 15 Rpl. Aufnahme von An/eißcn an hes!imrmc*n Tagen odor Stellen und in bestimmte Ausgaben kann nicht gewährleistet werden. Einzel- «mcigen nur bei Vorauszahlung auf Postscheck - Konto *Berlin 71618 oder har Montag bis Donnerstag 9—18 Uhr, Freitag 9 — 16 Uhr. Annahmeschhß für die Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgibe Mittwoch!3 Uhr. (Für Familienanzeigen am Tag vor Erscheinen 12 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Versöhnungfstag Während wir Juden uns rüsten, den größten Tag unserer inneren □״kehr /u begehen, ist die äußere Welt tun uns immer starker in Bewegung geraten. Wir stehen nun vor Tat- Sachen, die sich zwar monatelang vorbereitet haben, aber dennoch in ihrem wirklichen Eintreffen die moralische und geistige Verfassung der Welt nun erst /um vollen Bewußtsein bringen und die Gefahren, in denen die gesamte Kulturwelt schwebt, erkennen lassen. Die Bemühungen, den Ausbruch eines Krieges, in den /um ersten Male seit 1918 eine europäische Großmacht verwickelt ist und der daher naturgemäß w׳ei-!erreichende Folgen haben kann als andere Kriege nach dem Weltkrieg־, /u verhindern, sind offenbar gescheitert.!Man darf annchmcn, daß die Bestrebungen nunmehr auf die lokalisicrung und baldige Beendigung;' des Konfliktes gerichtet sein werden. Wir Juden, die wir in Krieg und Frieden in einer Ausn.d.inepositioii sind und auf eine reiche Leidensgeschichte zurückblicken, wünschen srlmlichst Frieden fiir die Menschheit; alle unsere Gebete, die wir an diesen großen und furchtbaren Feiertagen sprechen, miinden in die Bitte um Frieden. Wir ersehnen *ine Weit der harmonischen Zusammenarbc: aller Völker, die auf die Vervollkommnung, aut die geistige Frhöliung der Menschheit und des Menschcnlcbens gerichtet ist. In einer solchen Welt des wahren Friedens, in der die Kräfte der Menschen sich produktiv entfalten können, wird, so hoffen wir, auch unser Volk seinem Platz haben. Heute sind wir davon noch weit entfernt, und der Ausbruch eines Krieges bringt uns die ganze Labilität der Lage und des Kultur/ustuiides in Erinnerung. * Der Krieg in Abessinien muß keine direkten Rück- Wirkungen aut Palästina haben, aber er kann indirekte Wirkungen haben. Die übertriebene Wirtschafts• panik, die sich seit Wochen in Palästina fühlbar macht, ist gewiß nicht gerechtfertigt, und cs ist erfreulich, aus den von uns heute veröffentlichten Berichten zu entnehmen, daß wieder mehr Besonnenheit einkehrt. Die Befürchtungen in Palästina beziehen sich offenbar nicht auf den Krieg in Stützungsaktion der Großbanken angekündigt Jerusalem, 1. 10. 193» (Palcor). Der Geschäfisführende Direktor der Anßlo Palestine Bank, S. H ס o f i e n, der eben erst nach Palästina zurückgekehrt ist, benutzte die Gelegenheit der Jahresversammlung der Ja'facr jüdischen Handelskammer am 30. September in Tel Awiw, um einen Ueberblick über die ökonomische Lage des Landes und die durch die Kredit-Restriktion entstandene Lage zu geben. Hoofien bezeichnet« die Nervosität, die durch die Befürchtung eines europäischen Krieges, der auch Palästina einbeziehen könnte, entstanden ist, für unberechtigt. Die palästinensische Währung und das palästinensische Bankensystem beruhe auf der britischen Währung und dem britischen Bankensystem, weiche in der Lage sind, jeder denkbaren Erschütterung stand zuhalfen. Zwar hätten eine Anzahl von mittleren und kleinen Banken, die vielleicht schon früher zu kkht Kredite gegeben haben, Kredit-Restriktionen vorgenommen. Dennoch ist in der gegenwärtigen Position nichts, was zu Befürchtungen Anlaß gibt. Die Anglo Palestine Bank ist bereit, die Kredit« aus zudehnen. Die Bank wird neue Kreditgesuche, wenn sie Das Auswan ierungsproblem im VÖlkerbundsrat Genf, 30. September. (JTA.) Im Völkerbundsrat hat der Vertreter von E q 11;1 d o r Jen Bericht der politischen Konimission betreffend die Einsetzung eines Sachverständigen ko mite es zur Vereinheitlichung des Auswandcrerhilfs- Werks vorgclegt. Der Berichterstatter erklärte, man werde 1k■- 111üht sein, für dieses Komitee, das dem VÖlkerbundsrat anlüßlieh seiner nächsten Tagung im Januar 1930 sein Gutachten über den norwegischen'Vorschlag erstatten soll, die Kandidatur solcher Persönlichkeiten zu sichern, die einerseits die erforderliche Qualifikation besitzen, andererseits nicht in dirckter Verbindung mit denjenigen Organisationen stehen, die sieh mit dem Auswandercrschu\r. befassen. Wie man hört, werden dem Expertenkomitce ein Engländer, ein Franzose, ein Norweger und ein Tscliedioslowake, möglicherweise auch ein Schweizer angeboren. Das Komitee wird im Dezember in Genf /usammenfreten, um sein Gutachten für den Vön.-׳--b׳m<lsrat fcrtig/ustellen. Es Wiire zu hoffen, daß aus den vielen Gutachten eiuilieh auch praktische Resultate folgen. Die Not drängt, und Eile ist geboten! Abessinien, sondern auf eine etwa denkbare Erweiterung zu einem italienisch-englischen Krieg, dessen Schauplatz das ganze Mittehneerbecken wäre. Die bisher ins Auge gefaßten Maßnahmen, die als Sanktionen des Völkerbundes be/eichnet werden, geben vorderhand keinen Anlaß, mit dem Ausbruch eines solchen Krieges zu rechnen. Aber auch abgesehen von solchen Möglichkeiten bringt der abessinische Konflikt auch jetzt schon da und dort ein Anschneiden prinzipieller Kolonialprobleme mit sich, und dies kann natürlich auch, für ein Gebiet wie Palästina mit seinen ungeklärten internen Eandesverhältnisseu Folgen haben. Für die Juden in Palästina kommt es darauf an, nicht durch Nervosität ihre gewonnene wirtschaftliche Position aufs Spiel zu setzen; sie müssen die politische Lage und iitre psychologischen Wirklingen genau beobachten und sich als aktiver Faktor der Politik bewähren. Je schwerer die Zeiten werden, um so mehr besteht die Notwendigkeit, die jüdischen Kräfte zusammen־ zutassen. Auch in Deutschland ist gewiß kein Anlaß zu einer kleinlichen Und hämischen innerjüdischen Auseinandersetzung, wie sie t1nbegreiflieherwei.se von mancher jüdischen Seite anscheinend gewünscht wird. Es kommt darauf an, den Juden zu helfen. Nicht von uns allein hängt es ab, wie weit es möglich ist, jedem Ein ■einen, der materiell hetroffen ist, unk4 die Arme zu greifen. Aber darüber hinaus geht es in einer Lage völliger innerer Desorientierung 11111 geistige und moralische Hilfe, und diese schafft man nicht, wenn man die jüdische I et c e, die tausende Herzen autrichtet, in den Staub der Banalität zieht. Wir fragen uns mit Verwunderung, ob eine — wenigstens noch vor kurzem —■ große Gruppe der Juden Deutschlands, die sich in schwerer Lage inicrjüdisch gewiß mit Schonung behandelt sieht, wirKiich eine solche Form der Auseinandersetzung wünscht. Es ist «ine unruhige Zeit; an Stelle der bürgerlichen• Sicherheit ist eilt Umstelltsein von (iefahren getreten. Wir haben allen Grund, in uns zu gehen und diesen Versöhn 1111g.stag nicht ungenützt vorüberziehen zu lassen. sich innerhalb vernünftiger Grenzen halten, begrüßen und entweder ihre Klienten direkt bedienen oder durch die kleineren Banken auf Grund eines Rückdisconts. Anscheinend auf Grund von authentischen Informationen erklärte Hoofien, daß auch Barclay s Bank und die anderen füllrenden Banken Palästinas bereit sind, sich an einer ä h n - liehen Aktion zu beteiligen. Die Regierung gebe einer solchen Politik ihre volle Billigung. Was im speziellen das Problem der Finanzierung der Bautätigkeit betrifft, so werde die Allgemeine Hypothekenbank, die bekanntlich von der Anglo Palestine Bank kontrolliert wird, alle Darlehen, zu denen sie verpflichtet ist, auszahlen. Darüber hinaus hat die Hypothekenbank in den letzten Wochen eine beträchtliche Anzahl neuer Hypotheken-Darlchen genehmigt. Während der Sommermonate sind monatlich 100 000 Pfund an Hypotheken ausgezahlt worden. Derselbe Betrag sei auch im September erreicht worden, und im Oktober werde er überschritten werden. Zum Schluß drückte Hoofien seine feste Ueberzeugung aus, daß die ökonomische Struktur Palästinas im Kern gesund Ist und daß etwa zum Vorschein kommende Defekte sich leicht werden beseitigen lassen. Englische Kriegsschiffe in Palästina Eine ״Meldung vom 1. Oktober aus Kairo besagt, daß vor Haifa sechs weitere englische Kriegsschiffe eingetroffen sind, so daß die Zahl der jetzt an der Küste von Palästina versammelten englischen Kriegsschiffe auf 25 gestiegen ist. Alis zu verlässiger Quelle verlautet laut DNB, daß der Kaiser von Abessinien über einen Bündnisvertrag mit der Regierung des Jemen verhandele. Eine Bestätigung dieser Nachricht liegt nicht vor. —————————T"> Wegen des ירם הכפורים erscheint unsere nächste Ausgabe als I>op1>eI-Wr.81/H58 am!*onnnerstag, deai IO. Oktober lin/eigenarhluB: Mittwoch, 10 l;hr lhdaktton*«rhlnB: Mittwoch, l$£lJ11r Nachklänge der ״Kriegspanik“ Von unserem palästinensischen Korresp »identen gl. Tel-Awiw, 25. September 1935 Wir berichteten bereits über die erste im Gefolge des a b e s s i n i s c h c 11 Konflikts aufgetretene Kriegspanik in Palästina, die von der arabischen Presse geschürt wurde und dazu führte, daß die leicht erregten Fellarlicn l.ebensinittel auf/uhäufen und (johl zu sammeln beganrien. Es folgte eine gewisse Erschütterung der am bischeu Wirtschaft, die sich im Abheben der Depositen von der Arabischen Bank zeigte, die heute bereits Filialen in verschiedenen palästinensischen Städten hat und zu einem gewissen Faktor in! arabischen Wirtschaftsleben Palästinas geworden ist. Es gelang der Bank, die Krise zu überstellen. Die arabische Presse, die anscheinend ohne viel Ueberlegung und ohne sich Rechenschaft von *len sonstigen Folgen ihrer wilden Kriegsspekulationen zu geben, die Panik entfesselt hatte, schwenkte um und es gelang bald, eine gewisse B e r ti 11 i g u n g zu erzeugen. Es schien in jenem ,Stadium der Dinge, daß die iü- «I ische Wirtschaft von der Vei w irrung nicht angegriffen sei und sich von unnötigen Storungen freigehalten habe. Es hat sich jedoch dann später herausgestellt, daß auch i ni j ii d i s e 11 e 11 Sektor eine Störung des (ileichgewichtes hervorgerufen war, die man sich jetzt zu regeln bemüht. Im Anschluß an die arabische Tendenz, sich für die kommenden knappen Zeiten einzudecken, haben auch viele unter den Juden mit der Sammlung von Lebensmitteln begonnen. Bei den masserihafteil Vorräten, die im Lande angehäuft waren, der guten einheimischen Ernte und der ungestörten Wciterleitung des Imports in allen Häfen des Landes hat diese ״Hamsterei“• keinerlei Verknappung der Lebensmittel mit sich gebracht. Jedoch haben verschiedene Händler die Gelegenheit sofort benutzt, uni die Preise zu erhöhen. Insbesondere wird die Verteuerung des Brot pr eis e s, die plötzlich wieder eingesetzt hat, schwer einpfunden. Die Heraufsetzung der Brotpreise ist völlig wiilkürlieh, hat keinerlei objektive Begründung und legt gerade den armen Schichten, die cs sich am wenigsten leisten können, eine Verteuerung der I ebenskosten auf, die durch die Preiserhöhung bei sonstigen Stapelwaren (Reis 11$\v.) noch empfindlicher wird. Die Arbeiterpresse macht energisch gegen diese Ausnutzung der Lage durch gewisse Händler Front. In Td-Awiw wird die Stadtvenvalhing zum Einschreiten aufgerufen. Es Dt an/inidiirieii, daß diese teilweise Erhöhung der I ebeiismittelpreise rasch v o 1־ ü h e r g e h e 11 wird, weil sie eben keinerlei sachliche Begründung in der Wirtschaftslage hat und in einem Lande mit dem Import weit offenen Hafen eine Verteuerung sich nicht halten kann. Ernster als die kurze und bereits bald überwundene Panik auf dem I.cbcusmittelmarkfe ist die Lage auf dem Geldmärkte. Es set/te bei den Juden eine Gimrhe ein, die sieh in verschiedenen Formen äußerte. Es wurden aus einer Reihe von Banken D e לן o s i t e 1׳ entnominell, zum Teil in beträchtlicher I10!1׳׳. Dazu kam eine Restriktion der Kredite seitens der Banken. Den Anstoß gab die Zurückziehung der Depositen vom ״Banco di Roma“. Es ist ganz klar, daß diese Ab- Ziehungen keine wirtschaftlichen, sondern rein politische Ursachen haben (Furcht vor einem englisch-italienischen Konflikt). Barelays Bank entwickelte sehr bald eine lebhafte Aktivität zugunsten der palästinensischen Wirtschaff. Man hätte vielleicht annehmen dürfen, daII das Vorbild der Barelays hätte genügen müssen, um die Gcmüter zu beruhigen, aber in den wenigen Tagen seit Beginn der Panik hatten sich die Dinge in i t großer Schnelligkeit entwickelt. Die Summe der abgehobenen Depositen war rasch angewachsen lind, wie immer bei derartigen Gelegenheiten, wurden bestimmte Banken besonders in Mitleidenschaft gezogen, so daß sieh die Risse im Gebäude an einer bestimmten Stelle konzentrierten. Hier mußte rasch eingegriffen werden,und es scheint, daß durch Hilfe der führenden jüdischen Bank und der Barelays die akute Gefahr ab gewendet ist. Es spricht sich auch langsam herum, daß die plötzliche Panik objektiv unbegründet war; es verfehlt nicht seinen Eindruck, daß die Telegramme aus den europäischen Handelszentren beweisen, daß dort — wo vielleicht sehr viel mehr Grund zu Angst bestände als in Palästina -- keine Panik besteht, keine Depositen abgehoben und keine Kredite restringiert werden. Die Nachrichten, die in den Setzten Tagen aus Aegypten Beruhigende Rede Hoofiens