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Jüdische Rundschau · 1935-09-24 · Heft 77 (24.9.1935) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 77 (24.9.1935)
Date
1935-09-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Palästinensische Umschau NR. 77, 24. SEPTEMBER 1935 Das Neueste in Kürze Von unserem palBstinenslschen gl.-Korrespondenten Wirtschaft , _ J® der außerordentlichen Aktionärversammlung der palästinensischen H y po *11 e k 0 n b an k wurde die Er• ™I eingetragenen Kapitals von £ 250 000 aut *000 1000 ׳ beschlossen. Es werden Aktien von je £ 5 ausgegeben. Die erste Aktienauflage umfaßt £ 100 000. Die umlautenden Obligationen der Bank beliefen sich bis zum 31. August 1935 auf £ 1 431 550. Die ausgegebenen Hypotheken betragen £ 1 553 235. I® der Siedlung J a g u r (bei Haifa) wird eine Werkstatt x״d K.eram ' k> die Blumentöpfe und lainstgewerbliche OefaBe herstellen soll, eingerichtet. Für die Arbeit wurden zwei Sachverständige, die aus Deutschland eingewandert sind, gewonnen. An dem Kapital des Betriebes ist die ״Zentralstelle für die Ansiedlung der Juden aus Deutschland“ beteiligt. Die Regierungs kasse hat in den vier Monaten seit April einen Ueberschuß von ungefähr einer Million Pfund zu verzeichnen. Insgesamt belief sich der Regierungs- Uberschuß bis Ende Juli auf £ 5 727 690. Die im Lande umlaufende Münzsumme betrug Ende August £ 5 835 134. Assat Grasowski, vom landwirtschaftlichen Departement der Palästinaregierung, nimmt als ihr Vertreter an der Intiernationalen Garten taukonferenz in Rom teil. Politik Die Kriegspanik in Palästina, die sich im Aufkäufen von Lebensmitteln und Abheben der Depositen von einigen Banken äußerte, ist vorübergegangen. Das wirtschaftliche Leben ist in normale Bahnen zurückgekehrt. Ein Teil der Zerstörer der englischen Mittel meerflotte die in Haifa vor Anker lag, ist abgefahren und durch andere ersetzt worden. Die Zahl der Flotteneinheiten im Haifaer Hafen beträgt jetzt 12 Schiffe. In dieser Woche werden in Haifa, wie die Regierung meldet, Seemanöver abgehalten werden. Insbesondere wird die Landung von Truppen geübt. Aus Syrien wird gemeldet, daß an verschiedenen Stellen, vor allem im Chauran, wo die wirtschaftliche Lage sehr gedrückt ist, versucht wird, Arbeiter für Italien in Afrika anzuwerben. Der erste irakische Konsul für Palästina ist im Lande eingetroffen. Er wird seinen Sitz in Haifa nehmen. Der Mutti von Jerusalem, Hadj Emin cl Husseini, der sich aut einer Tour durch den Libanon und Syrien befindet, wurde von der syrischen Polizei abgehalten, Damaskus zu betreten. Ein Teil der Presse schreibt dieses Verbot aen Beratungen des Mufti mit den syrischen Nationalisten über die Taktik der Araber im kommenden Kriege zu, die die französischen Behörden beunruhigt hätten. Andere führen das Verbot aut eine Aktion seiner palästinensischen Gegner zurück, die durch die Erfolge seiner libanesischen Vcr- Wandlungen mißtrauisch gemacht wurden. Der Mufti hat sich für eine Woche zur Erholung nach Cypern begehen. Es verlautet, daß er einen Besuch in Genf, wo er mit Scheikib Arslan, dem Führer des syrischen Komitees, verhandeln will, beabsichtigt. Arabische Arbeiter aus der Zigarettenfabrik von Karaman in Haifa, die während des Streiks verhaftet wurden, erklärten im Gefängnis von Akko den Hungerstreik, als man sie wie die übrigen Gefangenen arbeiten lassen wollte. Sie betrachten sich, da sie wegen Streik verhaftet wurden, nicht als gewöhnliche Gefangene. Gesellschaft und Kultur H. Kendali ist als Sachverständiger für Städte- Planung bei der Paläsfinaregierung ernannt worden. Protessor S. A. Cutlrnore ist ins I m m i g r a t i o n s - departement der Regierung berufen worden, um ein statistisches Amt einniricliten. Es wird nach früheren Erklärungen der Palästinaregierung vor der Mandatskominission beabsichtigt, die statistischen Resultate des neuen Amtes für eine genauere Bestimmung der Aufnahmefähigkeit des Landes für Einwanderung auszunutzen. Der Waad Leumi, als die Vertretung der palästinensischen Judenheit, begann am 15. September mit einer Kampagne unter den Juden im Lande, um sie zur Annahme der palästinensischen Staatsbürgerschaft auf zurulen. Die Einbürgerung ist neuen Einwanderern gestattet, wenn sie zwei Jahre im Lande ansässig sind. Durch die große Immigration der letzten Jahre ist der Prozentsatz der palästinensischen Bürger im jüdischen Jischuw im Verhältnis zur Gesamtzahl der Juden im Lande stark gesunken. Der Plan für den Bau des neuen Krankenhauses aut dem Skopus bei der Hebräischen Universität, der das Rothschild-Hospital der Hadassah in Jerusalem ersetzen soll, ist von dem Architekten Erich Mendelsohn fertiggestellt worden und wird jetzt von den zuständigen Körperschäften in Jerusalem und Amerika geprüft. Der Bau soll im kommenden Frühjahr beginnen. Zum 60. Geburtstag von Berthold F e i w e 1 fand in Sated, wo sich Feiwel für die Sommermonate aufhält, eine Zusammenkunft seiner Freunde statt. Die palästinensische Presse feierte den Jahrestag mit ausführlichen Würdigungen des Jubilars. Der Gerer Rebbe ist, wie bereits gemeldet, zu einem Aufenthalt von mehreren Monaten mit seiner Familie in Palästina eingetroffen. Die chassidische Gemeinde in Jerusalem hat ihm für den Aufenthalt, ein speziell eingerichtetes Haus vorbereitet. Bei der Ankunft des Rebben in Haifa wurde er von einer großen Menge empfangen. Bei der Fahrt nach Jerusalem folgten ihm viele seiner Anhängcr in einer langen Reihe von Autos. Die Häupter der Chassidim von Jerusalem begrüßten ihn vor der Stadt. Das Haus des Rabbis ist von einer großen Menge von Frommen umlagert. Das Daniel-Sieff-Institut in Rechowofh hat aus dem Nachlaß von Fritz Habe r, dem berühmten Chemiker, eine Sendung von Büchern erhalten. Die hebräische Presse feiert den hebräischen Schriftsteller una Leiter des hebräischen Verlages ״Dwir“, Rawnitzki, anläßlich seines 75. Geburtstages. Die landwirtschaftliche Schule am Berge Tabor (Kadourie-Griindung) hat dieses Jahr 24 neue Schüler aufgenommen, so daß das Institut jetzt 50 Schüler umfaßt. Verschiedene neue Wohn- und Wirtschaftsbauten werden errichtet. fn Tel-Joseph (Ebene Jesreei) wurde der Jahrestag der Jugend-Alijah aus Deutschland festlich begangen. In Haifa landeten mehrere Hundert yemenitische uden, die über Aden tiie Reise nach Palästina gemacht aben. Es handelt sieh meist um Familien, vielfach mit kleinen Kindern. Vor dem Richter in Tel-Awiw hatte sich ein Mann zu verantworten, der unter dem Vorwand, Einwanderern zur Aufenthaltserlaubnis m verhelfen, sie um ihr Geld betrog und verschiedene Dokumente fälscht«. Die Polizei sucht nach mehreren Komplicen des Angeklagten. Ein Streit zwischen zwei Brüdern, Besitzern eines Cafes in Tel-Awiw, endete damit, daß der eine seinen Gegner mit einem Küchenmcsser schwer verletzte. Die Polizei hat in Herzliah zwei Leute verhaftet, die der Fälschung von Geldstücken beschuldigt werden. Das ist der zweite Fall einer Falschmünzerbande, der in den letzten Wochen aufgedeckt wurde. Der Kronzeuge in dem ersten Prozeß dieser Art ist unterdeß verschwunden und wird von der Polizei gesucht. Der Gerichtshot in Tel-Awiw hat bei einer Reihe Diebstählen schwere Strafen verhängt, um die überhandnehmenden kleinen Verbrechen in der Stadt einzudämmen. Wir berichteten in Nr. 71 vom 3. September über einen Wasserfund bei Ejn-Schemer. Hierzu wird uns von Kibbuz Ejn-Schemer folgendes geschrieben: Als wir vor 14 Jahren kamen, war das Land um uns sumpfig und nahezu wüst. Unsere Siedlung konnte sich nur Ein starker Wasserstrahl ergießt sich aus dem Hohr j 'r***&i i ־&•• schwer halten. Bis heute mußten wir unter schweren Krankheiten leiden. Aussichten auf Wasserfunde bestanden nicht. Bohrungen blieben «fme Erfolg. Wir hielten trotzdem den Platz. Wir wußten, daß unsere Entwicklung davon bestimmt würde, ob wir genügend Wasser finden könnten, doch unser Wille, an diesem Ort zu bleiben, wurde auch durch die rasche und günstigere Entwicklung anderer Orte nicht umgestoßen. Neue Hoffnungen tauchten auf, als vor Jahren an mehreren Stellen in Kerkur große Wassermengen erschlossen wurden. Kulturarbeit im Kibbuz In der Monatsschrift des Kibbuz Meuclijd, ״M i b b i f - n 1 m“, behandelt A. L i c b e n s t e i 11 die Frage der Kulturarbeit im Kibbuz. Nach seiner Ansicht darf man sich nicht damit begnügen, Programme auf/ustelien, sondern man muß die Lebcnsbedingungen im Kibbuz von Grund auf ändern, um wahre Kulturarbeit zu ermöglichen. An erster Stelle behandelt er die Frage des gemeinsamen Eßsaales, der auch als Aufcnthaltsrauiu dient. Gegenwärtig wirken die großen Eßsäle in den Kibbuzim einer Kulturarbeit entgegen, statt sie zu fördern. Die Eßsäle sind vielfach zu eng und bieten nicht genug Platz für alle Mitglieder des Kibbuz. Infolgedessen wird schichtweise gegessen und die Konsequenz davon ist Gedrängtheit, Eile, Unruhe und Lärm beim Essen. Die Aufgabe der gemeinsamen Mahlzeit wäre, eine wahre Begegnung zwischen den Chaluzim zu schaffen und so etwas wie ein gemeinsames Mahl einzurichten, wie es in sozialen una religiösen Bewegungen früherer Zeiten üblich war. Davon kann unter den heutigen Umständen in den von Nervosität erfüllten Eßräumen keine Rede sein. So kommt cs, daß oft in den Kibbuzim mit mehreren Hunderten von Mitgliedern die Angehörigen der jüngeren Schichten niemals mit den älteren Arbeitsgenossen ein Gespräch haben. Vielfach ist daher der Antrag gestellt worden, kleine Eßrünme zu schaffen oder aber den Schwerpunkt der Kulturarbeit von dem Eßratim in den Kulturraum zu verlegen, der in den Kibbuzim überall sofort zu errichten wäre. Eine Siedlung, weiche nicht bereit ist, einen Kulturraum zu bauen, katm nicht Anspruch daraut erheben, dal) in ihrem Leben eine kulturelle Atmo- Sphäre herrschen wird. So wenig finanzielle oder wirtschaftliche Gründe es rechtfertigen würden, auf den Bau eines Konferenz für Weltfrieden in Jerusalem? Jerusalem, 20. September. (JTA.) Die Jcrusalentter Gesellschaft für Weltfrieden hat eine Weltfrieden svkonteren z für April 1936 nach Jerusalem einberufen. Führende englische Politiker sowie der indische Dichter und Philosoph Rabindranath Ta göre haben bereits telegraphisch ihre Teilnahme an der Konferenz zugesagl. •Man erwartet_die Beteiligung auch anderer bekannter Vorkämpfer des Friedensgedankens. In ihrer Mitteilung über die geplante Konterenz gibt die Vereinigung für Weltfrieden gleichzeitig auch ihrer Trauer über das Ableben des palästinensischen Oberrabbiners Kuk Ausdruck, der einer der energischsten Friedensfreunde und Mitglied des Rates der Vereinigung war. Für die Errichtung eines Fricdenstcmpcls als Zentrum der Friedensbewegung hat die Jerusalemer Vercinigung bekanntlich auf dem Skopus-Bcrg in der Nähe der Hebräischen Universität ein Grundstück von 30 Dunam erworben. Demnächst soll mit der Herausgabe einer mehrsprachigen Zeitschrift unter dem Titel ״Haschalom" begonnen werden. _ Eine afrikanisch - palästi nensische Handelsgesellschaft Tel-Awiw, IS. September. (JTA.) In nächster Zeit findet die Registrierung der vor kurzem mit einem Grundkapital von 5000 Pfund unter dem Protektorat des palästinensischen IndustriiTlenverbamles gegründeten ,,(> e $ e 11 - s c h a 11 für den Handel / w i s c 11 et! Afrika und Erez Israel'* statt. Dem zwischen der Gesellschaft und dem Industriellenverbaiid geschlossenen Abkommen zufolge wird die Handelsgesellschaft keinerlei landwirtschaftliche oder industrielle Produkte, die in Lrez. Israel seihst hergestellt werden, einführen. Der Mut sank, nachdem weitere Bohrungen erfolglos blieben, obwohl einige bis in sehr große liefen vordrangen und viel Geld kosteten. Vor einem Jahr beschlossen wir, eine systematische hvdrologi'cli-geopliysik.'ili'.dH■ l iitersuchimg unserer Böden vornehmen zu lassen, mit der wir Dr. Lochnborg und Ing. Loewenstein beauftragten. Das Gutachten vcrspradi uns reiche Wasservorkommeii in so geringer Tiefe, wie niemand vermutete. Die Bohrung wurde angesetzt. Ein halbes Jahr harrten wir voll Spannung. Bei 40 m Bohrtiefe konstatierte der Bohrmeistcr Wasser/.ustrom. Tage der Spannung, bis die Pumpe kam, ■der Traktor. Bis die Räder liefen. Ein mächtiger Wasserstrahl ergießt sich jetzt aus dein Rohr, gräbt sich ein Bett. Ein Bach, ein silberner Strom. Unsere Hoffnung. Das Land, das früher nur extensiv bewirtschaftet werden konnte, wird bald grünen, Winter und Sommer. Der fange Bach, die Hoffnung der Siedlung Kinderhauses oder eines Lßraumes zu verzichten, so wenig dürfen sic als Grund für die Unterlassung eines solchen Baus angeführt werden. Das Kulturhaus ist <101־ Ort der Bibliothek und des Lesezimmers, der Musikpflege, des Radio, des Spiels und des ernsten Vortrags. Dazu kommt die Schaffung geeignet er Bedingungen für den einzelnen, die es ihm erinögliehen, in seinem Zelte oder seiner Baracke zu lesen und zu lernen. Ohne eine entsprechende Vorbereitung des ein- /einen wird auch ein Vortrag wirkungslos sein. Die Tatsache der Verschiedenheit der Sprachen und Kulturen der einzelnen erschwert es den Vortragenden ohnehin, einen fruchtbaren Boden für ihre Gedanken zu finden, denn es fehlt die soziale Maschinerie, die ein gemeinsames Erleben und damit ein Fortwirken des gehörten Wortes in der Seele des einzelnen schafft. Um so mehr Aufmerksamkeit muß den elementaren Bedingungen geschenkt werden, welch« «ine kulturelle Arbeit und Vertiefung ermöglichen. Dazu sind minimale Voraus• Setzungen notwendig: ein Tisch und ein Stuhl, eine ausreichende Beleuchtung, Beschränkung der Belegung eines Zimmers auf höchstens drei Menschen. Freilich werden auch diese Mininialfordenmgen in der ersten Zeit des Aufbaus einer neuen Siedlung nicht immer durchführbar sein. Andererseits müssen sich gerade junge Kibbuzim ihrer kulturellen Vorpflichtungen im besonderen Maße bewußt sein, denn bei ihnen konzentriert sich die Mehrzahl der neuen Einwanderer, die einer besonderen Berücksichtigung bedürfen. Alke Jacob-Locwenson hat in Safcd drei Vorträge über ״Jüdische Musik“ gehalten und im Hause von Dr. Ernst Grünbaum-Kirjatli Sarah in einem Hauskonzert Werke von Bach, Schönberg sowie jüdische Klaviermusik gespielt. Wasser in Ejn-Schemer Foto«*: Kibliui Fjn Scheinet I <A» I mm fl k ■■ gm seit 80 Jahren |V*| Ihr a ii r n q II g >m HanSaVieitel Im FnmHIenbeelte Max Giesen Turmstraße 42 Ecke Oldenburg•* StraBe 5

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