Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 77 (24.9.1935)
- Date
- 1935-09-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 77, 24, IX. 1935 Von jüdischer Kunst Gestalten und Symbole *-■ Mit immer neuem Staunen hüben wir, seitdem man vor einigen Julnv.c-hnten damit begann, sieh überhaupt um die künstlerische Betätigung der ,luden zu kümmern, den außerordentlichen Reichtum erkannt, der über sie ausgehrcitet ist, Dus Judentum ist auch hier iiu Lauf der Jahrtausende seine eigenen Weite gegangen, bin künstlerisches Schaffen im Sinne der anderen Völker und nach ihrem Muster konnte da nicht in Betracht kommen, wo eine religiöse Anschauung herrschte, die bildinäßigcs Gestalten grundsätzlich und streng nblehnte, und wo die gesamte Geisteswelt von diesem Knrdinnlpunkt her bestimm( wurde. Aber dafür entwickelte sich eine bildncrischc rhantasieseliöpfung anderer Art: jüdischer Besonderheit. Der allgemeine 'I rieh, Gedanken, Empfindungen, Träumereien, \ isionen der Einbildungskraft in sinnfälligen Gleichnissen zu spiegeln und dadurch noch tiefer in ihr Geheimnis einzudringen, ließ sich auf die Dauer nicht bändigen, da er im (!runde der Menst hennutur w urzelt, und schließlich zeigte cs sich, daß auch diese Kräfte dem jüdischen Lehen in .seiner eigentlichsten Bedeutung, der religiösen wie menseftlich-völkischen Verbundenheit erhebliche Dienste leisteten. Diese besondere jüdische Kunst strebte ihrem Ursprung und ihren Existenzmügliehkeiten nach nicht zu einer Enlfaltung losgelöster, mit eigenem Recht fußender Kunstgebilde, sondern zu einem Lehre, Brauch und Sitte ehrfürchtig umrahmenden Spiel, das Auge und Sinne erfreute, doch zugleich durehit•linkt war von dem geistigen Gehalt, der hier ruhte, NN ie das geschah, wie die Freude an künstlerischem Schmuck das ganze komplizierte System der jüdischen Gedankengänge in ihre Kreise zag, wird in dem soeben erschienenen Buch vor! Habel NN 1 s c 1! n i t / e 1־ - B e r 11 s tt i 11: ״S y m!> o 1 e u n d (, c s (alten d e r J ii d i s e h e 11 K u n s t“ (N'erlag Siegfried Scholem, llerlin-S< hüneberg), ausgezeichnet dargelegt. Kur wer seit Jahren mit dem ganzen Verlauf und Umlang jüdmehen Kunstsi liali'ens in allen seinen Verzweigungen vertraut ist, konnte diese erschöpfende •Studie vorlegen, die den gesamten Schatz der hier verwendeten Motive und, typisehen formen umlaßt, ordnet und deutet. Aber das NNerk ist keineswegs nur Zusammenstellung und Bestandaufnahme, wenngleich auch das allein 111 solcher Vollständigkeit schon hochwillkommen wäre — es gewinnt seinen NN’ert vor allem in der .selbständigen Forschung, aus der es hervorgegangen, in den Heuen Ergebnissen und Urteilen, die sich darin finden. Wir besitzen bisher keinen glücklicheren Versuch, ,,die verschütteten Inhalte der jüdischen Kunst aul/.udceken“, wie die N erhisserin ihre Aufgabe umreißt. Man hat. früher wenig oder gar nicht beachtet, was nun den Ausgangspunkt von Rubel NViselmitzers .Arbeit bildet: daß bestimmte biblische Bücher, und zwar -solche aus später Zeit, dem jüdischen Kunstschaffen Richtung und Bild- I>1\ •loacliini Prinz Mitmoch, den 25■ September 193$, 20.30 Uhr in tlor Synagoge, Karthauserrinj: 14 l'11M*re jiiriiMche Aufgabe ZIONISTISCHE OII TSt» It 1' I’I* E EIIECKT Inhalt gaben, daß aus dem Buch der Sprüche der Begriff der NVeisheit in die imchbihlische Literatur als körperhaftes NVesen einging, daß die irdische Liebe des Hohen Liedes als Liehe zu Gott umgedeutet wurde, die sich mit der Weisheit verband, um das Bild für die Lehre, die 'Hiora, hinzustellen, daß aus der jüdischen antiken Philosophie und dem mittelalterlichen jüdischen Schrifttum Ideen aufstiegen, die sieh in sinnlällige Gestaltung umsetzten. NVas die Kulturen der Umwelt au Handhaben dazu boten, wurde wohl auigenommen und benutzt, ihre Verwendung von Tieren, Pflanzen, allegorischen Personifikationen, aber es wurde vom jüdischen Standpunkt aus umgeschmolz.cn und überdies erweitert durch ein ganzes Arsenal von Sinnbildern und Ideogrammen, die ganz und gar als jüdische Erzeugnisse zu bezeichnen sind. Mit gründlichstem Wissen geht Rahel NVischnitzer der Bedeutung dieser in Scharen andrängenden Motive, die von der lebhaftesten, bewegtesten Phantasie Kunde geben, im ein-?.einen nach. Die Zierstücke, dekorativen Gestaltungen, ornamcntalen Bildungen gruppieren sieh, die in ihrer Gesamtheit den Gedankenkreisen der jüdischen Liturgie folgen, indem sie sich auf die göttliche Offenbarung, auf Königtum und Priestertum, auf die Lehre selbst, auf Feste und Feiertag, auf Zeit und NN'eit und messianisehe Zukunftshoffnungen beziehen. Die Miniaturen, die schildern, wie Moses auf dem Sinai das Gesetz empfängt, werden in den Abwandlungen ihres motivischen Gehalts verfolgt. Es wird auseinandergesetzt, wie von dem heiligen Berg 11er der Oelbaum, der Leuchter, die Stiftslade als tiefsinnige Symbole mannigfacher Schattierung ihren weiten Gang durch die Illustrationen, die Kultgeräte, den Synagogenschmuck antreten, wie sich der Thora-Sehrein hin/.ugesellt, und in welchen Beziehungen die oft begegnenden Bilddurstellungen der Opferung Isaaks als des zentralen Glaubensdogmas dazu stehen. Von König Salomo gelangen die Kronen auf Thora-Mäntel und -Schilder, stammt die weisende Hand des ״Jad“, treten die Tiere und Gestirne, die mit dem zauberkundigen Herrscher in Verbindüng stehen, als unendlich oft variierte Sinnbilder in den Kreis der jüdischen Schmuckwelt. Die Weisheit und die Thora selbst erscheinen als Frauengestalten. Aus der •Stelle <Ies Hohen Liedes: ״Seine Wangen sind gleich Türmen von NVohlgeriichen“ erwächst die beliebte Turmform der Besomimbuchse. Daß die jüdische Kunst auch figürlichen Gestaltungen keineswegs abgeneigt war, hat erst vor zwei Jahren die Entdeekung der großartigen Synagogenmalereien von Dura Europos bewiesen (245 n. Chr.). Das alles ist ungefüllt mit gedanklichem Gehalt von wunderbarem Reichtum. Rahel NVischnitzer bleibt keine Erklärung schuldig. Ihre klaren Deutungen und Entwirrungen verwickelter Zusammenhänge sprechen mit ungemein anregender Kraft zu dem Leser, der für so einleuchtende Belehrungen aufrichtig dankhar ist. Ihr Buch, fortan für jeden ein unentbehrliches llilfsmittel, wird Unzähligen den Weg zum Verständnis jüdischen Kunstschaffens erschließen. Max Osborn Memoiren Guido Adlers Ouido Adler, einer der ältesten Musikhistoriker, im heutigen Oesterreich hochgeachtet, hat zu .seinem SO. Oeburtstag (20. August 1935) seine Erinnerungen — ״Wollen und NVirken‘־ (Universaledition) —• herausgegeben. Es ist ein wundervolles Buch geworden, ergreifend aus menschlichen, interessant aus historischen Gründen. Sprechen wir zunächst von der Persönlichkeit: welch ein würdiger, gütiger, geistvoller Greis tritt uns entgegen. Das Schönste, was man von einem sagen kann, ist, daß er all das, was Wertvolles in ihm war, mit Arbeit, Ernst, unbestechlicher Wahrheitsliebe sich selbst gegenüber aus sich herausgeholt hat. Und gerade das drängt sich einem bei Adler auf. Er ist darin groß und vorbildlich, daß er von sich verlangt hat, was möglich war. Das ganze Buch ist mit einer Bescheidenheit — dabei mit einem stolzen Wissen um sich — geschrieben wie Lebenserinnerungen von Heroen. Dieser knappe, uneitle, sachliehe Stil, der alle Werke Adlers auszcichnet, ist hier besonders charakteristisch für den Menschen, der frei von jeder ״Originalität“ ist, unauffällig wie jeder Könner. Er ist gewiß kein Himmelstiirmer, kein Fanatiker um der Idee willen, — kein Historiker, der zugleich und zutiefst Kunst-!er und Wissenschaftler ist wie Burckhardt, Oundolf, Wölfllin. von Musikhistorikern vielleicht auch Ernst Kurth. Er ist nie extrem, — er ist und handelt abgewogen, und sicher ist er ein ausgezeichneter Musiker, aber ein größerer Philolöge, der Unschätzbares geleistet hat und noch leistet. Damit kommen wir z-u seinem Wirken. Es war zu erwarten, daß Erinnerungen eines Mannes wie Adler, der in Wien dasselbe auf wissenschaftlichem Gebiet bedeutete wie Mahler auf künstlerischem, Haupt der Wiener Schule, uns viel Unbekanntes und NVertvolles tnittcileti würden. Wie interessant sind die Schilderungen der Anfänge der modernen Musikwissenschaft, die Schwierigkeiten, die Probleme. Dabei entsteht eine bunte kulturhistorische Skizze des Oesterreichs der Vorkriegs- und Nachkriegszeit. Bedeutende Musiker wie Wagner, Bruckner, Brahms u. a. ziehen an uns vorüber. Adler spricht von seinen Arbeiten, von seiner Entwicklung. Es entsteht das prachtvolle Bild des Gelehrten, der der Initiator der stilkritisclien Methode gewesen ist und — von vielem anderen Wesentlichen ganz zu schwcigen — Veriasser des Buches ״Methode der Musikgeschichte“, Herausgeber des Handbuchs der Musikgeschichte (des besten musikwissenschaftlichen Kompendiums) und vor allem der Denkmäler der Tonkunst in Oesterreich, von dcnyti er soeben den 78. und 79. Band uns vorgelegt hat. Dr. Hans Nathan Formt die jüdische Schule das jüdische Haus? Von Babette NVolff, Berlin Die Situation der Kinder, die im letzten Jahr durch Umnicldung in die jüdischen Schulen gekommen sind, darf ohne Ucbertreibung mit ״sehr gut“ bezeichnet werden. Ich habe Gelegenheit, sehr viele dieser Kinder täglich zu sprechen und bei ihren ungezwungenen Unterhaltungen zu hören und zu beobachten. Sie sind mit großen Erwartungen in die jüdische Schule gegangen und sind nicht enttäuscht worden. Insofern höchstens, als sie mitunter glaubten (mitunter leider durch Analogieschluß zum sogenannten ״Religionsunterricht“)! daß die jüdische Schule in punkto Zucht und straffer Arbeit ein Dorado für Zuchtlose und Phlegmatiker darstelle. Hier sind Kinder und Eltern sehr schnell eines Besseren belehrt worden: Allgemein anerkannt wird die Disziplin und das Arbeitsethos in unseren jüdischen Schulen. Unsere Jungen und Mädchen zeichnen sich durch feinen Sinn für Gerechtigkeit aus. Ar! den jüdischen Lehrer stellen sie bewußt oder unbewußt große Anforderungen: Er soll ihnen Ratgeber, Helfer, Freund, Führer, Vorbild sein! Und wir können dem Schicksal danken: Es muß wohl in unserer jüdischen Lehrerschaft eine ganze Reihe von Jugendbildnern geben, die diesen Forderungen unserer Jugendlichen entsprechen. Ohne ein allgemeines Werturteil fällen zu wollen! scheinen dieser Jugend in ihrer ganz besonderen Situation die Lehrer am nächsten zu stehen, die aus der Jugendbewegung hervorgegangen sind. Das wird erklärlich, wenn man bedenkt, daß das zentrale Problem unserer Jugend (auch der Schuljugend schon!) heißt: Wie gestalte ich mein Leben als Jude? Dies aber ist auch das zentrale Problem der hündischen jüdischen Jugend, gleich welcher Richtung. Feiern, Aussprachen und sonstige über den Unterricht hinausragende Veranstaltungen (Klassen-Elternabende, Aufführungen, Sportfeste u. a. m.) zeigen heute schon formende Kraft. Der Eindruck, den solche Feierstunden in jüdischen Schulen auf die Elternschaft machen, ist nachhaltiger als je. Die Männer und Frauen, mit denen ich in den Parkanlagen des Berliner Nordens kleine und große Sorgen ihrer kleinen und großen Kinder durchspreche, gestehen es freimütig: sie leben alle nur noch ein Leben für ihre Kinder, sie identifizieren sich fast mit ihnen. Was die jüdische Schule ihnen gibt an Halt, an Ermunterung, an Liebe: Das wird ihnen selbst geschenkt! Hier liegt eine der großen Chancen und Verpflichtungen der jüdischen Schule von heute; sie ist nicht nur Kinderlehrhaus, sondern muß zugleich der kulturelle Mittelpunkt sein für eine Elternschaft, die danach verlangt.!*Heran Rn. 98• Mit der A m e x c 0 nach dem sonnigen 8 Tage, Berlin -Berlin alles inklusive Auskunfi sowh־ luisführltchcr Prospekt Reisetro der American Express Company m.ö. Merlin Ul 8 Unter den Linden 3 Tel. A 2 Flora 6981 |jn[1111111i1m!:m1!111m1m1m!1i[n1111!!!m1!i1111111111111m1u1111Mm11m11111uu1u11um11mM1u1111111mn1111M1MM111111n111m | Wohn~ ן Geschäftshäuser | Fabriken Julius QtOr am tSO° - Flora arÄ״ ' rnw$■ gerlt״‘־»י»,״ ״ Villen | Hypotheken | Vermietungen § Zu «len Feiertagen empfehlen wir Backpulver 5 Pak. 0,*5 Weizenmehl Type 790 ... Pfd. 0,20 Sultaninen . . . Pfd. 0,S« Gr. Doie Buchten■ milch.0,37 Kokosraapel . . Pfd. 0,74 Mandeln.Pfd. 0,8« Zitronat.Pfd. 0,95 *933 er Oppenheimer Saar . Flasche 1,1• *933 er Königzbacher Rotwein ,/i Flasche *,OS Inael Samo• . 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Frauenbund•, Qrunewald, ICOnigtallM 11a * Dienstag 4-6 Uhr, rreitag 113^-1 Uhr Telefon: J7 Hochmeister 3746 Von der Reise zurück Dr. Ulaller firossmann Qartenstr. 1 Klinik Nollendorf Drmed.meyer-BPOüimz von der Reue zurück Sprechstunden: 9—11, 5—7 Lfitzowplatz, Wichmannstr. 28 Frauenarzt Dr. Ernst Grafenberg Von der Reise zurück £camajo- (Kaffae j Coffeinfrei j Tee I Kakao direkter Bein, von CamAtH) ־ Kallee-GroBrosterei * Carl Max Josephs V Bremen 1 K Veriret«r wurden noch eingestellt ALXJAH Amtl. Informations-Broschüre des Palästina-Amtes Berlin ist vergriffen Inzwischen geben wir ein kurzes Merk־ blatt mit den bestimmungen Ober die Einwanderung, Kapitalausfuhr undTourlstenreisen nach Palästina heraus. Zu beziehen durch die Verlags- Abteilung des Palästina-Amts Berlin geg. Voreinsendung von 35 Rpf einschl. 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