Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 76 (20.9.1935)
- Date
- 1935-09-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 76, 20. IX. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seitens Moritz Heimann Zu seinem 10. Todestage (22. September 1935) Von Emanuel bin Oorioo Wenn man aus der jüdischen Dichtung deutscher Zunge nur die drei Namen zu nennen hätte, die jeweils einen Gipfel in ihrer Zeit bezeichnen, so müßte die Antwort lauten: Moses Ephraim Kuh im achtzehnten, Heine im neunzehnten, im zwanzigsten Jahrhundert Moritz Heiman n. Diese Entscheidung wird noch gültiger erscheinen, wenn man in Betracht zieht, daß die Fast zweihundert Jahre, die zwischen der Geburt Kulis und dem Tode Heimanns begeh, eine abgeschlossene Literaturepoche darstellen, deren Voraus- Setzungen und Kämpfe, Leiden, Erfolge und Wirkungen ihre Grenze und Erfüllung erreicht haben und nicht mehr wiederkehren. Inwieweit ein jüdischer Dichter in deutscher Sprache heute noch denkbar ooer berechtigt sei — darüber Betrachtungen anziistellen, ist müßig. Aber die Dichter, die gelebt haben und die wir als Meister erkennen: ihr Werk, das einmal weiterreichend gedacht war, innerhalb der Juden des deutschen Sprachraums zu pflegen, bleibt eine Autgabe, die ehrenvoll und bereichernd ist. Von dieser Stellung aus gereicht es zur Genugtuung zu wissen, daß einer der großen und weg- Koto: jadiwhw t.«*»1t0B weisenden Geister sozusagen vor unseren Augen seine irdische Bahn durchlaufen hat und der Nachruhm, der ihn jetzt erst anfängt zu uiiileuchten, ihn damit recht eigentlich zu unserem Zeitgenossen macht. Seine Kindheit und erste Jugend brachte Heimann aut dem Lande zu, nach seinen eigenen Worten: ״in der Mark, wo sie am märkischsten ist, das heißt zwischen Sand, See und Kiefern.“ Es ist das Dorf Kagel unweit Strausberg, und das großväterliche Haus an der Kirche, gelb getüncht una mit grünen Fensterläden, wurde in späteren Jahren, als es Heimanns Ruhesitz geworden war, zu einem Reiseziel und einer gern au [gesuchten Stätte für so manchen Meister und Jünger der Kunst. Vom Dorfe handelt auch vieles in seinen Werken: so schon die unmittelbaren Schilderungen des Landes und der Landschaft in den ״Prosaischen Schriften“ und die Erörterung־ der Probleme Technik und Natur daselbst, dann seine wichtigsten Novellen wie ״l)r. Wislizerius“, ״Die Tobias-Vase“ und ״Wintergespinst“. Sein Verhältnis zur Natur hatte nichts von dem ״Eerietiverhältnis“, als welches er die geläufige Stellung des Großstädters zu Baum und Strauch getadelt hat; ihm, der ein Dichter und in geistigen Dingen Lebender war, war sic dennoch auch Alltag und Prosa, und er wußte um den Landmann und die Erde, ihre Kargheit und Grausamkeit, Not und Pein, wiewohl er seihst den Pflug nicht führte. Er erkennt den Charakter des Jahres nicht allein aus dem Wechsel der Frücht, sondern auch aus dem des Unkrauts, und so gibt es für ihn ״blaue Jahre und rote und gelbe Jahre“. Die Notwendigkeit des Regens nicht nur für den dürren Boden bestätigt ihm die Beobachtung, die er im Namen eines Bauern mitteilt: ״Regen braucht sogar noch das Schilf im See.“ Neben dem ländlichen Jahr ist es das geistliche Jahr, dessen Merkzeichen er ebaifalls in der Natur findet, aber nicht mehr aut Feld und Wiese, sondern am Himmel, am gestirnten nächtlichen Himmel: ״Es gehört zu meinen tmzerstörbaren Erinnerungen, daß das Schabbatcnde und also das Lichtanziinden nach der Sichtbarkeit der ersten Sterne bestimmt wurde, daß der Neumond nicht ohne (iebetsaus- Zeichnung blieb; vor allem aber, daß über den großen Fest- Zeiten des Jahres immer derselbe Mond, da sie seinem Wandel untertan waren, bestätigend leuchtete: immer über dem Abend des Versöhnungstages die schon ins zweite Viertel hinüberschwellende, immer über dem Passah-Abend die volle Scheibe.. Der Dichter Heimann — und man muß seine Aufsätze und Aphorismen dem bleibenden Gute seiner Dichtung zuzählen —, er ist als solcher noch weniger bekannt geworden, als der im tätigen Leben stehende Mann, der wohl alle Schriftsteller seiner Zeit gekannt, die wesentlichsten gefördert, sehr wesentliche entdeckt hat. Aber die Literatur ist wichtiger als die Literaturgeschichte; die literarhistorische Rolle Heimanns, so bedeutsam und denkwürdig sie den Zeitgenossen noch erscheinen mag — jetzt, wo er nicht mehr am!.eben ist, tritt das Werk in den Vordergrund und innerhalb dieses Werkes alles, was sich ablösen läßt von der Zeit, in der es entstanden ist. Zwar ist kein Wort von dem, was er für den Tag geschrieben, mit dem Tag vergangen. Wer die ״Prosaischen Schriften“ zur Hand nimmt, wird wohl unter jeder Ueberschrift, wenn nicht den Kern, so doch Flocken des Hcimannschen Zentralgedankcns finden. Er hat unter der Republik seine Aufsätze ans der Kaiserzeit unretuschiert veröffentlicht und dazu gesagt: ״Das aus einer bestimmten Lage gewonnene Apercu braucht mit ihr selbst nicht hinfällig zu werden“, «der, noch stolzer und ohne jede Spur einer Rechtfertigung: ״Richtig zu prophezeien und die Wahrheit zu sagen, scheint mir nicht ein und dasselbe Ding.“ Auch zu Fragen, die das Judentum betreffen, sei es solchen des Lebens oder solchen der Kunst, lassen sich aus gelcgcntlichen Beiträgen, die er verfaßt hat, Meinungen und Bekenntnisse herauslösen, die für die Erziehung der neuen Generation fruchtbar gemacht werden können. Vorbildlich un« dabei so einmalig, wie eben das Vorbild ist, war seine eigene Stellung zu diesen Dingen und seine• Haltung dem Leben'und der Umwelt gegenüber. In der europäischen Kultur wurzelnd, wußte er um die noch tieferen Vur/cm eben dieser Kultur. Was bei der großen Menge derer, die mit ihm eines Schicksals waren, die verwundbare Stelle des Orgatiismus gewesen ist, wurde ihm eine Quelle der Stärke: denn das Jude-Sein bedeutete ihm eine Teilnahme an der Geschichte des Stammes, an seinen Lasten und Leiden, und eine Verpflichtung, die Urkunden zu kennen, den Ur- Sprüngen nacimigelieii. So erscheint uns sein Wesen frei von Bruch, sein Selbstgefühl natürlich, das Bewußtsein sicher und ohne eine Spur von Dünkelhaftigkeit. Er durfte über Tao utKl die Evangelien sprechen, über Goethe, Bach und Tolstoi — und niemals überkam den Leser eine unwillige Empfindung, als ob etwa «in Unberufener den Schleier zu heben versuche. Aus dem dichterischen Werk Heimanns haben heute die Gestaltungen jüdischer Stoffe besondere Bedeutung gewonnen, vor allem das Drama ,,Das Weib des Akiba“, das letzte noch von ihm veröffentlichte Buch (der ״Jüdische Kulturbund“ hat für dieser« Winter die Uraufführung angekündigt). Es ist eine Dramatisierung der Biographie des berühmten Talmudweisen, dessen Lebensbeschreibung in der alten Legende in zwei zunächst unvereinbar scheinende Bestandteile auseinanderfällt: die Selbstaufopferung der Tochter des reichen Mannes für den Knecht, der danach Rabbi wird, und das Martyrium des Meisters der mündlichen Lehre, der im letzten, unglücklichen Aufstand der Juden gegen die Römer für seinen Glauben stirbt. 111 dein Drama dient nun die erste Fabel als Rahmen für die gesamte Vita; die Ueberlicterung läßt Akiba nach vierunzwanzigjähriger Studienzeit zu seinem Weibe zurückkehren und das Harren der duldenden Frau belohnen, bei Heimann erfolgt diese letzte Wiederkehr itn Tode: der sterbende Akiba wird in das Haus seiner Ehegefährtin getragen, die ihn nun erst nach den langen Jahren der Einsamkeit wiedersieht, in der primitiven Volkserzählung unterbricht Akfba nach dem zwölften Jahre des Studiums die Lehrzeit, um nach der Verlassenen zu sehen, und belauscht, noch bevor sie einander von Angesicht gegenüberstehen, ein Gespräch der Frau mit einem sic verhöhnenden Nachbarn, woraus ihre unentwegte Entschlossenheit: und der unerschütterliche Glaube an die Sendung des Mannes zu erkennen sind — und Akiba kehrt abermals ins Lehrhaus zurück, ohne sich gezeigt zu haben. Diese Stelle, an sich ein Höhepunkt der A :1, wird von Heimann gesteigert, indem er ein wirkliches Zusammentreffen für das schattenhafte setzt: Akiba, der in den Jahren sehr Veränderte, besucht, ein namenloser Wanderer, die Hütte der wie eine Witwe Lebenden, Trost begehrend und von der heldenmütigen Frau abermals auf den unerbittlichen Weg der Lehre gewiesen —- beide aber bezwingen sich and sprechen es nicht aus, daß sie einander kennen und erkannt haben. — Heimann hat auch zwei kürzere talmudische Geschichten als Vorwurf zu Gedichten benutzt: die in wschüttete heidnische Untergründe tauchende Parabel von Rabbi Pinchas ben Jair, der, obwohl er sich in göttlicher Mission glaubt, von dem Strom, den er spalten will, zurechtgewiesen wird — in Heimanns Keimen ein unvergeßbares Exempcl und eine Zierde für ein jüdisches Lesebuch —. und die Legende vor! der Bekehrung des Räubers Simon ben kalasch durch Rabbi Jochanan — nun im Romanzenton, aber ohne Sentimentalität neu gesungen und zugleich geschmückt mit den Traumfarben jener Landschaft, deren Bilder ihn erfüllten und von der nie betretenen Erde Zeugnis a bl egen ließen: Wenn die Winterreifen rauschten Lieber die Gebirge Judas — Wenn die Frühlingsbliiteninhrunst Anemonenüberschwenglich Alle Hänge, alle Täler Hochzeitlich ins Schäumen trieb: Lag im Sonncnprall der Löwe, Löwe Judas auf der Leute . . . Wenn einmal Heimanns Gesa nitwerk in einer großen, vollständigen Ausgabe vereinigt sein wird, werden vor allem seine Gedichte, jetzt noch geradezu apokryph, als eine Säule dieses seines späten Ruhmes erscheinen. Zu den gezählten epischen kommen noch einige zwanzig lyrische Gedichte — gut die Hälfte davon aus seiner langen Leidenszeit, Verwirklichungen eines seiner grandiosen Leitsätze, daß nämlieh ״der Tod der Bali zu unserer Melodie“ ist. Außerdem lassen sich noch eine Reihe zerstreuter Strophen zusammentragen, Sprüche und Aussprüche, Scherz und Ernst in der unverwechselbaren Prägung seiner Verszeilen, Widmung»• blätler, Huldigungen: glänzende Splitter des einen Diamanten, wie einer von der echten Lyrik ansgesagt hat. Seinen Versen eignet die Klarheit und Strenge des Klassischen, jedes Stück ist zugleich ganz persönliches Dokument dessen, dem ein Gott ein unendliches Maß von Leiden gegeben hat und die Kraft, es im Gedicht zu bezwingen: Der höchsten Sonne (rluienschein Will nicht in Nacht verloren sein. H ie er nach Nord und Osten loht. Wird Abendrot zu Morgenrot. Und wer durch Tehhr wandernd wacht, Den warnt die helle Mitternacht, Den tröstet dort ein schwerer Schein: f Pas gestern war, mini morgen sein. Michael Taube Michael Taube verlaßt uns für dauernd, um nach Palästina zu gehen. Einige persönliche Worte mögen seine Abreise begleiten. Taube War immer ein Vorbild an Konzentration. Dazu kommt eine Leidenschaftlichkeit des Sichselbstvergcssens um der Musik willen, ein Ernstnehmen der Aufgabe, die ganz seine Charakteristika sind. Das Technische in der Musik hat er von je für selbstverständlich erachtet — und verachtet, wenn es allzu stark im Vordergrund stand; er hat immer nur das Erfassen des Werkes, das Erhorchen seines Atems, das Verstehen seines Stils als wesentlich hingestellt. Seine Musiker waren seine Freunde, seine Getreuen, die ihn nicht nur aus Gesten, sondern auch aus Andeutungen und Umschreibungen verstehen wollten und konnten. Taubes Wirken wurde von Berliner Kritikern immer wieder gutgehei Heu und gelobt, seine anregenden, originellen Programme, seine stilreinen Aufführungen (bei denen er ganz hinter den Werken verschwand) den prominentesten Dirigenten vorgehalten. Nicht zu vergessen, welch ausgezeichneter Klavier- Spieler Taube ist und welch herrliche Stunden wir alle erlebten, wenn er sich bei Schubert- und Hugo-Wolf-Liedern mit Hermann Schey vereinte. Taube wird in Palästina fruchtbarste Arbeit leisten können; er ist der Mensch, der am liebsten etwas von Grund aufbauen will, weil ihn Mühe nur anspornen kann. Die Worte, die Andreas Weißgerber kürzlich im Gespräch sagte, mögen als Analyse und zugleich Prognose, begleitet von den Glückwünschen aller Freunde, hier zum Schluß stehen : ,,Taube ist für Palästina besonders geeignet, weil er aus Osteuropa kommt, durch westliche Kultur gegangen und in jeder Aeußeriiiig Jude geblieben ist.“ Hans Nathan £7öer^Xc. Aus dem Hebräischen von Dr. Max Mayer, Jerusalem 6. Fortnetiung Nachdruck verboten Schließlich fanden sie sich ab und meinten: ״Er ist ein störrischer Alter.“ ״Ein Praktikus.“ ״Dachtet ihr, so einer wie ihr?“ ״Er kann Luftschlösser nicht leiden.“ Der alte Kapitalist, übertrug seine Art auf die Leute seiner Umgebung und auf sein ganzes Haus. A w i wi, der Jugendfreund Almers, lernte sehr rasch seine Stimme senken, lernte den trockenen, präzisen Stil, bis er die rechte Hand des alten Nasson wurde. Er eignete sich rasch die praktischen Gewohnheiten des Kapitals an und bckam Uebung, sich in jener Höflichkeit zu bewegen, die die Gleichgültigkeit gegenüber allem zu verdecken sucht, was außerhalb der Zwecke des Kapitals liegt. Awivvi drang, ohne um Erlaubnis zu bitten, in die verschlossene Welt des Alten ein und erkannte, daß dort eine wirkliche praktische Begabung verliorgen war, aber auch ein eigensinniger Durst nach Befriedigung eines Ehrgeizes, der in der Herkunft aus einem entlegenen, unbekannten Stadteben verwurzelt war. Da \wiwi stets höflich, devot und dienstbereit war, öffnete er sich seinen Weg zum alten Nasson. Awiwi pflegte mit Nasson Beisen zu machen, um Böden zu inspizieren, Traktoren bei Rodungsarbeilen zu beobachten, die Wirlscliaflsbauten und die Arbeit an dem stattlichen Gutshaus zu verfolgen, das außerhalb Teuras auf einer der schönen, nach dem Oedland hin gewandten Hügel errichtet wurde. Denn gleich bei seiner .Ankunft begann Nasson mit einer Wirksamkeit von außerordentlichem Maßstab. Er wußte, daß Geld alles vermag, daß Geld selbst hier eine Wohnstätte so zu verschönern vermag, daß sie auch nach dem Urteil Lisas, seiner einzigen Tochter, einem Schlosse ähnelt. ■Auf den kahlen J'Vlsboden lassen sich große Bäume, Blunienslräueher und ,Alleen verpflanzen, die den) Hause schnell Schallen spenden, und ihm den .Anblick eines angenehmen und Gemütlichen Heimes verleihen. Wer keimte es ihm!erwehren, die stattliehen Säulen des Hauses mit Zierpflanzen zu umwinden, die die Oedlandsonne noch nie gesehen halx'11? Nasson erweckte durch seine Unternehmungen große Bewegiing ringsum. Die Leute, die seine Talen verfolgten, erzählten: ״Nasson konzentriert in seinen Händen einige zehntausend Dunam Boden.“ ״Er bringt Traktoren, «irn die Erde zu pflügen, und Bohrmaschinell, uni Brunnen 211 bohren. Er ist dabei, zehntaiisende Dunam Pardcli zu |>flanze11.“ ״Er beabsichtigt, modern eingerichtete Backhäuser zu errichten.“ ״Er bemüht sich, neue Märkte zu eröffnen.“ Solches und anderes erzählte man über ihn. Die Zuvorsicht, mit der Nasson sein« Unternehmungen im Oedland hegönnen halle, veranlaßle auch andere Kapitalisten, Konkurrenzunternelinningen zu errichten, und zu glnulien, daß es wirklich im Oedland Quollen des Segens und der Fülle gehe, die andere entdeckt haben, während sie ihren Augen unsichtbar geblieben waren. Ob nun die Leute in ihren Erzählungen ein wenig übertrieben oder nicht, der Name Nasson verbreitete sich weit und gelangte auch in die isolierten Höfe d! r großen Grundbesitzer des Oedlands, und auch zu einem der mächtigsten unter ihnen — N a I f. Mil dem Beginn der Bewegung an den Bändern des Oedlands war auch über diese verschlossenen, im Herzen des Oedlands einsam zwischen vereinzelten Palmen und inmitten von Melonenfeldern liegenden Höfe ein neuer Geist gekommen. Im Schatten einer Terebifillie saß Naif in lässiger Haltung in seinem Hofe und ließ die groß!' Bernsteinkette zwischen seinen Fingern gleiten, indem er gleichgültig seinen Frcunden, die um ihn saßen, di« Worte zuwarf: ״Eine neue Zeit ist ins Oedland gekommen.“ Er hatte zwar schon längst Iwmierkt, daß die Mauern seines Hofes da und dort baufällig waren und Moos angesetzt hatten; dort halte die Mauer einen Biß und hier war ein Stein herausgefallen, aber er saß weiter im Kreise seiner Freunde im Schatten der Terebinthe. Erst die neue 7■ I! und die lielterhafle Bewegim״, die sich allmählich ins Oedlnnd liinabz׳:״. unterbrach den wunder- Samen Tranm/usfand in seinen: liefe. Wie durch einen Neliol- Schleier wurde cs ihm immer klarer, daß sein großes \ ätererbe •־irin und öde sei. Fs schien ihm angeMchts der vielen Breschen in der llofmauer, als ob 11:1׳ Pracht der Oedrns, in der er aufgezogen und qr״ßu׳eworden war, zusehends ahbröckle. Solange die Mauer des Hofes hoch und geschlossen inmillcn der Felder (Instand, war «las eine kleine, eigensinnig(? Welt für sich, slolz und stark wie ein scharfes Schwert. Aber als die Mauer Misse bekam, Im'te plötzlich in den llof jene große bewegte Welt der Bedürfnisse, Begierden und vor feinorten Triebe. Die feste Burg schien plötzlich in den Augen ihres Herrn baufällig und dem Einsturz nahe. Na'if machte sich eines Tages auf und ging ins ״llaus Nasson'־ hinauf. Mit müdem Blick und gleichgültig ging er an den Bauskelrlten vorüber, die rings um Teura errichtet waren, an den Menschen, die schwer atmeten und auf dem felsigen Boden des Berges schwilzlen, an all der Geschäftigkeit der Allen und Jungen, die sich mit sonderbarer Begeisterung an den Felsen frslklannnerlcn, und auf seinen Lippen schwebte das Lächeln lei eilten Spottes über die \ orblendung der Menschen. Als er zu Nasson gebracht wurde und die runzlige Gesichtsliaiit und den harten und vorsichtigen Blick dos Knpitalisten sab, erinnerte sich Naif seiner Burg, und es packte ihn das Gefühl, aufzuslehcn und wieder zurückzugehen, woher er gekommen war, zur unbeschränkten Herrschaft itn Hof des Oedlands. F.r überwand jedoch seinen Stolz und setzte sich in den ihm dargcbotcrim Stuhl, denn iin Schweigen des Zintniers, in den auf dem Tisch gehäuften Aktenstücken, lag irgend etwas Ruhiges, Standhaftes und 1 ,nwiderstehlirhes. ״Ich will die große Ebene zu Füßen der Berge in eure Hand legen, Herr Nasson“, begann Naif, ,,es ist eine große Fläche mit vielen AS assenpiollt'ti.“ ״Wir überlegen es uns noch. ob wir zum Oedlandsbodcn liinnbgehen sollen“, wog Nasson seine. Worte vorsichtig ab, ״sicherlich prüfen wir auch die Krage dieser Fläche, die Sie uns Vorschlägen, ob wir sie brauchen oder niclii.“ ״Oh ihr diese Fläche brauchl?“, sprang Naif von seinem Platz(! und schüttelte den Kopf. ״Ihr seid wirklich merkwürdige LeuteI Euer Gold schüttet ihr über den Felsen aus, so daß ein Kind eure Taten belacht, und in bezug auf den t t f