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Jüdische Rundschau · 1935-09-06 · Heft 72 (6.9.1935) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 72 (6.9.1935)
Date
1935-09-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 JÖDISCHE RUNDSCHAU Nr. 72, 6. IX. 1935 Der Genfer Nationalitäten - Kongreß Am Montag und Dienstag fand in Genf der XI. europ ä i s c h e Nationalität en-Kongreß in Anwesenheit von etwa 40 [)elegierten statt. Der Kongreß wurde durch eint■ Ansprache des Präsidenten, ehemaligen slowenischen Abgeord• neten im italienischen Parlament. Dr. W i I f a n, eröffnet. Dr. Wilfan ging in seiner Ansprache auf die Themen des gegenwärtigen Kongresses ein: die Lage der Nationalitäten im autoritären Staat, das Recht auf freie Bestimmung der Ortsnamen, die Lage der Minderheiten in der Gegenwart sowie die Aktivierung der Tätigkeit des Haager Gerichtshofes für die Regelung der Nationalitätenfragen, Dr. Wilfan berührte auch die —schon seit 2 Jahren bestehende Tatsache, daß die Vertreter der jüdischen Minderheiten dem Kongreß fernbleiben. Tr erklärte, daß Verhandlungen mit den Vertretern der jüdischen Gruppen über ihre eventuelle Rückkehr /um Nationaiitateiikongreß geführt werden und noch nicht ahgeschlossen werden konnten. Seitens des Kongresses, sagte Dr. Wilfan, bestelle kein Hindernis für eine befriedigende Lösung dieser Frage. Die jüdischen Gruppen müßten sich an den Koiigreßgrundsatz halfen, demzufolge die Behandlung der besonderen läge der Gruppen in den einzelnen Laudern bei den Debatten des Kongresses unzulässig sei.!)er Kongreß nahm drei F n t s c 11 I i e 15 ti 11 g e n an, die sich auf d i e L a g e d e r N a t i o n a I i t ä t e 11 i in a u 1 oritären Staat, auf das Recht zum freien Gebrauch von Ortsna m e n i n d e r M u t t e r s p r a c 11 e und auf den Schutz der V o I k s 111 in s r e c h t e d ti r c 11 d e n V ö I k e rbund beziehen. Zu dem Punkt ״N a ז i o!1 a! i t;1 len i in autoritären Staat'* erklärt die Fntselilicßung, daß die europäische Natioiialitatenbewegung eine selbständige mul anabhängige, geistige und •üttlichc Bewegung darstelle, die sich mit keinem politischen Regime identifizieren kost:, noch mit ihm identifiziert werden dürfe. Der Kongreß erklärt sich bereit, zwecks einer befriedigenden um! gerechten Lösung der Minderheitenfrage mit alien politischen Regimen, soweit eieren grumls.it/lKlie Liiistdhing zum N’ationalitntciiprobkm es ermögliche, in positiver Weise zusammenzuarbeiten. Lr erhebt auch gegenüber bestehenden autoritären StaM-tuhrungen die Forderung, daß sie die I iitwickluiigsfrciheit der andersnatiortalen Volks:; nippen anerkennen und ihnen in den öffentliehen Körperschaften politischen, kulturellen und Wirtschaftliehen (lliarakters eine nicln nur ihrer zahlenmäßigen Stärke, sondern auch ihren völkischen rigenarten entsprechende Vertretung gesetzlich gewährleisten. I he FntscliHeßuiig ober das Verhältnis zu m V ö I - k e r b 1! n d lautet: ״Die in Genf zum 11. Male versammelten Vertreter der europäischen Nationalitäten stellen fest, daß die Unterdrückung der nationalen Minderheiten ungehemmt fortschreitet. Diese Fntwickhmg hat der Völkerbund nicht gehindert, wodurch nicht /ulet/t die weitere Verschärfung seiner Krise mitverschuldet wurde. Der Kongreß erhebt datier nochmals eindringlich seine warnende Stimme und macht auf die Gefahren aufmerksam, die sowohl für die in gemischtnationalc״ Staaten lebenden Volksgruppen als auch für die Gesamtheit aller Staaten tmd Völker iiuropas entstehen. Die drohenden Folgen der tiefgehenden Enttäuschung und Erbitterung vieler vom Kongreß vertretenen Millionen von Europäern verschiedenstcr Volks- und Staats/ugehorigkeit können nur vermieden werden, wenn alsbald die natürlichen, zumindest aber die international garantierten Volkstumsrechte verwirklicht werden.“ * Bekanntlich haben die Vertreter der j ü d i s c h e n V o I k stumsgr tippen itn Jahre 1033 den Kongreß auf Grund der Differenzen in der Frage der ״Dissimilation'־ verlassen und haben auch am diesjährigen Minderheitenkongreß nicht teilgenommen. In einer Konferenz jüdischer Acrzte in Luzern wurde beschlossen, einen ' W <• 11 k o n g r c II j ii d i s c 11 er A e r z t e für das Frühjahr 10J0 nach Tel- A w i w ein/uberufen. Der Kongreß soll -ich mit Standesfragen der Aer/te in den verschiedenen Landern, mit der Bekämpfung von Volkskrankheiteil in den I imlern jiitlocher Massensiedlung und von Tropenkratik 1: ei: 011 in Palästina, sowie mit der Errichtung einer medizinischen Fakultät an der Universität Jerusalem befassen. Zur Volkerbundstagung Tagung des wurde, stellen zur Debatte. Der Rat M andatskommiszur Kenntnis nehmen, die Kommission u. a. Gent, 4. September. (JTA.) Auf der V ö I k e r h u n d s r a t e s, die in Genf eröffnet auch Fragen von jüdischem Interesse wird den Bericht der Ständigen s i o n über ihre Tagung vom Juni Bei dieser Tagung beschäftigte sich mit dem Jahresbericht der Mandatannacht für Palästina und mit der Prüfung einer Reihe jüdischer und arabischer Petitionen. In der Völkerbundsversammlung. deren Tagung am 0. September beginnt, wird der Vorschlag der norwegischen Regierung betreffend Schaffung eines zentralen, dem Völkerblind eingegliedertcn A 11 s w a 11' d c r e r s c h u t z a in t e s geprüft werden. Außerdem wird, wie alljährlich, in der sechsten (politischen) Kommission der Versammlung eine Aussprache über das Funktionieren des Man da tss y s teras und über den Schutz der Minderheiten stattfinden. Das Auswandererproblem Washington, 2, September. (JTA.) I >ie amerikanische Bundesregierung hat dem Völkerbund ein Memorandum übermittelt, in dein sie ihre Stellung zum Auswanderer- Problem darlegt. Es wird darin der Behauptung entgegengetreten, daß die Vereinigten Staaten überhaupt keine Aus• Wanderer zulassen würden. Die amerikanische Regierung könne zwar nicht an Abmachungen über die Zulassung gewisser Gruppen von Auswanderern tcilnehmcn, aber sie sei bereit, jeden einzelnen Fall eines Einwanderers individuell zu behandeln. Es wird weiter in dem Memorandum zum Ausdruck gebracht, daß diese Stellungnahme sich nur auf russisehe, armenische, assyrische tmd türkische Auswanderer bezielte, nicht jedoch auf die Auswanderung aus Deutschland. Diesbezügliche Anträge aus Deutschland würden unter be• sonderen Gesichtspunkten geprüft und wohlwollend bclianvielt werden. Stockholm, 1. September. (JTA.) In einer in Oslo abgehaltenen Beratung haben sich die Außenminister Dänemarks, Finnlands, Schwedens und Norwegens mit dem Probletn der A u s w a n d c r c r h i I f e befaßt und beschlossen, den Antrag Norwegens heim Völkerbund, eine Zcntralinstanz. zur Regelung und Uebcrwachung der Auswandererhilfstätig• keit zu schaffen, tatkräftig zu unterstützen. Durch eine solche Regelung, die seinerzeit von dem norwegischen A 11 ß e r! nt i n i s t e r K 11 ״ t angeregt wurde, würden die Ausgewanderten sämtlicher Kategorien unmittelbar dem Schutz des Völkerbundes unterstellt werden. Rassenpolitlsche Kundgebung־ Die SA-Uruppe Ber!i11-Bramte11burg veranstaltete am Dienstag eine Kundgebung itn Berliner Sportpalast. Das ,,Deutsche Nachrichtenbüro" berichtet darüber u.a.: ״Die Eröffnungsrede hielt der Führer der Gruppe Berlin- Bramlenbtirg, Obergruppenführer von J a g o w. Fr betonte, die SA solle nach dem Willen des Führers neben der körperliehen Ertüchtigung auch eine umfassende weltanschauliche Ausbildung erhalten. Die SA, so hob der Obergruppenführer hervor, sei nicht dazu da, eine Hetze gegen den Juden zu unternehmen, sondern sie betrachte es als ihre Aufgabe, sieh selbst und dadurch wiederum das Volk nus/iibiklen, damit das Verständnis für die Notwendigkeiten der Rassenpolitik sich weiter und weiter verstärke. Sanitäisstaiidartenfiihrei• Dr. Büttner behandelte das Thema ,Das Gast Volk der Juden — ein Parasit 1 m V o 1 k s k ö r p e r.‘ Er erklärte, tlaß das jüdische Volk Eigenschaften besitze, die es absolut untauglich dazu machten, mit anderen Völkern zusammen/iilcben und zusammenzuarbeiteil. Es sei ein parasitäres Volk. Htm fehle, was im!,eben der Menschen nötig sei, damit Volker nebeneinander leben und miteinander arbeiten könnten: Das Ehrgefühl, das Gefühl der Treue und jedes Verständnis für die Lebensbedürfnisse und Lebensnotwciidigkdicu anderer Völker. Darüber müsse man sich jedoch klar sein, daß der Kampf gegen die Juden nicht auf vier Straße aiisgefochten werden könne, sondern nur mit der geistigen Waffe. In seinem Schlußwort verwies Obergruppenführer von Jagow noch einmal auf die Bedeutung der Rassenfrage für unser Volk. Die Cieset/gebung des Reiches werde es zu verhindern wissen, daß Juden unser Volk ausplündern und deutsche Mädchen in Besitz nehmen können.“ Der Ausschluß aus der Reichskulturkammer Vor den Berliner SA.-Führern sprach in der Hochschule für Politik Staatskommissar Hans Hinkel über ״Kultur- Politik in der (iegenwart“. Nach dem Bericht des ״Angriff׳‘ vom 3. 9. führte er u. a. aus: .,Au־' tlt11־ -Sv!>t׳n K.immun! ׳ U׳r Rui1!־׳'ku!iurkan1mur m׳ü־ü nlk Njt'hlarit1 -!־tiuim־!is nach zwe 1 j;1111׳׳i;mr Ht \\.!111י-.חוי^ח1ר׳ —• er!!- lern! wortiuii. Im handt-U׳ :m־l! um nn-liniv {Iimdurt, von tleiur, 80 Pro/em - - ulim,ikturi-1 1m־Ii 111 r <l,u Kniplimiun der (ie^enrn■*•«‘! ־■ - um Wiudui «loui-tiicm und iü<! Ks habe sieh erwii iüd io he Kirehmor v r r \v a 11 <i ז - e h a ein \!eitel dt־ Grenze zwisrhen L׳r/0jmn werden.!!!!nähme beworben halten! 1 he iM iu'in Kuhiirleh.'n mim-e klar seii, duii jener Ko!) iיי<>riaIrat, der sich für 7m<: mdm« n in Khri-nvalde verwenden wollte, ir! t! 1 i s 11 u n }üviihuiiLOTi z.u diesen stehe! Au: jüdReben Krw;irlmvnen ״wi im iüdi"dien Kuh urlnit,!: ״i^aiieirr!. Der NaiimmKo/iali.-.uiu■, Kun.'tlern ihre Taii^keit zu ^endnn 1רין>!, das M0h der Verantwortung <r Wtjfai ist.‘4 sei o e w i 111, .jen als es ׳guimher die soviel jüdischen idi -riie־, Publikum en Künstlern Ix’- Juden und Jüdisches im Rundfunk Freitag, 6. September: I.uxeinhur^ (1304), 8: u. a. MendeL-sohn; 21,20; u. a. Ohmlurb. Sonnabend, 7. September: Pra14.10 .(249) ״: Lieder von Mahler. — Snt t < חי s (443), 20.35: ua. Rohm-aein. laixembui^!1304), 20,10; n. a. ( )!!t׳n!1,u!1, Mn ״./k-mvda; 20.50: u. a. Juda* Makkabaus, ton I laiidd. Sonntag, 8. September: Riga (515), 15,30; Tehudi Mennhin. Montag, 9. September: I,u\emb1irg (1304). 12: u. a. Sam ,׳m und Daiiia von Saint Saen>; 13.03: u. a. \\’e!nber״er. Ausfall der KK!.•Tagung Die für den 15. Sept. angesetzte KKL-Tagung der ZVfö. findet nicht statt, da Herr Ussischkin infolge seiner Wahl zum Vorsitzenden des Aktions-Csimiiüs vorläufig vorhindert ist, seine geplante Reise nach Deutschland auszu• führen. Die Fis eil ach er ״Tagespost“ meldet, daß die Kreisamfsleitung der NS.-Hago eine Mitteilung herausgibt, in der bekanntgemacht wird, daß die arischen Geschäfte der Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront b/w. NS.-Hago mit einem Plakat, das das NS.-Llago/eiihen und die Aufschrift ״Arisches Geschäft“ trägt, gekennzeichnet werden. Die in Nr. 70 der ״Jikl. Rundschau“ erschienene Meldüng ״Gegen Friedhofsscbänder“ bezog sich auf eine Meldüng der Lippeschen Landeszeitung aus Lage in Lippe. In Sheffield (Massachusetts) ist am 31. August der Schriftsteiler und Publizist Hermann Bernstein, früherer amerikanischer Gesandter in Tirana, gestorben. Richard Blum Berlin W 15, Kurjärstcndamm 54 / Tel■ J 1 Bismarck 937 Kostüme Mäntel ־ Kleider ־ Pelze in vornehmster Maßanfertigung Berliner Inserenten verlangen Vertreter-Besuch EAU DE COIOGNE JfOE GEWQMSCHTE PREISLAGE IST VOHG{■ SEHEN 1 CORO BRUT PARF0M PUDER EAU DE COLOGNE PARFÜM COROT 8 E R UN - Paris OÄATlS.VORfOHBUNO •faumcuiif Gegründet 1878 i«nfrqt»tt.Mwikan1 B«rUnSW49. AHsJokobfcl Taiiessim oeuetDOcner moderne Literatur Jurovics WuliemiieüerstraBe 4, v. Pt. r. Te'efon: C 9 Ticrßarlen 0658 H O I 1 A N B W!r b«*suchen Farbenfabriken. Farben* Händler und Drogerien inwie Parfüm- Grossisten und suchen in dieser Branche nur erste Vertretungen f. ganz Holland und Belgien. Ang. H 217 Nederl• Prop, Centr. Amsterdam C, Heerengr. 114 ITALIEN Suche für 4 wöchentliche Auto* reise nette Reisegesellschaft• Offerten unter El 81 an die An* ze! en -z\btcilung, Meinekestr. 10 Ittd. 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