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Jüdische Rundschau · 1935-09-03 · Heft 71 (3.9.1935) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 71 (3.9.1935)
Date
1935-09-03
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 14 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 71, 3. IX. 1935 ״Bronx-Express“ Aufführung im Kulturbund Der Berliner Kulturbund hat den Uebergang von der Sommerzur eigentlichen Saison-Spielzeit mit dem amerikaniseli-jüdischcn Stück ״Bronx-Express“ von Ossip Dymow gefunden. Um es vorwegzunehmen: Ein publikumswirksanier <iriff! Es scheint, daß der Kulturbund damit die Serie seiner Traumspiele fortsetzen wollte. Das ist z.war ganz ergötzlieh, da die Mischung von Traum und Wirklichkeit nicht nur im Leben, sondern noch mehr auf der Bühne zu man- Aloischv l’olisvhuk (liertlwld Berndl), ('(ihnen Smoroszansky (Willy Prager) und Charlie! Ilungrrslolz (Sigmund Xunherg) cherlei interessanten Situationen Anlaß gibt, aber es hat auch den Nachteil, daß der Traum im Stuck doch nur eine Art von Notbehelf ist und der Verdacht aufkonmit, der Verfasse-, versiehe die Wirklichkeit selbst nicht so leicht dramatisch zu ■meistern wie einen Traum mit seinen Willkurliclikeiteti. An Wirklichkeit fehlt es mm allerdings in diesem Traiiiiispiel 1 >\ mows nicht. Ls jst ein Stuck j 11 d i s c!1 e r Wirklichkeit, das hier gezeigt wird, ein Einblick in den Verfall jiidischeu l.eheus in der großen New-Yorker Judensiedlung, der an den! Schicksal - nein an dem Traimischicksal des armen Knopfarbeiters 11 1111 g e rs t <1 1 z demonstriert wird. ״Der letzte Akt der Amerikanisation“ wird in (iha/.kel 1 lungerstolz’ Traum damit beschlossen, dall der J<V11 Kippur an die Millionäre der Welt von ihm verkauft wird, daß er Volk und Familie verrät; das vermag unser Held, der wahrlich kein Held ist, sondern nur geblendet von den Millionen, die aus den Reklameplakaten sprechen, und von einem zweifelhaften Freunde verführt, der ein ,,ganz, echter“ Amerikaner geworden ist, nicht zu ertragen, und der letzte Schritt der Amerikanisation ist bei ihm (im Traum, wohlgemerkt!) der Schritt ins Wasser zum Selbstmord, von dem er glücklicherweise durch denselben Freund, jankel F 1 i a m k e s, gerettet wird. Das eigentlich Traumhafte an diesem Stück sind nicht so sehr die Vorgänge, der Ruf des Oeldes und der Wille zum Aufstieg, der Hungerstolz aus dem Judentum hinausführt, als vielmehr die Gewissensqual, die er erleidet, als er — personifiziert durch seine Familienangehörigen und deren Schicksal — die Folgen sieht. Darin liegt das eigentlich U11 - wirkliche dieses Traumes, der für hunderttausende, die sich amerikanisiert haben und denen Dy mow ins Gewissen reden wollte, nackte Wirklichkeit ist Hungerstolz ist einer von denen — im Traum —, die den Konsequenzen der Entiudung nicht standhalten können und den letzten Schritt eben doch nicht tun oder aber empfinden, daß er mit physischer Vernichtung bezahlt werden muß. Sein Freund Fliamkes ist dagegen viel typischer und wirklicher. Er endet zwar im Stiick als Kantor und findet sogar den Weg zum rituellen Judentum zurück, aber was will das besagen? Das ist für ihn ,,business . und wer weiß, was er im fünften Akt wäre, wenn es einen solchen in diesem Stiick gäbe! Jankel ist ganz und gar Amen- Gegenüber dieser Welt ist die jung e G e 11 e r a t i o n von Dy mow nur mit sehr blassen Strichen gezeichnet. Der einzige' der ein neues Element in die Welt des teils Traditionellen, teils sich Auflösenden hineinträgt, ist der Freund und Bräutigam von Jankeis Tochter, Moischc P o 1 i s c h u k, Schriftsteiler und Zionist — aber nebbich! — er schämt sich und ist nur ein sehr schwacher Vertreter einer neuen Zeit 1m Judentum. Die Aufführung unter der Regie von Fritz Jessner unterstrich das Traumhafte des Spiels. Die Szenengestaltung (Heinz C o n d e 1 I) betonte dies dadurch, daß in allen Szenen die Requisiten des Untergrundbahnzuges vorhanden waren. Vortrefflich war angedeutet, wie die Traumassoziationen durch mancherlei äußere Stichworte, z. B. das Ausrufen der Stationen durch den U-Bah11-Scl1affner, oder auch durch das bloße Auftreten von Worten hervorgerufen werden. Auch die Begleitmusik Leonard Heinrichs diente diesem Zweck. Etwas überbetont erschien uns das Auftreten der Reklamegestalten während des zweiten Aktes; obwohl das Ballettmällige des Eindrucks sehr ansprechend war, wurde dadurch dieser Akt zerdchnt und so eine Zäsur geschaffen, die störend wirkte. Man könnte sich sogar denken, daß das Stück ganz ohne Pause durch gespielt wird und dadurch an Wirkungskraft gewinnt. Die Mitwirkenden spielten lebendig zusammen. Sigmund Nunberg verlieh dem ebenso Standeswie im Grunde jüdischbewußten Hungerstolz, der im Traum auf so arge Abwege gerät, Haitung und Maske, die sein Erleben glaubhaft und see• lisch verankert erscheinen ließen. Etwas blaß war Lilly Kann als seine Frau Sara. Dem Freund Flia m k e s gab IT erbert G r ü ת b a u ni ein ebenso erheiterndes wie echtes Ge* sicht; vorzüglich seine Haltung, als er Hungerstolz die Unterschrift entlockt, nicht weniger hervorragend bei der Errettung des ins Wasser Springenden aus einem imaginären Meer. Willy Prager spielte den alten Rebben des Hungerstolz, vielleicht etwas zu sehr auf eine Note festgelegt; allerdings erlauben die Umrisse dieser Rolle keine allzu große Ausdehnung. Den Mr. Pluto verkörperte Martin Brandt in Tracht und Maske allzu irreal und vielleicht einen Grad zu sehr als Traunigestait. Mira Rosowsky als Resele und Berthokl Berndt als ihr Bräutigam Moischt waren ein sich irn Gegensätzlichen findendes Paar, Von den übrigen Mitwirkenden sind Erika Praetor ins als Miß Murad, die Traumgeliebte des Helden, und Ernst Len al t als Mr. Arrow zu nennen. Im ganzen: Ein Abend, der eine jüdische Problematik aufrollte, die auch für viele der Zuschauer von fiersönlichstem Interesse ist. Mag das Stiick auch in Zonen spielen, die uns sehr entfernt liegen — die Gefährdung des Jüdischen durch den Weg nach draußen, in eine große Welt hinein ist auch für uns ein zentrales Problem. Die Regie deutete diese Möglichkeit der Ucbertragung hierher vielleicht etwas allzu sehr an, und es schien manchmal, als ob die Atmosphäre der Gebertsehen Familie durchdrang. Ein paar Kleinigkeiten störten daber, insbesondere die Behandlung der Sprache. Was soll in jüdischen Stücken das ücmauschel der Darsteller bedeuten? Man lasse sie deutsch reden, und zwar möglichst gutes Deutsch, oder man lasse sie jiddisch reden, und z.war gutes Jiddisch, wenn man dies bei einzelnen Rollen für zweckmäßig hält. Ein Zwischending gibt es nicht und ist geschmacklos. Der Kulturbund sollte sich hüten, Sprachgewohnhcitcn zu übernehmen, die in gewissen Kabaretts und Lustspielen früher üblich waren. Und noch etwas: Der ״Haarez“ ist keine jiddisehe Zeitung und erscheint nicht in New York! Heute merken das bereits zahlreiche Leute im Parkett, und darum etwas mehr Vorsicht! Trotz diesen Einwänden ein nicht nur amüsanter, sondern auch an ernste Dinge rührender Abend, der vom Publikum mit wachsender Anteilnahme und zum Schluß starkem Beifall aufgenommen wurde, der dem Stück wie den Mitwirkenden galt. oe. ״Die Kinderpflegerin“. Von Betty Gruinac h. Verlag der Arbeitsgemeinschaft Fröhelschcr Kirulcrpflegerinncnschu־ len, Kassel, Mombachstr. 42. Diese Schrift, die bisher einzige vorliegende bcrufskundliche Arbeit über die Kinderpflegerin, von einer jüdischen Sozialarbeiterin verfallt, hat heute an Interesse für das jüdische Mädchen gewonnen. Die Schrift gibt ein anschauliches Bild des Berufes selbst, der Ausbildung und der Weiterbildungsniöglichkeitcn, beleuchtet die reale und psychologische Arbeitssituation sowohl vom Standpunkt der Kinderpflegerin als auch der Hausfrau und gibt manch wertvollen Rat für ihre Zusammenarbeit im Interesse des Kindes Kleine Nachrichten Die Jüdische Chor- und Orchester-Vereinigung iülirt am 20. November in der Neuen ■Synagoge die ״Zer-tiining Jcni-alc-ms‘‘, von 11 iller, mit namhaften Solisten auf. Slimmbegahte Damen und Herren, welche bei die-em Konzert mit wirken wollen, werden gebeten, sieh bei dem Dirigenten, Leo Kopf, Wilmersdorf, Lnndhausslr. 42, 'Lek: II 6 2688, oder in der Probe am Donnerstag abends 8 Hhr, in der Synagoge Prinrrcgcntenstr. 60-70 za melden. — Zionistische Arbeitsgemeinschaft sucht gratis Tische, Stühle, Sessel ti-vv. Angebote sind za richten an die BZV., Mcinckestr. 10, Tel.: Bismarck 7165, Apparat 44. — Für die KKL-Tagung am 15. September werden Privat quartiere ge- Miclit, Mitteilungen erbetenan: Keren Kajcinctli, W 15, Mcineke- Straße 10 (Tel.: Bismarck (J 1) 7165). sichern Mr. Pluto (Martin Brandt), Jankel Fliamkes (Herbert Gränbaum) und Chazkel!lungerstolz (Sigmund Nun- Foto•: J. Abraham Altpapier Herbert Cohn B«rün NW 40, Helde.traBe 20/21 Samrnel-Nr. C5 Hansa 6216 Pflaster uttQcn Robert Wellers U' 1$, Hur/ürntenoAmm 4SI49!2 Oliva 47Sf> Amzüge Ernst IlMhar, Fatirstuintaorm W 50, Kutmbscher Str. 6, B 4 B.v, 785! /52, Nachtruf G 3 I.tcbWrf. 775h. Repar. ied.Art, PfUge, FahratuhU-cilc׳. Atteste jüd. Firma dtotor Branche. J.iefci. «. Mitgl.d. Jüd. (»cm. KARL I ROHM N6S / Am Nordhafen S / Dt 5224 Autiüaa jeder Art H.parsturcn »Her Systeme Umbauten. Seilerneuentnflen Auto -Tankstellen Tankstelle Kaufmann öl•, Fette, Betriebsstoffs Wilmersdorf, Osnabröcker Str. 2-4 Bauwesen Bauarbeiten jeder Art Blumann & Grünberg C 2, Gr. PrSsidenten.tr, 1 Tel.! 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