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Jüdische Rundschau · 1935-08-30 · Heft 70 (30.8.1935) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 70 (30.8.1935)
Date
1935-08-30
Page
– (sequence 15)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Berliner Rundschau NR. 70, 30. AUGUST 1935 Für den Jüdischen Kulturbund Der Jüdische Kulturbund Berlin geht in sein drittes Jahr. Oie Bewegung, die er im Sommer 1933 hervorgerufen hat, ist inzwischen über ganz Deutschland gegangen, Sie lebt im Reichsverband der jüdischen Kulturbünde in Deutschland und sucht geistige Anregung und künstlerische Erliebung noch in die kleinsten jüdischen Gemeinden Deutschlands zu bringen. Berlin aber, das fast ein Drittel aller deutschen Juden umfaßt, bleibt Kern und Mittelpunkt dieser Kulturarbeit. Der Berliner Kulturbund ist groß, aber er ist im Verhältnis zum Umfang ■der Berliner Gemeinde längst nicht groß genug, denn es dürfte nicht möglich sein, daß Juden, die den sehr bescheidenen Monatsbeitrag für die Mitgliedschaft noch aufbringen können, nicht auch Mitglieder des Kulturbundes sind. Hier handelt es sich ja nicht nur darum, für Hunderte von jüdischen Künstlern und Geistesarbeitern, denen jede andere VC'irkungsmöglichkeit genommen ist, ein neues Schaffensfeld zu finden und zu erhalten, - - hier handelt es sich nicht nur darum, allen unseren jüdischen Mitbürgern in dieser schwersten Zeit eine heilsame Ablenkung, eine wohltätige Zerstreuung durch Gaben der Kunst, durch Theater, Musik, Wort und Schrift und Bildnerei zu gewähren, — der eigentliche Sinn des Kulturbundes besteht: darin, der Ciefahr innerer Erstarrung zu wehren, Gefühl und Geist jüdischer Menschen mit den g r 0 II c n Werten künstlerischen und denkerischen Leb e n s i rn Beziehung zu halten. 1) a r 11 m scheint es uns Sache jedes selbstbewußten Juden, in den Kulturbund einzutreten und seine Bestrebung durch aktive Mitarbeit so stark und so erfolgreich zu machen wie m ö glich. Reiclisveri reiung der Deutschen luden (Hacek. Hirsch). ZentralaiMSchuß der Iteuochen Juden iür lühe und Aufbau (H uel urdt, Adler-Rudel). Jüdische Gemeinde zu Berlin (Alexander, Klee), ihm- Bischer Landesverband jüdischer Gemeinden (Wold). Ri ichnciband der Jitdivclien Kulturbünde in IK-ut sddand (Singer), ('ent uüveretn Deutscher Staatduirgcr jüdische״ Glaubens (Juliulirodnilz). liklöcher Frauenbund F. \ . {Oitiiie Srhoenewaid. t 'ora Berliner). lüdi-ches Lchrliaus Berlin, Freie Jüdische Volkshochschule e. V. (K|>-10in. liantberget). Kiinst leihille der Jüdischen Gemeinde ztt Berlin (Seiiihllierger). Lehmuiite Cb. X. Biaük der Berliner /.ioni-a isclien Verein;*,;■mg (Cohn, TH:11ert,rk). Rambum-I .einiiaus (Aitmann). Reielisaussebaß jüdischer Jugcndverlsämlc (Fiiedrirh ltiodni:/). R< iciisbtmd jiiflieher Front-rtlrlaten (Lowen-teiu). V<u׳!■inigimg Iür das religiös-liberale J ti.ientum (Slcm, Simon). Zionistische Vereinigung iür Dc11ts׳׳hlan<I (Mort. Meyer). Zionistische Veranstaltung. Am 28. August veranstaltete der Bezirk Siidost der BZV. im überfüllten Saal des Heims, Oranienstr. 170, eine Kundgebung. Rabb. Dr. Max Nußbäum sprach über ״Zionistische Lebenshaltung in unserer Zeit“. Er ging von den festen Lebensformen des Scliulclian Aruch aus, die der jüdischen Gemeinschaft verloren gegangen sind, und forderte eitlen neuen zionistischen Lebensstil, der sich ans der Haltung des Judentums während seiner dreitausendjährigen Geschichte ergibt. Der Rede, die von den Zuhörern begeistert aufgenommen wurde, gingen gymnastische Vorführungen des Bar Kochba voraus. Ein Jahr hebräischer Bibelkurs. Ein Jahr ist es her, daß von der Kultur-Abteilung der BZV. der hebräische Bibelkurs unter Leitung von Dr. Borodianski ins Leben gerufen wurde. Dr. Borodianski bearbeitete mit seinen Hörern ittt vergangenen Jahr systematisch die Geschieht« der Erzväter; jedoch nicht derart, daß diese Kapitel im Chimiasch mir gelesen und übersetzt wurden, sondern so, daß außerdem jede wesentliche Einzelheit beleuchtet wurde. Es wurden dabei historische, philosophische, rcligions - philosophische, cthnologische und philologische Fragen berührt, und den Hörern das Verständnis für <Jic Schönheit und Wichtigkeit dieses Buches naliegebracht. Nicht zuletzt stellte diese eingehende Beschäftigung mit dem Chumasch eine außerordentliche Weiterbildung im Hebräischen mit allen seinen sprachlichen Feinbeiten dar. Der Kurs wird im zweiten Jahr -- Beginn 7. g. sieh dem Studium des Buches Schimiel wegen seiner großen historischen, literarischen und sprachlichen Wichtigkeit widmen. E. L. Juden in England Zu einer Veranstaltung iin Hause von Frau Käte Lazarus in Bin,-Dahlem hatten sich Mitglieder und Freunde der Fraucn-Arbcitsgenieinschaft für P a 1 ä - stina eiiigefunden, um Lola Wegner- Landau über ״Das jüdische England“ sprechen zu hören. Eine khige Frau mit offenen Augen erzählte hier einer großen Zuhörerschar, was sie in den verschiedensten Teilen von London und später auch in der englischen Provinz an englisch-jüdischen Eindrücken gesammelt hatte. Eigene Erfahrungen wurden hier noch bestätigt und verstärkt: daß das englische Judentum für uns sich ausnimmt wie ,,ein rückwärts gedrehter Film“. Anfang September erscheint der PALÄSTINA-KALENDER der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Die Zionistische Vereinigung für Deutschland gibt zum ersten Male für das kommende Jahr einen künstlerisch ausgestatteten Kalender heraus. Die Gesamtredaktion des Kalenders hat Herr Dr. Joachim Prinz, Berlin übernommen. Die Bilder stammen von den Photographen Gidal, Sonnenfeld und Kluger. Einige Szenenbilder aus dem Film ״Das Land der Verheißung״ werden auch hier zu finden sein. Der hervorragend ausgestattete Kalender ist ein neuer Versuch, den Juden in Deutschland den Geist der zionistischen Bewegung und die Schön־ heit Palästinas und seiner Menschen zu zeigen. I) T}4 * *־ /n Zu beziehen durch den Buch* ״reis KlVl l.OU handel oder vom Verlag JÜDISCHE RUNDSCHAU BERLIN WI5, MEINEKESTRASSE10 So lebten, so wünschten und strebten auch unsere Eltern vor dreißig Jahren; wenn auch vielleicht der enge Zusammenbang des Engländers mit dem Buche der Bibel, das ja in seiner Volksgeschichte eine ganz besondere Rolle spielt, dort das Zusammenleben und Zusammenarbeiten noch mehr bcgünstigte als bei 1111s. Unterschiede jedoch zeigen sich vor allem in dem treuen Wahren der Tradition, das den Engländer mit dem Juden verband und heute noch verbindet; niemals war die Assimilation dort so schrankenlas wie in manchen hiesigen Kreisen. Immer auch blieb zugleich eine ״Distanz“ bei aller Gemeinsamkeit des Arbeitens, die Reibungen verhinderte. — Aus dieser Schilderung schon ergibt sich, daß die Teilnahme am Zionismus bei den Juden nicht allzu lebhaft ist. Dennoch ist gerade die jüdische Frau in England sehr stark an der zionistischen Arbeit beteiligt; verdankt ja die Wi/o England ihren Ursprung und ihre Blüte. — Auch von der verdienstvollen und wichtigen Arbeit englischer Juden für diejenigen, die ihre Existenz verloren, von dem ״Shelter“ im East End erzählte Lola Landau aus eigenem Erleben: ins Gedächtnis prägte sich besonders ein Raseh-Haschaiiah-Abend dort, wo vertriebeile Juden aus aller Welt sich zusammenfanden... und wo eine Schar von Chaluzim plötzlich einen ganz neuen, frischen Zukunftston mitten hinein ertönen ließ, — Den Worten dieser frischen und temperamentvollen Beob• achterin schloß in höchst wertvoller Ergänzung im Laufe der Diskussion Jcttka Levy-Stein einige Eindrücke von ihrer ergebnisreichen Südafrika-Reise an: sie erzählte von Kapstadt, wo die Juden scheinbar in Frieden und Wohlstand wohnten; von dein jüdischen Bürgermeister, der am Schabhat stolz, das Amt eines Barnes in der Synagoge verwaltet. Und doch... auch dort erfolgten antijüdische Angriffe... Aut die immer wiederkehrende Frage: ״Warum Palästina?“ brauchte sie mit nichts anderem als diesem Erlebnis zu antworten. Nachdenklich trennte inan sich an diesem sehr reiclien Nachmittage, den Frau Bergei in ihrer gewandten Art geleitet hatte. —bst—■ Nochmals Fall Prinz Irn großen Saal des Cafe Leon sitzen dicht gedrängt und stellen bis in den letzten Winkel hinein all die Mensehen, die man vom Friedenstenipel her kennt: die Gemeinde, die Rabbiner Dr. Prinz in jahrelanger Arbeit!11>1ו_ unter Ueberw indutig vieler Schwierigkeiten zu einer ״( i e in e i 11 d e“ im eigentlichen jüdischen Sinne zusammengeschweißt hat. Der S y 11 a go g e n v e r e i n F r i cd e 11 s t e 111 pel hat sie zusaminenberufen, weil die Frage des Ausscheidens von Dr. Prinz ciie Gemüter so stark beschäftigt, daß die Stimmung der Gemeinde eines Ventils bedarf. Man will wissen, woran man ist, in a 11 will v o 1׳ all e 111 11 i c h t <1 e 11 Mann verlieren, der der Gemeinde in schwierigster Zeit sich als ein Führer und Heller erwiesen hat. Dieser Stimmung des Abends gab als Hauptredner Dr. Roth hart Ausdrin k. Ans seiner Rede ging insbesondere hervor, mit welch kleinlichen Argumenten!11 diesem fall gearbeitet wird. Die eigentliche Feistling von Dr. Prinz kommt gegenüber solchen Auffassungen nicht zu Wort. Vom Vorstand des Vereins nahm ferner Herr B e n d a ׳das Wort, der in nachdrücklicher Weise den Willen der Denieimle betonte, Dr. Prinz als Rabbiner zu behalten. Die Versammlung, die ebenso temperamentvoll wie diszipliuiert verlief, wurde von Dr. Alfred Karger geleitet, der ebenfalls zu dem Thein;! in gleichem Sinne Stellung nahm. Es konnte kein Zweifel bestehen, daß diesen vielen Mensehen •der Fall Prinz eine Herzensangelegenheit ist und daß sie seinen Abgang als einen unersetzlichen Verlust betrachten würden. LS gab keinen im Saale, der für ehe׳ Haltung des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Verständnis gehabt hätte. Und so war es eine Selbstverständlichkeit, daß e i 11 s t i rn ־ m i g e i 11 e Re s o I u t i o!1 gefaßt wurde, die vom Gemeinde- Vorstand verlangt, ״Mittel mul Wege zu finden, die Dr. Prinz, ermöglichen, seine Tätigkeit als Rabbiner weiter ausztiüben“. N* In der Synagoge Gesundbrunnen Ahawas Achim fand am 18. August die Feierliche Einweihung nach einer Renovierung des Hauses statt. Die Begrüßungsansprache hielt der 1. Vorsitzende Herr L e s c h n i k. Hierauf hielt Herr Schoyer im Natticn des Gemeindevorstandes eine Ansprache. Rabbiner Dr. Alexander hielt die Festpredigt. Die Gesänge wurden vom Chor der Prinzregenten-Synagoge unter Leitung des Dirigenten Herrn Leo Kopf, die kantoralen Vorträge von Oberkantor Oskar Rusch in ausgeführt. Eine Führung durch das Säuglingsheim Niederschönhausen. Aiti Sonntag fand eine Besichtigung des Säuglingsheiins Nie d e r s c h ö ״ haus e n statt, die von der J üdischen Gemeinde veranstaltet wurde. Dr. Mendeisolin schilderte die Entstehung des Heims, das!teilte etwa 100 Kidrist- und größere Kinder beherbergl, die von etwa 40 Personen betreut werden. Die sich anschließende Besichtigung der Räumlichkeiten, Küche, Schlaf- und Tagesräume usw., bewies, daß das Heim eines der mustergültigsten jüdischen Heime Berlins ist. j. W. AMATEUR-FOTOS eatwickeil.kopierL vergrößtrt und sendet binnen 24 Stunden franko Nachn. wieder zu! Walter Staadecker, Köln, Schlageterplatz 10 Das Eisen, der Slein, die Gluthitze und die Maschine sind ein Traum. Auch das Oed land, seine Nebel, der OeJiandsl'iuß, das Oedlandsmeer erscheinen wie ein Traum- Das Oedland fällt von den Schneebergen im Norden allmählidi nach Süden hin ab. Ringsum abgeschlossen ist die Ontle. Der Muß des Oedlands ergießt sieh sehinulzig-griin zwisehen Basal (mauern, spritzt seine weiße tiisehl über den ]׳ elsengrund zwischen das Gestrüpp. das an seinem E ier wächst. Die Gebirgszüge steigen zum Oedland an wie iiiüchlige Wogen von Staub und Slein, die durch Urgewalten, noch bevor eines Menschen Fuß sie helrelen halte, gemeißelt wurden. Zug nach Zug steigt empor und zwischen Zug und Zug liegt ein Gebirgslor mit einem Wasserfall, einem Slurzhaeli mit geheimnisvollen Felsenhöhlen und einem uralten Weg ins Oedland. Die Berge künden der Steppe das Morgenrot und verlinslern sie durch Schallen des Abends. In strahlenden Glanzgarlten geht die Sonne jenseits der Berge auf, und in blutigem Rot geht sie hinter den Bergen unter. Licht und Schallen .dtid wie riesige Teppiche über die Abhänge der faltigen Berge nach dem Oedland hin gebreitet. Wenn Morgenröte oder Abend über dein Oedland liegt, hüllt sieh die einsame Terebinthe auf dem Bcvgesgipfel in rötlichen Schimmer und es scheint, als ob sie das Himmelsgewölbe stützte: Berge und Steppe schimmern bläulich durch die nächtliche Nebeldecke; die Berge des Nordens tragen den Himmel auf ihren Häuptern, and der Wind streicht über das alte Oedland hin. Das Herz der Steppe zerschneide! seit l rzeiten der Fluß. Alle Sturzhächc und Bergtptellen wälzen ihr Wasser in den Fluß ries Oedlands, reißen Erdschollen mit sieh und waschen verdrießlich den nackten Basalt. Das Wasser des Oedland- Busses ist nicht rein wie Quellwasser, und der Wanderer löscht an ihm nicht seinen Durst: sein Aussehen ist trübe, »ein Gesell mack fad, denn in seinem Laufe schluckt es die Gluthitze in sich ein. den Staub und die Oednis der Steppe. An den Ufern des Flusses und in den Sümpfen strömen Gin- »terstrSucker, Rhododendron, Schilf und Pappelweide trockene, scharfe Gerüche ins Gesicht des Wanderers. Bis er fast hewußtlos wird. So einsam liegt das Oedland der Urzeit da mit seinen schwelenden Sträuchen» und den in glühenden Dämpfen aufwirbelnden Distelbränden. Eine öde Steppe, ein schäumender Fluß; ein eifervoller, rachsüchtiger Geist, einzig in seiner -Art, schwebt hier in unverminderter Furchtbarkeit seit den Tagen der Urzeit. Fluch und Empörung herrschten hier seit den Tagen der \orzeil, Geschlecht um Geschlecht, und seil uralters birgt -ich hier eine geheimnisvoll unsichtbare Kraft, die den suchenden Menschen, der sich an Körper Und Seele reinigen will, anzieht. liier schrillen über den (iipfeln der Berge Hüter des Geistes. \om Durst vertrocknet und vom Hunger ahgema gert, weideten ihre Augen am plötzlichen Wechsel von Lieht und Schallen, hier niieht iglet! Körper und Seele kasteiende Gol!geweihte in härenem Selmrzgurt und atmeten den Schmerz der \ ision in sieh ein. Hier geriet der Geist Goltes über sie. Das isl die W ii s I e, dir dem Menschen ihre Reinheit, ihre Enthaltsamkeit nnfzwanir, und sie ist es, die die Gewächse der Ethik, der Empörung, des hohen Streitens großzog. Sie ist es, die den Fluch Sodoms, die Sage der Zerstörung schuf; sie isl es, die die reinen Kinder der \\ ösle aufrief, auf ihrem Boden den Bau ihres lohenden Geistes zu errichten, und sie ist es, di!‘ in Schrecken und Rachsucht den jungen Siegern die Sladl w!ederzubaiini verbot. IAi(' vor ihnen waren: sie selbst hat sie ausgespien, auch alle, die nach ihnen kamen, und sie m!l dem Fegehesrj) (]cr \ ertilgung hinweggefegt, so daß keine Spur von ihnen geblieben ist. Die von dem Siechtum der W ösle \erfolgl, von (ioltcsdurst -und -sehnsiuh! gepackt hierher flüchteten, die die Steppe siegestrunken durchzogen — sie alle sind himveagcfegl, und die Talen ihrer Hände und ihr Geist sind zu Staub geworden wie der große Staub des Oedlandes.... Oede Pfade führen zwischen Gestrüpp und über den Fhißufern auf jede Anhöhe, auf jeden hohen Gipfel, an dessen Seilen Klöster und weiße kuppeln kleben, und da und dort werden zwischen Bergfalten versteckte schwarze Reduinenzelte sichtbar. Wie Schalten kommen die Kinder des Oedlandes, wie Schallen gehen sie und wie Schatten sitzen sie, sehwarzbrnun und aligemagert, im Schatten ihrer Zeltteppiehc und blicken schweigend ins Oedland, heim Schäumen des Flusses und beim Knistern der die Talsenke!)(‘leckenden Dislelhrände. Wer ist. es, der Sommer für Sommer die wundersamen Scheiterhaufen in den Wüsten des Oedlands und auf seinen Höhen entzündet? Isl es die Wüslnis, die so ihren Geist erheitert? Uder haben die in der Welt schwärmenden Geister des Schmerzes, der Trauer, des Sueliens hier ihre Fackeln emporgeholten? — — — Belimbt sil/en die Männer des Werkes, ruhen Min der Mühe des Taues, und ihr Schweiß M-rdunsiel hei sinkender Aarlif. Fine K:mielkaraw ane war ihres ein-anien Plades dahingezoei'i). eine 11 irl ri! t'löte zwischen den Höhen ertönt und der gellend(' Hui eines Wanderers halle die Mille dnn1!־~ bohrt: nun delml -ich die Weile wieder ohne Stimme und Laut. Dem Lager de- Werkes cegein'ilier, an einem Taleiügang, liegen einige aschgraue Zelle, di(‘ dem Lager sichtbar nälirrgcrückl worden waren. Wie der Schallen am Abhang des Hügels sich hinaufschlängelt, wie der llahiehl seine Schwingen im Flugkrcisft spreizt, so breiteten sielt still die wenigen Zelte und spannten ihre Behänge aus. Die Kinder der Sleppe saßen hraunsrlivvarz und stolz im Schallen ihrer nach allen Seilen offenen Zelltüelier. .Als die Männer des Winkes auf die ausgespanulen Zelttücher aus Ziegenhaar blickten, die ohne jeden Baum ringsum dem Winde des Tages offen und schweigsam wie das (h'slräuch des Oedlands daslanden, seidenen sie ihnen wie Schallen am hellen Miltag, Nur die Zeltlmnde, du' jedem, di'r sich nähert, riilgegcnkläfielt, und die aufsteigenden, bei sinkentlem Tage bläulichen Rauchschwaden bezeugten das Li'ln’n, das dort war. Als einziger kam Raschid Oller von seinem Zelt in »las Lager des Werks herab. Raschid pflegte sich!)('lurt.-aiii den Gruppen der Männer zur Vrhcits- oder Ruhezeit zu nähern. Seinen Kopfhtmd keck zur Seite gerückt, saß er auf seinen Beinen, sielt räuspernd, indem sein von Pockennarben übersäles Gesicht .Argwohn und Staunen verriet, und der weiße Fleck an seinem linken Auge gierig über die Bewegung streifte, die ringsum entstanden war. Kr sah, daß irn Tal der Sleppe eine Bewegung im Gange isl, daß Stein- und Erdhaufen vom Munde hoher Eisengeslalten ausgeschieden und eingeschluekt werden. Kr geriet außer sich. Raschid kehrte vom Lager in sein Zell zurück, stieg wiederum zum Lager hinab, saß da und verbarg seine Neugierde hinter List und Keckheit. ״Raschid, willsl du wie einer von uns sein?“ — fragt, dm Abner, der schwärzliche Bursche. Denn Altner will dem in seinem Argwohn verschlossenen Raschid, freundlich begegnen; er möchte, daß der Alutul Raschids sieh öffne und seine Zunge vom Leben des Zeltes erzähle. (Fortsetzung folgt)

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