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Jüdische Rundschau · 1935-08-23 · Heft 68 (23.8.1935) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 68 (23.8.1935)
Date
1935-08-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 68, 23. VIII. 1935 ״Petterson und Bendel“ Wie das ,,Deutsche Nachrichtenbüro“ meldet, wurde von seiten der zuständigen Stelle des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda die Feststellung gemacht, dal! in einem Berliner Lichtspieltheater bei den Aufführungen des Films ״Petterson und Bendel“ die von der Zensur :gcnchmigteOriginalkopic verstümmelt zur Aufführung gebracht wurde. So wurde 7. B. eine Kürzung der Originalfassung bei dem Dialog Petterson-Bende! festgestellt, in dem Pettcrson den Bendel fragt: ״Du bist wohl Jude, was?“ und Bendel erzählt, wie er siebenmal aus Schweden ausgewiesen wurde. Hierzu äußerte sich Staatskominissar Hans H i n k e 1 gegenüber einem Vertreter des ״Angriffs“ und sagte 11. a., daß auf seine Veranlassung von Beauftragten -II Berliner Filmtheater besucht worden seien, die zur Zeit mit der Originalkopie von ״Pettcrson und Bendel“ beliefert seien. Dabei seien in vier Fällen im Vergleich mit dein amtlichen Originaltext der Zeiisurkarte A e n d e r u n ff 1•!1 festgestellt worden. Eine besonders sinnverletzende uml böswillige Verstünunelung der Originalkopie habe in einem größeren Kino des Berliner Ostens Vorgelegen. Die Verkürzungen müssen zweifellos von Fachleuten vorgenommen sein und der Inhalt des Films sei in so eindeutiger Absicht verfälscht und derart unverständlieh geworden, daß die Beschlagnahme des Bildstreifens veranlaßt werden mußte. Staatskommissar Hinkel sagte dann weiter: ״Die von mir <11j1vh1H-mhru•!, V <■ r ne 11 111 '1 n ״ c 11 sind noch im Gan_m und licuri!! n \״>r allein die drei )״!״,■nileii Fragen: Wurde die ge-e:/e i- Ir rge V er -e!mimeim;g au; Vm ariD - ■ung dea Kino: hearer- F;u hmana ha! de Vrr a m h 1 1! .e a au .gd ul::!?!larehalt e» sieh Ud :1׳ m leuti :neiden Kn־־; um uu-en ge׳ a: m n 1 He!rieh? Die!׳ enilte oifen- Dar der Smduu ■ein /-!;am Rmhe VFe - י I ־ m1׳: 11׳ ׳irrer!><׳-! inrmien jmhu den i;Umm a n-- im׳h; ge-׳:\ ״.’׳s׳Fn, die da׳ kn!! urp.rli! i-e׳l1e am Km e:r ' m e : ׳um a' K '׳ h < Kr! d a: ‘ :1 י: u 11־ g. 1 iami ilr'! /e der g 1 e i e 11 g; - ,!!., 1 r ׳, 1 ׳ Firmen 1!: , dmr a ja־!: i.. r i i aupl - an da-aa dn I'.d ■ mm.; Im'mm.’Wr. <!!1mI1 di■• l׳d!:nkamun-r rire .,Dam■■׳! mmm ■ a1׳':•■’!! - .'־:■״ S׳ ׳ ..׳.!; in 1; -. ar Ilmke], ..werden wir j1׳u!■׳■« ,.:׳;du ״ i ׳ d : .1 1! ׳ r!: e n Berliner Kinot I! c a i e r 11 e - :! / 1 ׳׳ v׳ i: mdmn'e; udm:r.e1p! imeli ab genügend zuverla-ug;111 -r den k mmm. du Tdme. ׳• ז: n ׳1!;״ »iumd d׳.n (le״.e!7en zu :nIrren. In den Fallen, wo <11 hegender Yi r׳lu׳11 ׳ der l'nzmvrU-.sigkeil vordegl, wird den helriuluidin Tin .10 rl׳״ dlzern eine Frist geseizf wer'den, iniamdalir derr-n sie!bim Ik'lried an sa!1lH-re und zuverla-sige Fm ׳ ׳:a a zu vr־r.1udr׳rn daher!-“ Aus Pirmasens Die ״Frankf. Zeitung“ vom 21. S. berichtet: ״Nachdem vor einigen lagen (iauleiter Biirckel dazu rufgcrtifen hatte, Pirmasens, die ״nationalsozialistische Hochbürg der Pfalz“, in ihrem Kampfe gegen den Judenboykott zu unterstützen, veranstaltete die Kreisleitung der NSDAP, am Montag eine Besprechung der Betriehszdienobleiife, Vertrauensleute und Vertraueiisrute sämtlicher Pirniaseiiser Firmen, in der, wie die N S Z ־ R h e i 11 f r 1! ״ t berichtet, folgendes beschlossen wurde: In einem Leitartikel des genannten Blattes mit der lieberschritt ״Not über Pirmasens“ wird über die Lage der Schuhindustric u. a. berichtet, durch eine Verkettung widriger Umstände, vor allem durch die ganz anormalen Witter ungs- Verhältnisse seit Herbst 1931, seien dreimal hinteremander die sonst starken Auftrieb sichernden Saison geschäfte ausgefallen. Die zu lange anhaltend« gute Witterung im Herbst habe eine Absatzstockung der Winterartikel verursacht. Ebenso habe das Ostergeschäft nicht den Erwartungen entsprochen. Notgedrungen hätten die meisten Pirmasenser Betriebe Kurzarbeit einführen müssen. Bei der in großem Maße auf Modeartikel eingestellten einseitigen Industrie seien dies« Schwankungen keine Neucrschcinungen. Der Ausgleich sei zuversichtlich im Herbstgeschäft erhofft worden. Die Aussichten dafür seien günstig erschienen. In der letzten Woche aber sei ein Stoß gegen die Pirmasenser Industrie geführt worden, der das ganze Wirtschaftsgefüge der Stadt in Mit- Icidcnschaft ziehen werde, wenn es nicht gelinge, ihn rechtzeitig abzufangen. Innerhalb weniger Tage seien bei zahlreichen Fabriken Schreiben gleichen Inhalts eingelaufen, die samt und sonders aus den jüdischen Handelsbetrieben gekommen seien und sofortigeg.A 11 n u 1 li e r u n g der erteilten Aufträge gefordert hätten, dies unter Berufung auf einen angeblichen Boykott jüdischer Geschäfte, der eine Absatzmöglichkeit der bestellten Ware unterbinde. In dem Artikel wird ferner ein anonymer Brief erwähnt, den kürzlich ein führender Fabrikant in Pirmasens erhalten habe. Der Schreiber erklärt darin, daß er umgekehrt sei, als er bei der Einfahrt nach Pirmasens groß angeschrieben gesehen habe: ״Dieser Weg führt nicht nach Palästina.“ Er habe seine Einkaufe in Hohenzollern getätigt.“ Ausschlüsse und Verbote Die Kreisleitung Görlitz, Amt der NS-Hago, gibt folgendes bekannt: ״Fleute sind endlich die schon lange mit den maßgeblichen Stellen geführten Verhandlungen zum Abschluß gekommen, die darauf hinzielten, den Görlitzer Jahrmarkt von den unerwünschten jüdischen Händlern zu säubern. Die jiklisehen Händler sind fortan nur noch auf eiern Klosterplatz und Bei der Peterskirche uniergebracht. Die deutsche Käiiferschaft läuft nun nicht mehr Gefahr, unbewußt beim Juden ihre Einkaufe zu tätigen und dem rassebewußten deutschen Händler wird nicht mehr zu gemutet, zwischen den Vertretern des Volkes Israel seinen Verkaufsstand unterhalten zu müssen. In den neugeschaffenen Juden-Ecken Klostcrplatz und Bei der Peterskirche können die Nachkommen Moses’ und Abrahams ungestört mauscheln, deutsche Volksgenossen haben aber dort nichts zu suchen! Der rassestolze Volksgenosse und die verantwortungsvolle Volksgenossin kaufen nicht beim Juden, sondern nur bei den deutschen Händlern!“ Der Landespressedienst des ״Deutschen Nachrichtenbüros“ berichtet aus Fulda: ״Nachdem der letzte Viehmarkt, der im Juli abgehalten wurde, durch das provozierende Verhalten der jüdischen Viehhändler polizeilich aufgehoben worden war, hat die Krcisbaucrnscliaft die Durchführung des nächsten Viehmarktes iibernommena. Damit dürfte die Monopolstellung der fremdrassigen Elemente, die der Landwirtschaft große Schäden zugefügt hat, endgültig gebrochen sein,“ Die Gemeinde Oestrich (Rheingau) hat, wie der ״Rheingauer Biirgerfreimd“ meldet, beschlossen, keinem Juden mehr an der Geineinde-Dampfschiffsagentur eine Fahrkarte zur Benutzung der Rheindampfer auszuhändigen. Als Grund wird provozierendes Benehmen der Juden angegeben. Die Juden seien nicht würdig, die deutschen Rheindarnpfer, die die Hakenkreuzfahne führten, zu benutzen. Der Gemeinderat in Arnshcim beschloß: 1. Kein Handwerker, kein Geschäftsmann oder sonst ein Volksgenösse erhält eine Oemcimlearbcit, wenn er oder seine Angehörigen noch mit Juden Verkehr pflegen oder diese in ihrem Handeln unterstützen. 2. Volksgenossen, •die von der Gemeinde Unterstützung beziehen und deren Angehörige oder sie selbst mit Juden Verkehr pflegen, erhalten in Zukmift von der Gemeinde keine Unterstützung mehr. 3. Volksgenossen, die noch Vieh an Juden verkaufen, wird das Wiegen au. der Gemeindevieliwaage untersagt. 4. Das Kaufen bei Juden bedeutet Verrat an Volk und Nation. Nach Meidun״ der ״Pommcrschen Zeitung“ in Stralsund ist in Warsow in Pommern den Juden der Zuzug verboten worden. Vermieter dürfen an Juden keine Wohnungen vermieten. Einwohner, die beim Juden kaufen, werden in Zukunft an den öffentlichen Anschlagtafeln genannt werden. An den Dorfeingängen werden Transparente angebracht, in denen zum Ausdruck gebracht wird, daß Juden in Warsow nichts zu suchen haben. Auf der Tagung der Beigeordneten der Gemeinde Schonebeck a. d. Elbe wurde beschlossen, städtische Aufträge künftig nur denjenigen Geschäftsleuten zu übergeben, die eine bindende Erklärung darüber abgeben, daß sie, ihre Familienangehörigen und Angestellten in keinerlei Geschäftsbeziehung zu juden, weder als Lieferanten noch als Bezieher, stehen. In Oppenheim a. Rhein hat der Stadtrat nach einer Meldung des ״Mainzer Anzeigers“ den Zuzug von Juden verboten. Die Polizei ist angewiesen, keinen Anmeldeschein von Juden anzunehmen. Auch können Juden keinen Grundbesitz erwerben; städtische Grundstücke w׳erden an Juden weder verpachtet noch vermietet, bestehende Verträge werden aufgehoben. Geschäftsleute, die mit Juden Geschäfte tätigen oder mit ihnen verkehren, erhalten keine städtischen Lieferungen. Diejenigen Fürsorgeempfänger, die Geschäfte mit Juden tätigen oder mit ihnen verkehren, werden vom Unter- Stützungsbezug ausgeschlossen. Bürgern, die mit Juden geschädlich oder persönlich verkehren, werden keine Steuer- Stundungen erteilt, ebenso werden andere Gesuche nicht berücksichtigt. Der ״Pfälzische Kurier“ in Bad Dürkheim meldet aus F r a n k c n t h a 1 (Pfalz), daß dort an allen Schaufenstern der Läden Hinweise zu lesen seien, daß Juden nicht bedient werden. Der Bürgermeister von Teterow gibt bekannt, daß Einwohner, die aus öffentlichen Mitteln Unterstützung erhalten, ihren gesamten Bedarf in arischen Geschäften zu decken haben, talls die Unterstützung nicht sofort eingestellt werden soll; ebenfalls können bei der Stadt nur solche Leute Beschäftigung finden, die nicht bei Juden kaufen. Die ״Märkische Zeitung“ berichtet, daß die Gastwirte von Neuruppin sich in einer Sitzung gegen die Aufnähme von Juden in den Gaststätten Neuruppins ausgesprechen haben. Es ist beschlossen worden, an allen Gast- Stätten entsprechende Schilder anzubringen. Die ״Nordhäuser Zeitung“ berichtet, daß in fast allen braunschweigischen H a r z g e m einden an den Ortseingängen Schilder sich befänden, die zum Ausdruck bringen, daß der Besuch von Juden unerwünscht sei. Die Betriebsführer der Lichtspieltheater ür Apolda, B a d Berka und Blankenhain (Thüringen) haben im Einvernehmen mit der Deutschen Arbeitsfront Juden den Zutritt zu ihren Lichtspieltheatern verboten. In Eisenach ist Juden der Zutritt zu einer Reihe von Hotels und Gaststätten verboten. In Starnberg wurden sämtliche Hotels und Pensionen darauf geprüft, ob sich die aus Bad Tölz ausgewiesenen jüdischen Kurgäste an den Starnberger See begeben hätten. Ein solcher Fall wurde festgestellt. Die Betreffenden verließen daraufhin Starnberg. Der Bürgermeister von Bad Reichen half hat laut ״Völkischem Beobachter“ bekanntgegeben, daß im Einvcrnehmen mit den zuständigen Staatsdienststellen an Juden reichsdeutscher Staatsangehörigkeit die Ausstellung von Kurtaxkartcn nicht mehr erfolgt. Jüdische Aerzrtc werden aus der Liste des Ktirvereins gestrichen und daher auch nicht mehr in den Kur- und Wohnungslisten geführt. Wie das ״Garmisch- Parten kirchener Tagblatt“ berichtet, sind in den Kurparks und Kurhäusern von Garmisch Partenkirchen Tafeln angebracht worden, die die Aufschrift tragen: ״Juden ist der Zutritt verboten!“ Der Besuch des Stadtbades in Apolda durch Juden ist unerwünscht. In der Badeanstalt am Großen Segeberger See haben Juden keinen Zutritt. Nach einer Mitteilung der Badeverwaltung des Nordseebades Helgoland ist es auf der inse! wiederholt zu Zwischenfällen mit nichtarischen Besuchern gekommen, so daß die den Nichtariern bisher gewährte Gastfreundschaft nicht mehr aufrechterhalten werden kann. In einer öffentlichen Ratsherrnsitzung in Nordhausen wurde nach einem Bericht der ״Braunschweigischen Neuesten Nachrichten“ erklärt, daß der Oberbürgermeister die ״Jiidenstraße“, in der vor Jahrhunderten die Nordhäuscr Juden wohnten, in ״Am Ratskeller“ umgeändert habe. ״Wir wollen damit kundtun“, sagte der Oberbürgermeister, ״daß es uns vor allem daran liegt, in Nordhausen eine Zeit herbeizuführen, in der sich kein Jude mehr in Nordhausen aufhält.“ Anu. Verhau! Preisliste ■׳gratis Philipp KosacK&co. Berlin C2׳ Burgstraße t3 Zähne ,oaturirfIrrru *י יי י" prf-iswert Plattenloser Zahnersatz i.igrm׳, Labor■rlonum Dentist KARL BERNSTEIN Berlin Wt,2. Lulhrrstr. .)1). SS 5 282t Diana Progerie Levetzowetr. Ha/ Filiale: Jagowstr. 5 Foto •Laboratorium / Versand frei Haus Wo steht «1er Revision! wmns? Eine lesenswerte Broschüre von fl. Liebensiein (10 Pf.). 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