Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 66 (16.8.1935)
- Date
- 1935-08-16
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Äft'f« JA JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 66 16. VIII. 1935 Erfahrungen mit jüdischen Kindern Die letzten beiden Jahre haben nicht nur für die Kinder selbst tiefgreifende Erschütterungen gebracht. Viel■ mehr wurden auch die Erziehungsaufgaben von Schule, Haus, Jugendbewegung und Gemeinschaft wesentlich umgestaltet. Einen — wenn auch unvollständigen — Einblick in die pädagogisch« Situation der Gegenwart vermittelt der nachstehende Aufsatz, der sich an eine Reihe 1>on Arbeiten anschließt, die wir an dieser Stelle in Nr. 18 vom 1, März 1935 veröffentlichten. Red. Die Meinung des Arztes* Von Dr. med. Arnold Merzbach, Frankfurt a. M. Die Phase der persönlichen BerUhrtheit Die Betroffenen In einer zweiten Phase — sie beginnt etwa im Sommer 1933 und erstreckt sich bis weit in die Wintermonate 1934 hinein — haben sich die Verhaltensweisen der Kinder je nach Anlage- und Miiieutypus gesondert. In dieser Zeit haben sich, vielleicht am Basis der vorausgegangenen Unruhe• Stimmung, krankhafte Symptome und Svmptomcnbilder bei manchen 1' i n / e 1 n e 11 herausgobiktet, während die allgemeine Unruhe und Unlust allmählich a!)sinkt. Wenn ich daher hier von einer ״Phase der p e r s i> n 1 i c 11 c 11 lier ü 11 r t!1 e i t“ spreche, so soll dies nicht so verstanden sein, als ob das• jenige Kind, welches den Voigang der neurotischen Erschüttc• rung an sich erleidet, immer dasjenige wäre, welches als Angriffspunkt einer ErsclitiCenmg besonders gefährdet gewesen sei. 1111 (iegenteil: es befiel das neurotische Symptom meist die verzärtelten und seelisch nicht abgehärteten' Kinder, meist solche aus wohltetnperierkun bürgerlichem Milieu, oder solche au« heh leten Familien. Demgegenüber scheint das gesunde und natürlich erzogene Kind, wenn es wirklich einmai ein tinaiigenelimes persönliches Erlebnis gehabt hat, dieses ohne neurotische Symptonibikhmg zu verarbeiten und ganz einfach, wie vieles andere Unangenehme, zu vergessen. Darüber hinaus findet sich freilich das krankhafte Svmptom auch bei solchen Kindern, von denen eine neue geistige Leistung oder der Akt einer Umstellung verlangt oder erwartet wird: es sind die älteren Volksschule!׳, welche vor der Schulentlassung und der Berufswahl stehen, dann die durch einen Ortswechsel in ein neues Milieu gekommenen Kinder und schließlich die von einer Schule in eine andere timgeschulten, die sieh nunmehr neu ein/ugewöhnen haben. Naturlieh lassen .>,'1011 die erwähnten zwei Gruppen der von Ersdiiittcning betroffenen Kinder nicht scharf voneinander treunen, sondern uberscljnciden sich wie zwei Kreise, so besonders die Verzärtelten einerseits und die mit Leistungsanforderung oder Milieuwechsel andererseits. Die Symptome Welche nervösen Symptome konnte man in dieser Phase nun beobachten? I!n Vordergrund schienen liier körperliche Störangen zu stehen. So habe ich hei einer ganzen Anzahl von Knaben und Mädchen das Auftreten und Wiederauftreten von nächtlichem Bettnässen, ja sogar von Blasenstäriuigeii am Tage beobachtet, und zwar relativ häufig in jener sclnvierigsten Form gehäufter und chronischer Zustände. Keineswegs handelte es sich hierbei um jene abnorme Tief• Schläfer, bei denen dieses Vorkommnis am bekanntesten ist, sondern meist um erschöpfbare Menschenkinder mit sogar unruhigem und leichtern Schlaf, die sich morgens ihrer Schwäche schämten und überhaupt tagsüber unfroh und leistungsunlustig waren; ausnahmslos fanden sich diese Uebelstände bei älteren Kindern, zuni Teil vor dem Eintritt ins Berufsleben. Jüngere, meist Einzige, pflegten auch über irgendwelche Schmerzen zu klagen, gewöhnlich Kopfschmerzen, und es war augenscheinlich, dafl sie sich in diese Symptome geflüchtet hatten; hier war die Beteiligung ostjüdischer Kinder, zumal der Mädchen, besonders groll. Nur zwei Fälle mit nervösem Erbrechen sind mir bekannt geworden; beides waren ältere Mädchen, 1111 Ciegc.'uat/ zu den auch im Sommer 1933 noch ziemlich verbreiteten F.Bstönmgen der Kinder habe ich niemals das Auftreten nervöser Durchfälle beobachtet; dieses hei Erwachsenen häufigere Symptom scheint Kindern zu unbequem zu sein. Die einzigen körperlichen Störungen, die ohne seelisches Motiv in der ersten und in der zweiten Phase immer gleichmäßig auftraten, w aren Bcwegungsstörungen im Sinne einer allgemeinen Zappeligkeit, Unruhe und I 'nb! In iTselnlieit und ferner bestimmte Formen nur fachärztlich iukressieremler Ueberhi'v.eglichkeit. Recht bemerkenswert s> heisst auch, daß mir trotz einer gewissen Zahl söge- II an nt er epilcpfuider Typen mit Linkshändigkeit, geistiger Einengung und Neigung zu Migräne kein einziger Fall bekann( gc .׳. orden Kt, wo epileptische Anfälle bei Kindern neu aufgetreten w ären — vielleicht ein Beweis, daß die Epilepsie unter Juden doch recht selten ist, Unter d11׳־ s e e li s c 11 e n S t ö r u 11 g e n dieser Phase schienen soi.hc 1m Bereich des geistigen Ablaufe» häufiger zu sein als im (icmutsieben, Fis haben die Konfüktspamiurigen zwischen Schillern und I ehren! in jüdischen Schulen an Zahl und Intensität doch wohl zugcnonimen, insbesondere dort, wo ein größerer Altersunterschied beide Lager trennte. Bisweilen fand ich geradezu eine Konfliktbereitschaft aut beiden Seiten. Bei kleineren Ungerechtigkeiten jüdischer Lehrer, die früher wohl anstandslos hingeiioninien worden wären, kam es in einzelnen Fällen sogar zu sogenannten ״paranoischen Reaktionen“': es heißt etwa; ״dieser Lehrer sucht mich lächerlieh zu machen und bloß/ustellvn!“ Bei den in jüdischen Schulen und entsprechendem Milieu aufwachsenden Schülern — merkwürdigerweise den Knaben vier mehr als den Mädchen — findet sich zum Teil eine latente Furcht vor der ersten Berührung mit der fremden Umwelt. Ein krasser!־all solcher Affektspannung betrifft einen 13jährigen schulentlassenen Lehrling, der aus Furcht vor der Berufsschule und etwaigen Neckereien seiner neuen Kameraden zuerst ganz, primitiv diesen Unterricht ״schwänzte“, dann — entlarvt — sich in allerlei Krankheiten flüchtete, schließlich wiederholt von Hause fortlief und sogar mit Selbstmorddrohungen seine Eltern einschüchterte; nach entsprechender psychotherapeutischer Behandlung geht er nun brav und unbehelligt in seine Berufsschule. Bei manchen Kindern (es sind etwa 15—20) haben sich echte Zwangscrscheinungen lieraiisgebildct: solclie Kinder glauben sich etwa als Juden auf der Straße besonders beobachtet, meinen, sie hätten besonders ״typisches“ Aussehen und greifen zum Schutz dann zu allerhand merkwürdigen Gewohnheiten in Kleidung, Rede oder Gebaren. Andere, besonders jüngere Knaben, helfen sich aus ihrer anfänglichen Affektspannung durch ein paradoxes Verhalten: sie wehren sich gegen ihr Judesein. Den stärksten seelischen Schock übt bei jüdischer! Schulkindern der mittleren Jahrgänge nach meiner Erfahrung der Weggang ihrer Klassenkameraden nach Palästina aus; cs kommt bei der! Zurückbleibcndcn nach teils feierlichen, *) Siehe den ersten Artikel in ״Jüd. Rundschau“ Nr. 18 vom 1. 3. 35teils gekünstelten Abschiedsszenen zu einer nachdenklichen Verstimmung, zu einem merkwürdig inneren Oerührteein, zu Neid gegen die Abgereisten, ja zu Auflehnung gegenüber den eigenen Eltern. Bei den Kleineren tritt eine Lösung insofern ein, als in neu einsetzender Phantasietätigkeit weitschweifig ausgcmalt wird, wie im anderen Lande der Kamerad sich einlcben und was er an alltäglichen Besonderheiten erleben mag. Abreisen in westeuropäische Länder machten weniger Eindruck. Wirkungen der Umsiedlung in diesem Zusammenhang muß ein Wort über die psychische Veränderung solcher abgereister und in fremd• sprachige Umgebung versetzter Kinder auf Grund eigener Beobachtung angefügt werden. Ich konnte, besonders bei Mädchen im Beginn der Rcifunirsiahre, hie und da langdauernde Meimvvelizustände heoha.liten. obwohl diese Kinder nur innerhalb ihrer Familie umsiedelten und sofort in ein geordnetes Milieu kamen. (ieftihle der Verlassenheit, Weinausbrüehe, bisweilen an psychotische Zustande grenzend, traten ein. Ein solches Kind beruhigte sich erst wieder, als es von England nach Deutschland zurück und zu seiner (}roßmutter gebracht wurde, obwohl es nunmehr von seinen Eltern getrennt war. Andererseits kenne ich Knaben, welche aut die Fremdheit ihrer ausländischen Umgebung mit krasser Betonung ihres Deutsehseins reagierten. Bei raschein Ortswechsei oder ungenügender pädagogischer Vorbereitung kam es bisweilen erst itn Ausland zu nervösen Angstnistanden und nächtlicher Unruhe; auch hier handelt es sich vorwiegend um bürgerliche Kinder sowohl der Großstadt als auch aus ländlichem Milieu. Bei einzelnen dieser Kinder verwischt sich sogar die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit: das rasche reale Erleben kommt ihnen unwirklich und traumhaft vor. Andere leiden an Störungen ihres inneren subjektiven Zeitbewußtseins. Doch gehören diese Störungen bereits in die physiologische Schwankungsbreite seelischer Verstimmungen. Frohes Wiederaufleben vorher gedrückter Kinder wurde mir nur aus Palästina berichtet. Auch in der zeitlichen Schau imponieren die geschilderten Störungen durchaus als begrenzt und von selbst heilend. Sie scheinen somit Uebergangssymptome darzustellcn und werden hoffentlich ohne Schaden für die spätere Entwicklung ablaufen. Wenn in diesem Zusammenhänge von einem seelischen Auslcseprozcß, der die kraukheitsfähigen und die gesunden Persönlichkeiten voneinander abhebt, gesprochen worden ist, so ist damit natürlich noch kein Werturteil gefällt, weder In der sozialen, noch in der individuellen Wertbctrachtung; insbesondere dürfen die robusten und unempfindliehen Typen nicht etwa als die leistungsfähigeren oder wertvolleren gelten. Die Phase der Gewöhnung Die werdende Persönlichkeit Die Phase der persönlichen Erschütterung leitet allmählieh, ungefähr seit dem Winterausgang 193!, bei unseren Jugendlichen in eine Phase seelischer Gewöhnung über. Denn seit dieser Zeit nehmen die seelischen Gleichgewichts- Störungen sowohl 'hinsichtlich ihrer Intensität, als auch ihrer Zahl irn großen und ganzen ab, während die körperlichen Auffälligkeiten noch länger zu bestellen scheinen. Nunmehr lieben sich üie^ statischen Wesenszüge und Eigenschaften unserer Kinder in positiver und in negativer Hinsicht deutlieber heraus. Hier freilich befinden wir uns nicht mehr im Gebiet des Inncrscclischen, sondern bereits in der Sphäre der stellungiichmcndcn und wertbewußten Persönlichkeit. Es ist sehr eindrucksvoll, wie die Not der Zeit bei unserer lugend positive Eigenschaften erzeugt oder gestärkt hat. So hat nicht nur das jüdische Sdbstbewußtsein wieder zugenommeu, sondert! cs blühen auch persönliche Eigenschaften wie Ausdauer, Mut, Hilfsbereitschaft, Treue, Uneigennützigkeit, Vorständnis fiir das Gemeinwohl erfreulich auf. Der Wille zum realen Wissen scheint allerwärts zu steigen. Auch alles Religiöse wird ernster genommen. Die Lebensfreimlheit maneher gut bürgerlicher Knaben und Mädchen ist einer gesunden praktischen Betätigung gewichen. Ganz besonders gilt dies alles für die ältere schon auf Hachscharah befindliche, sich innerlich aut Palästina vorbereitende Jugend — aber doch keineswegs nur für diese! Im ganzen scheint unsere Jugend härter und genügsamer zu werden -— freilich auch freudeärmer und sorgenvoller, besonders dort, wo die Not zum Verzicht schon im Unentbehrlichen zwingt. Im gleichen Maße wie das Stimmungsnivcau der Erwachsenen herabgedrückt ist, scheint auch unsere Jugend weniger zum Lachen bereit zu sein — eine ernste Mahnung an alle Eltern, zuerst bei sich Selbstdisziplin zu üben und bei ihren Kindern wenigstens die kleinsten Freuden des Lebens zu pflegen. Kontraste Unter der älteren Jugend ist das Bild ihrer Stirnmung kontrastreicher. Es gibt manche Knaben, die richtig depressiv oder ratlos sind, angeblich weil sie sich nicht ״autzuheben wissen“ und kein Berufsziel vor Augen sehen; manche von denen, die den Weg zum Arzt finden, haben sich aus Mangel an Lust in die Onanie geflüchtet. Leider macht sich unter unseren Halbwüchsigen, dort, wo sie in Gruppen auftreten und nicht durch geistige Beschäftigung genügend nach innen gewandt sind, eine Sorglosigkeit und Unbekümrnertheit breit, weiche allen erzieherischen Ernst mit einem besserwissenden Lächeln quittiert. Dieser Zeiterscheinung unbelehrbarer Jugendlicher, bei welcher zuerst die soziale Gefahr ins Auge springt, muß eine andere gcgenübergestellt werden, wo der Schaden der Person im Vordergrund steht. Da werden noch unfertige und in der Pubertätskrise mit all ihrer Problematik, Unsicherheit und Beeinflußbarkeit befangene Jugendliche in eine unbekannte Fremde hinausgeschickt, wo sie — wie schon fertige Menschen zuerst auf sich selbst gestellt — noch nicht geniigend gerüstet ihren Lebenskampf zu beginnen haben und sieh zugleich in eine kulturell gegebene Umgebung eingewohnen müssen; so bleibt es naturgemäß nicht aus, daß unter dem Zwange der Tatsachen die noch im Gange befindliehe innere Entwicklung künstlich abgeschnürt werden muß, nur um nach außen ein Fertigsein der Persönlichkeit vorzutäuschen. Müssen diese Jugendlichen immerhin im Augenblick ein zärich Touring Hotel Qarni “5׳ ״.se ca. SM m vom Houpttutmhof *יי••• Telefon In eimtliefc. Zimmern Schach Bearbeitet von J. Mieses Unter den deutschen Problemkünstlern jüdischer Abkunft ist A. Schiffmann einer der besten und fruchtbarsten. Wir sind in der Lage, nachstehend zwei wohlgelungene Originalbeitrüge von ihm zu bringen. Beide Probleme sind, wie die» für Schiffmanns Kompositionen charakteristisch ist, gefällig und pointiert. £8 sei hier noch besonders erwähnt, daß Schilf mann sich mit Vorliebe den Abarten der Problemkunst, insbesondere den Seibstmattaufgaben zugewandt hat. Auf diesem Gebiete hat er ganz Hervorragendes und Eigenartiges geleistet. Aufgabe Nr. 6 Aufgabe Nr. 7 Von A. Schiffmann in Berlin Von A. Schiffmann in Berlin bcdefgbt Matt in zwei Zögen Matt in drei Zügen Zu der ״Schach-Olympiad e“, die vom 16. bis 31. August in Warschau abgehalten wird, trifft auch eine palästinensische Delegation, bestehend aus den Meistern Anuch (Haifa), Dobkin (Jerusalem), Winz (Tel-Awiw), Foerder und Czerniak (Jerusalem) ein. Aus dem Reich Von unseren Berichterstattern Bamberg. Die Zionistische Ortsgruppe veranstaltete am 6. August im Jüdischen Jugendheim einen Vortragsa!>end: ״Auswandem und Aufbauen — Gedanken zum Zionistenkongreß“ mit Dr. Fricdenthal, Berlin, als Referenten. Die Anwesenden waren tief beeindruckt; die \ crun-latlung ein voller Erfolg für die Ortsgruppe; etliche Neuanmeldungen die Quittung fiir die rege zionistische Arbeit in Bamberg. Bebra. Am 14. Juli fand ein Treffen des Banhuds für die Jugend der umliegenden Städte und Dörfer stau. Ariel) Ildndier, Frankfurt, eröffnet« die Tagung mit einem Referat über Fragen des Palästina- Aufbau, und über Fragen der Arbeit in kleinen Gemeinden. Lehrer Julius Oppenheim, Frankfurt, behandelte die praktischen Fragen der Arbeit. Bachum. Vor den Mitgliedern der Ortsgruppe und der Jugendbtindc hielt Theo Berg, Dortmund, die Herzi-Biatik-Gedenkrede. Die Leier war von Gesängen des Ilabanim umrahmt. Breslau. Dag Jüdisch-Theologische Seminar beschloß sein Sommer- Semester mit einer Herzl-Iiialik-Feier. Die hebräische Ansprache hielt Jizchak Sud, die deutsche Gedenkrede Fritz Günter Nathan. — ln einer Versammlung der HZV., die sich mit den Problemen und Aufgaben des Kongresses beschäftigte, sprachen Dr. Walter Lux (A 11g. Zion.), Scm.-Rabb. Dr. Israel Kabin (Misrachi) und Ernst Bauer, Berlin (Hcchaluz). I)r. Lux behandelte die allgemeinen Fragen des K1)ngre-»es, Dr. Kabin die hebräisch-kulturellen und Bauer die Fragen wir! ■chattlieber Planung. Deutsch-Krone. Am 12. August hielt Dr. Schloßberg, Berlin, in der Synagoge einen Vortrag über die politische Entwicklung des Zionismus. Dortmund. Zur intensiven Schulung ihrer Mitglieder veranstaltet die Zionistische Ortsgruppe folgende Kurse, die sich einer regen Betciligung erfreuen: 1. Zionismus. Idee und Praxis, geleitet von Herrn Theo Berg; 2. Palästinakunde unter Leitung von Dipl.•Ing. Karl Kicßlcr. Esten. In einer gutbesuchten Mitgliederversammlung der Ortsgruppe referierte Theo Berg, Dortmund, über; ״Die Situation vor dem XIX. Kongreß". Bar Mizwah ־ Termine Am 17. August — 18. Ab: Kurt Jacobi, Sohn von Max JFacobi, i iamburg-Ohlsdorf, Fuhlsbütilerstr. 600. Am 24. August — 25. Ab: Paul Horn, Sohn von Georg Horn, Jülich, llubertusstr. 11. Am 24. August — 25. Ab: Erich Joachim Rieder, Sohn von Siegfried Rieder und llerla Rieder, gib. Strauß, Hamburg, Bismarckstraße 105. Am 24. August — 25. Ab: Abraham Hirsch Weinberger, Sohn von Juda Weinberger, Magdeburg, Katharinenstr. 4. überdurchschnittliches Maß an Anpassungsfähigkeit beweisen, so fällt bei unseren alleren Jugendlichen hier nach meiner Beobachtung bereits jetzt ein geistiger Niveauabfall (auch in der Jugendbewegung) auf: im geistigen Prozeß läßt nicht nur die Konzentrationsfähigkeit, sondern auch die Aufinerksamkcitsdauer erstaunlich nach und auch der Leistungsdurchschnitt und die Gründlichkeit scheinen im Sinken begriffen zu sein. Nur bei den Kindern der ersten Schuljahre ist die Arbeitsfreude und der Gemeinschaftswille stärker geworden als früher im Durchschnitt; diese Kinder haben ja auch keinen inneren Vergleichsmaßstab verschiedener Zeitsituationen, son״ dern finden ein in Umgruppierung und Konzentration begriffe• nes jüdisches Milieu vor. Ausblick So zeigt sich im kuc״oucK und in der Vorausschau doch hie und da eine frohe hoffnungsvolle pädagogische Basis im Hinblick darauf, daß wir unsere Jugend für Palästina zu rüstenhaben. In welchem seelischen Zustand wird unsere Jugend aber Jn die Zukunft cintretcn? Das ist die Frage! Vor der Tür steht die Gefahr einer geistigen Verflachung und die noch größere einer Herabsenkung des Stimmungsniveaus. Um so mehr muß sich jeder Erwachsene bewußt sein, daß er mit jeder seiner Stellungnahmen und Entscheidungen Milieubildner ist, und daß gegenüber dem jüdischen Kinde jedes seiner Worte und jede seiner Handlungen und überhaupt seine ganze Verhaltungsweise den Wert eines pädagogischen Aktes hat. Und es haben alle berufenen jüdischen Instanzen daran mit/uwirken, daß aus der gegenwärtigen noch neutralen Phase der Gewöhnung und Anpassung nicht eine solche der Resignation entstehe, s 0 n dern eine neue Phase des Vertrauens und der geistigen Sammlung.