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Jüdische Rundschau · 1935-06-28 · Heft 52 (28.6.1935) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 52 (28.6.1935)
Date
1935-06-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis 25 Raf, / Jahrgang40 ׳ JÜDISCHE RUNDSCHAD faüiriftlAltmig,Verlag a. Aaxeigenvarwaltangt BarllaWlS, M«lnek«1tr. 10 Farrmi!; Sammel-Nr, J1 Bismarck 3X81/82,718570, 7240/42. — Beat1f;sprcie je Monat jlki 2.^-, je Vierteljahr RM 5,75• - Postscheck ־ Konten der Vertriebs-Abteilung: Berlin 71573 (für Groß-Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reich). Auslandsb«m1g in jeweiliger Landeswährung. - Erscheint jeden Dienet«; und Freitag. BERLIN כ״ז־סיון. חיצ״ה FREITAG, 28. JUNI 1935 Anzelgonpretaliit• Nr. 2 gMtig. Di* «gosp. mm-Zofle 20 Rp[, lür Sielleng•■. 10 Rpf, für Katniliehn.chricKten IS Rp(. EiiucUnuigen mir gegen Vorauszahlung am Schalter oder auf 1’oslacheck-K.omo Berlin 71618.Montag bi* Donnerslag 9-18 Uhr, Freitag 9-16 Uhr. AnnahmeschluR fiir die Dienstag.Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag ״Ausgabe Mittwoch 13 Uhr (Familienanzeigen bis Donnerstag 10 Uhrl Per Zionismus erstrebt für das jQdische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Arierprinzip im Arbeitsdienst Die Sonderstellung1 der Juden — Auswanderung und ihre Voraussetzungen — Volkstum und Staat In dem soeben von der Reichsregierung verkündeten Gesetz über die Arbeitsdienstpflicht ist ebenso wie im Wehrgesetz der Arierparagraph enthalten. Auch zum Arbeitsdienst, als dessen Ziel die Erziehung der deutschen Jugend ״im Geiste des Nationalsozialismus zur Volksgemeinschaft und zur wahren Arbeitsauffassung“ erklärt wird, werden Nichtarier nur in Ausnalnnefäilen zugelassen, was sich ja schon dadurch erklärt, daß nach der Auffassung des Nationalsozialismus ein Nichtarier nicht zur deutschen Volksgemeinschaft gehören kann. Ist uns durch diese Gesetze und durch anderes in letzter Zeit unsere Sonderstellung, die praktisch dem Wunsch nach Ausschluß gleichkommt, wieder nachdrücklieh zum Bewußtsein gebracht, so enthält der jetzige Zustand für uns Juden auch noch eine andere, mehr im Geistigen liegende Gefahr, die nicht immer deutlich gesehen wird- Es ist die Gefahr des Stchenbleibens inmitten einer sich rapid wandelnden Welt. An dem deutsehen Volk wird ein gewaltiger Umwandlungsprozeß vollzogen, der durch die Neuordnung auf vielen Gebieten, zuletzt durch Einführung der Wehrpflicht und Arbeitspflicht, durch die Einwirkung der verschiedenen Veranstaltungen und Organisationen, ein grandioses Ausmaß annimmt. Es droht die Gefahr, daß viele jüdische Menschen, die nicht unmittelbar materiell von dem Umsturz betroffen sind, ihr altes Leben in einer alten Begriffswelt weiterleben, besonders, wenn sie von jüdischen Impulsen nicht erfaßt werden. Um Politik kümmert sich heute sicherlich kein Jude, denn ״politische Betätigung“ hat heute einen ganz anderen Sinn bekommen als in der früheren Epoche, wo unter der Geltung des allgemeinen Wahlrechts jeder Bürger, also selbstverständlich auch jeder jüdische Bürger, veranlaßt, ja sogar verpflichtet war, sich ein politisches Urteil zu bilden und sich demgemäß zu betätigen. Heute ist das anders. Wir meinen also nichts Politisches, wenn wir darauf hinweisen, daß nicht allen Juden die Neuheit ihrer Lage zum Bewußtsein kommt. Wir meinen die Besorgnis, daß bei vielen Juden die große Erschütterung sich nicht prod u k t i v auswirk(, auch im Sinne eines neuen Durchdenkens. Bei dem ungeheuren Prozeß der Neugestaltung des deutschen Volkes, der alle Kräfte in Anspruch nimmt, bleibt die Frage der quantitativ sehr geringen, Aus dem Arbeitsdienstgesetz Das soeben bekanntgegebene (jesetz für den Reichsarbeitsdienst regelt in §7 die Frage der Abstammung der männlichen Arbeitsdienstpflichtigen. Die Bestimmungen lauten: (1) Zum Reichsarbeitsdienst kann nicht zugelassen werden, iver nichtarischer Abstammung ist oder mit einer Person nichtarischer Abstammung verheiratet ist. Wer als Person nichtarischer Abstammung zu gelten hat, bestimmen die Richtlinien des Reichsministers des Innern vom 8. August 1933 zum § 1 a Abs. 3 des Reichsbeamtengesetzes (RGBl. I S. 575). (2) Nichtarier, die nach § 15 Abs. 2 des Wehrgesetzes fiir wehrwürdig erklärt werden, können auch zum Reichsarbeitsdienst •zugelassen werden. Sic können jedoch nicht Vorgesetzte im Reichsarbeitsdienst werden. ln § 11 des Gesetzes heißt es dann weiter in Absatz 2: Der Führeranwärter muß sich vor seiner Beförderung ztim planmäßigen Truppführe!׳ schriftlich zu einer ununter־ brochenen Dienstzeit von mindestens zehn Jahren verpflichten und den Nachweis arischer Abstammung führen; er muß weiter seiner aktiven Dienstpflicht in der Wehrmacht genügt haben. Juden und Wehrdienst Der Geheime Kriegsrat und Abteilungschef im Reichskriegsministerium Paul Seniler und der Oberregierungsrat im gleichen Ministerium Dr. Otto Scnftleben haben (im Verlag Georg Stilke, Berlin) den Text des neuen Wehrgesetzes herausgegeben. Im Vorwort äußern sich die Refcrenten auch zur Frage der Nichtarier: ״Reinrassige Juden dürfen keinen Wehrdienst leisten. Im Kriege kommen sie für die Verwendung in Arbeitsformationen fit Betracht. . . . Auch alle Nichtarier unterliegen der militürisehen Meldepflicht und der Wehrüberwachung.“ aber doch vorhandenen, heterogenen Bcvölkerungsbestandteile bestehen. Der neue Staat, der in Deutschland entsteht, strebt nach vollkommener Einheitlichkeit, und demgemäß werden andersartige Eiemente als störend empfunden. Vor allem gilt dies im Rassenstaat von den anders r a s s i g e n Juden, ln einer kürzlich von uns veröffentlichten Bekanntmachung des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP, über die Zulassung jüdischer Handwerkerkurse für auswandcrungswillige jüdische Jugend wird gesagt: ״Da jede Maßnahme, die die Auswanderung der Juden aus Deutschland fördert, zu begrüßen ist....“ Es ist klar, daß die Auswanderung der Juden gewünscht wird; durch sie würde ein andersartiges Element der Bevölkerung beseitigt und die Totalität des Volk-Staates bestärkt. Wir Juden in Deutschland sind heute zum großen Teil zur Auswanderung gezwungen, weil insbesondere Teile der Jugend keine soziale Ein- Ordnung hier finden können. Der Z i o n i s m u s bietet den Menschen tlie Möglichkeit, nicht als auswandernde Desperados dazustehen, sondern zugleich «sine große neue Aufgabe vor sich zu sehen. Aber diese Auswanderung ist nicht nur ein politisches Problem — als welches sie von maßgebender deutscher Seite gewertet wird -, sondern auch ein geistiges und vor allem technisches Problem. Sie hat viele Voraussetzungen: eine davon ist der Wille der zionistischen Weltbewegung und der Juden anderer Länder, bei der Ueberführung und Ansiedlung deutscher Juden nach Palästina materiell mitzuwirken, eine andere die Möglichkeit eines wenigstens beschränkten Vermögenstransfers, der den Menschen die Errichtung einer neuen Existenz ermöglicht. Eine dritte ist die berufliche und geistige Vorbildung und Vorber e i t u n g d e r j ii d i s c h e n J u g e n d, die auch eine Art Arbeitsdienst durchmacht. Es ist unbestreitbar, daß der Prozeß der jüdisehe n A 11 s w a 1111 c r u n g a u s D c u t s c 111 a n d u n ־ unterbrechen weitergehen wird, und es wird auch von niemandem bezweifelt, daß der wichtigste Teil dieser Auswanderung nach Palästina geht. Dort finden im übrigen die Menschen ihre Einordnung in eine konstruktive Aufgabe und werden von der Emigranten- Psychologie befreit. Es ist heute kaum erforderlich, für Auswanderung Propaganda zu machen, da stets mehr Anwärter da sind als befördert werden können. Aber es ist selbstverständlich, daß nicht nur die Zionistische Organisation, sondern alle gesamtjüdischen Instanzen in Deutschland die Leitung und Vorbereitung der Auswanderung als eines ihrer Haupt gebiete betrachten müssen. Aber Auswanderung ist keine 10()״oige Antwort und löst nicht vollständig das oben erwähnte Problem des heterogenen Bevölkerungsbestandteils. Nichts ist in einer Lage wie der unsrigen so gefährlieh, wie gedankenloses Schabionisieren. So hat man unter dein Aufschwung der Palästina-Wanderung häufig vergessen, wo eigentlich die Scheidelinie der jüdischen Parteien stets verlief. Viele Juden stellen sich z. B. unter einem ״Zionisten“ einen Menschen vor, der seine Koffer schon zur Abreise gepackt und den daher nichts mehr mit seinem alten Vaterland verbindet. Nichts ist falscher als diese Meinung. Zionisten sind diejenigen Juden, die das jüdische Problem als ganzes durchdenken, es als ein V .0 I k s p r o b I e!1! erkennen und die Vera 11t- Wartung dafür auf sich lasten fühlen. Das Leben des Volkes im Galuth bringt es mit sich, daß stets der eine oder andere Teil des Volkes einem besonderen Druck ausgesetzt ist; zur Zeit der Entstehung des JUDEN BEI DER ERNTE-ARBEIT Die erste Ernte auf dem neubesiedelten Boden von Emelc Chef er (Wadi Chawarit), der — vor kurzem noch Oedfand — in diesem fahre zum ersten Male Frucht trägt. Photo; Ori.ut Pr«• Phot• c««P. mm *»ft ■i •Ä»f V Tü־' Y •*יי. l'Äf; «*5? ־ ״«£ ־' .. \ ייידד&ג־ז rf<׳ ";?יד ,j.y,;. xas& 7 ׳ n.‘' \ •ויד '*H. \ -׳ ■ V ־־׳»'., V.

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