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Jüdische Rundschau · 1935-06-18 · Heft 49 (18.6.1935) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 49 (18.6.1935)
Date
1935-06-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Um die Freiheit der Kanzel Kundgebung der BZV. zum Fall Prinz Die Erregung, die die Maßregelung von Rabbiner Dr. Joachim Prinz in der Berliner Gemeinde hervorgerufen hat, fand ain letzten Donnerstag ihren Widerhall in einer Kundgebung der Berlin er Zionistischen Verein igung in der Singakademie. Rechtsanwalt Benno Cohn eröffnete die Versammlung und betonte ihren Ausnahme- Charakter, da diese Kundgebung sich mit einem ganz anderen Thema beschäftige als andere zionistische Veranstaltungen. Als erster Redner befaßte sich sodann Dr. Franz Meyer mit der Frage der Stellung des Rabbiners in der Gemeinde. Er begrüßte die inzwischen von der Gemeinde angenommene Vermittlung des Allgemeinen Rabbinerverbandes, der aber doch nur die berufspolitische Seite untersuchen könne, während für uns die generelle Frage zu beantworten bleibt, inwieweit die willkürliche Maßregelung eines Rabbiners möglich sein soll. Der Redner führte die Möglichkeit eines solchen Vorkommnisses auf die vom Geist der Zeit bisher kaum angetastete Organisation des Judentums Deutschlands zurück, das sich in vielen Beziehungen seinen Aufgaben nicht gewachsen gezeigt habe. Es sei ein verkümmerter Organismus. Das Schicksal dieses Judentums hängt davon ab, ob es diesem Organismus seine Lebensfunktionen wiederzugeben vermag. Darum geht ja der Kampf der Zionisten in den letzten Wochen. Neben dieser Starrheit der Organisation besteht der andere Mangel, daß ein großer Teil der Juden überhaupt von keiner Organisation erfaßt wird. Dieser Zerfall bedroht uns am stärksten. Dr. Prinz hat das Verdienst, als einer der ersten in die Reihen der bisher nicht Erfaßten eine Bresche gelegt zu haben; er zog durch seine Reden zahlreiche Menschen wieder ins Judentum hinein. Deshalb gebührt ihm Dank. Er kann nicht mit den beim Gemeindevorstand üblichen Maßstäben gemessen werden. Die Gemeinde müsse ihre Verwaltung so einrichten, daß ein Mann wie Prinz in ihr Platz habe. Mit dem Anlaß und den! Milieu des Vorfalls selbst beschäftigte sich eingehend Dr, Salti Hirsch der das Verdienst von Dr. Prinz schilderte, im Friedenstempel eine echte Gemeinde geschaffen zu haben, und seiner Entrüstung darüber Ausdruck gab, daß der Gemeinde- Vorstand jetzt dieses Milieu willkürlich zerstört habe, ohne dabei auf die Stimmung der Gemeinde Rücksicht zu nehmen. Wenn der Vorstand in seiner bekannten Erklärung über die Kanzelfreiheit sagte, daß die Grenze der ״Rücksicht auf die Zeitverhältnisse“ nicht überschritten werden dürfe, so müsse man sich fragen: hat Dr. Prinz auf die Zeitverhältnisse zu viel »der zu wenig Rücksicht genommen? Der Vorstand freilieh möchte möglichst wenig von den Zeitverhältnissen erfahren. Er muß es mit ansehen, daß alles, was er in den letzten Dezennien bekämpft hat, heute zu einer unzerstörbaren Wirklichkeit wird. Deshalb hat er den begreifliehen Wunsch, sich in den Synagogen eine Oase zu schaffen, in der man durch ״Erbauung“ um die Wirklichkeit herumkommt. Es ist der Wunsch des Gemeindevor- Standes, daß die Rabbiner in ihren Predigten nichts von unserer wirklichen Lage sagen. Aber wir wissen: echte Erbauung wird nicht durch Redensarten gespendet, sondern aus dem Anschauen der Wirklichkeit. Als dritter Redner kam Dr. David Schloßberg zu Wort, der die Instinktlosigkeit des Vorstandes geißelte, der ohne jede Fühlung mit der Stimmung der Gemeindemitglieder sei. Der ganze Vorfall sei nur aus der liberalen Auffassung zu erklären, die den Rabbiner als einen Gern ein debedienstet en betrachtet, als eine Art ״Schabbos-Judeu“, der für die andern fromm zu sein hat. Die liberale Aera hat den Rabbiner aus seiner ursprünglichen Funktion als Lehrer und Richter herausgedrängt und zum Prediger gemacht, der Erbauung zu liefern hatte. Das Resultat war nicht nur eine Entleerung der Predigten von jüdischem Inhalt, sondern auch der Synagogen. Dr. Prinz ist einer der wenigen, die es verstehen, die Menschen in die Synagoge zurückzuführen und ihnen eine Predigt zum Erlebnis werden zu lassen, indem er an die Stelle der Erbauung die Aufrüttelung setzte. Aus der ganzen Affäre könne man eines vor allem mit Deutlichkeit erkennen: die Zeit dieses Gemeindevorstandes ist abgelaufen. Alle drei Redner fanden die stürmische Zustimmung der Versammlung und wurden immer wieder von Beifall unterbrochen. Einstimmig nahm die Versammlung folgende Resolution an: ״Die zu einer Kundgebung der BZV. In der Singakademie versammelten Berliner Juden protestieren aufs entschiedenste gegen die Maßregelung des Rabbiners Dr. Joachim Prinz durch den Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeirde. Sie erblicken in dieser Maßnahme, die ohne Anhörung der berufenen Instanzen erfolgte und sachlich völlig unbegründet ist, eine schwere Verletzung des Grundsatzes der Kanzelfrelheit. Sie fordern vom Gemeindevorstand sofortige Wiedereinsetzung des Rabbiners in seine Predigtamts-Funktionen. Darüber hinaus erwarten die Versammelten vom Berliner Gemeindevorstand, daß er dafür Sorge trage, eine Persönlichkeit wie Joachim Prinz, von der eine einzigartige tiefe Wirkung auf das Berliner jüdische Leben und große Teile der Berliner jüdischen Jugend ausgegangen ist, in seinem Amt als Rabbiner auch für die Zukunft zu halten. In dem Abgang von Rabbintr Dr. Prinz erblicken die Versammelten einen schweren Verlust für das Berliner jüdische Gemeindeleben, den der Gemeinde zu ersparen ihr Vorstand verpflichtet ist. Die Berliner Juden erklären schon jetzt, daß sie nicht nachiassen werden, die Zurückgewinnung von Joachim Prinz für die Berliner Jüdische Gemeinde nicht nur mit allen Kräften zu fördern, sondern mit allen angemesaenen Mitteln durchzusetzen. Vorstehende Resolution soll dem Vorstand der Berliner Gemeinde, dem Vorstand des Allgemeinen Rabbiner-Verband! und der jüdischen Presse zugeleitet werden.“ Neue religiöse Formen der Jugend Wir erhalten nachstehenden Bericht: Seit Pessach veranstaltet der Brith Hanoar an jedenf Schabbat und Jom tow eine Tefilla der jüdischen Jugend gemeinsam mit dem Jugendgottesdienst der Gemeinde Pcstalozzistraße. Der Anlaß zu diesen Gottesdiensten war die Tatsache, daß die Chawerim und Chawerot von dem Gottesdienst in den Synagogen nicht innerlich befriedigt sind. Die Gründe liegen in der Größe der Berliner _ Synagogen, die eine Unmittelbarkeit lies Gottesdienstes, wie sie gerade der junge Mensch braucht, nur selten aufkommen lassen, zweitens aber auch darin, daß der hündische Mensch Feierstunden ganz anders auszugestalten gewohnt ist. Der Häckden ficiiaf: ICUtdeb-jlufidscUau, hündische Mensch kennt die aktive Art des Feiems, jeder gestaltet die Feierstunde mit, und so entsteht das Erlebnis des gemeinsamen Feierns. So versuchte man, sich selbst einen Gottesdienst zu schaffen. Nicht einen Jugendgottesdienst im üblichen Sinne, der meist nur ״Ersatz“ Ist, sondern einen Gottesdienst, der von einer Gemeinschaft getragen und erlebt wird. Der Siddur blieb selbstverständlich Grundlage der Tefilla. Nur an Melodie und Vortragsweise der Gebete wurde geändert; so traten an Stelle der choralähnlichen Kunstgesänge die in allen Bünden bekannten Volksweisen gottesdienstähnlicher Lieder, wie etwa El atlon, uwjom hasehabbat, od’cha ki anitani u. ä. — An Stelle der Predigt tritt ein gemeinsames ״Lernen“, das durch ein Lied religiösen Inhalts eingeleitet wird. Ein älterer Chawer, der über biblisch-talmudische Kenntnisse verfügt, trägt im Anschluß an die Sidra aus Tenach oder Agada einen Abschnitt vor und erklärt ihn in deutscher oder in leichter hebräischer Sprache. Die Chawerim und Chawerot stellen Fragen, fügen aus eigenem hinzu: man ״lernt“. Veranstaltungen der Bezirke und Gruppen der BZV. Dienstag, 18. Juni 20.30 Uhr Mittwoch, 19. Juni 20.30 Uhr Mittwoch, 19. Juni 20 30 Uhr Mittwoch, 19. Juoi 20.30 Uhr Mittwoch, 19. Juni 20.30 Uhr Donnerstag, 20. Juni 20.30 Uhr Donnerstag, 20. Juni Donnerstag, 20. Juni 20.30 Uhr Sonnabend, 22. Juoi 11.15 Uhr BZV-Hcim KanUtraße 54 Tempclh., Schulenburg* ring 2, b. Eppenstein Passage Festsäle. Bergstraße 151*152 WciBensec, Parkstr. 22 Isr. Taubstumm. - Anst. BZV-Hcim Kantstraße 54 BZV-Heim Brückenstraße 9 Kurpark Alsenßrund, Zehlendorf-West, Hcrnaannstr. 7-9 BZV-Heim Kantstraße 54 BZV-Heim t ־rückenstraße 9 Dr. F. A. Theilhaber: ״Geburtenproblem• der deutschen Juden" Dr. Josephithal: ״Die Histadruth in ihrer wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Bedeutung" Dr. A- Salinger: Palästina-Reisebericht, neuer Lichtbildstreifen Rabb. Dr. Max Nussbaum: ״Das deutsche Judentum an der Wende" R. -A. Kurt Lewinsohn: ״Zur Geschieht« der zioaistisehen Ideologie ~ Zionismus bis zu Herzl" MitgÜedcr-Versammlung S. Tsebertok 5 ״Zionismus — eine Forderung in die Juden" Dr. Edgar Rosen: Lawrence von Arabien Oneg Schabbat Lejladim - Rabb. e&nd. H. Meyer Gruppe Oper Gruppe Tempelho! Gruppe Hermannplatz Gruppe Weißensee Gruppe Janno witzbrücke Gtuppe Jannowitzhrücke Lcihtsptele,Charl., Kantatr. 54 Wo. ab 5 Uhr. So. ab 3 Uhr. Dachgarten Leon Donnerstag, fl. 20. Juni, 8, Uhr EinmaligeWiaderhoiung der erfolgreichen Revue: ״Das sind Würstchen״ Willy Prager Josef Plaut u. 10 weitsten KClnstlern Eintritt von RM1,- an Varvarkaul Leon (J 1 422») und Elken (H » 3044) Hur f. Mitglieder d. JUd. Gemeinde MAX RIEGEL Parisers tr.2829׳ fQf|g} J 2 Oliva 5567 M. d. j. Hsndw.-V Lief. d. Krankenk, Photo-Apparate seltene Gelegenheiten, tamtl. Photobedarf günstigst Schlesinger, NO 18, Gr. Frankf. Str. 77. E9 Friedrichsh, 156 Zlv.-Ing. KOPLOW1TZ BEUTHEN 0.-8., Ring; 3• blaher beeidigter Sachverständiger empfiehlt sich zur Beraume, Abnahme und Lieferunß von Maschinen. Auto-Vermiet. neue Wagen CI 1038 Ihr Schneider Reparaturwerkstatt fflr Herrenu. Damen- Garderobe. Entllecken. Chemisch reinigen Abholung und Lieferung frei Haus H. Geduldig 8 Sohn Kaiser Allee 199. 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Jerusalem, hergestellt im Auftrag des Keren Ha|essod Nächste Aufführungen in BERLIN Dienstag, den 18. Juni, 20.30 Uhr, Bachsaal, Lützowstraße 76 Donnerstag, den 27. Juni, 20.30 Uhr, Bachsaal, Lützowstraße 76 Eintrittskarten zu RM 1,—■ bis RM 2,— im Vorverkauf bei Papierhandlung Lippmsnn, Trautenaustr. 16; Buchhandlung Rubin Maas, Charlottcnburg, Pestais««str. 15; Konditorei Hansa, Flensburger Str. 19; Atlantic Express, Frkdrichstr. 100 (S-Bahn); Dttrtschland- Palästina-Verkchrs-G. m. b. II., Kurfürstemlamm 224; Palestine & Orient Lloyd, M«in«kestr. S; BZV..Heim, Kantstr. 54, und an der Kasse. Sonntag, den 23. Juni, 11.30 Uhr, vormittags, Admiralskino, Friedrichstraße 101-102 Sonntag, den 23. Juni, 12.00 Uhr, mittags, Metro-Palast, N 4, Chausseestraße 30 Eintrittskarten m RM —.80 bis RM 1,20 im Vorverkauf bei: Buchhandlung Poppelauer, Neue Friedrich■!r. 59; Ruchhandlung Gonr.cr, Oranienburger Str. 28; Finder, Alte Schönhauser Str. 54 (Laden); Papierhandlung Heppncr, Inselstr. 8a; Buchhandlung Salles, Grenadierstr. 30; Atlantic-Expreß, Fr,iedrichstr. 100 (S-Bahn) und an der Kai*. Sonntag, den 23. Juni, 11.30, vormittags, Rivoli־ Lichtspiele, Bergmannstraß• 5-7 Ki*!:־ittskarten n1 RM —,80 und RM 1,— bei W. Bernhard Nachflg., Belte-Allianoe-Str. TOS) M. Loewenthal, Zossfiner Str. 23, Wiesenberg, Möbelhaus Tempelhof, Hohenaollernkorao X. BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIGUNG M.XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX*M.X.MMXM.XAMXXXMXKXnXXXXXMMmXXW \HH1CXXXXXXXXXXXXXXXXnXKXXXXXXXXXXXXMXKKXXXXXXXXXXXXXKXXXXXnXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX

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