Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 46-47 (6.6.1935)
- Date
- 1935-06-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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. VI. 1935 Nr. 46/47, 6. VI. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife TT > : wiederum sehen liegt, g, mit der Krankheiten, nehme an, ißcn Unterändige Oen gründlich rts dichten Roman vom inreißenden, igen sofort 1 auch auf ■r Patriarch isen wieder den Mann lilen wurde, irer Größe, setz zusamder Wüste ählt, abgcr sich ihnen - der Weg t sich also :bische Zeit iert worden Schritt, den zu stehen, aktion von tt über alle ikeit zu ereil er heilig üeschichten ettung, von Wiederauflag sie in fc des Meniciligt hatte, irngottheiten die magisch tden, führen h ein sehr Festen, in Natur._ Wie Traditionen ear ehedem : eines sehr Symbolik in dem Orient :!teilen, zwin, Aegypten, e künftiger einen kaum Mann völlig , mit ihren Handel und eit hanseati- Nachzüglern gcs. wegt, ungedes histori- :en Lumpen- ׳it? Thom.w ten, daß sie )uellcn ihres It wohl nur ־tragen. Der die ihr anilegung und Lichte des rbenen I.eipdes Krieges eit“ schrieb u Z i o n i s ienheit konso irreligiös schon durch es sein, weil eswelt alles, muß.“ ar mit dem Blich Bücher Anstrengung ie Intuition, iches Unteril es ihm an .KIND großer Aufen jüdischen Konzert, das ixe. Hussein tatt, und die Knaben eine i der einzeln itik die ton- ,abtaowit* id sie schließt Alexandriens, europäisches mg zw Ent■ Dr. R Geschichte der Juden in Deutschland der nötigen Erfahrung fehlte. Das wesentliche Resultat der Erfahrung ist nicht sichergestelltes Wissen, nicht Beruhigung auf einem Standpunkt, sondern neue Fragestellung und erhöhtes Bedürfnis. Thomas Manns Werke sind alle aus einem Bedürfnis der Orientierung hervorgegangen, aus der Frage: Woher komme ich? Die zugleich das Wohin gehe ich? enthält, und auf die Novalis einmal mit dem ergreifenden Satz "geantwortet hat: Immer nach Hause. Es hat sich, nicht zuletzt zur U Überraschung des Dichters, selbst ergeben, daß der persönlichste Schriftsteller unserer?eit in einem überpersönlichen Auftrag gehandelt hat. Von Schopenhauer, von Wagner, von Nietzsche gelangte er als wahrhaft rückgewandter Prophet zum Buch der Bücher zurück mit der Frage: Wie schufen sich die Menschen eine Glaubensgewißheit, eine, die ausdauert und überdauert, eine Erhöhung des Menschlichen ins Göttliche aus Gnaden der Natur und aus Gnaden des Geistes? Genug, daß die Frage uns im tiefsten und letzten angeht, daß sie gerade uns unter den heute zur Antwort Bereiten findet, wenn sich auch unser Wortlaut, durch den alten Bund besiegelt, im einzelnen von dem seinen unterscheiden mag. In diesem Roman, der eigentlich der vom Werden eines Gottes, von seiner allmählichen Offenbarung ist, handelt es sich nach Thomas Manns Auffassung um ein äonischcs Geschehen, das sich in immer neuen Wirklichkeiten versucht und bestätigt, um den Weg zur Geschichtswerdung des Mythischen. Aber die Berufenen haben davon eine Ahnung, in erhöhten, entscheidenden Augenblicken sogar eine Gewißheit von der Rolle, die ihnen in diesem Doppelspiel zwischen Oben und Unten zugeteilt ist. Die Grube, in die Joseph geworfen wird, ist die Unterwelt im alten babylonisch-summerischen Sinn, wie auch die Prüfungszeit Jaakobs bei Laban ein unterweltlichcr Aufenthalt war. Der bunte Rock, der ihn fast ins Verderben wirft, ist Erbschaft von der Mutter und war einmal der Schleier Ischtars, wie sein ganzes irdisches Erleben auch eine diesseifige Angleichung an das mythische Vorbild des Adonai- Tammuz, der immer wieder vernichteten und auferstandenen Gottheit bedeutet. Aber die Prüfung in der Grube ist _ zugleich Sühne, ist ihm menschliche Reinigung, der sich seinen Segen erst zu verdienen hat, der trotz aller Berufenhcit durchaus nicht von vornherein als fehlerloser Musterknabe ausgegeben wird. Der Roman, sagte der französische Gottsuchcr ’Joris Karl Huysmans, muß sich von selbst in zwei Teile spalten, die wie im Leben innig verbunden sein müssen, in einen des Körpers und der Seele; er muß sich hier unten abspielcn und zugleich in der Luft einen parallelen Weg ziehen, eine andere Bahn zwischen den Punkten des Vorher und des Nachher. Hier ist die Spaltung und zugleich ihre Ueberwindttng in einem Ganzen, wie wir in der Schule gelernt haben, daß zwei Parallelen sich in der Unendlichkeit schneiden. Hier ist in der Nähe zugleich Größe, im Zeitliehen, Tatsächlichen, im einmal Aufgeschriebenen zugleich die Stemcnschrift des überzeitlichen Symbols. Ich will den Geburtstagstisch des heute sechzigjährigen Meisters nicht mit einer ästhetischen Untersuchung über eine epische Kunst von geradezu verwegener Neuheit belasten, nicht mit der Aufzählung seiner Meisterstreiche in der Verständigung mit dem Leser, nicht mit der Bewertung des hohen Spiels von Humor und Ironie, die der Dichtung zugleich eine Distanz von Jahrtausenden schaffen und eine ebenso greifbare sinnliche Nähe in Figur und Handlung. Wie bestimmt steht •dieser junge Joseph vor uns, in seiner unwiderstchlichen, eleu Brüdern in ihrem Liebeshaß unausstchlichen Schönheit und Anmut, Verführer und von sich selbst gefährlich Verführter, Erbe der primitiveren Genialität und Gottesnähe von Jaakob un-d zugleich mit Gaben des Verstandes und Witzes, man möchte sagen, mit Zivilisationsforfschritten, die aus dem Träumer auch den späteren Praktiker, den Mann von Welt hervorgehen lassen! Den Minister und Regenten, dem spätere orientalische Schwärmerei, außer den Taten der Bibel, noch alle möglichen Erfindungen, Gründungen, Kulturwerke zugeschrieben hat. Wir können dem Dichter, dem wir wegen der Anhänglichkeit an das Tiefste unserer Herkunft, unserer Bestimmung, verpflichtet sind, heute nichts anderes wünschen als die baldige Vollendüng seines dritten Bandes, in dem er eine der wenigen fröhlichen Seiten unserer Geschichte auszulegen findet, nichts anderes wünschen, als daß ihm, wie er einmal selbst sagt, das recht aufgehen möge, was einmal gleichsam zusammengeschrumpft war durch Gewesenheit. Denn wir gehen in diesem ״Roman“ durch eine Welt von unendlicher Vergangenheit, von noch nicht abgeschlossener Zukunft, die sphärisch ist, die das Oben im Unten, das Unten im Oben spiegelt — ■durch eine Welt der Offenbarung. Arthur Eloesser Thomas Mann: ״Leiden und Größe der Meister“ (S. Fischer Verlag). Thomas Manns Humanismus von Reuchlinischer Haltung, der Wissen und Glauben, Denken und Fühlen zu einer Glet- Ismar Elbogen, Geschichte der Juden in Deutschland. 319 S. Jüdische Buchvereinigung, Berlin 1935. Als mit Oswald Spenglers Komet am geistigen Himmel sich immer mehr eine Art historischer Belletristik breit zu machen begann, die ihre Hauptaufgabe nicht in einem zurückhaltenden Verstehenlassen von Zusammenhängen, sondern in der Vermittlung von Stimmungen erblickte, meldete der unvergeßliche Warner und Hüter Ernst Troeltsch sein Bedenken folgendermaßen an: ״Es wäre lediglich allerschwerster Verlust, wenn wir den mühsam errungenen kritischen Rationalismus, das philologische Element, die empirische Exaktheit und nüchterne Kausalitätsforschung einfach preisgeben wollten, um sie dann später mühsam wieder erobern zu müssen, oder, wenn dazu Fähigkeit oder Willen fehlen sollten, in einer erst geistreichen und dann verworrenen Barbarei unterzugehen.“ Das war im Frühjahr 1919. Wo jüdische Gelehrte zur allgemeinen oder jüdischen Geschichtsschreibung in den letzten Jahrzehnten in Westeuropa beitrugen, arbeiteten sie im allgemeinen exakt im Geiste Rankes in der strengen, gemessenen Haltung des echten Geschichtsschreibers, für den die Wissensform der modernen Kultur in bezug auf die Vergangenheit die der kritischen Wissenschaft bleibt. In der ästhetisierenden Gefühlshistorie und der Abfassung von ״vies romancccs“, die nunmehr schon seit mehr als zehn Jahren ein internationales Modegenre geworden ist, waren und sind noch allerdings jüdische Schriftsteller, deren Namen in aller Mund ist, an der Spitze. Treue und bewährte Kenner und Bewahrer unserer Geschichte wie Ismar El bogen blieben solchen Moden gegenüber was sie waren: Historiker, die nur das ehrliche Bedürfnis leitete, die Vergangenheit so gut als möglich zu verstehen und sie ohne Beimischung eigenen Geistes leidenschaftslos und nüchtern darzustellen. Die Historie mag das Schwergewicht auf die Triebkräfte des gesellschaftlich-wirtschaftliehen Lebens oder auf die Sprengkraft großer Persönlichkeiten und Ideen legen, sie muß stoisch und exakt bleiben. So erfreut auch Professor Elbogen wieder mit seiner neuen Dar- Stellung einer kurz gefaßten ״Geschichte der Juden in Deutschland“ durch die Unexaltiertheit der Tat- Sachenwiedergabe in zwei großen, annalistisch gehaltenen Hauptabschnitten: Das jüdische Mittelalter und die Neuzeit (״Im Verfassungsstaat“). Der Verfasser verzichtet bei dem knappen, wenig mehr als 300 Seiten umfassenden Raum auf jegliche geschichtsphiiosophische, metaphysischtheologische oder forschungsgeschichtliche Erörterung. Auch die weitanschaulichen Grundelemente des behandelten Stoffes, die tragenden Ideen des Judentums and der Zusammenhang mit seinem allgemeinen großen Geschick bleiben außerhalb seiner Aufgabe. Und darüber hinaus: Der Verfasser setzt den all- Livres francals — Engllsh tiooks kaufe nur bei GERHARD FUCHS WSO, tWrnbornar Str. 84 a. d.Tauentzlanstr. » B 4 (Bavaria) 7090 gemeinen jüdischen Werdezusammenhang, also die jüdische Geschichte jenseits der deutschen Grenzen, vor allem aber die deutsche Geschichte selbst voraus. Was er schmucklos und zuverlässig, in gedrungenster Zusammenfassung, der man auf jeder Seite die Verarbeitung der weit verzweigten Quellen und eines ungeheuren, verstreuten und zersplitterten Schrifttums anmerkt, erzählt, sind typische Stücke der Siedlungsgeschichte, der Rechtsstellung der Juden auf deutschem Boden, Andeutungen über ihr geistiges Leben (Bereicherung der Synagogendichtung, Erläuterungen und Anordnungen des rabbinischen Brauchs oder Rechts, später Wissenschaftsförderung), Verfolgungen, Beschuldigungen, ihre Widerlegung, Gefahren, Krisen, Rettung, in der Neuzeit das Ringen um die Gleichberechtigung und der Naturprozeß der Entjudung, Geist und Ungeist der jüdischen Gemeinden, Entstehung der religiösen und polichung zusammenstellt, spricht sich in den Aufsätzen und Reden aus, die sein neues Buch vereinigt. Sie gehen den Meistern, von denen sie handeln, nicht nur auf den Grund, sondern auch auf den Unter- und Urgrund ihres Wesens, ohne sich dem Atem unserer Zeit zu entziehen. Neu hinzugekommen ist ein ausführlicher Tagebuch-Bericht ״Meerfahrt tischen Richtungen, wissenschaftliche und religiöse Bemühun« gen, Stockungen der Assimilation und Emanzipation. Das alles ist auf 300 Seifen kunstvoll, ja virtuos untergebracht, gesclitneidiger und konzilianter als auf dem dürren Gerüst der PMlippsonschen ״Geschichte“. Und doch kann man nicht umhin, die erheblichsten und ernstesten Bedenken gegen die Elbogcnsche Geschichtsdarsteliung anzumelden. Sie kann nur für die erste Einführung gedacht sein. In keinem Fall hätte ihr ein vier- oder mehrseifiger Abriß über einschlägige jüdische Historie am Schluß geschadet; sie wäre damit auch nicht überlastet worden, zumal im Text selbst alle Quellen- und Literatürhinweise fehlen. Das Hauptbedenken aber besteht in der Frage: Ist eine solche isolierte Stoffbehandlung, weiche die eigentliche jüdische Geschichte, die spezifische Geschichte ohne Land (wobei gerade das Amorphe und die Grenz- und Landlosigkeit Motor des Geschehens im und am jüdischen Corpus sind) bevvußt vernachlässigt, möglich, ohne die Gefahr zahlreicher Mißverständnisse an Stelle eines wachsenden Verständnisses für unsere Vergangenheit hervorzurufen? Wenn es sich um eine begrenzte gelehrte Spezialaufgabe wie in dem Quellenwerk ״Germania Judaica“ handelt, sicherlich! Auch für den Zweck einer ״Encyclopädia Judaica“! In diesen beiden großen Sammclpublikationen — der Benutzung durch einen weiteren Leserkreis entzogen — hat Professor Flbogen die Aufgabe, eine Geschichte der Juden Deutschlands konzentriert zu bieten, nach dem Zweck der beiden Nachschlagewerke glänzend gelöst. Für eine populäre erweiterte Wiederholung des gleichen Unternehmens ist eine solche hermetische Isolierung, die den Leser ausdrücklich auf die großen Darstellungen der deutschen und der jüdischen Geschichte verweist und deren Kenntnis voraussetzt, schlechthin verwirrend oder ermüdend. Eibogens Geschichte soll kein gelehrtes Werk, sondern eine erste anregende Zusammenfassung und Finftiliruyg sein. Und gerade das zu sein, verhindert sie jene dreifache 1 -dierung: Losgelöst von allen sonstigen europäischen und außereuropäischen Räumen, losgelöst von dem eigentlichen jüdischen 'Werde/usanimenhang, losgelöst von dem großartigen Hintergrund der deutschen Geschichte, sind die Geschehnisse um die Juden ohne die vorausgesetzte Vertrautheit mit dem geistigen Band des Judentums eine Sammlung kiiiturhistorischer ,Merkwürdigkeiten. Erst auf dem Hintergrund des jüdisehen Sinnzusammenhanges über alle historischen Räume und Zeiten hinweg, vom Selbsfbewulitsein einer bestimmten Gegenwart aus erhebt sich die sammelnde und gut gesichtete Materialarbeit über jüdisches Leben und Leiden zur echten Geschichte, die auch bei strenger Forderung affcktloser und unromantischer Objektivität ein Stück Sinndeutung des jüdisehen Gesamtgeschicks sein muß, auch wenn die Aufgabe einer Spezialgeschichte der Juden in Deutschland, die nur 300 Seiten stark ist, gegeben ist. ״Nur indem Vergangenheit, Gegenwartsbewußtsein und Zukunftswille in die Einheit einer Sinndeutung zusammengefaßt werden, kann der Geschichte das Blut der historischen Lebendigkeit eingeflößt werden“ (Troeltsch). In keinerlei zusammengehörigen Vorgängen, die steh in ununterbrochenem Fluß zeitlich über anderthalb Jahrtausende erstrecken, strömt so wie bei den Geschicken der Juden und utn die Juden in Deutschland das Blut der historischen Lebendigkeit, ohne daß man literarisch-artistisch nachhelfen muß. Diesen Strom wieder zum Fließen zu bringen, indem man auch deutsche uttd jüdische Geschichte, deren Eigengehalt nun einmal gerade in der Abwesenheit der politischen und geographischen Grenzen besteht, erzählt und damit recht eigentlich die Geschichte der Juden in Deutschland zum Klingen und Fließen bringt, bleibt eine bis heute angelöst« Aufgabe, die nach dem Werk von Elbogen noch dringender geworden ist. Dr. Ludwig F eu c h t w a n ge* mit Dort Quichote“, in dem der Dichter seine erste Amerikareise schildert und neben diese Schilderung Reflexionen über die Lektüre des ״Don Quichote“ setzt. Die Reise durch den spanischen Roman erweist sich als fruchtbarer als die Reise übers Meer. Denn die Romanlektüre ergibt ein geistiges Bild, die Schiffsreise nur dünne Impressionen. bs. 3. Büchsen ־ Leerung vom 11.-18. Juni 1935 KEREN KAJEMETH LEJISRAEL (Jüdischer Nationalfonds e. V.) Berlin W 15. MdotkcitraB• 10 ✓ Postscbsek - Konto: Berlin 282 47 BERTA RATZ KLEIDER UND BLUSEN BERLIN W 30 Bayerischer Platz 11 Fernsprecher B6 Cornelius 3155 0m Wäsche-Verleih — HändeUtraße 15 / Telephon: C 9 Tiergarten liefert SBllttl. WäSClie BUrOS und GeSCHHtle / Z4itgereiSe Preise Hassanen Medizinische Bäder Hampel, Wlnterfeldtstr. 25 fi 7 0740 Klavierstimmer PEREZ G2 (Steglitz) 1920 I Uerchromungen billig! Messer (inkl. Schleif.) 0,38 * bl. Gabel n 0,23 * Löffel 0.23 Teelöffel 0,13 p.Stdc Helmann, Berlin, Samariternr. 14, E8 3880 (a.W. Abholg.) Peppmöller wäscht jegliche Art Hiuswätche schonend (Stück- und Pfundwäsche} öampfuiascherei Karl PeppmDiler ßm.D.H. 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