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Jüdische Rundschau · 1935-05-28 · Heft 43 (28.5.1935) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 43 (28.5.1935)
Date
1935-05-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 JÜDISCHE IHWDSCHAO Nr. 43, 29. V. 1935 A n k ü n d i g u n g e n Ein Vortrag über Jugend im Kulturbund Unter den diesmonatitjen Vorträgen des Kultur bim• des konnte man mit besonderem Interesse dem angekündigten Vortrag von Rabbiner I)r. Sänger über ״Jugend, Juden• tum und Religion“ cntgegenschen, hatte doch hier ein Ver• treter der jungen (ieneration (liberaler Prägung) Gelegenheit, einmal m sagen, wie er die Probleme dieser Zeit sieht und welche Losungen ihm vorschweben. Dr. Sänger behandelte die verschiedenen I ebenskreise, in denen die jüdische Jugend heute steht: die neue Bc/jehung /ur Familie, zu den Ge• schwistcrn, die notwendigen Umstellungen im Verhältnis zwischen Eltern und Kindern, die notwendige Er/iehungs- «rgän/ung durch den Bund und die neuen l.ebcnsformen, die mit dieser Bundesgemeinschaft Zusammenhängen. Der Redner ging weiter auf die neue Form jüdischen Lernens ein, das insbesondere durch die Begegnung mit der jüdischen Geschichte zur Formung eines jüdischen Menschcntyps beitrage, um schließlich im letzten Teil seiner Rede über die religiöse Situation zu sprechen. Es war ein rhetorisch wirkungsvoller Vortrag, der die Anwesenden zu lebhaftem Beifall hinriß. Auffallend und frappierend war, daß der Vortrag im Atifrifl, in den Bei• spielen und in den FormulierungC'i eine fast wörtliche Wiedergabe des vor etwa einem Monat im Verlag Kauffmann, Frankfurt a. V• . gedruckten Vortrags des Jugendrabbiners Heinrich L c m I e ״Jüdische Jugend im Aufbau“ war, und daß es der Vortragende nicht einmal für nötig hielt, den Namen Le ml es zu erwähnen. Dies erscheint uns höchst befremdlich. Die Debereinstimnnmgcn zwischen dem Sängersehen Vortrag und der I emlcsehen Broschüre sind so zahlreich und so schlagend, daß hier von einem Zufall der gleichen Ausdruckswei.se wohl nicht mehr die Rede sein kan ח i >!■. (1 e 1 h a r <1 t Ncumann Else Dublon und Peter Bach. Unter dem Protektorat der Kunstlcrhilfe fanden •ich drei Künstler mit gutem Köntien zusammen, I lse Du hlo 11: ..eigene Tan/e und getanzte Lieder“, Rudi Lehmann: ein begabter junger Pianist, der diese Tänze um) I jeder vortrefflich begleitete und auch mit seiner Idee Fr folg hatte, einem Potpourri ״Melodien des Abends", und Peter Bach: der zur Laute vortrug. Else Dublon hat seit il; rem Auftreten im vongen Jahr ihren Namen als lan/erm und Diseuse behauptet und befestigt. Heute wie damals sind ihre cliassidischen Tanze urtiibertroffen: der Schadchen, ein entzückender liestcntanz, ebenso wie jene getanzten Gesänge: der Tanz der Großmutter, und die beiden genau so schonen ״wenn der Rebbe lacht" und ״vom Rebhen [ bimclceh“, lebendig gewordene Aquarelle von Chagall bis zu Duwdiwani k'irschcnb.mms tanzenden Juden, und R'baks i )orimusikanten I l in Midlicher Gassentanz, in ent/uekendem Kostüm ״lag ihr" gewiß ebensogut, aber inniger, schöner und geloster war sie in den jüdischen Tänzen in Jome, Jomc und Wüsche willste. Freit,1g oif der Nacht, im Wiegenlied ... Nur in dem großen Tanz: itidische Sage, der auch viel Schmies enthielt, gelangen ihr die abrupte Torrn des Beginns gar nicht und ebenso nicht der Versuch, temperamentvollere, heftige Gesten als Steigerung zu benutzen. Auch hier überzeugte sie nur in der leisen schönen Hinneigung und im leise gesummten Lied. Ihre Kunst ist das Feine, das Dezente, der schöne Schritt, das Spie! der Hände, die Bew egung der An!U'. Auch im Tanz ist cs nur das leichte Wirbeln. Für das Heftige hat sie noch keinen überzeugenden Ausdruck gefunden. R. M. * Ich hatte Pefer Bach vor Jahren gehört. Damals kam ich mit einem starken Erlebnis heim. Der Eindruck ist ge- Zionistische Veranstaltungen Frauen-Arbelt«g*meln»ch1ft für PaUUtina. Gruppe Wertend: Am 28. Mai, 4.30 Ehr, JüdUchc Schule, Kaiserdamm 78: ״Gc-pr!diene Zeitung": Palä.tjna, Gallith, Erziehung, Soziale Fürsorge. - Grupp« GruncwaM: Am 29. Mai, 4.30 Uhr. bei I'r.m Kaie Lazarus, Dahlem» Aul dem Gral 15: Elfrkie Bergel-Groneniaim: ״Rcisceindriiekc in Palästina". GnipjK■ der Berufstätigen: Am 3. Juni, 8.30 Uhr. Heim der BZV., Kantor. 54, Ilse Jacobv (Soziale Schule in Jerusalem): Aus der sozialen Arbeit in Palästina. Vortragsabend der Berliner Mitrachi-Gruppe. Am 28. Mai, alands 8.30 Uhu im Bet «aal der Synagoge Kottbusser Ufer 48, K.-.A. Dr. A. I-oli: Der Palästina-Aufbau und das gesetzestreue Judentum. Hygiene und Krankheitsvcrhiitung in Palästina. Ein Kursus für Au»- Wanderer, veranstaltet von det Acrztegcsell -ebaft (iir Palästina der BZV. an fünf Dienstagabenden im Heim der BZV., Kantstr. 54. Beginn 20.15 Uhr, Am 28. Mai: ,.Einführung“, Prof. Dr. L. F. Meyer; ״Klima, Kleidung und Körperpflege in Palästina", Dr. Frieda Janowitz. — Am 4. Juni: ״Ansteckende Krankheiten in Palästina blichen und bei fast allen Dingen gesteigert. Man soll sich nicht darüber beunruhigen, was er nun ist, Sänger oder Rc/itator oder Schauspieler. Kcins von den dreien und alle zusammen, am wenigsten Sänger. Wie dieser Mann es versteht, mit eigenen Melodien — die als solche nicht besonders originell sind — nach bekannten Dichtern Menschen zu packen, die willig sind! Sicher gibt es manche, die ihn abiehnen; von mir darf ich gestehen, daß er mich berührt. Ucber diese Mittel wäre viel zu sagen; cs kann hier nur andeutend geschehen. Wie er seine Gitarre benutzt, nicht mir als Instrument für akkordisehe Begleitung, viel mehr als ein lebendiges Wahrzeichen, — sie auf die Knie stellt, sie anreißt und schlägt, ans ihr Klangfarben herausholt für die Atmosphäre, die er braucht, — das ist eigenartig und einzigartig. Und nun erst die ganze Vortragsart! Bach singt mit einer heißen, tief ausholcnden Stimme, nicht für den Konzertsaal, mehr für den Freund, der neben ihm sitzt und ihm lauscht, dann spricht er wieder, wie er es gerade braucht, Und er spielt dabei; er bewegt sich, — sein Gesicht, seine Hände tun beredt mit. Welch kühne Wirkungen unter vielem anderem dieser sprachgesungene Aufschrei im Sämann von Morgenstern, was mich an ähnliches im Pierrot lunaire von Arnold Schönberg erinnerte. Und auch — sonst — die ganze, etwas verstiegene, etwas skurrile Atmosphäre. Bei Ringelnatz. ist mir selten dieser dämonische Anthropomorphisrnus so klar geworden. Und mit so erschütternder Zartheit gelang der Dialog in der Lindenallee von Peter Alten berg! Rilke, Münchhausen, Dehmel, Beer-Hoffmann (Schlaflied für Mirjam), Hesse. Klopstoek wurden von Bach aufgedeckt, mit kleinen Andeutungen, die sich kaum in eine künstlerische Kategorie einordnen lassen — vor allem durch sein suggestives Künstlertum, das aber von vornherein Wohlwollen braucht. H. N. Von der Israelitischen Union. Man schreibt uns: In diesen Tagen verlassen die ersten Transporte der Kinder- Verschickung der Israelitischen Union Berlin. Wie in den vergangenen Jahren, so sollen auch in diesem Sommer annähernd 100 jüdische Kinder in den Bergen, auf dem Lande und an der See Erholung finden. Die jüdische Oeffentlichkeif wird der Israelitischen Union für ihre Bestrebungen Dank wissen. Aber es gilt auch, dieser Institution hei der Aufbringung der Mittel, die allein bei der jährlichen Kinder- Verschickung Tausende von Mark betragen, zu helfen, h. h,-1tt. und ihre Verhütung“, Dr. Walter Hirsch'. —- Am 11. Juni: ״Ernah". rung der Erwachsenen in Palästina“, Dr. Frieda Janowitz. — Am 18. Juni: ״Ernährung des Säuglings und des kleinen Kindes in Pali. sti»!a“, Dr. Frieda janowitz. — Am 25. Juni: ״Hygienische Unterhaltung“, Dr. Walter Hirsch. Anmeldungen schriftlich an das Büro der BZV., Meinekeslr. 10, und beim ersten Vortrag an der Kasse. Zionistfiche Fotogruppe T’munah. Am 29. Mai, 20.30 Uhr, Mci. liekestraöe 10, Dr. Paul Knoche: ״Vergrößerungen“. Voranzeigen jüdisches Lehrhaus. (Sckrelariat: Berlin W 50, Marburgcr Sfr. 5, Tel. B 4 5587.) Am 30. Mai, 20.15 UH 1 r (Uitnuieltahrt:tagt, spricht Dr, Leo Baeck in der Loge, Klciststr. 10, über: ״Die Existenz des Juden". Wohltätigkcitakonzert zugunsten der Ahawah am 2. Juni, 11.30 Uhr, itn Fiiedesislempel unter “Mitwirkung von Gen.-Mu'ikilirektor Joseph Kn־.enstork, Su>Hnnc .Stritt und dem Frev-f,>uar!ett. Es gelang׳^ Werke von Haydn, Händel, Mendelssohn, Beethoven und Schubert zur Aufführung. Dr. Max Osborn über Michel Angelo. Vor einem zahl• reichen Publikum sprach Dr. Osborn in! Rahmen der Kulturbundvorträge über Michel Angelo. Der gewaltigste Künstler aller Zeiten entstand in Wort und Bild in der künstlerischen Darstellung von Dr. Osborn, Angefangen bei dem schönen Relief des ganz jungen Michel Angelo am Buonarottihaus in Florenz, in dem trotz, der Anklängc an Donatello der Zug zum Allergrößten sichtbar wird, zeigte Dr. Osborn d i e Bi bei bi Id er im Deckengemälde _ der Sixtinischen Kapelle: David und Goliath, den Sündenfall, die Weltschöpfung, die Erschaffung Adams, die Größe der Propheten und die (iröße Noahs. Der Bildhauer Michel Angelo erschien mit den gewaltigsten Plastiken heim Grabmal der großen Mäz.ene aus dem Mediceerhaus (Florenz), Dr. Osborn schilderte die Entwicklung des Künstlers von den Anfängen in Florenz bis zu den ersten großen Aufträgen, der Zufallsauftrag, der durch einen übrig gebliebenen riesenhaften Block zur Gestalt des jungen David führte, die späteren Werke in Bologna und in Rom und die ganz, großen: die Peterskirche, deren Kuppel der Plan Michel Angelos ist, seine Fresken (das Jüngste Gericht in der paulinischen Kapelle und in der six• tinischen) und endlich der gewaltige, zürnende Mose vor dem Grabmal Julius II. R. AL Die ״Jüdische Gemeinschaft Berlin-Tegel und Umgebung“ hatte ihre Mitglieder zu einer Veranstaltung geladen, in deren Mittelpunkt eine Ansprache von Rabbiner Dr. Max Nußbäum über das Thema ״Geschenke des Schicksals“ stand. Der Redner knüpfte — im Zusammenhang mit dem Lag b’omer — an einen Satz des Schimon bar Jodlai an, daß der Ewige den Juden durch Leiden drei Geschenke gemacht habe: die Thora, Frez Israel und die kommende Welt und legte dar, daß in unseren Tagen das Judentum von neuem diese drei Geschenke vom Schicksal empfangen hat. Die Zuhörer, die in großer Zahl erschienen waren, dankten für die Ausführungen Dr, Nußbaums begeistert, Musikalisehe Darbietungen, für die die Künstlerhilfe verantwortlich zeichnete, gaben der Veranstaltung den Rahmen. M-z. Familien - Nachrichten Herr Lazar Karfiol, Keriin W 15, Uhlaruisfr. 30, beging am 20. Mai «len 50. (Jeburtsta״. Frau CäriJie »Sdi versenz, geh. Aron, Friedenau, Hauptstr. 73, beging am 24. Mai den 65. Gelnirisiag. BERLINER HANDWERK UND EINZELHANDEL 1 Altpapier ff Herbert Cohn Berlin NW 40, »•tde.traße 20 31 S*mmel-Nr. 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