Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 43 (28.5.1935)
- Date
- 1935-05-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ii׳■״•'1'?:!,/׳ 'fi «h Weg lig ummpfern lestina Kr. 44 /׳ Jahrgang 40 Preis 25 RpR ru-tru ■ m ER .ADEN!oßstraße 107 nhl in eidung 1 glitz 04 79 mlori-Zimmer ee? Pension ev. thlmannatr. Blcibtrcu 08 C3 ׳ lüg aogesctii. d.mQbi.Zimm. •W. Höclistk. — KM. B 2 .3041־ omi.-lii ., u. w. 'X. p M *rtn Nicbuhri/r. 71 I Bismarck ]"13 Couch»!Immer allem Korn: 1 :inmieter p. erra Nahe 12 n Innsbrucker Pi. fl rstr. 16U H3 3321J 5 für eia I Wesimd 1!. 6. estr. 10. immerhaus Zimmer diro•'• *9er, Komfort >:e4. Emaer Pi. 3844 | ferscMl chl. mit K»pi»k >mi und Alle«•'־׳״ ilkgrandung in I u.i. vertrau!. Anr. 1 bt-, Mcinrkfr'r. dl I S-MARKT Hungen ndsil**n über- Empfrblunf*« owaki 120. treße 50 JÜDISCHE RUNDSCHAU rumlsuicKe 'ür schnell* ifer gesüßt Berlin NW 87 I 9 (Tierg.) 2523 MnifUaHac.Varlat a• An1«lfM»«rw«lt»nsr 1 Bwlta Wti, ■ahMStMtr.l• F.mrub Satnme!-Nr. JI Bismarck 3181/82,7165/70,7240/42. — Baaugaprai# ja Monat UM 2,-, ja Viartelj.hr RM 5,75• - Poatacheck-Konten der Vertrieb« - Abteilung: Perlin 71573 (für Gro»-Berlin). Berlin 17392 (für das Übriga Reichs A״״l.nd«- benig In jeweiliger Lamieewihrung. - En Asiat Jeden Dienet■! nnd Froitag. BERLIN כ״ה אייר תרצ״ה DIENSTAG, 28. MAI 1935 AaNifsnprsliHvt• Nr. 2 fttltff• Die I2c««p. mtn-Zede 20 ftp{, für Steüeng••* IO ftpi, für Familiennachnchten 15 ftp!. Einrelanzeigen nur gegen Vorauszahlung am Schalter oder auf Postscheck.Konto Berlin 71618 Montag bis Donnerstag 9-18 Uhr Freitag 9-16 Uhr. Annahmeschluß für die Dienstag.Ausgabe Montag 10 Uhr, für di« Freitag-Ausgabe Mittwoch 13 Uhr (Familienanzeigen bia Donnerstag 10 Uhr) Dar Zionismus erstrebt tDr das indisch• Volk die Schaffung einer öffentlich ־ rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Land der Verheißung Uraufführung des neuen Palästina-Tonfilms Am Sonntag fand in Berlin die Uraufführung des unter Leitung von Leo Herrmann vom Keren Hajessod, Jerusalem, bergestellten ersten P a I ä s t i- ת a - T on f i 1 m s: ״Das Land der Verheißung“ statt. Sowohl die ״Alhambra“, wo die Aufführung vor geladenen Gästen stattfand, wie auch der Bach-Saal, in dem der Film am gleichen Abend gegeben wurde, w׳arc!1 überfüllt. Zu Beginn der Veraristaltungen spielte das Orehester des Kulturbundes unter Leitung von Joseph Rosenstock die Suite zu Uriei Acosta von Karol Rathaus. Hierauf ergriff Dr. Michael Traub das Wort zu einer Anspräche, in der er etwa folgendes ausführte: Der Film zeigt Bilder vom neuen jüdischen Leben in Palästina. Aber bei allen seinen künstlerischen und techirischen Qualitäten kann er rmr einen unvollständigen Eindruck vermitteln, denn nur aus der Kenntnis der < icschichte und Gegenwart der Juden außerhalb Palästinas ist das Tempo und die Energie des Auf. haus verständlich. Wenn der Film das jüdische Volk beim Wiederaufbau Palästinas zeigt, so muß gerade der unzähligen Juden außer, halb Palästinas gedacht werden, die durch ihre Mitarbeit beim Aufbau diesen Film erst ermöglicht haben. Mitwirkende dieses Films find: Drei Millionen Juden in Rußland. Sie und ihre Väter haben die 0rundlagen gelegt Als in den achtziger Jahren die Martyrologie der russischen Judehhcit begann, stand die große Welt offen. Die Vereinigten Staaten und viele andere Länder konnten Mil* honen von Juden aufnchmen. Trotzdem zogen damals Juden aus Rußland in das wüste, versumpfte Pa- Bstina, kämpften in dieser Unöde gegen Naturgewalfen und Krankheiten, waren f lialuzim im wahrsten Sinne des Wortes. Als die Saat ihrer Arbeit aufgehen sollte, befanden sich ihre Brüder m! weiten Rußland hinter Mrmetisch geschlossenen wen. Drei Millionen russi- ^he Juden wurden aus dem ״»che jüdischen Lebens ge- *Wehen. Weitere Mitwirkende des Films: Dreieinhalb Millionen Juden in Polen. Trotz politischer fdeichberechtigung sind sie wirtschaftlich entwurzelt und *,Wal deklassiert, und das fempo der Zerstörung ihres Gebens ist schneller als das icnipo des Aufbaus. Auch ’׳e haben zusammen mit Juden aus anderen Ländern den Ftnck getrocknet und den Oalil erobert, Oedland erschlossen u!1d die Industrie des Landes geschaffen. Auch ihre Jugend 8«fzt ihre Hoffnungen auf Palästina. Neben ihnen wirken im Film mit: Millionen von Juden S Rumänien, Ungarn, Oesterreich und der Tschechoslowakei, in Litauen und Lettland und selbst in den Vereinigten Staaten und in den Ländern ״i’stcuropas. Sic alle haben die lebendige Wirklichkeit dieses Films ermöglicht. Auch die Juden in Deutschland haben ähren Teil *nr Entwicklung des Landes beigetragen. Allerdings sind sie 'rst spät gekommen, nachdem das Geschehnis der letzten Phre sie aus ihrer Saturiertheit und Gleichgültigkeit heraus-?(rissen und auch sie hat erkennen lassen, daß der Jude seinem jüdischen Schicksal nicht entrinnt, weder durch Assi- Nation noch durch Taufe. Nur dank der Vorarbeit anderer Juden haben in den letzten zwei Jahren 22 000 Juden aus ׳eutschland in Palästina Zuflucht gefunde ״»srsr׳׳ / Bei der Arbeit im Garten, Die Veredelung der Setzlinge erfordert erfahrene Arbeitskräfte Das Land liefert im den Bergen das 'Material für den der Steine ist eine schwere Arbeit, die Ausdauer verlangt Häuserbau. Die Vorbereitung Folo*; Urim Faleitio* Film Co., Ltd., Jerusalem Beim Anblick des Films muß man die großen Problcinc der palästinensischen Wirklichkeit sehen. ״Denken Sie beim Anblick der Kolonien an das Problem Stadt und Land, beim Anblick des flachen Landes an das Bodcnproblem, beim Anblick der Siedlungen an die Diskrepanz zwischen nationalem Kapital und , privater Initiative.“ Mit einem Appell, nun selbst Darsteller bei dem zukünftigen Ausbau des Films zu werden, durch neue Mittel dem Keren Hajessod die Schaffung neuer Kolonien und die weitere Ausgestaltung jüdischen Lebens in Palästina, dem Keren K a j e m e t h L e j i s r a e I den Kauf neuer Böden und die Erweiterung des landwirtschaftlichen Sektors Palästinas zu ermöglichen, mit der Aufforderung, in die Reihen der Zionistischen Organisation als der Trägerin im Kampfe für Erhaltung jüdischen Lebens in Gegenwart und Zukunft einzutreten, schloß Dr. Traub seine Ansprache. Nach diesen mit starkem Beifall aufgenommenen Darlegungen begann die Aufführung des Films, die von den Zuschauern mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt wurde. Jüdisches au! einer Fürstenhochzeit Stockholm, 24. Mal Das sonst so ruhige Stockholm hatte jetzt eine Reihe großer Festtage. Die schwedische Prinzessin Ingrid hat sich mit dem Kronprinzen Fredrik von Dänemark vermählt, ein Ereignis, das die beiden verwandten Völker noch näher miteinander verbinden wird. Die jetzige Krön- Prinzessin von Dänemark hat übrigens in diesem Frühjahr ihr<n Vater, den schwedischen Kronprinzen, auf seiner Orientreise begleitet, das jüdische Aufbauwerk in Palästina kennengelernt, und es ist an/unchmeii, dal! auch sie davon den gleichen starken Lindruck empfangen hat, welchem der Krönprinz selbst Ausdruck gegeben hat. Die Hochzeitstage standen im Zeichen schwedisch-dänischer Verbundenheit. So gastierte das königliche Theater Kopenhagen an zwei Abenden mit seinen besten Kräften unter dem Protektorat des dänischen Kronprinzen in der Hochzeits* stadt. Seinen stärksten Lrfolg und das ist hierbei das vom jüdischen Gesichtspunkt aus Interessante erzielte das Gastspiel mit der Aufführung eines jüdischen Stuckes, nämlich des Schauspiels ״I n d e nlor m u r e 1t e“ (.4 n!1 e r h alb der Mauern"), dessen Verfasser der jüdisch-dänische Dichter Henri N a t h a 11 s e n ist. Es ist gew iß bemerkenswert, daß man bei einer solchen Gelegenheit zur Repräsentation dänischer Kunst das Werk eines j ti <1 i s c h e 11 Verfassers gewählt hat. Aber noch beachtenswerter ist es, daß man ein Werk ausersehen hatte, das in j u d i s e ii e m M i I i e u spielt und die Problematik des jüdischen Lebens innerhalb einer ablehnenden Umwelt zur Anschauung bringt. Henri N'athansen gehört einer vergangenen künstlerischen Generation an. Seine umfangreiche dramatische Produktion steht merklich unter dem Einfluß Ibsens. Sein Bestes hat der Dichter wohl als Romanverfasser mit dem Zyklus ״Hugo Davids Lehen“ (1917), einer von Poesie, Humor und stiller Tragik erfüllten Schilderung des Lebens eines modernen Juden gegeben. 1932 ist ein neues, vielbeachtetes Rotuanwerk ״Mendel Philips tu ft. Söhne“ aus seiner Leder hervorgegangen. Sein Buch ״Jude oder Europäer?“ hat seinerzeit viel Aufsehen erregt. Fast alle Werke Nathansens spielen im jüdischen Milieu Kopenhagens und ■behandeln Probleme jüdischen Lebens mit offener Sprache und mit klarem Blick für die Tragik der jüdischen Situation. Das ist beachtenswert, wenn man bedenkt, daß der Dichter einer Vorkriegsgcneration zugehört, die vielfach noch das Heil in der Assimilation sah und einer öffentlichen Erörterung der Judenfrage ängstlich auswich. Das Stück, das das königliche Theater hier braefite, ist für den Dichter besonders bezeichnend. Es ist schon 1912 entstanden, wirkt heute aber wieder aktuell. Es spielt in einem orthodox-jüdischen Hause, in dem der Familienvater wie ein Patriarch über seinem kleinen Kreise thront. Dieses jüdische Familienleben ist ein leben ״innerhalb von Mauern". Die Winterkälte, die von außen hereinströmt, wenn die Familienmitglieder ankommen, um sieh in ihrem Heim warm und geborgen zu fühlen, sie ist, symbolisch gesehen, auch die seelische Kälte, die sie von einer feindlichen Welt jenseits der Mauern anweht. Aber der junge■!! Tochter Ester ist der Raum innerhalb der Mauern zu eng. Sie ist ein moderner Mensch lind will den ״Weg ins f'reie“ gehen. Sie liebt einen jungen Gelehrten, einen Nichtjuden, aber beide versuchen vergeblich, über die Mauern hinweg/ukonimeii. Zwischen den Vätern liegt Unüberwindliches. Der Vater des Geliebten, ein hoher Beamter, hatte dem Juden aus judnifeiiidlicher Gesinnung vor Jahren unverdienten Schimpf und Schmerz zu* gefügt. Das kann der alte Levin nicht verwinden. Aus der Anklage, die er gegen eine Welt der Feindschaft erhebt — es ist einer der Höhepunkte des Stuckes sprechen Leid und Stolz von Jahrhunderten. Und als sie sieh entscheiden muß, da erkennt die junge Ester, daß sie zu den Ihren gehört, daß sie ihr Schicksal nicht aus der < iemeinschaft losen kann und ihr Lebensglück ״innerhalb der Mauern'׳ suchen muß. Das Stück schließt in der Zukunftslioffnmig aut die Macht der freien Kultur, die zur gegenseitigen Selbstbesinnung reif machen und die Schranken überwinden werde. Aber dies klingt hier doch reichlich vage und ein wenig resigniert, so daß der Eindruck einer ungelösten Tragik zuruckbleibt. Das ist cigentlieh überraschend, denn nach Zeit: und Milieu, in denen dieses Schauspiel entstanden ist, hätte man eher ein ״happy end“ ■erwartet. Die (übrigens hervorragende, vor allem von den Schau- Spielern Holger Gabrielsen, Johannes Poulsen und Evvind joltan-Svcndsen getragene) Aufführung dieses Judenst'ückes durch das königliche Theater, seine begeisterte Aufnahme beim Publikum und die sich an seine Probleme knüpfenden, von Nachdenklichkeit und Wohlwollen erfüllten Betrachtungen der Presse in einem Lande, in welchem die Judenfrage immerhin schon als eine Frage empfunden wird, beweisen wieder einmal, daß die Juden am besten durch eine offene, stolze und illusionslose Erörterung dieser Frage Achtung und Verstandnis der Umwelt zu gewinnen vermögen. Dr. Josef F i s c h I er Nicht endcnwollcndcr Beifall zeigte die starke Anteilnahme des Publikums, das dieses Bild neuen jüdischen Lebens mit Ergriffenheit vor sich abrollen sah. Der neue Palästina- Film — eine große Leistung des Keren Hajessod und besonders seines Generalsekretärs Leo H e r r m a n n, dem das Hauptverdienst an der Schaffung dieses Films zukommt — wird bei den Juden aller Länder Begeisterung erwecken und ihre Anteilnahme am Werk des Aufbaus weiter steigern helfen. Mit dem Gesang der Hatikwah schlossen die Veranstaltungeil in Berlin. (Eine ausführliche Besprechung des Films selbst und weitere Bilder aus ihm finden unsere Leser auf Seite 5.) « Anläßlich der Uraufführung des Palästina-Films in Hambürg, Breslau und Berlin sind Leo Herrrmann und seine Mitarbtiter in das Goldene Buch des KKL eingetragen worden.