Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 40 (17.5.1935)
- Date
- 1935-05-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Blatt NR. 40,17. MAI 1935 7. V. 1935 »legene hnungen I 3 Zimmer, Kü^l faiuon Sommer! HERRMANIiJ r, Kalkseentr tjj afzimmerl it Kudienbenutzj 1 reim. Hi 10MI Komfort 1immer| »ofort! Str. 69. ]2 510t| kahlem Zimmer, eirj«ntp on, Garten, BsikooJ eitcnbach) 2691 Zimmer öbt. mit oder ohne! 1 Ehep, geeignet.! Dornblatt (Qretcndama 106 7 i CHE esucht idhenbenattao^l rdfee. Off. unter! t., Meinekestraße 101 l In Potsdam Ehepaar zum l.Jut [immer mit Halkool Brauhausber? oder! •zu?!. An?1ח ׳ it Preis! Saale, Semlerstr. 2| en?egend des Weste« jter D 24*0« לל 15! Meinekeslr. IQ. IS ATZ »rort oder Berit» en, ea. 120■ - ■ ee, Wanmeestr! jmtopt-Ziinmei Sgl. abjcachl, crtL ,*ei, auch Wog. g>:4 H. u. 0237 a. Ar.?־j bt, Mcinckestr. Partner gesundem, aBwift*־! ichmen mit niligeDt büif :* 30), *e be*. OrjjanisationJ «f. Zuachrifteo «■ ״ Meineke*tf*6« l^J eker ng *einer £0gro**B les. jfiog, jjew«ndt«01 cobesuch) •0* K1T »rforderl. öHfrtes! bt., Moinekeitr. *S-MABKT|| um Rente gerk. ««. SW »I «merfn, *,!'*I er»ן **חיי*»״»1 ״»*״ nt jfevrissenbaftf■ I fallangi unt. 0 263 *״ , MeinekeattraSe ^1 ז d. Bepiinj ״iÄ״~״ Literatur - Jüdische Lyrik Noch einmal ״Dr. Seklschnur“ Zu Manfred Sturmann: ״Herkunft und Gesinnung“ (E. Reiß Verlag). Wie selten es dem biblischen und nachbiblischen Judentum auch vergönnt war, sich sorglos lyrisch zu ergießen, so reich ist trotzdem das jüdische Schrifttum an (jedicht. Psalmen und das Hohelied haben für eine Ewigkeit die Ausdrucksfreude des jüdischen Gemüts und die Ausdruckskraft jüdischer Sprache vor dem Gedicht bewiesen. Und diese Bewährung in biblischer Zeit hat überall und immer Nachfolge gefunden, wo und wann das Judentum Gelegenheit zur Selbstbesinnung, und damit.. . zur Sclbstvergcsscnheit hatte, Jüdische Lyrik aber in deutscher Sprache und im deut- Sehen Empfindlings- und Vorstellungskreis von heute muß problematisch sein, weil alle unsere Empfindungen und Vor- Stellungen von alten und neuen Problemen überdeckt sind. Der deutsche Jude von heute kann nicht singen, wie der Vogel singt, der in den Zweigen wohnet, denn — der Ast, auf dem er sitzt, wird ja gerade abgesagt und der Baum gerade entwurzelt, und jene Weiden vollends, an die er seine Harfe gehängt hat, werden vom Hochwasser davongetragen — vom Hochwasser der Probleme und Nöte. Vor diesem Tatbestand gibt es nur entweder Ermattung oder Ermannung, entweder das Klagelied oder das heroische Gedicht. Diesem Heroischen hat sich der junge jüdische Dichter Manfred Sturmann erschlossen. Richtiger: er hat sieh dazu entschlossen, indem er der Zweck- und Zielgehundenhcit seiner dichterischen Anschauung den harten Atem und die Höhe einer Rückschau auf biblisches Wesen verliehen hat. Das wirkt wie ein kühner Sprung über das eigene, sprachlieh bedingte Epigonentum und gibt seinen Gedichten den tröstlichen Beiklang und Beiglanz, epigonenhaft zu sein nach dem höchsten Vorbild, nach der Bibel. So gesehen, ist Sturmanns Gedichtbuch ״Herkunft und Gesinnung‘• vom Titel bis zum letzten dichterischen Ausruf (er lautet als letzte Zeile des letzten Gedichts symbolischerweise: ״Reißt von den Stirnen eurer Väter ab das Joch!“) durchaus positiv zu werten. Sturmann, jüdisch gestimmt und zionistisch gesinnt, macht sein Gedicht zum Zeugen solcher Stimmung und Gesinnung, und somit bleibt er selbst, als dichterischer Zeuge, im Kreise der Wahrheit und Echtheit. Welchen Stoffes er sich bemächtigt, von dem sehen wir ihn und seine lyrische Aussage überwältigt. Und dies erleichtert uns das Mitgehen und Mitschwingen mit seinen Gedichten. Sie stellen eine Art von Zwecklyrik dar, die durch die Höhe und Reinheit ihrer Zwecke an geradezu auch musischer Kraft gewinnt. Vielleicht ist dieser Weg aus der Gebundenheit des Ziels zur dichterischen UngebuiKienheit dem Dichter Sturmann allzu bewußt. Denn die von ihm erfüllte lyrische Form hat die ihre Wirkung manchmal abschwächende Schablone, aus dem Kampt zum Sieg zu tönen, aus Verwicklung zur Entwicklung, aus Knechtung in die Freiheit. Davon spukt in den Versen manchmal so etwas wie ein Rezept, wie eine lyrische Chri, wie eine nicht so sehr musisch als tendenziös gewollte Thematik. Da Sturmann aber in einem Nachwort sich freimütig zu dieser bekennt, dürfen wir sie ihm als eine andere Form von dichterischer Lizenz zugestehen und damit konstatieren, daß seine dichterischen Bemühungen Aufrufe zum Judentum und zum Zionismus sind. Wie echt diese ihm entströmen, zeigt gleich das erste Gedicht ״Das Bekenntnis“. Da öffnet er ganz, sich selbst: ״Schon als ich Kind war, Wob mir der Wind Lieder ins Ohr“ — ״Immer war es die Landschaft, die segnend sich gab“ — ״Aber die Stille ist überrast vom Sturme der Zeit... Einen anderen Sinn hat die Welt...“ — ״Not ist die Erbschaft und Geißelsclilag, der die Väter schon traf“ — ״Also werde zur Hymne das Gedicht.“ Man sieht Sturmanns inneren Weg aus diesen Stellen, und man fühlt seine Weise. Er pflügt einen Boden um. Dazu hat er die Kraft. Ob er auch den Reichtum hat, in die von ihm aufgerissenen Fürchen den Samen zu werfen, das bleibt vorläufig noch unentschieden. Artistisch gewendet, liegt sein Fall so: er ist vorläufig noch ein Formuliercr, Nachbar der gehobenen Prosa, die aut dem Weg über das Hymnische zum Lyrischen — fast möchte man sagen: hinabsteigt, aber wir wollen es positiver ausdrücken: hinuntertaucht. Es ist der Weg aus einer prachtvoll aufrechten Gesinnung zu einer ihr dienstbaren Form. Das Bildliche und Bildnerische ist noch in dienender Stellung, mehr beschattet von Tendenz als beleuchtet von Idee. Es ist zu hoffen, daß sieh diese gute Strophe des ״Siedlers“ an dem Dichter selbst bewahrheitet: Ihr wißt, was nach haricii Jahren uns winkt: Der linden, mii Schweiß und mii Triincn gedüngt. Wird die dunklen Lage erhellen. Dann werden liier Felder und!!erden sein Und wogender Weizen und tYüchk‘ und Wein Und Bäume und rauschende Quellen. Hermann Sinsheimer Emil Strauß antwortet In Nr. 3 der von Will Vesper herausgegebenen Zeit- Schrift ״Die neue Literatur“ veröffentlicht Emil Strauß die folgenden Zeilen zu meiner Besprechung der jüdischen Randfigur seines neuen Romans: ,,Liu aller 1־ reund» I )eu!י!, lu r, der m'Ihui vor 40 Jahren meinen ־״־־ ix'lraehtenden ־— Ant!-einii 1 -nurs k.uuiie, schickt. mir das Literatur- Idati der ״JütlF11:׳e1i RumBt. hau־* vom 18. Januar 1935 mit einem Artikel ״Doktor Seidselinur‘* von L1nanuel bin Gorion. Dieser verwebt mir, da 15 ieh in den! Romane ,,Das Rit־z1en>|>iel/a.11־g“ zur Krkkinnijj; des Ant FemiiFimis um 1890 herum einen nicht, gerade sympathischen judeii ״vzciehn׳! ]iahe, Ich will nicht auf einzelnes ein^ehen: daß Lntanuel hin Gor *»1! mir die Juden in J. P. Hebels Lr/ü!!!un^e11 als Beispiele hiti-irl!!, de naht nur iür ״ein Stuck Natur־־, sondern auch (iir ״liehensweit** lull, das beweist, im Hinblick etwa auf die Stückchen ״Li-I <^r1׳(u1 Li-.!*', .,Wie einmal ein schönes Roß um iühI Piii;׳cl feil gewc-en Ft״ ,״Der gläserne Jude״ ,‘־Schied!־ ter Gi'wiun“, so uriremde Besudle, daß eine Verständigung nicht möglich cr-chcint, ־•־ es sei denn, daß Kmanuel bin Gorion, dem i'h nicht unrecht tun möchte, den Hebel ebenso flüchtig liest wie das R!esf.׳nsj>jd/eug*\ Ha man mir nicht nur auf jüdischer, sondern auch auf deutscher Sehe ohne weitere^ gefühl-mäidg üln ■Ihnmiit, daß ieh in einem Zeit.- roiüune {'-e 1 *s Za |tniürehen) eine starke lind wichtige ZcitU-wcgung nicht 1111U־r-ch!age, s -ndern durch den Erreg« r veranschauliche. >o seien hier einige pn-vomde Salze aus einem IreuiuBchalt liehen Briefwech -cl dieser Monate wiedeigegd um : ..So auch der Doktor Seido-hmir. Ihr und anderer ireiiudiidier Leser - - .Schonung-,volles Mitleid mit meiner unlx'greitliehen J'-iilgU i-ung rührt mich wie etwa eine Besprerhung, die mir ,,stauen An! Fcmitismu-, I’iopugjriung des Judenhasses‘־ vorwar! nnd mich, der den Doktor Seid-chnur mit denselben Gewnwiihaitigkeit. wie sonst etwas zu zeichnen bemüht war, cr-l daran!;mime! k-am machte, dal.» man ihn auch and.־!- als mit Krn-t und!Ium״r aiwhen könnte, etwa mit Sein iuieiU alind und Re-s nt inient. Aino Seidschnür hat die starke an!Demi! i-ehe Welle jener Jahre, die wie jed'11 \ öikischdenkcndui auch uns bevogU’, die ieh nicht m1!«׳r.-(־hljgcn duilte, zu eikliiren, er hat da- ,.judentum־‘ da 1/11 s'eilen, und die-1. ■- ist ja vor dem Antisemitismus da und schuld an ihm- Al- Ich au! den \ onvtifl hin, ich ..propagier«: Judenhaß“, diew Kphode puiHe, da (and ich, daß ich bei ganz bewußter Auswahl des ,,jädi-chcü“ \e1tretcr-, nicht schonender und nicht, gerechter hätte \‘.ähk‘n können, als es im unbewußten Gesialten geschehen i-f : nur der Jand!remde, fremdbleibende, }rcmdgewilhe Glück-rilter, Freil>euter, der giast, wo nur zu gra-cn ist, konnte die von jeher im (.!־׳titschen Volk vorhntidene, damals wieder zum Lieber erhitzte Abneigung g«’gen die ,,Juden“ erklären. ,,Der andere Jude“ i-t nicht am Antisemit snni־» schuld, widerlegt ihn aber auch nicht; denn er fällt aus dem uns gelahrÜcheii, al-o handlichen ״Judentum1*, gegen das wir uns wehren mii-scn, heraus, . ist. übrigen-, auch sehen. Und auch ,,der andere Jude‘־, mit dem wir ircund-chaltlich verkehrten, sagte 11י־1ו nie seine inner-tc Lcber/cugung und Ziele; nur aus gelegen! liehen Handlungen und Stellungnahmen konnten wir sie erkennen, z. B. im Kriege, sehr kraß nach dem Um-iurz 1918. Wenn ich nun aber ״den anderen Inden1־* neben den Freibeuter stellte, dann würde ich das ׳deutsche Volk, seine besten Männer und seinen Antisemiti-mus verleumden; denn daN Verhältnis des ,,anderen Juden‘* zum jüdischen Schädling gibt kein Gleichgewicht, Ft nicht etwa 1:1, sondern 1 zu ,.Judentum“, und die-es ״Judentum*‘ Ft da ל Maßgebende, da- Fnl-eheid־׳ndr, i-t das, was nicht unter-Hilageü werden durlte: die er-ten Worte des Buches verpi I ich! eien. Daß der vornehme Jude unter unserer Gegiier-cliaii gegen das .,Judentum“ leidet, ist bitter: es i-t aber auch :-־sine Ehre. b־h in/wehU׳ nicht, daß sich der und jener feine Jude der Th. Le-sing, Gumhei, Kantorowitz. schämte, - י alter ״- hat er sich gegen sie zum Worte gemeldet B* ״Angenommen, Sic wüßten aus der wir! sc baulichen, politFcheu, geistigen Geschichte nichts, was Ihnen den ״jüdischen‘* Fimluß bedenken-weit und bedenklich erscheinen ließe, so müßten Sie doch stutzen, indem Sie le-en, daß so gnmdverschiedene Gei-ter und nicht schlechte Mf n.-chcii wie i.u'her und Goethe, Fichte und SchopcnhrtUer, Molikc und Faganle, Jacob Burckhaid! und T! eit -clsl.e aiis den vcr-chü'denUen Gesicht-punkten «len Bir uns verderblichen juchsehen Fiutluß warnend und weissagend feu st eilen, Antisemiten sind. Wir mm haben noch den An-rhaiJUngsu!!! erricht des Kriege-, de.- Umour/(׳- und der vierzehn Jahre gt׳no-,-en und haben nicht nicht da.־» Recht, hÜnd oder sentimental zu sein.“ Darauf erlaube ich mir folgendes zu erwidern, Zunächst was die angeführten Geschichten Hebels betrifft — sie sind mir selbstverständlich gut bekannt, und gerade sie meinte ich» als ich von dem Abbild des verschmitzten und dennoch liebenswerten Typus sprach. Liebenswert, weil mit Humor geschildert; was belächelt wird, ist nicht empörend, gutmutiger Spott keine Anprangerung. Umgekehrt wird doch wohl niemand die Judcngestalten der von Strauß nicht aufgezählten Geschichten Hebels (Der wohlbezahlte Spaß־ vogel, Moses Mendelssohn, Einträglicher Rätselhandel, Drei Worte, Kurze Station, Gleiches mit Gleichem, Glimpf geht über Schimpf) als generalisierendes Loh empfinden, sondern eben nur als Aeußerungeu des begnadeten und unbestechlichen Dichtertums. An Hebels persönliches Bekenntnis in dieser Frage, sein Sendschreiben ״Die Juden“, wage ich Emil Strauß kaum zu erinnern. Und nun zum eigentlichen Thema der Notiz. Wenn ein Dichter seine grundsätzliche Haltung ansspricht — noch dazu einer, den gerade religiös-ethische (ich denke an Straußens Erzählung ״( iartenäre“) und geschichtliche Fragen anrühreu —, können ihm da einzeln beobachtete negative Fälle oder sonst Ereignisse und Erscheinungen des Tages als Begründung genügen? Zeigt es sich nicht einem jedem der in die Geschichte eindringt, daß das Judentum und die Existenz der Juden Rhänomene sind? Und sind nicht die angeführten Namen von Dichtern und Denkern der beste Beweis dafür, daß die Dinge nicht so einfach liegen und jtxle Generation von neuem versucht hat, damit fertig zu werden? Was im übrigen die erwähnten Namen angeht, so könnte man von Luther und Goethe gewiß, von den anderen bis vielleicht aut eine einzige Ausnahme auch gegenteilige Meinungen zitieren. Und ich bin noch, so ft ei, Geister w ie Reuchün und Herder, Lessing und Jean Paul, Stifter und die Droste, Kant und Nietzsche zu nennen, ohne freilich damit irgend jemand der Pflicht zu entheben, dem Problem durch eigene Bemühung aut de״ Grund zu gehen. E m a n u e 1 bin Gorion Nachwort der Redaktion Ohne die Absicht, in die literarische Kontroverse einzugreifen, halten wir es für notwendig, in einigen Worten unsere Stellung /ur Frage der literarischen Verwendung jüdischer Gestalten /u tnnreißen. Der neue J 11 <1 e unserer Zeit, für den die ״Jndisclu■ Rundschau“ spricht, ist nicht ängstlich bemüht, die Blühen der eigenen Gemeinschaft apologetisch zu/.udecken. Wir wissen wohl, daß es den Typus des jüdisehen Schiebers nnd *les jüdischen ״Schädlings“ gibt, auch den Heuchler und ehrlosen Renegaten; gerade dieses Wissen um die Gefahr der Entartung von Menschen, die aus einem normalen Gemeinschaftsleben ent wurzelt, und ent-artet, von ihrer Art entfeint, wurden, hat uns zu der neuen großen Gemeinschaftsbcwegimg im Judentum geführt, die wir Zionismus nennen. Wir sind daher nicht wehleidig, wenn in realistischen Romanen solche ״schlechte“ jüdische Figuren gezeigt werden; wir werden darauf nicht — wie es noch eine frühere Generation manchmal tat - mit der Antwort reagieren, daß der ״eigentliche“ jüdische Typus doch ״Nathan der Weise“ sei, also alles in schönster Ordnung ist. Jawohl, wir haben unsere sozial minderwertigen Elemente ebenso wie jedes andere Volk. Wogegen wir uns aber mit aller Entschiedenheit wenden müssen und immer wenden werden, ist die primitive Schwarzweiß-Technik, die aus den Juden das böse Eiement s c h 1 e c h 111 i n macht, wofür Emil Strauß in der oben wiedergegebeneu Aeul'ieruiig sogar die Formel findet, das Verhältnis des ״anderen“ Juden zum jüdischen Schädling sei ״nicht 1:1, sondern 1: Judentum“. Diese Bemerkung ist es, die uns zu unserem Protest veranlaßt. Denn sie zeigt die Ahnungslosigkeit, mit der das jüdische Problem von Männern des Geistes betrachtet wird. Der jüdische Schädling, den Strauß zu sehen meint, ist nicht, wie er behauptet, ״Judentum“, sondern Abfall vom Judentum, gerade' das Gegenteil und der Gegenspieler. Viele Vorgänger (auch unter den von Strauß zitierten Namen) sind den bequemen Weg gegangen, den jüdischen ״Schädling“ für den Juden schlechthin zu nehmen. Das ist genau so, als ob man irgendein andercs Volk nach seinen Mördern, Betrügern und Verrätern heurteilen wollte. Mit dem Kommentar, den Emil Strauß selbst hier gibt, hat er erst den vollen Beweis erbracht, daß es ihm nicht um eine Romaufigiir ging, sondern um das Jud e 111 u m. Und hier ist freilich, wie er sclb>f sagt, eine Verständigung nicht möglich. Demi wir, die wir mit Stolz uns als Träger des Judentums fühlen und die wissen, daß das, was im menschlichen Leben edel, hoch nnd groß sein kann, zu diesem Judentum gehört, können nur mit tiefer Trauer, aber ohne Ressentiment (und, wie gesagt, ohne Verständigungsmoglichkeit), der Empfindung Ausdruck geben, daß ein deutscher Dichter wie Emil Strauß von uns in Wahrheit nichts w e i ß. ZUR AUFFÜHRUNG VON ROSSINIS ״MOSE“ IN FLORENZ Links: Szenenbild: Juden in Aegpplen (Photo Herz). — Hechts: Das erste Bild: Moses (in der Mitte) mahnt das Volk zur Geduld. Das Wunder des Regenbogens gibt dem Volk Zuversicht. Rechts im Vordergrund Mose’s Schwester Mirjam und deren Tochter. (Zeichnung Margarete Moses) 1 >! * t