Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 40 (17.5.1935)
- Date
- 1935-05-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 40, 17. V. 1935 Die Arbeitstagung der Z.V. i. D, Wir berichteten in unserer Ausgabe vom 7. 5. über die Arbeitstagung der Z. V. f. D., die am 5. 5. im Logenhaus in Berlin sfatfgefunden hat. In Ergänzung dieses Bericlites sollen heute noch einige Einzelheiten über die Ar beiten der Kommissionen mitgeteilt werden, die neben dem Plenum tagten und in denen eine Fülle sachlicher Arbeit geleistet worden ist. Die Diskussion im Plenum der Arbeitstagung, die auf (jrnnd der Referate von Kurt Blumenfeld und Dr. I ran/ Meyer dnrehgeführt wurde und sieh mit den Aufgaben des deutschen Zionismus in der nächsten Zukunft beschäftigte, fand unter lebhafter Anteilnahme der Versaunnlung statt. Es beteiligten sieh an ihr folgende Redner: Dr. Polke (Breslau). Adler-Rudel (Berlin), Dr. Hans Klee (Berlin), Dr. Hans Friedenthal (Berlin), Dr. Franz Meyer (Berlin), Dr. Rabin (Breslau), Amtsgerichts rat Otto May (Köln), Isi Eisner (Berlin), Dr. Georg Josephstal (Berlin), Dr. Leiirfreund (Leipzig) und Kurt Blumcnfeld. Die Kommissionen haben in erster Linie die von uns bereits publizierten Beschlüsse der Arbeitstagung nach der Seite der praktischen Verwirklichung hin zu prüfen gehabt und konnten so die Richtlinien für die Einzelheiten der zionistisehen Arbeit bestimmen. Sie waren nicht weniger stark wie das Plenum besucht, und cs nahmen an ihren Beratungen Vertretcr fast aller zionistischer Ortsgruppen in Deutschland feil. Wir gehen nachstehend kurz zusammengefaüte Berichte über den Verlauf der Komniissionsberatungen, Kommission für zionistische Arbeit Die Sitzung dieser Kommission, die sieh mit den aligemei- Herl Fragen der zionistischen Arbeit beschäftigte, wurde durch ein umfassendes Referat von Rechtsanwalt Benno Cohn eingeleitet. Im Anschluß an dieses fand eine Aussprache statt, die mit der Annahme einer Reihe von Thesen für die Durcliiulinmg der zionistischen Arbeit endete. Diese Thesen beschäftigen sich ־zunächst mit der weiteren Expansion des Z.ionismiN im Judentum Deutschlands irnd legen die Riehtlimcn für die W'rrbrmefhoden dar. Es wird besonders eindringlich darauf hingewiesen, daß der ganze Frust der zionistisehen Gesinnung in der Propaganda dargestellt werden müsse, um eine echte Entscheidung der Menschen herbeizululiren. 1 In weiteres Thema, mit dem sieh die Thesen beschäfligen, im die f rage der zionistischen Erziehung. In diesem Zuvimmenliang wird auf die Bedeutung der jüdischen Bililungswerte hingewiesen und werden die formen der Erziehungsarbeit konkret lest geleert. Hiervon ausgehend beschäftigen sieh die Thesen mit der Frage der (> r t s g r u p p e n a r b e i t, die zu einer lebendigen zionisti-ehen (iemeiiuschaft ausgestaltet werden soll. Die Ortsgruppen sollen eich besonders um die Arbeit des llcchaluz, des Makkabi und der Wizo bemühen und sieh mit der Jugend eng verbinden. In der!'tage der hebräischen Arbeit forderte die Kommission eine Erweiterung und die Schaffung eines Kulturde/ernates der Z. V. f. I). Um die verschiedenen zionistischen Aufgaben zu erfüllen, soll die ehrenamtliche Mitarbeiterschaft der Organisation weiter ausgebaut werden. Die KKL-Kommission ln der Sitzung der KKE-Kommission, an der eine große Anzahl von Vertrauensleuten aus dein Reich und die Sekretäre teilnahmen, gab Dr. Weiß, der Leiter der KKL- Zentrale für Deutschland, zunächst eine Uebersiclit über die Entwicklung der KKL-Arbeit tn Deutschland im ersten Halbjahr 5695. Die R e k o r d s t c 1111 n g der Einnahmen im vergangenen Jahr konnte in der ahgclaufeneu Berichtsperiode noch erlieblich verbessert werden. Die großen zionistischen Aktionen des KKL, die im vergangenen Jahre durch die völlig veränderte Situation der deutschen Juden notwendig geworden waren, hatten den Km.s der an der zionistischen Peripherie stehenden KlvI -Spender außerordentlich ausgeweitet. Die Arheit im ahgclaufeneu Halbjahr galt daher im wesentlichen der organisatorischen Heiant'uhrung die-er zionistischen Periplierie an die Aufgaben des KKL. Bei der an Stelle der üblichen Cimnukkah-Aktion in diesem Halbjahr durchgeführtue Buch'eiiau 1^11!lungs-Kampagne gewann der KKI, 0000 neue B 11 e!1 s e!1 i n h a h e r. Am 31. Mär/ 1915 waren bereits g, der gesamten vorjährigen Buchsen-Finnahmen erreicht. Weiterhin konnte dim h die Intensivierung der Gelegetiln it.-'Oende die -ogeil. I nnd-pi-ndr um i'MI verbessert werden und auch die Baumspeiide, die in früheren Jahren im wesentlichen das Reservat der Zionisten war, erfuhr eine Erhöhung um Ul1 Die Mitarbeit der Jugemlbi'mde erhielt ihren Ziffernmäßigen Niederschlag in einer Verstärkung der Einnahmen aus Imita-cheu tun lh ׳ gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr. Die zionistische Jugend führte zu Ghamisclia assar b’Scbwat eine Kampagne zur Gründung eines Haines in Erez Israel auf ihren Namen durch, die ein voller Erfolg war. Die ei freulk he Tatsache, die in der Beriehtsperiode fe.stgestellt ueidiii konnte, war die größere Aktivität der erwachsenen Zionisten, die sRI! in einer erheblichen Verbcsscrung der Durcb-cliiHttsspenden bei allen Sammelmitieln bemerkbar gemacht hat. Das gegenüber dem Vorjahr um 33 <׳., bessere Ergebnis der Peliaeii-Aktion ist vor allem auf die intensive Mitarbeit der älteren Zionisten zuriick/ufülircn. Fine wichtige Stärkung seiner Position im deutschen Judentum erwuchs dem KKI. aus der Kampagne zur Einiragung Baron Edmund de Rothschilds in das Goldene Buch des Keren Kajemeth. Es beteiligten sich hieran, teilweise mit sehr namhaften Beträgen, folgende Gemeinden: Königsberg, Karlsruhe, Z.chdenick, München, Nürnberg, Bonn, Mannheim, Soest, Frankfurt :1. ()., Oberrat der Israeliten Badens, Allenstein, Herford, Breslau, Erfurt, Freiburg, Düren, Gießen, Eaupheim, Chemnitz, Stuttgart, Krefeld, Lauenburg, Kottbus, Konstanz., Duisburg, Heidelberg, Oberhausen, Liegnitz, Göppingen. Die allgemeine jüdische Entwicklung in Deutschland hat es mit sich gebracht, daß der KKL heute in 550 Orten Stützpunkte für seine Arbeit besitzt und daß ein sich noch immer erweiternder großer Kreis von ehrenamtlichen Mitarbeitern organisatorisch mit dem KKL eng verbunden werden konn.e. Am E Mai hatten die Einnahmen des KKL bereits den Stand der Einnahmen vom E Juli 1934 erreicht. Das kommende Halbjahr wird der KKL dem Ausbau seines Mitarbeiterstabes und einer weiteren Ausdehnung der Büchsenanzahl widmen. Im Vordergrund wird die Schulung, insbesondere der Jugendbünde, stehen, für die im Laufe des Sommers ein K K L -Jugendbuch herausgegeben wird. Anläßlich des Todestages von Herzl und Biahk wird der KKL wieder wie im Vorjahre eine Broschüre herausgeben, In der Aussprache wurden eine Reihe von Anregungen aus dem Kreise der Mitarbeiter erörtert und allgemein der Wunsch vorgetragen, daß die Arbeit für den KKL noch mehr als bisher von den Mitgliedern der ZVfD. und den übrigen zionistischen Gruppen und Bünden in den Mittelpunkt ihrer praktischen Palästina-Arbeit gestellt werden müsse. Wenn auch das Hauptbüro des KKL im abgelaufenen Halb• fahr eine fast ebenso große Bodenfiäclie wie im gesamten Vorjahr in jüdischen Besitz, überführen konnte — der Bodenbesitz des KKL beläuft sich nunmehr auf über 350 0(X) Dunam —, so war doch bei allen Mitgliedern der Kommission die Ueberzeugung vo: handelt, daß diese an sich erfreuliche Erweiterung des Bodenbesitzes angesichts der noch immer ansteigenden Einwanderung nicht als befriedigend angesehen werden könne. Keren Hajessod - Kommission Innerhalb der Arbeitstagung fand eine Sitzung der Mitarbeiter und Vertrauensleute des Keren Hajessod statt, an der etwa 40 Personen teilnahmen. An Stelle des erkrankten Dr. Traub erstattete der Vorsitzende der Keren Hajessod- Kommission, Rechtsanwalt Heinrich Levin sohn, den Berieht über die Ergebnisse des Jahres 1034 und das erste Vierteljahr 1935. Der Bericht ergab, daß die Eingänge des Keren Hajessod im Jahre 1034 gegenüber dem Jahre 1933, das bereits i!n Vergleiche mit dem Vorjahre eine Steigerung um 33 0,״ erbracht hatte, eine weitere Erhöhung von etwa 25 0/0 erfahren haben, wobei sich die Durchschnittsleistung des cin/elncn Zeichners gleichfalls erhöhte. Die Zunahme der Keren Hajessod-Eingange hält auch im Jahre 1935 an: Das Ergebnis der ersten drei Monate des Jahres 1935 übersteigt das entsprechende Vorjahresergehnis um über 40 <»/״, und der Monat März 1935 hat gegenüber dem gleichen Monat 193-1 eine Steigerung von fast 100 ״/״ erbracht. Besonders erfolgreich waren die großen Aktionen, die der Keren Hajessod während der ersten Hälfte des laufenden jüdischen Jahres 5(195 in verschiedenen Städten des Reiches, so vor allem in Breslau, Chemnitz, Dortmund, Diisseldorf, Essen, Frankfurt a. M, Hamburg, Köln, Königsberg, Leipzig, Stuttgart und München veranstaltet hat. Die Zeichnungsergennisse der letzten Aktionen in Breslau, Essai, Königsberg und Leipzig übersteigen das Ergebnis der Eingange des Jahres 1934 um über 75 0;״. Ganz besonders erfreulich waren auch die Zeichiiungscrgebnisse der letzten Aktionen in Stuttgart, München und Dortmund. Diese Leistungssteigerungen sind um so bemerkenswerter, als auch im Vorjahre wiederum eine große Anzahl der besten und treuesten Mitarbeiter lind Zeichner für die Arbeit in Deutschland durch ihre Alijah ausgcschiedcn sind. Die Bcrichte der Teilnehmer der Kommissions-Sitzung ließen erkennen, daß der Keren Hajessod dank der intensiven Pronagandatätigkeit, die er während des letzten Winters entfaltet hat, weite Kreise der deutschen Judcnheit für den Gedanken des Paliisfina-Auibaus gewonnen und eine Fülle neuer Mensehen aktiv in die Palästina-Arbeit eingereiht hat. Mit besonderem Nachdruck wurde die Tatsache betont, daß infolge der aufgenommenen A n I e i h e der Keren Hajessod nunmehr in der Lage ist, sieli wieder in erster Linie seiner Hauptaufgabe, der nationalen landwirtschaftlichen Kolonisation, zuzuwenden. Mit dem Erwerb der Hule-Kon/.ession und der Erschließung des Emek Chefer setzte eine neue Aera des Keren Hajessod ein, dessen Bedeutung angesichts der Not- Wendigkeit, den landwirtschaftlichen Sektor Palästinas nach Kräften zu erweitern, von der Judcnheit aller Länder voll gewürdigt wird. Für die kommende Zeit ist auch in Deutsch- Iand, dessen jüdische Bevölkerung mit wachsender Alijah au einer gesunden Entwicklung des Palästina-Aufbaus hesonders interessiert ist, eine weitere Intensivierung der Tätigkeit zugunsten des Keren Hajessod zu erwarten. Die Keren Hajcssod-Kominission hat gemeinsam mit der Keren Kajemeth-Kommission folgende für die Arbeit beider Fonds wichtige Resolutionen angenommen: I. In Erkenntnis der erhöhten Bedeutung, die dem nationalen Kapital bei dem Aufbau von Erez Israel in einem Augenblick ־/»kommt, in dem die stetig wachsende Ein- Wanderung die Erschließung und Besiedlung neuer Gebiete und die Festigung des bestehenden Kolonisationswerks erfordert, richtet die Arbeitstagung der ZVfD. erneut den Appell an das gesamte deutsche Judentum, in wesentlich stärkerem Maße sich an den nationalen Fonds zu beteiligen «n<1 den Palästina-Aufbau in einer der Größe und dem Ausmaße,der zu erfüllenden Aufgaben entsprechenden Weise zu fördern. H. Die Arbeitstagung der ZVfD. weist erneut auf den Kottgreßheschluß hin, wonach alle Zionisten verpflichtet sind, Maaaser an den KH. zu entrichten und sich aktiv an der Arbeit des KKI. zu beteiligen. Die Erfüllung dieser Verpfliclitimgen ist Voraussetzung für die Bekleidung zionistischer Ehrenämter. III. Die Arbeitstagung der ZVfD. beschließt in Ueberein- Stimmung mit dem entsprechenden Beschluß der letzten Sitzung des Aktions-Comifes, daß Befürwortungen und Bestätigungen des Palästina-Amis im Rahmen der ihm übertragenen Funktionen nur daun gegeben werden dürfen, wem! der Nachweis geführt ist, daß der Antragsteller seinen Verpfliclitimgen gegenüber dem KH. und dem KKL seit mindestens einem Jahre gerecht geworden ist. Kommission für Palästinaamtsfragen Die Palästinaamts-Kominission wurde von Landgerichtsrat a.l). Rau geleitet, der Aufschlüsse über die prinzipiellen Richtlinien der Zertifikalaverteilung gab. Es wurde dargelegt, daß heute mehr noch als bisher die Erfordernisse des Landes für die Verteilung der Arbeiterzertifikate maßgeblich sein müßten. Die Erfahrungen der letzten beiden Jahre hätten gelehrt, daß auch den Menschen nicht damit gedient sei, ihnen Zertifikate zu geben, wenn sie nicht einen produktiven Beruf besäßen, der sie in Palästina ernähren kann. Neben dieser beruflichen Eignung ist erforderlich, daß der Einwanderer seiner Persönlichkeit nach in . der Lage ist, sich fremden und schwierigen Verhältnissen anzupassen. Auch auf die hebräischen Kenntnisse der Bewerber müßte großer Wert gelegt werden. Es wurden alsdann kurze Berichte über die Abteilungen ״Handwerker-Alijah“ sowie über die ״Juristische Abteilung“ gegeben, unter besonderem Hinweis auf die zur Zeit bestehenden Schwierigkeiten in der Geld- Überweisung resp. Transferierung nach Palästina. Es wurde klargekgt, daß die Erteilung von Dringlichkeitsbescheinigungen zwecks bevorzugter Behandlung von Devisenzuteilungen unter den heutigen Verhältnissen nur in ganz geringem Umfang erfolgen könne, und daß die Anlegung strengster Maßstäbe an die Erteilung solcher Bescheinigungen erforderlieh sei, um nicht andere Bewerber zu benachteiligen. Es wurden dann Berichte vom ״H e c h a I u z“ und vom ״Brith Chaluzim Datiim“ über den augenblicklichen Stand der Haehscharah erstattet, aus denen entnommen werden konnte, daß über 4000 jugendliche Menschen in diesen beiden Verbänden heute in Haehscharah stehen. In der Debatte wurden verschiedene wichtige Anregungen für die technische Durchführung der Bcwerbungs* prüfung und für stärkere Anteilnahme der im Reich vornandenen Palästinaamts-Zweigstellen an der zentralen Berliner Arbeit gegeben, Zur inuerjüdischen Auseinandersetzung Zu den Resolutionen der letzten Arbeitstagung der Zio. nistisehen Vereinigung für Deutschland, worin ein A11. spruch der Zionisten auf stärkeren Anteil an der Führung der jüdischen Arbeit in Deutschland an. gemeldet wird, äußert sich die ״C. - V. ־ Z e i t u n g“ in ihrer Ausgabe vom 9. Mai. Es wird darin namens des C.-V. gesagt, daß den ״praktisch-politischen Forderungen des deutschen Zionismus in der vorliegenden Form entschiedener Widerspruch entgegengesetzt wird“. Es wird weiter ausgeführt, daß der C.-V. sich in den letzten zwei Jahren niemals einer lebendigen jüdischen Arbeit widersetzt habe und auch nicht starr an seinen alten Anschauungen festgehalten habe. Dazu heißt es: ״Wir sind bereit, über jeden sachlichen Einwand an sachlichen (■o.schelmisseii zu sprechen und zu verhandeln und auch von uns aus neu gewonnene Lehren zu verwerte 11.“ Nach Betonung der Verdienste des C.-V. wird dann weiter gesagt: ״Niemals verkennen wir aber auch, welchen Dank wir der zionistischen Arbeit schulde >1, die im Palü'lina-Aufban einen unersetzbaren Niederschlag gefunden hat. Wir sagen cs nicht er>t seit heute, aber wir wiederholen es gerade heule, daß int Arbeitsprogramm des deutschen Judentums auch der I’a 1 a s t i n .1 - A u f b a u seinen l’latz hat, behalten muß und wird. Um so ungerechtfertigter, störender, iilx-iramliender und deshalb um so mehr ahzulehncn ist der zionistische An-prurh. Wir werten ihn als Ausfluß des zionistischen liest reiten״, die /.eitere iytii.-m als scheinbare Auttncbsmoinente für die zionistische l’topaganda zu verwenden und zu meinen, die Zeit zu KeMiluliunen sei gekommen ־— ohne daß wir zunächst Befrachtungen über innerzionistische Hintergründe dieser Entschließung anstelicn. Im Dienst des PaUi-tma-( hdankens sind .solche Vorstöße gewiß nicht, nötig. Dieser ist. heute schon ohnedies stark genug.“ Ohne uns zunächst in eine Polemik gegen diese Ausführungen cinzulasscit, sei nur bemerkt, daß die Tatsache, der Palästina-Gedanke sei ohnedies schon durchgedrungen, logischerweise nicht gegen dal Führungsaiispruch des Zionisinus ins Treffen geführt werden kann. Nach einer Erwähnung der Resolution, die die Berliner Jüdische Gemeinde betrifft, heißt es dann zum Schluß: ,,Der Cent rat-Verein .stellt, sieh nicht, vor ü b erlebt e De z e r ח a f c o d e r ii be r 1 e b 1 e I) e z e r n e n t e n. Er hat s/'lt von aktiver Gciiicindepililik iiieEt und vor allem in Berlin bewnci fcrtigchalten. Die zioiii.-tKriu: Kcsoluiioit mein! aber nicht mehr Teilgebiete der Arbeit oder IVolen, sie imiitt das Ganze der jüdischen Arbeit in Deutschland, und bei dic.'cui Vorstoß soll der Zioiibmus wissen, daß wir nicht v״r einzelnen Menschen oder Dingen, wohl aber schützend vor detu Ganzen steh 11.“ Dazu wäre folgendes zu sagen: Seit zwei Jahren macht man den Zionisten und dem Zionismus, dem Palästina- Gedanken und anderen zionistischen Errungenschaften ununterbrochen Komplimente und sucht gleichzeitig die Zionisten von allem mallgeblichen Einfluß auf die Gcstallung der Dinge f e r n 1 u 11 a 11 e n. In der Berliner Gemeinde sind, wie das zionistische Vorstandsmitglied der Gemeinde, Dr. Salli Hirsch, in Nr. 30 der ״Jüdischen Rundschau“ dargelegt hat, alle entscheidenden Dezernate ausschließlich in der Hand der Eiberaien geblieben, und kein Zionist, mag er noch so 8achkundig sein, wird zu einer wichtigen Arbeit zugelassen, offenbar doch, weil man ängstlich bemüht ist, den alten Geist des liberalen Judentums, den wir für überlebt hatten, in allen maßgeblichen Tätigkeitszweigen zu konservieren. Wenn gegen diese Methode, nachdem alle Versuche einer einverstandlichen Lösung immer wieder an einem starren, geradezu brüskierenden Verhalten der Mehrheit gescheitert sind, offen Stellung genommen wird, so müßten eigentlich zumindest alle diejenigen Nichtzionisten, die der zionistischen Leistung nach ihren eigenen Erklärungen so positiv gegenüberstenen, die Berechtigung dieser zionistischen An- Sprüche anerkennen und dadurch zu einer allmählichen Ent- Spannung und Regelung beitragen. Ein jüdischer Alterspräsident Budapester Brief Die neue Session des neugcwählten ungarischen Par• laments wurde, wie unser Budapester A. F.-Korresp ׳ dent uns berichtet, von dan jüdischen Abgeordneten Paul Sändor, der zu Pcßach seinen 75. Geburtstag feierte, als Alterspräsident geleitet. Abg. Sändor vertritt seit 11 Jahren die stark von Juden bewohnte Budapester Leopoldstadt als iiberaler Abgeordneter und genießt im ganzen Hause großes per• sönlichcs Ansehen. Er wurde nach seiner dreitägigen Präsidententätigkeit als Alterspräsident lebhaft akklainicrt und auch vom Reiclisverweser Ilorthy begrüßt. (Auch im Oberhaus ist ein Jude Alterspräsident, nämlich Oberrabb, Löw, Szegedin.) In seiner programmatischen Eröffnungsrede gab Reichs- Verweser Horthy auch ein Bekenntnis rum Prinzip der Gleichberechtigung aller ungarischen Bürger ab, was als eine Stellungnahme gegen die antisemitische Propaganda aufgefaßt wurde. Gleichzeitig erschien in einzelnen Blattern die Mitteilung, die medizinische Fakultät der Budapester Um• versität habe den Beschluß gefaßt, Privatdozenten nur in dem Falle zur Habilitation zuzulassen, wenn ihre konfessionellen Verhältnisse bis Großvater und Großmutter ״geordnet“ seien. Die Nachricht von diesem ersten ״Arierparagraphen“ hat hier großes Aufsehen erregt, wurde aber von mehreren Koryphäen der Fakultät sofort aufs bestimmteste widerrufen. Gegen den Numerus clausus an ungarischen Hochschulen Budapest, 12. Mal. (JTA.) Anläßlich der Beratung des Etats des Kultus- und Unterrichtsministeriums im Finanzausschuß des Ungarischen Abgeordnetenhauses hielt Abgeordneter Dr. Rassay eine Rede, in der er zu den Fragen der ungarischen Kulturpolitik Stellung nahm und u. •י• Angriffe gegen das noch immer bestellende System des Numerus clausus richtete. Unterrichtsminister Dr. Valentin HAman vermied es in seiner Antwort, auf die Vorwune des Abgeordneten Rassay betreffend die Handhabung des Numerus clausus-Prinzips'ln konfessionellem Sinn direkt cmzugehen. Aus seinen Ausführungen war jedoch zu ersehen, daß er die Auslese der Bewerber für das Hochschulstudium nicht aut Grund konfessioneller oder rassischer Erwägungen getroffen zu sehen wünscht. Gemeinderabbiner Dr. Jakob Hoffmann in Franko furt a. M.» der dent Präsidium der Reichsvertretung de deutschen Juden angehört und im Präsidium des deutscticn Misracht eine führende Rolle spielt, hat eine Berufung * Rabbiner nach T«l־Awiw erhalten,