Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 39 (14.5.1935)
- Date
- 1935-05-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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lü.v. 35 9ו A ]Kr. 39 / Jahrgang 40 Preis 25 Rpt> » Weg dlg um- Impfern nestina iklasse u־1ru־u־ m יי ■ > ÜTO Friedr1cl1s׳r,2« I igungen * Diktat! L Stelmpl. 5433 etbmasch. GehrJ eparaturwerkstatt! ri c R e i n i g u ng | I ROtiltlOlZ 18■ Mtgl.d.;.H.V. | QrUnspohn iuu.Facn9e8c״!n 1, Stets Bonder- Charlottenstr. 2fl I ick./A7 Dönh. 2605. I in C.S.R. ibirge) r mit. Actrtlr1cht I lumersöort n?n itspllege uswaaderer, unW» 1 tu *eitlem. Pru«#. I \bt.. Meine!« str. 10. j shhilfe und Englisch, ׳rt. »rechen 6—7 Uhr. I linkt. terridil Cinder u Erwscbs j us^eb., best* N*f■ ׳״li9-1) 2275 «״* terricht ril, erteilt. Oi\v\* I bt., Meinekc*[0! ׳ j 1, Riesengeb. terricht / Sport 1 1t I *eben «at § Hlnflet ״ Anna tevT j räisch כ bi* Konvrr**!10a j außer *״ H*״" 531 rbi» 9'-.v״rm.l | JÜDISCHE RUNDSCHAU (dirtftttltnigiVeriag u. Anseigenverwaltang ו Bwlla W15, Mcinckc-atr.lO fernrui’- Sammel-Nw.Jl Bismarck 3181/82,7165/70.7240/42-- BezuRsprms je Monat |1M 2*-, je Vierteljahr RM 5,75■ - Postacheck-Konten der Vertriebs■ Abteilung: ßmlitt 71573 (Ihr Groß-Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reich). Auslandsfeesng io jeweiliger Landeswährung, - Endtelnt jeden DlcniUg und Freitag. BERLIN י״א אייר תרצ״ה DIENSTAG, 14. MAI 1935 AmeigeDprsUUite Nr. 2 gültig« Die I2ßeap. mm-Zeiie 20 Rpf, für Stellendes« 10 Rpf, für Familiennachrtchten 15 Rpf. Ein2elan2eigen nur gegen Vorauszahlung am Schalter oder au! Postscheck-Konto Berlin 71618 Montag bis Donnerstag 9-18 Uhr, Freitag 9-16 Uhr. Annahmeschluß für die Dienstag-Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag-Ausgabe Mittwoch 13 Uhr (Familienanzetgen bis Donnerstag 10 Uhr) per Zionismus erstrebt für das indische Volk die Schaffung einer Öffentlich ־ rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Marschall Pilsudski Das Ableben des Marschalls Pilsudski ist ein Ereignis von europäischer Tragweite, zugleich aber ein Anlall zu tiefster Trauer für die gesamte polnische Nation. Innerhalb der polnischen Republik wohnen über drei Millionen Juden, die mit dem Schicksal Polens eng verbunden sind, und auch diese jüdischen Massen vereinigen sich mit dem polnischen Volk in der Trauer und in der Verehrung für den Dahingeschiedenen. Denn Pilsudski war mehr als ein nationaler Held; er war eine moralische Persönlichkeit, darauf bedacht, dem nationalen Leben eine ethische Basis zu geben. lieber Pilsudskis romantisches Heldenleben wird aiilälllieh seines Hinscheidens viel gesprochen werden. An dieser Stelle wäre nur ergänzend darauf hinzuweisen, dal! der Marschall frühzeitig auch mit dem jüdischen Volksleben in Beriihrung kam und auch später häufig mit Juden zu tun hatte. Pilsudski ist in Wilna aufgewachsen, einer Stadt, die zu jener Zeit (im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts) in noch viel höherem Maße ein jüdisches Gepräge hatte als heute. Wilna war ein Zentrum des jüdischen Volkslebens, und viele entscheidende jüdische Ereignisse und geistige Bewegungen sind mit Wilna verknüpft (man denke nur an den üaott von Wilna). Die große Mehrzahl der Juden bestand aus Kleinbürgern, Handwerkern, Händlern, lauter sehr armen Menschen, die in unvorstellbarer Not lebten und überdies wegen ihres Judentums vom Zarismus unterdrückt wurden. Pilsudski, der schon in früher Jugend von polnischen Freiheitsideen erfüllt war, erkannte daher bald die Analogie des nationalen und sozialen Geschicks der beiden Völker, des polnischen und des jüdischen Volkes (eine sehr begrenzte Analogie, denn das polnische Volk lebte — auch im Unglück — stets auf seiner Scholle). Als Funktionär der polnisch-sozialistisehen Partei versuchte er daher, die Juden herüberzuzielien, und er verübelte es der damaligen jungen jüdischen Sozialist'!- schm Bewegung, dem ״B u 11 d“, daß er mit der russischsozialistischen Partei zusammcnarbeitc. Für einen Mann wie Pilsudski war cs klar, daß eine sozialistische Bewegung in Rußland nicht von den nationalen Problemen losgelöst werden könnt׳, eine Erkenntnis, die in jüdischen Kreisen erst viel später (unter dem Einfluß des Zionismus) reifte, denn die jüdisch-sozialistische Bewegung jener Zeit war stark assimilatorisch. Schon 1894 schrieb Pilsudski als Wilnacr Korrespondent des in London erscheinenden polnischen Blattes ״Przedswit“ (Die Morgenröte), das von Stanislaw Mendelsolm (dem späteren Schwiegersohn Nahum Sokolows) geleitet wurde, einen Artikel, in dem es hieß: ״Im litauischen Landesteil bilden die Juden 14 <0י der Bevölkerung. Fs ist nicht recht, da!B sie, alle diese jüdischen Arbeiter, Schneider, Schuster usw. ihr Heil vom Sieg der russischen Revolution erwarten.“ Noch mehr empörte ihn die in den Oberschichten der Wilnaer Juden eingerissene russische Assimilation. Pilsudski war überzeugt und suchte es auch seinen jüdischen Freunden klarzumachen, daß die jüdische Befreiung nur durch den Sieg der polnischen Freiheitsbewegung kommen könne. In einer freien polnischen Republik, so verhieß er damals wiederholt, würden ״die Juden Kameraden haben, die gegen jede Ungleichheit kämpfen, sei sie nationaler, wirtschaftlicher oder politischer Art“. In Galizien fand dann Pilsudski auch eine Reihe j ii d i s c 11 e r M i t k ä m p f e r, z. B. die zur polnischen Sozialdemokratie gehörigen damaligen österreichischen Abgeordneten Perl, Diamant, Liebermami usw. Während der ganzen nächsten Epoche, die mit dem Weltkrieg begann, blieb Pilsudski den hier skizzierten Ansehauungen treu. In den von ihm gegründeten polnischen Legionen gab es viele jüdische Mitkämpfer und Offiziere. Als nach der Wiederherstellung Polens antisemitische Unruhen vorkamen, trat Pilsudski dem entgegen. 1919 empfing er als Staatschef — er wohnte übrigens damals im Hause des jüdischen Bankiers Baron Kronenberg — eine jüdische Deputation, die ihm die Forderungen des jüdischen Volkes in Polen nach Gleichberechtigung und kultiircTIer Autonomie vortrug. Pilsudski ist daun bekanntlich eine Zeitlang vom politischen Schauplatz abgetreten. Immer aber hielt er an der These fest, daß es im staatlichen Leben keine Diskrimination zuungunsten der Juden geben dürfe. (Dies hat erst kürzlich wieder der polnische Botschafter in London als Politik der polnischen Regierung deklariert.) Nach seiner Machtübernahme 1926, die auch von vielen Juden lebhaft begrüßt wurde, schaffte er die noch aus der zaristischen Zeit geltenden antijiidischen Sonderbestinummgen ab. Es soll hier nicht verschwiegen werden, daß gewisse jüdische Gruppen Polens, die nach ihrer geistigen Herkunft (aus der russischen Revolution von 1905) die Demokratie und den Parlamentarismus als höchste Freiheitsgüter betrachteten, den diktatorischen Methoden Pilsudskis abgeneigt waren und sich darum oppositionell einstellten. Davon abgesehen, ist festzustellen, daß das PilsUdski-Regiine das jüdische Problem in Polen nicht lösen konnte, da ein objektives Problem von großen Ausmaßen vorliegt, dem gegenüber der gute Wille einer Regierung nur teilweise äbhelfen kann. Die wirtschaftliche Lage der Juden verschlechtert sich zusehends und ihre kultur-politischen Bedürfnisse blieben auch in der Pilsudski-Zeit unberücksichtigt. In die Behandlung der eigentlieh jiidi sehen Probleme hat Pilsudski niemals eingegriffen. Aber zugleich darf nicht verkannt werden, daß!*ilsudski und seine Regierungen den entschlossenen Willen hatten, dem Antisemitismus der Nationaldemokraten nicht das Feld zu räumen. Antisemitische Uebergriffc wurden geahndet. Auch ohne die Herrschaft einer radikal antisemitischen Bewegung ist die Not der Juden in Polen außerordentlich groß, eines der schwierigsten, Hilfe erfordernden bevölkerungspolitischen Probleme in Europa. Wahrscheinlich werden nach dem Tode Pilsudskis die Nationaldemokratcn den Versuch machen, in irgendeiner Form an die Macht zu gelangen, was bedeuten könnte, daß dann auch die antisemitische Riehtung verstärkt wird; ein kleines Vorspiel, was dies bedeuten würde, haben wir kürzlich im Lodz er Stadtrat erlebt. Man kann nur die Hoffnung aussprecheti, daß auch nach dem Tode des Marschalls seine Tradition der Gerech tigk eit lebendig bleiben wird. Schreibers jreß-Zirkel - , r Wilmersd. 651* Fr«m*®»l*ch En«!!»* Abitur Sport Kurse Kundgebung der Anti jüdischen Weltliga Wie der ״Fränkische Kurier“ in Nürnberg meldet, fan- ״cn die angekiindigten Massenversammlungen der anti- ÜKlischen Weltliga mit dem Thema: ״Wer ist der Weltfeind in Wirklichkeit?“ unter sehr großer Beteiligung statt. Nach dem Bericht des Blattes begrüßte Überbürger- Heister Jacob-Fürth namens der Antijiidischen Weltliga die Lrsc'h ienenen. Danach sprach Gauleiter Julius Streieher. Im Verlauf seiner Ansprache wies er auf die Bedcutung der Rassenfrage hin und sagte u. a.: ,.Wer da י Wirken des jüdischen Volkes in der Weltgeschichte kennen gelernt hat, der weiß, was in der (!egenwart geschieht, tler weiß, warum das deutsche Volk auch in der (!eg,!!wart gehaßt wird und vernichtet werden soll. Min Volk, das das (!cid zum bette und kein Vaterland hat, wird ewig heimatlos!)leihen, llas jüdische Volle ist ausgezeichnet vor allen anderen Völkern. ln der Welt gibt es ungefähr 20 bis 25 Millionen Juden. Pcrade die arischen Volker beherbergen sie zu großen Massen. Überall liegt, der Jude als Staat im Staate. Aui'geteilt unter alle *taleren Völker, sind die Juden doeli ein Volk. Ras jüdische Volk 1-d das einzige auf dieser Welt, das aus der Vergangenheit unverändert in die Gegenwart hineingegangen ist. . , . Ueberali w״ der Jude war, trug er den Sieg davon, obwohl er zahlenmäßig in der Minderheit war. Ueberali!)rächte er es lert'.g, die änderen Völker »ied errätst recken. Ms könnte einem leid tun, daß e־ so viele Deut sehe gibt, die schon vergessen haben, was in den Roten zwei Jahren geschah. . . . Rer Jude in England, irr l'rankrcieli, in Italien, in Rußland, in der ganzen Well will rrirlit, dal! Krk’dcn werde. Die Juden w״l!cn und sagen es offen: Wir ",״llen Krieg gegen Deutschland. Sie sagen: Wenn wir das Hiiler- Deutschland nicht in absehbarer Zeit vernichten, dann wer!len wir Juden in der Welt vernicliiel. Wer die Rassenfrage kennt, der *cifi cs: Der Weitfeind ist Alljuda .... Wir wissen es, wie es denen geht, die es unternehmen, den Kampf gegen die Juden äufzunehmen. Nur wer eiserne Nerven hat, wird diesen Kampf tum siegreichen linde bestehen. Unser < last be-itzt den Mut zu -■«geti: Ich bin einer jener Franzosen, die bereit sind, euch die llaixj enl״cge11zustrecken. Ich bin, so sagte er, einer jener Frauzoscn, die Irorcit sind, die Juden zu bekämpfen, und damit den .schweren Weg zu gehen, den auch wir hatten gehen müssen. .. Der französische Schriftsteller Jean Boissei erklärte 11. a., er sei gekommen, um den Feind zu entlarven, der in gleicher Weise der Feind Frankreichs wie der Feind Deutschlands sei: A11 j 11 da. Statt sich gegenseitig zu bekämpfen, hätten 1914 die vereinigten Armeen auszichen müssen zum Kampfe bis auf den Tod gegen die Weltgeißel des Judentums; gegen den Juden, gegen diesen Weltfeind Nr. 1, gilt es, unseren Kampf zu führen. Und gegen den Kommunismus gleichfalls, dieses Judenkind, diesen geschvvorenen Feind des ganzen Menschengeschlechtes. Zum Schluß erklärte Jean Boissei, er wolle diesen Platz nicht verlassen, ohne in öffentlicher und feierlicher Weise den Schwur ctneuert zu haben, zu kämpfen bis in den Tod gegen den Weltfeind Alljuda und seine Helfershelfer, ru kämpfen für den Triumph seiner Idee. * Das jüdische Volk, das in der Lehre der Propheten der tiefen F r i e d e n s s e h n s u c h t der Menschheit ergreifenden Ausdruck bereits in einer Zeit verliehen hat, als die anderen Völker diesen Gedanken noch kaum zu fassen wagten, ist auch heute mangels aller Machtmittel an der Erhaltung־ des Friedens nicht weniger interessiert als alle anderen Nationen. Es hat durch Krieg nichts zu gewinnen, aber unendlich viel zu verlieren. Ein Telegramm Mosleys Der Führer der britischen Faschisten, M o s l e y, hat an Gauleiter Streicher folgendes Telegramm gerichtet: ״Lieber Herr Streicher. Ich danke Ihnen sehr für Ihr Telegramm, das meine Rede in Leicester betrifft, und das mich erreichte, während ich in London abwesend war. Ich schätze Ihre Botschaft inmitten unseres harten Kampfes sehr. Die Kräfte der jüdischen Korruption müssen in allen großen Ländern besiegt werd e n, bevor die Zukunft Europas in Gerechtigkeit und frieden sichergestellt werden kann. Unser Kampf ist hart, aber unser Sieg ist gewiß. Ich danke Ihnen. Ihr ergebenster Mosley.“ Um die Berliner Jüdische Gemeinde Von SALLl HIRSCH Die zionistische n G e in e i n d e f r a k 1i o n e n haben i!1 einer öffentlichen Erklärung eine Aenderung in der Zusammensetzung der üemcindcgrcmien und eine entsprechende Umbesct/ung der Dezernate im Gemeinde- Vorstand verlangt; die liberale Fraktion hat diese Forderung abgelehnt und auf die unter liberaler Führung geleisteten Arbeiten hingewiesen. Worum geht der Kampf? Die jetzige Zusammensetzung der Gemeindekörpcrschaften beruht auf den Wahlen von 1930. Die damals herbeigeführte Zusammensetzung des Vorstandes (7 Liberale, 3 Volksparteiler, 1 Konservativer) ist bei dem zur Vermeidung von Wahlen im vergangenen Jahre abgeschlossenen Kompromiß dahin modifiziert worden, daß noch ein Zionist in der! Vorstand hinzugcwählt wurde. Die Liberalen behielten also die absolute Majoritat. Zweck des Kompromisses war aber die Herbeiführung einer Kooperation zwischen der zionistischen und der nicht/ioiiistischen Gruppe; nur in solchem Geiste konnte auch die Zuwahl eines weiteren zionistischen Vertreters sinnvoll sein. Die zionistische Fraktion hielt schon damals die von den Liberalen gewährten Zugeständnissc für unzureichend und stimmte gegen das Kompromiß. Die Kooperation ist nicht erreicht; die liberale Mehrheit übte in allen wesentliehen Fragen ihre Macht aus; die zionistischen Vor- Standsmitglieder waren lediglich Beisitzer, denen man gewisse Zugeständnisse und auch kleine Siege in Fragen untergeordneter Bedeutung gönnte, die aber von der Leitung der Gemeinde und Führung der Gemeindepolitik ausgeschlossen blieben- Die Berliner Jüdische Gemeinde hat gerade in heutiger Zeit eine über die lokalen Verhältnisse weit hinausgehende Bedeutung; sie ist die offizielle Repräsentanz von einem Drittel der in Deutschland lebenden Juden; sie ist das finanzielle Rückgrat des ganzen deutschen Judentums und seiner zentralen Institutionen, insbesondere auch der R e i c 11 s v e r t r e 111 n g und des p r e u ß i - sehen Landesverbandes; sie kann vermöge dieser finanziellen Macht die Arbeit des Zentralaus- Schusses und damit die Gestaltung des Schicksals der jüdischen Jugend, ihre Erziehung und Berufsvorbereitung, ihre Berufsausbildung und -Umschichtung, ihre Wanderung und Verwurzelung entscheidend beeinflussen. Die Gemeinde war sich auch dieser Macht bewußt und hat sie gelegentlich eingesetzt; es geschah dies aber ohne ein klares Programm, ohne bestimmte Vorstellungen über die Zukunft der Juden. Versuche der zionistisch,en Gemeindevertreter, auf die programmatische Haltung der Gemeinde Einfluß zu nehmen, führten zu keinem Ergehnis, nicht einmal zu einer wirklichen Aussprache, sondem nur zu unfruchtbarer Diskussion; es fehlte bei der Mehrheit der liberalen Vertreter die Einsicht in die tieferen Zusammenhänge der Judenfrage und die Absicht, über die wirkliche Situation der Juden in Deutschfand zu einer Klarheit zu kommen. Wo die Gemeinde programmatisch an die ()Öffentlichkeit trat —- auf Gemeindcabcnden oder im (iemeindeblatt — gab sie statt einer wegeweisenden Richtung meist nur wirklichkeitsfremde Wunschvorstellungcn. Dabei mußten es sich die zionistischen Vertreter gefallen lassen, daß das Gerneindeblatt in offiziellen ungezeichneten Artikeln — also scheinbar im Namen des Gesamtvorstandes —■ Auffassungen vertrat, die mit ihrer Grundanschauung in unversöhnlichstem Gegensatz standen. Es sei hier nur an den programmatischen Aufsatz im Gemeindeblatt vom 8. Dezember 193) ״Der Weg des deutschen Juden“ erinnert, in dem nach dem Aufstcllcn der Behauptung, ״daß mindestens die Berliner Jüdische Gemeinde dauernd am Werke war, jüdische Werte zu pflegen, die Kenntnis jüdischer Geschichte zu wecken und die Verbindung mit jüdischer Tradition zu erhalten“ versichert wird, daß die Gemeinde nicht davon lassen kann, Deutschland auch als die Heimat unserer Kinder anzusehen und daß sie sich demzufolge für verpflichtet hält, ״innerhalb unserer jüdischen Gemeinschaft durch Erziehung und Unterricht, durch unsere ganze Haltung die Voraussetzungen zu schaffen, dieses Gefühl und diesen Geist in uns zu erhalten“. Und weiter heißt es dort: ״Wir sehen die Zukunft des deutschen Judentums auch in der Erkenntnis, daß sie ihre Gestaltung in Deutschland finden muß“. Wir nehmen diesen Artikel und diese Aeußerungen als einen typischen Ausdruck der illusionistisehen Auffassungen der liberalen Gemeindevorstandsmehrheit; die Aeußerungen