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Jüdische Rundschau · 1935-05-10 · Heft 38 (10.5.1935) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 38 (10.5.1935)
Date
1935-05-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seife 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 38, 10. V. 1935 Zusammenschluß der Kulturbünde Wir erhalten folgendes Kommunique: Am 27. und 28. April 1935 fand in Berlin im Beisein Von Vertretern der staatlichen Behörden sowie je eines Del«- gierten der Reichsvertretung der Deutschen Juden und des Vorstandes der jüdischen Gemeinde Berlin eine Tagung von 46 Vertretern der in Deutschland bestehenden Kulturbünde und Vereinigungen ähnlicher Zielsetzung statt, um über einen Zusammenschluß der jüdisch kulturellen Organisationen in Deutschland zu beraten. Nach Beg-rfißungswortcn von Dr. Singer, der ln großen Zügen das Wesen, den Zweck und die Notwendigkeit einer Reichsorganisalion der Kulturbünde schilderte, erläuterte Herr Staatskommissar Hinkel im Einvernehmen mit den Staatspolizcistellcn die Zweckmäßigkeit der Errichtung einer so!- chen Organisation und beantwortete im Verlauf der Sitzung Fragen, die aus dem Kreis der Delegierten an ihn gestellt Wurden. Es wurden folgende Referate gehalten: Dr. Kurt Sin* ge r: Die Notwendigkeit einer Zentralorganisation. — Dr. Werner Levic: Wirtschaftliche und organisatorische Aufgaben der Rcichsorganisation. — Dr. Heinrich Levinger, Köln: Der Kulturbund im Reich und die Reichsorganisation.— Dr. Friedrich Brodnitz: Reichsorganisation und jüdische Ocffentlichkcit. Nach anschließender eingehender Aussprache über alle in Betracht kommenden prinzipiellen Fragen beschloß die Ver- Sammlung einstimmig die Gründung des ״Reichs- Verbandes der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland“ mit dem Sit/, in Berlin. Die Aufgabe dieses Verbandes besteht darin, auf Grund organisatorischen Zusammenschlusses aller jüdisch kulturel* len Verbände, jedoch unter vollständiger Wahrung der Selb- *Findigkeit der Kulturarbeit und der Verwaltung, eine wirksattle Förderung der gemeinsamen Ziele und eine cinhcitliehe Vertretung gegenüber den zentralen Reichsbehörden zu!״״״־glichen. Am folgenden Tage traten von der Versammlung gewählte Kommissionen zusammen, die über Fragen der Verfassung, der wi. tschaftliehen Grundlagen, der Kulturarbeit berieten und die Ergebnisse ihrer Beratungen der Vollver- Sammlung unterbreiteten. Auf Grund dieser Vorschläge wurde ein vorläufiger Satzungsentwurf angenommen und ein Vorstand gewählt, bestehend aus: Intendant Dr, Kurt Singer, Berlin; Ministcrialrat a. D. I)r. Otto Hirsch, Präsidialmitglied der Reichsvcrtretung der Deutschen Juden; Direktor Heinrich Stahl, Vor- Sitzender der Jüdischen Gemeinde Berlin; Dr. Werner Lcvie, Berlin; Direktor Adler, Stuttgart: Dr. Willy Cohn, Königs* berg; Dr. S. Davidsohn, Herford; überlandesgcrichtsrat a. D. Günter Frankel, Breslau; R.-A. Dr. Konrad Goldschnitt, Leipzig; Dr. Goldsclimidt, Hamburg; R.-A. Dr. A. Hanff, Stettin; Dr. Kauftmann, Magdeburg; Hedwig Lcvi-Michel, Frankfurt; Dr. Heinrich Levinger, Köln; Dr. Lußheitner, Mannheim; Dr. Perimutter, München. — Aus diesem Vorstand wurde ein engerer Vorstand (geschäftsführender Vorstand) gewählt, welchem angehören: Intendant Dr. Kurt Singcr Berlin (Vorsitzender); Dr. Heinrich Levinger, Köln (1. stell!׳. Vors.); Direktor Adler, Stuttgart (2. stellv. Vors.); Dr. Perlmutter, München (Schriftführer); Dr. Kauftmann, Magdeburg, Hedwig Levi-Michcl, Frankfurt, Dr. Goldschmidt, Hamburg (Finanzwesen und Organisation); Verbandssekretär: Dr. Weiner Lcvie, Berlin. Dieser engere Vorstand wurde von der Versammlung u. a. beauftragt, die endgültigen Satzungen vorzubereiten und die wirtschaftliche Grundlage des Verbandes, beruhend auf dem Prinzip der Beitragszahlung, zu schaffen. Gemäß diesem Auftrag trat der engere Vorstand bereits am 29. April zu einer ersten Sitzung zusammen. Die in dieser Sitzung gefaßten Beschlüsse werden den beteiligten Vereinigungen and Gemeinden zugesandt werden. * Der Zusammenschluß der in einer großen Zahl von Ge* meinden bestehenden Kulturbünde, der bereits seit einiger Zeit angestrebt wurde, wird vom Standpunkt der Vereinfachung des jüdischen Oiganisationswesens aus gewiß bcgrüßt werdet! können. Er wird insbesondere die Möglich- Reit bieten, einen stärkeren Austausch der Programme herbei.zufuhren, und dadurch den initwirkenden Künstlern ein Briefe an die Redaktion Was ist «La.־? b’omsr”? Gmünd, den 7. Mai 1935 An die ,Jüdische Rundschau“! Ueber den alt jüdischer! Brauch, den ל״ג בעומר als Freuden, tag »u b ■gehen, bestehen die verschiedensten begründenden Ansichten: 1. Aufhören des Sterbens der Schüler des R. Akilia, die von einer Seuche heimgesucht worden waren; 2. Aufhören br.w. Unterbrechung der Märtyrertötung durch den Statthalter Hadrians (Ruftts) 3!זמן השמד. Unterbrechung der Verfolgung durch die Kreuzziig. terim Frühjahr 1096 V'Jßn Mtt• Sollte die libtor'sohe Tatsache für diesen Frcuücntag nicht mich weiter zurück'icgen und mit der Eroberung 11er Zwingburg ■Akra durch den l!a־monäcr Simon im Jahre 141 Zusammenhängen? Dubnow berichtet in seiner Oscherslcbcn, 8. Mai Sehr geehrte Redaktion! Zu der Mitteilung in Nr. 37 (7.5.1935) der ,.Jüdischen Rundschau-‘ möchte ich folgendes er- ״Weltgeschichte des jüd. Volkes“ Bei. III S. 89 von dem feierlichen Einzug der Bevöikerung Jerusalems in die eroberte Burg am 23. Ijar 141. Ist die Vermutung nicht nahfli-gend, daß die Burg am 18. Ijar erobert sein konnte? Mit dieser historischen Begründung der ל ג בעומר Feier wäre auch der, namentlich l>ei den Ostjuden, verbreitete Brauch der jüdischen Jugend erklärt, an diesem Tage mit 1' eil und!Sogen und mit Böllern zu schießen. Vielleicht äußert sich ein jüdischer Historiker zu der ausgesprochenen Begründung des kriegerischen Brauchs der («!jüdischen Jugend am ו ל׳״ג בעומר Hochachtungsvoll Dr. J. W o c h c n m ä r k Religionsoberlehrer ganzen: Der ,,jüdische“ Jurist, dessen Bucli den Anlaß zur Stellungnahme der Zeitschriften ״Deutsches Recht“ und ״Deutsche Justiz“ bildet, stammt aüerdinga von jüdhehen Eltern ab, ist aber schon bei der Geburt getauft worden, Sein Vater, ebenfalls Jurist, Verfasser hoclibedeutsamer Werke (u. a. der klassischen ״Geschichte der Rechtsanwaltschaft“), Gründer des Deutschen Notarve rcins und langjähriger Leiter seiner Zeitschrift, sowie der zu hoher Blüte gelangten, noch heute bestehenden Ruhegehaltskasse für deutsche Rechts- Tel - Awiw, den 6. April 1935 In Nr. 25 berichtet Ihr pal. Korrespondent über ״Deutsche Juden als Bauhandwerker“. Dabei entsteht für Uninformierte der Eindruck, als ob die Kurse eine Fürsorgeeinrichtung für im übrigen gescheiterte Existenzen seien. Dies ist aber weder die Absicht der Kursleitung, noch rechtfertigt das Schülermaterial eine solche Annahme. Im aligemeinen hat jeder Typ Ein- «׳ariderer, auch wenn er ״finanziell gesichelt“ oder ״für körperliche Artreit ausgebildet“ ist, diese Institution nötig, wenn er den Weg zur Facharbeit gelten will. Di« Teilnehmer unseres Kursus haben fast alle vor dem Kurs in Palästina bereits körperknwälte, war (neben Ballin) der zweite deutsche Jude, dem der Versailler Vertrag das Her! brach. Am 25. Juni 1919 ist er aus dem Leben geschieden. Auf seinem Grabstein in Halle tu S, stehen, seinem letzten Willen ge. maß, die Worte: Er wollte die Schmach seines Volkes nicht überleben. Dr. W. Wor* lieh gearbeitet. Niemand von uns hat sein Geld durch falsche Investitionen verloren. Für viele der Kursteilnehmer gab es auch andere Möglichkeiten — wenn auch weniger produktive —, Um hier zu einer Existenz za getangen. Zwei der Teilnehmer lind frühere Rechtsanwälte, die sich auf das Anwaltsexamen hätten vorbereiten können. Ein Teilnehmet׳ arbeitet sogar nachts als Schomer, um die Möglichkeit der Teilnahme am Kursus zu haben. Im übrigen ist zu berichtigen, daß nur der Baukurs unter Lei• tung des Ing. Kcmpinski steht, der Bauschlosserkurs unter Lei. tung des Direktors der Ms!. Pein-Schule, Ing. Feldstein. Ludwig Löwensteil *Um das Budi eines jüdisdien Juristen״ ״Deutsche Juden als Bauhandwerker“ ANTWORTEN DER REDAKTION Dr. Curt Block« Ratfbor. Selbstverständlich wäre es angezeigt, daß bei einer Veranstaltung in der Synagoge auch hebräische Gesänge zum Vortrag gebracht werden. Ihre Anregung sollte von dem Veranstaltungs-Ressort des Preu- Bischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden unbedingt berüeksichtigt werden. Ruth Tichauer, Lfegnitz. Daß Lehrlinge Ihres Vaters wiederholt Auszeichnungen erhielten, ist gewiß ein Beweis für die Tüchtigkeit des jüdischen Handwerks und auch seiner Fähigkeit zur Ausbildung des Nachwuchses. Wenn diese unbestrittene persönliche Tüchtigkeit trotzdem nicht ausschlaggebend ist, so ist dies eben ein Teil des Juden■» Schicksals. Berliner Leser. Sie haben recht. Der junge Dichter Ludwig Franz Meyer, der im Kriege gefallen ist, war Zionist. Seine Gedichte enthalten eine Anzahl von Beiträgen, die seine jüdische Ucbcrzeugung zum Ausdruck bringen. Leider war in dem Gcdcnkartikcl, der in der ״C.-V.-Zeitung“ erschienen ist, davon nicht die Rede, ebenso wie auch bei Hugo Zuckermann nicht erwähnt wurde, daß er Zionist ist. weiteres Betätigungsfeld erschließen. Trotzdem w׳ird man ein Bedenken nicht unterdrücken können. Wenn man die Liste der Vorstandsmitglieder der neu geschaffenen Organisation durchsieht, findet man unter ihnen wohl eine Anzahl von Persönlichkeiten, die mit dem künstlerischen Leben im deutschen Judentum verbunden sind, aber es fehlen fast ganz die Kreise, die zur eigcntli chen jüdischen Kulturarbeit Beziehung haben und gewillt und fähig sind, über den üblichen Theater- und Mitsikbetrieb hinaus wirklich jüdisch Wertvolles in diese Arbeit hineinzutragen. Wir wenden uns aufs schärfste dagegen, daß die Durchführung dieses Zusammenschlusses unter Ausschaltung wesentlicher positiver Kräfte des deutschen Judentums erfolgt ist, so daß insbesondere die zionistischen Kreise gar nicht oder nur in sehr geringem Umfange zu dieser Arbeit herangezogen worden sind. Das letzte Wort in dieser Frage dürfte daher noch nicht gesprochen sein. Ankündigungen aus dem Reich Brest sui Zion. Vereinigung. Am 13. Mal, 20.30 Uhr, Lesslngiiaf, Joachim Prinz, Berlin! ״Jüdische Existenz — Heute“. — Dsrm- Stadt! Zion. Vereinigung. Am 13. Mai, Waller May, Darmstadt: ״Meine Eindrücke auf der Reise zur Makkabiah“. — Am 20. Mai, Georg Guthmnnn, Frankfurt a. M.: 3. Abend in der Vortragsreihe: ״Die zionistische Idee und ihre Täger“. Jeweils abends 8.45 Uhr im Hotel ״Stadt Frankfurt“, Bleichstr. 22. — Essen! Zinnhtischer Gruppenverband Rheinland und Westfalen. Am 12. Mal im Jugendheim, Saarbrücker Str. 3. Beginn 10.15 Uhr. Tagesordnung! Kurt Blumenfeld, Jerusalem! ״Die Lage In Palästina und ln der zionistischen Bewegung“. Anschließend Aussprache. Nachmittags Sitzungen der Arbeitsausschüsse für a) die Fonds, b) Propaganda und allgemeine zionistische Arbeit. Referat R.-A. Benno Cohn, Berlin! ״Der deutsche Zionismus Im deutschen Judentum". — Frclburg Im Breisgau 1 Am 12. Mai abends in der Breisgau-Lng* Vortrag Adolf Pollak: ״Ist Raum genug in Palästina?“ — Jfldi- Scher Kulturbund Rhein-Ruhrt ״Vom Schreibtisch zur Leinwand", Vortrag llans Hinrieh (mit Lichtbildern). Duisburg: am 13. Mai, 20.30 Uhr, Thoodor-Lnutcr-Haus; Recklinghausen: am 11. Mai, 21 Uhr, Jiid. Gemeindehaus; Essen: am 12. Mai, 20.30 Uhr, Jugend• heim; Köln: am 14. und 15. Mai, 20.15 Uhr, Rheinland-Loge,׳ Aachen: am 18. Mai, 20.30 Uhr, Weinsaat d. Städt. Konsertfmuses. — Kaiserslautem! Am 14. Mai in der Synagoge Vortrag Dr. PtUak, Jerusalem: ״Ist Raum genug in Palästina?“ — Stuttgart! Am 12. Mai, 20 Uhr, Oberes Museum. ״Größe und Gefahr der Stunde“ — t!> nistische Jugendkundgebung, Redner: Rabb. Dr. Grünewald, Mannheim: ״Der Weg jüdischer Jugend in die Zukunft“; ferner: Sprech- Und Bewegungschor der Werkleute. Familien - Nachrichten Frau Fanny Löwenhaupt, Kitzingen a. Main, begeht am 12. Msi den 90. Geburtstag, Herr Leopold Strauß und Frau Minna, geh. Marx, Oestrich (Rhein• gau), begehen am 10. Mai die silberne Hochzeit. Bar Mizwah - Termine Am 11. Mai — 8. Ijar: Uirich Dana, Sohn von Dr. Alfred Dann, RUchon le Zion. Sic wunle sehr rot. I)r. Weiter wandte sich an Dr. Byrowitz, der ihn eingehend milderte. Es dauerle ziemlich lange, bis Bvrowitz durch ein Zucken der Na«enhaut den Kneifer hinunterf.-iilen ließ. Der Schmiß auf Wellers linker Backe war Dr. Bvnnvitz zttgewatidl. [)er Schmiß trat als roter Strich aus der 11l;1s«eren Wange. Das starke, schwarze Haar glänzte. Es ,war ein G<׳nnß, Dr. Meller dort sielten zu sehen. Dr. Byrowiiz wandte sich zu Fehlinger und sagte: ״Schade.“ Dr. M’fllcr brdiiligle dem Vorredner, daß er Programm und Ziel iles Zluni-mu* gut entwirkell halte. Er habe hierfür den Beifall verdien!. Aber Ge-eigles sei nicht deshalb richtig, weil es gut ge-agl sei. Es verlange Prüfung ohne jeden Schwall der M’orle, und dann inüßle man «ich zunächst fragen, woher die*(* politische Partei das Hecht nähme, sich Zionistische Partei zu nennen. Entweder sei der Name unecht oder die bisher!- gen Handlungen. M’er denn je in der Partei etwas für Zion getan hülle? Für Palästina — ja. Solle hier der Aufbau von Zion als Krönung liegen? In der ganzen Ideologie, in allen Betrachtungen sei liier»on nichts zu entdecken, ,.für Zionisten Seid am wenigsten berechtigt, Euch Zionisten zu nennen.“ Die Worte losten lauten Beifall aus, vor allem bei denen, die mit schwarzen Käppchen ihren Kopf bedeckt hielten. Sie halten sich als kleine Gemeinde abgesondert. Sie saßen hier zusammen, und einer sprach viel zu dem anderen. Es blieb die einzige Stelle der Hede, an der sic Dr. Weiter Beifall zuteil werden ließen. ״Ihr stellt Wechsel auf die Zukunft aus“, fuhr Weller fort. ״Mir leben in der Gegenwart Mir glauben, daß wir verpflichtet sind zum gegenwärtigen Leben, zur Teilnahme an Umwelt und Mitwelt. M ir glauben, daß darin nicht nur eine Erfüllung unseres Lebenswillen«, eine Beglückung unseres Lebensgefüliles, eine Bereicherung unserer Lcbcnssphärc ruht. Mir glauben, daß es auch eine jüdische Aufgabe ist, vielleicht die höchsle jüdische Aufgabe, die letzte jüdische Aufgäbe, die unsere Hnligion uns stellt. Unsere wahre, die uns gezeigte und verkündete, heiligste Aufgabe ist nicht die Ab- Sonderung, Es ist die Verbrüderung mit allen Völkern der Erde in c i n 0 m Erkennen. Leben wir ihr entgegen. M ir haben nichts dagegen, daß Juden nach Palästina gehen, die die Not heimatlos macht. M ir haben nichts dagegen, daß die hingehen, die es als Erfüllung ihrer Lebensaufgabe ansehen. Wogegen wir Uns wenden, ist, daß man hierin die jüdische Aufgabe an sich lieht, daß man die Juden zunächst volksmäßig zusammenschweißt, um sie so gebunden 1n diesen Gedankenkreis hineinzutreiben, M'ir lassen uns nicht treiben. Und w׳ie ich aus Zahlen sehe, lassen sich die deutschen Juden, selbst die sieh Zionisten nennen, auch nicht treiben. Denn sie sitzen alle wohlbehalten hier. Und ich freue mich, hierzu auch den Herrn Redner des Abends rechnen zu können. Meine Damen und Herren, über uns Juden sind in der Diaspora unzählige Strömungen hinweggegangen. Sie sind verschwunden. Wir aber haben eine Entwicklung erreicht, die vor hundert Jahren noch niemand geahnt hätte. Auch die schönsten Theorien dürfen und können Uns dieser w׳ahren und wahrhaften Wirklichkeit, dieser beglückenden Wirklichkeit nicht entreißen.“ Der Beifall legte sich erst, als der Rabbiner aufsland. ״Ich bin kein Sprecher im Streit. Nehmen wir an, es wäre möglieh, die Geschichte der drei Hinge aus Lessings Nathan auf die heutigen Strömungen anzuwenden. Wir alle müssen uns dein Einen und Einzigen unterwerfen. So könnten wir die Ahlehnung des Zionismus durch einen Teil der Orthodoxie als genügende Antwort befrachten. Diese Orthodoxie sagt: Es ist dem Schöpfer seihst Vorbehalten, wann die mcssianische Zeit, dio Zeit der Rückkehr anbrielit.“ Hier erscholl Beifall von dem Tisch der Herren, die sich durch die Kopfbedeckung von den anderen abhohen. ״Ich glaube jedoch, der Ewige verlangt in allem, daß wir unser Teil dazutun.“ Stille folgte, der Rabbiner machle eine Pause. ״Aber warum spreche ich? M eil ich eine Gefahr sehe. Ich will es ohne Schärfe, aber sehr deutlich sagen. M'ir sind eine religiöse Gemeinschafl. M’ir bestehen als religiöse (.«cineinschaft. Hierauf stellt unsere Welt. Der Zionismus bedroht das, worin wir tinsorc Krafl, unsere Erhaltung sehen. Er 1 teil ruht nicht mir unsere Stellung inmitten der Völker, er bedrnhl unseren Wesenskern. Mir lesen im dritten Buch Moses: Der Mensch soll die Salzungen üben, daß er durch sic lehn. Ja, meine Freunde, übet die Satzungen, und wir werden leben.“ Die letzten M'orle des Rabbiners hatten die Feinheit, die Abgrenzung des Sinnes unbestimmt zu lassen. Herrn Crailinger genügte das nicht, er meldete sich zum M'ort, er stand auf dem Podium, — welch ein Gegensatz zu Dr. Byrowitz! Sein glattrasierter Schädel, sein bartloses Gesicht, seine straffen Züge, seine große Gestalt : M ie konnten Menschen wie Greilinger und Byrowitz sich zusammenfinden? Crailinger saß im Kreistag. Er war nicht nur wegen seines Reichtums geselltet. ״Ich habe nur wenig zu bemerken. Ich möchte ein Mott sagen, daß der Herr Zionist ängstlich vermieden hat. Es stellt aber hinter jedem seiner Gedanken. Er ist vorsichtig. Er will nicht verletzen, um uns leichter zu gewinnen. Er denkt: wir Zionisten sind ganze Menschen, ihr seil Assimilanten. Vielleicht denkt er sogar: erbärmliche Assimilanten. Nun, ich erwidere auf dieses Unausgesprochene. Ja, wir sind Assimilanten. Mir bejahen die Assimilation. Weiß der Herr Zionist, daß Juden sich immer assimiliert haben? M'eiß der Herr Redner, daß kein Geschöpf sieh dein entzieht, ja seihst entziehen kann, sofern e» leben will? M'eiß der Herr Zionist, daß auch die Zionisten Assimilanten sind, sich an tausend Ideen assimilieren, nur an andere als wir? Assimilation ist Lebensfunktion. Wir wählen die Assimilation, welche unserem Leben die größte, die beste, die sicherste Funktion bedeutet, die stärkste Unterlage, die Assimilation, die Voraussetzung ist für die Bedingungen un?eres Daseins. Hierzu gehört die Verwurzelung in unserer lleimat. Hierzu gehören die tausend Werte, die wir von ihr emp* fangen. M'ir sind dankbar Empfangende. Und wir geben zu* rück nach unserem Vermögen, mit unserem Lehen.“ M'ährend Herr Crailinger zu seinem Platz zurückging, von Beifall begleitet, erhob sich der kleine Herr Julien. Er sprach von seinem Platz aus, er rieb sich die Hände, er sah alle freundlich an. ״Ich bin Herrn Dr. Byrowitz sehr dankbar‘, sagte Herr Julien und verbeugte sich zu diesem hin. ״Ich bin zwar etwas anders im Format ausgefallen als der Vorredner, aber er weiß, daß ich auch hier wurzele. Nun, ich habe hiee noch niemals soviel Juden zusammen gesehen. Ich habe noch niemals so schöne Worte aus Herrn Crailingers Munde gehört. Auch Herr Dr. Weller sprach Besonderes. Sollen wir d* Herrn Dr. Byrowitz nicht dankbar sein? Er, Dr. Weiter, der Herr Rabbiner, Herr Crailinger, alle wollen für unser Leben sorgen. Es braucht nur Dr. Byrowitz zu kommen, und plötzlich erklären uns kluge Herren, wie wir für uns sorgen müssen, damit wir gut leben können. Vorher hat es keiner für nötig gehalten. Wir lebten, und das genügte. Aber es erscheint Herr Dr. Byrowitz, spricht zu uns, und schon bekommen wir nicht ein Rezept, nein viele, wir haben die Wahl. Nützen wir diese schöne Stunde. Wählen wir. Endlich werden wir umhegt- Herr Dr. Byrowitz, Sie haben sich sehr um uns verdient gemacht. Herr Julien verbeugte sich freundlich nach links und recht* Als kein Beifall kam, verbeugte sich Herr Julien nochmal* Er schien sehr beglückt. Er setzte sich. (r»rtw»*»H *•יי•

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