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Jüdische Rundschau · 1935-05-10 · Heft 38 (10.5.1935) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 38 (10.5.1935)
Date
1935-05-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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m gp 0. V. 1935 bl. Neubau• | Zimmer nmieter. Hohen, rodamm, T«rtt) j schmgut. 27j! mtopt-zim. j «®obl, rn-kj, 3Hcg., Sommpf. 5e vcrm. Ha*, er Str.38, I!!f1׳KI Corstl. OS7j] irrenzimm ort Ranke. 1 160 32, Gth,!41 No. 38, 10, V. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 9 ladlparli hUncbeig Komt.-Z. Stephan 01,5 I rmietungl-l Anzeigen 15r<« in di, I. Rundschau I >hnung 11 arten,!;•sucht. 8250_ :ht 8—10 Zirnmer j *rlin). 2 Bade׳., 1L OHcrten unt. i Uinckestra.lp M J oge* Ehepaar »ndfftoi, sucnt bl.Komf.-Whg. j a 2 7׳im., 1. f>. od I ter. OH. U.D160 | die Aiucig.-Aht. j cinekestraiie JO, mipensi Klavier S junget I dcheO gesucht. | 1e LützowstraOe, I »aag. H 7 27M. ן!alt—?«sucht. 1. Kt», ater D180 tB estraß« 10. in besseren edll aushalt als Wirt*!!, auch tu Kiodcra I I. Büroarbeit. I I Corn. 3657!12-־) j eitung mmt erfahr., gepr.j iiglinöspfleße P*r’ft L ibt.,Mcineke1tf 101 trieb Ytrsierter, cntnannujf 1-Konfem« n Wirkungsh«'4׳ •.rate Reler. Ad!• i.,Meinekeatr 10 Ikanfmann >, «oerji.th« Aoli lest, Orü.nii*•'1 •“״ , Französisch, BtStSieuanii e \9t iistentin Zionistische Frauentagrung Am 6. und 7, Mai fand in Berlin — im Anschluß an die Arbeitstagung der ZVfD. — die diesjährige Arbeitstagung des Verbandes Jüdischer Frauen für Palästina• Arbeit (Wizo) unter Vorsitz von Frau Edith Hirsch statt, die ihr Gepräge dadurch erhielt, dal) Frau Hanna Steiner, Mitglied der Exekutive der Wizo, an ihr teilnahm. Die Tagung war sehr gut besucht: 19 Ortsgruppen und 3 Bezirksverbände hatten ihre Vertreterinnen entsandt; es waren im ganzen etwa 70 Frauem darunter 32 auswärtige, anwesend. Die Tagung wurde durch eine Begrüßungsrede von Dr. Franz Meyer im Namen der ZVfD. eingeleitet, Dr. Meyer führte aus, daß Frauenarbeit ein fester und wichtiger Bestandteil der zionistischen Arbeit überhaupt geworden sei, und daß der Palästina-Aufbau — ganz besonders bei Erfüllung der sozialen und menschlichen Pflichten — in starkem Maße von den Frauen mitgetragen werden muß. Die Tagung gliederte sich in drei Teile: 1. Arbeitsberichte der Leitung, der Gruppen- und der Bczirksverbiinde; 2. Berieht über die Wizo-Konferenz in Tel-Awiw; 3. Richtlinien für die Weiterarbeit und Besprechung einzelner Arbeitszweige. Die Berichte der einzelnen Gruppen ergaben ein sehr anschauliches und erfreuliches Bild und zeigten deutlich, daß in. vielen Städten die Wizo-Mitglicder im jüdisch-kulturellen und zionistischen Leben tätig mitarbeiten. Es wurde zugleich deutlich, daß die Arbeit in den einzelnen Orten sehr vcrschieden gelagert und weitgehend abhängig ist von den jeweiligen örtlichen Verhältnissen und den Menschen, die ihre Trägerinnen sind. Den Höhepunkt der Arbeitstagung bildete das Referat von Frau Hanna Steiner. Frau Steiner gab einen Bericht über die VW. Wizo-Konferenz. in Tel-Awiw, die sich dadurch von allen bisherigen Konferenzen unterschied, daß sie zum erstenmal in Palästina stattfand und eine Konferenz des jüdischen Alltags war. Frau Steiner sprach in überaus klarer und aufschlußreicher Weise von der Arbeit der Wizo in Palästina, von dem, was bereits geleistet ist, und auch von der Fülle von Aufgaben, die noch nicht getan sind. Die Haupttendenz der Konferenz -- die sich vorwiegend mit Palästina-Fragen beschäftigte und die Probleme der Gallith nur streifte — geht auf eine durchgreifende Konsolidierung des Vorhandenen. Nicht Neues bauen, sondern Bestehendes ausbauen, soll die Aufgabe des nächsten Jahres sein. Ermöglicht soll dies werden durch eine Aufteilung der palästinensischen Wizo-Exckutive in drei Ressorts, und zwar Landwirtschaft, Hauswirtschaft und soziale Fürsorge. Einer der wichtigsten Beschlüsse der Konferenz betraf die Frage der Hachscharah der Frauen in der Galuth. Es wurde beschlossen, daß in jedem Lande Wizo und Hechaluz eine besondere Abteilung für Madchcn-Hachscharah nach dem Muster der tschechoslowakischen Föderation gründen, in der beide Verbände paritätisch vertreten sind. Nach diesen sehr eindrucksvollen Ausführungen sprach Frf. Betty Franke 11 stein, Mitglied des Reidisvorstandes der Wizo, die zur Freude der Teilnehmerinnen auf der Tagung anwesend war, über ihre jüngsten Erfahrungen in Palästina. -- _ Während der erste Tag der Arbeitstagung einen allgemeinen Uebcrbliek über die Arbeit gab, war der zweite Tag der Besprechung einzelner Arbeitsgebiete der Wizo und verwandter Organisationen gewidmet. Er begann mit einem Referat von Georg Joseph stal über den Aufbau und die bisherigen Erfahrungen der Jugend-Alijah; seine Ausführungen erweckten allgemein reges Interesse. Anschließend daran gab Senta Punfudt ein sehr klares und übersichtliches Bild über die gegenwärtige Lage der Mädehen-Hachscharah und jJtfe Möglichkeiten. Die lebhafte Diskussion, die sich daran anifeß, zeigte,, daß gerade hier -—im <Abschluß an *Jen auf der “wen'z gefaßten״*BÄrtilulj׳:«*-"׳‘ein"*fÄrbeitsfeld'<’'<fer-»• Wizo. das allerdings noch einer klaren Herausarbeitung bedarf. Frau Mara Landau berichtete sodann über die Aufgaben und Ziele der Jtigend-Wizo und ihre Beziehungen zur Senior-Wizo. Es folgten Kurzreferate über die verschiedenen Arbeitsgebiete der Wizo. Frau Irene Tugendreich sprach über die Arbeit für die Hechaiuz-Heime, Frau Paula Nathansohn über Kulturarbeit, Frau Grete Erhard über die Organisation der Werbearbeit, Frau B 0 d e n h e i m e r (Hamburg) über die Arbeit für den KKL. Im Anschluß hieran ergab sich eine lebhafte Aussprache, die den Ernst und das Verständnis der Frauen für die Aufgaben der Wizo bewies und große Möglichkeiten für eine verstärkte Weiterarbeit zeigte. Der Abend vereinigte die Teilnehmerinnen und Gäste zu einem Tceabcnd, der durch die Anwesenheit und einen Vor- Eingliederung der Frau in die zionistische BewOffflllflf / Ein Vortrag Kurt Blumenfelds über die Frauenarbeit D Ci Im Rahmen der Arbeitstagung der Wizo in Berlin hielt Kurt Bl u men fei d am Montag vor den Delegierten und geladenen Gästen einen eindrucksvollen und mit leb• haftem Beifall entgegengenommenen Vortrag über das Thema ״Frauen am Werk“, der weit über das hinausging, was man nach dieser Ankündigung hätte erwarten sollen, und zu einer grundlegenden Darstellung der Arbeit der Frau innerhalb der zionistischen Bewegung wurde. Blumenfcld stellte den Charakter der zionistischen Bcwegung in ihrer menschlichen Zusammensetzung in der Zeit vor dein Kriege dar. Der Zionismus war eine politische, ausschließlich von Männern getragene Bewegung, cntschcidend bestimmt durch Gruppen, die den Charakter von Männerbünden trugen. Die Frau war zwar formell gleichberechtigt, trat in der politischen Welt jedoch kaum in Erscheinung. Der Gedanke einer besonderen Frauenarbeit wurde gerade im Hinblick auf die formelle Gleichberechtigung der Frau abgelehnt. Der Beginn einer Aufbauarbeit größeren Stils im Lande stellte die Bewegung vor die Probleme der Lebensgestaitiing. Hatte sich die Frau früher kleine Spezialgebiete als Betätigungsfeld gesucht, so mußte sie in der neuen jüdischen Wirklichkeit Palästinas sehr bald größere Aufgaben übernehmen. Was die Frauen taten, ging aus ihrer eigenen Initiative hervor und wurde von der Zionistischen Organisation in seiner Bedeutung nicht richtig eingeschätzt. Da die zionistische Bewegung in den Ländern der Golah hei ihrem Bestreben nach nationaler Erziehung die Träger der jüdisch-sozialen Arbeit in den Ländern fast nur iin antizionistischen Lager sah, identifizierte man soziale Arbeit mit den philanthropischen Bemühungen der assimilatorisch gcricliteten Kreise. Seitdem wir in Palästina durch das Einströmen jüdischer Massen allen Fragen der Wirklichkeit des Lehens gegenüberstehen, haben wir erkannt, daß in unserem Lande־ jede Fürsorge, deren Ziel eine Verbesserung der Lehensbedingungen ist, einer! hohen nationalen Wert hat. Die Alijah kann nur dann zur vollen Wirkung für den Aufbau unserer jüdischen Welt kommen, wenn die heranuachsende Generation unter erträglichen, gesunden Bedingungen heranwächst. Das Gedeihen von Kindern und Müttern ist eine Voraussetzung für unser Wachsen. Die zionistische Erziehung und die berufliche Vorbereitung der Mädchen ist entscheidend für die Leistungsfähigkeit der Familie. Die jüdische Frau, früher vielfach ein Hemmnis für die zionistische Betätigung des Mannes, muß im Lande zum gleichberechtigten Träger der neuen Lebensgestaltung werden. Die Frauenarbeit ist um so wichtiger, als sie in Palästina nicht eine die staatlichen Einrichtungen ergänzende Funktion übernimmt, sondern da sie vielfach das zu schaffen und zu hetreuen hat, was in eingerichteten Staaten von der staatlichen Verwaltung getan wird. Die Frauenorganisationcn werden ihrer Aufgabe auf die Dauer nur gerecht werden, wenn sic sich nicht als Träger abgetrenntcr sozialer Aufgaben und als Verwalter der von ihnen geschaffenen Institutionen für die landwirtschaftliche Hachscharah der. Mädchen bgfcrachtop, Sondegt! die F/auen mit dem politischen Leben der Zionistischen Organisation aufs engste verbinden. Die Neugestaltung des Lebens auf allen Gebieten kann nur durch den Geist erfolgen, der die gesamte Nation beherrscht. Die europäischen Erfahrungen der jetzten 150 Jahre zeigen uns, daß erst in einem Volksleben mit eigenen Sitten und eigenen Formen, in dem die Gesamtheit dem Einzelnen die moralische Zensur erteilt, die Familie wieder ihren vollen Sinn erhalten kann. Wir sind heute am Anfang eines viele Generationen umfassenden Entwicklungsprozesses, und jeder Versuch, durch Eingliederung in die Gesamtheit der Nation dem l eben Sinn und Richtung zu verleihen, ist erheblich und widitig. Blumenfeld zeigte dann an Beispielen, wie die Arbeit für die ״innere Alijah“, die in erster Linie auf den zionistischen Frauen beruhen muß, die notwendige Ergänzung der Arbeit der Zionistischen Organisation bildet. Nachdem eine Trennung zwischen sozialen und politischen Aufgaben nicht mehr möglich ist, müssen die Frauen sich ganz dem Organismus der zionistischen Bewegung einfiigen. Die Wizo wird zu einer vollen Wirkung mir kommen, wenn es ihr gelingt, sich der Zionistischen Organisation, dem Waad Leumi und den Gemeinden organisch zu verbinden. ßlumcnfeld schilderte dann die vielen S c 11 w i c r i g k e i teil des palästinensischen Leb c 11 s, die Schwierigkeit der ersten Monate, das oftmals in den Menschen entstehende Ressentiment, die innere Unsicherheit derer, die aus äußeren Gründen ins Land gekommen sind, auch die Schwierigkeiten der Zionisten, denen es schwer wird, die ersehnte Welt eindeutig zu bejahen. Er zeigte, wie 11 ie größte Last beim Linleben in die neue Wirklichkeit auf den Schultern der Frauen ruht, die wett mehr als die Männer den Kampf mit den kleinen und großen Anforderungen des täglichen Lebens zu fuhren hätten. Alle diese würden nur dann Mut und Kraft finden und immer wieder in sich erneuern können, wenn sie wissen, wozu sie arbeiten, warum sie leiden, worin der Sinn ihres Lebens besteht, d. 11., der Zionist muß seinen Zionismus ke'cstigen und der Nichtzionist zum Zionisten werden, der seine Hoffnung auf die Zukunft des jüdischen Volkes setzt. Erez Israel verlangt von allen seinen Burgern, (faß sie ein Teil einer kämpfenden jüdischen Volksgemeinschaft werden und daß sie den Blick in die Zukunft und nicht in seutimentaler Träumerei in die vergangene Zeit ihres früheren Lebens richten. Die Frauenarbeit kann sich deshalb nicht nur auf die Erfiillung bestimmter Aufgaben beschränken. Sie muß gerade in der Vermittlung eines Gefühles vom Lehenssinn und Zukunftshoffnung ihre umfassendere Bedeutung crlangen. Daher müssen die Frauen die Tatsachen des Aufbau- Werkes kennen, daher muß die Frauenorganisation den Weg zur Mitarbeit am allgemeinen zionistischen [.eben finden und sich in den leitenden Instanzen der Organisation und des Jischuw ihren Platz erkämpfen. Die Rede hinterlief) bei allen Hörerinnen einen tiefen Eindruck, dem Edith Hirsch im Namen aller Ausdruck gab, die auch Blumenfcld eingangs aufs herzlichste willkommen ge- Jteißen hatte. trag von Kurt Blumenfcld, über den wir gesondert berichten, besondere Bedeutung erhielt. Wera M a h I e r ־ Fr a n c k Juden und Jüdisches im Rundfunk Sonnabend, lt. Mat: Luxemburg (1304), 16-35: Berühmte Offenhnch- Couplets und 20.05: Unbekannte Romanzen von Ojfrnharh, vor* getragen von Su/anne und Jarfpm-, Brindejont-Cffenb.irh. — Belgrad (437), 20,45: U, a. Ohenhnch, Rübimtrin. Rom .(421): V. a. Mendcl-solm, Meycrowitz: Tod. — Warschau (1345), 21: Sinfonie-Konzert, Dirigent: l'itclbcrg. —- Marseille (400): V. a. Weil!. Sonntag, t2. Mai: Radio Paris (1648), 9: U. a. Hoffmanns Er- Zahlungen von Oftcnbarh. —• Sir,Biburg (349), 18: U. a. ,,Le KU'phto“, Komödie von Abraham Dreviu-. ־— Bordeaux (278), 21: ״Der I’rophct“, von Me verheer. — Pari״. Radin (1648), 21-45: V. a. Mendchvhn. — Pari.־>-Ei11 churm (206), 21-45: Sam-nn und Delila von Saint-Saens. SfraÜTur Montag, 13. Mai Henri TormvT Tm)!nU ״e (323), 13.1״. — Pia15.05 ,(ו<47) ״: Th uKrhc Sendung 1 Infmaunohal und Birnbaum. — P.u: HiigcnoneiC vm! 5b) eibrvr. —- Pa׳i■ U. a. Darius Mühatid. (349), 12: U. a. ThbraUrhf.s Eird von Die Jüdin von Halcvy.!)'!!,Hingen von H. \־o!1 Utdio (' 1048), 21: Dia •:iüedtnm (200), 22.25: \uf. : f Dingen steht die Welt Erzählung von GERSON STERN R. 1'orUetcaag Copyright Verlag Erich Rei•!, Berlin 11. KAPITEL sißnotiipsttn sssSr Stell«״*• ■el |7 WUm«״!»" “,I Crailinger halle Dr. Weiter eingeladen. Man saß nach dem Abendessen in einem Zimmer, in dem ein kleiner Schrank mit Büchern stand. Die eine Tür gab den Blick zu einem Flügel frei, in dessen glänzendem Schwarz weh die Lichter spiegelten. Fraulein Crailinger stand in der Nähe des Flügels. Sie war «Flank. Das Blond ihrer Haare war gepflegt und auffallend glanzend. Das Zurückhaltende der Kleidung unterstützte das Auffallende, dieses Haar, die kleinen Schmucks!ficke. Fräulein Crailinger stand am Flügel und sunitnle. ,,M ir kommen nicht daran vorbei“, sagte Herr Crailinger mit einem verbindlichen Lächeln zu seiner Tochter. Und sie sang, moderne Musik, Crailinger fand es gar nicht angenehm. Aber er dankte ihr naclilior sehr, und I)r. Weiter schloß sich an. Bald halle Crailinger das Gespräch dort, wo er es haben rollte. ,,Die Zionisten senden uns einen Pror>agandaredner. «b wußte, daß das kommen mußte. M as ist r elilinger? Ein yinvärmer. Es wird jetzt ernst, Dr. Weller. Wir können es ttlchl schweigend hinnehmen. M ir müssen uns wehren.“ Dr. M’elter meinte: ״Warum Diskussionen? Maruin nicht "?5*er Organisation? Organisation gegen den Zionismus. Das old dafür ist nicht klein.“ Crailinger genügte das nicht. ״M ir pullen unsere Gefühle nicht ungestraft verletzen lassen, Dr. *'älter. Ich spreche als deutscher Jude. Meine Vorfahren leb- 1׳l״ seit, Jahrhunderten in dieser Stadt. Ich bin mit meinem pnzen Sein in dieser Stadt, in diesem Lande verwurzelt. Ich b'nr{ mir nicht von Juden sagen lassen: D11 gehörst nicht ®11*rher. Welche Luft atme ich? M as bleibt, wenn ich nicht ״as bin, was ich heute bin? Soll ich mein nationales Gefühl tolscbl agen lassen, um ein anderes anzunehmen, das mir fremd ist, das ich nicht empfinde und nicht empfinden kann? Soll ich das Geschenk, das uns Juden das leizle Jahrhundert gebracht, hat, verbrennen? Seien wir doch ehrlich. Monn cs eine überirdische Gerechtigkeit gibt, so haben wir Heutigen den Beweis hierfür erhalten.“ Crailinger erreichte, was er wollte. Eine Reihe seiner Freunde erklärte sich bereit, die zionistische Veranstaltung zu besuchen. Dr. Weller sagte zu. gegen den Zionisten zu sprechen. Das wußte bald die ganze Gemeinde. Der gemietete Saal war zu klein. \ icle mußten sieben. Madelaine halle dafür gesorgt, daß ihr Yaler zeitig mit ihr im Saal erschien. Sie saßen ganz uirn. In ihrer Begleitung war üedda. Herr Bessinger hatte es entschieden ahgelelmt, seine Zeit nochmals zu verlieren. ,.Müssen wir uns auch noch streiten? Gehen wir in den Tempel. Seien wir still und zufrieden. Gehl cs uns nicht gut? Also, was will man?“ Dr. Fehlinger begrüßte die Anwesenden. Die Veranstaltung gehe von der Zionistischen Vereinigung aus. Er erteilte dem Redner des Abends, Herrn Dr. Rvrowilz. das M'ort. Ein kleiner Herr erhob sich. Er war mager, zart gebaut, trug einen goblumrandeten Kneifer in der rechten Hand, ein fast zu voller Schnurrbart wuchs ihm ein wenig über die Lippen. Das nicht mehr dichte Haar war nach hinten gekämmt. Es gab eine hohe Stirn frei. Dies war vielleicht das einzig Auffallende an ihm. Dr. Bvrowilz ging sehr langsam zum Rednerpult, als überlege er noch, was er sprechen sollte. Es (,׳■wies sich, daß das Pult etwas zu hoch für seine Gestalt war. Dr. Bvrowilz setzte den Kneifer mit einer schiebenden Bewegung auf die Nase, musterte die Anwesenden eingehend und nahm den Kneifer wieder ab. Dr. Bvrowilz begann: ״Ich spreche als deutscher Jude —“ Zwischenruf: ״Seit wann?“ l)r. Bvrowilz wiederholte: ״Ich spreche als deutscher Judo zu deutschen Juden. So könnte ich sagen. Es würde aber nicht das treffen, worum cs liier geht. Ich muß cs schärfer umgrenzen. Ich spreche als Jude zu Juden.“ Unruhe entstand. Aber Dr. Bvrowilz schien unberührt davon. ״Ich muß es noch schärfer umgrenzen. Ich spreche als Vertreter der Zionistischen Organisation. YVir hegegnen so vielen Irrlümern, es wird so viel Unzutreffendes über uns gesagt, daß wir annehmen, es wird für jeden Juden, gleichgültig, oh er uns bejaht oder nicht, oh er mit uns gebt oder nicht, wertvoll sein, unser Programm zu erfahren. Denn wir sind eine Partei. Eine politische Partei.“ Unruhe. ״M ir sind eine jüdisch-politische Partei. M ir 11.1׳ hen unser Prograutm. Es wurde auf den Kongre,"e11 fcstgelcgt. Jeder könnte cs kennen. Die Juden haben Zeit für alles. Nur nicht für ihre allernächsten Angeletreiilicilrn, nur nicht dafür, oh sie weiterleben oder u!1trr״eI1en.“ Es kamen laute Protest rufe. Dr. Bvrowilz schob wieder seinen Kneifer über die Na-e und schaute unbewegt auf die Hörer. Fr w artete, t ml ( r sagte auch: ,.ich kann w arten. M ir warten über zehn Jahre, daß man uns Zionisten Versieht. Ich kann noch zehn Minuten länger warten.“ Man lachte. Es kam so weil, daß man l)r. Bvrowilz allhörte. ,,Mir erstreben für das jüdische \elk eine öffentlichrooli11ich gesicherte Hriin-tätle in Palästina. Das ist der Kern unseres Programms, alles andere ist Mittel zum Zweck. Ich frage: Ist das ein Verbrechen? Ist, dies zu erstreben, nicht vielmehr!,flieht eines jeden Juden, wo er auch sei und was er auch sei? .Muß ich zu Ihnen sprechen von der .Not der Juden in den östlichen ],ändern, vom Druck in den westliehen?“ Es folgten Proteste, diesmal besonders starke. Es schien, daß Dr. Bvrowitz diese Proteste hehaglen. Er beantwortete sie nicht. Aber er nahm seinen Gedanken neu auf. Er schilderte die Not, er schilderte den Druck, er kam in Fluß, es entstand ein Gemälde des jüdischen Volkes. Er vvarf Zahlen hin, er erklärte Prngrniiiinpnukle, er srhihlr■rtc, w.1$ in Palästina von Juden srlion geschaffen war: ״Juden, die für einen Gedanken, für ein Ziel ihr Leben hingahen. Für welches Ziel? Für dieses: Unser Volk darf nicht zugrunde gehen. Es muß leben. Es muß als Volk leben. Es kann als Volk nur in Palästina leben. Es sind Menschen, die heute unter unseren Augen ihr Leben hingeben, jüdische Menschen für ein jüdisches Ziel. Sie stellen in unseren Reihen. Nur in unseren Reihen. Das jüdische Volk hat eine große kulturelle Vergangenheit. Es erwartet eine große Zukunft. Dafür, daß dies sich erfülle, setzen wir uns ein. Hellt uns.“ Dr. Bvrowitz ging v» Jeder langsam zu seinem Plalz. Erst war Stille. Aber plötzlich erscholl der Beifall eines Einzelnen, Der Jaule Beifall eines Einzelnen. Es war der kleine Herr Julien, der lächelnd um sich sah. Es wirkte wie eine Aufforderung, auf die man gewartet halle, denn der Beifall sleigerte sich, und nun stimmte auch Dr. Leo Fehlingor mit seinen Freunden ein, die die Wirkung auf die anderen abgewartet hatten. Dr. Meller stand auf dem Podium. Er entdeckte jetzt erst llcdda. Er sah zu ihr hinüber, aber Hedda senkte die Augen.

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