Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 38 (10.5.1935)
- Date
- 1935-05-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 38, 10. V. 1935 Ein Museum für Haifa Die ״Agudah Lehischtalmuth bcmada“ in Haifa (Gesell- Schaft zur Forderung der Wissenschaft) veranstahet zur Zeit int Pewsnerhaus in Hadar Hakarmel eine erste Ausstel- 1 u n g ihrer Sammlungen. Es handelt sieh um einen bescheidenen Anfang, der aber dazu dienen kamt, das Interesse weiterer Kreise für ein Museum in l laita zu erwecken, ln dem sehr geeigneten Saal des Pewsnerhauses ist diese erste Ausstellung untergebracht; Ausgrabungen: wie Lampen und Büsten, Gläser und Schmuck, Münzen und Siegel, und Kultusgegenstände: wie (.־hanukkahlampcn und Mcgiliotli sowie einige Kunstblätter, alles sehr sorgfältig in einem atisfülirliehen Katalog von Dr, Narkiss, dem Leiter des Be/allel- Museums in Jerusalem, aufgenommen. Die Sammlung zeigt deutlich, daß sie nicht bewußt für die Zwecke eines Museums angelegt ist; sie ist durch zufällige Spenden zusammengekommen, insbesondere aus dem Nachlaß des in Haifa verstorbenen Sammlers I w r i, und von Anfang an eifrig gefördert durch die Bemühungen des Vizepräsidenten des Vereins, l)r. T s c 11 e r!1 i a w < k i, Lehrer an der Realschule und Lektor am Technikum. Es kommt nur darauf an, im gegebenen Zeitpunkt die Arbeit systematischer fortzusetzeu, als einzelne Sammler dies nach ihren persönliehen Neigungen getan haben. Jedenfalls haben die jüdischen Bürger Haifas und auch die Neueinwanderer aus Deutschland die Möglichkeit, das ,Museum durch Spenden aller Art z. B. alter Bilder, Bücher, Münzen, Kultgegenstände usw. zu fürdern; vielleicht wird auch manche (iemeinde in Deutschland, die aufgelost werden soll, ein Interesse daran haben, Kultgegenstände und Bücher in einem palästinensischen Museum au'fzustellcn. Lin Museum kann ja in Haifa nur durch freiwillige Spenden begründet werden, da weder die Regierung uodi die Stadt für solche Zwecke (!ekler zur Verfügung stellt. Dieser kleine Grundstock eines künftigen Museums ist eine Abteilung der ״A g u d a h L c h i s c 111 a 1 in 111 h B e - m a d a‘\ die 1111 Jahre lü2׳(> von Pewsuer (einem Schwiegersöhn von Ai hail liaam), dein Begründer des Stadtviertels Hadar Hakarmel, geschafien wurde. Das auf KKL-Boden sieht mie Lew sihu haus beherbergt diese Sammlung und gleich- /ei'.ig eine Bibliothek, die schon zirka IS 000 Bände zählt. Die < jc-cll'Ch.'ti't \ eiaiistaltet auch V o I k s 11 oc h s c h u I kurst■ in gei-tes- und naturwissenscliaftlicheii Fächern, die zahlreich besueht werden. Im letzten Trimester haben Dr. Auerbach, Dr.!,!ebner und Dr. Markus dort gelesen, und von den Hörern waren 10■■״ deutsche Olim, gewiß kein sehleehtes Zeugnis für die 1־ortschritte im Verständnis der hebi .1 kheu Sp,a.he. I;rireuiieherw׳eise besteht die;Möglichkeil einer Erweiterung des Hauses. Die Ereuiule eines vor kurzem verMoi heuen alten Haitacr Burgers, dos Ingenieurs 1 1 k o v i e h, wollen zu dessen Andenken durch die Auf- Stockung des Hauses einen Horsaal für 0י1ר Personen schaffen, m> dab der untere Saal dann ganz als Ausstellungsraum zur Verfügung steht. Albert Bacr, Haifa Umgangsformen in der großen Kmizah Im ״M i b b i f n i m“, dem in En Charod •erscheinenden Organ des Kibbuz, meuchad, das kleine und große Tagesfragen mit aller Freimütigkeit zu erörtern pflegt, stellt ein deuts c 11 e r E i 11 w a 11 d e r e r das Problem der U in g a n g s - f o r m e n innerhalb der Kwuzah zur Diskussion. Man spreche in Reden und /Artikeln sehr viel von einer neuen Ethik der Kwuzah, aber in der grauen Wirklichkeit des Alltags sehen die Dinge doch ganz anders aus. Warum zum Beispiel grüßen Arbeitsgenossen einander nicht, wenn sie sich in der Wirtschaf» begegnen? Man sagt: Mail begegnet einander ja dreimal am Tag. Wozu dann das formelle Grüßen? Aber 111 Wirklichkeit handelt es sich hier nicht um Formalitäten. Der Gruß bedeutet, daß man im Arbeitsgenossen den Helfer am geineinsamen Werk anerkennt, dessen Hilfe in einem schweren Kamp! einem willkommen ist. So bedeutet der Gruß ein gegenseifiges Anerkennen und eine Verbundenheit. In der Kwuzah aber spurt man nichts davon, am Morgen frühstückt man eilig im gemeinsamen Eßzimmer. Der eine ist dem andern fremd, als waren es Arbeiter in einer ,Millionenstadt und als hätte die Last des hcrankommendcn Tages von vornherein alle Freude und alle Freiheit ertötet. Wissen dem! die Genossen nicht, was ein gutes, höfliches Wort, eine leichte Kopfbewc- Kling, ein imnullielies Gesicht bedeuten kann, wie sehr sie das Leben erliTditerii können? Allzusehr neigen wir in der großen Kwuzah dazu, die kleinen Dinge zu verachten, aber unser Lelicn Bt aus solchen kleinen Münzen zusammengesetzt. Große und tragi-che l.reigni-se kommen selten vor. Das Lehen set/t sieh aus den Begegnungen des Alltags zusammen, und der Alltag verkam:!, wenn wir ihn ertrage« sollen, einen ständigen Kampf in״ jene kleinen Freundlichkeiten, eieren Ertrag wohl nicht sofort auffallt, aber sich doch im großen zeigt. Gerade dt r Kibbuz mit seiner Ziicimrnemlnuigung vieler Menschen auf kleinem Raum braucht diese Dinge, wie die Ma-wlmie das fiel braucht, soll sie nicht durch überluaMige Reibung: zugrunde gehen. Wie ott merkt man in der Kw 11/311, wen 11 e-, in der i)iskiissiou hart auf hart geht, wie ein jiddisches Wit/worf,!las jemand in die heilie Diskussion wirft, die Stimmung erleichtert und befreit. Und umgekehrt sicht nun, wie sehr viel gegen diesen Geist der Freund- Schaft gesündigt wird. Selbst dcut-che Einwanderer, die in der Kwuzah arbeiten, bringen es nach kurzer Zeit fertig, die Zigarette nicht aus dem!Munde zu nehmen, wenn sie die Speisen auftragen. Das sind alles Kleinigkeiten, kleine Nach- Lässigkeiten oder kleine Freundlichkeiten. Aber sie setzen sich zu einer ,Summe zusammen. Zolländerungen In Palästina Es sind folgende Aenderungcn des palästinensischen Zolltarifs erfolgt: Ru-icrm!.׳--er und Sicherheit,klingen (1,5 Mils per Strk.); /.b»;me!1, cinodilieClieh Ji.indcr und 11111:./!'! (2000 Mg, j!,r kg); Kali״:, utibearbeitet (10 -Mil, per kg); Kalke, ״■.״),!Men (2()י|,51״ )K.r kK); gleitender Mr!;111,1!״ ilhiij uind.i I» dein gl-״.,, ui1111n.il 31., Keillivrrfehl U ü bezt:ir!lln־k-n) (30 Miks per M״trl); Kurbelt Ulli) Mrlll aus TIc'ImI) oder 1■'!״ h (111!.■!״ heil); Mene-ah, hundgen brielx-ri (20 0.0 ,!es Werte-); Motorlager (Zwei, und!)1 ehnder) und '1 eile eins libeGieh }fern ngeti und and tau ße-tond- und Zubehörteile (25 1:0 d, s Werte,); M״tor-i'.1!11/et1״e und Tinkturen: I. Krallw •igi ri. ( )iiiriiim-ie, Ladinwl Metcnvageii (40 M,ls per kg); II. Oimiilius Karosserien, ei״?,■dt) impni:i.-tt (00 Mil, [u׳r kg); III. Cliavis und Irak0113■3) ״U Mils per Lg): l\ . Teileilavuit 150 Mil, per kg); Tal. -man. lumdge.. ln leb! n (20 ig, di. Weite,): in 11,-ig eingemarbter Blum, nkulil und Wirken (25 'd! des Wert,,,); Karinlieln: vom 1. Apnl bis 15. Juli (3 _%[!K per kg); vom 10. Juli 1)1, 31. Marz (1 Mils per kg); (desetzedollen, handg! -t briet». 11 (2()nן, ״,., Mein■,); Tumaten-tiueen und andere Tomatenprodukfe (25 1,״ de, Wert•״); Reden und S, liJauehe tur IW'f bald -r)1 1 ,et 1 e Irene Pe/peTu 1׳/!!!״ ׳ ugr (35 M1R |>er kg); Vaseline (ge,triebe״); Weben (Keine) (3 Mils per kg). Sorgen hinter dem Tage Worum geht es in Palästina? Der Weg zurück aus dem Lande des Aufbaus ist vorbei. Im Leben des Tages bildet sich eine gewisse Distanz zu den Dingen und Verhältnissen, die das Bild Palästinas prägen. Um so stärker mahnen uns eine Fülle von Fragen zur Stellungnahme, die in dem Besucher des Landes auftauchen oder an den Zurückgekehrten gerichtet werden. Ein Jude, der in dieser Zeit Palästina besucht, kann nicht für das unempfänglich bleiben, was er dort sieht. Das Land in seiner bunten Vielfalt, in seinen Gegensätzen erweckt mehr als bloßes Interesse; es muß auch den im Innersten atirüliren, in dem nur ein Rest jüdischen Gefühls wach ist. Dazu kommt die grandiose Leistung der jüdischen Arbeit in Palästina, die jedem Bewunderung abringen wird, mag er dieser Arbeit bisher auch ferngestanden haben; ja sie muß für jeden empfänglichen Menschen einen starken Eindruck bilden, welcher Herkunft er auch sein mag. Für die Begeisterung brauchen wir also nicht zu sorgen. Sie stellt sich von selbst ein und ist ohne Zweifel, eine der treibenden Kräfte im Prozeß des Aufbaus und der Verbindung des jüdischen Volkes mit diesem Lande. W as in uns als Frage nach Antwort drängt, ist etwas anderes. Gerade in der Zeit des Erfolges und unter dem Eindruck der Schönheit des Lebens in Palästina wird immer wieder das Problem aufgeworfen: Kant! man, kann der Einzelne, kann eine jüdische Gesamtheit iti Palästina ein Leben führen, das die Summe des menschlichen Glückes erhöht? In der Tat berührt diese Frage ein Kernproblem der jüdischen Renaissance in Palästina. Wer unbefangen durchs Land geht und mit dem ״Mann von der Straße“ spricht, fühlt trotz allen Sorgen und Mißhelligkeiten, die das Leben in Palästina jedem auferlcgt, daß sehr, sehr viele dabei doch glücklich sind. Sie empfinden den Kontrast zu ihrer Existenz in den Ländern der Gaiuih als ein Geschenk des Schicksals. So kann man diese Frage aber nicht allein beantworten. Es war vielleicht der schwerste Angriff auf das innere Recht des zionistischen Planes, als ihm der Satz als Vorwurf entgegengeschleudert wurde: ״D i e Kerls wollen glücklich sein.“ Dieses berühmte Wort, das Hermann Cohen uns einst vorgehalten hat, und in dem er in der Tat vom Boden eines historisch fundierten Judentums aus einen schweren Angriff gegen den zionistischen Gedanken zusammenfaßte, beruht auf einem Irrtum. Heute wissen wir, unter welchen Bedingütigen der Aufbau des neuen Volkslebens in Erez Israel vor sich geht. Es ist kein Idyll, das im Lande geschaffen wird, und das Glück des Einzelnen liegt nicht im leichten Dahinglcitcn der Tage, sondern in der Eingliederung in eine schaffende Gemeinschaft. Das jüdische Volk! das sich in Palästina sammelt, hat die ganze Schwere, die Last und die Sorgen des Lebens auf sich genommen. Ja, es beginnt geradezu wieder mit einem solchen utigeteilten Leben, während tfi.ia. den vergangenen Jahrhunderten seiner Geschichte nur ein Teilgebiet aller Lebensfragen für sich zu ordnen hatte und das übrige fertig von der Umwelt übernahm. Wer sehenden Auges durch die Straßen Palästinas geht und sicht, wie mit den geringsten Einzelhelfen des täglichen Lebens hier gerungen werden muß, und wie noch auf Generationen hinaus der soziale und geistige Aufbau in einer ständigen Bewegung und nur sehr ailrnähliehen Vervollkommnung bleiben wird, muß erkennen, daß das Glück, das wir im Lande erstreben, zumindest auf weite Sicht hinaus nicht viel mehr als harte Arbeit ist. In diesem Prozeß soll das entstehen, was heute in der ganzen Welt noch nicht existiert: ein wirkliches jüdisches Volk. Palästina, das Land, ist da; es wirkt auf uns durch seine Natur und den Hauch der Geschichte und zwingt uns beinahe von selbst in seinen Bann. Juden sind in diesem Lande — gewiß, aber sie sind noch in einem amorphen Zustand, und es fragt sich, ob in unserer Mitte, aus unserem eigenen Wesen der M a g 11 e t entstehen wird, der die Molekiiie unseres Volkes in gleiche Richtung zwingt, damit sich im Lande ein wirklicher Volks Organismus bildet. Der Zionismus, die Liebe zu Zion sind heute unter den Juden der Weit populär. Es ist jedoch die Zeit gekommen, in der Chihbath Zion allein nicht mehr genügt. Unter dem Druck der Jijilennot wächst unser Werk im Lande aus sich heraus, und wir brauchen es kaum mehr zu propagieren. Nicht in gleichem 1' e m po wächst — ja es verfällt beinahe das innere Werden des Volkes. Zu Chibbath Zion, zur Zionsliebe muß daher in Palästina eine Volksliebe treten, und den Kämpfern für das!.and müssen sich Kämpfer für das Werden des Volkes hinzugcsellen. V ir sollten empfinden lernen, daß die Massen, die aus der Gallith kommen, der Samen der Zukunft sind, und müssen sie als einen solchen zu behandeln verstehen. Wenn wir die Schwächen der ankommenden Menschen, die unsere eigenen Schwachen sind, erkennen, wird aus der Einsicht in die Gegebenheiten unseres Volkslebens sich die rechte Nachsicht ergeben, die in der heutigen Periode des Aufbaus erforderlich ist. Das bedeutet nicht, daß man mit den Tugenden und den Fehlern, die aus der üalutli mitgebracht werden, einverstanden ist. Aber nicht engherzige Kritik ist in einem großen gesellschaftlichen Vorgänge am Platze, und nicht der Aergcr des Menschen, der sich am Nachbarn reibt und nicht bereit ist, die Frage zu stellen, ob und wie er selbst zu gleichem Anstoß Anlaß gibt. Diese Einsicht und Nachsicht wird allerdings auf der arideren Seite zu dem Zorn führen, der aus der letzten und tiefsten Verbundenheit entspringt. Die echte Empörung über das Volk, das die großen Chancen der Selbstbefrciung zu verspielen droht, ist untrennbar mit der Liebe zum Volke verhuiiden. Wo finden wir heute diese Haltung? Gewiß, es gibt Ansatzpunkte hierfür, aber wir hören nicht die Stimme, die uns zur O r d n u 11 g ruft, obwohl scharfe Mahnungen für fast alle Teile unseres Volkes heute bitter notwendig sind. Und so entsteht — fast von selbst und mit z.wingender Kraft — die Frage, worin sich das Wesen unseres nationalen Strebens in Palästina zeigt. In weiten Tei• len des Jischuw — gleichgültig welcher Partcicinstcllung — ist heute nationales Wollen identisch mit einer B e s p i e g e. luiig des eigenen Wesens und einem Sichsonnen in Erfolgen, die wichtig sein mögen, vielfach aber doch nur sehr relativer Natur sind. Die Acußerlichk eiten regieren auch im Leben Palästinas, und auf der anderen Seite scheint es manchmal, als ob mit der Selbstbespiegelung eine kleinliche Krilik an Dingen der äußeren Sphäre des Lebens verbunden ist, die man auch nicht als wahren Ausdruck unseres nationalen Lebens bezeichnen kann. Nun sind die meßbaren, sichtbaren Dinge gewiß für ein Volk wich• tig, ja sie sind unerläßlich. Die Symbole, die an sie geheftet werden, sind schön, und wir wissen um ihre Kraft und Bedeutung für die Konzentration des Volkswillens. Aber das ist nicht alles. Die großen Kulturvölker der Weltgcschiehte und das jüdische Volk in seiner klassischen Periode besaßen etwas anderes, was ihren Rang sicherte. Ein eigenes System der Werte ist es, das imstande ist, ein Volk zu bilden und in seinem Bestände zu sichern. Dies gibt es heute bei uns noch nicht. Und es sind in Palästina kaum die ersten Ansätze auf diesem Gebiete zu finden. In unserer Eigen• art, in unserem Erbgut muß dieses Wertsystem begründet sein, aber es wird — so meinen wir — auch nicht die Erlebnisse verleugnen können, die unsere Generation in der! Ländern der Welt gehabt hat und die noch weitere Generationen derer, die nach Palästina kommen, ins Land mitbringen werden. Dazu, zur Bildung eines solchen Wert- Systems bedarf ein Volk in seiner Mitte der geistigem Autorität. Gibt es sie heute bei uns? Die Antwort ist eine •eindeutig negative. Die großen Mahner unserer Bewegung weilen nicht mehr unter uns. Die organisierten Kräfte des ZionRmus sind schwach und zerspalten, die zionistischen Parteien selbst vielfach unterhölilt. Der Apparat wird gewiß als ein Machtinstrument in Fragen des Aufbaus anerkannt, aber er besitzt keine innere Autorität. Im Lande bestehen daneben Interessengruppen von starker gesellsehaffsbildender Kraft. Vielleicht kann aus ihnen einmal so etwas wie Führung erwachsen. Heute ist es noch nicht der Fall. — Immerhin: Es gibt eine Kraft, die auch jetzt noch etwas mehr bedeutet als Apparat und Oestalterin des äußeren Lebens. Das ist die Organisation der Arbeitenden. Gewiß empfinden wir, daß die Histadruth heute nicht etwa nur von dern Wesen ihres alten Kernes, der Landarbeiterschait, getragen wird, im Gegenteil ist die Gefahr groß, daß auch sie zu einer Interessengruppe wird, zu einem gut funktionierenden Apparat, der aber nicht mehr ist und den Weg so mancher europäischer Gruppen geht; aber trotz dieser Gefahr des Attsruhens und des Müdewerdens dürfen wir eines nicht übersehen: Hier gibt es noch etwas von der Tradition jener Anfänge des zionistischer! Aufbaus, in denen es — vielleicht durch die Kleinheit der Verhältnisse begünstigt — eine Weile so schien, als oh ein neues Volk sich auf dem alten Boden bildete. Heute sind diese Anfänge zu Inseln in dem großen Meer des Aulbaus geworden, aber wir glauben, daß aus ihnen am ehesten der Ruf erstehen kann, der zu einer Sammlung der positiven Kräfte des nationalen Auf baus führt. Darum ist es notwendig, gerade in einer Zeit, in der aus politischen und sozialen Gründen der Kampf gegen diese organisierte Arbeitcrschaft im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses in Palästina steht, mit aller Deutlichkeit auszusprechen, welche Hoffnungen wir an die weitere Entwicklung dieses Kreises knüpfen. Ob er sie erfüllen wird? Dies hängt vielleicht nicht zuletzt von der Kraft und der Selbstkontrolle derer ab, die heuie die jüdischen Arbeiter des Landes repräsentieren. — Die Juden in Deutschland haben den Weg zu Chibbath Zion gefunden. Für manche ist diese heute viel• leicht nur eine Frage der Existenz; sie wird gewiß allmählieh auch in die tieferen Sphären des Gefühls übergehen. Vir müssen uns aber darüber hinaus mit den wirklichen Fragen vertraut machen, um die es in Palästina geht, und müssen — gerade wir vom Volksleben Abgerissene! — den Zu• gang zu Chibbath Haam, zur Volksliebe finden. Dao allerdings werden wir erkennen daß der Weg nach Palästina keine Erfüllung von irgend etwas ist, was wir uns vorgestellt haben, sondern ein Beginn, der Anfang eines neuen Lebens. Dabei haben wir es schwerer als Juden anderer Länder, weil wir aus einer jüdischen Gruppe kommen, deren Lebenskraft sich zu erschöpfen begann, während viele, die aus den Ländern des Ostens nach Palästina gclangen, aus innerlich reicheren jüdischen Zusammenhängen stammen. Um so größer ist unsere Chance für das, was wir uns in Palästina bei der Neubegnindung des jüdischen Volkes erwerben können. Wir werden es uns erwerben, wenn wir mit der rechten Gesinnung ins Land kommen und bereit sind, die Geduld aufzubringeii, die bei dem stillen Wachs• tum eines Volkes erforderlich ist; K. L Druckfehler-Berichtigung. In dem Artikel von M. Y. Ben Gavriei ״Die Ausgrabung im alten Lachisch“ sind zwei Druckfehler enthalten. Es muß in der ersten Spalte, Zeile 14, statt ״Isinaclitcrbcduincn“ richtig ״Israeliterbeduinen“ und in der letzten Zeile des Tafeltextcs statt ״(die Zeichen von ’aseqali"! richtig ״(die Zeichen von) *asequah“ heißen. ״©cjlern tsttft &eufe", eine foeben erferti* nenbe preiswerte;8üd)emif)e, f)af He .Umgäbe, in frifrjjer, anregenber Jorin auf allen Schiefen be« 3ubenfum« Äenntniffe ju oermittetn. Unabhängig ran 3eit utib ©trömung wirb bie ©ammfung ba« fflcrtaolie aon #®e|1ern״ beleben, ba« ®ufe twn ״$eufe" förbern. 3״c* Sdtibe liegen In fbflfidjer Sfu«ffaffut1g öor:0״ie fdjönffen Eegcnben au« bem Uafmub" unb ״Jtabbi £atf), ein Suffurbofument in Sfnefbofen". — ״£>er}(׳!Sriefe" unb eine trefflidje 3iot>e(Ic »an ST 0. Jfranjo« folgen in aller Rürje. 3eber 2)anb fn deinen gebunbeit 11,50יגמ. — lOurd) bfe jübifef)en ^urfjhanbtungen ober dbmtmb 3??et)er,SerIin SB 50,;Samberger ©fr. 61 (pofffrfjeeff,: Berlin 81509). ן B O 11 EU | ■Erhltaer ״ MheHil«W€l-ICg»W | ~tt־B״|gS H A LEO HAHN BERLIN nau ן 1N0llendorf£l»U 8<<^B17 P«na»j10R1 J H«1ucn1ana«n