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Jüdische Rundschau · 1935-05-10 · Heft 38 (10.5.1935) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 38 (10.5.1935)
Date
1935-05-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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14. 5.135 S / / Nr. 38 / Jahrgang: 40 JÜDISCHE mm Preis 25 RpL RUNDSCHAD SdirlKltltnnriVcriag u. ABidijtBvarwalhugi BerllnW15,M«l*1eka«ti. 10 Fernruf '• Sam1n#l־Nr.?l Bismarck 3181/82,7165/70,7240/42. * Bezugspreis je Monat UM 2.-, je Vierteljahr RM 5,75. -־ Postscheck - Konten der Vertrieb»-Abteilung: Berlin 71573 (für Groß-Berlin), Berlin 17 392 (lür das übrige Reich). Auslandsberug in jeweiliger Landeswährung. — Erscheint jeden Dienstag astd Freitag• BERLIN ז, אייר תרצ״ה FREITAG, 10. MAI 1935 Anselgenpreiitiate Nr. 2 gültig. Die 12gesp. mm-Zeile 20Rpf, lür Sudlenges. 10 Rpf, für FamiUenmachrichten 15 Rpi. Finzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung ats Schalter oder au( Postscheck-Konto Berlin 7161B Montag bis Donnerstag 9-18 Uhr, Freitag 916 ־־ Uhr. Annahmewchluß für die Dienstag-Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag *Ausgabe Mittwoch 13 Uhr (Familienanzeigen bis Donnerstag 10 Uhr) Der Zionismus erstrebt tOr das Jüdische Volk die Schaffung einer BHentllch ־ rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Zur deutschen Judenfrage Rückwanderer in Schulungslagerxi Stichtag: 28. Januar 1935 Der ״Völkische Beobachter“ beginnt in seiner Ausgabe vom 9. Mai mit einer Artikelserie, betitelt ״Die Liquidation der deutschen Juden frage“, die, wie er mitteilt, gleichzeitig die Grundlage einer Veröffentlichung in der amerikanischen Hearst-Presse bildet. Der erste Artikel ist überschricben ״Die jüdischen Kapitalverschiebungen“ und beschäftigt sich zunächst mit der Frage, wieviel Juden aus Deutschland ausgewandert seien. Dabei seien verschiedene voneinander abweichende Ziffern, die da und dort genannt wurden, angeführt, worauf der ״Völkisebe Beobachter“ wie folgt fortfährt: ״Den tatsächlichen Ziffern dürfte die Kaikulation des Berliner Geheimen Staatspolizeiamts, dessen Erhebungen sich freilich auf Preußen beschränken, noch am nächsten kommen; dort schätz.t man die Masse der jüdisehen Emigranten aus dem ganzen Reich auf rund 90 000, die der arischen, durchweg politisch belasteten Flüchtlinge auf 20 000. Rückwanderungen sind, nach der gleichen Quelle, bisher erfolgt in Stärke von etwa 10 000 Personen, und zwar zu 99 Prozent Juden. Da die Heimkehr dieser draußen enttäuschten Aus- Wanderer in letzter Zeit sehr im Zunehmen begriffen ist, hat man sich zu ihrer einstweiligen Unterbringung in Schulungslagern entschlossen, schon desnalb, um den heimischen Stellenmarkt nicht weiter zu belasten. Ais Stichtag für diese Maßnahme ist der 28. Januar 1935 festgesetzt, so daß alle nach diesem Termin heimgekehrten oder noch zurückkommenden Emigranten sich darauf gefaßt machen müssen, interniert zu werden.“ Es wird sodann gesagt, daß die Hauptschwierigkeit einer exakten Statistik darin liege, daß sich die ״große Masse der jüdischen Emigranten“ nicht abgemeldet habe, um sich auf diese Weise ihren Steuer Verpflichtungen zu entziehen, fm weiteren Verlaufe des Artikels heißt es, daß durch jüdische Kapitalvcrschichungcn der deutsehen Wirtschaft Beträge verloren gingen, die vom Reichs- Wirtschaftsministerium auf 400 Millionen Mark geschätzt werden. Seit der Novelle vom IS. Mai 1931, die die Freigrenze für die Rcichsfluchtstcuer auf 50 (XX) Mark herabsetzte und drakonische Bestrafung androhtc, seien die einlaufenden Strafgcldcr, die von Emigranten entrichtet wurden, stark gesticgen: ״Im Rechnungsjahr 1933,31 gelangten dergestalt 17602000 RM. zur Barcinzahlung, welche Summe sich im letzten Rechnungsjahr mehr als verdoppelt hat (44 776 000 Reichsmark)“. Der Artikel befaßt sich dann mit dem Fall eines gewissen Sommer, dessen in Deutschland verbliebenes Vermögen wegen Steuerschulden beschlagnahmt worden sei, mit den Praktiken der Geldverschiebung, und den von den Finanzämtern erlassenen Steuersteckbriefen. Vom jüdischen Standpunkt müssen wir es scharf verurteilen, wenn Juden hei Austragung ihrer Steuerangclegcnheiten nicht korrekt vergehen. Gerade von verantwörtlicher jüdischer Seite ist immer angestrebt worden, daß die Auswanderung von Juden, die ja als eine notwendige Konsequenz des von der deutschen Staatsführung aufgestelltcn Grundsatzes der Ausscheidung der Juden aus dem deutschen Leben betrachtet werden muß, in .״cordneten Bahnen vor sich geht. Insbesondere gilt dies von der Auswanderung nach Palästina, die von uns nicht lediglieh als ״Emigration“, sondern als tJeberleitung jüdischer Menschen zu neuer! Aufbauaufgaben betrachtet wird. Je weniger die Auswanderung den Charakter panikartiger Abreise und je mehr sie die Form planmäßiger Ucberführung in neue Verhältnisse unter Mitwirkung aller beteiligten Behörden annimmt, um so weniger werden sich hierbei die Mißstände ergeben, die bei isolierten Einzelaktionen vorkommen. Keine jüdischen Vertreter Die neue polnische Wahlordnung Nach der neuen Wahlordnung in Polen, wie der Minister- Präsident Zlawek am 7. Mai mitteilte, wird der Seim künftig statt 444 nur 200 Abgeordnete zählen. Das Proportionalwahlrecht wird abgeschafft, so daß die nationaienMindcrheiten, die insgesamt 10 Millionen der Bevölkerung bilden, wahrscheinlich keinen einzigen Vertreter durchbringen werden. Hierdurch würden auch die Juden ohne jede eigene parlamentarische Vertretung bleiben. In welcher Weise eine anderweitige außerparlamentarische Vertretung der Minderheiten erwogen wird, die ja die logische Folge dieser Neuordnung sein müßte, ist bisher nicht bekanntgeworden. in Czenstochau wurden sechs Nationaldemokraten, die am 2. März 1934 an antisemitischen Exzessen in dem Städtchen Kiabuck teilgenommen hatten, bei denen zwei Personen schwer und drei leicht verletzt wurden, verurteilt. Ein Angeklagter erhielt eine Gefängnisstrafe von zehn Monaten, vier wurden zu Gefängnisstrafen von sechs bis acht Monaten verurteilt, einer freigesprochen. Das Berufungsgericht in Kielce hat drei Nationaldemokraten, Gründer eines Vereins zu dem Zweck, planmäßig Ueberfälle und Mißhandlungen von Juden zu organisieren, zu je acht Monaten Gefängnis verurteilt. Vier der Mißhandlung jüdischer Passanten angeklagte Personen wurden zu je sechs Monaten Gefängnis verurteilt. ן Das kommende 1 Reichsbürgerrecht j Bei der verwaltungswissenschaftlichen Woche für Kom- *munalbeamte in Berlin sprach der Leiter der Verfassungsabteilung im Reichs- und preußischen Ministerium des Innern, Ministerialdirektor Dr. Stuckart, über ״Die staatsrechtliehen Grundlagen des Reiches“. Zu der Frage der kommenden Einführung des Reichsbürgerrechts nach nationalsozialistischen Gesichtspunkten betonte er, daß das neue Staatsbürgerrecht einen scharfen Maßstab an jeden legen werde, der deutscher Staatsbürger sei. Der Staatsbürgerbrief werde die wertvollste Urkunde sein, die ein Deutscher in seinem Leben erwerben könne. Deutsche Volksgenossen mit allen Rechten und Pflichten der Reichsbürgerschaft würden nach diesem neuen Recht dann nur noch deutschblütige Menschen sein können. Gegen Juden in der Justiz Auf einer mit der ersten G autagung der Rechtswahrer Niedersac Ilsens in Hannover verbundenen Kundgebung sprach der Reichsminister und Reichsjuristenführer Dr. Haus Frank. Er führte nach dem Bericht des ״Angriff“ vom 6. 5. u. a. aus: ״Es ist unerträglich, sehen zu müssen, daß auch heute noch viele tausende Juden in der deutschen Justiz tätig sind. Es wird unsere große Aufgabe sein, für die endlicne Bereinigung des deutschen Volkes von diesen Fremdkörpern zu sorgen und eine wahre deutsche Justiz zu schaffen.“ Palästina feiert mit Neue King* George - Street in Tel« Awtyir Das 25jährige Regierungs-Jubiläum am 6. Mai des englischen Königs wurde auch in Palästina gefeiert. Es wurden eine Reihe militärischer Paraden abgchalten, die Luftstreit- Kräfte führten Geschwaderflüge durch, Festgottes0icn.de wurden veranstaltet. Besonders eindrucksvoll war der Gottesdienst in der Jerusalemer Churwah-Synagogc, wo Oberrabbiner Kuk eine Predigt hielt und ein Gebet für das Königspaar sprach. Schulen, Aemter, Banken und öffentliche Einrichtungen blieben geschlossen. Glückwunschtelegramme wurden u. a. von der jewish Agency, dem Waad Leumi und dem Oberrabbinat nach London gesandt. Eine Reihe englischer Juden erhielten die Jubiläumsmedaille verliehen, darunter der Hilfssekretär des High Commissioners, Max Nuro k, der stellvertretende Leiter des Einwanderungsamtes der Palästina-Regierung, Edwin Samuel und der frühere Vorsitzende der Palästina-Exekutive, Colonel Kisch. Die Städte waren reich geflaggt; besonders eindrucksvoll war die Zeremonie der Eröffnung der King George Street im Zentrum Tel-Awiws. Tausende Schaulustige verfolgten in den Straßen die Jubiläums-Parade des Britischen Militärs, während Flugzeuge in der Luft kreisten. Bürgermeister Dizengoff hielt eine Ansprache und würdigte Englands Verdienste um das im Aufbau befindliche Palästina. Der Bezirkskommissar C ros by antwortete ihm und sagte, die Stadt Tel-Awiw könne stolz darauf sein, das Jüdische Nationalheim zu repräsentieren, für das König Georg das Mandat innehat. High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat sich bereit erklärt, den Ehrenvorsitz des Komitees zu übernehmen, das vom Jüdischen Nationalfonds für die Pflanzung des King (i eorge-Jubiläu ms waldes in Palästina eingesetzt worden ist. Die Jewish Agency an den König von England London, 7. Mai. (JTA.) Der Präsident der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation, Nahum So kolow, hat folgendes Schreiben an König Georg V. von England gerichtet: ״Namens der Jewish Agency for Palcstinc bitte ich Eure Majestät, unsere innigsten Glückwünsche anläßlich des 25. Jahrestages der Thronbesteigung Eurer Majestät entgegenzunehmen. Der Entschluß, das Jüdische Nationalheim in Palästina wieder zu errichten, wird von den Juden der ganzen Welt stets als hervorragendes Ereignis einer großen Herrschaftsepoche mit tiefer Dankbarkeit und Würdigung in Erinnerung gehalten werden. Wir beten, daß es Euren Majestäten noch lange vergönnt sein möge, über Ihr Reich in Frieden und Glück zu herrschen.“ Der Geist der Arbeit In eigener Sache — Jüdische Parteikämpfe? Eine gute Tagung — Ein Buch als Ereignis In den Glückwünschen, die uns von Personen und Körperschaften anläßlich des vierzigjährigen Bestehens der ״Jüdischen Rundschau“ /ugekommen sind — und die wir einzeln zu beantworten außerstande sind —־ kommt das veränderte Verhältnis des jüdischen Publikums zu seiner jüdischen Zeitung zum Ausdruck, das gewiß auch ein Symptom für die großen allgemeinen Veränderungen in unserer Zeit ist. Durch die Aus- Scheidung der Juden aus dem deutschen Leben hat sich notwendigerweise ein jüdisches Ligeiileben gebildet, das in erster Linie der Wahrung und I ieilighaltung der jüdischen geistigen und ethischen Güter, der Belebung unserer alten Traditionen, und der Neugestaltung jüdischer Zukunft -. vor allem in Palästina - gewidmet ist. Dies kennzeichnet auch den Aufgabenkreis der jüdischen Zeitung. Es ist also ein unverkennbarer, tiefgehender Unterschied zwischen der jüdischen Zeitung von heute und dem, was man früher vielfach ״Juden- Presse“ nannte. Die jüdische Zeitung von heute ist als solche kenntlich, sie trägt den jüdischen Namen, spricht für Juden und zu Juden, macht sich nicht zum Sachwalter nichtjüdischer Angelegenheiten. Das ist nicht etwa erst seit zwei Jahren so, sondern die ״Jüdische Rundschau“ ist 40 Jahre alt. Wenn von ihr eine Auffassung oder eine Beurteilung kultureller oder mcnschlicher Dinge ausgesprochen wird, ist klar, daß es sich hier um eine jüdische Ansicht handelt; es wird also nicht prätendiert, daß dies eine deutsche oder sonstige Meinung darstelle. Damit ist auf diesem Gebiet ein Zustand erreicht, der den früher schon proklamierten deutsch-völkischen Forderungen ebenso entspricht, wie der Würde des Judentums. Manche verstehen diese neue Ordnung noch nicht. Daß Juden sich nur als Juden und als nichts anderes geben und als solche ihre Pflichten erfüllen, ist eine Konsequenz ihrer durch das objektive Merkmal der Rasse bedingten Sonderstellung, Eine Konsequenz, die gerade bewußte Juden begrüßen. Wir wünschen die Juden, an die wir uns wenden, dazu zu erziehen, daß sie sieh dieser Sonder- Stellung und der aus ihr sich ergebenden Verpflichtungen und Verantwortungen stets bewußt bleiben. Die Zustimmung, die unsere Jubiläums-Nummer gefunden hat, bestärkt uns in unserem Wege. Wir danken für alle guten Worte; besonders freut uns die Resonanz aus Palästina. Auch alle Anregungen, die uns hei dieser Gelegenheit zugegangen sind, werden wir sorgfältig prüfen. * Die Judenfrage ist eine Sache des Lebens geworden, nicht der Theorie. Wie viel haben die Juden zu lernen! Ein großes Tatsachenmaterial, das vielen früher fremd war, muß geistig verarbeitet, richtig geordnet und begriffen werden- Neue Zusammenhänge werden offenbar, eine neue Welt erschließt sich. Leider ist manchmal der Weg der klaren Erkenntnis versperrt durch Partei a n s c 11 a u u n g e n und Tendenzen, die aus einer früheren Epoche herübergeschlrppt wurden. Daraus ergeben sich Auseinandersetzungen und Kämpfe innerhalb der Judenheit, die eigentlich nicht notwendig sein sollten, da das gesamte deutsche Judentum zwangsläufig vor denselben Problemen und derselben Situation steht. Solange die Judenfrage zurückgedrängt war, konnten diejenigen Menschen und Gruppen, die behaupteten, ״es gebe keine Judenfrage“, das Ohr der deutschen Juden finden, da diese ja wünschten, diese Behauptung möge richtig sein. Als aber die Judenfrage sich nicht mehr leugnen ließ, da konnten nur diejenigen eine Antwort haben, deren sorgenvolles Trachten immer sciion diesem Lcbensproblcm gegolten hat. Wenn trotzdem die früheren Führer, nachdem ihr Irrtum offen« kundig geworden war, mit Hilfe neuer Formeln sich an der Macht zu halten suchten, so war das menschlich begreiflich, sachlich aber sehr anfechtbar. Und wenn dann nach einiger Zeit sich die Unhaltbarkeit dieser Lage hcrausstellt, so würde es gewiß dem Wunsche der breiten Schichten der deutschen Judenheit entsprechen, einen gerechten Ausweg zu finden, damit die Wandlungen, die sich in den Anschauungen der deutschen Juden und in der ganzen Situation vollzogen haben, auch in der Leitung der jüdischen Körperschaften zum Ausdruck kommen. Daß dies von den nichtzionistischen Kreisen verweigert und verhindert wird, daß sie auf berechtigte Vorstellungen mit einer Versteifung reagieren, ist eine überaus bedauerliche Tatsache und zeugt zugleich für eine Verkennung der i

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