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Jüdische Rundschau · 1935-05-07 · Heft 37 (7.5.1935) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 37 (7.5.1935)
Date
1935-05-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Kr. 37. 7. V. 1933 JODISCHE RUNDSCHAU Seife 9 Erna Stein - Blumenthal Zu ihrer Uebersledlung nach Palästina Mit dem Ausscheiden Erna Steins aus der Leitung des jüdischen Museums in Berlin werden manchem, der die Geschicke des Museums mit innerer Teilnahme verfolgt, Daten gegenwärtig, die seine Entwicklung illustrieren. Beinahe konnte es vor etwa zwei Jahren scheinen, daß das Museum keine Existenzberechtigung mehr bei uns hatte. Dr. Karl Schwarz ging nach Palästina, um die Leitung des Museums in Tel-Awiw zu übernehmen. Den Künstlern hier war mit einem Schlag die Existenzgrundlage genommen, und so erwuchsen dem Museum in erster Linie soziale Aufgaben. Aber gerade von der Erkenntnis dieser Aufgaben führte der Weg zur Bejahung des Schöpferischen. Das bedeutete in der neuen Situation, in die sich das Museum versetzt sah, Würdigung des Schaffens verdienter jüdischer Künstler, ob nun ihr Werk der jüdischen Gemeinschaft im engeren Sinne gegolten oder nicht. Und so organisierte Erna Stein, die Mitarbeiterin und Nachfolgerin von Dr. Schwarz, mit der Kiüistlerhiife zusammen die Jubiläumsausstellung Spiro-Meidner. Eine Bildnisausstellung aus dem Besitz des Museums ״Jüdisehe Köpfe“ folgte, sowie andere Veranstaltungen, die den Lebenswillen des Museums bezeugten. In aller Erinnerung ist noch der vom jüdischen Museumsverein im Februar dieses Jahres organisierte Vortrag von Helen Rosenau, die über den antiken Synagogenbau und dessen Ausstrahlungen im westeuropäischen Kulturkreis sprach. Im Museum selbst wurde die wissenschaftliche Tätigkeit aufs aktivste unterstützt, was all diejenigen erfahren haben, die die Hilfe seines Apparates in Anspruch nahmen. Nur durch die Bereitschaft des Museums, auf die verschieden gearteten Wünsche Einzelner einzugehen, wurde die ausgedehnte Vortragsarbeit ermöglicht, zu deren Voraussetzungen eine mit den Bedürfnissen wachsende Lichtbildersammlung gehört. Auch unser Verlagswesen wurde durch die nie versagende Bereitschaft des Museums, seine Schätze der Oeffentlichkeit anmvertrauen, wesentlich gefördert. So gestaltete sich das Museum der Jüdischen Gemeinde in Berlin auch in dieser Zeit m einer lebendigen, sich stetig erneuernden Kraft. Aus der Zusammenarbeit mit der Jüdischen Künstlerhilfe ist dem Museuni in diesen Tagen eine Aufgabe zugefallen, die vor allem an seine Gastfreundschaft appellierte, denn es handelte sich darum, der Ausstellung Berliner jüd i s c h e r Künstler eine Stätte zu bieten. Kaum war die Maimonides-Ausstellung der jüdischen Gemcindebibliothek geschlossen, die das Museum beherbergte, mußten die Arbeiten für die am 5. Mai eröffnete Aus- Stellung der Künstlerhilfe beginnen. Was das für ein Museum bedeutet, das keine besonderen Aussteilungsräume besitzt, und jedesmal seine eigenen Bestände ausräumen muß, um den Ausstellungsobjekten Platz zu machen, kann man unschwer ermessen. Möge der scheidenden Leiterin in Erez Israel ein schönes Leben voll Arbeit und Befriedigung beschieden sein. Rahel W i s c h n i t z e r - B e r n s t e i n Frühjahrs -Ausstellung Berliner Jüdischer Künstler Im Jüdischen Museum wurde die von der Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde veranstaltete Frühjahrsaus- Stellung Berliner jüdischer Künstler durch den Vorsitzenden der Berliner Jüdischen Gemeinde, Direktor Heinrieh Stahl, vor einem zahlreichen Publikum eröffnet. Direk-! tor Heinrich Stahl schilderte in seiner Ansprache die Tätigkeit der Kiinstlerhilfe. Diese Frühjahrsausstellung solle den jüsehen Künstlern Gelegenheit geben, Berührung mit dem Jüdische Erneuerung Ein Vortrag von Dr. Prinz Als Ergänzung m seinem ersten Vortrag im Kulturbund über ״Jüdische Situation — heute“ sprach Dr. loachim Prinz am Sonnabend im Bachsaal über das Thema ״Jüdische Erneuerang“. Die Lösung der jüdischen Probleme kann nicht von indifferenten Begriffen 11er erfolgen, sondern nur aus der jüdisehen Erneuerung selbst, die seit 2Vs Jahren als ein viel gebrauchtes, aber niemals klar umrissenes Schlagwort gebraucht wird. Normale Völker stellen die Frage der Erneuerang nur in historischen Wendepunkten und verstehen dann darunter eine Auffrischung ihres Wesens aus den Kräften der Geschichte. Wir Juden kennen Erneuerung seit 2000 Jahren nicht mehr, ln der jüdischen Antike bedeutete sie nicht Rückkehr zu einer Vergangenheit, sondern radikale Umänderung des Wesens. Schroff nebeneinander stehen die einzelnen jüdischen Epochen, gleichsam ohne innere Verbindüng; die Erzväter und Mosche und die Propheten und der Rabbinismus und wie sie alle heißen, sie stehen sich als Gegensätze und nicht als Fortführungen gegenüber. Das Einmalige in der jüdischen Geschichte ist das Mittelalter, das bewußt auf eine Erneuerung verzichtet hat. Es setzte vielmehr an die Stelle der Erneuerung das ״S t i 11 h a 11 e n“, durch das die Bewahrung und Hinüberrettung des jüdischen Gutes über diese Zeit erreicht werden sollte. Fast grotesk mutet uns diese zweitausendjährige Enthaltsamkeit an; sie hat freilich ihr Ventil jn •der Kabbala, aber selbst diese findet ihre Legaiisierung, denn Josef Karo ist zugleich Halachist und Kabbalist. Die letzte Konsequenz dieser mittelalterlichen Haltung sind die Rebellen, die Pseudomessiasse und als letzter Ausläufer der Chassidismus. Gm 1800 ergibt sich die merkwürdige Situation, cfie zti uns herüberführt; diese Zeit ist eine der stärksten Zäsuren in der jüdischen Geschichte. Die Zerschmetterung des jüdischen Gesetzes in dieser Zeit, die Irrealisierung des jüdischen Lebens und die Auflösung aller verbindlichen Gesetze schaffen die bis heute ungelöste jüdische Situation. Diese Epoche um 1800 verlangt schöpferische Kräfte von einem Juden, der sie nicht mehr besitzt. Darum wird an die Stelle der Erneuerung die Anonymität des jüdischen Daseins gesetzt, eine Art ״Esperantosierung“ des jüdischen Volkes. Die Juden verlieren nicht nur bildlich gesprochen ihre eigene Physiognomie. Die Erneuerungsbestrebungen in den 80er Jahren sind dadurch ausgezeichnet, daß sie versuchen, das alte Judentum auf neu zu drapieren. Dies konnte aber zu keiner Lösung führen, weil Erneuerung zu allen Zeiten das Antizeitliche ist und nicht <äc Anpassung an die Zeit. Wenn wir heute um den Begriff der Erneuerung ringen, so werden auch wir ihn noch nicht befriedigend definieren können. Als Re alität steht Palästina vor uns; aber auch diese Wirklichkeit ist noch keine Lösung. Auch in Palästina ist ja die Erneuerung eine Aufgabe. Man wird nur dies sagen können, daß eine Erneuerung des jüdischen Volkes möglieh sein wird nach einer völligen Abstreifung aller Fesseln des Mittelalters und nach der Wiedergewinnung des eigenen Profils; doch wird dies ein sehr lang dauernder Prozeß sein. Auch läßt sich nicht Voraussagen, ob die Erneuerung im Religiösen sich vollziehen wird, wie viele hoffen. Es gilt allein, daran zu glauben, daß ü b erliaupt schöpferische Kräfte noch in uns vorhanden sind, die uns zu einer Erneuerung fähig machen — die auch zugleich eine Erneuerung des ganzen Menschen sein muß. n e r 11 a r <! t Ne u mann egenheit ge indischen Publikum zu finden. Mit der Aufforderung an die Berliner Gemeindemitglieder, die Ausstellung zahlreich zu besuchen und einen Dank an alle diejenigen, die sich um ihr Zustandekommen verdient gemacht hätten, schloß Dir. Stahl. Dr. Hermann Schildberger, der Leiter der Künstlerhilfe, gab das Ergebnis des Preisausschreibens über das Gegenwartserlebnis der jüdischen Frau bekannt. Die Kirnstlerhilfe habe mit diesem Preisausschreiben jüdischen Kiinstlerinnen Gelegenheit gegeben, zeitgenössisches Erleben zu gestalten. Kompositionen seien kaum eingegangen, demzufolge sei auch kein Preis für dieses Kunstteilgebiet zuerkannt worden. Den ersten Preis für eine Dichtung der jüdischen Frauen Deutschlands erhielt Hilde Marx. Den zweiten Preis Lotte Adam für zwei Gedichte, Vier dritte Preise wurden zuerkannt Marcelle Blank für eine Nachdichtung der Esthergeschichte, Else Elischewa-Jacobus, Helene Rothhart ׳und, einer bisher unbekannten Einsenderin mit dem Stichwort ״Glauben“. Auf dem Gebiete der bildenden Kunst wurde ein erster Preis nicht verteilt. Vier zweite Preise erhielten Else M e i d n er für eine Zeichnung ״Diaspora“, Adele Reifenberg-Rosenbaum, Ottilie W 011 mann für eine Plastik und Julie Wolfthorn. Ein dritter Preis wurde Viola Böhm für eine Plastik zuerkannt, Dr. Hermann Schildberger schloß mit einem Dank an Herrn Direktor Heinrkh Stahl,!der sich für die Künstlerhilfe stets warm einsetzt und an den Vorstand der Jüdischen Gemeinde. Die Ausstellung selbst zeigt bei beschränkten Raumverhältnissen eine große Zahl von Bildern und verschiedene Plastiken Berliner jüdischer Künstler. (Besprechung folgt.) Die Malerin Marta Cohn-Lebenheim. Die Malerin Marta Cohn-Lebenheim kennen manche Leser der ״Jüdischen Rundschau“ bereits seit 1926. Damals vermittelte eine Atelier- Ausstellung die Bekanntschaft. Man hätte bei ihrer Art zu malen bestimmt nicht an ״Frauenkunst“ gedacht. Ihre scharf konturierten, stark farbigen Porträts, ihr Streben nach Kom- Position in Bildinhalt, Farben und Formgliederung zeigten nur das klare Malerauge und einen eindringlichen Geist. Jetzt war eine Atelier-Ausstellung Anlaß, die damaligen Eindrücke aufzufrischen. Ihre Porträts haben immer noch die Konturen und sind hellfarbig und, soweit sie junge Frauen darstellen, von zum Teil außerordentlich guten malerischen Qualitäten. Wichtiger als die Porträts sind für Frau Lebenheim die Gelegenheiten zur Komposition und ihre Stadtbilder. In den Gemälden und Aquarellen der Hafenstadt Stettin vereinigt sie beides. Besonders schön ein Stadtbild im Rei gen und eine nächtliche Versammlung in der stillen Vorstadtstraße. Malerisch außerordentlich gut in der Qualität eine Straße in Wilmersdorf, der Blick in die Zubringerstraße. Sehr viele ihrer Gemälde haben die Kühle der Temperamalerci. Die reine Landschaft, soweit sie nicht der Stadt benachbart ist, liegt ihr weniger. Auch aus Holland hat: sie mehr städtische .Motive mitgebracht. ״Drei FLeherfrauen unter einem Torweg“, farbig und gut gemalt, sind hier die Ausnahme, womit nichts gegen die Qualität der anderen Gemälde und Aquarelle gesagt ist. Das soziale Motiv, Lan-d und Leute zu sehen, liegt ihr überhaupt. Audi aus den zu-, rückliegenden Notjahren hat sie charakteristische Szenen in Aquarellen festgehalten, Speisungen der Heilsarmee 11. ä. Eine andere Komposition zeigt das Sechs-Tagc-Rennen, erlebt von den Stammgästen ״der Kurve“, junge Leute mit Schirmmützen verfolgen gespannt teils stehend, teils sitzend, das Rennen. Man sieht die Wölbung, den Rauch, die SparH nung. Ruth Morold Die Bedeutung der angewandten Psychologie für den Aufbau von Erez Israel. Ueber dieses Thema sprach Dr. Heinrieh Kuhn in seiner Arbeitsgemeinschaft. Der Referent ging davon aus, daß Anlage- und Eignungsverwertung für das ganze Leben eines Menschen von bestimmender Bedeutung seien. Anlageverwertung erzeugt Lebenslust, Hemmung, falsche Anwendung von Anlagen erzeugt Unlust, verschwendet Lebensenergie, die zur unproduktiven Unlustverdrängung aufgewandt wird. Dem müsse Rechnung getragen werden, wenn wir mit wertvollstem Menschenmaterial Erez Israel aufbauen. Vitalgeist und Lebenskraft auch unter schwersten Bedingungen mit allen modernen Mitteln der Wissenschaft aufrechtzuerhalten, das ist die rechte Nationalökonomie! Beispiele aus der Berufspraxis und der Hachscharah erläuterten die Ausfüllrungen. Die subjektiven Bedingungen des Individuums und die objektiven Notwendigkeiten des Aufbaus sind nicht anvereinbare Gegensätze, sondern lassen sich durchaus bei Tich. tiger Methodik in Ucbereinstimmung bringen. Veranstaltungen der Bezirke und Gruppen der B. Z.V Mittwoch, 8. Mai 20.30 Uhr Logenhaut, KleiaUtr. 10 Chefredakteur Dr. Alfred Kupferberg: ״Fortschritte dea nationalen Aufbaus (zum XIX Kongreß)** Bezirk Wittenbergpiatz Mittwoch, 8. Mai 20.30 Uhr BZV-Heim Rosenthaler Straße 44 Erwin Poliak! ״Die zionistische Organisation — das Erbe Theodor Herz!*," Gruppe Wedding Mittwoch, 8. Mai 30.30 Uhr Germanins äle, Spandau, Stresowplatz 19, Hof 1 Aufführung des Amateurfilms ״Erez Israel". Anschi. Dr David Schloßberg: «Zionismus und Gemeinde“ Bezirk Spandau Sonnabend, 11. Mai 11.15 Uhr BZV-Heim Brückenstraße 9 Oneg Schabbat LtjeUdim, Rabb. Kaad. H. Meyer Gruppe Jannowitzbrfcke Sonnabend, 11. Mai 20.30 Uhr BZV-Heim Brückenstraße 9 Öneg Schabbat Gruppe Jannowitzbrücke Sonnabend, 11. Mai 20.30 Uhr BZV-Heim Oranienstraße 170 Oneg Scfaabbat Gruppe Kottbusser Tor Sonnabend, 11.Mai 20.30 Uhr BZV-Heim Kantstraße 54 Dr. Ch. Borodiioiky: «PeB*eh ln d*r jüditchen Ltgmd«“ Kulturabteiiuiig Sonntag, 12. Mat 19.30 Uhr Remdenz-Festsäle, Landsberger Straße ,,Klolnkonit-Aband" H.fiibor-Studio: ״Der We| n*eh Zion“. Leit«n!j: Mt» Wiltcleohn. Elte Dublon,ErnetLew*ndow,ki.K»pelln1ei«ter W.Wemtreub. CelloF.W.llenberiu.e. Kerl «RM-.50,-.75 u. 1.— b. Salin(er, Neue Königllr. 74, Feig, Str»«,berget Str.24 Bezirk Fnadrichihakt Montag, 13. Mai 20.30 Uhr jPassage-Fesiaäle Bergstraße 15MS2 Aufführung des Amateurfilms ,,Erez Israel** Dr. Ernst Berent; Zum XIX. Kongreß Gruppe Hermannplalz AN-UND VERKAUF ■» —--HVtl hochitzahl. . etren Kasse r6l*S8l*־T BDDICnfi KriM|,< *5» ״״״»״»י״®*״ ■ WB Wl I UHflHMU j , Bi,m. 951 u. J 2 Oliva 5918 Getragene Herrengarderobe Wasche, Nachlaßsachen, kauft höchstzahlend Hänfling, Charlottenburg, Krumme Str. 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