Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 31-32 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 49)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Sport - Rh ii d s chan NR. 31/32,17. APRIL 1935 NACH DER MAKKABIAH Wenn diese Zeilen in Druck gehen, sind die Mak-, kabi-Sportler aus allen Ländern noch auf „Tijul" im Lande, um nunmehr die große seelische Spannung, die die Teilnahme an den Kämpfen der Makkabiah erforderte, aufzulösen in das Gefühl der Freude beim Anblick der Siedlungen und Kolonien. Bald werden sie in Haifa und Jaffa die Schiffe wieder besteigen, um in ihre i verschiedenen Wohnländer zurückzukehren. Viele von [ihnen, die erst im Laufe der letzten zwei Jahre zum IZionismus gekommen sind, werden mit Erschütterung estgestcllt haben, daß hier jahrzehntelang die große [Entscheidung des jüdischen Volkes vorbereitet wurde, während sie noch abseits standen und nichts davon wußten, daß langsam in zähem Ringen durch den Idealismus Weniger aus dem Nichts blühende jüdische Gegenwart erarbeitet wurde, während ihr Leben in unjüdischen | oder entjudeten Zirkeln dahinfloß. Die Fahne, die der Bar Kochba Berlin bei der Feier I seines einjährigen Bestehens im. Jahre 1898 weihte, ist Fahne der Makkabi-Bewegung in Deutschland geworden, die den Kolonnen der Makkabim aus Deutschland beim Einmarsch in das Stadion vor wenigen Tagen |voranflatterte. Die Zeiten'sind andere geworden, unsere Idee ist die gleiche geblieben! Lassen wir uns nicht durch die Tatsache blenden, daß viele Tausende unter dem Eindruck der letzten zwei Jahre zu uns gekommen sind! Noch stehen weite Kreise der jüdischen Jugend Deutschlands nicht in unserem Lager. Zwar ist jüdischer Sport heute eine Parole geworden, die auch die aufgegriffen haben, die sie noch vor zwei Jahren erbittert bekämpft haben, und alle sind sie unsicher geworden und suchen nach neuen Grundlagen für ihr Judesein. Wir werden uns niemals damit abman sich mit der Form der Organisierung in jüdischen Sportvereinen begnügt, ohne mit Inhalt und Leben zu erfüllen, als Selbstzweck ist sinnlos. Bei allen Völkern der Welt sind die Sport- und Turnvereine die Träger des nationalen Willens der Jugend geworden. Es kann bei uns Juden nicht anders sein. Die körperliche Ertüchtigung der jüdischen Jugend, die der Makkabi seit fast 40 Jahren erstrebt, soll die Schäden einer jahrhundertelangen abnormen Lebenshaltung wieder gutmachen. Durch systematische und zielbewußte Arbeit sollen die zweifellos vorhandenen Degenerationserscheinungen des jüdischen Menschen bekämpft und vernichtet Werden. Es ist ein großer Heilungsprozeß des jüdischen Körpers, der durch die Leibesübungen erstrebt wird. Bei aller Größe dieser Aufgabe aber kann sie licht zum Selbstzweck werden. Dieses Werk wird sinn- V°H für die Juden, wenn Hand in Hand mit ihm die Erziehung der Sportler und Turner zum nationalen Judentum und zum Zionismus geht. Die Beschlüsse der Aktions-Comitc-Sitzung in Jerusalem haben uns mit aller Deutlichkeit wieder an die fragen der Disziplin erinnert. Ein Volk, das viele Jahrhunderte lang nur existieren konnte, indem es gezwungen überall durch Anpassung und zum Teil durch Selbstäufgabe sein Leben meist unter tragischen Umständen Bisten mußte, muß zur nationalen Disziplin und Unterordnung erst erzogen werden. Das Pflichtgefühl wr Juden gegenüber der Zionistischen Organisation, nationalen Fonds, den ungeschriebenen Gesetzen C|nes gesunden Aufbaus unseres Landes muß geweckt j^d ausgebildet werden. Zionistische Verwirklichung verengt Unterordnung und oft Verzicht auf Interessen des finden, daß von Juden I diese Form Sport E "«Inen oder seiner Gruppe. Wenn es uns gelingt, "nsere Jugend hierzu zu erziehen, haben wir keine Prellt für das Gelingen unserer Sache. Objektive Umrande haben eine Hochzüchtung des Intellekts und wie Blumenfeld es so treffend bezeichnet — der 'Äschicklichkeit" des jüdischen Menschen verursacht. Unbefangenheit des Gefühls und die Unmittelbarke't «incr gesunden Reaktion auf die Ereignisse des Lebens müssen wieder lebendig werden. Zahlreiche in ihrer Entstehung leicht verständliche Minderwertigkeits- Kornplexe des jüdischen Menschen müssen weggeräumt werden, um eine gerade und aufrechte Haltung wieder zu gewinnen. Wir haben den Tausenden junger jüdischer Menschen, die neu zu uns gekommen sind, den Eintritt in unsere Bewegung leicht gemacht. Jetzt gilt es, ihnen den Weg zu erschweren. Das Bekenntnis zu einem formalen Nationalismus stellt keine zionistische Entscheidung dar. Das Schema: Hachschanah, Erlernung hebräischer Vokabeln, Alijah ist noch kein Zionismus. Die Erkenntnis des Zionismus als umgestaltender Kraft für den jüdischen Menschen muß erweckt und fruchtbar gemacht werden. So, wie die Juden heute sind, dürfen sie nicht bleiben. Das, was wir mit Renaissance bezeichnen, ist zweifellos ein Prozeß, der Generationen dauern wird. Unsere Aufgabe aber muß es .sein, dieses unendlich mühevolle Werk im Bewußtsein seiner Schwere in Angriff zu nehmen. Die Umgestaltung durch den Zionismus darf sich nicht nur auf die politische Haltung und ihrer durch sie bedingten Konsequenzen erstrecken, sondern muß auch formend au! den Charakter und die menschliche Haltung wirken. Die jeden Zionisten mit tiefer Sorge erfüllenden Erscheinungen in Palästina, wie Landflucht, Bodenspekulation, Verdrängung der jüdischen Arbeit sind letzten Endes Folgen einer mangelhaften zionistischen Erziehung. Es wird nur anders werden, wenn die Jugend, die ins Land kommt, sich ausrichtet nach den Gesetzen des Zionismus. Oft könnte man vor der Größe und Schwierigkeit unserer Aufgabe klein werden. Aber immer wieder werden wir aufgepeitscht durch die Erinnerung an die Schönheit und Ewigkeit der Idee, die wir Renaissance des jüdischen Volkes nennen. In froher Stimmung erwarten von der Makkabiah. Sie werden Gruppen des Makkabi die Kunde tragen und uns bei unserer schweren Arbeit helfen: Den Zionismus s c h w e r zu machen, damit das Lehen als Jude leichter wird! H. F. Makkabi aus Deutschland Zweiter auf der Makkabiah (Telegramm unseres p. I.-Sonderberichterstatlers) H aifa, 11. April Die großen Erfolge im Schwimmen verschafften Oes te rreich den Gesamtsieg der Makkabiah und damit den Melchett-Pokal. Zweiter Ist Makkabi aus Deutschend, Dritter USA., Vierter Palästina. Die Schwimmwettkämpfc in Haifa nahmen einen hervorragenden Verlauf. Getreuer (CSR.) schwamm 1500 in in 2U3 Min. und unterbot damit den bisherigen tschechoslowakischen Rekord von Antos um 2SA Sek. Im Wasserball siegte die Tschechoslowakei über Palästina 6 : 2. Es ist noch nachzutragen, daß den Sieg im Fuß ball die rumänische Mannschaft errang, Zweiter wurde Makkabi aus Deutschland, Dritter Palästina. Am 10. April fand in Tel-Awiw die Beerdigung des beim Baden im Meere ums Leben gekommenen französischen Makkabi-Mitgliedes Arjeh Lefkowitz statt. Die französische Makkabimannschaft trug den Sarg. Der Makkabi- Hazair stellte die Ehrengarde. Es sprachen der stellvertretende Bürgermeister von Tel-Awiw, Rokach, und für den Makkabi Tel-Awiw Zießling. Letzterer würdigte das Opfer des Arabers Ali Hassan, der beim Rettungsversuch ebenfalls ertrank. Zu den Bildern Oben links: Schlußappell an Bord cor der Landung in Haifa. Die Mannschaften aus Deutschland, Oesterreich, Tschechoslowakei und Jugoslawien sind aufmarschiert. — Oben rechts: Sokolow auf der Tribüne des Stadions. Neben ihm Vssischhin. _ Yon oben nach unten: 1. Bild: Lord Melchett und Dr. Lelewer grüßen die Mannschaften. — 2. Bild: Wcizmann unter den Ehrengästen. — 3. Bild: Die Mahhabim aus Deutschland marschieren durch Tel-Awhv zum Stadion. F t : Dünair I Dt. I|>i> Iii d i 1 i * i l t c h j wir die Rückkehrer in die Vereine und von unserem Lande ^jjjj^^^J^