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Jüdische Rundschau · 1935-04-17 · Heft 31-32 (17.4.1935) · page 24

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 31-32 (17.4.1935)
Date
1935-04-17
Page
– (sequence 24)
Language
German
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Seite 24 48 JAHRE JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 31/32, 17. IV. 1935 Sportteil der „Jüdischen Rundschau", der aus dem Gesicht der Zeitung nicht mehr fortziidcnkon ist. Gerade in diesen Tagen ist mir ein Brief von Professor Max Mandelstamm in die Hand gekommen, den er am 13. April 1907 aus Kiew an die damalige „Jüdische Turnzeitung" — der Vorläuferin der Makkabi-Zeitung — sandte. In diesem Brief heißt es: „Die Ghetto-Juden überbürden wohl ihre- Gehirne mit verschiedenem Kram, haben aber vorläufig nicht das geringste Verständnis für körperliche Uebungen, für Entwicklung und Stärkung ihrer Muskeln." Seit dem Jahr 1808 hat die „Jüdische Turnzeitung", die nach dem Kriege „Makkahi" genannt wurde, den Kampf um das Verständnis für die körperliche Regeneration unseres Volkes unter den deutschen Juden aufgenommen. In diesem Kampf i<l. ihr die „Jüdische Rundschau" als größere Schwester zu Hilfe gekommen. Wenn heute der Deutsche Makkahikreis mit seinen 20 00(1 Mitgliedern als kraftvolles Symbol für den Gedanken der physischen Regeneration nrwerw Volkes gefestigt dasteht, so danken wir dieses nicht ialetzt der „Jüdischen Rundschau". Die Arbeit für die pistige Erneuerung und das Bemühen um die physische Regeneration unseres Volkes gehören zusammen. Daß die „Jüdische Rundschau" die Notwendigkeit dieser Synthese erkannt hat, danken ■wir ihr an ihrem Jubiläum. Dr. Hans Friedenthal Ferner haben wir eine ganze Reihe von Zuschriften Zionistischer Landesverbände, Zionistischer Ortsgruppen Deutschlands und von Einzelpersonen in Erez Israel, Deutschland und anderen Ländern erhalten, die wir nicht alle wiedergeben können. Wir müssen uns auf eine Auswahl von Zuschriften beschränken, die uns in einer besonderen Weise charakteristisch za sein scheinen. FRÜHERE VORSITZENDE DER Z.V.f.D. Wir geben nachstehend die Briefe wieder, die wir von den früheren Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Dr. Hantlce, Felix Rosenblüth, Dr. Landsberg, Kurt Blumcnfcid, sämtlich aus Palästinn, mit ihren Glückwünschen, zum Jubiläum unseres Blattes erhalten haben. Die Red. Jerusalem, den 31. März 1935 Vierzig Jahre „Jüdische Rundschau" — Vorzeit, organisatorischer Aufbau, gei-liue Kntwhklung des Zionismus in Deutschland werden \or uns lebendig. Weit über den Kreis des deutschsprechenden Zionismus hinaus war die „Jüdische Rundschau" in all diesen Jahren eines der Hauptinstrumente des Zionismus. In ihr spiegelte Meli jahrein, jahraus das Niveau der Rewogims. Sic war ein" der ei-ernen Klammern, die den Zionismus in Deutschland und darüber hinaus zu einem einheitlichen Kürprr heranwachsen ließen und über alle Differeii/ieniiiL'en demodernen jüdischen Lebens hinaus die Einheit sicherten. I'ur un- Zinni>len aus Deutschland, die den Weg nach Erez l>rael eefmiden haben, ist sie die Verbindung mit unserer geistigen Heimat, mit dem Zionismus, in dem wir aufgewachsen sind und der in unserer „Rundschau" seinen vornehmsten puhlizi-ti-rhcn Ausdruck gefunden hat. Der Zionismus, nicht nur die „Jüdische Rumhrhau" sieht heute auf ein erstes Entwickluncsstadium von 40 Jahren zurück. Die Fundamente sind gelegt. Das erste Stockwerk des jüdischen Aufhaus in Palästina schreitet schnell vorwärts. Aber die Zeiten sind ernst geworden. Die Deutung der Zukunft der jüdischen Gnlah ist schwieriger denn je. Möge auch im neuen Stadium der Entwicklung die „Jüdische Rundschau" sich die Liebe, die Zuneigung und die Anerkennung bewahren, die sie Bich in lOjahriger pflichttreuer, ergebener Arbeit erworben hat. ^^^C^y^^^^T^^ Tcl-Awiw, im März 1935 In der Zeit der Lmwälzung erwies sich die „Jüdische Rundschau" als stärkste geistige Macht im deutschen Judentum, ein „Moreh Newuchim" (Führer der Verwirrten), wie man im Jahre des Maimonidcs-Jubilaums versucht ist, zu sagen. Die außerordentliche Leistung der letzten Jahre wäre nicht möglich ohne das, was früher die „Rundschau" war. Nur deswegen war sie ihrer Aufgabe in der Stunde historischer Problematik gewachsen, weil sie erprobt war in der Erwägung des Gegensätzlichen, Konflikthaften und Lnlösbaren. Ihr Thema war Wirklichkeit und (ieH, Sittlichkeit und Politik, Menschlichkeit und Nationalismus. Auch die Problematik der deutseh-jinli-clieii Situation war hier in vergangenen Jahren oft. Jenu.' kritisch durchleuchtet worden. Sie war eine Schule des Geistes, nicht minder als eine Zeitung. Solch ehrliche Gedankenarbeit traut Früchte, wenn plötzlich höch-tc Anforderungen an Haltung und Klarheit i;e»t'dlt werden. .Man kann der ,. Iu• 1 i-i Inn Kmehchau" nichts Besseres wünschen, als dal') c ihr L'clin-en mo-e, die Stellung zu wahren, die sie sich im deubehen Judentum, errungen hat. Tel-Awiw, im Män Dieses Jubiläum der „Jüdischen Rundschau" wäre ein Ereignis, auch wenn es nur um das vierzigjährige tapfere Bestehen einer Zeitung gince. Aber es geht um mehr als dies: die „Rundschau" ist identisch mit der jüdischen Renaissance- Bewegung in Deutschland, und sie wurde, insbesondere in den letzten fünfzehn Jahren, weil über die Grenzen des deutschen Sprachgebietes hinaus ein manchmal eigenwilliges, aber stets lebendiges und kämpferisches Organ der zionistischen Bewegung überhaupt. Zuerst waren es wenige, die? sich um sie scharten. Nach der weltpolitischen Anerkennimg des Zionismus weitete sich der Kreis — und blieb dennoch klein, gemessen an der Größe der Aufgabe, für die sie kämpfte. Sie ging, unberührt von Gegnerschaft und Angriffen aus allen Lagern ihren Weg, den steinigen Weg einer großen Idee, die ihrer Zeit voraneilt Nur so war sie imstande, als einziges Organ des deutschen Judentums, den großen Umbrurh im Schicksal der deutschen Juden vorauszusehen und bereit zu sein, als dann vor zwei Jahren die Schicksalswende eintrat. Auch wir, die wir in Erez Israel das Ende einer Epoche der jüdischen Geschichte — nicht nur Geschichte des deutschen Judentums — miterlebten, konnten ermessen, was es für das ganze Volk bedeutete, daß sie in den Tagen der Verzweiflung zu stolzem Bejahen und Rekennen aufrief. Ihr und der Idee, der sie den Weg gebahnt hat, ist es zu danken, daß das deutsche Judentum die Prüfung bestand, daß es mit dem Versinken von Formen und Anschauungen einer Umwelt, der man sich allzu sorglos ganz; verschrieben hatte, nicht zerbrach. Wir, der kleine Kreis derer, die es trieb, sich in die vorderste Front zionistischer Arbeit, zu stellen, erleben einen solchen Tag des Ehlhaltens und Gedenkens in dem begreiflichen Gefühl der Genugtuung, daß sich manche schwere Stunde, manche drückende Sorge, mancher Augenblick tiefster A'erzweiflung über Unverständnis und Blindheit des eigenen Volkes gelohnt hat: daß die Mauer des Schutzes und der inneren Sammlung, die wir bauten, heute viele umfaßt, die früher draußen standen, daß sich der Gemeinde unserer „Rundschau" heute alle positiven und aufrechten Kräfte des deutschen Judentums zurechnen. Unwichtig ist es dabei, daß der engere „Rundschau"-Kreis von früher sich nicht recht damit abfinden will, wenn Inhalt und Gewand nunmehr der mächtig gewachsenen Leserschar entsprechend vielfältig gestaltet werden mußte und manches, was uns früher die „Rundschau" so vertraut machte, jetzt zuweilen in den Hintergrund tritt. Es folgen nun einige der Person des Schriftleiters gewidmeten Sätze, und der Brief Schreiber fährt dann fort: Ich weiß, daß ich Ihre Gedanken treffe, wenn ich alsdann einen anderen Namen nenne, der gleichfalls mit der Geschichte der „Jüdischen Rundschau" und mit ihrem Ehrentag untrennbar verbunden ist. Neben der Redaktion ist die Geschäftsführung Fundament einer Zeitung. Diese Geschäftsleilung nahm Betty F rankenstein vor 25 Jahren auf sich und trug sie jn treuester, aufopferungsfreudigster Hingabe all diese Jahre hindurch. Wir in Erez Israel nehmen jetzt von ihr, nachdem sie von schwerer Krankheit wiederhergestellt ist, Abschied, um sie in Gedanken zu ihrem alten Wirkungskreis zu geleiten. Diese Rückkehr der treuesten ihrer Hüter ist das schönste Jubiläumsgeschenk für unsere „Rundschau". Lieber Dr. Wellsch, die Jahre, In denen ich das Glück halte, in engster Zusammenarbeit mit Ihnen und Ihren Mitarbeitern zu stehen, waren gar nicht leicht, aber sie waren für mich die schönsten im Galuth seit dem Tag, an dem ich wußte, daß es nichts Höheres gibt, als der Renaissance seines Volkes zu dienen. Ich wünsche der „Jüdischen Rundschau", allen ihren Mitarbeitern und Helfern, vor allem aber Ihnen selbst weiterhin Zuversicht, Stärke und Erfolg. In Treue Jerusalem, im Män Die „Jüdische Rundschau" begleitet die Entwicklung des Zionismus 40 Jahre lang. Ein großer Teil der heutigen Leser wird sich erstaunt fragen: Gibt es überhaupt solange eine zionistische Bewegung, hat man schon vor 40 Jahren das Wesen der Judenfrage erkannt, gab es schon damals eine klare Stellung des Zionismus gegenüber der nichtzionistischen Welt? Im Gründungsjahr der „Jüdischen Rundschau" lebten die Juden in Deutschland fast ausnahmslos in der Vorstellung, dali der soziale Aufstieg ihre wichtigste Aufgabe sei. In einer saturierten Welt erklang damals die Stimme der jungen zionistischen Bewegung. Es war eine idealistische, gläubige, opferwillige Bewegung, die in einer feindlichen Welt einem Ziel zustrebte, das in weiter Ferne lag, in einer Ferne, die der Blick des politisch denkenden Menschen kaum su durchdringen vermochte. Unsere Zeitung war klein «n Umfang, klein an Aboty. nentenzahl, aber sie war ein mutiges, kampffreudiges Blatt, In den letzten Jahren vor dem Krieg hat die „Jüdische Rundschau" immer wieder versucht, den Zionismus als das persönliche Problem jedes einzelnen Juden darzustellen. Sie versuchte, die zionistische Entscheidung im jüdischen Menschen herbeizuführen, unabhängig von den äußeren Bedingungen des Lebens, unabhängig vorn Nutzzweek. Es sollten Menschen erzogen werden, deren Zionismus unbedingt war, die Zionisten blieben, auch in Zeilen, in denen Palästina verschlossen war, deren Glaube und Sicherheit nicht durch Süßere Vorgänge gestärkt werden mußte. Sie waren Zionisten aus innerer Notwendigkeit und dieser Zionismus verlieh ihrem Lehen einen vollen Sinn. Im Zusammenhang mit dieser Urberzeugung kämpfte die „Jüdische Rundschau" für den Sieg des „praktischen" Zionismus, trat sie ein für kolonisatorische Arbeit in Erei Israel, lehnte jede formelhafte und mechanische Auffassung des Zionismus ah. Der nur formale Nationalismus der ersten Periode wandelte sich; man begann sich um konkrete Vorstellungen von einem neuen Judentum und von der Wirklichkeit Palästinas zu kümmern. Die „Jüdische Rundschau" hat in dieser Zeit die erzieherische Arbeit des deutschen Zionismus entscheidend g&- fördert. Sie war der sichtbare Exponent der sich ausbreitenden Zionistischen Vereinigung für Deutschland, ihre Wirkung war auch in der zionistischen Bewegung der Welt spürbar. Die Haltung der „Jüdischen Rundschau" in den Jahren des Weltkrieges ist ein Ruhmesblatt in der Geschichte des deutschen Zionismus. Juden und Niehtjuden fühlten damals, daß unsere Zeitung mit Würde und Stolz die jüdische Sache verlrat Pflichterfüllung verbunden mit dem Gefühl füj Distanz war die Parole in jenen Jahren. Damals lernten die deutschen Juden zum erstenmal die Juden des Ostens in ihren Wohnländern kennen. Die „Jüdisch« Rundschau" stellte das Sonderschicksal der jüdischen Minderheiten dar und suchte an Lösungen mitzuarbeiten, die der jüdischen Gemeinschaft in den Oslländern ein menschenwürdiges Dasein als Sondergruppe gewähren. Leo Herrmann und Sahnan Ruhaschoff gaben der Zeitung Richtung und Ch». rakter. Keine Zeit schien dem Zionismus so ungünstig zu sein wie die Nachkriegsjähre. Die Juden glaubten die volle Verwirklichung der Emanzipation zu erleben, alle zentrifugalen Kräfte im Judentum sahen sich bestätigt. Zwar gab es die völkerrechtliche Anerkennung des Jüdischen Nationalheims durch die Balfour-Deklaration, aber die praktische Aussicht schien denen zweifelhaft, die überall in der Welt verlockende Ziele sahen: neben der Fidle der Möglichkeilen erschien Erez Israel als ein schönes Symbol, aber als eine dürftige Wirklichkeit. In dieser neuen Epoche wurden in der unter neuer Redaktion stehenden „Jüdischen Rundschau" zum erstenmal soziale und wirtschaftliche Fragen des Aufbaus Palästinas in den Mittelpunkt gerückt. Die Höchst forderungen an den einzelnen Zionisten nnd an die zionistische Gemeinschaft waren mit der Forderung verbunden nach einer realen Würdigung der politischen Verhältnisse. Damals wurde die „Rundschau" zur wichtigsten zio> nisliscben Zeitung. Die Leistung der letzten beiden Jahre, die auf der festen Grundlage einer langen Tradition möglich war, ist den jetzigen Lesern der „Rundschau" bekannt. Niehl alle aber wissen, daß die „.Jüdische Rundschau" als einzige jüdische Zeitimg nicht nötig hatte, einen Stellungswechsel vorzunehmen. Die wichtigsten Leitartikel aus dea Jahren 1930 und 1931, in denen die Stellung der jüdischen Gemeinschaft in der nichtjüdischen Welt behandelt wird, unterscheiden sich in ihrer Richtung in nichts von den Artikeln, die im Jahre 1933 so großes Aufsehen in der jüdischen Welt erregt haben. Die „Jüdische Rundschau" hat die Entwicklung vorausgesehen und sie konnte so sich selbst treu bleiben. Vor 40 Jahren sang Heinrich Loewe, der erste Redakteur der „Rundschau", „die Farbe, die voreinst uns schänden sollte, wir wählten sie zu unserem Ehrenmal". Vor zwei Jahren erschien der die jüdische Welt aufs tiefste erregende Artikel von Robert Weltsch „Tragt ihn mit Stolz, den gelben Fleck". Es ist eine Linie. Die „Jüdische Rundschau" vertrat immer einen palästinezentrischen Zionismus, sie hat sich in allen Zeiten gegen Angriffe aus dem eigenen Lager mit Kraft und Stolz gewehrt, sie war eine unbestechliche Kritikeriii, nicht nur der nichtzionistischen Welt, sondern mehr noch der eigenen Bewegung. Sie stand immer im Kampf, hat alicr immer die persönliche Ehre des Gegners respektiert, hat sich niemals in dia Niederungen der persönlichen Auseinandersetzung begehen. Die „Jüdische Rundschau" ist groß geworden. Der äußere Erfolg trägt aber in sich auch eine Gefahr. War sie einmal eine Zeitung für geschulte Gesinnungsgenossen, so ist sie heute ein Blatt für die Masse der deutschen Juden geworden. Die Versuchung besteht, die Peripherie stärker zu berücksichtigen als den zionistischen Kern. Die „Jüdische Rundschau" soll sich heule an ihrem 40. Geburtstag an ihre große Vergangenheit erinnern. Das Judentum in Deutschland kann sich nicht damit beruhigen, daß es durch die Verhältnisse su einem offenen Bekenntnis seiner Art gezwungen worden ist. Auch diejenigen, denen der Weg nach F3rez Israel verschlossen ist, werden ihr Leben nur als Zionisten ertragen können. ^r^^^^y^v.^^wtffljgui f *'*^ Heilquellen spenden Gesundheit! SgES&tSS&SSg M«r n*rv&M l8Hg« GreftstodtmenKh mHm alnmal Im Mir« — bn VriH^akr - zur gründlich*!) DurchtpOl ung, svr Aufheiterung von Jr Kgrpertäften «In« lrunn«nkur mechan.Tautende verdanken Ihr Leistungtfähigkeit und Frltdie I Zu beziehen durch Apotheken u.Droge"*" Auikunft und Broidiüre „T r i n k k u r n im Haute" kottenfrei durch i B r u n n n va r t r I ab i - AO., r 11« Yorckttrafle 59, So.-Nr. F6 Boerwald 5S35 — Hauptniederlage fait lämtlidier in-und autländitchen Hellqueiie»

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