Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 30 (12.4.1935)
- Date
- 1935-04-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Mr. 30, 12. IV. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 9 Die Eröffnung der zweiten Makkabiah Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl, Tcl-Awiw, 3. April W35 I. Das Stadtbild. Schon mehrere Tage vor dem Eröffnungstermin erhält das Tel-Awiwcr Strafienbild seine besondere Note durch die verschiedenen bunten Uniformen der Makkabimannschaften, die sich aus aller Welt zu den Wertkämpfen sammelten. Die Strohhüte der Engländer mit den blauen Bändern, die blauen Mützen der Makkabim aus Deutschland, die emblemgeschmückten Jacken der verschiedenen Trupps bringen einen neuen hellen Ton in das schon immer sehr bewegte Leben der Stadt. Hotels, Pensionen, Privatquartiere sind überfüllt, der Verkehr in den Straßen steigt bedrohlich an, Autobusse, Taxis, Eisenbahnen bringen innner neue Massen von Teilnehmern und Zuschauern. Eine ganze Reihe von Lokalen zeigt festlichen Schmuck, und am Tage vor der Eröffnung beginnen sich Häuserfronten und Fenster mit blau-weillen Fahnen und den Flaggen des I ^Türkisch 8 ,ü ib-^ns Makkabi zu bedecken. Am Abend ist das Haus der Stadtverwaltung festlich beleuchtet und die Verkehrszentren leuchten mit großen Lichtgirianden. Bis spät in die Nacht sind die Straßen gedrängt voll von einer munteren Menge und singenden Trupps der Jugend, die aus allen Teilen des Landes zu dem großen Sportfest gekommen sind. Tcl-Awiw feiert einen seiner großen Tage, ähnlich wie beim Purimzug vor wenigen Wochen. 2. Die letzten Vorbereitungen. Draußen im großen Stadion an der Mündung des Jarkon, auf dem neuen Messegelände, werden fieberhaft die letzten Vorarbeiten vollendet. Die Arrangierung einer solchen Veranstaltung verlangt unter den palästinensischen Verhältnissen und in einer Stadt wie Tel-Awiw ungeheuer große Anstrengungen. Die Vorbereitung der Ankleide- und Massageräume, die Ausgestaltung der Messepavillons, die für verschiedene Wettkämpfe eingerichtet werden, die Instandsetzung des Stadions mit seinen großen Tribünen und den endlosen Reihen der Stehplätze — all das verlangt ein großes Maß von Organisation und Umsicht. Im Büro der Makkabiah wird Tag und Nacht gearbeitet, um alle Teilnehmer unterzubringen, ihren Bedürfnissen gerecht zu werden, für die Gäste zu sorgen. Bei den großen technischen Schwierigkeiten geht naturgemäß nicht alles ohne Reibungen ab und in den letzten Stunden muß immer wieder noch nachgeholfen und der und jener Fehler verbessert werden. Alles arbeitet in fieberhaftem Hochdruck. 3. Ein schwerer Verlust. Die Mannschaften der Makkabiah unci mit ihnen das jüdische Palästina werden schwer betroffen vom Tode eines der Mitglieder der französischen Makkabiahinannschaft, das beim Schwimmen im Meer von Tel-Awiw ertrank. Es gelang trotz aller Anstrengungen nicht, ihn zu retten und ein Araber, der sich bemühte, dieses Menschenleben gegen die Wellen zu verteidigen, ertrank ebenfalls. Die Flagge der Makkabiah wurde zutn Zeichen der Trauer auf Halbmast gesetzt und die Fahne der französischen Mannschaft trug ein schwarzes Trauerband. 4. Auf dem Wege zum Stadion. Den Vormittag vor der Eröffnung standen die Straßen Tel-Awiws ganz im Zeichen der Makkabiah. Ueberall beflaggte Häuser, überall die bunten Trachten der Mannschaften, die sich an verschiedenen Stellen mit ihren Fahnen und Zeichen sammelten, um geschlossen hinaus ins Stadion zu marschieiien. Es war zuerst ein großer Umzug sämtlicher Teilnehmer durch die Stadt geplant gewesen, wie er auch bei der ersten Makkabiah vor drei Jahren stattgefunden hatte. Die Polizei liatte jedoch im letzten Moment diesen Umzug verboten, mit der Begründung, es könnte dabei zu Störungen kommen. Das Publikum war von diesem Beschluß peinlich betroffen, und die Presse machte einheitlich gegen diesen Schritt der Behörden Front. Jedoch ließ sich der Befehl nicht mehr rückgängig machen; es fand also kein geschlossener Zug statt, sondern viele kleine Züge, in denen jede Mannschaft gesondert hinaus auf den Sammelplatz zog. Das Publikum, das vom Morgen an die Straßen der Stadt dicht füllte, empfing jedes neue Kontingent mit Händeklatschen und begeisterten Zurufen. 8. Hinaus an den Jarkon. Zum Stadion, das im äußersten Norden der Stadt an der Jark-onniündung gelegen ist, hinauszugelangen, war keineswegs einfach. Es war ein besonderer Autobusdienst eingerichtet worden, aber dieser war keineswegs imstande, die riesigen Mengen, die herandrängten, aufzunehmen und in annehmbarer Zeit hinauszutransportieren. Nur zwei größere Zufahrtsstraßen leiten in diese üegend und sie genügen in keiner Weise für den riesenhaft angeschwollenen Verkehr. Die großen städtischen Autobusse drängten sich neben einer Schlange bildenden Masse von Privatwagen, Taxis überholten Motor- und Fahrräder, dazwischen sah man viele Lastwagen, die Gruppen hinausführten und zwischen all den Gefährten hindurch drängten und wanden sich die Massen der Fußgänger, die aur diesen vollen Straßen, die noch keine Gehsteige besitzen, hinausstrebten. An jeder Seitenstraße stauten sich die Wagen, die einen Eingang in die Hauptlinien suchten und an verschiedenen Plätzen kämpfte die besonders für diesen Tag gestellte Regelung der Polizei um die Sicherung der Ordnung. Es erfüllt den Besucher immer wieder mit Erstaunen und auch mit Bewunderung, daß bei solchen beängstigenden Ansammlungen von Menschen und Wagen in Tel-Awiw niemals etwas Ernstliches passiert und die vielen Tausende mit den Unannehmlichkeiten des Drängens und Wartens allein davonkommen. Es spricht noch mehr für diese Massen, daß sie bei dem endlasen Warten in den staubigen Straßen und den schweren Wegen nicht den Humor verlieren und sich mit großer Vernunft benehmen, die vieles Unglück verhütet. 6. Im Stadion. Schon zwei Stunden vor der Eröffnung beginnt sich das Stadion, das Platz für ungefähr 40 000 Menschen bietet, zu füllen. Das helle Holz der Galerien verschwindet mehr und mehr unter einer vielköpfigen Menge, die einen lebenden Ring um den riesigen Platz zu schließen beginnt. Auf den Tribünen, die Platz, für mehrere Tausende bieten, sammeln sich die Besucher, darunter die Ehrengäste. Das Blau-Weiß der Makkabitrachten bringt einen besonderen Ton in die Masse. Die schwarzen Zylinder der Konsuln stechen hervor. Neben den Vertretern der Exekutive der Jewish Agency sieht man die Repräsentanten der nationalen Fonds. Eine Reihe von Rcgicrungsbeamten ist erschienen. Die Ankunft Weizmanns und ebenso Sokolows ruft eine stürmische Ovation hervor. Von der Tribüne weht neben der englischen Flagge eine Reihe zionistischer Fahnen. Ein riesiger Turm in der einen Ecke des Stadions trägt die Initialen des Kercn Kajcmeth Lejisrael. 8. Der groBe Aufmarsch. Beim Schmettern der Trompeten und zum Klange der Musik beginnt der Einmarsch der Mannschaften, in der alphabetischen Reihenfolge der Länder geordnet, jede mit ihren Fahnen und Abzeichen. Die Kolonnen ' umziehen den großen Platz, begrüßen die Tribüne, auf der die Leitung der Makkabiah versammelt ist. Immer neue Massen, in Reihen geordnet, strömen aut 'den Platz, verschiedene mit ihren Kapellen, jede einzelne in ihrer besonderen farbigen Tracht. Jüdische Sportler aus aller Welt, Vertreter von 30 Ländern sammeln sich, neben den europäischen Ländern Sportler aus Amerika, Südafrika, Aegypten, Syrien und der Türkei. Die Mannschaft aus Deutschland ist die zahlreichste auf dem Platz uno wird vom Publikum mit langanhaltenden Rufen und begeistertem Händeklatschen empfangen. Dieser Aufmarsch spiegelt die Zerstreuung der Juden über den Erdball wider, die jetzt in Palästina wieder einen Mittelpunkt findet, in dem sie sich sammelt und dem sie zuströmt. Als letzte der Mannschaften Makkabi aut den Plan. Er hat ganzen Lande, aus allen Städten und sie alle sind erschienen, von bis zu den kleinen Schulkindern, Insgesamt füllen 5000 Menschen Anblick des Stadions, um das die dichtgedrängten, wie ein Wall menge, mit seinen hohen Tribünen der Sportler, die Reihe an Reihe Freude für jeden Beschauer. zieht der palästinensische seine Mitglieder aus dem und Kolonien aufgeboten den großen Sportgruppen die mit im Zuge gehen, den riesigen Piafz. Der Fahnen wehen, mit seiner geschlossenen Zuschauer¬ und den bunten Kolonnen das Oval füllen, ist eine* Verbandes der Revisionisten. Zum Klange der „Hatikwah" wird die Fahne der Makkabiah am großen Turme gehißt und eine Wolke von Brieftauben schwirrt mit der Nachricht der Eröffnung auf. Die Musik setzt von neuem ein und es erfolgt der Abmarsch der Mannschaften, die langsam aus dein Stadion abströmen. Am selben Nachmittag setzen die Wettkämpfe ein, die die Woche hindurch andauern. (Lieber diese wird im Sport- Teil der „J.R." berichtet. - - A.d. R.) 8. Begrünung und Eröffnung. In kurzen Reden, die durch Lautsprecher über den Platz verteilt werden, begrüßen Dr. L e 1 e w e r, der Vorsitzende, und Lord M eich ett, der Ehrenvorsitzende des Makkabi, die Versammelten. Lord Melchett verkündet die Eröffnung der zweiten Makkabiah, es erfolgen die Begrüßungen des „Hapoel", des Sportverbandes der Arbeiter, und des Brith Trunipeklor, des Alfred Landau Mit Dr. Alfred Landau, dem hochangesehenen lind verdienten Wiener jüdischen Gelehrten, ist einer der besten und grundlichsten Kenner der jiddischen Philologie, der Altmeister der judischen Folklore dahingegangen. Was ihn seinen Berufs- und Fachgeuosscn gegenüber besonders auszeichnete, war die Tatsache, daß die Erforschung der jiddischen Sprache und ihrer alten Kulturdenkmäler für ihn nicht nur reine Gelehrten.!! beit, ein Objekt der Wisscnschaftliehkeit war, sondern eine Herzensangelegenheit, die ihn völlig ausfüllte und an der er mit kindlicher Liebe und Treue hing. Landau entstammte dem ostjüdischen Kulturkreis (er wurde in der alten Maskilimstadt Brody, in Ostgalizieii, im Jahre 1850 geboren) und kam als ganz, junger Mensch nach Wien. Die Sprachunterschiede zwischen Deutsch und Jiddisch haben schon recht früh sein wissenschaftliches Interesse geweckt, besonders aber war es das Gebiet des Vokalismus, das ihn stark beschäftigte. Es folgt dann die nähere Bekanntschaft mit dem Mittelhochdeutschen, das eingehende Studium der allgemeinen und vergleichenden Sprachwissenschaft, der deutschen Dialekte und der slawischen Sprachen. Sein Hauptwerk, dem er seine ganze Kraft und wissenschaftliche Lebensarbeit gewidmet hat, blieb auch die Eilorschung der Elemente einer historisch-jiddischen Grammatik wie das Schaffen eines etymologischen und sprachverglcicheudcii Wörterbuches der jiddischen Sprache. Dieses Lebenswerk konnte bis heute noch nicht erscheinen. Die wenigen Monographien, die Landau in seinem arbeitsreichen Lehen veröffentlicht hat, sind zu den Ecksteinen der jiddischen Sprachforschung geworden. Wir heben hier u. a. folgende Arbeiten hervor: „Das Deminutivtlm der galizisch-iüdUcheu Mundart" (Ein Kapitel aus der judisch-deutschen Grammatik); eine grammatische Abhandlung und ein Glossar der Sprache der Memoiren Ghickels von Hameln; in Gemeinschaft mit dem kürzlich verstorbenen Wachstein hat er im Jahre 1011 „Jüdische Privatbriefe aus dem Jahre 1010" mit wertvollen kulturgeschichtlichen und philologischen Anmerkungen und einem Glossar veröffentlicht. Sehr aufschlußreich ist auch seine Veröffentlichung ,./.ur russisch-jüdischen ,Klesmcr'-Spraclic, über die eigenarttre ,Musikanten'-Spraehe im ru-sisch-jüdischen Kuhurhe/irk". Beachtenswert sind auch die Verdienste Landaus um die Erforschung der deutschen < laimersprache. deren Resultate der bekannte Gießener Germauist und Kriminalist L. Günther in seinen Werken über das Rotwelsch, über die jenische Sprache usw. verwerten konnte. Das 75 jährige Jubiläum Landaus, das im Jahre 1025 begangen wurde, hat in der jüdischen wissenschaftlichen Welt ein lebhaftes Echo gefunden. Neben zahlreichen Ehrungen haben dem Jubilar seine Freunde und Schüler eine Festschrift in jiddischer Sprache unter dem Titel „Landau- Buch" (Wilno 1926) dargebracht, zu der auch Landau selbst wertvolle Anmerkungen zur jiddischen Folklore beigesteuert hat. Vielleicht wird «inst ein dankbares jüdisches Geschlecht diesem verdienten Manne und Gelehrten auf dem Skopusberge ein bleibendes wissenschaftliches Denkmal setzen. Seine Arbeit "galt nicht einer Richtung oder Partei im Judentum, sondern dem Volke in seiner Ganzheit. Dr. J. Meitlis Mitteilung des Palästina-Amtes Die Zertifikats- und die Beratungs-Abteilungen des Palästina-Amtes sind am Montag, dem 15., Dienstag, dem 16., Mittwoch, dem 17. April, sowie am Freitag, dem 26. April, nur in dringenden Fällen für das Publikum zu sprechen. Vom 18. bis 25. April finden keine Sprechstunden statt. Die Bekanntmachung in der vorigen Nummer der „Jüdischen Rundschau" ist damit überholt. Auf Dingen steht die Welt Erzählung von GERS OH STERN 5, Fortswliung .NacMru^k verboten Es halte nichts genützt. Hedda war wieder im Elternhaus tinler der sorgsamen Obhut des Kinderfräuleins. Infolge der aufregenden Wochen waren die Eltern noch nervöser. Es mußte noe.li mehr Huhn herrschen, wenn sie zu Hause waren. Lotte und Hobert lugten sieh. Aber über lledda halle das früiilein viel klage zu führen. Hedda halle furchtbare Sillen »»genommen, lledda wollte nicht stillsitzen, lledda wollte ilraulkm spielen, wollte springen, wollte kletlern, wollte Srhab- M feiern und den liehen Golf haben. lledda wollte imitier etwas anderes. Das Fräulein hatte ihre Mühe. Die Eltern waren helrübt. ,,Da siehst, Du den ganzen David mit seiner Frau", sagte Bessinger. ..Es sind Mensehen ohne Bildung, ohne Kulhir. Das ist die Erziehung in einem frommen Haus. Die armen Kinder!" 0. KAPITEL Ein Warenhauskonzern versuchte, am Platze Fuß zu fassen. Bessinger erfuhr es. Er wußte, wer dahinter stand. Er wußte, daß es eine Lebensfrage für ihn war: Der Konzern oder er, für zwei halle die Stadl keinen Platz. Er uder der Konzern. Bei (liehen schlief nicht. Sollte alles umsonst gewesen sein? Alle Arbeit? Alle Sorgen? Berlhchen jammerte nachts in sieh hinein. Das stolze Gebäude Arnold Bessingers sank in diesen Nach Ion in ein Nichts zusammen. End Bessinger sehlief nicht gut. Aus dem Dunkel des Schlafzimmers trat es ihm entgegen. Bei geschlossenen Augen trat es ihm entgegen: er oder der Konzern. Die Frage wurde ins Ohr geraunt, gelacht, ge- ^hrieri. Man konnte sich nicht dagegen wehren. In der Antwort lag das JSichtwiedergutzumachenilc, das Endgültige. Er oder der Konzern. Bessinger halte mehrere Häuser in der Lange Slraßr gekauft. Vorsicht? Spekulation? Voraussicht? Heute das eine, morgen das andere. Es kam für den Konzern nur noch ein Häuserblock in Belraehl. Simon wurde heimlich herangezogen. Kein Mensch durfte Hessinger mit Simon sehen, keiner sah die beiden zusammen. Simon stellte fest, daß verhandelt, wurde. Mit jedem, der in diesem Block ein Haus besaß, wurde verhandelt. In der Mitte des I läu-erbloeks lag an der Eamre Straße" (Iii- Drogerie Peters, die mit ihren Iiiifen lief in den Block eiiisehiiill. Peters war niehl mehr jung. Sein Gesehnt! schlief ein, wie er einschlief. Man halte ihm eine scheine Summe für seinen Grundbesitz, geboten. Da schellte es eines Morgens sehr früh hei l'elers an der Wohiiungslür. Die Straße war menschenleer, der Laden noch nicht geöffnet. Peters schlurfte in Morgenrock und Pantoffeln an die Tür. Der Morgenkaffee tropfte \on seinen Schiiurrbarlhaaren, die sieh über seinem Mund wölbten, auf den Morgenrock, der schien sich dabei w olilziifülilen, denn Flecken reihle sieh an Flecken. Als Peters öffnete, stand der Makler Simon vor ihm. „Ich halie nur fünf Minuten mit Ihnen zu sprechen", flüsterte Simon und verbeugte sieh. Peters hielt auf Anstand. Auch er verbeugte sich. „Ich habe eine gute Nachricht für Sie, Herr Peters." Peters trank gemütlich seinen Kaffee und ließ weitere Tropfen auf seinen Morgenrock fallen, der ebenso duistseelig war wie Peters. ,,Ieh habe eine wirklich gute Nachricht, Herr l'elers. Ich gratuliere ihnen." „Wie, was? gratulieren?" Herr l'elers wurde verwirrt. „Ja", fuhr Simon fort, „man hat Ihnen doch sechziglausend Mark für Ihr Haus geboten." Peters fing an zu lachen. „Sech/iglausend? Ja, vor einein Jalir hält ich 's für fünfundfimfziglaiisend abgegeben. Aber wie die kamen, h.ib ich Xunfuiidsiebziglausend verlangt. Die Bande kann zahlen." „End was bietet man?", fragte leichthin Simon. „Siebonundsechziglausendfünfhundert, auch ein schönes Geld", meinte schmunzelnd Peters. „Nun, ich habe doch recht, Herr Peters, ich kann Ihnen gratulieren. Ich bin beauftragt, Ihnen neimz.iglauscnd Mark für Ihr Hans zu bieten. Neunziglausend Mark." Simon sagte es leicht hin. l'elers setetc die Tasse rasch wieder auf den Tisch. „Neunzig?" „Ja. iieunzigtauseud Mark, auszahlbar heule, in einer Stunde. Nur eine kleine Bedingung, der kauf und' innerhalb einer Stunde, also um S1 .■ I hr, ahgi'>ehlo~»en -ein." l'elers' Hände zitterten. Er rief seine Frau: „Hasch den schwarzen Hock, rasch die Schuhe." ..Der Notar warlet auf uns, Herr l'elers. Das Geld liegt dort." Der Plan des \\ annliaii-kon/ei ns war ge-lorl. Nun griff licsMltger r;i»rh zu. Er |>e»«ß neben seinem (ie^ehä I isliau zwei Häuser. Jv» wurde weiter hiiizugek.ni f I. D.is bei'» sich mit rh'in vorhandenen Besitz vereuem. Nach vierzehn Tagen wußte es die Stadl. Bessinger haut. lies-inger baut ein Warenhaus. Die Fachzeitschriften brachten i\ Die Tauesl.l.ilter brachten es. Es wird eine Sensation für die Sladt. lur die ganze (legend. Hessinger haut, IW-s-inirer. der Mann des Erfolges. Der W arenliauskonzern halte sein.. Hand aiisgesl reck I : im Vugenblick des Zupai'kens halle man auf die Hand getreten. Die Finger dehnten sieh wieder, die Hand wurde zurückgezogen. In kurzer Zeil waren die Häuser abgeri-M'ii. lud wieder ratterten die Molore Bitiii — rmn, l ml wieder sausten die Aufzüge. Sssi — ssiiinni. Es dröhnte, es hämuierle, es schoß aus dem Boden, es war ein Wahnwitz des Häsens. Tag um! Nacht wurde gearlx'itel, Tag und Nacht war keine Buhe auf dem Bau, war keine Hube in Bessinger, war keine Hube in Berlhchen. Tausend Fragen kamen, lausend Antworten wurden verlangt, lausend Antworten wurden gegeben. 'Lausende von Mark flössen hin, Zehutausende, 11 und"i t lausende, w ann war Einhalt? Wann war es genug? Bessinger saß da und kalkulierte. Er rechnete Tag und Nacht. Er liatte die Zahlen im Kopf, er balancierte sie, er jonglierte mit den Summen w ie ein Jongleur mit Bällen. Er kontrollierte jede Mark. Er holte Zehutausende heraus, die fortschwimmen wollten. Er saß da und kalkulierte und sehrieh und rechnete so lange, bis alles vor ihm stand, klar, unumstößlich. Alier Berlhchen? Sie halle nie die Zahlen geliebt, nie die Summen geprüft. Dafür war Bessinger da, das war sein Gebiet. Nun slanden plötzlieh Hunderttausende da. Hunderttausende, di« versanken, unabänderlich versanken und zu Stein, Eisen, Marmor, (»las und Holz wurden, die nicht mehr faßbar waren als Summe, die eine. Voraussetzung wurden, Bessinger war im Geschäft, war auf Uelsen mit dem Architekten, war im Büro vor Tabellen, vor Aufstellungen, vor Plänen, Vorschlägen, Angeboten, Angeboten in Holz, Stein,